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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal Fuldaer Kreisblatt

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Nr. 191 1926

Fulda, Samstag, 21. August

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

Die Reichsregierung ist offiücH zur Teilnahme an den Arbeiten der am 30. August in Gens zusammenireienden Sâcnkammission zur Reform des Völkerbundes eingeladen tnri^r.uh S' ul,b br£! andere kommunistische Parlamen- tarier sind aus der K. P. D. ausgeschlossen worden.

* Die Zahl der Todesopfer des Eisenbahnunglücks bei Leiserde Hal sich aus 21 erhöht.

^.*^".N^ar"ü»g ist eine Revolution ausgebrochen: mebrere Städte lind im Besitz der Rebellen. 9

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Verbrecher-Hochsaison.

Gibt es wirklich Menschen unter uns, die der Meinung sind, daß wir, trotz Erdbeben unb Windhosen und Hoch- tvasser und Exblosionskatastrophen, noch immer nicht ge­nug Elend und Unheil in der Welt haben? Daß man Ässo etwas nachhelfen müsse, das Gegenteil vom bekannten »dem Glück nachhelfen", das als eine der vielen Selbst- chilfemethoden internationaler Gauner und Hochstapler be­kannt ist? Auch diese Gilde von Verbrechern ist offenbar irgendwie international organisiert; man weiß von ihnen nicht, ob sie nur aus Lust an ausgemachten Schandtaten ihr niederträchtiges Handwerk treiben, oder ob sie, in die­sem oder jenem Fall wenigstens, aus irgendwelchen an­deren Motiven heraus operieren. Aber mutz es nicht un­gemein auffallen, wie jetzt, nachdem vor einigen Wochen erst ein großer Teil der Pulvervorräte für die amerika­nische Marine unter recht geheimnisvollen Umständen in die Luft geflogen ist, ein ähnlicher Vorgang sich plötzlich auch in Ungarn abgespielt hat? In Budapest scheint man schon die Überzeugung gewonnen zu haben, daß es sich hier unzweifelhaft um eine von verbrecherischer Hand verur­sachte Explosion handelt, während in der amerikanischen Bundeshauptstadt vorsichtiges Schweigen über die näheren Umstände der Katastrophe gewahrt ivird.

, Und was soll man erst dazu sagen, wenn auf einer der Hauptsü^^i des ^deyMW MeM-âvetzes .Pexbrecher- Hände sich ans Werk machen und einen der großen inter­nationalen Verbindnngszügc zur Entgleisung brin­gen, so daß Tod und Verderben wieder über ungezählte schuldlose Menschen gebracht wird? Ist hier nichts als Lust an Mord und Zerstörung im Spiel oder ivar es, nach Wildwestvorbildern, aus Beute abgesehen, die bei weniger entsetzlichem Ausgang des frevelhaften Anschlages mit Hände hoch!" und entsprechendem Rcvolvernachdruck zu machen gewesen wäre? Eben erst hat ein Eisenbahn - d i e b dieser Art, der aus der Strecke PosenBerlin einen weiblichen Fahrgast beraubt hatte und dann das Weite suchen wollte, den Tod auf den . Schienen gefunden, ein warnendes Beispiel, über das sich die Schandbuhen von Hannover wenn wirklich das Eisenbahnunglück auf ein Verbrechen zurückzuführen ist indessen kaltblütig hin- weggesetzt haben. Man kann sich kaum vorstellen, daß es ihnen nur darum zu tun gewesen sein sollte, sich an den Dualen der nächtlichen Opfer ihres Frevels zu weiden, oder daß sie etwa der Welt in Erinnerung bringen wollten, daß nicht nur der mehr und mehr in Aufnahme kommende Luft- und Autoverkehr, sondern auch noch der uns längst schon zur Alltagsgewohnheit gewordene Eisenbahnverkehr plötzlich als ein verhängnisvolles Wagnis sich erweisen kann. Rein, hier hätten sich wieder einmal Abgründe seelischer Verworfenheit aufgetan, daß man wirklich fast den Glauben an die Menschheit verlieren könnte.

Die eirgWe» Aergballverhandlungen abgebrochen.

Jedoch T e i l a b k 0 m m e n abgeschlossen.

