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Zul-aer MZeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a. und Haunetal «Zulöaer Kreisbla«

Redaktion und Gesthästssteüe: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Mnsthlaß Nr. 989

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Nr. 187 1926

Fulda, Dienstag, 17. August

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

s * Dem Reichspräsidenten von Hindenburg wurde aus seiner Pommernfahrt in Stolp ein festlicher Empfang bereitet.

* Amtlich wird bestätigt, daß gegen den Magdeburger Land­gerichtsdirektor Hosstnann das Disziplinarverfahren eröffnet ! worden ist.

* Sämtliche Frontkämpferverbände haben sich tn der Frage des Reichsehrenmals erneut für den Ehrenhain bei Bad Berka in Thüringen ausgesprochen.

* Auf einem Pariser Bahnhof ereignete sich ein Zugzusam­menstotz, bei dem es drei Tote und ungefähr 50 Verletzte gab.

* Wie Sinowjew ist jetzt auch der sowjetrussische Volkskom- missar Kamenew gestürzt wordeil.

Wohnungsbau ist notwendig!

Wir taumeln zwischen der Wohnungszwangs­wirtschaft auf der einen, der W 0 h n u n g s n 0 t auf der andern Seite dahin; Millionen von Wohnungen fehlen und brennender als alle anderen Fragen ist dieser immer unerträglicher werdende Zustand des Wohnungsmaugels geworden, der überall besteht, auf dem Lande ebenso wie in den Städten, den großen wie den kleinen. Es gibt ja hier und da freie Wohnungen, aber ihr Erwerb ist so teuer, die Miete so hoch, daß beides unerschwing- I i 6) ist für Mittelstand und Arbeiterschaft. Die Reichs- regierung hat ein Programm obwohl das von Pessi- nüsten bestritten wird, hat einen Kredit von 200 Mil­lionen zur Verfügung, will jetzt in P r e u ß e n, mit dessen Regierung soeben ein Abkommen zustande gebracht wurde, 12 000 Wohnungen mehr bauen lassen als vorgesehen war, will Preußen insgesamt 120 Millionen Kredit zur Ver­fügung stellen alles ganz schön und gut. Man hat dabei bloß immer die Empfindung, daß die Taten den Worten allzuwenig entsprechen, weil man sich oben über das Brennende der Frage zu wenig klar ist. Hat doch kürzlich der preußische Wohlfahrtsminister ein langes Loblied auf die Wohnungsbaupolitik seiner Regierung gesungen aber der Wohnungsbau hat gerade in diesem Jahr den MpHMartungen in keiner Weise entsprochen.

Wir haben mindestens 300 000 erwerbslose Bau­arbeiter! Leicht läßt sich berechnen, welch' große Massen von Wohnungen gebaut werden könnten, wenn die für diese Arbeitslosen ausgegebenen Gelder wirklich produktiv verwandt würden, den Erwerbslosen dadurch Arbeit und Erwerb verschafft würde. So aber gehen die Millionen und Abermillionen dahin, nur um_bic 300 000 am Leben zu erhalten. Schon neigt sich der Sommer und der Woh­nungsbau ist ein Saisongewerbe, das ein harter Winter zum Stocken bringt. Allgemeiner Ansicht nach hat die Schwerfälligkeit des behördlichen Apparates es verhindert, daß der 200-Milliouen-Kredit weitgehend dezentralisiert und möglichst schnell in die Kanäle hineingeleitet wurde, die zu den Städten führten als den gegebenen Instanzen für die Verwendung der Kredite. Gerade das Baugewerbe kann aber auch zu einem starken Anreiz der wirtschaftlichen Produktion werden, weil die Rohstoffe und Materialien, die cs benötigt, so überaus mannigfaltiger Natur sind; davon hat man aber ebensowenig etwas verspürt wie von einem frischen Leben auf dem Baumarkt selbst. Immer wieder kommen die Klagen namentlich aus den Kreisen der Eisenindustrie, daß der Bedarf des Baugewerbes ein geringer sei und bleibe.

