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Zul-aer Mnzeiger

Erscheint jeden Werktag. Bezug »p«!«: m»»at- lich 2 Mark. Bei Qrfernugsbehia-rruagen durch höhere tBnoattee*, Streik», Mesperruage», Vahnsperre us«. erwachse» dem Bezieher keine Einsprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Zulöa, Mitglied de« verein« Deutscher Zeitungsoer. leger. Postscheckkonto: Zranksurt a. M. Nr. 5585

Nr. 217 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal »Zui-aer Kreisblatt

Rebaktio« «ab Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech--Insthl«ß Ur.-S»

Nackdruck »er mit * »ersehenen Brütet nur mit ©tieUtnnngabe .Zuldaer Anzeiger'gefMüet.

Fulda, Dienstag, 21. September

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3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichspräsident von Hindenburg ist aus dem Manöver- gelände bei Mergentheim wieoci in Berlin eingelrossen und hat Tr. Sven Hedin empfangen.

* Die bei Gartz in Pommern im Bau befindliche Eisenbahn« brücke über die Oder ist eingestürzt. Vier Arbeiter kamen dabei ums Leben.

* Der im Magdeburger Mordprozcß zum Tode verurteilte Schröder Hai Revision eingelegt.

* Bon einem verheerenden Wirbelsturm wurde der Südstaat Florida in Amerika helmgesuLt. Nach einigermaßen zuver­lässigen Meldungen sind 1'200 Personen getötet und mehrere tausend verletz, worden.

* Bei einem Schisssuntergang im Bengalischen Meerbusen ertranken 170 Menschen.

Arbeiissragen vor Mènterbegmn.

Von volkswirtschaftlicher Seite wird uns geschrieben: Die Freien Gewerkschaften veranstalten zur­zeit eine sehr rege Werbetätigkeit, um ihre Reihen aufzu» füllen; denn auch in Arbeitnehmerkreisen ist man sich dar­über klar, daß der Rückgang der Erwerbslosenziffer nicht etwa einem Abstellen der Wirtschaftskrise zu verdanken ist, sondern in der Hauptsache von uns die Früchte der eng­lischen Streikbewegung geerntet werden, diese Ernte aber sehr bald zu Ende sein wird.

Auch der Deutsche S t ä d t e t a g hat ja in seinen soeben beendigten Verhandlungen der Frage der Arbeits­losigkeit die größte Aufmerksamkeit gewidmet und sie für lösbar, zum mindesten aber für der Milderung möglich erklärt nicht aus dem Wege von Notstandsarbeiten, son­dern aus dem einer fördernden Handels- und Wirtschafts­politik. Die großen Überschüsse, die aus den beiden letzten Steuerjahren stammen, haben das Reich, die Länder und die Kommunen in den Stand gesetzt, die in Wirklichkeit ja außerordentlich unwirtschaftlichen Notstandsarbeiten durchzuführen; aber wir sind jetzt finanziell am Ende iWWMMWLâM Säbel lüvul damit gerechnet werden, daß die Zahl der Erwerbslosen nicht mehr weiter sinkt, son­dern ein Umschwung in dieser Entwicklung eintritt, weil die Landwirtschaft die von ihr aufgenommenen Arbeits­kräfte jetzt allmählich wieder abzustoßen beginnen wird. Die Aussichten sind also keineswegs rosige für den kom­menden Winter.

Der englische Bergarbeiterstreik hat der deutschen Kohlenwirtschaft über die ja immer ziemlich stille Som­merzeit hinweggeholfen, hat außerdem dazu geführt, daß die Vorkriegsförderung mengenmäßig wieder erreicht worden ist. Aber leider ist der deutsche Inlandsbedarf an Kohlen nur wenig erheblich gestiegen. Und die bessere Konjunktur der Kohlenindustrie hat sich rückwirkend kaum bemerkbar gemacht in den anderen deutschen Industrie­zweigen. Vielmehr klagt besonders die deutsche Ma- Wnenindl««'-?? über die große Zurückhaltung der Berg- werke hinsichtlich Bestellung neuer Maschinen. Die Zu­rückhaltung ist aber verständlich, weil ja noch damit zu rechnen ist, daß über kurz oder lang ein erbitterter Kampf mit der englischen Konkurrenz ausbrechen wird, für den man deulscherseits alle finanziellen Mittel bereitstellev muß.

