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Zulöaer Anzeiger

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Tagebla« für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 211 1926

Hulda, Dienstag, 14. September

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

' * Eine neue Vollversammlung des Völkerbundes ist für Mittwoch einberufen worden, um zur Frage der nichtständigen Natsmitglieder Stellung zu nehmen.

* In Köln ist der 34. Deutsche Juristentag eröffnet worden, auf dem Pros. Dr. Kahl znm Vorsitzenden gewählt wurde.

* Wide schlug beim Sportfest des S. C. Charlottenburg er­neut Nurmi in WcUrckordzeit.

* In Hannover haben die Typhusfälle weiter erschreckend zugenommen, man schätzt d e Zahl der Erkrankten aus 1000.

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Annäherungen.

Die österreichischen und jugoslawischen Vertreter benutzten während der Völkerbundtagung in Genf die günstige Gelegenheit, um die schwebenden Ver­handlungen über einen gegenseitigen Vertrag zu been­den. Ob es ein reiner Handelsvertrag ist oder ob dieser zu einem Schiedsgerichtsvertrag erweitert werden soll, da­von steht noch nichts fest. Aber es ist wohl anzunehmen, daß die Entwicklung sich in der letzteren Richtung be­wegen dürfte. Gleichzeitig hören wir, daß auch die Ver­handlungen zwischen Italien und Rumänien sehr weit fortgeschritten sind. Das mag wohl Jugoslawien dazu bewogen haben, neben einem Ausgleich der Gegen- sätze mit Griechenland, namentlich in der Salonikifrage, auch einen solchen mit Ö st e r r e i ch zu suchen. Letzten Endes richtet sich der italienisch-rumänische Vertrag, wenn man es auch nicht zugibt, gegen Südslawien, das ja ein gefährlicher Konkurrent Italiens in der Adria ist. Die italienische Haltung gegenüber den slowenischen Minder­heiten hat zudem in Belgrad arg verschnupft. Wie groß das Interesse Italiens an Rumänien außerdem ist, er­kennt man schon daraus, daß Italien trotz seiner eigenen gerade nicht rosigen Finanzlage doch für Rumänien Geld übrig hat und ihm dazu noch bereitwilligst Kredit für den Ausbau seiner Flotte gewährt. Allerdings spielen dabei noch andere Momente mit. Rumänien besitzt Petroleum und die Nebenprodukte daraus, die für die Kriegführung M^MKKMMWiâtzaMichKs Leben ja nölru und. So kann sich Italien in Rumänien den nötigen Anteil daran sicher».

Was uns in Deutschland am meisten angeht, ist Die Stellung Österreichs z u Jugoslawien, nicht etwa, weil mir eine Annäherung mißbilligen. Dazu haben wir keinen Grund. Haben wir doch trotz des Krieges zu Jugoslawien gar keine Gegensätze. Es sei hier nur an die frühere deutschäerbische Freundschaft erinnert, die lei­der durch den österreichisch-serbischen Gegensatz getrübt wurde. Wenn sich jetzt Österreich und Jugoslawien zu- sammenfinden, so ist es ein Beweis, daß dieser Gegensatz nun endlich geschwunden ist.

An Österreich hat der Völkerbund lange herumge- doklert. Es war ein schier aussichtsloses Unterfangen, diese künstliche Staatssorm zu einem selbständigen poli­tischen und wirtschaftlichen Wesen zu machen. Das hatte nur den einen Vorteil, daß Österreich im Gegensatz zu uns in Reparationsfragen von der Entente nicht zu sehr miß­handelt wurde. Österreich bekam einfach einen Vormund, der dafür sorgen mußte, daß die Finanzen, nachdem man dem Lande eine Völkerbundanleihe gegeben hatte, in Ord- nung kamen. Das wurde bis zu einem gewissen Grade auch erreicht. Aber die Tatsache selbst hat eigentlich nir- gends Befriedigung hervorgerufen, da Österreich weder Politisch noch wirtschaftlich auf einen grünen Zweig kom­men kann.

