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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön ua- Vogelsberg

Zul-a- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 198 1926

Fulda, Montag, 30. August

3. Zahrgans

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Der deutsche Botschafter in Paris, b. Hoesch, ist von Berlin «in Begleitung des Ministerialdirektors Gans nach Genf ab- ! gereist, um an den Arbeiten der Studienkommission teilzu- nehmen.

* Spanien verlangt in seiner Note an England, Frankreich, ^Italien usw. die Einberufung einer Tangerkonserenz nach Gens noch vor der Tagung des Völkerbundes.

* Der Papst soll von den Großmächten gebeten werden, in Iber durch Spanien angeschnittenen Tangerfrage vermittelnd ^inzugreisen.

* Der Minderheitenkongretz in Genf wurde geschlossen mit der Annahme mehrerer Beschlüsse für befferes Recht der Min­derheiten.

* Jm Ruhrbergbau wurde vom Schlichter ein Schiedsspruch gefällt, den die Arbeitnehmer annahmen, die Arbeitgeber da­gegen ablehnten.

Weg mit der Militärkontrolle!

Zu den Dingen, die für jeden Deutschen als Folgen des Versailler Friedens am beschämendsten sind, gehört neben der Besetzung der Rheinlande und der Abtrennung des Saargebietes, ganz abgesehen von den übrigen schwe­ren Verlusten, sicher die Anwesenheit der interalli­ierten M i l i t ä r k 0 in m i s s i 0 n aus deutschem Bo­den. Dies führt drastisch vor Augen, daß wir trotz aller gegenteiligen Behauptungen noch nicht im vollen Rechte souveräner Staaten stehen. Wir sehen vielmehr immer den Gerichtsvollzieher vor Augen, der unbarmherzig für die Gläubiger den Tribut einzieht.

Man muß zugeben, daß diese Kontrollkommission in der letzten Zeit ihre Tätigkeit mehr im geheimen ausübt und nicht mehr so provokatorisch wie früher auftritt. Sie ist, wie es in der Diplomatensprache heißt, in einem ge- wissen Sinne unsichtbar gemacht worden. Wenn sie aber auch so den Augen der Masse entrückt ist, so macht sie ihre Anwesenheit unserer Regierung um so bemerk­barer durch häufige Absendung von Noten auf dem Wege . Über die Batschafterkouserenz in Paris. Bei Lage der *- Dinge ist es natürlich eine notwendige Folge, daß zwischen den von der Reichsregierung beauftragten Stellen und der Kommission eine ständige Fühlungnahme aufrecht­erhalten wird, um Meinungsverschiedenheiten schnell aus­gleichen zu können. Deshalb ist in diesem Falle eine Note immer etwas Auffallendes, da dadurch angezeigt wird, daß man Fragen von größerer, vielfach prinzipieller Trag­weite anschneiden will.

Jetzt, so kurz vor dem Beginn der Genfer Tagung, wo von allen Seiten immer wieder zu verstehen gegeben wird, daß damit endlich der Zeitpunkt aufhören soll, wo Deutschland als ein Staat zweiten Ranges behandelt werden darf, kam die Kunde, daß die Botschafterkonferenz auf Veranlassung der interalliierten Militärkommission auf einmal gleich drei Noten an die Reichsregierung richtete. Der zuerst aufgetauchten Meldung, daß es sich um Schriftstücke ultimativen Charakters und noch dazu in grobem Tone gehaltene handele, wird allerdings halb­amtlich widersprochen. Das ändert aber an der Tatsache selbst nichts. Die Roten sind nun einmal da und es ist kein Trost, wenn jetzt betont wird, daß die gemachten Ausstände inzwischen schon behoben sind. Das würde nur bedeuten, daß es auch in diesem Falle nicht eines so groben Geschützes, wie es eine Note darstellt, bedurft hätte.