Die Zweckmüßigkeitseiustellung der deutschen In­dustrie, ihre Zusammenballung zu großen Konzernen, Ar­beitsgemeinschaften, Syndikaten, Trusts hat im Laufe dec Sommers neue große Fortschritte gemacht. Wenn man von einer leichten Besserung der deutschen Wirtschafts­aussichten sprechen will, so muß man dabei erwägen, das sich diese Besserung nur sehr wenig in einer Mehrbeschäf­tigung von Arbeitskräften äußert, weil im Wesen der Be­strebungen nicht zuletzt eine Herabminderung der Arbeiter­zahl liegt. Wenn beispielsweise im Kohlenbergwerk du Fördermenge der Vorkriegszeit erreicht ist, so geschieg- das mit Hilse stärkster Verwendung maschineller Kräfte geschieht das mit rund 150 000 Arbeitern weniger alt 1913. Die Elektrifizierung der deutschen Reichsbahn des weiteren würde, wie man berechnet hat, zu einer Per­sonalersparnis von etwa 40 % der gegenwärtigen Kopf zahl führen. Ob also mit einer wesentlichen Herab- dcückung der Erwerbslosenziffer noch wird gerechnet wer­den können, ist mehr als zweifelhaft; wahrscheinlicher ist daß wir mit dem Herbst wieder ein Heraufgehen diese' verhängnisvollen Zahl erwarten müssen, falls nicht eh Wunder geschieht. Ein solches Wunder ist ja nicht ausge schlossen, denn bisher ist es noch keiner Volkswirtschaft - lichen Wissenschaft oder Praxis gelungen, das Auf uni M i Ab weltwirtschaftlicher Krisen zu ergründen oder festzu i stellen, warum solche Krise ausbrachen und warum uni 1 wann sie dann wieder dem Aufstieg wichen. Vielleich stehen wir wieder vor einer günstigeren Entwicklung, wer .doch manche Hemmungen und Wirrnisse aus dem Weg« geräumt sind und außerdem die Erkenntnis sich Bahl bricht von dem Bestehen weiterer ganz bestimmter Hem I mutigen dieser Art. Vielleicht wird diese Erkenntnii fördernd wirken.

Man muß sich freilich darüber keine Jllusionei machen, nunmehr beginne ein Zeitalter friedlichen Wirt ! schriftlichen und politischen Zusammenarbeitens innerhall 'der europäischen Völker. Man kann hoffen, darf abc: dicht damit rechnen. Gerade für Deutschland wird abe; im tum im kommenden Winter die Frage der Erwerbs losenfürsorge in den Vordergrund treten; es wäre fehl zu wünschen, daß man nicht wie im vergangenen Früh­jahr sich scheut, sie energisch anzupacken.

1200 MWn durch

Giurmkaiafirophe in Florida.

1200 Tote, 6000 Verletzte.

Eine ungeheure Sturmkalastrophe hat Miami und Palmbeach im Staate Florida heimgesuchl. Der Schaden ist unübersehbar. Der Drahtverlehr ist fast völlig unter­bunden. Frühmorgens arbeitete eine einzige Linie der Westernunion, so daß bruchstückweise Nachrichten durch- kamen. Miami allein hat Zerstörungen erlitten, die einen Schaden von hundert Millionen Dollar ausmachen. Die Hafanlagen mit allen Schiffen sind vernichtet. Zwei­tausend Häuser sind zerstört. Kein Haus ist ganz. In Palmbcach und Miami steht das Wasser fünf Fuß hoch. Nach den vorliegenden Meldungen beträgt die Zahl der Toten 1200, die der Verwundeten mehr als 6000.

Der Sturm ist der schwerste, der jemals über Amerika hinweggegangen ist. Er riß eine 60 Meilen breite Bresche in die Küste Floridas und ließ überall Zerstörung und Elend zurück. Der Orkan brach, von Westindien kommend, über die Bahamainseln nach Florida ein. Das Baro­meter erreichte einen nie gekannten Tiefstand. Der Sturm dauerte neun Stunden und erreichte zeitweise 140 Meilen Geschwindigkeit. Miami wurde in zwei Flutabständen Heimgesuchl. Die zweite Flutwelle vernichtete in der Stadt alles, was die erste verschont hatte. Die meisten Wolken­kratzer sind eingestürzt, sämtliche Häuser sind vernichtet oder wenigstens schwer beschädigt. In Miami sind

40 000 Menschen obdachlos.