Die Londoner Verhandlungen zwischen den Grubenbesitzern und den Bergarbeitern sind ergebnislos abgebrochen worden. Die Bergarbeiterexekutive hielt an ihren alten Forderungen aus ein nationales Lohnabkom­men und aus den Siebenstundentag fest und wollte die neue Lohnregelung erst nach erneuter Prüfung der Reorgani- sationsmöglichkeiten im Bergbau erörtert wissen. Autzer- beni hielten die Bergarbeiter weitere Regierungssuhsidien für erwünscht. Die Grubenbesitzer dagegen sprachen sich für die Erhöhung der Arbeitszeit und die örtliche Lohn- regelung aus. Nach dem Scheitern der Verhandlungen begaben sich die Bergarbciterführcr zum Gewerkschaftsrat, um die Fortsetzung des Streiks und die Propaganda für den Streikfonds zu besprechen.

In Mansfield in der Grafschaft Nottinghamshire fand eine Konferenz zwischen den Direktoren mehrerer Grubcngesellschaftcn' und etwa 100 Bergarbeiterdelegier- len statt, die mit der Annahme eines Vorschlages für einen Siebencinhalbstundentag mit den vor dem Streik gültigen Löhnen durch die Bergarbcitcrvertrcter endete. Die an dem Abkommen beteiligten Grubengesellschaften beschäftigen 12- bis 14 000 Arbeiter. Auch aus anderen Bergbaubezirken wird berichtet, daß kleinere Gruppen von Bergarbeitern ohne Wissen ihrer Gewerkschaft selbständig und in einer Reihe von Fällen auch mit Erfolg verhandelt haben.

Keine Melserhöhuns in Preußen.

Berlin. Die von einigen Blättern gebrachte Nachricht, die preussische Regierung beabsichtige bis zum 1. April 1927 eine MietScrhöhung bis auf 120 % der Friedensmiete, ist nach dem "Amtlichen Preußischen Pressedienst völlig unzu- treffe nd.

Deutschland nach

Die Studienkommisfion einberufen.

Die Militärkontrolle

Wie halbamtlich mitgeteilt wird, ist der Regierung Freitag durch Vermittlung des Generalsekretärs des Völ­kerbundes telegraphisch die Einberufung der Kommission zum Studium der Reorganisation des Völkerbundrates für den 30. August mitgeteilt worden.

Die Reichsregierung wird voraussichtlich den Bot­schafter Hoesch wieder nach Genf entsenden, über die Frage, ob Ministerialdirektor Gaus an der Studienkom­mission in Genf teilnehmen oder sich der Regierung in Berlin zur Verfügung halten wird, dürfte erst später eine Entscheidung getroffen werden.

Deutscher Protest zur Kontrollfrage.

In der in G e n f bereits tagenden Unterk 0 m - missionzurVorbereitungderAbrüstungs- konserenz wurde der Gemischten Kommission die Schaffung eines unparteiischen Organs zur Entgegen­nahme von Klagen und Beanstandungen empfohlen sowie die Ermächtigung erteilt, in besonderen Fällen eine Unter­suchungskommission einzusetzen.

Die deutsche Delegation gab hierzu die formelle Er Nârung ab. daß eine Kontrolle, wir sie Deutschland auf-

Untersuchung der Eisenbahnkatastrophe.

Attentat oder Angläckssall?

Hindenburgs Beileid.

Die Zahl der Todesopfer bei der Eisenbahnkatastrophe hat sich auf 21 erhöht und man rechnet mit einer noch weiteren Erhöhung, da noch mehrere Schwerverletzte in ernster Lebensgefahr schweben. Reichspräsident v. Hin­denburg, Reichskanzler Dr. Marx, der bayerische Ministerpräsident Dr. Held und Reichsverkchrsminister Dr. Krohne drückten telegraphisch ihr Beileid zu dem furchtbaren Unglück aus.

Dorpmüllers Erklärungen.

Der Generaldirektor der Reichsbahn, Dorpmüller, der persönlich an der Leiferder Unglückstelle weilte, hat gleich nach seinem Eintreffen Vertretern der Presse seine Ein­drücke übermittelt. Er sowohl wie die Staatsanwalt­

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schaft und ein Vertreter des Reichsverkehrsministers, der gleichfalls an der Unglücksstätte weilte, sind übereinstim­mend zu der Überzeugung gesammelt, daß hier ein ver­brecherischer Anschlag vorliegt. Reparaturen sind an der Strecke seit einigen Monaten überhaupt nicht nötig ge­wesen. Zur Aufklärung der Ursache sind folgende Fest- stellungen wesentlich: Die Schiene auf der rechten Serie, d. h. von Berlin aus nach Hannover hin, tft losgelost und hat sich in die Nähe der anderen Schiene hrngeschobcn. Die Laschenschrauben, durch die die Schienenstöße mttetn» ander verbunden werden, sind herausgenommen und lie­gen unbeschädigt neben den Schienen. Wäre das Unglück die Folge eines schlechten Oberbaues, so müßten dre Schrauben verbogen und gebrochen sein. Etwa zehn Meter von der Unglücksstätte entfernt, im Walde, sind zwei Schraubensteckschlüssel gefunden worden. Diese sind einen halben Meter große Schlüssel in T-Form, die am Ende eine Schraubenmutter zum Lösen der Stellschraube haben. Ferner wurde gefunden ein gewöhnlicher Maschen- schraubenschlüssel und ein alter Hemmschuh, wie er ge­wöhnlich zum Rangieren benutzt wird, der, festgeklemmt, allein einen Zug zur Entgleisung bringen kann.

