Zul-aer Anzeiger
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Nr. 199 — 1926
Fulda, Dienstag, 31. August
3. Jahrgang
KleineZettung für eilige Leser.
t • Bei Eröffnung der Tagung der Studienkommission in Genf erklärte der spanische Vertreter, sein Land verlange sofort die Zuteilung eines ständigen Ratsfltzes im Völkerbund.
* Der deutsche Meistcrschwimmer Vierkötter durchschwamm den Kanal und stellte dabei einen neuen Weltrekord aus.
* In Genf begann am Montag der diesjährige Weltfriedenskongreß.
* In Spanien soll eine Umsturzbewegung ausgebrochen sein. Aller Meldungsverkehr mit dem Ausland ist abgebrochen.
* China verlangt die Abberufung des russischen Gesandten.
Die deutschen Minderheiten.
Während früher, besonders vor dem Kriege, die pazifistisch eingestellten Kreise ihr Mekka im Haag sahen, so ist es jetzt Genf geworden. Dem Haag hat man nur den rein juristischen Teil gelassen. Alles andere hat sich nach Gens hingezogen. Deshalb ist jede Völkerbund- oder besondere Ratssitzung stets von einer Reihe von Einzelveranstaltungen umrahmt oder wird durch sie eingeleitet. Alle Vereinigungen, die auf ihre Weise den Völkerbundgedanken fördern wollen, kommen hier zusammen, aber auch ein großer Teil der Leidtragenden, denen der Völkerbund nicht das gehalten hat, was man sich von ihm versprochen hat. Dazu gehören in erster Linie die nationalen Minderheiten.
Eine Minderheitenfrage hat es in dem jetzigen Sinne früher eigentlich nicht gegeben, vielleicht nur mit Ausnahme von Österreich-Ungarn, das ja immer ein buntscheckiges Sprachen- und Nationalitätengewimmel war. Die verschiedenen Friedensverträge versuchten allen diesen kleinen Völkern ihre Selbständigkeit zu geben. Deshalb stellte man das Natiouaiitätenprinzip obenan, ausgehend von dem so bestechenden Wilsonschen Gedanken des S e l b st b e st i m in u n g s r e ch t s der Völker. Was daraus geworden ist, hat man ja erlebt. Anstatt die
E Nationalitätenfrage zu lpfen, haben die.Perträge Ye erst geschaffen, und die Minderheitenfrage ist so erst in den Vordergrund gekommen. Diese Frage läßt seitdem Europa nicht mehr in Ruhe. Mit Recht wurde sie in der ersten Sitzung des diesmaligen Minderheitenkongresses in Genf als die Krankheit Europas bezeichnet.
Der Völkerbund sollte gewissermaßen als oberste Instanz jeder einzelnen Ration, die aus politischen Gründen einem fremden Staate einverleibt wurde, zu ihrem Rechte verhelfen. Der Bund hat jedoch stets versagt und den Siegerstaaten, um solche handelt es sich immer, Recht gegeben? Die Minderheiten konnten zwar ihre Anliegen vorbringen, waren aber nie gleichberechtigte Parteien, Rudern nur Zeugen, denen man schließlich keine Glaubwürdigkeit beimatz. Hier soll nun die jetzt geschaffene Zusammenfassung der Minderheitenkonferenzen Wandel schaffen.
Die Minderheitenfrage ist in erster Linie aber auch eine deutsche Frage. Mit verhältnismäßig geringen Ausnah, wen handel' es sich fast überall um ^Deutsche, die man entweder 00m Mutterlande abgetrennt hat oder die seit Jahrhunderten in den jetzt neu geschaffenen Nationalstaaten leben und nun mit allen Mitteln gezwungen werden sollen, ihre Nationalität aufzugebcn. Hier sei in erster Linie an Böhmen erinnert, wo die Stoßkraft der Deutschen, trotzdem sie mehrere Millionen zählen, dadurch noch geschwächt wird, daß sie keinen festen Körper im Innern des Staates bilden, sondern ihm wie ein Rand aufliegen. Aber auch der Südtiroler sei gedacht, denen man jetzt sogar ihre Namen nehmen will, um möglichst schnell das deutsche Land mit seinen deutschen B wohnern zu verwelschen.
In seiner Schlußrede zu Genf sprach der Vertreter der baltischen Deutschen, Professor Schiemann, die Hoffnung aus, daß der wahre Völkerbundgedanke sich schließlich doch noch durchsetzen werde. Er wünschte deshalb Ergänzung und Stärkung des Bundes durch ein Weltparlament und spielte dabei auf die Inte rp ar- l a m e n t a r i s ch e Union an, die sich jetzt wieder in Genf versammelt. Hier begegnen sich seine Gedanken mit solchen des früheren deutschen Reichskanzlers Dr. Wirth, die dieser einem Zeitungsvertreter gegenüber äußerte. Er hoffte dabei besonders auf eine Erhöhung des Ansehens dieser internationalen Vereinigung, die bisher von deutscher Seite nur von einem Teil der Parteien beschickt war.