Die stärksten Klagen aber sind laut geworden darüber, daß die Erträge der Hauszins st euer so ganz anders verwendet werden, als ursprünglich geplant war; jetzt liegen die Dinge so, daß die riesigen Erträge zum aller­größten Teil nicht etwa zur Kredithergabe zwecks Woh- uuugsucubaus dienen, sondern zurDeckung allgemein-staat­licher Zwecke. Es ist von der Regierung selbst zugegeben worden, daß man mit Hilfe der Hauszinssteuer den Staatshaushalt im Gleichgewicht erhält. Dabei sind die Kredite, die nun wirklich aus den Erträgen dieser Steuern hergegeben werden, nicht etwa billig; dazu kommt, daß die Baukosten ganz allgemein beträchtlich höhere sind als früher, was dann in der H ö h e d e r M i e t e n in neuge­bauten Häusern nur allzu deutlich sichtbar wird.

Der Wohnungsbau stellt einen Teil des großen Ar- bcitsbeschaffungsprogramms bet Regierung dar, über das jetzt wieder ausgedehnte Beratungen im Reichs­kabinett stattgefunden haben. Für die Bereitstellung der Mittel hierzu gilt das Wort ganz besonders: doppelt gibt, wer schnell gibt. Dadurch wird bann mancher Fehler die unvermeidbar sind wenigstens wettgemacht.

Oer Reichspräfideni in Pommern.

Großer Empfang in Stolp.

Auf der Fahrt zu einer Familienfeier weilte der Reichspräsident von Hindenburg am 15. August in Stolp, wo ihm ein festlicher Empfang bereitet wurde. Auf dem Bahnhof wurde der Reichspräsident von Ver­tretern der staatlichen und städtischen Behörden begrüßt. Er wandte sich zuerst den Veteranen aus den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 zu und erkannte in einem der alten Herren einen seiner Burschen aus dem Jahre 1873. Der Reichspräsident setzte darauf seine Fahrt nach dem Rat­haus fort, wo ihm auf der Freitreppe ein Pokal der Stolper Handwerkerschaft überreicht wurde mit der Bitte, ihn zum Gedächtnis an den Stolper Besuch anzunehmen. Darauf geleitete der Oberbürgermeister Hasenjäger den Reichspräsidenten in den Stadtverordnetensaal, be­grüßte ihn im Namen der städtischen Behörden und hat lhn, das Ehrenbürger recht der Stadt St 0 anzunehmen und sich zur Erinnerung für spätere Ge- ichlechter in das Goldene Buch einzutragen.

Die Frage des Reichsehrenmals.

Frontkämpfer sm den Chrenham.

Seit längerer Zeit geht der höchst unerfreuliche Streit hin und her um die Stelle, wo das Reichsehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges errichtet werden soll.

Ob dabei immer die reinsten Beweggründe in die Er­scheinung treten, ob nicht manchmal andere Antriebe als der einwandfreie Gedanke an die von allen anderen Er­wägungen losgelöste heldische Aufopferung unserer ge­fallenen Brüder maßgebend sind, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls bieten die Auseinandersetzungen in mehr afé einer Beziehung ein äußerst trauriges Bild. Deutsch­land, das ganze Deutschland, das ganze Volk will seine Helden würdig ehren, der Nachwelt ein Zeugnis geben von der Bewund.ernngswürdigkeil ihrer Taten. Wie schriller Mißklang tönt in diese Idee der leider ent­brannte Streit um die F 0 r m, vor 0" fingen um den O r t dieser Ehrung.

Auch in den großen Frontkämpferverbänden empfindet man das Unzulässige der er merisienen Art des Wett­

Der Reichspräsident begab sich hierauf zur Hinden­burg-Kampfbahn, wo Oberstudienrat Dr. Morner in einer Ansprache zum Ausdruck brachte, daß die sportliche Betätigung das Feld sein müsse, auf dem das deutsche Volk erzogen werden solle. Einigkeit unter den Volksgenossen solle das Ziel sein, dem die Kampfbahn diene. Der Reichs­präsident erklärte sich damit einverstanden, daß dem neuen Kampfplatz sein Name gegeben werde. Nach der feierlichen Einweihung fanden Reigen von Schülern sämtlicher Stolper Schulen statt, denen die Hin- denburg-Kampfspiele folgten. Der Reichspräsident setzte darauf seine Fahrt nach Weitenhagen fort, wo er der Hochzeit seines Enkels beiwohnt.