Nach allem, was uns bisher in Aussicht gestellt wurde, konnte man damit rechnen, daß die Kontrollkommission schon in der ersten Hälfte dieses Jahres ihre Tätigkeit in Deutschland einstellen würde. Tatsächlich hat man sie auch der Personenzahl nach etwas eingeschränkt. Aber von einem restlosen Abbau sind wir noch weit entfernt. Es ist zu verstehen, wenn sich die Erregung in der deutschen Öffentlichkeit über diese ganze Einrichtung nicht legen will. Die Entwaffnung Deutschlands, die die Kommission überwachen sollte, sollte nach dem Friedensvertrag der Auftakt der allgemeinen Weltentwaffnung sein. Wie es damit bestellt ist, beweisen die bisherigen Ergeb- Nisse der vorbereitenden Abrüstungskommission des Völ­kerbundes. Alle Wünsche Frankreichs wurden erfüllt, die geradezu das Gegenteil einer Abrüstung sind. Da kann man sich nicht des Verdachtes erwehren, daß von der Gegenseite noch vorhandene kleine Differenzen absichtlich anfgebauscht werden, um so den Anschein zu erwecken, als ob die Hauptforderung der Franzosen für ihre Sicherheit, die restlose Entwaffnung Deutschlands, noch immer nicht erfüllt sei und im weiten Felde liege.

Gerade auf französischer Seite wird immer wieder ge­fordert, daß man auf eine moralische A b r ü st u n g Deutschlands dringen müsse, das heißt, daß Deutschland jeden Revanchegedanken von sich weise. Aber die Nadel- stichpolitik, die man uns gegenüber betreibt, dürfte einer solchen moralischen Abrüstung nicht gerade förderlich sein, zumal wir sehen, daß die Gegenseite überhaupt nicht an einen ähnlichen moralischen Schritt denkt. Von gewisser Stelle wird die Hoffnung ausgesprochen, daß bis zur Völkerbundtagnng auch die restlichen Differenzen in der Entwaffnungsfrage befriedigend gelöst würden, damit die Interalliierte Kommission endlich verschwinden könne. In Deutschland sind demgegenüber viele miß­trauisch und halten den Druck der französischen Generäle schließlich für stärker als den Willen der Politiker, die einmal zu einem befriedigenden Ende kommen wollen. Auf alle Fälle zeigt uns die letzte unzweckmäßige Mah­nung in Gestalt der Noten die immer noch gespannte Lage, die vollste Wachsamkeit unserer Genfer Vertreter erfordert.

Spanien will eine

Die Ansprüche Spaniens.

Abneigung in London und Paris.

Aus England erführt man, daß die spanische Note an England, Frankreich und Italien eine Einladung ent­hält zu einer Konferenz in der Tangerfrage, die am Vor- abend der Tagung des Völkerbundrates am 1. September in Genf stattfinden soll. Sehr überrascht hat in London die Tatsache, daß diese Einladung auch den Mächten zu- grstellt worden ist, die Unterzeichner der Tangerkonven- tion und der Algecirasakte sind, einschließlich Hollands, Belgiens, Portugals und, wie man glaube, auch der Ver­einigten Staaten. Auch Schweden scheine von der spanischen Regierung zur Teilnahme an der Konferenz ausgefordcrt worden zu sein, allerdings nicht in bezug aus Tanger, sondern int Zusammenhang mit der Rats- sitzfratz^ â der Madrid noch immer die Tangerfrage zu verbinde:' p:' L

In Pu;.? soll man noch immer hoffen, Spanien von seinen ehrgeizigen Ansprüchen abzubringen. Da­gegen sei man in Großbritannien äußerst peinlich berührt und in ziemlicher Erregung. Spanien schlage vor ent­weder Einverleibung Tangers in die spanische Marokko­zone oder Übertragung eines Völkerbundmandats an Spanien. Gleichzeitig sei den Mächten eine Frist für die Beantwortung der Rote gefetzt, und zwar soll die Antwort vor Beginn der Völkerbundlagung in Madrid eingelaufen sein.

Das fpamfcheEntweder-Oder".

Madrider Blätter betonen, niemand brauche darüber erstaunt zu sein, daß die spanischen Forderungen bezüglich des Völkerbundes und bezüglich Tangers zu gleicher Zeit aufgestellt würden, denn diese beiden Fragen seien innig miteinander verbunden. Sein Rang, seine Ge­schichte und seine Stellung gegenüber Europa und Ame­rika verpflichteten Spante!'., einen ständigen Sitz in Genf zu fordern. Wenn Spanien nicht einmal in dieser be­rechtigten Forderung Genugtuung erhalten würde, was hätte es denn für Spanien noch einen Zweck, in Genf zu bleiben? Wenn das gegenwärtige Regime für Tanger durch Einverleibung dieser Stadt in das spanische Pro­tektorat oder durch Übertragung eines Mandates an Spanien ersetzt würde, dann würde Spanien dadurch ein nnrweidentiaes Zeugnis der Achtung und Wert-

6W de-GenferMinderheiteilklMgreffe-

Für paritätische Kommissionen.