Mit der Hauptgrund der Sanierungsversuche war das Verlangen, die Österreicher davon zu überzeugen, daß sie gar keinen Anschlußan Deutsch land brauchten. Man wandte dabei das System von Zuckerbrot und Peitsche an. Das Zuckerbrot waren die angeblichen Wohl- taten, die Peitsche die heftigen Reden, die von allen Seiten gegen den Anschluß gehalten wurden. Man denke nur an Mussolini und auch an die verschiedenen An­sprachen von Staatsmännern der sogenannten Nachfolge­staaten. Auf italienischer Seite hat man aber noch vor äas anderem Furcht. Das ist das Wiedererstehen eines Gebildes, das dem alten Österreich, wenn auch nicht poli» so doch wirtschaftlich, ähnlich ist. Deshalb dürfte man tu Italien für eine österreichisch-jugoslawische Annäherung wenig Verständnis oder Vorliebe haben. Denn wenn jetzt die Nachfolgestaaten mit Österreich Fühlung suche», so geschieht das vielfach aus dem Empfinden heraus, daß die Friedensverträge eine große Wirtschaftseinheit zerschlagen haben, die bei der Vnntscheckigkeit des in Betracht kommen- Volkergemischs Notwendigkeit war.

Wirtschaftliche Gemeinschaften lasten nun häufig polt« Ache entstehen. Das alte Österreich ist aber der ganzen Sachlage nach für immer tot. Will man auf der Entente- Mte und bei deren Mitläufern auch die leisesten Ansätze für einen neuen Donauzusammenschluß vermeiden, so gibt das eine, man gibt den Deutschösterreichern den ^nzrg gangbaren Weg frei, das ist der Anschluß an ^uttolanb. Man hat durch nichts bisher ein Nachlasten eSAnschlußwunsches auf beiden Seiten erreichen können, ^-as wird auch in Zukunft nicht geschehen. Es würde der Meit außerdem ein neues verwickeltes Vertragssystem et« Wort, wie es jetzt im Entstehen begriffen ist. Die jetzigen T^Urage sind nur ein Notbehelf, dessen Undurchführbar- sich früher oder später doch erweisen muß.

Starke Ueberzeilynuna der preußischen Anleihe in Aewyork.

^cdi York. Die nm Montag zur Zeichnung aufgelegten v«cn Dollar 6 >4 prozcmigcl Bunds des Preußischen '"b "»mittelbar nach Eröffnung der ZcichnungSlistcn Land A 4 ' '^* lvmBc,L Die Zeichnungen stammen aus allen

Der Bombenanschlag auf Mussolini.

Franzsslscher Protest in Sem.

Eine Prophezeiung für Mussolini.

Die Rede Mussolinis, die er unmittelbar nach deut mißglückten Attentat vom Balkon seines Arbeitszimmers herab gehalten hat und in der et die Warn » g an Frankreich richtete, endlich mit dem Schutz und der Protektion antifaschistischer Bestrebungen aufzuhörcu, hat in Paris starkes Befremden erregt, zumal auch die öffent­liche Meinung in Rom die Ausführungen des Duce weiier- spinnt. Der französische Geschäftsträger in Rom hat i n Auftrage der Pariser Regierung bei Mussolini offi­ziell gegen diese Ausführungen Protest eingelegt.

Einer Reutermeldung aus Rom zufolge erklärte Mustolini dem Handelssekretär der britischen Botschaft, der sich unmittelbar nach dem Attentat verabschiedete, es sei zwecklos, Anschläge aus sein Leben zu machen, da ihm vorausgesagt worden sei, daß er nichtei n es gewalt­sam e n T 0 d e s st e r b e n würde. Er glaube an Prophe­zeiungen und sei daher sicher, daß er eines natürlichen

Reue Vollversammlung des Völkerbundes.

Die Besprechungen StresemannBriand.

Die Vollversammlung des Völkerbundes ist für Mitt­woch erneut einberufen worden. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht der Bericht der Kommission für Rats-

Stresemann, v. Schubert, Chamberlain und Briand nach der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.

rcform. Wie es heißt, wird am Donnerstag zur Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder geschritten werden. Es ist. noch nicht bekannt, welche Länder von der Kommission für die Zuerteilung von nichtständigen Ratssitzen vorge­schlagen werden.

Viel beachtet werden in Genf die Besprechungen, die in den letzten Tagen zwischen Dr. Stresemann und Briand stattgesunden haben. Wie verlautet, soll im Verlaufe dieser Besprechungen auch über die Frage des besetzten linken Rheinufers verbandelt worden sein.

Das MchL in Foi!"

Der 3.4. Deutsche Jüristeniag.