Einweihung der neuen Minbrülke.

Nord und Süd ewig verbunben.

Die Alte Mainbrücke, die Frankfurt a. M. mit Sachsen­hausen verband, ist nach zwölfjähriger Bauzeit unter­brochen durch Kriegs- und Jnflationsjahre in ihrer neuen Gestalt dem Verkehr übergeben worden. Die Ein­weihung gestaltete sich zu einem großen Frsttag.

Die Stadt und besonders die an den Main angren­zenden Straßen waren in ein Flaggenmeer verwandelt, die Brücke war in den Farben der einzelnen Buudes-

Die neue Brücke.

staaten beflaggt. In Anwesenheit des Reichsvcr- kehrsministers Dr. Krohne, des preuß fchcu Ministers des Innern, Severing, des Wohlfahrts- ministers Hirtsiefer, des Staatspräsidenten von Hessen, Ulrich, des Oberpräsidenten Dr. S ch w ander und des Regierungspräsidenten E h r l a n s sand dcr^Fcst- akt statt, bei dem u. a. Oberprüsident Schwandcr und Ober­bürgermeister Dr. Landmann auf die Bedeutung der Stunde hinwiesen. In seiner Festansprache führte Ober­bürgermeister Dr. Land m a n n aus, welche historische Bedeutung die frühere Brücke gehabt habe zu einer Zeit, als das Deutsche Reich ein geograpdischer Begriff zu werden drohte. Sie habe zwischen Nord und Süd die Ba»de stets enger geknüpft. So sei die neue Brücke ein Symbol für die enge Verbundenheit zwischen Nord und Süd, für das einige Deutsche Reich. Unter gemeinsamem Absingen des Deutschlandliedes, Böllerschüssen, Glocken­geläut und dem Heulen der Sirenen zerschnitt der Ober­bürgermeister das Band.

Es folgte dann ein T r a ch t e n z u g der landsmann­schaftlichen ^Verbände und Vereinigungen. Dann begann der große Schiffsfestzug. Die Städte im Rhein- und Main­gebiet hatten dazu künstlerisch geschmückte Schrfse gestellt, ebenso die im Rhein- und Maingeb,ett ansässigen Jndustriefirmen, Korporationen und Vereine des inneren Bezirks der Stadt Frankfurt. Beim Festmahl hielten nach Begrüßungsworten des Oberbürgermeisters Relchsver- kehrsminister Dr. Krohne und der preußische Innen­minister Severing Reden. Die beiden Minister wür­digten darin die Stadt Frankfurt als Bindeglied zwischen dem deutschen Norden und dem deutschen Süden in poli­tischer, kultureller und wirtschaftlicher Beziehung.

bewerbes um das Ehrenmal. Diese Verbände haben des­halb jetzt dem Reichspräsidenten , der R e i ch s - regierung sowie dem Präsidenten desDeu 1 - schen Reichstages Mitteilung gemacht, daß sie nach wie vor an dein Gedanken des Eh r e n h a i n s festhaltcn und für sie als Ort für den Ehrenhain das im Mittel­punkt Deutschlands gelegene Bad Berka bei Weimar in Thüringen allein in Frage kommt. Diese Erklärung haben abgegeben: Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Stahlhelm, Reichslriegerbund Kyffhäuser, Reichsbund jüdischer Front­soldaten, Reichsvrrejnigung ehemaliger Kriegsgefangener, Reichsverband der Kriegsbeschädigten, Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Zentralverband der Kriegs­beschädigten.

