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Fuldaer Anzeiger

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Nr. 205 1926

Fulda, Dienstag, 7. September

3. Jahrgang

Die 7. Völkerbundstagung.

Veneschs Eröffnungsrede in Genf.

WiIlkommensgrnß an Deutschland.

Die siebente c 'e Etliche Vvlkerbundversammlung ist nm Montag in Gens vom derzeitigen Ratspräsidenten Benesch mit einer Ansprache eröffnet worden, in der er der Meinung Ausdruck gab, daß der diesjährigen Völkerbund- Versammlung sowohl in der Geschichte des Völkerbundes als allgemein für die europäische Politik besondere Bedeutung zukomme. Er gab dann einen geschichtlichen Rückblick auf die Tätigkeit des Völkerbundes während der letzten zwölf Monate, wobei er im Zusammenhang mit der Regelung der Mossulsrage die Hoffnung aussprach, daß die Türkei als logische Folge dieser Regelung bald in den Völkerbund eintreten möge. Zur Frage der A b r ü st u n g bemerkte Benesch, daß in den letzten zwei Jahren aus diesem Gebiete weitere Fortschritte gemacht worden seien, die es bald ermöglichen werden, wenigstens einen ersten Anfang in der Abrüstung zu verwirklichen. Benesch unterstrich ferner die große Bedeutungder Schiedsvetträge für die gesamte internationale Politik und insbesondere für die europäischen Staaten, ,toeil diese Verträge die Aussöhnung der großen euro« ^mischen Rationen herbeiführen und eine lange Periode der Sicherheit und des Friedens gewährleisten sollen. Die Verträge von Locarno, dieses große internatio­nale Ereignis, so führte Benesch weiter aus. haben außer ihrem großen internationalen politischen Oui auch für den

Dr. Motta,

der Präsident der Studienkommission des Völkerbundes, die die Erteilung eines Ratssitzes an Deutschland empfahl.

Militäraufstand in Spanien

Meutere! der spanischen Artillerie. !

Der Belagernngszust and verhängt.

In Spanten ist cs zu einem förmlichen A u f st a n d der Artillerieformativnen gegen den Diktator Primo de Rivera gekommen. Den Anlaß zu diesem Aufstand bildete der Beschluß der Negierung, die Gehälter und den Sold des Militärs auf den Friedeiisstauv herabzusetzen. Bei der Artillerie hat diese Verordnung den größten Unwillen her- dorgerufen und zu verschiedenen Tisziplinlosig- leiten geführt. Die Regierung hat sich infolgedessen ge­nötigt gesehen, über ganz Spanien den Belagerungs­zustand zu verhängen. Der König, der sofort nach Ma­drid zurüügetehrt ist, hat alle Artillerieoffiziere des Dienstes unter Verlust des Gehalts und unter Verbot deS Nniformtragcns enthoben. Er soll Primo de Rivera von neuem sein Vertrauen ausgesprochen haben.

Infolge einer strengen Depeschenzenfur in Spanien ist es schwer, ein klares Bild über die Lage des Landes zu gewinnen. Nach offiziösen Mitteilungen soll die Regie- rung völlig Herr der Lage fein; andere Nachrichten wollen wissen, daß sich auch ein Teil der Flotte der spanischen Ar­tillerie angeschlossen habe. Ebenso soll es in verschiedenen Garnisonen zu Meutereien gekommen sein, wobei sich sämtliche Truppenkörper dieser Garnisonen den meutern- den Artilleristen angeschlossen haben. Das Zentrum des Ausstandes ist in Segovia und Valladolid, wo sich die Ar­tillerieregimenter weigerten, ihre Waffen abzugeben. Der Ches der Artillerie und der Artilleriekommandeur in Se­govia sind verhaftet worden. Lissaboner Meldungen sprechen von schweren Unruhen im Heer.

