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Fuldaer Anzeiger

Erscheint je»«, Werktag. Vezugsprets: monat* kich 2 Mark. Sei QefermigsbchÄöeruagea durch höhere Gewalt««', Streiks, hussperrnngea, Bahnsperre usw. erwachse» dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich «Hrenklau, Kulöa, Mitglied des Verein» Deutscher Zettungsver- leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 5585

Nr. 218 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal-Zulöaer Kreisblatt

Redotoe* und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zemsprech-flaschluS Nr.-r- no»»rwf der mit* »ersehene« Artikel nur mit gp»««ra«ga»»,Zal»a«A«5eiger,g»|Wt»t.

Fulda, Mittwoch, 22. September

Razetgenprei«: Für Lehör-en, Vuroffeaschat- ten,Banken usw. betrögt die Kletazeile 030 UHL, für auswärtige Auftraggeber 0.25 OIL, für die Reklamezeile 0-90 Mk. u. alle endeten 0.15 M^ Reklamezeile 0.60 Mark * Sei Rechmmgsstel- lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Platzvorfchrytea unverbindlich.

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

, * In Genf beschloß die Kommission für Abrüstungèsragen, im September 1927 solle die Abrüstungskonserenz einberufen werden.

* Briand erstatte': im Pariser Kabinettsrat Bericht über seine Unterredung mit dem deutschen Außenminister Dr. Strese- mann. Der Kabincllsiat hielt diese Aussprache für nützlich und sprach sich für ihre Fortsetzung aus.

* Die Sturmkaiastrophc in Amerika hält an und hat weitere Gebiete in Mitleidenschaft gezogen.

* Weitere Verstärkungen der Unruhen in Spanien werden gemeldet. Die Offiziere sollen ein gegen Primo de Rivera ge» richtetes Ultimatum an den König gesandt haben.

Memelland und Danzig.

Gleich die ersten Fragen, mit denen die deutschen Ver- freier im Völkerbundrat sich befassen mußten, sind für uns Deutsche ganz besonders brennende: bei der Memel­frage handelt es sich darum, daß die litauische Ne­gierung dem Memelländischen Landtag das Recht ab­sprechen will, an den Völkerbund direkt Beschwerden zu richten; das dürfte höchstens an einzelne Mitglieder des Völkerbundes geschehen. Bei der Aussprache hat auch Dr. Stresemann in Genf das Wort ergriffen und nicht ungeschickt sich den Standpunkt der litauischen Re­gierung zu eigen gemacht, denn unter solchen Umständen sei jede im Rate vertretene Macht berechtigt, die Frage einer Verletzung des Memelstatuts aufzuwerfen. Mit dieser leisen Ankündigung hat sich Deutschland nun dieses Recht für die Zukunft vorbehalten.

Noch brennender ist aber die Danziger Frage. Danzig ist in schweren finanziellen Nöten nicht bloß wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise, sondern vor allem wegen des Zusammenhruchs der polnischen Währung. Be­kanntlich ist ja der Freistaat Danzig mit Polen zu einer Art Zollunion verschmolzen und erhält aus den Zollein­nahmen einen bestimmten Anteil. Man will nun eine Anleihe aufnehmen, wofür man allerdings die Ge-

Ngung des Völkerbundes braucht, der ja die Ober- Aufsicht über Danzig führt. An der ganzen Finanzschwie- rigkeit ist also letzten Endes niemand und nichts anderes schuld als der Versailler Vertrag und sein Hüter, der Völkerbund nämlich. Dessen Finanzkomitee benutzt nun aber die Gelegenheit, den bisherigen Standpunkt, sich in die inneren Verhältnisse des Freistaates nicht einzumischen, ganz und gar aufzugeben und statt dessen eine Finanzkontrolle eingehendster Art zu versuchen. Nicht nur verlangt man Festlegung eines HSchsibetrages bar Ausgaben, eine sehr weitgehende Herabsetzung der Be­amten- und Angestelltenzahl, außerdem der Mitglieder- zahl von Volkstag und Senat, vielseitige Gehaltskürzun­gen, auch Herabsetzung der Erwerbslosenunterstützung, während man aus der anderen Seite dem Freistaat nur die Hälfte der geplanten Anleihesumme bewilligen will. Außerdem soll es Danzig verboten sein, bis auf weiteres kurzfristige Anleihen aufzunehmen. Weniger eilig als mit der Aufstellung dieser Bedingungen hat man es aber mit der Festlegung des Danzig-polnischen Verteilungs­schlüssels gehabt, mit dessen Regelung die ganze Danziger Finanzwirtschaft steht und fällt.

