Zul-aer Mzeèger
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Nr. 222 — 1926
Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg- Zul-a- und Haunetal» Zulöaer Kreisblatt Re-ak«»» m»- SefchästssteUe: Mühlenstraße 1 ♦ Zernsprech-MnschlnH Kr.---
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Fulda, Montag, 27. September
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3. Jahrgang
Locarno als Vorbild.
Mr Absch uß von SchiedsvertrSgen.
Beschlüsse des Völkerbundes.
Die Vollversammlung des Völkerbundes nahm nach Vortrag der Ausschußberichttrsiatter für Abrüstungsfragen und für Rechtsfragen eine Resolution mit der Empfehlung des A b s ch l u s s e s v 0 n R e g i 0 n a lv e r 1 r ä g e n nach dem Muster unb den Grundsätze» der Locarnoverträge an. Diese Entschließung besagt in ihrem wesentlichen Teil:
„Die Völkerbundversammlung unterstreicht im beson- . deren die Bedeutung der Verträge von Locarno, deren Inkrafttreten durch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund möglich geworden ist und deren hauptsächliches Ziel in der Sicherung des Friedens in einem der empfindlichsten Gebiete Europas besteht. Sir sieht in diesen Verträgen einen erheblichen Fortschritt zur Herstellung des gegenseitigen Vertrauens zwischen den Nationen. Sie ist ferner überzeugt, dass die allgemeinen Ideen, die sich aus den Bestin, mungen der Locarnoverträge herleiten lassen, insofern sie das Schlichtungs- und Schiedsverfahren und die Sicherheit durch die gegenseitige Garantie der Staaten gegen jeden unprovozierten Angriff organisieren, dazu angetan sind, unter die fundamentalen Regeln ausgenommen zu werden, die die auswärtige Politik jeder zivilisierten Nation leiten müssen. Die Versammlung spricht die Hoffnung aus, daß diese Grundsätze von allen Staaten anerkannt werden und daß sie sobald wie möglich von allen Staaten, die am Abschluß solcher Verträge interessiert sind, in die Praxis umgcsetzl werden. Sie fordert den Völkerbundrat aus, den Völkerbundstaaten die praktische Verwirklichung dieser Grundsätze zu empfehlen und eventuell seine guten Dienste behufs Abschluß geeigneter Verträge anzubicten, um derart das Vertrauen und die clichc Voraussetzungen für die A u s» des internationalen Fr ie- und auf diese Weise die Herabsetzung g der Rüstungen aller Staaten zu er-
leichtern."
Der Völkerbund stimmte auch einer Resolution des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses zu, daß die Abrüstungskonferenz möglichst noch vor der nächsten Vollversammlung des Völkerbundes stattfinden soll.
Amerika und die Abrüstungskonferenz.
Wie „Associated Preß" meldet, ist Präsident Coolidge abgeneigt, die Teilnahme Amerikas an der Genfer Abrüstungskonferenz zu erwägen, ehe der Charakter der Kon- ferenz genauer bekannt sei, obwohl er die besten Wünsche für den Erfolg der Bestrebungen hege.
Schluß der 7. Völkerbundlagung. Ansprache des Präsidenten Nintschitsch.
Die 7. ordentliche Völkerbundsversammlung wurde Sonnabend durch den Präsidenten Nintschitsch für abgeschlossen erklärt.
In seiner Schlußansprache führte er u. a. aus, daß die Versammlung mit ihren Arbeiten den Willen bewiesen habe, zu konkreten Lösungen zu gelangen. Er erinnerte dabei besonders an die Arbeiten in bezug auf die Weltwirtschaftskonferenz und die Abrüstungskonferenz, deren Bedeutung niemand verkenne, und die bei den Völkern große Hoffnungen erweckten. Es würde Aufgabe der nächsten zwölf Monate sein, auf diesen Gebieten zu positiven Ergebnissen zu kommen. Die beiden Punkte von überragender Bedeutung, die in der abgelaufenen Tagung geregelt worden seien, beträfen die Umbildung des Völkerbundrates und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Dadurch sei eine langwährende Krise glücklich gelöst worden. Die Kritiker, die den Völkerbund lange Jahre als eine einseitige internationale Institution bezeichnet hätten, hätten nunmehr jeden Anlaß zu Nörgeleien verloren. Wir haben, so schloß Präsident Nintschitsch, im Verlaufe dieser Tagung in diesem Saale einem großen Ereignis beigewohnt; wir haben die Völker, die der gräßlichste aller Kriege getrennt hatte, in guter Harmonie nebeneinandersitzen sehen durch die freie Annahme des Völkerbundpaktes. Wenn der Völkerbund heute noch nicht universell ist, so hat er doch den Beweis dafür gegeben, daß er es werden kann, und daß er es werden wird.
