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Zul-aer Mzeiger

Uch 2 Mark. Bef LirfermrgrbehtnLerungen Lorch höhere G««', Streik», Jlnefpemmgett, Vahasperre usw. erwachsen Lem Bezieher keine Einsprüche. Verlas KrieLrich Gheenklau, ZulLa, MitglieL Les Verein* Deutscher Zertungsver- leger. Postscheckkonto: Zrankfurt a. M. Nr. 5585

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a. un- Haunetal eZulöaer Kreisblatt

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Nr. 221 1926

Fulda, Samstag, 25. September

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

Retchsaußenminister Dr. Stresemann erstattete In der Reichskabinettssitzung Bericht über die Verhandlungen mit Briand zur Herbeiführung eines Ausgleichs mit Frankreich. Das Kabinett billigte diese Verhandlungen und beschloß ihre Wetterführung durch einen Ministerausschuß.

* Aus Hannover wird zum ersten Male ein Rückgang der Tvphuserkrankungcn gemeldet.

* In Berlin tötete ein Familienvater seine Frau sowie sein Kind und nahm sich dann durch einen Sprung aus dem !Fenster das Leben.

* In Philadelphia schlug im Boxkampf um die Weltmeister­schaft der Herausforderer Gene Tunney den bisherigen Welt­meister Jack Dempsey nach Punkten.

Milliardenträume.

Wenn die Könige bauen, so haben die Kärrner zu tun,' sagt ein gutes altes Sprichwort. Aber nun, da Stresemann, Briand und Chamberlain den Genfer See wieder hinter sich gelassen haben, wissen ihre im Völkerbundpalast zurückgebliebenen Gehilfen mitsamt den Vertretern -er vielen kleineren und mittleren Staaten mit dem Arbeitsstoff, der ihnen verblieben ist, im Augen­blick nichts Rechtes anzusangen.

Kein Wunder, die großen Kanonen sind fort und das Publikum macht kein Hehl daraus, daß cs danach für die Arbeit der Zurückgebliebenen kein sonderliches Interesse mehr aufbringt. Ist das Nachlassen der Aufmerksamkeit vielleicht auch darauf zurückzuführen, daß in den Aus­schüssen, die allerhand Fragen für die Vollversammlung noch spruchreif machen sollen, sich eine an Gereiztheit grenzende Nervosität unter den Delegierten geltend macht? Ta kracht, in dem einen, der Franzose mit dem Norweger «MfeV>k was um so wenig«! unbemerkt bieiht, als Les diesem unerfreukichen Zwiegespräch der sonst überall hoch­verehrte Frithjof N a n s e n beteiligt ist; im Abrüstungs­ausschuß zieht der amerikanische Vertreter vom Leder, um die ungemein lässige Art, wie die Arbeiten dieser Körper­schaft bisher hingeschleppt worden sind, mit beinahe schon erfrischender Deutlichkeit zu brandmarken; und zuletzt kom­men sogar zwei ostländische Staaten und legen gegen die Abmachungen der Großmächte über den Artikel 16 des Völkerbundpaktes ausdrückliche Verwahrung ein. Nach Möglichkeit sucht man den Mantel internationaler Nächstenliebe über diese nicht ganz unbedrohlichen An­zeichen erster Zwietracht zu decken. Damit wird man aber aus die Dauer nur unter der Voraussetzung Erfolg haben, daß die großen, die wesentlichen, die für die ganze Zukunft des Völkerbundes wirklich ausschlaggebenden Aufgaben, die ihm mit der Ausnahme Deutsch­lands unweigerlich gestellt sind, nun auch endlich voran­kommen, daß man nach den schönen Reden, die in Genf gehalten wurden, nun auch an die praktische Arbeit geht, die ihreGesamtlösung' erfordert. Mit bloßem geduldi­gem Abwarten allein ist natürlich nichts getan.