Der Danziger Präsident Sahm hat beim Völker­bundrat sehr scharfen Protest gegen dieses Vorgehen des Finanzkomitee erhoben und fast unverblümt von einer Art Erpresserpolitik gesprochen, besonders wegen des Ver- langens, daß Danzig sich nicht mehr kurzfristig Geld leihen dürfe. Dr. Stresemann sprang dem Präsidenten hierin bei und wies außerdem auf das gleichzeitige Ver­langen hin, Danzig solle mit der Reparationskommission und der Botschafterkonferenz, ferner über ein Abkommen wegen der auf Danzig entfallenden Lasten aus dem Ver­trage von Versailles verhandeln. Bekanntlich soll näm­lich an diesen Lasten der Freistaat mittragen, während alle jene Gebiete, die an Polen oder Litauen gefallen sind, davon frei und ledig sind. Zu diesen Lasten kommen noch jene Kosten, die dem Freistaate aus der Besatzung durch die Ententetruppen erwachsen sind und die auch bezahlt werden sollen. Dr. Stresemann wandte sich auch da- gegen, daß man eine Kürzung, vielleicht sogar ein gänz­liche Beseitigung der Erwerbslosenfürsorge erzwingen wolle, konnte aber nur erreichen, daß die Genehmigang kurzfristiger Anleihen durch das Finanzkomitee notwen­digenfalls auf telegraphischem Wege von den einzelnen Mitgliedern eingeholt werden soll, da das Komitee erst im Dezember wieder zusammentritt, wobei es eben mehr als fraglich bleibt, ob eine solche Genehmigung überhaupt gegeben wird, ehe nicht der Freistaat sämtliche Bedingun- gen angenommen hat.

Der Völkerbund hat verständigerweise die Finanz­kontrolle über O st e r r e i ch bis auf ganz geringe Reste ab« gebaut, dabei allerdings dafür gesorgt, daß dafür eine Kontrolle durch ein internationales Bankkonsortium einge- treten ist; jetzt betätigt er sich also an anderer Stelle in noch viel weitergehender Form. Der polnische Minister- Präsident war vor einigen Monaten merkwürdigerweise in der Lage, das ankündigen zu können, und der damalige Widerspruch des Präsidenten Sahm hat sich als ver­geblich herausgestellt. Es wird für ihn deswegen nur ein recht geringer Trost gewesen sein, daß er in Genf nicht ganz allein gestanden hat, sondern dort die deutsche Unter- lstützung fand, wenn sie auch erfolglos geblieben ist.

Monarchistische Agitation in Athen.

London. Wie aus Athen gemeldet wird, machen sich «eit den letzten Tagen erneut politische Bestrebungen be- merkbar, die auf eine Wiederherstellung der Monarchie

ÄktseWg der Aussprache mit Stonirtidj.

Frankreichs Regierung hinter Vriand

Wichtige Beschlüsse in Paris.