Die noch in Genf weilenden Mitglieder der deutschen Delegation verlassen Genf am Montag vormittag und werden am Dienstag vormittag in Berlin eintreffen.
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Dem Vernehmen nach wird Reichsfinanzininister Dr. R e i n h 0 l d in der dreigliedrigen interministeriellen Kommission, die die Einzelverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich vorzubereiten hat, durch Staatssekretär P 0 p i tz vertreten werden. Ende Oktober wird der Rcichsfinanzministcr persönlich an den Berat»» gen tcilnehme».
Neuischer Slandpunkt zur Abrüstung.
Daß bei den Beratungen über die Beschränkungen der Rüstungen alsbald viel herauskommen würde, haben wohl nur wenige besonders Hoffnungsfreudige geglaubt. Von der Ankündigung der Versailler Bestinunungen, daß die âerschlagMg.dL! deutschen Rüstung den Anfang einer all
gemeinen Abrüstung darstelle, sind nur die Buchstaben übriggeblieben. Man hat nicht daran gedacht, dieser Ankündigung gemäß zu handeln. Man hat Abrüstungskonferenzen veranstaltet und beim Völkerbund in Genf gibt es eine besondere Kommission, die die Frage der Abrüstung berät. Diese Kommission hat sich zunächst einmal um ein Jahr vertagt.
Die interessanteste Persönlichkeit in dieser Kommission ist der englische Vertreter L 0 r d C e c i l. Er ist wahrscheinlich ein Mensch, dem die Sicherung des Friedens Herzenssache ist, und nun wird er, der aus allgemein menschlicher Überlegung heraus für eine allgemeine Abrüstung eintritt, genötigt, das kriegerische Eingreifen Englands in die ch i n e s i s ch e n W i r r e n zu verteidigen, es für notwendig zu erklären, daß, im Fernen Osten die englischen Kanonenrohre den Mund öffnen und eine Sprache reden, die überaus unmißverständlich ist, aber in einem recht erheblichen Gegensatz zu den Reden in Genf steht. Lord Cecil hat allerdings ein Wort ausgesprochen, das von einer durchschlagenden Wahrheit ist: „Bisher ist der Stand der Abrüstung so, daß jeder Staat Anhänger der Abrüstung — seines Nachbarn ist." Das ist etwa das nüchternste und unzweideutigste Wort, das je durch einen offiziellen Beauftragten gesprochen wurde.
Deutschlands Standpunkt in der ganzen Abrüstungsfrage zu entwickeln, ist nicht schwer, und wir haben ja jetzt durch unseren Eintritt in den Völkerbund Gelegenheit, unsere Ansichten auch in jener Kommission vorzutragcn. Man möchte sich wünschen, das Augurenlächeln der Kommissionsmitglieder gesehen zu haben, als der deutsche Staatssekretär von Schubert soeben den deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage darlegte: Deutschland sei an der Abrüstungsfrage ganz außerordentlich interessiert, sei ja schon vor seinem Eintritt in Den Völkerbund Mitglied der Kommission für die Abrüstungs- fruge geworden und bettachte .die Einschränkung der Rüstung als die größte und wichtigste Aufgabe des Völkerbundes, nicht bloß im Interesse des Völkerbundes, sondern der ganzen Menschheit.
Erfreulicherweise unterschrieb der deutsche Vertreter aber nicht bloß unsere Bereitwilligkeit, milzuarbeiten bei dem Bemühen, dem Wettlauf der Rüstungen ein Ende zu machen, sondern wies auch darauf hin, daß der 11 n - gleichheit der Rüstungen ein Ende bereitet werden solle. Die Zuhörer mußten wissen, was damit gemeint war, ohne daß dies noch weiter ausgeführt zu werden brauchte. Staatssekretär von Schubert wies ja dann auch mit einer gewissen Resignation darauf hin, daß man in der Abrüstungsfrage nur etappenweise vorgehen könne, weil politische und wirtschaftliche Hindernisse erheblichster Art im Wege stünden. Die deutsche Delegation sei die letzte, die bestehenden Tatsachen bei dieser Frage zu verkennen. Die Abrüstung sei eben ein Ziel, das aufs dringendste gewünscht werden muß. Die Mißerfolge, welche die bisherigen Abrüstungskonferenzen und Kommissionsbera- tungen gehabt haben, dürfte» doch beweisen, daß dieses Ziel in einer ferne» Zukunft schwebe, durch Resolutionen bestimmt nicht erreicht werden könne, wie sie beispielsweise durch die in Genf erfolgte Annahme der Entschließungen des französischen Vertreters Boncour angestrebt wurden.