Vermutungen.

Die Strecke wird in der Nacht innerhalb 50 Minuten von vier Zügen befahren, und zwar von dem Luxuszug

Gens eingeladen.

erlegt worden ist, der Würde und Souveränität eines Staates widerspricht, und daß sie nur von einem Staate angenommen werden konnte, der einer Welt von Feinden erlag.

Das Programm für Genf.

Nach Londoner ziemlich zuverlässigen Nachrichten ist das Programm |ur oie kommende Volkerbundsitzung nun­mehr den Mitgliederstaaien des Völkerbundes bekanntge­geben. Der Rat wird am 2. September und die Völker­bundversammlung am 6. September zusammentreten. Am 2. September wird auch das Finanzkomitee des Völker­bundes, das über die bulgarische Flüchtlingsanleihe zu entscheiden habe, zusammentreten. Man hoffe, daß die am 30. August zusammentretende Kommission über die Zu­sammensetzung des Völkerbundrates zu einem endgül­tigen Bericht kommen wird. Die Sitzung wird wegen der erneuten Kandidatur Deutschlands bemerkenswert sein. Man glaubt, daß keinerlei Hindernisse für Deutsch­lands Wahl in den Völkerbund und den Rat im Wege stehen, aber die Furcht, daß Spanien sich vom Völkerbund zurückziehen werde, wenn es nicht gleichzeitig mit Deutsch­land einen ständigen Ratssitz erhalte, ist immer noch nicht zerstreut. -

D. 12 um 1,13 Minuten, dem Schlaswagenzug D. 16 um 1,36 Minuten, dem holländischen Zug D. 174 um 1,52 Minuten und dem l>. 8 um 2,03 Minuten. Letzterer ist der UnglüdgAug gewesen. Es sei möglich, paß während dieser ganzen Zeit von den Verbrechern an den Schienen ge­arbeitet worden ist, daß sich bei den drei vorangehenden Zügen das Attentat als wirkungslos erwies und dann die Schiene heraufgebogen worden ist, so daß den letzten Zug das Unglück traf. Die Gegend liegt völlig einsam in einem Waldstreifen von drei bis vier Kilometer Tiefe. Die Nacht war völlig dunkel.

Beweggründe ungeklärt.

Die Motive zu der Tat der Eisenbahnfrevler erschei­nen noch recht ungeklärt. Die Reichsbahnverwaltung nimmt an, daß mehrere Mann in Frage kommen, wofür besonders der Umstand spricht, daß an der Nnglücksstelle mehrere Stücke Werkzeug von einer Sorte gesunden tour»

den. Es müßten demnach also zwei Mann ein Interesse daran gehabt haben, den Zug zum Entgleisen zu bringen. Der tiefere Beweggrund für diese Absicht könnte eigentlich nur ein beabsichtigter Raub sein.

Da aber auch nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vorhanden ist, daß Raub geplant war, so erscheint die Mut- matzung nach der Anzahl der Täter um so schleierhafter. Man könnte sich vorstellen, daß ein Wahnsinniger ein Eisenbahnattental vollbringt. In Anbetracht dessen, daß sich für ein Eisenbahnattental bisher keine einleuchtenden Gründe finden ließen, rechnet man verschiedentlich trotz der angeführten Verdachtsmomente damit, daß das Un­glück nicht auf ein Attentat, sondern aus einen Material- fehler bzw. die Beschaffenheit der Strecke zuruckzu- fül)tcn ist

Wie bekannt wird, ist an der Unglücksstelle ein weit größeres Unglück dadurch verhütet worden, daß es einem Bl 0 ckwärter gelang, einen mit tausend Personen be­setzten entgegenkommenden Personenzug im letzten Augen­blick kurz vor dem verunglückten Zug zum Halten zu bringen.

Fragen an Dorpmüller.

Die BerlinerBZ am Mittag" schreibt:

Der stellvertretende Generaldirektor der Reichsbahn- gesellschaft, Dorpmüller, hat gestern abend sofort nach sei-.