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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 227 1926

Fulda, Samstag, 2. Oktober

3. Jahrgang IWWWBIWI8 cwmw

Unternehmer

Nie Mitarbeit der Sozialdemokratie.

Eine neue Rede Silverbergs.

Auf der in Düsseldorf abgehaltenen 54. Hauptver­sammlung des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen im Rheinland und in West­falen kam der Vorsitzende, Kommerzienrat Dr. Paul Reusch- Oberhausen, kurz auf die Dresdener Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie zu sprechen, die seinerzeit durch die Ausführungen Dr. Silverbergs in Deutschland das größte Interesse erweckt hatte. Den hier von Dr. Silverberg überDas deutsche Unter- uchmertum in der Nachkriegszeit" entwickelten Ausfüh- irungen, erklärte der Redner, könne man in der Haupt­sache voll und ganz zustimmcn. Er stimme Silverberg ferner darin zu, daß nicht gegen und nicht ohne Lie Arbeiterschaft regiert werden solle. Er glaube aber auch darin mit ihm einig zu sein, daß von der Industrie im Interesse ihres geschlossenen Auftretens Die P a r 1 c i p o > i t i k f e r n g e h a l t e n werden müsse. Es sei nicht angängig, eine einzelne Partei als Arbeiter­partei zu bezeichnen. Er stelle hier entgegen den Presse­meldungen ausdrücklich fest, daß die Rede des Herrn Silverberg dein Präsidium und dem Vorstand vor der Dresdener Tagung nicht Vorgelegen habe.

, Der Niedner begrüßte dann die Maßnahmen, die der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold zur Vereinfachung des Verwaltungsapparates in seinem Ministerium ge- trossen hat, und sprach die Erwartung aus, daß sich die sich anhahnende Vereinfachung in der Verwaü t u n g möglichst bald auch bei den übrigen Reichsministe­rien sowie bei den Ländern und Gemeinden durchsetzen werde. Das Wohl der Wirtschaft sei mit einem gesunden Führertum eng verknüpft. Redner ging dann aus die Verhandlungen über den internationalen Eisenpalt ein. Die Erkenntnis, daß durch Schaffung internatio­naler Verständigung aus wirtschaftlichem Gebiet sowohl .....-JULU Interessen der Allgemeinheit nicht nur der Erzeuger, sondern auch der Verbraucher gedient wird, scheine sich durchgesetzt zu haben. Die wahre Lage der deutschen Wirtschaft werde stark verschleiert durch die Einwirkung des seit Monaten andauernden englischen Bergarbeiter­streiks sowie durch die der deutschen Wirtschaft zugeflosse- nen ausländischen Darlehen.

Es werde einer langen, zähen Arbeit bedürfen, um die Stellung, die wir in der Vorkriegszeit auf dem Welt­markt einnahmen, wieder zu erringen. Uhm scheine, daß durch ein Zusammengehen der schaffenden Stände in Be­ziehung auf die Kräftigung des Jnlandsmarktes manches erreicht werden könne. Es müsse hier auch mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß auch nicht gegen die Wirtschaft regiert werden könne. In den letzten Jahren'sei vom Parlament und von der Regierung die Lage der Wirtschaft nicht entsprechend be­rücksichtigt worden, was alle schaffenden Stände veran­lassen sollte, sich enger zusammcnznschlicßcn, um eine ge­sunde Wirtschaftspolitik zu erkämpfen. Daß die Erholung unseres Jnlandsmarktes eng mit der außenpolitischen Befriedung zusammenhänge, sei ohne weiteres klar. Er glaube der übereinstimmenden Meinung der ganzen Ver­sammlung dahin Ausdruck geben zu können, daß die Z n- stückzichung der fremden Besatzung nicht v o n u n s in irgendeiner Form erkauft werden dürfe.

Der a«e Adam.