Die spanische Sphinx. sn-v,^" Völkerbundrat hat ohne jede Abänderung die Vorschläge der Studienkommission in der Ratsfrage an­

Völkerbund eine entscheidende Bedeutung, weil sie mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ver­knüpft sind. Benesch feiete weiter den Abschluß des Ver­trages von Locarno, den er als das geistreichste Abkommen bezeichnete, das man sich denken könne.

Hin letzten Teil feiner Rede behandelte Benesch die jüngsten Ereignisse innerhalb des Völkerbundes, die, wie er sagte, im Augenblick alle mit Sorge erfüllten, und bemerkte dabei in bezug auf Deutschland, daß in den ersten Monaten nach der letztjährigen Völkerbundversamm- lung eine rasche Aufnahme Deutschlands in den Völker­bund erhofft werden konnte. Jedermann miste, wegen welcher Ereignisse bis heute gewartet werden mußte, um auf das Aufnahmegesuch, das der deutsche Minister des Äußern, Dr. Stresemann, am 12. Februar d. Js. einge- reicht hatte, zu antworten. Er glaube aber, daß die im März entstandenen Schwierigkeiten sich nicht mehr wieder­holen werden und daß die Völkerbundversainmlung in wenigen Tagen mitGenugtnungeivneuesMit- glied in den Bund aufnehmen und gleichzeitig gewisse legitime Ansprüche anderer Staaten zufrieden­stellen könne. Im Interesse des Weltfriedens, der inter­nationalen Verständigung und der europäischen Versöh­nung können wir uns, so sagte Benesch, zu diesem glück­lichen Ereignis beglückwünschen. Ich erlaube mir, von dieser Tribüne aus schon heute dem neuen Völkerbundmit­glied ein herzliches Willkommen zu wünschen.

Zum Schluß seiner Rede gab Benesch seinem Be­dauern darüber Ausdruck, daß der Eintritt einer euro­päischen Großmacht in den Völkerbund und die für die Um­bildung des Völkerbundrates gefundene Verständigung da- mit zusammenfalle, daß einige Staaten sich aus ihm entfernten. Dann erklärte Benesch, dessen An- spräche zum Schluß lebhaften Beifall erhielt, die siebente Völkerbundversammlung für eröffnet. Die Eröffnungs­sitzung, die gegen 12 Uhr zu Ende ging, bot das übliche Bild der letzten Jahre. Der Andrang von Publikum und Presse ist jetzt noch größer als bei den früheren Versamm- lungen. Die für die Delegationen Spaniens und Brasi­liens bestimmten Bänke im Saale blieben unbenutzt.

Aintschiisch Präsident der Bölkerbundstagung.

Die Völkerbundversammlung wählte mit 42 von 48 Stimmen den jugoslawischen Außenminister Rintschitsch zu ihrem Präsidenten. Das Ergebnis wurde von den Dele­gierten mit lebhaftem Beifall begrüßt. Rintschitsch dankte nach Übernahme des Vorsitzes für die Wahl und die da­mit seinem Lande erwiesene Ehre. Von den 55 Mitglieds- staaten des Völkerbundes haben zu dieser Sitzung 48 Staaten Vertreter entsandt. Es fehlen Spanien, Brasilien, Argentinien, Bolivien, Costarica, Honduras und Peru.

Auch die Türkei will Mitglied werden.

In Paris liegt die Meldung vor, daß die Türkei diplomatische Schritte eingeleitet hat, um ihren Beitrittzum Völkerbund zu erreichen. Die Re­gierung von Angora will außer ihren eigenen Interessen auch die Interessen anderer orientalischer Völker ver­treten. DerTemps" nennt Persien und Afghanistan. Deshalb stellt die Regierung der Türkischen Republik die Bedingung, daß ihr ein wählbarer Raissitz nach Eintritt in den Bund zur Verfügung gestellt wird.

genommen. Man rann darin ein Durchdringen des deut­schen Standpunktes sehen, da jetzt nur Deutschland allein einen ständigen RatSsitz erhält. Es bleibt allerdings noch die Bestätigung durch die Vollversammlung des Bundes selbst übrig. Von den verschiedensten Seiten werden allerlei Gerüchte über etwa noch zu erwartende Über­raschungen verbreitet. Doch ist wohl anzunehmen, daß auch weiterhin alles programmäßig verläuft, so daß dem deutschen Eintritt in den Völkerbund nichts mehr ent­gegenstehen dürfte. _ . ,