Gerade diese Persönlichkeit hat ja vor einigen Monaten Polen ermahnt, an der Weichsel Wacht zu halten in schimmernder Rüstung, und dem polnischen Heere er- sonderlichensalls die militärische Unterstützung Frankreichs versprochen. Wir Deutsche werden als die einzige große Nation, der man die Abrüstung auferlegt hat, int eigensten Interesse aber die Erörterung der allgemeinen Abrüstung nicht zur Ruhe kommen lassen. Bekanntlich soll ja die Abrüstungskontrolle demnächst Aufgabe des Völkerbundes sein und selbstverständliche deutsche Absicht ist es dabei, daß sich diese Kontrolle nicht einseitig gegen die früheren Mittelmächte allein richten darf. Auch hier gilt es, deutsches Recht zu wahren, und wenn in den Versailler Bestimmungen ausdrücklich betont ist, daß die deutsche Abrüstung nur der Anfang sein soll zu einer allgemeine» Abrüstung, so werden wir die Erfüllung dieser Zusage als eine Verpflichtung Deutschland gegenüber betrachten.
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„Der Führer zum Frieden "
Der amerikanische Botschafter in Berlin, Schur- m a n, gab nach seiner Ankunft in Amerika folgenden Erklärungen ab: Deutschland sei augenblicklich der Führer zum europäischen Frieden. Die Friedensaussichten seien niemals so günstig gewesen wie jetzt. Deutschland gebe allen, die ihm früher feindlich gegenübergestanden hätten, ein gutes Beispiel, was ihm hoch angerechnet werden müsse. Deutschlands guter Wille siehe, wie seine Taten bewiesen, völlig außer Zweifel. Der beste Beweis seien die prompten Reparationszahlungen. Als Anerkennung dafür sei Deutschland als gleichberechtigtes Mitglied in den Völkerbund ausgenommen worden. Wirtschaftlich und finanziell erstarke Deutschland immer mehr. Die Staatsform sei nunmehr fest begründet, und es seien weder von rechts noch von links Putsche zu befürchten, Reichsprä- sident von Hindenburg sei in allen Volksteilen äußerst beliebt und daher eine der stärksten Stützen des Staates. Deutschlands Beziehungen zu Amerika seien die allerbesten, und es läge kein Grund vor, daß hierin ein Wandel eintreten könne. Die Freundschaft könne noch dadurch gefestigt werden, wen» recht viele Amerikaner Deutschland und recht viele Deutsche 9lmerifa. besuchen würden.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichskanzler Dr. Marx hai Berlin zu einem kurzen Er- jolungsurlaub verlassen.
* Tie Große Polizeiausstellung 1926 wurde in Berlin feier« sich eröffnet. ,
* Das polnische Ministerium Bariel ist infolge eines Mißtrauensvotums des Sejms gegen zwei Minister zurückgetreten.
* In Persien wurde eine Verschwörung gegen den Schah aufgedeckt, so daß insolgedcssen der Belagerungszustand über das ganze Land verhängt wurde.
■MU» .Tannin»»— «ÂnWiiil
Kansa-undpräsident Asch?r
gegkn Dr. Silverberg Politische Forderungen unzulässig. ,
Im wirtschaftspolitischen Gesamtausschuß des Hansa- bundes für Gewerbe, Handel und Industrie sprach u. n der Präsident des Hansabundcs, Hermann Fischer. M. d. R., über wirtschaftspolitische Forderungen des Hansabundes. Er nahm bei dieser Gelegenheit Stellung gegen die Erklärungen Dr. S i l v e r b e r g s auf der Dresdener Tagung des Reichsvervandes der Deutschen Industrie und wies darauf hin, daß der Hansabund parteipolitisch neutral sei und es für eine Gefahr ansehe wenn die Wirtschaft durch ihre Verbände bestimmte politische Forderungen aufstelle. Die politische Verantwortung müsse den Trägern der Staatsleitung, den politischen Parten, überlassen bleiben. Der Hansabund habe des öfteren mit Bedauern feststellen müssen, daß die Reichsregierung jich in schwierigen Situationen von unverantwortlichen, außerhalb der politischen Vertretungen stehenden Vereinigungen, wie Gewerkschaften, Handlungen habe abzwingen lassen.