Über die Stadt wurde der Belagerungszustand verhängt. In Baltimore wurde sofort ein Hilsszeulrum eingerichtet, von wo aus ständig Züge mit Ärzten und Hilfsmann-

Schluß des Hmdenburg-Mauövers.

Rückkehr des Reichspräsidenten.

Über den Verlauf des Manövers bei M e r g e n t 'heim ist zu berichten, daß Reichspräsident von Hinden burg mit großem Interesse der Kritik folgte und selbs wiederholt das Wort npbm. Nach Beendigung der Kritr hatten die Truppen der 7. Division Gelegenheit, an de Straße PoppenhausenUnlerwittighausen den Reichs ; Präsidenten zu sehen.

Am Sonntag brachten die Mergentheimer Gesangver eine und das Kurorchester dem Reichspräsidenten eh Ständchen vor dem Kurhaus. Als der Reichspräsiden

Hindenburg im Manövergelände.

auf den Balkon heraustrat, stimmte die Menge, die fid .inzwischen angesammelt hatte, das Deutschlandlied an Nach dem Ständchen begrüßte der Reichspräsident Dirigenten und sprach ihnen seinen Dank für die Ehrun, aus. Sodann begab sich Reichspräsident von Hindenbur; zum Gottesdienst in die Schloßkirche des Deutsch-OrdenS schlosses. Anschließend besuchte er einige Truppenuntev fünfte und folgte einer Einladung des Fürsten zu Hohen­lohe-Langenburg in das Schloß nach Weikersheim.

Nachdem der Reichspräsident noch einer Flugveran staltung beigewohnt hatte, trat er die Rückreise nach Ber­lin an.

Neue Zllsammknkittist

SlreèeMank-Lrialld?

r Die Haltung Poincares.

Nach Pariser Zeitungsmeldungen wird binnen kur­zem eine neue Zusammenkunft zwischen Briand und Stresemann stattfinden. Als Ort der Begegnung soll Paris in Frage kommen. Diese Reise würde, wie der Excelsior" zu melden weiß, schon Anfang Oktober aus­geführt werden, falls der französische Ministcrrat die in Thoiry zwischen Briand und Stresemann getroffenen Abmachungen ratifizieren sollte.

Allerdings ist die Zustimmung des französischen Mi- nisterrats noch sehr fraglich, da, wie derQuotidien" mitteilt, im französischen Kabinett schwere Mei- nungsverschiedenheiten bestünden. Mehrere

einen Man getötet.

schäften nach dem Katastropbengcbiet abgeben. Mehrere Ortschaften in der Nähe von Miaini sind gänzlich vom Erdboden verschwunden.- DieNew Bork Times" zählen allein in Miami 500, in Hollywood 200 und in Fort Lauderdale 200 Tote. Mög­licherweise wird sich die Zahl der Toten noch ganz er^ heblich erhöhen. Im Hafen von Miami wurden 150 Schisse zerstört, deren Bemannung (mehrere hundert Mann) wahrscheinlich ertrunken ist. Die gesamte Ernte ist vernichtet. Präsident Eoolidge beriet über Hilfsmaß­nahmen. Von überall her treffen Hilsszüge ein. Die Ver­zweiflung unter den Bewohnern ist grenzenlos.

Das Dorado Amerikas.

Florida hatte sich im Laufe der letzten Jahre zur ame­rikanischen Riviera entwickelt. Das milde, halbtropische Klima, die herrliche Seeküste und die günstige Verkehrs- läge Floridas zogen seit jeher zahlreiche Gäste an, die dem strengen nordamerikanischen Winter entgehen wollten. So entstanden hier Bäder und Lurusställen, die an ausge­suchtestem Komfort bald alles in der Welt übertraf. Echt amerikanischer spekulativer Sinn schuf an der Floridaküste beinahe über Nacht mit den Mitteln bei vollendeten Tech­nik und Zivilisation eine Anzahl Vergnügungs- und Er­holungsstätten, deren überreichliche Pracht auf den ver- wöhntesten Geschmack zugeschnitten war. Die erlesenste amerikanische Gesellschaft, Dollar könige und andere Größen, pflegte sich dort in der jüngsten Zeit ein Stelldich­ein zu geben und suchte sich gegenseitig im verschwende­rischen Lebensstil den Rang abznlausen. In diese Welt des Lebensgenusses ist plötzlich eine Naturkatastrophe von unerhörtem Ausmaße hineingebrochen.