Nach dem ganzen bisherigen Verhalten Spaniens hätte man von ihm wie seinerzeit von Brasilien einen Einspruch erwarten können. Daß dieser unterblieb, kann als ein Beweis dafür angesehen werden, daß Spanien selbst nichts gegen die Ansprüche Deutschlands einzuwenden hat und auch den Schein vermeiden tvollte, als ob es eine irgendwie gegen Deutschland gerichtete Politik treibt. Diese Haltung ^dürste Spanien in der deutschen Öffentlich­keit nicht vergessen werden. Deutscherseits ivar auch nichts anderes erwartet worden, zumal kein Grund^vorlag, daß Spanien auf einmal seine freundschaftliche Stellung uns gegenüber änderte. _

Trotz dieser Erklärung bleibt aber, was Spanien an­langt, genug Rätselhaftes übrig. Nach den früheren scharfen Äußerungen Primo de Riveras und^auch des spa­nischen Außenministers hätte ein Austritt Spaniens aus dem Bunde nicht überrascht. Wenn dieses davon absah und sich nur in den Schmollwinkel zurückzog, dann ist dies wohl auf die Bemühungen Englands und Frankreichs zurückzuführen, die in Madrid beruhigend wirkten. Aller­dings hat Spanien seine Karten noch nicht restlos auf den Tisch gelegt. Daß es die stille Resignation wählte, deutet darauf hin, daß es sich für die Zukunft volle Hand­lungsfreiheit vorbehalten will.

Spanischerseits hätte man die Ratsfrage gern mit der Tangers rage verquickt. Das haben Frankreich und Enalaud auf das bestimmteste rurückaewiesen. Vor einigen

Kleine Zeitung für eilige Leser

Die siebente Tagung des Völkerbundes ist in Senf mit einer Rede des Nalspräsidenten Benesch eröffnet worden.

* Reichssinanzminifter Dr. Reinhold trat auf der BunveS- tagung des Gewerlschaslsbundes der Angestellten für weitere Steuerermäßigungen ein.

* Bei der Reichsbahn ist ein umfangreicher Güterschwindel entdeckt worden, der die Reichsbahn um 400 000 Mark geschädigt hat. Ein beteiligter Beamter ist entflohen.

* über ganz Spanien wurde der Belagerungszustand ver­hängt. da die Unruhen und die innere Erregung überhand- genommen haben.

Tagen wurde von Spanien aus erklärt, daß die Welt bald vor wichtigen Ereignissen stehen werde. Diese Äußerung verursachte ein allgemeines Rätselraten über den Sinn des Ausspruches Daß damit der Austritt aus dem Völker­bund nicht gemeint sein konnte, haben die Ereignisse ge­lehrt. Es blieb also nur ive Tangerfrage übrig. Hier wollten viele wissen, daß Spanien das Tangerstatut kün­digen und damit die Frage neu ausrollen werde. Das ist nicht ganz unwahrscheinlich. Diese Wahrscheinlichkeit wTo noch dadurch vermehrt, daß Spanien, von Italien unter- stützt, alle Anstrengungen niad;t, um die Tangerzone von allen spapienseindlichen Elenrenken und solchen, die ihm nicht direkt wohlwollen, zu säubern. Daher rührt der Sturmlauf gegen das srq »zösische Blatt in Tanger, dessen Leiter man ausweisen ließ, und das Verlangen nach einer Rüge für den dortigen französischen Gesandten, der der Haltung des Blattes nicht scharf genug entgegengetreten sein soll.

