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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 212 1026

Fulda, Mittwoch, 15. September

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

Die Ratifizierung der VocarnoVerträge wurde In Genf Durch Niederlegung der Urkunden beim Völkerbund vollzogen Zugegen war für Deulschland Di. Stresemann neben den Ver­tretern der anderen Völker.

* Reichspräsident von Hindenburg, der wieder in Berlin ist, nahm einen Vortrag des Reichskanzlers Dr. Marx über die Genfer Beschlüsse entgegen.

* Die Emtgungsverhaudlungcn zwischen dem Deutschen Be- amlenbund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund wurden ergebnislos abgebrochen.

* Rn Portugal ist es zur Erhebung einer Garnison gegen die Negierung gekommen.

Aas Amnestieprolololl für das Rheinland

Die Politik der Beruhigung.

Zu dem am 10. September erfolgten Austausch der Unterschriften zu dem Amnestieprotokoll für das Rhein­land veröffentlicht die Agentur Havas eine längere Aus­lassung, aus der bekannt wird, daß der französische Ober- kommissar der Rheinlandlommission Vorschläge hat zu­gehenlassen, um eine gewisse Anzahl früherer Ausweisungs- oder Absetzungsverfügungen, namentlich gegenüber Be- dmien, rückgängig zu machen. Es handelt sich meistens um Fälle, wegen derer die deutschen Behörden bei der Rheinlandlornmission schon vorstellig geworden sind. Für den Bereich der belgischen und der englischen Besatzungs- Zone werden die übrigen Mitglieder der Rheinlandkom- mission in der gleichen Weise vorgehen. Die Vertreter der Besatzungsmächte, die auf diese Weise, so sagtHavas" weiter, diesen Maßnahmen des Wohlwollens einen mög­lichst graften Umfang zu geben geneigt sind, erwarten im Austausch dagegen entsprechende Mahnahmen seitens der deutschen Behörden zur Erledigung verschiedener schwe­bender Verfahren, von denen einige ein besonderes Inter­esse bieten, zum Beispiel die Angelegenheit des Bürger­meisters Helferich. Dieses neue Amnestieprolololl, heißt es weiter, bestätige die von Frankreich im besetzten Gebiet -MiMMÜMAMkrtzzr aüKcmeineu Politik â der französischen Re- gieriing ständig befolgte Politik der Beruhigung.

Von deutscher Seite wird bekannt, daß von dem Ab­kommen vor allem die wegen gemeiner Vergehen Ver- urteilten lDiebstahl, Körperverletzung, Spionage) und die wegen Verstöße gegen die Ordonnanzen Verurteilten (Paß- veigehen sowie Mitgliedschaft an verbotenen Organisa- Konen, betroffen werden. In Freiheit gesetzt wegen letz- lerer Anschuldigungen werden neun Personen. Von den wegen gemeiner Verbrechen Verurteilten befinden sich im Gefängnis 168 Personen, wovon 45 aus Grund des Ab­kommens den deutschen Behörden übergeben werden. Die 'Zahlen stehen endgültig allerdings noch nicht fest. Bei den Überbestrasten wird deutscherseits Ermäßigung der Strafe auf dem Gnadenwege erfolgen. Zu den Fällen von Aus- Weisung und Amtsenthebung ist zu sagen, daß schon 1924 die Betroffenen bis auf einen kleinen Rest befreit wurden. In 42 Fällen der Ausweisung und in 41 Fällen der Amts­enthebung ist ein Entscheid noch nicht erfolgt.

Wiedrrzusammenlritt des

PreuWen FemeauSschuffes.

£ Briefe und Protokolle.