War es ein neckischer Zufall oder war es weises Spiel der Vorsehung, daß just in dem Augenblick, da die Große Internationale P o l i z e i a n s st e l l u n g in der deutschen Reichshauptstadt mit einem hier schon lange nicht mehr erlebten Aufwand von Feierlichkeit und Fest- freudigkeit eröffnet wurde, in einer der menschenreichsten und vornehmsten Verkehrsstraßen des Westens ein Ju­welenraub von unerhörter Kühnheit zur Ausführung kam? Sollte den Veranstaltern dieser großen Berliner Schau brauten in den Ricsenhallen am Kaiserdamm viel­leicht ein kleiner Dämpfer aufgebrummt werden, auf daß sie sich in ihrer berechtigten Genugtuung über das Ge­lingen dieses in mehr als einer Richtung bemerkenswerten Unternehmens nicht etlua zu übertriebenem Sicherheits­gefühl verleiten ließen, da wir es in dem Kampf gegen das Verbrechertum nun schon so herrlich weit gebracht hätten?

Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob eine solche Warnung vor gefährlicher Selbsttäuschung der preußischen Polizeiverwaltung gegenüber notwendig gewesen wäre. Tatsache aber ist ohne Zweifel, daß der Wildweststreich aus der Tauentzienstraße, dessen Haupturheber man ja in­zwischen gefaßt hat, doch auch unseren Hütern der öffent­lichen Ordnung sehr viel Stoff zum Nachdenken geliefert hat. Die Verwegenheit des modernen Verbrechertums kennt heutzutage kaum noch irgendwelche Grenzen. ES sieht unsere Polizeiorgane mit tausenderlei Aufgaben be­lastet, die sie in ihrer kriminalistischen Berufstätigkeit mehr und mehr einengen, sie ablenken von der aufmerk­samen Beobachtung des öffentlichen Lebens da, wo es der geschulten Argusaugen unserer Polizei am dringend­sten bedarf. Es kann schon fein, daß die mit allen Hilfs­mitteln der Neuzeit ausgerüsteten Schatzjäger aus diesen Verhältnissen eine nicht unbeträchtliche Ermutigung für ihre Raubzüge herlciten, so daß wir in diesem Auf» trumpfen des' Verbrechertums die Kehrseite der wöhlge- MeilUen Refoemvestrebungen auf polizeilichem Gebiete

und Arbeiter.

Unter großer Spannung der Versammlung ergriff sodann

GenekalditSkfor Dr. Süycrbepq

das Wort zu einer Erwiderung. Er begrüßte es, daß auch sein Vorredner erklärt habe, daß nicht ohne und gegen die Arbeiterschaft regiert werden könne. Dieser Satz müsse des öfteren wiederholt und unterstrichen werden. Von dem, was er in Dresden gesagt habe, nehme er nichts zurück und andere nichts.

Wenn man nicht gegen die Arbeiterschaft regieren wolle, dann dürfe man auch nicht jene große politische Partei, in der die Arbeiterschaft wesentlich vertreten ist, als regierungsunsöhig bezeichnen. Man müsse den Mut

Dr. Stlvcrverg.

haben, hier die Konsequenzen zu ziehen. Der Redner er­innert daran, daß er in Dresden ausdrücklich darauf hin- gcwieseii habe, daß die erwähnte große Partei nicht allein fähig sei, den Staat zu regieren, und daß sie auf jeden Doktrinarismus und auf die Politik der Straße verzichten müsse, wenn sic zur Mitarbeiterschaft her- angczogcn werden sollte. Dr. Silverberg wies weiter dar­auf hin, daß er mit einer inoffiziellen Kommission zur Vorbereitung der Dresdner Tagung, der etwa acht Präsi- dialmitg!jeder angchört haben, seine Dresdner Rede durchgespcochen habe. Diese Herren hätten auch ihre Zu­stimmung erteilt. Die dringendste Aufgabe sei jetzt, Unternehmer u n d A rbeiter auf e i u c r L i u i e zu binden, wo alle Fragen, die die deutsche Wirtschaft und das gesamte deutsche Volk angehen, entschieden werden.