Aus Spanien sind nun in den letzten Stunden aller­dings einige überraschende Meldungen eingetroffen, jedoch meist auf indirektem Wege, da nach Pariser Quelle Die direkten Verbindungen mit Frankreich, über welches Land man sonst die meisten spanischen Nachrichten bekam, ge­sperrt sein sollen. Frühere Meldungen über das AuS- brechen von Unruhen und Bewegungen gegen Primo de Rivera wurden prompt dementiert. Tie jetzigen Nachrichten lassen jedoch erkennen, daß sich in Spanien eine Wendung vorbereitet. Von den Anhängern des Direktoriums wird eifrig für dieses Propaganda gemacht. Man will sogar einen Volksentscheid über sein Fortbestehen herbeiführen.' Ebenso rührig ist aber auch die Gegenseite. Die ganze Situation wird gekennzeichnet durch die Gegnerschaft zwi­schen Primo de Rivera und den Artillerieoffizieren, deren Anhang im Lande ständig wachsen soll. In jedem Fall haben diese neu aufgetaudjten inneren Schwierigkeiten Spanien wohl bewogen, sich etwas mehr von den äußeren Dingen abzukehren. Man wagt vermutlich auch nicht, aus Prestigegründen die äußeren Dinge auf die Spitze zu trei­ben, weil hier ein Rückschlag besonders schwere innere Folgen haben könnte. Wie dem auch sei, in Deutschland verfolgt man die weitere Entwicklung der Dinge in Spanien mit größter wohlwollender Aufmerksamkeit und hat dabei nur den einen Wunsch, daß sich eine Lösung findet, die der Stellung Spaniens unter den Nationen keinen Abbruch tut.

Taifunkatastrophs in Japan.

Zahlreiche Todesopfer.

Nach einer Reutermeldung aus Tokio wurde durch einen Taifun von ungewöhnlicher Heftigkeit eine große Anzahl von Menschenleben vernichtet und ungeheurer Schaden angerichtet. Ein Personenzug auf dem Wege von Tokio nach Nagoya wurde durch den Taifun umgeworfen, wobei 50 Personen getötet und verwundet wurden. In Hamamatsu wurde eine Tuchfabrik völlig zerstört. In Kawasaki kenterten als Folge des Taifuns zwei Leichter­schiffe, wobei 15 Personen der Besatzungen ertranken. In Toyohashi stürzte während des Unterrichts eine Schule zu­sammen, wobei 12 Kinder getötet und 20 schwer verletzt wurden, über 300 Häuser sind völlig überschwemmt worden.

Nach einer später gemeldeten Zusammenstellung über die Folgen des Taifuns sind 31 Personen getötet, 159 ver­letzt worden. Vermißt werden 9 Personen. 630 Gebäude sind beschädigt, 254 zerstört worden. Da die Verbindungen noch nicht wieder völlig hergestellt finS, besteht jedoch die Möglichkeit, daß die Zahl der Unglücksfäüe sich als noch größer herausstellt.

Vsündlalastrophe in einem Kino.

London. In einem Kino in Drumcollogher in Irland brach Feuer au6. Dreißig Personen, zumeist junge Leute und Kinder, sind umS Leben gekommen

Nach neueren Meldungen Hai sich die Z a h l d e r T o d e S- Opfer auf 47 erhöht, die Zahl der Verletzten beträgt 11. Bisher wurden 30 Leichen geborgen. Der Brand ist darauf zurückzusühren, daß der Filmstreifen Feuer fing, das sich dann schnell auf das aus Holz gebaute Gebäude ausdehnte. ES ent­staub eine furchtbare Panik. Das Publikum drängte dem einzigen vorhandenen Ausgang zu, der bald verstopft war. Biele Personen wurden getreten. Es entstielten sich schreckliche Szenen ab.

Niesenbetrug bei der Reichsbahn.

Um 400 000 Mark geschädigt.

Durch einen ungetreuen Beamten, der zusammen mit zwei raffinierten Gaunern arbeitete, ist die Reichseisen­bahndirektion um den Betrag von fast einer halben Anl- lton Mark geschädigt worden. Es handelt sich um einen dreisten Güterschwiudel, mit dessen Aufklärung sich gegen- wärtia die Berliner Kriminalpolizei beschäftigt