Der Femeausschuß des Preußischen Landtages hat seine Sommerpause beende! und ist am Dienslag zu einer Sitzung zusammcngctreien. Es besteh« die Absicht, noch vor dem Zu- sammentrili ves Landiagsplenums die Ausschußarbeiien, die bisher 30 Sitzungen in Anspruch nahmen, zu Ende zu führen. Ob dies gelingen wird. ist auch nach Ansicht des Ausschußvor- sitzenden sraglich, zumal die von dem Ausschuß benötigten Akten des Justizministeriums bei den verschiedensten Fällen zer­streut sind. Der Ausschuß nahm in mehrstimmiger Verlesung Kenntnis von eingcgangentn Schriftstücken, so von einem Brief des Oberstleutnants a. D. Ahlemann, der ablehnt. Aussagen vor dem Ausschuß zu machen, weiter von Briefen des Ätbge- ordneten Riedel, Grülte-Lehdcrs und eines Paul Zbru, der an­geblich Enthüllungen über Fememorde geben könnte. Grüne- Lehder verweigert ebenfalls weitere Aussagen, solange er nicht die Vergünstigungen erhält, die politischen Gesangenenn zu­stehen. Außerdem bekräftigt er seine Aussage über die völki­schen Abgeordneten Wulle und Kube. Über Zbru liegt eine Aus- fünft des Polizeipräsidenten von Gleiwitz vor. Vie ihn als einen

verlogenen Menschen mit pathologischem Einschlag bezeichnet. Verlesen wurde ferner ein Protokoll über die Ver« .uehmung des wegen Begünstigung der Rathenau-Mörder ver- iirtcilten Tschau è r. Zu dem Protokoll wird u: a. die Be­hauptung ausgestellt, daß Reichskanzler Michaelis in engster Be« ziehung zu der O. C. gestanden habe. Abg. Kuttner (Soz.) er- flauet dann noch diese Protokolle. Abg. Körner (Völk.) stellt zu einem Bries Griilie-Lehvers einen Beweisonnag, um durch eidliche Aussagen Behausungen Mülte-Lebders, der sich selbst als .Zwecklügner" bezeichnet habe, zu widerlegen. Nachdem mehrere Zeugenvernehmungen beschlossen worden waren, re­ferierte der Berichterstatter, Abgeordneter Kuttner, über die bis­herigen Veihandlungsergebnisse im Falle des öeutkbnatuuialen Abgeordneten Zahnke. Die Vernehmung des Zeugen Jahnke Hai für die Beweissrageu (Beziehungen zu den Fememördern) nichts Positives erbracht. Abgeordneter Riedel forderte noch- gnalige uneingeschränkte Beweisansnahme.

In der daraussolgenden iHtbtöifenihcben Sitzung deS AuS- stbusses wurde über neue koMmuuistiswe Beweisaniräge un Falle Zahnke verhandelt. Abg. Obuch (Komm.) beainragle, and) bte politischen Beziehungen des Abg. Jahnke zu Schulz aujzu- klären. Negierungsassessor Dr. Schmidl gab dann Auskunst über eine polizeiliche Vernehmung eines Kunstgewerblers start Schmidt, die in einigen Punkten im Gegensatz zu der eidlichen Aussage Zahnkes steht, und in der insbesondere behauptet wird, daß Zahnke räumlich zugegen gewesen war, als aber den Plan einer

Ermprdung von Ebert, Severing und Stresemann in Kreisen der Organisation Konsul die Rede war. Der AuS-

Locarnoverträge in Straft

Die Locarno-Munden beim Völkerbund. Unterzeichnung besonderer Protokolle.

Die an den Verträgen von Locarno beteiligten Mächte, nâmlich Deutschland, England, Frankreich, Italien, Bel­gien, die Tschechoslowakei und Polen, haben im General­sekretarial des Völkerbundes die Ratifikationsurkunden zu diesen Verträgen niedergelegt. An dem Akt, der sich im Arbeitszimmer des Generalsekretärs Sir Eric Drum­mond vollzog, nahmen teil: für Deutschland Reichs- minister des Äußern Dr. Stresemann, für England Staatssekretär des Austern Sir Austen Chamberlain, für Frankreich Minister des Austern Briand, für Italien der Erste Delegierte Senator Scialoja, für Belgien Se­nator de Brouquèrc, für die Tschechoslotvakei Vkinistrr des Austern Benesch und für Polen Minister des Austern Zaleski, die alle von ihren juristischen Sachwaltern be­gleitet waren. Nach Prüfung der verschiedenen Urtun* den wurde über deren Niederlegung für jeden einzelnen Vertrag ein besonderes Protokoll angefertigt und von dem jeweils beteiligten Vertreter unterzeichnet. Nach Abschlust der Formalitäten richteten die Delegierten gemeinsam ein Telegramm an den Bürgermeister von Locarno. Mit der Niederlegung der Ratisikationsurkun- den sind die Verträge endgültig in Kraft gesetzt morden.