*

Gleichzeitig betonten die genannten Frontkämpserver- bände, daß jede äußere Ehrung ihrer gefallenen Kame­raden nur dann Sinn hat und verstanden werden wird, wenn gleichzeitig auch das Los der durch den Krieg schwer betroffenen Kriegsbeschädigten, Kriegswitwen und -Waisen sowie Hinterbliebenen gleichzeitig fühlbar gebessert werde.

Kamenews E-inrz.

Mikojan sein Nachfolger.

Moskauer Telegramme bestätigen die Meldung, daß der Volkskommissar Kamenew wegen Meinungsver­schiedenheiten mit der Mehrheit des Zentralansschusscs vom Posten des Volkskommissars für Innen- und Außen­handel enthoben wurde. Zu seinem Nachfolger wurde Anastasij Mikojan, der 30jährige Sekretär der nord- kaukasischen kommunistischen Organisation, ernannt.

Mikojan ist Mitglied des Zentralansschusses und Kan­didat für die Mitgliedschaft des Politischen Bureaus. 11118 wurde er in Baku mit 26 bolschewistischen Kommissa­ren von den Engländern verhaftet; er rsi nur zufällig dem Tode entgangen.

Kitcheners Leiche nicht vorhanden.

Eine Filmreklame?

London, 16. August.

Die Vermutung, daß die ganze Kitchener-Legende zu Filmreklamezwecken in Szene gesetzt wurde, gewinnt an Wahrscheinlichkeit. In dem Sarge, der von dem Journa­listen Frank Power aus Norwegen nach London gebracht wurde und angeblich die Leiche Kitcheners enthalten sollte, wurde, als er geöffnet wurde, eine Granate mit Kupfer- mantel, aber kein Leichnam gefunden.

Gerüchte über den Eisenpakt.

Gescheitert oder nicht?

Die Verhandlungen über die Gründung eines euro­päischen Eisenkartells sind in letzter Minute noch einmal aufgeschoben worden, nachdem die endgültige Unterzeichnung bereits angekündigt war. Brüsseler Blätter wollten nun wissen, daß die Verhandlungen der Metallindustriellcu gescheitert seien. Zwischen den deutschen, französischen und luxemburgischen Vertretern habe volle Übereinstimmung bestanden, aber die Belgier seien mit den Vorschlägen nicht zufrieden gewesen.

Demgegenüber werden von den zuständigen Persön­lichkeiten der deutschen Eisenindustrie die Ansichten für das Zustandekommen des Paktes weiterhin günstig beur­teilt. Die noch ausstehende Zustimmung der französischen Gruppe wird nur als ein Mangel rein formaler Natur bezeichnet. Mit Belgien liegen die Verhältnisse aller­dings etwas schwieriger, aber von einer ernsten Kompli­kation kann nach deutscher Auffassung auch hier nicht die Rede sein.

Trifft bis zum 5. September keine zustimmende Ant­wort der belgischen Teilnehmer ein, so wäre mit neuen Verhandlungen zu rechnen.

politische Rundschau.

Deutsches Reich

Schluß der Kölner Kundgebung.

Der Höhepunkt der Kölner Tagung des Bundes der Saarvcrcine und des Reichsverbandes der Rheinländer bildete die große Kundgebung für Rhein, Pfalz und Saar. Dem Festzug, der sich im Anschluß au die Tagung for­mierte, blieben Reichsbanner, christliche Gewerkschaften und Verein der Rheinländer fern, weil sich in der Frage der im Festzuge mjtzuführeuden Flaggen Mißhclligkeitcn ergeben hatten.

Abbau preußischer Polizeivcrordnungcn.

In ^Preußen sollen etwa eine Million Polizei­verordnungen außer Kraft gesetzt werden. Wie Ministerialdirektor Dr. Abegg erklärte, will man vermeiden, daß Verorvmingcn, die überflüssig geworden sind oder praktisch nicht mehr angewandt werden, zu einer Plage für die Bevölkerung werden, falls sic gclcgentlrch wieder ansgegraben werden sollten. Dazu kommt, daß bic Gerichte die Rechtsgültigkeit vieler Verordnungen verneint haben. Auf Grund eines Gesetzes sollen nun nach einer