*

Die neuen Milliardenbeträge, mit denen die Wclt- befreinngspläne Genfer Ursprungs verknüpft werden, schlagen an unser Ohr, ohne sonderlichen Eindruck zu machen: wir sind bei all unserer Armut in die Milliarden­wirtschaft der Nachkriegszeithineingeschliddert' um ein berühmt gewordenes Wort zu gebrauchen und stoße» uns gar nicht mehr im geringsten an der Vielheit der Nullen, die sich jetzt sofort einzufinden pflegen, so oft von irgendwelcher Begleichung von Völkerrechnungen ge­sprochen wird. Vorzeitige Ausgabe von ein bis zwei Mil­liarden E i s e n b a h n 0 b l i g a t i 0 n e n zugunsten der französischen Valuta? Nach vierundzwanzig Stunden schon wußte ein ganz kluger Mann, daß hier ein sehr ge- lvaltiger Irrtum unterlaufen sei. Viermal zwei, im ganzen also acht Milliarden seien in T h 0 i r y abgemacht worden billiger könnten es die Franzosen unter keinen . Umständen machen. Schließlich haben wir n e b e n den Verpflichtungen aus dem Dawes-Plan auch noch einige heimische Obliegenheiten zu erfüllen. Die Aufwendungen für die Erwerbslosen verschlingen, obwohl deren Zahl seit mehreren Wochen ständig zurückgeht, immer noch ganz ge­waltige Summen, und die lauten Klagen, die man jetzt auf dem Deutschen Städtetag in Stettin über die jämmer­liche Lage der städtischen Finanzverwaltungen gehört hat, sind auch nicht aus der leeren Luft gegriffen.

Schon wenn das Reich ein Haus ankausen will, weil es angeblich in seiner eigenen Wohnungsnot nicht wehr ein noch aus weiß, erhebt sich allenthalben lebhafter Widerspruch. Und wenn Behörden zusammeirgelegt, Beamte entlassen oder in den Ruhestand versetzt werden sollen, geht Unwille durch die Reihen. Ein Blick nach dem Frankreich des Herrn P 0 i n c a hinüber zeigt, daß dort setzt in noch anderem Maßstabe abgebaut wird. Zu vielen Hunderten werden durch einfache Regierungsverordnun­gen Gerichte beseitigt, seit undenklichen Zeiten bestehende Verwaltungsbehörden eingezogen und unzählige Spar­maßnahmen getroffen, die wirklich zu Buche schlagen. Das Volk läßt sich diese Eingriffe in bestehende Rechte und Zustände vorläufig noch ruhig gefallen, weil es einsteht, daß sie notwendig sind, wenn der Frank nicht abermals ins Bodenlose stürzen soll. Um so weniger werdey die Franzosen danach aber u n s neue Zahlungen oder Leistungen auferlegen wollen, die der kaum erreichten Sta­bilität der deutschen Währung den Garaus machen müßten.

Dx. Sv.

Stresemanns Politik gebilligt»

Das Reichskabinett

einmütig für Stresemann.

Der Bericht über T H 0 r i u.

Das Reichskabinett trat am Freitag unter dem Vor- sitz des Reichskanzlers Dr. Marx zu einer Sitzung zu- sammen, um den Bericht des Reichsaußenministers Dr. Stresemann über die Politik der deutschen Delegation in Gens entgegenzunehmen. Am Schlüsse der Beratung wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben:

In der unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Marx abgehaltenen Sitzung des Reichskabinetts er­stattete der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann Bericht über die Tätigkeit der deutschen Delegation auf der Bölkcrbundversammlnng in Genf. Das Kabinett stimmte der Haltung der deutschen Vertreter zu und sprach dem Reichsminister Dr. Stresemann sowie den übrigen Mitgliedern der Delegation für die geleistete Arbeit seinen besten Dank auS.

Anschließend berichtete Dr. Stresemann über den Inhalt seiner Verhandlungen mit dem französischen Minister des Auswärtigen Briand zur Frage des deutsch-französischen Ausgleichs.

Das Kabinett billigte einstimmig und grundsätzlich diese Verhandlungen, zu deren Wei­terführung ein aus den in Betracht kommenden Ressortministern bestehender Ausschuß gebildet wurde, der dem Kabinett Bericht erstatten soll.

Über den Verlauf dieser wichtigen ^abinettssitzung wird im einzelnen noch bekannt, daß nach einer Begrü­ßungsansprache durch den Kanzler an den Reichsaußen- minister Dr. Stresemann dieser einen ausführlichen Be- richt über die Genfer Verbandlunge i gab. in dessen Mit- telpunkt seine Besprechung mit Briand in Tyoiry stand. Zusammenfassend bat der Minister sestgcftclli, daß in Tboiry lediglich über ein allgemeines politisches Pro­gramm für die anziistrebende endgültig, deutsch-franzö- fische Verständigung gesprochen worden ist. Dr. Strese­mann wies auch aus die Erklärung Briands hin, daß das französische Kabinett auch nach Tboiry in seinen Ent­schlüssen völlig frei sei, und stellte hierzu ergäir- zend fest, daß selbstverständlich für die Rerchsregierung die Sachlage mithin die gleiche sei. Irgendwelche bindenden 9( b m 0 cbu n 9 e n sind demgemäß in Thoiry zwischen Stresemann und Briand nicht ge­troffen worden.