Minister Braun zur Arbeitstage.
Seelische U m sielluug.
Vor dem Ortsausschuß des Deutschen Gewerkschaftsbundes sprach in Köln Reichsarbeitsminister Dr. Brauns über die „Arbeitnehmer in Staat und Wirtschaft". Branns sagte u. a.: Teilergebnisse der Berufszählung weisen eine beträchtliche Abnahme der Selbständigen nach. Bei ungefähr gleichem Kreis der versicherungspflichtigen Personen unterlagen der Krankenversicherung im Jahre 191.3 14,4 Millionen, im Jahre 1924 dagegen 19,1 Millionen Personen. Hinzu kommt die starke Verminderung der Arbeitsgelegenheit. Der Minister nahm auch Stellung zur Rede Dr. S i l v e r b e r g s. Er bezeichnete sie als ein „Ereignis", vorausgesetzt, daß das gesamte deutsche Unternehmertum hinter ihn trete. Die seelische Umstellung bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern sei Willenssache und müsse wachsen auf bem Boden einer religiösen, mindestens aber idealistischen Einstellung. Sie sei zum Teil auch Bil- dungs- und Schulungsaufgabe. Diese letztere sei seit Kriegsbeginn leider vernachlässigt worden und müsse wieder ausgenommen werden.
Tagung du Rkpubiilanischkn Aeichèbiindes
B e r l i n , 26. Septeinber.
Auf der hiesigen Bundestagung des Teutschen Republikanischen Reichsbundes wurden zu Vorsitzenden gewählt: Reichstagspräsident Löbe, Oberbürgermeister Dr. Luppe, Ministerialdirektor Dr. S p i e ck e r. In beit Vorstand wurden weiterhin berufen: Stadtrat Bernecker- Frankfurt a. M., Landtagsprästdent Abelung-Mainz, Frl. Dr. Julie Meyer-Nürnberg, Frau Staatspräsident Blos- Stuttgart, Polizeisekretär Higlcr-Frankfurt a. M. Die Leitung der Reichsgeschüftsstelle mürbe wiederum dem Generalsekretär Fay übertragen.
In den Reichsausschuß berief die Tagung die demokratischen Führer Erkelenz, Dr. Haas, Stephan, GeorgBernhard, Dr. Heinrich Si m 0 u , Gene raldirektor Fick, Frau Wittstock und Polizeipräsident Friedensburg, die sozialdemokratische» Führer Scheidema nn,Roske, RegierungspräsidenlE r I e r, Oberbürgermeister Dr. Hirsch, Gesandten Hilde- brandt, Frau Hänisch, Frau Abg. B 0 h m - Schuch, Oberst Schützinger, Dr. Kolb und vom Zentrum Reichskanzler a. D. Dr. Wirth und Rektor Keller- mann.
In der Versammlung nahmen u. a. das Wort Oberbürgermeister Dr. Luppe, Oberbürgermeister B ö ß - Berlin, Vizepolizeipräsident Dr. F r i e d e n s b ur g, Reichskanzler a. D. Dr. W i r t h.
Rücktritt des polnischen Kabinetts.
Pilsudski hinter den Kulissen.
Der Staatspräsident hat die Gcsamtdemission des Kabinetts Bartel angenommen und die bisherige Regler»»» mit der Wetterführung der Geschäfte betraut. Der Demission ging die Annahme eines MkßtrauenSantragcS gegen den Innen- und den Unterrichlömimstervoraus, mit denen sich dann die übrigen Minister solldarisch erklärten.
Die Kabinettskrise in Polen hat sich aus denr K a m p f der Parteien um das Budget der Regrerung entloidelt. Tatsächlich gehen die Gründe auf den Mar- umsturz Pilfudskis zurück, der damals bei der Be- gründung seiner verschleierten Diktatur das alte Parlament mit seiner weitgehenden Parteizerklüftung hatte be» Sehenlassen, Schon bei der_SM ^TâtLMber vL;Wlr«L