Minister, zu denen auch Poincar«'- gebären soll, sieben nach Meldung dieses Blattes der Politik Briands durchaus feindlich gegenüber. Wie scharf die Gegensätze im Kabinert seien, gehe schon daraus hervor, daß Minister Marin noch vor kurzem die Politik Briandseine irrsinnige Preisgabe aller französischen Pfänder" und einegrößen­wahnsinnige und kindliche Wortspielerei" genannt habe.

Thoiry als Sehenswürdigkeit.

Hunderte von Teilnehmern an der Völkerbundver­sammlung, Presseleute und viele Genfer Bürger sind nach Thoiry hinausgewandert, dem kleinen, wenige Kilo­meter hinter Genf gelegenen Iuradörfchen, um die Histo- rische Stätte der Unterredung zwischen Briand und Strese­mann zu besichtigen und dem kleinen Landgasthaus einen Besuch abzustatten. Der Wirt des kleinen Hotels Läger hat denn auch wohl richtig spekuliert, als er das Zimnier, in dem die Unterredung der beiden Minister im Beisein eines einzigen Dolmetschers stattgefunden hat, gänzlich un- verändert ließ. Bis auf die Zigarrenreste und die Wein- flaschen ist auf dem weißgedeckten Tisch in dem im ersten Stock des Gasthauses gelegenen Zimmer alles unver­ändert geblieben. Man kann noch feststellen, daß es nicht sieben Flaschen Wein waren, die die drei Herren beim Mittagessen ausgetrunken haben, sondern nur zwei Fla- scheu meisten Landweins und eine Flasche roter Bor­deaux, von dem noch die Hälfte vorhanden ist.

Beamtenschaft unö Siaai.

Dr. Külz bei den sächsischen Gemeindebeamten.

Gelegentlich der Tagung des sächsischen Gemcinde- beamtenbnndes in Leipzig hielt bei der Eröffnung Reichs­innenminister Dr. Külz eine Rede über Wesen und Auf­gaben der Beaintenschast, in der er über das Verhältnis bon Staat und Volk und Wirtschaft zu der Beamtcnschafi und über die Organisation der Beamtenschaft selbst sprach.

Die starke Wandlung feit 1918 bestand, so sagte der Mmister, darin, daß Deutschland vom O b r i g l e i t s - st a a 1 auf den Weg zum V o l k s st a a t gekouimen sei. Das bedinge, daß sich der Beamte dem Staate innerlich verbunden fühle und das Gefühl des Verbundenseins mit bem Staate auch bei den Volksgenossen erwecke und ausrechtcrhalte, und zwar bei allen Volksgenosien, denn der Beamte sei ein Diener der Gesamtheit, nicht Diener einer Partei. Daraus ergebe sich auch die Forderung, daß der Staat sich mit der Beaintenschast verbunden fühlet Der wesentliche Inhalt des TreuevcrhâltniffeS zwischen den beiden und das Fundament des Berufsbeamtentums sei das Bekenntnis der Beamtenschaft zu dem Staate und daS Bekenntnis des Staates zu seinen Beamten.

Der Minister führte weiter aus, daß die Beamten­schaft Anspruch auf ein Beamtenrechtsgesetz habe, das den Pflichtenkreis der Beamten nach neuzeitlichen Be« sinsfen regelt und die persönlichen und dienstlichen Ver­hältnisse der Beamten durch klare Rechtsansprüche sichert. Dieses lang erwartete Gesetz sei im Reichsministerium des Innern fertiggestellt und in einem fortgeschrittenen Sta­dium seien auch die neue Dienststrafordnung und das Be­amtenvertretungsgesetz. Minister Külz sprach sodann über die politischen Strömungen der Beamtenschaft und stellte die Grundforderung auf, daß die Organisation der Beamten von jeder einseitigen Parteipolitik sreige» halten tverde. Die berufspolitische und staatspolitische Be­tätigung der Beamtenschaft müsse ihre Zusammenfassung in einer einheitlichen, allumfassenden, geschloffenen Spitzen­organisation finden.