Aus dem Komplex der Eiuzel fragt», aus Die der Minister bei seiner Berichterstattung einging, fei die Frage der Mobilisierung der Eiscnbahnobiiga- Honen erwähnt. Stresemann konnte darauf Hinweisen, daß bedauerlicherweise in der LffenUichkcit von einem Kaufpreis von 8 Milliarden für die Be­frei» ngderbesetzte« Gebiete gesprochen worden

Reichswohnungrzäh nna im Zahre 1927.

Wieviel Wobnungsuchendc gibt es in Deutschland?

Der Ausschuß für Sieolungs- und Wohnungswesen des Vorläufigen Reichswiitschaftsrates btbanbelte den Entwurf eines Gesetzes übe, die RelchSwovniingszählung im Ighre 1927 und die Feststellung bet Zahl bei Wohnung- suchende»

Der Gesetzentwurs sieht für das Iaht 1U27 die Vor­nahme einer Wotmnngszählnug in allen denjenigen Ge­meinden des Deutschen Reiches, mit Ausnahme des Saar- gebietes, vor, deren Wohnbevölkerung bei der Volks­zählung voni 16 Juni 1925 2000 ober mehr Einwohner betrug. Die Landesregierungen können bestimmen, daß die Zählung beim Vorljcgcn befpiiderer Verhältnisse auch auf Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern erstreckt wird und in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern unterbleibt, falls fte dies nicht für erforderlich erachte». Die statistischen Aufaabmcn werden von den Landes­regierungen bewirkt und durchgeführl an Hand von Grundstückslistcn und WohnungSkarten, die von den Grundstückseigentümern aber deren Vertretern auszrifüllen sind. Ferner siebt bei Entwurf eine Ermächtigung des Reichèarbeitsministeis vor, über die Anlage und Führung von Verzeichnissen der Wohnungsuchenden (WohnungSlisten. Wobniurgskurteien) in den Gemeinde­behörden, insbesondere über 'ote Voraussetzungen der Ein­tragung und über deren Geltungsdauer Vorschriften zu erlassen.

Der Ausschuß ftim.»u- dem Grundgedanken des Ge­setzes, soweit er die Wohnungszählung behandelt, ein­mütig zu. Jedoch war man der Ansicht, daß sich d i c Zählung auf alle Wohnungen erstrecken müsse, und beschloß dahrr mit allen gegen eine Stimme, dir einschränkenden Zusätze zu streichen. Ein Antrag, die Bestimmung über Anlegung von Listen der Wohnung­suchenden zu streichen, wurde mit 6 gegen 10 Stimmen ab» gelehnt.

Dem Gesetzentwurf wurde sodann gegen eine Stimme -»gestimmt.

Für die Beratung des Fragebogens, der der Zählung zugrunde gelegt werden soll, wurde ein Arbeitsausschuß eingesetzt.

sei und daß, wie zu erwarten war, diese Version von einer gewissen Pariser Presse willig übernommen worden fei. Der Minister vertrat unter Zustimmung des Kabinetts in dieser Frage die Auffassung, daß die Zahlenfrage ledig­lich eine Sachverständigcnfrage ist, die sehr eingehender Rcssortbcratungen und Besprechung»» zwischen den Kabi­netten bedarf. Die in die Debatte geworfene Summe von 8 Milliarden Mark kann, das stellte Stresemann ausdrück­lich fest, selbstverständlich niemals in Frage kommen, eine Mehrbelastung des Reiches über die DaweS- Lasten hinaus wird niemals z u akzeptieren fern. Alle Vereinbarungen über eine Mobilisierung eines Teiles der Eiseubahnobltgationen können nur in einem Rahmen gehalten sein, der für Deutschland praktisch keine finan­zielle Mehrbelastung seiner Rcparatioiisvcrpflichtungen nach sich zieht. 4

Ani Schluß der Kabineltssitzung nahm Reichskanzler Marr noch einmal Gelegenheit, dem Außenminister immens der Reichsregierung für feine Bemühungen mit die weitere Entspannung bei deutsch-französischen Be­ziehungen, die die endgültige Befreiung der deutschen Grenzgebiete im Westen bringen soll, herzlichst zu banfetu Im übrigen bat das Reichskabinett de» Außenmiir ster mit der Fortführung der in Geni and Tboiry eingelei­teten Verhandlungen betraut Ihm werden noch der Reichsminister der Finanzen und der Reichswinschafts» minister in den kommenden Verhandlungen in den Fra­gen zur Seite stehen, die in das Gebier dieser Ministerien falutr.