In Köln ist der 34. Deiiisciie Jüristeniag eröffnet worden. Der volkSpaneUicbc Abgeordnete Justtzrai Dr. Kahl wurde zum Dritten Male zum Vorsitzenden des Furlstcniages ge­wählt. Kahl ab dann in seiner Eröffnungsansprache das Ge­löbnis ab, daß der Deutsche Juristcnlag Schildhalter für Freiheit und Recht sein wolle.

Rciltisjustizininister Dr. Bell gab aus der Veranstaltung im Auftrage der ReichSrcgicrnng und des Reichskanzlers eine programmatische Erklärung ab, in der er betonte, daß Gesetz­gebung und Rechtsprechung im Volksleben sein Fremdkörper sein dürften. Dr Bell hob weiter hervor, daß Die Frage Der künftigen Gestaltung Der parlamentarischen Untersuchungs- ansschüssc, Der Reform des Aktienrechts und des Strafrechts auf dem Jüristeniag eine eingehende Erörterung erfahren müßten. Der Redner führte dann weiter aus: Tiefer Schmerz erfüllt alle an der Rechtspflege beteiligten Organe angesichts Der Vertrauenskrise, die unsere Rechtspflege bedroht. Aus lebhaften und gum Teil leidenschaftlichen Erörterungen klingt Der Ruf: Das Recht in Not! Alle Mann an Bord! Wenn Diese Sorge berechtigt ist, wenn Wunden am Rcchtskörper zu heilen sind, so liegen hier Aufgaben, an deren Lösung jeder deutsche Jurist sein Bestes setzen soll. Im vaterländischen In­teresse gebietet sich aber Die beschwörende Mahnung, bei aller Kritik den Boden der S a ch l i ch l e i l nicht zu verlassen und sich vor verallgemeinernden Schlußfolgerungen zu hüten. Verhängnisvolle Ungerechtigkeit würde es vor allem sein, Den deutschen Richterstand für Verfehlungen und Mißgriffe einzelner, Die uns mit ernster Sorge erfüllen, ver- antwortlich zu machen. Mit Freude haben wir es daher auch begrüßt, daß Die Organisationen des deutschen Richterstandes Den Richtern dringend ans Herz gelegt haben, rückhaltlos Selbstzucht und Selbstkritik zu üben und dadurch zur Festigung des Vertrauens in unsere Rechtspflege beizutragen. In die Gewissensfreiheit der deutschen Richter Dars nicht eingegriffen werden Bor ihre Unabhängigkeit werden wir uns nach wie vor schützend stellen. Denn wir wissen alle, daß Den deutschen Richtern ihre Unabhängigkeit nicht als ein­seitiges Vorrecht gewährt ist, sondern als Mittel zur Erfül­lung ihrer höchsten richterlichen Aufgabe, nämlich des gleich­

Todes sterben werde. Daher verschwendeten Attentäter ihre Zeit.

Wie sich jetzt herausgestellt hat, heißt der Attentäter nicht Giovannini, sondern Gino Lucetti. Er ist gebürtig aus Avenza in Toscana, aber seit acht Jahren in Frank­reich, Marseille, Nizza und Paris, ansässig gewesen, von wo er häufig geheimnisvolle Reisen nach Rom unternahm. Auf der Brust tätowiert trägt der Attentäter die franzö­sischen WorteVive la mort". (Es lebe der Mord.) In Rom yatte sich Lucetti eine Woche lang ausgehalten, um die Ausführung des Mordplanes genau vorzuberciten. In Rom wurde eine Anzahl Anarchisten verhaftet. Ter oberste Polizeichef Italiens, Mondada, ist durch den Polizeichef von Genna, Bocchini, ersetzt worden, ebenso ist der Polizeidircklor Uu.. Rom seiner Stellung enthoben worden.

In allen Sätdten Italiens und in den Kolonien sind große Kundgebungen aus Freude darüber erfolgt, daß Mussolini der Gefahr entgangen ist. Alle sozialen Schic «n nahmen daran teil. Die Kundgebungen sind ohne Koen Zwischenfall verlausen.

mäßigen Schutzes aller Staatsbürger und der unparteiischen und gerechten Rechtspflege. Treue Hingabe zum Staat und zur Reichsverfassung muß den Richter, der im Ramen des «lau,es iste u)l immn, uu er per eicue auszrla,«en uno nun Die StaniSvcrbnndenhcit jur Ecmisfcnspflichl machen In Der Brust des deutschen Richters liegen

die Schickfalssterne der deutschen Justiz.

