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Nr. 216 1926

Fulda, Montag, 20. September

3. Jahrgang

Das Geheimnis von Thoiry.

Die deutßh-fraozöMe Aussprache.

\ Neue Besprechungen in Berlin.

über die Zusammenkunft zwischen Neichsaußen- minister Dr. Stresemann und dem französischen Außen­minister Briand, die unter strengster Geheimhaltung von Ort und Zeit vor sich ging, wird die Öffentlichkeit durch folgende gemeinsam vereinbarte amtliche Mitteilung in Kenntnis gesetzt:

Der deutsche Reichsaußenminister Dr. Stresemann und der französische Außenminister Briand trafen sich zum Frühstück in Thoiry. Sie hatten dort eine mehr­stündige Unterhaltung, die in herzlichster Weise verlief. , Im Verlauf dieser Unterhaltung prüften sie der Reihe nach alle ihre beiden Länder interessierenden Fragen ' und suchten gemeinsam nach den geeignetsten Mitteln, . um die Lösung dieser Fragen im deutschen und im fran­zösischen Interesse und im Geiste der von ihnen unter- ' zeichneten Vereinbarungen sicherzustellen. Die beiden Minister brachten ihre Auffassungen über eine Gesamt­lösung der Fragen in Einklang, wobei sich jeder von ihnen vorbehielt, seiner Regierung darüber Bericht zu er­statten. Wenn ihre Auffassungen von ihren beider­seitigen Regierungen gebilligt werden, werden sie ihre Zusaminenarbeit wieder aufnehmen, um zu den ge- i wünschten Ergebnissen zu gelangen.

Wie weiter gemeldet wird, dauerte die Aussprache nicht weniger als fünf Stunden und ihre vollkommene Ver- traulichkeit war dadurch sichergestellt, daß ihr außer den beiden Ministern lediglich ein Dolmetscher beiwohnte und dqß der Ort der Zusammenkunft streng geheimgehalten worden war. Die Unterredung betraf alle zwischen den beiden Ländern bestehenden Fragen, die bisher der Lö­sung harren. Das Verfahren für die weitere Behandlung der erörterten Aufgabe wird dahin gehen, daß zunächst die beiden Minister ihren Regierungen über ihren Gedanken- MDM.«'M«M)und »ie dabei gewonnenen Resultate Bericht er­statten. Das wird bei Briand etwa Ende September der Fall sein, also ungefähr gleichzeitig mit dem Termin, zu dèm auch h: Berlin nach Rückkehr der deutschen Delegation die Erörterung dieser Frage gegenständlich wird. Jeden­falls besteht die Absicht, wenn die Billigung der beider- fettigen Kabinette erlangt ist, auf die sowohl Briand wie Stresemann hoffen, sofort in die weitere Bearbeitung ein- zutreten, da eine Gesamtlösung, wenn sie überhaupt an­gestrebt wird, sobald als möglich erzielt werden muß.

Loucheur kommt nach Berlin.

Zur Fortsetzung der Verhandlungen zwischen Deutsch­land und Frankreich, wie fit der Besprechung von Thoiry vereinbart, wird Loucheur am 3. Oktober in Berlin als Sondergesandter die Besprechungen wieder ausnehmen.

Die drei Hauptpunkte.

Nach Informationen, die beide Minister ihren Dele­gationen über die Verhandlungen von Thoiry gaben, haben hauptsächlich drei Punkte im Rahmen des Gesamt- Problems der deutsch-sranzösischen Beziehungen in der Unterredung die Hauptrolle gespielt, nämlich

1. die Frage der interalliierten Militärkontrolle, ]

! 2. der Rheinlandbesatzung und .^^/

' 3. die Saarfrage. ---------------"

Zur ersten Frage sollen die beiden Minister verein­bart haben, daß die Militärkontrolle der Alliierten im De­zember bzw. Anfang nächsten Jahres endgültig aufgelöst »verden soll und daß dann die Völkerbundkontrolle ein­setzt, die wahrscheinlich nicht nach dem bisherigen vom Rat beschlossenen Plan ausgeübt werden wird. Der Rat dürfte sich im Dezember von neuem mit der Frage be- T°ffrn und ein neues Kontrollsystem beschließen. Bezüglich der Besprechungen über das Saargebiet wird Deutschlands Wunsch nach Wiedervereinigung mit dem Saargebiet bekannt. Schließlich wurde auch das Problem Eupen-Malmedy berührt, das zunächst aller- ulngs als deutsch-belgische Frage angesehen werden mag. . Aue diese Fragen werden eingegliedert in den großen wirtschasts- und finanzpolitischen Plan, der eine enge Verbindung finanzieller und wirtschaftlicher Interessen zwischen Deutschland und Frankreich begründen soll. Hierbei spielt die Mobilisierung eines großen Teiles der Eisenbahnobligationen in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Es handelt sich voraussichtlich um den Betrag von anderthalb Milliarden. Auch weitere Finanzfragen und Fragen wirtschaftlicher Art werden in den Plan einbezogen.