Man mag den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund betrachten wie man will. Eins steht jedoch fest, daß er zu einer Instanz werden könnte, die die Interessen der Minderheiten energisch vertritt. Der Völkerbund muß jetzt zeigen, ob er auf dem Wege ist, wirklich den Gedanken der Völkerfreiheit auszubauen, oder ob er weiter eine Interessenvereinigung bleiben will, zu der man Deutschland nur geladen hat, um es so besser unter Kontrolle zu haben. Die Minderheitenfrage ist, .wie schon besagt, hauptsächlich eine deutsche Frage. Deshalb ist Deutschlands Mission eine große, die aber auch den anderen Minderheiten zugute kommen wird. Denn der Schutz der Minderheiten obliegt allein Deutschland, da es französische, englische oder italienische Minderheiten so gut wie gar nicht gibt und die anderen in Betracht kämmenden Nationen zu wenig Einfluß haben.
Englische Antwort an Spanien.
® 0 a d 0 n. 3it hiesigen unterrichteten Kreisen, wird mit» ll^E, daß der englische Botschafter in Madrid, Montag früh die Antwort der britischen Regierung auf die Tangernote Spaniens dem spanischen 'âkenminikter überreicht bat
Tagung der Studienkommission.
Genfer Mißhelligkeiten.
In der Montag früh eröffneten Tagung der Studienkommission in Genf zur Reform des Völkerbundrates kam es sofort zu einem scharfen Mißklang. Die Tagung wurde von dem schweizerischen Bundesrat Motta eröffnet. Zuerst fand eine vertrauliche Beratung statt, an der Lord Cecil-Großbritannien, Scialoja-Jtalien, von Hoesch- Deutschland, Sato, japanischer Gesandter in Warschau, Palacios, spanischer Botschafter in Brüssel, de Broucköre- Belgien, Veverka, tschechoslowakischer Gesandter in Bern, Sjöborg, Unterstaatssekretär im schwedischen Ministerium des Äußern, Chao Hsin Chu, chinesischer Gesandter in Rom, Dr. Guani-Uruguay und Cantilo-Argentinien teil- nahmen.
Bei dem Übergang zu öffentlicher Verhandlung erhob sich sofort der spanische Delegierte Palacios und verlangte in längeren Darlegungen im Namen des spanischen Königs und der spanischen Regierung, daß die Forderung Spaniens auf einen ständigen Ratssitz in der gegenwärtigen Tagung des Prüfungsausschusses entschieden und nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird.
Es entspinnt sich nach dieser Forderung des Spaniers eine lange Geschäftsordnungsdebatte, die schliesslich mit der Vertagung aus den Abend endet.
Der französische juristische Vertreter Fromageot hat bekanntlich einen Antrag zur Reform der Bestimmungen über den Völkerbundrat gestellt. Fromageot beantragt: Ein ausscheidendes Mitglied kann drei Jahre nach Ablauf seiner Mandatsdauer nur dann wiedergewählt werden, wenn erstens bei seiner Wahl mindestens zwei Drittel durch Vermerk auf dem Stimmzettel es für wiederwählbar erklärt haben. (Die Wiederwählbarkeit bezieht sich auf die drei Mitglieder, die die meisten Stimmen über die Zweidrittelmehrheit hinaus erlangt haben); wenn zweitens. bÈtLHLüUi, tzes^WandatS oder im Laufe der drei Amisjahre des betreffenden Mitglieds die Versammlung mit Zweidrittelmehrheit demgemäß entscheidet. Auf jeden Fall darf die Zahl der auf diese Weise wiedergewährten Mitglieder nicht ein Drittel der nichtständigen Ratsmitalieder übersteigen.
Vierkötter durchschwimmt den Kanal.
Vierkoièers kanaSb^wiogoog..
Neue Rekordzeit.
Der deutsche Strommcistcr Vierkötter hat den Kanal bezwungen. Er landete Montag ^nitiag bei Langdon- siairs, in der Nähe von Dover. Er durchschwamm den Kanal in zwölf Stunden 42 Minuten und hat damit sämtliche Rekorde gebrochen.
Der Versuch Vierkötters kam vollkommen überraschend. Um %1 Uhr hatte man ihn drei englische Meilen von der Küste entfernt aenebtet. Er befand sich in auter
Bierkötter.