Unsere Parole soll lauten, und das fei auch des JnristentngeS Losung: Wir müssen ringen um Die Seele des Volkes.

Der Vorsitzende, Proscssor Kahl, vertrat Die Meinung, daß es feige wäre, wenn Der Juristenlag von Der größten Sorge, Die alle Juristen betrifft, der Krise Der Rechts­pflege, nicht sprechen sollte. Der reute Geist von Recht und Gercchtigkell müsse Gemeingut aller Juristen sein. Alle Diener des RcctuS hätten Die sittliche Pslichi zur.Selbstzucht und zur Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber dem Staat.

Die Teilnehmer des Jiiristcntages verteilten sich nunmehr auf vier Abteilungen, in denen Die sachlichen Beratungen statt« finden. Eine von ihnen beschäsligte sich mit Der Frage der parlamentarischen Unicrsnchungsausschüsie.

Sine AllschlsKkimsgebuna in Düsseldorf.

Trostlose Lage in Österreich.

Der Österreichisch-Deutsche Volksbund veranstaltete in Düsseldorf eine Kundgebung für die Schaffung eine» großen Deutschlands durch Die Verbindung Deutsch-Öster­reichs mit dem Deutschen Reiche. Der Vorsitzende des Österreichisch-Deutschen Volksbundes, RcichstagSpräsident Löbe, legte die Ziele des Bundes dar. Österreich habe seinen ernsten Willen zur Rückkehr zum Mutterlande oft genug kundgetan und wenn heute noch Zweifel hierüber herrschten, so möge eine Volksabstimmung entscheiden. Es würde sich Dann mit aller Klarheit zeigen, mit welch ungeheurer Wucht sich Österreich für den Zusammenschluß der beiden Länder aussprcchen werde.

In temperamentvoller Weise schilderte darauf der frühere österreichische Bundeskanzler Dr. Renner die jetzige Lage Dcutschösterrcichs. Der Völkerbund habe Österreich anttlich für gesund erklärt, aber die wirtschaft­liche Lage in Österreich sei trostlos, denn man habe Österreich sein Ackerland genommen. Nur wirt­schaftlicher Irrsinn habe solche Zustande schaffen können. Der Zusamnicnschluß sei absolut notwen» b i g. Österreich habe sich zu dem guten nationalen deut­schen Gedanken bekannt, wie er aus den Schriften Fichtes Hervorgche, zu dem Gedanken Der Freiheit und Einigkeit der eigenen Nation. Der Anfchlußgcdanke sei keine Her­ausforderung, sondern nur die Geltendmachung eines ur­eigensten Rechtes.

Im Schlußwort gedachte Reichstagsabgeordneter Hammacher - Köln Der österreichischen und deutschen Frauen, die sich mit gleicher Liebe und Wärme für den Anschlußgedanken einsetzten. Dies beweise am besten das Wort einer österreichischen Dichterin: «Durch die Lüfte geht ein Ahnen und immer stärker dringt's herein: Reicht die Hände euch, Gcriitancn, an der Donau und am Rhein."

Freiheit in Recht und Gerechtigkeit."

Gedenkfeier für Joseph Görres.

In der Generalversammlung der Görres-Gesellschast, die auS Anlaß des 150. Geburtstages von Joseph GörreS einen festlichen Charakter trug, hielt Reichsjustizminister Dr. Bell eine Ansprache, in der er it. a. ausführte:

Die markige Gestakt von Joseph Görres ist in dieser Zeit nicht nur im Rheinland, sondern in allen deutschen Gauen wieder so lebendig geworden, als ob er in unserer Mitte weilte. Es war sein freiheitlicher Sinn, sein Kampf ums Recht gegen Unterdrückung und Gewalt, fein Kampf um sittliche Gestaltung des Menschen- und Völkerlebens. Er wollte die Freiheit, aber nicht die zügellose Freiheit, sondern die Freiheit in sittlicher Bindung, die Freiheit im festgegründeten Rechte. Auch das heutige Deutschland kämpft um seine Freiheit. Es will, ebenso wie GorreS, keine zügellose Freiheit, sondern Freiheit in Recht und Gerechtigkeit, Freiheit in Unterordnung unter die Ideale. In diesen Tagen hat Deutschland durch seinen Eintritt in Den Völkerbund, durch Den è§ zugleich das Friedenswerk von Locarno bekräftigt, erneut diesem Ideale gehuldigt.