Der von der politischen Welt mit so großer Span­nung erwartete französische Ministerrat, in dem die Vor­gänge in Genf anläßlich der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund sowie die Besprechungen Briands mit Stresemann in Thoiry zur Diskussion standen» hat am Dienstag in Paris stattgefunden. Über das Ergebnis des Mimsterrats wird folgendes amtliches Kommuniquü aus- gegeben:

In dem unter Vorsitz des Präsidenten der Repu­blik abgehalteuen Ministerrat erstattete Außenminister Briand Bericht über die Haltung und die Arbeiten der französischen Delegation in Genf. Die Regierung b e g l ü ck w ü n s ch t e ihn zu den erzielten Resultaten. Briand setzte den Ministerrat gleichfalls in Kenntnis über seine Besprechungen mit Dr. Stresemann. Die Regierung war einmütiger Ansicht über daS Jn- teresse dieser Besprechungen und Die Nützlichkeit, sie sortzusetzen. In der nächsten Sitzung des Ka- binettsrats soll die Prüfung der technischen Probleme vorgenommen werden, die diese Verhandlungen mit

9er öitielftom in Ameriku wütet weiter.

Florida verwüstet.

' Schätzungsweise 2000 Tote.

Durch die Sturnikatastrophe wurde eine große Anzahl von Ortschaften teilweise oder ganz zerstört. Die Schätzungen M«: die Zahl der Todesopfer gehen teil» weife bis auf 2000. Die eintreffenden Meldungen über­steigen die schlimmsten Erwartungen. Viele Schiffe be- finden sich in Seenot, darunter acht Passagierdampfer, die zwischen Newyork und Florida verkehren und von benai keine Nachricht vorliegt. Im Unglücksgebiet sind überull Notlazarette aufgebaut. Soldaten leisten Hilfe- dienste.

Präsident Coolidge hat funktelcgraphisch einen Auf­ruf werökkentlickt. der zur Unterstützung der Opfer der

Wirbelstürmkatästrophe in Florida aufsordet. Vou allen Seiten laufen beeits Spenden für d w verwüsteten Gebote ein; eine umfassende Rettungsakt,on ist im Gange. Die Gebiete, über hie der Zyklon hinweggegangen ist, gleißn einer Kriegszone. Auf beinahe unpassierbar gewordenen Straßen schleichen endlose Züge von Automobilen, d e mit Flüchtenden und Verletzten angefüllt sind. Die Gebäude, die das Unwetter verschont hat, sind überall kokort Hilfslazarette unvgewaudelt worden. Die Straßen wer­den von Militär bewacht; Freiwillige ordnen die Vertei­lung von Lebensmitteln und Kleidungsstücken. Zahl­reiche Personen fliehen, notdürftig gekleidet, so, wie n nachts beim Ralßen der Katastrophe ous den Hausern ge­stürzt sind. Die Wolkenkratzer haben sich als ausgezelw- neter Schutz erwiesen. Der Zertungsturm von Miami, das Wahrzeichen der Stadt, ist vom Sturm regelrecht vec- bogen worden; et steht jetzt völlig schief. Ein zehnstöckiges Bankhaus weist starke Risse auf, ist aber im übrigen kaum nennenswert beschädigt worden, während Holzhauser und Fachwerkbauten «ingestürzt sind oder gar durch dre Cie« walt des Sturmes davongetragen wurden. Die bekann­testen Luxushotels sind zerstört. Bewohner eines Hotels, die in die Keller, flüchteten, wurden durch die Meere>,slut>.n ertränkt. \.

Über 200 Millionen Dollar Schaden.

Der Sachschaden scheint noch größer zu sein, als zu­nächst angenommen worden war. Als ungefähre Ziffer werden bereits zweihundert Millionen Dollar genannt. Es verlautet. ^dab die Stadt .Pensacola gänzlich zerstört

sich bringen könnten. Ein Kabinettsrat findet näch­sten Donnerstag und ein neuer Ministerrat am L Ok­tober statt.

Nach Schluß des Ministerrats erklärte Briand den Journalisten, er habe dem Kommuniquè nichts hinzuzu- fügen. Was er getan habe, habe der Regierung völlige Freiheit gelassen. Diese habe davon in der günstigsten Weise Gebrauch gemacht.