Inzwischen ist Briand nach Paris zurückgekehrt. Er wird in den nächsten Tagen einen längeren Erholunqs- urlaub antreten. Minister Dr. Stresemann wird für Mitte dieser Woche in Berlin erwartet.

*

Es ist nur ein kleines Städtchen im Französischen owa, dieses Thoiry, als Ausflugsort von Genf her beliebt, »veil es imHotel du Jura" ein ausgezeichnetes Essen gibt. Jetzt hat dieser der großen Welt bisher ganz unbekannte französische Kurort einen Namen, dessen Klang sianz Europa erfüllt, einen Namen, den aber ein Geheim­nis umhüllt; vorläufig Wenigstens.

Denn was der deutsche und der französische Außen- minister, jeder nur von einem Sekretär begleitet, dort in ihrer fünfstündigen Unterredung besprochen haben, soll Geheimnis bleiben, von dem auch das amtliche Kommu- jviauö nur Wenig ben Schleier lüftet. Man Witt schweigen,

bis die beiden zu ihren Regierungen gesprochen haben, bei denen ja über alles die letzte Entscheidung liegt. Und es bleibt daher im Augenblick kaum etwas and« res übrig, als aus dem Wortlaut der Vereinbarung allerhand zu mut­maßen.

Allerdings ist schon die Tatsache dieses fünfstündigen Zusammenseins überaus bedeutsam, wobei übrigens nicht vergessen werden soll, daß zum erstenmal seit dem Frie­densschluß von Versailles ein deutscher Minister von Amts Wegen französischen Bode»» betrat. Am bedeut­samsten ist in der Verlautbarung das Wort von derGe­samtlösung" aller die beiden Länder betreffenden Fragen, die man im einzelnen durchgesprochen hat. Auch Strese­mann hat in der Rede, die er den deutschen Pressever­tretern hielt, die Tatsache der Behandlung aller Fragen deutlich unterstrichen. Wir brauchen nicht zu wiederholen, was deutscherseits ja schon tausendmal gesagt ist: Bc- setzungs- und Saarfrage, Eupen-Malmedy und die östliche Bündnispolitik Frankreichs ganz abgesehen von den Dingen wie Minderheitenschutz und Grenzziehung im Osten, was Frankreich nur als Unterzeichner des Versailler Friedens interessieren sollte. Nicht zuletzt natürlich die Militärkontrollfrage.

Das würbe aber alles nicht den Charakter einer Ge- samtlösung bedeuten. Vielleicht ist man aus der rich­tigen Spur, wenn man die Betrachtung nun nach der wirtschaftlichen Seite hin erweitert. Aus Frank­reich lastet das Währungsproblem, auf Deutschland aber der Daives-Plan, der ja mit voller Wucht seit dem 1. Sep­tember nach der zweijährigenSchon'frist aus unse­ren Schultern liegt. Dazu kommen die engen wirtschaft­lichen Verflechtungen, die ja soeben erst zu einer Verein­barung wenigstens mit der jranzösischen Eisenindustrie ge­führt haben. Allmählich macht doch die Ansicht Fortschritte, daß der Dawes-Plan unerfüllbar ist, mehren sich die Stim­men, daß die Übereignung der Milliarden aus Deutsch­land an das Ausland zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führen muß, weil diese SBeffimmung schwerste innere Widersprüche enthält. Das ganze wirtschaftspolitische und finanzielle System nicht bloß Europas ist aber aufgebaut auf diesem Plan und feine Abänderung würde eine Ge- famtaufroKnng dieses ganzen Systems bedeuten, das ja beispeilsweise auch tief in die interalliierte Schuldenre- gujierung hineingreift. Der Gedanke, von dem der Plan erfüllt ist, ist aber der einer Zwangsknechtjchaft Deutsch­lands den anderen gegenüber; werden aber der Geist von Locarno und die Idee unseres Eintritts in den Bund der gleichberechtigten Völker nun zur Wirklichkeit, so muß auch ân die Stelle der einseitigen Zinsverknechtung der Gedanke eines gemeinsamen Wiederaufbaus treten, weil es die Kräfte eines einzelnen Volkes weit übersteigt, diese Arbeit allein leisten zu sollen. Die Voraussetzung dafür, daß dieses große wirtschaftliche Problem angepackt wird, ist aber eine wirkliche Änderung des Geistes des Mißtrauens und der Unterdrückung, den wir setzt noch allzu reichlich verspüren und ob eine solche Wandlung eintritt, kann erst die Zukunft lehren.