Hieran schloß sich eine Aussprache, in der Geheimrat Dr. Duisberg erklärte, daß. der Präsidialbeirat, auf den sich Dr. Silverberg bezogen habe, zwar mit einer ein­zigen Ausnahme seiner Rede zugestimmt habe, daß dies aber keine amtliche Stellungnahme des RcichSvcrbandes der Deutschen Industrie bedeuten könne.

zu erblicken hätten, von denen in den Reden, welche die Berliner Polizeiveravstaltungen der letzten Tage begleite­ten, so viel zu hören gewesen ist. Jedenfalls wird man sorgfältig daraus zu achten haben, daß das Bessere, dem der Staat auf diesem Feld mit löblichem Eifer nachstrebt, nicht der Feind des Guten wird. Wir dürfen die erhöhte Mühe um die Fortbildung unseres Polizeiwesens nicht mit der ungewollten Ausziehung abenteuerlustiger Ver Wesenheiten bezahlen, die unter der ohnedies nicht mehr in allen Teilen sonderlich sattelfesten Jugend gerabeyn verheerend wirken müßte. Die Verkehrspolizei steht bei uns heute einigermaßen im Vordergrund aller staatlichen Fürsorge; die Räuber von der Berliner Tauentzienstraße sollten uns eine ernste Mahnung sein, daß die Hauptan­strengungen doch wohl nach wie vor dem Schutz vor Ver­brechern und der Kriminalpolizei zu gelten haben.

Freilich, wenn es nach Herrn P o i n c a r é geht, haben wir in Deutschland noch lange nicht genügend av- gerüstet, nicht materiell und nicht moralisch. Was er an unseren Armee-Einrichtungen noch auszusetzen hat, Ist vorläufig sein Geheimnis. Aber unsere Polizei ist, io scheint es, immer noch zu schlagkräftig und zu mannhaft, solange ihre Hundertschaften nicht aus Veteranen oder aus körperlich Minderwertigen zusammengesetzt sind. Er hält cs für richtig, so oft er sich vor den Ohren der Welt vernehmen läßt, ihr auch jetzt noch sein wohlbekanntes sorgenvolles Gesicht zu zeigen. Wenn Bismarck, der Alp der Koalitionen, feindliche Mächte nicht schlafen ließ, so kann Herr Poincars offenbar aus Furcht vor deutschen Taschenrevolvern ober Gummiknüppeln sein Auge schließen. Und wenn er gar daran denken soll, da6 das Urteil der Welt über die Kriegsschuld von 1914 vielleicht einmal ben Boden von Versailles verlassen wird, dann möchte er darüber fast den Verstand verlieren, wa» beinahe den Schluß rechtfertigen könnte, daß er an diesen Erörterungen mit einem sehr bösen Gewissen beteiligt sein muß. Die neue Tragödie von Germwrshetm sollte ihm eigentlich klargemacht haben, daß die Rcrbe

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Bei der Tagung der Rheinisch-Westfälischen Industrie in Düflelvorf hielt Dr. Silverberg eine neue Rede, in der er feine Dresdener Ausführungen bekräftigte.

* In Köln wurde die Reichstagung der Deutschen Volks­partei eröffnet.

* Der feit einiger Zeit drohende Streik der Hamburger Hafenarbeiter ist zum Ausbruch gekommen. Es sind etwa 15 000 Arbeiter daran beteiligt.

. * Nach dem abermaligen Rücktritt der polnischen Regierung ist Marschall Pilsudski mit der Neubildung des Kabinetts betraut worden.

zum Abrüsten nun wirklich an Frankreich ist unb nicht an Deutschland. Seine jungen Leutnants zeigen leider keine Spur von den großartigen Eigenschaften, die Herr Poincarö den Franzosen immer wieder nachrühmt und deren er sich wieder in der zweiten seiner dieswöchenl- lichen Reden mit hochtrabenden Worten gebrüstet hat. Wieder ist im besetzten Gebiet deutsches Bürgerblut für nichts und wieder nichts geflossen und mit frisch auf« quellendem Zorn erhebt sich abermals überall in Deutsch­land die ungeduldige Frage, wie lange noch eigentlich diese Landsknechtschaftswirtschaft bei uns andauern soll, die ja seit Locarno und Genf jeden Sinn verloren hat. Der französische Ministerpräsident spricht heute noch mit tränenerstickter Stimme von den Leiden der Kriegs­beschädigten, für die unschuldigen deutschen Opfer seiner schießfreudigen Ossiziere aber findet er kein Wort mensch­licher Teilnahme. Er ist eben lvirklich noch, nach der Fest­stellung eines englischen Blattes, der alte Adam, als den ihn die Welt vor und ivahrend des Krieges und nachher in den schrecklichen Jahren des Ruhrkampfes hinreichend tennengelernt hat. Wie aber soll die Welt zur Ruhe kommen, wenn solcher Geist ihr Schicksal heute wie gestern mitbestimmen darf?