Der Kampf um die Aaissitze.

Annahme eines französischen Antrages.

Das Hauptinteresse in Genf konzentriert sich gegen­wärtig auf die Beratnngen des Rechtsausschusses, dem die Frage der Neuordnung des Völkerbund! ates anver»

Weltergreifen der Seuche in Hannover.

Sie Typhusepidemie in Hannover.

Immer neue Erkrankungen.

Die Typhusepidemie in Hannover entwickelt sich in erschreckendem Maße weiter. Es wurden 879 Fälle ge­zählt, die in den Krankenhäusern behandelt werden. Von diesen 879 Fällen sind bisher 17 tödlich verlausen. Tie Transporte sind aber ständig weitergegangen, so daß be­stimmt binnen kurzem 11)00 Kranke vorhanden sein werden. Die Stadtverwaltung hat sich durch Vermittlung der Rc- giernng an das Kultusministerium gewandt und gebeten, eine hervorragende Kapazität auf dem Gebiete der Seuchenbehandlung nach Hannover zu senden. Dieser Arzt soll die 400 Kranken in Krankenhaus I übernehmen, da der Leiter des Krankenhauses selbst erkrankt ist und nicht die große Arbeit leisten kann. Es ist eine vierte Schule ge­schlossen worden, die als Hospital eingerichtet wird.

Errichtung von Krankenbaracken.

Die Gelegenheit zur Schutzimpsung wird von der Bevölkerung in Hannover-Linden stark in Anspruch ge­nommen. Bei der Beerdigung der an Typhus Verstorbe­nen wird mit größter Vorsicht verfahren. Die Leichen werden in ein mit Karbol getränktes Tuch gehüllt unb in Doppelsärgen bestattet. Von der Polizeiverwaltnng Han- nover wird mitgeteilt, daß mit Rücksicht aus die Epidemie die Abhaltung des auf den 21.23. September angesetzten Jahrmarktes in Hannover verboten wird. (]

* f' 3

' Typhus auch in Magdeburg.

Die Zahl der Typhuserkrankungen in Magdeburg ist auf 30 gestiegen. Todesfälle sind bisher nicht zu verzeichnen gewesen. Nach der amtlichen Darstellung ist der Typhus durch Milch aus dem Dorfe Irxleben eingefchleppt worden.

febuß beschloß, DaS Protokoll Dieser Vernehmung mit Der Aus­sage Jahnkes zu vergleichen. Obcriustizrai Dr. Würtz erstattete Berickn über Den Gang des gerlckulicben Verfahrens im Fall-- Wu11e Kube Ahlemann und wieS Darauf bin. daß Die Untersuchung noch g e r a 11 m e 3 ej t in Anspruch nehmen wird Die weitere Behandlung des Falles Jahnke wurde Dann auf Mittwoch benagt

traut ist. Der Ausschuß nahm einen von Loucheur-Frank- reich eingebrachten Antrag an. wonach bei der Abstim­mung über die Wiederivählbarkeit von nichtständigen Ratsmitgliedern weiße Stimmzettel überhaupt nicht ge­zahlt werden sollen. Noch dem Abstimmungsbrauch des Völkerbundes bedeuten die weißen Stimmzettel tvedei ja noch nein, hätten aber, wenn sie nach dem An­trag der Untertommiifion gezählt wurden, die Erlan­gung der erjorderlichen Zweidrittelmehr­heit erschwert. Im übrigen sind in dem nunmehr vorliegenden Plan folgende Bestimmungen von In­teresse,:

1. Im Falle des Ausscheidens von Mitgliedern aus dem Rat vor Ablauf ihrer Mandaisdaner hat in der nächsten Völkerbundversaiiimlung eine Nachwahl zu er- folgen, und zwar nur für die Laufzeit des freigewordenen Riandats.

2. Während normalerweise einer nicht begrenzten Zahl von Mitgliedern die Wiederwählbarkeit mit Zwei­drittelmehrheit verliehen werden kann, von denen jedoch nie mehr als drei gleichzeitig dem Rat angehören dürfen, wird in den llbergangsbestinrinungen für 1926 bestimmt, daß die Wiederwählbarkeit im höchsten Falle drei Mit­gliedern verliehen werden darf. In allen Fällen ist die Zahl der erlangten Stimmen entscheidend, dergestalt, daß die Mitglieder mit den wenigsten Stimmen, auch wenn sie Zweidrittelmehrheit erlangt haben, aussallen.