Und diese Zukunft wird auch das Geheimnis von Thoiry erst ganz enthüllen; wird enthüllen, ob in jenem Hotelzimmer das Schicksal uns die heiteren oder die schwarzen Lose beschert hat.

Briand bei poincare.

Fraiikreich soll Friedenspolitik treiben.

Briand hatte eine zweistündige Unterredung mit Poincare, deren Gegenstand die Besprechungen zwischen ihm und dein deutschen Reichsaußenininister war.

Vor der Unterredung hatte Briand die Pressevertreter empfangen, denen er eine längere Erklärung abgab. Er sagte u. a., daß es ihm nicht möglich sei, über seine Unter­redung mit Stresemann in Thoiry Näheres zu sagen. Er habe sich zuerst mit seiner Regierung in Verbindung zu setzen, und auch Stresemann werde dasselbe tun. Was ihn anbelange, so werde seine Tätigkeit nach wie vor vom Friedenswillen beseelt sein. Er sei französischer Minister­präsident während des Krieges gewesen und sei ent­schlossen, sich währens seiner Amtszeit dafür einzusetzen, oaß diese grausame Zeit nicht wiederkehre. Er sei über­zeugt, daß Frankreich genügend Beweise seiner Helden- mütigkeit abgelegt habe, um nicht den Vorwurf der De- mütigung befürchten zu müssen, wenn es eine Friedens­politik verfolge. Es gäbe im übrigen nur einige wenige Franzosen, die von Demütigung sprächen. In Genf habe er niemanden getroffen, der diesen Vorwurf gegen Frank­reich erhöbe», hätte. Es gälte vor allein, die Kaltblütigkeit nicht zu verlieren.

Auf die Frage, ob er mit Stresemann eine Begegnung in Paris haben werde, antwortete Briand verneinend. Nachdem er mit seiner Regierung dasselbe getan haben Werbe, werde man weiter sehen. Jetzt, da Deutschland Mit­glied des Völkerbundes sei, würden in Zukunft Begegnun­gen swifdjen den Regierungshäuptern der beiden Länder leichter sein als früher. Sobald es ihm möglich sei, werde er Näheres mitteilen.

Neue Abrüstungsdebalte in Genf.

Beschleunigung der Arbeiten verlangt.

Die vorbereitende Abrüstungskonferenz in Gens hat ihre Beratungen fortgesetzt. Im dritten Ausschuß führte der pol­nische Vertreter aus, daß ein bewaffneter Konflikt in Zukunft alle Kriege, die es bisher gegeben hätte, in den Schatten stellen mürbe. Es fei notwendig, die Frage der Abrüstung auf das.

Meine Zeitung für eilige Leser

* Zur Fortsetzung der in Thoiry zwischen Dr. Stresemann und Briand begonnenen Verhandlungen wird am 3. Oktober Loucheur als französischer Sondergesandter nach Berlin kommen.

* Der bekannte Politiker und Geschicktssorscher Hans Del­brück hat gemeinsam mit französischen und amerikanischen Per­sönlichkeiten an den Völkerbund einen Appell gerichtet, un­verzüglich eine Klarstellung der Kriegsschuldsrage herbeizu- sühren.

* In Bad Gastein ist der bekannte Literarhistoriker Prof. Dr. Roelhe aus Berlin gestorben.