Verfassung und näherte sich unter günstigen Wetterverhältnissen schnell der englischen Küste. Vierkötter wurde von der schnell herbeigeeilten Menschenmenge begeistert empfangen. Er ist der erste deutsche Schwimmer, der den Kanal bezwang. Er hat damit auch schnell Gertrud Ederles Ruhm überflügelt, die für die Durchquerung des Kanals 14 Stunden 42 Minuten gebraucht harte.
Der deutsche Amateurschwimmer Heinrich Vierkötter stammt aus Köln und ist 25 Jahre alt. Seine letzten größeren Erfolge waren, vor zwei Jahren, die deutsche Meisterschaft über 1500 Meter, im Vorjahre gewann er die deutsche Strommeisterschaft.
Die zweite Kanaldurchschwimmerin.
Von den drei Personen, die am Sonnabend den Versuch machten, den Kanal schwimmend zu durchqueren, ist als einzige Frau Corson an ihr Ziel gelangt. Von den beiden ander?» aabe» erst der skaridtor tSoTtni ,»»d Sah« s»»
Verhandlungen mit den Deutschen.
Sonntag abend trafen als deutsche Delegation zur Tagung der Studienkommission Botschafter vonHoesch und Ministerialdirektor Gaus in Genf ein. Der französische Vertreter Fromageot, der mit Dr. Gaus in Berlin eine Besprechung gehabt hatte, hatte schon am Nachmittag das Hotel Metropole aufgesucht, um den deutschen Vertretern, die noch nicht eingetroffen varen, einen Besuch abzustatten. Eine halbe Stunde nach ihrem Eintreffen begaben sich die deutschen Vertreter in das Hotel Beau Rivage, in dem die englischen Mitglieder ner Studienkommission, Lord Cecil und Sir Cecil Hurst, eingetroffen waren. Hier fand zwischen den englischen, französischen und deutschen Vertretern eine fast zweistündige Unterredung statt. Die Besprechung brachte im Wesentlichen eine Bestätigung der Vorschläge der ersten Tagung des Prüfungsausschusses.
Englische Erklärung über Deutschlands Eintritt
Der Genfer Vertreter der amtlichen Agence Havas glaubt zu wissen, daß im Laufe der letzten Woche zwischen dem Sekretariat des Völkerbundes einerseits und den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes und Deutschland andererseits Verhandlungen stattgefunden hätten, ramm» Vorgehen bei der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund in allen Einzelheiten zu regeln.
Vor allem sei ohne weiteres anerkannt worden, daß Deutschland nicht nochmals dem im März angewandten Ausnahmeverfahren entsprechend der Völkerbundsatzung unterworfen werden könne. Da die deutsche Regierung ihren ordnungsgemäßen Aufnahmeantrag nicht zurückgezogen habe, so sei cs nicht nötig, daß er neu gestellt werde, und ebensowenig, daß der Völkerbundrat erneut damit besaßt werde.
Das übliche Verfahren vor der Versammlung habe im Laufe der ordentlichen Märztagung stattgesunden. Unter Hinweis auf Briands Worte von der einstweiligen moralischen Aufnahme Deutschlands wird in der Havas- meldung erklärt, daß die Abstimmung der Versammlung zugunsten der Aufnahme Deutschlands gleich bei Beginn der Taauna erfolgen müsse.
Engländer Perks den Versuch aus. Frau Corson legte in den ersten zwei Stunden vier Meilen zurück und erreichte durchschnittlich 19 Schläge in der Minute. Während der Nacht nahm sie ein leichtes Frühstück von Kakao, Zucker und Schokolade ein. Sie landete nach 15% Stunden an der westlichen Küste von Dover, nahe Shakespeare Cliff, wo ihr ein großer Empfang bereitet wurde. Damit hat zum zweitenmal eine Frau, und zwar eine Mutter, den Kanal durchschwommen.
Frau Corson«
Die Durchquerung des Kanals ist in der letzten Zeit bei den prominentesten internationalen Schwimmern die große Mode geworden. Unzählige Versuche sind innerhalb weniger Monate unternommen worden. Der jetzt erreichte Rekord wird sicherlich weitere Wettschwimmer zu neuen Höchstleistungen reizen; vielleicht kommt .s sogar dahin, daß in absehbarer Zeit regelmäßig internationale Kanalwettschwimmen stattfinden, bei denen alljährlich um den Titel des „Kanalmcisters" gekämpft wird.
Amer- und Karmegedenttag in Nürnberg
Der Festzug.
In der großen Luitpold-Halle hielten Feldmarschall von Mackensen und Kronprinz Rupprecht Ansprachen. Im Kulturverein entwickelte sich ebenfalls em reich- haltiges Programm. Dort hatte der RVA. gleichseitig feine zweite Reichsbundestagung. Sämtliche Ehrengäste erschienen in später Stunde, um dem Aufmarsch der