*

Hindenburgs Dank an Giresemann.

über den Vortrag, den Reichsaußenminister Dr. Stresemann kurz nach feiner Ankunft aus Genf dem Reichspräsidenten gehalten bat, wird folgende offiziöse Meldung verbreitet: Der Reichspräsident empfing den Reichsminister Dr. Stresemann zum Bericht über die Genfer Verhandlungen. Nach dem etwa einstünvigen Vortrag dankte der Reichspräsident dem Reichsminister Dr. Stresemann für seine mühevolle Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzt angeknüpften Verhand» hingen zur Lösung der noch schwebenden schwierigen Fragen und zur baldigen Befreiung des Rhein- lande s und des Saargebietes führen möchten.

§ine Wirteilung an den fratnWen Geschäftsträger

Berlin. Von der einmütigen Zustimmung beS RMl?- tabincttS zur Fortsetzung der deittsch-französischen Berhans- lungcn ist dem sranzösischen Ecschäslsträgcr in Berlin Mit­teilung gemacht worden. Die Angelegenheit ist dninil in die Bahn diplomatischer Erledigung geleitet worden. Die Einberufung des ?!nswârtigen AnSschufses des Reichs­tages kommt erst in Betracht, wenn die deutsche Delegation vollzählig auS Gens zurückgekehrt ist.

Politische Rundschau.

91 Millionen für E werbslosenfürsorgr in Preußen.

Die in diesen« Jahre vom Preußischen Staat für die produktive Erwerbslosen« ürsorge ausge­wendeten Mittel betragen bereite 91 Millionen Mark. Die Zuwendungen für Notstandsarbeitcu an die Gemeinden und Komnrunalverbände werben jedoch noch weiter fort- gesetzt werden. Das preußische Staatsministerium beab­sichtigt, dem Landtag bei seinem Zusammentritt eine Vorlage übet Arbeitsbeschaffung über den vom Reich vorgesehene» Rahme» hinaus vorzulcgen.

Neuwahlen in Sachsen.

In der ersten Vollsitzung des Sächsischen Landtages nach den Sommerferien teilte der Landtagspräüdent mit, daß bie Regierung die Absicht habe, die R e u iv a h l e n für den Landtag auf den 31. Ost 0 bei auszuschrcibcn. Das Haus nahm hiervon ohne Widerspruch Kenntnis. Ferner kündigte der Präsident an, daß das große A r beitsbeschasfungsprogramm der Regierung noch von diesem Landtage, und zwar in bei Voraussicht- lieben Sitzung am 7. Oktober, bebandelt werden solle. Hier­aus wurde die Regierungsvorlage über Änderung des Landeswahlgesetzes, «vclchc die Einführung amtlicher Stimmzettel Vorsicht und die Vorschriften des Landcs- wablflösetzes den einsprcchendeu Beftimmirngen des Rcichs- wadlgesetzes anpaßl sowie die Vorschrift enthält, daß für den Wabl vor schlag einer neuen Part ei ein Betrag von 3000 Mark cinzuzableu ist, welcher iimirfae- zahlt wird, wenn bei Partei mindestens ein Sitz jufäUt, an ben Rechtsausschuß überwiesen.

Aus In- und Ausland.

Berlin Wie mitgcteih wird, bat In Gent ami) eine Be- I Preßling zwifwen Stresemann und dem rumänischen Mi­nisterpräsidenten Averescu ftattgefvnben. bei der auiiemeuu Probleme bebanbeh wurden

Warschau. WieGloS Prawdv' auS Wilna meldet, ist Port eine große, zugu nst e n R u ß la n d s a r d e t t e n d e Spionaaeorganssation, die in den Ostgebieten nicht nur beim Militär, sondern auch bei der Eisenbahn, der Bolt und der politischen Verwaltung gearbeitet hat, aufgebeat wor­den Bis jetzt wurden dreißig Personen verhaftet.