*

Ein Glück nur, daß ihr ab und zu doch auch erquick­lichere Bilder geboten werden. Die deutschen Ost- a s i e n s l i e g e r , die dieser Tage von ihrer ersten Luft­reise BerlinPeking wohlbehalten wieder in Deutschland ein getroffen sind, könne» wirklich von sich sagen, daß nc sich den Völkern Europas und Asiens als W e g w e i s e r in eine bessere Zukunft erprobt haben. Ein ober zwei Jahre noch und man wird kaum mehr als drei Tage brauchen, um aus dem Herzen des Abendlandes bis in die seligen Gefilde des himmlischen Reiches zu ge­langen, wo man bald auch jedes Staunen über die tech­nischen Fortschritte der Menschen verlernt haben wird. Wir wollen nicht sagen, daß die Menschheit damit dem Zustand wahrer Glückseligkeit nähergekommen sein wird, aber immer noch besser, Scharfsinn und Wagemut an die Überwindung von Zeit und Raum zu setzen, als Schlag­bäume zwischen Nationen zu errichten oder aufrechtzu- erhalten, die nur in freundschaftlichem Zusammenwirken, in vertrauensvollem Austausch von Gedanken und Waren ihr Heil finden können. Dr. Sy.

Das europäische Giahlkarkell.

Präsident M a y r i s ch.

Zum ersten Präsidenten des nunmehr kn Kraft ge­tretenen Abkommens zwischen der deutschen, französischen, belgischen und luxemburgischen Industrie über die Stahl­erzeugung ist E m i l M a y r i s ch , DircktionSvorsitzcuder der luxemburgischen Gesellschaft Arbct, gewählt worden. Als Gcschäftssitz des Kartells wurde Luxemburg bestimmt.

*

Das neue Kartell hat folgenden Verteilungsschlüssel für die Gesamtproduktion angenommen: Von der^Er- zeugung des ganzen Jahres in Höhe von 27 587 â!>!> Ton­nen fallen auf Deutschland 43,5 '". Frankreich 31,10 %. Luxemburg 8,5 %, Saargebiel 5,25 ^. Belgien 12,20 %. Es wird eine gemeinsame Kaste geschaffen, r:c von einem Komitee verwaltet wird, in dem die Juvusirien der vier Länder mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten ver­treten sind. Nach Inkrafttreten der Kartellbestimmnngen hat jede beteiligte LandeSindustrie pro Tonne erzeugten Stahls einen Dollar an d-c Kartellkasse abzusühren; ferner ist vorgesehen, daß für die Stahlproduktion über die den einzelnen Ländern zugestandene Menge vier Dollar an die Kartellkasse abgeführt werden müssen, während die Län- der, die unter der Menge bleiben, zwei Dollar pro Tonne vergütet erhalten.

Es können noch weitere Länder beitreten unter den gleichen Bedingungen. Es verlautet, das Einverständnis der eisenverarbeitenden Industrie sei vor ^Ab­schluß gesichert gewesen. Es ist beabsichtigt, im Rahmen des Kartells Verhandlungen anzubahnen zwischen der lothringischen Minetteindustrie und dem Ruhrkohlenberg- bau, um die Frage eines Austausches zwischen französi­schem Erz und deutscher Kohle der Lösung uähcrzu- bringen.

Die enAsch-Mirmschè-i Scz'eh^ngen.

Tic Konferenz von Livorno.

Die amtlichen italienischen Kreise hüllen sich über den Gegenstand der zwischen Chamberlain und Mussolini bei ihrer Zusamineukunst geführten Unterhaltung in strenge? Stillschweigen. Aus einer amtliche« italienischen Er­klärung geht hervor, daß die Begegnung, die etwa eine Stunde dauerte, auf der Höhe von Livorno ftattgefunben hat und daft diese Besprechung in sehr herzlicher W-ise verlaufen ist. Die beiden Minister, so heißt es in der