* Neue Revolten sollen sich in Spanien dadurch angespon­nen haben, daß sich die Infanterie der rebellischen Artillerie angeschlossen Hal.

gründlichste zu prüfen. Die Arbeiten, die die bisherige vor­bereitende Kommission geleistet hätte, seien sehr wertvoll ge­wesen doch dürfe man die Arbeiten nicht aus Kosten der Gründlichkeit beschleunigen wollen und lieber den Termin der Einberufung der Abrüstungskonferenz hinausschieben, als nur <tn Flickwerk zu schaffen. Der schwedische Vertreter bezeichnete das von der vorbereitenden Abrüstungskommission ausgestellte Programm als zuweitgehend. Es wäre praktischer, die Arbeiten auf bestimmte Punkte zu konzentrieren, da man hierdurch eher zu positiven Resultaten gelangen könne. Ein Mißglücken der Abrüstungskonferenz bezeichnete er als eine Katastrophe f u r den Völkerbund und als eine schwere Enttäuschung für alle diejenigen, die ihre Hoffnungen aus ihn setzten. Der Vertreter Dänemarks sprach sich in ähnlicher Weise aus.

Tic Kommission hat ferner den Vorschlag für eine Ent­schließung durchberaten, die der jugoslawische Delegierte v«s»zelcgt hat. In ihr wird der Völkerbund ausgesordert, den Mitgliedern des Völkerbundes die A n n a h m e d e r G r u n d - sähe d e s V e r l r a g e s von Locarno zu empfehlen und seine Mithilfe beim Abschluß derartiger, dein Locarnopakt ent­sprechender Verträge zur Verfügung zu stellen. In der Dis­kussion brachte ferner der französische Delegierte Pnul-Bon- cour eine Entschließung ein, in der es heißt: Die BundeS- versamlung nehme von dem Bericht deS Sekretariats und ins­besondere von dem Bericht des Präsidenten der vorbereitenden Abrüstungskommission über die Arbeiten der Unterkommis­sionen A und B Kenntnis. Sie fordert den Völkerbundrat aus, die vorbereitende Abrüstungskommission zu dem beschlcu- ntgten Abschluß der Arbeiten der technischen Kommission zu veranlassen, um in der Lage fein zu können, zu Ende dieses Jahres, oder zu Beginn des nächsten Jahres, bereits das Programm der Weltabrttstungskonferenz vorzulegen, die noch vor Beginn der nächsten Bundesversammlung zusaiiioicnlretcn möge.

Über diesen Antrag sowie über den Antrag des jugosla­wischen Delegierten entspann sich eine lange Debatte, in der von verschiedenen Rednern der Gesichtspunkt einer wesent­lichen Beschleunigung der Arbeiten der vorbereitenden Ab­rüstungskommission hervorgehoben wurde. Am Montag tritt der Ausschuß erneut zusammen, um die Diskussion über die Abrüstungsfragen und insbesondere über die beiden vorge­legten Entschließungen zu beraten.

Die Rückgabe des deuischen Eigentums in Amerika

St e w y 0 r l. Nach einer Meldung desWallstreet- Jonrnak" hat der stellvertretende Schahsekretär Winston er» klärt, es sei ihm vom Vorsitzenden dès Budgetausschusses, Green, die Mitteilung zugegangen, daß in der kommenden Parlamentssession ein ähnlicher Antrag aus Rückgabe deS be­schlagnahmten deutschen Eigentums eingcbracht werden würde wie seinerzeit die MillsbiU. DaS Schatzamt sei durchaus gegen jeden Vorschlag, der eiste direkte Konfiszierung bedeute.

Das Todesurteil gegen Schröder.

Haas völlig gerechtfertigt.

Das Urteil, das der Vorsitzende im Mordprozeß Schröder in Magdeburg verkündete, lautete: Der Ange­klagte Schröder ist des Raubmordes für schuldig befun­den und wird zum Tode verurteilt. Außerdem werden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit aber­kannt. Die Mordwaffe wird eingezogen. Wegen schwerer Urkundenfälschung ist Schröder zu sechs Monaten Ge- sângnis verurteilt, von ber Anklage der Verleitung zum Meineid erfolgt Freisprechung.

gendeine Verbindung tb daß er damals bei

Bei den letzten Verhandlungen war am bemerkenswer­testen die Vernehmung des Fabrikanten Haas. Der Zeuge Haas bestreitet ausdrücklich, daß irgendeine Verbindung zwischen Schröder und ihm besiehe und daß er damals bet Schröder in Rottmersleben gewesen sei. Der Angeklagte Schröder erklärt dazu aus Aufforderung durch den Vorsitzen-. den daß Haas mit der Mordsache nichts zu tun habe. Etwas anderes könne er. Schröder, nicht auskaaen. Unter areâet