Weiter wird in den Übergangsbestimmungen festge- stellt, daß die Versammlungen von 19'27 und 1928 ganz ausnahmsweise die Wiederwählbarkeit weiteren Mitglie­dern verleihen können, auch wenn schon 1926 die vorge­sehene Höchstzahl von drei Mitgliedern diese Eigenschaft erlangt haben sollt". Die übrigen Bestimmungen ent­sprechen den Vorschlägen der Studienkommission für Die Ratsresorm. .

Von den getroffenen Maßnahmen erhofft die Behörde, daß eine weiter Ausbreitung, wie sie in Hannover stattgefun­den hat, verhindert wird.

Hannover in Sorgen.

(Von unserem ständigen Mitarbeiter.) V

/ Hannover, Mitte September. "'

In sehr ausführlichen Berichten liest man jetzt alle Tage von der .Wasserkraiikvcit" in Hannover. Der Ur­sprung der Krankheit, die sich vor Wochen zuerst in leichten Darmerkrankungen äußerte, ist Damals nicht völlig geklärt worden. Während der Regierungspräsident ziemlich be- stimmt dem Leilungswasser die Schuld gab, bestritt die Stadtverwaltung ganz entschieden, daß das Trinkwasser die Keime für diese wohl in allen Fällen verhältnismäßig leichten Störungen enthalten batte. Und jetzt haben nur eine regelrechte Thphusepideuiie. Die Zahl der Erkrankungsfälle ist in sehr schnellem Steigen begriffen. Die Feuerwehr, die hier die Transporte nach den Kran­kenhäusern ausführt, ist Tag und Nacht in Tätigkeit, um die Überführungen durchzuführen. Jetzt bat sie von den großen Industriewerken die Krankenautos erbeten und er- halten und doch genügen auch diese Wagen nicht, um die Kranken in die Hospitäler zu schassen, die inzwischen längst überfüllt sind. So bat denn die Stadt eine große, dem Krankenhaus l benachbarte Schule ausgeräumt und für die Typhuskranken eingerichtet. Ferner hat sie mehrere Baracken angefordert, um weiteren Raum zu schaffen. Man lechnct auch für die nächsten Tage mit einem schnellen An­steigen der Zahl der Erkrankungen, hofft dann aber den Scheitelpunkt zu erreichen.

Auch hier steht die Quelle für die Ansteckung noch nicht fest. Man wird aber wohl nicht fehlgedcn, wenn man das starke S 0 m m e r h 0 ch w a s s e r verantwortlich macht. Ein erheblicher Teil der Brunnen für die Hannoversche Wasserleitung liegt in der Leineniederung, die im Juli einem großen See glich und nach Ablauf des Hochwassers noch zahlreiche Tümpel und Pfützen zurückließ, die, nicht ohne üble Gerüche auszuströmen, langsam eintroefneten. Nun ist feftgeftellt worden, daß das Wasser in einzelnen Brunnen eine erhöhte Keimzahl gezeigt hat, Die dann durch ein Chlorverfavreu wieder beseitigt worden ist. Vierzehn Tage nach dieser Beobachtung ist dann der Typhus auf- getreten.

Die Krankheitserscheinungen haben eine ganz eigen­artige Nebenwirkung, an die man kaum gedacht hat. Seit Vielen Jahren wird in Hannover der Plan verfochten, einen Teil der Leineniederung zu einem größeren See pt benutzen, um so dem Stadtbild einen neuen Reiz einzi!- fügen. Nun treten mit einem Male Bedenken auf, ob nicht durch dieses große Wasserbecken die genannten Brunnen für das Leilungswasser in Mitleidenschaft gezogen werden können. Man erwägt auch schon in den Kreisen Der Stabt- Verwaltung, die Wassergewinnung überhaupt aus der Leineniederung wegzulegen, ist sich nur noch nicht klar, woher man neues Gelände nehmen soll. Vielleicht tritt man jetzt doch einem Plan näher, der vor mehr als einem halben Jahre in Verbindung mit den Talsperrenprojeklen im Harz auftauchte, nämlich der Stadt Hannover das Trinüvasser von den H ö h e u d e s H a r z e s zuzuführei^