Der Kongreß der nationalen Minderheiten hat mit der Annahme von drei Entschließungen seine Arbeiten be­endet. Die erste Resolution bezieht sich auf die Sprachen­frage. Sie fordert, daß die Landessprache ausschließlich als Verwaltungssprache zwischen den Staatsorganen und den Bürgern dienen solle. Jede nationale Gruppe soll aber das Recht haben, Schulen zu besitzen, in denen der Unterricht in ihrer Sprache erteilt wird. Die zweite Ent­schließung betrifft die Regelung der Konflikte zwischen den Regierungen und den Minderheiten. Sie befürwortet die Einsetzung paritätischer Kommissionen und die Verbesse­rung des Verfahrens vor dem Völkerbund. In der dritten Resolution beschließt der Kongreß, im nächsten Jahre wieder zusammenzutreten. Er beauftragt zu diesem Zweck eine Kommission mit der Vorbereitung der Arbeiten. Die Kommission wird eine Monatsschrift herausgeben, die in französischer und deutscher Sprache verfaßt wird und Min- derhettenangelegenheiten behandelt.

Gedenktag für Heer und marine.

Im Beisein zahlreicher alter militärischer Führer.

Zum zweitenmal im Monat August hat N ü r n b e r g Festschmuck angelegt. Vor vierzehn Tagen feierte hier das Reichsbanner den Jahrestag der Verfassung. Jetzt wird zum erstenmal seit Kriegsende ein Gedenktag zu Ehren der gefallenen Helden des Weltkrieges abgehalten. Die be» deutendsten Führer des alten Heeres wohnen der Feier bei. Die Straßen bei Stadt zeigen reichen Flaggenschmuck.

Den Auftakt zu der Veranstaltung bildete die Ein­holung von 48 Regimentsfahnen, die im Bayerischen Armeemuseum in München untergebracht waren und durch eine Ehrenkompagnie der Landespolizei abgeholt und in Verwahrung genommen wurden. Unmittelbar daraus traf Feldm'arschall Mackensen ein, der von der großen Menschenmenge begeistert begrüßt wurde. Am Abend fand ein großer Zapfenstreich mit Fackelzug statt. Die zahllosen Zuschauer sangen am Schluß der Veranstaltung begeistert das Deutschlandlied. Daraus verkündete ein Böllerschuß den Beginn der Festbeleuchtung der alten Kaiserburg.

Von den zur Tagung erschienenen militärischen Führern seien noch genannt: Generalfeldmarschall Kron­prinz Rupprecht vou^Bayeru, Prinz Oskar von Preußen, Prinz Eduard von Koburg, Prinz Ernst von Sachsen- Meiningen, Fürst Sttingen-Wallerstein, Generaloberst von Bothmer, Generalleutnant von Cramon, General der Infanterie von Franyois, Generalmajor Graf v. d. Goltz, General der Infanterie Hutier, General v. Gallwitz, Ge­neralleutnant v. Epp, Generaloberst. v. Einem, General der Infanterie Freiherr v. Lüttwitz, Admiral Scheer, Ad- Ultras v. Schröder, Admiral von Trotha, Hauptmann Seldte.

Tangerkonserenz. schätzung und Anerkennung seines wirklichen Wertes im Konzern der Mächte erlangen.

Wie aus London gemeldet wird, haben die Groß­mächte den Vatikan gebeten, bei der spanischen Regierung wegen Tanger und der Frage bet Ratssitze Vermittlungs- Vorschläge zu machen.

Aus Tanger selbst kommen Meldungen, die bestäti­gen, daß die Ruhe und Ordnung zu wünschen übrig- lassen. So drohten auf die Nachricht hin, der Führer der jüngsten Streikbewegung, Torres, sei verhaftet worden, die Arbeiter mit der sofortigen Wiederaufnahme des Streiks. Man will aber vor allem von einer spanischen Oberherrschaft in Tanger nichts wissen.

Die Deutschen in Genf.

Die Beratungen der Studienkommission.