Die Pariser Regierung hat also, wie aus dem Som« muniqué ersichtlich ist, sich einhellig für die Fortsetzung der in Thoiry eingeleiteten Besprechungen zwischen Frank­reich und Deutschland ausgesprochen. Die von gewissen französischen Blättern gebrachte Meldung, daß ein Teil des Kabinetts Briand feindlich gegenüberstände, hat sich demnach nicht bestätigt. Allerdings sind die Schwierig­keiten noch nicht behoben. Das Prinzip des deutsch-fran­zösischen Ausgleichs bat selbst in rechtsstehenden Kreisen Frankreichs nur geringen Widerspruch gesunden. Gegen­stand der Kontroverse bildet lediglich das Ausmaß der Deutschland zu machenden Konzessionen. Darüber ist im Ministerrat noch nichts entschieden worden. Das Kom- munlqud gibt bekannt, daß die Anssprache darüber erst im nächsten Ministerrat am kommenden Freitag beginnen soll.

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worden sei. Weiter suchte das Univetter, das von def­tigen Wolkenbrüchen begleitet war. Mobile im Staate Alabama beim. Mobile soll verhältnismäßig wenig ge> iftcn haben überall flüchtete die Bevölkerung in Kirchen, Hotels uno andere große Gebäude, die dem Unwetter stauhzuhalten vermochten. Der Eisenbahnverkehr in der Orkanzone iss eingestellt worden. oa die Züge gegen den Sturm nicht auffommen konnten. Die Strecke, die der

Das Modebad Miami.

Zyklon bisher zurückgelegl hat, beträgt etwa 1000 Kilo­meter.

Berichte von Augenzeugen.

Insassen eines Pullmann-Wagens, der aus Florida in Atlanta «Georgia» eintraf, gaben Schilderungen von den Verwüstungen, die der Orkan angerichtet hat. Sie erklärten, daß der Eisenbahnwagen vor dem Bahnhof Miami halten mußte. Man konnte nicht zehn Fuß weil sehen. Der Wind warf den Wagen bin und der. Zwei, mal hörte Der Sturm vollständig auf, um dann zum Drittenmal stärker als zuvor miedet einzusetzen. Das Ge­bäude Der .Miami Tribune' wurde vollkommen umge« dreht. Auch andere große Gebäude wurden fast in kleine Stücke zerrißen. Die in den Straßen siedenden Automo- bile wurden entweder meggefegt oder von dem Regen gegen die Häuser gedrückt.

Deutsches Beileid.

Die deutsche Botschaft in Washington ist beauftragt worden, dem Präsidenten und der Regierung der Ver­einigten Staaten das ausrichtigste Beileid im Namen des Reichspräsidenten und er Reichsregerung anläßlich der Unwetterkatastrophe an der Küste von Florida auszu. sprechen.

Der Orkan tn Amerika.

Newyork. Nach Den vorliegenden Meldungen wurden otgenbe Ortschaften Alabamas vom Orkan heimgrsucht: Greenville, Flomalon, Jackson, Thistler. Berichte auS Pen- acola sind noch immer nicht eingetraffen. Acht RegierungS-- etjiffe sind mit Lebensmitteln zur Hilfeleistung abgegongcn. Weitere Schreckensnachrichten aus Florida, besonders auS Miami, treffen ein. Nur ein Haus und wenige HoiclS find in Hollywood stehengeblicbcn. Miamis Notlazarette erinnern an die SchreckenSszcnen des Krieges.

Verwirklichung des iransaNanttfchen Lustfchiffvettehr-

Berlin. Nach einer Meldung einer hiesigen Korre­spondenz ist beim Luftschiffbau Zeppelin ein Telegramm aus Madrid eingetroffen, in Dem der Geschäftsführer der zur Durch­führung der Transatlantikflüge gebildeten Gesellschaft mit. teilt daß durch lünigkichcS Dekret der Gesellschaft Die Konzession für eine Lustschifflinie Sevilla-BuenoS Aires erteilt und gleichzeitig auf die Dauer von fünf Jahren nach erfolgter Be- triebSeröffnung eine Subvention von insgesamt 30 Millionen, Peseta bewilligt worden sei. __________ . . ________