Der deutsche Botschafter in Paris, Herr v. Hoesch, wurde bei seiner Anwesenheit in Berlin vom Reichs­kanzler empfangen und ist dann nach Genf abgereist, um an den Beratungen der Studienkommission, die am Mon­tag zusammentritt, teilzunehmen. Mit Hoesch fuhr auch Ministerialdirektor Gaus nach Genf, der nach den frühe­ren Absichten in Berlin bleiben sollte. Die deutsche Ver­tretung in der Studienkommission wird also diesmal die gleiche fein wir im Mat. Am Mittwoch soll in Berlin eine Kabinettssitzung stattfinden, in der endgültig über die Zusainmensctzung der deutschen Delegation zur Genfer Ratssitzung bestimmt werden soll.

In der Unterredung, die Botschafter v. Hoesch vor seiner Abreise von Paris mit Briand hatte, soll dieser sich in der Frage der Truppenverminderung im Rhein­land? entgegenkommend gezeigt haben.

*

25. Weltfriedenskongreß.

Am Montag wird in Gens ebenfalls der 25. Welt­friedenskongreß durch eine öffentliche Versammlung in der Viktoria-Halle eröffnet. Der Genfer Staatsratspräsi­dent Moriaud wird die Delegierten namens der Genfer Regierung willkommen heißen. Die Arbeiten des Kon­gresses dauern bis Freitag abend und werden folgenden Fragen gewidmet sein: Zusammensetzung des Völkerbund­rates, Souveränität der Staaten, wirtschaftliche Organi­sation des Friedens, Kolonialpolitik.

Är Kriegösthuldfrage.

Eine Entschließung des Fortsetzungs- A u s s ch n s s e s.

Genau vor einem Jahre, am 29. August 1925 hatt, die deutsche Delegation an die Stockholmer Kirchen­konferenz einen Brief gerichtet, in dem erklärt wurde, daß die rückhaltlose Klärung der Kriegsschnldfrage eint moralische Aufgabe ersten Ranges sei, die uni ihrer selbst willen, aber auch im Hinblick ganz besonders auj die künftige ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen als unabweislich und dringend erscheint. Als Ant­wort hierauf hat der in Bern tagendeFortsetzungs­Ausschuß" eine längere Entschließung angenommen in der es u. a. heißt:

Obwohl der Fortsetzungsausschuß davon Abstand nimmt, sich mit irgendwelchen rein politischen Gegen­ständen zu befassen, bekennt er sich doch zu der Ueber­zeugung, d 0 das Arbeitsziel der Stockholmer Weltkon­ferenz, deren Werk er fortzusetzen hat, unlöslich ver­bunden ist mit der entschiedenen Bejahung bestimmter moralischer Prinzipien, welche unumstößliche Grund­wahrheiten des Reiches Gottes darstellen. In Ueber­einstimmung mit diesen Prinzipien gibt der Fortset­zungsausschuß bei diesem Anlaß rückhaltlos die Er­klärung ab, daß es zu allererst auf die Wahrheit au« kommt und daß keinerlei Interessen, mögen sie eine Einzelperson oder eine Gemeinschaft betreffen, sich der Wahrheit widersetzen dürfen. Er erklärt weiter, daß die Achtung vor dem gegebenen Manneswort die Regierungen wie die Einzelpersönlichkeiten zu beseelen hat, daß unmöglich durch Krieg festgesetzt werden kann, was recht ist, daß politische Urkunden durchaus nicht mit Notwendigkeit geeignet sind, ein endgültiges mora­lisches Urteil zu fällen und daß ein jedes erzwungene Bekenntnis, wo immer es auch abgelegt sein mag, moralisch wertlos und religiös kraftlos ist.

Der Fortsetznngöausschuß erklärt es als geböte», daß durch jedes nur mögliche Mittel der Forschung ohne jede Zurückhaltung die gesamten Fragen der Berant» Wörtlichkeit für den Kriegsausbruch und für die Kriegsfiihrnng aufgeklärt werden, damit ans die Er- eignific selbst ein solches Licht falle, das ohne allgemeine Uebereinstimmung erreicht rocken kann.

Der Schutz der Schiene-ML'.

Eine Besprechung im Rcichsverkehrsmmisterinm.

Aus Anlaß der in letzter Zeit häufiger aufgetrete- neu verbrecherischen Anschläge gegen Eisenbahnanlagert hat im Reichsverkehrsministcrinm eine Aussprache mit der Hauptverwaltung der Deutschen Reicksbahn- gesellschaft stattgefunden unter Zuziehung der beteilig­ten Reichs- und preußischen Ressorts. Im Reichsver»