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Zul-aer /lnzeiger

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yir. 245 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsbergs

Zulöa- und Haunetal »Zuldaer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Rnsthluß Nr. ^84

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »ZulSaer nngeiger'gepattet

«Fulda, Samstaa, 23. Oktober

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________ 3. Jahrgang

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Kleine Zeitung für eilige Leser

* Reichspräsident von Hindenburg ist aus Bremen nach Berlin zurückgekehri und hat den Reichsminister der Finanzen, Reinhold, empfangen.

* Der deutsche Botschafter v. Hoesch ist nach Paris zurück- gekehrt und soll dort bei den Empfängen durch maßgebende Rcgierungsleutk die Versicherung abgegeben haben, die Reichs­regierung werde eine Rückkehr Kaiser Wilhelms II. nicht dulden.

* In Berlin wurde ein großer Bestechungsskandal ausge- bedt, in den mehrere Oberpostsekretäre und ein Vertreter der Motorensabrik Deutz A.-G. verwickelt sind. Die Beteiligten sind verhaftet.

* Nach dem über die Insel Kuba hingegangenen Wirbel­sturm wurden 650 Menschen als getötet und 4000 als verletzt fcstgestellt.

3m Wandel der Zeiten.

Dem Oberhaupt eines vormals regierenden Hauses in Deutschland ist kürzlich von der zuständigen Magistratsbehörde, nach pflichtmäßiger Prüfung seiner gegenwärtigen Vermögensverhältnisse, das Bedürftig- keitszeugnis ausgestellt worden, auf Grund dessen er bei Gericht die Bewilligung des Armenrechts zur Durch­führung eines ihm aufgenötigten Prozesses beantragen konnte. Auch von einzelnen Angehörigen anderer deutscher Fürstenhäuser wird berichtet, daß sie mehr oder weniger verarmt seien, nicht weniger von gewissen Zweigen des früheren österreichischen Kaiserhauses, innerhalb dessen die Sonderart nicht bloß immer jugendlicher Familien­mitglieder auch schon zu den Zeiten noch ungetrübten Herrscherglanzes ja manche Verheerung angerichtet hat.

Jetzt mutz sich der im Schweizerlande lebende Erz - h e r z 0 g E u g e n nachsagen lassen, daß er aus Geldnot gezwungen gewesen sei, die gesamte Einrichtung seines herrlichen Schlosses in Salzburg über den großen Teich zu verkaufen, da ihm nach Beschlagnahme seiner ertrag­reichsten Güter in der Tschechoslowakei keinerlei Einkünfte

mehr zur

Verfügung standen. Von einem anderen Erz- urd sogar aus Aewyort gemeldet, daß er sich i stattliches Dollarhonorar verpflichtet habe, bei der Versteigerung seines alten Familienmobilars persön­lich die kauflustigen Bürger der Stadt zu empfangen. Und vor einem Wiener Zivilgericht hatten sich dieser Tage zwei frühere Erzherzoginnen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren vernehmen zu lassen die eine davon Witwe mit einer monatlichen Pension von 140 Schilling, die andere die leibhaftige Tochter einer

Prinzessin von Sizilien-Bourbon wegen einer Miet­streitigkeit mit einem Untermieter, der die beiden Damen aus der ihm überlassenen Fünf-Zimmer-Wohnung gern ganz und gar verdrängen wollte. Vor einer Berliner Strafkammer wiederum hatten sich soeben mehrere frühere Offiziere der kaiserlich russischen Armee zu verantworten, Männer, die im P a g e n k 0 r p s des Zaren erzogen wurden, im märchenhaften Glan; des Petersburger Hof- lebens groß geworden sind und nun, nachdem Kriegsver­lust und Revolution sie um alles Vermögen, um jeden Familienrückhall und schließlich auch um ihre ganze sitt­liche Würde gebracht hatten, bis zur Gemeinschaft mit gewinnsüchtigen Kokainschiebcrn hcrabsanken, die sie jetzt mit mehrmonatiger Gefängnisstrafe zu büßen haben.

*

Alles das Begleiterscheinungen einer Zeit, die in orkanartigen Stürmen das Unterste zu oberst gekehrt hat und nun nicht recht weiß, wie die entfesselten Gewalten der Natur und der Menschenseele wieder zu einigem Ruhe­stand zurückgebracht werden sollen. Billig zu sagen, daß die Welt im ganzen an der zugrunde gerichteten Aristo­kratie der Vorkriegszeit nicht viel verloren habe, daß es viel- mohr nur daraus ankommen könne, sic durch gleich oder höherwertige Elemente aus den neu zum Bewußtsein ihrer Menschenwürde erwachten Volksschichten zu ersetzen. Bis zu einem gewissen Grade wird man sich, gern oder ungern, auch hier schon auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellen müssen, denn daß die verschwundenen Zeiten mit röter Gesellschafts-, ihrer Vermögens- und ihrer Bildnngs- gliederung nicht mehr wiederkehren werden, steht wohl so zremlich außer Zweifel. Dennoch aber sollte es in einzel- nen Fällen doch nicht unmöglich sein, zu prüfen, ob die vom Untergang bedrohten Kreise der Vergangenheit nicht auch für die Gegenwart noch wertvoll genug erscheinen, um ihnen Halt und Hilse angedciheu zu lassen. Wenn die K 0 ii j g j n v 0 n R ü m ä n t e n jetzt eine Amerikareise unternimmt, sich drüben wie eine erstrangige Sehens­würdigkeit aus irgendeinem europäischen Zoologischen Garten feiern läßt und so nebenher gegen fürstliches Ver- egerhon.orar Rciscbeschreibungeu anfertigt, die sie viel- etcht, wenn es soweit sein wird, von einem ihrer Günst-

'hassen laßt, so möchten wir diese Art einer allzu Warnen Herrscherin allerdings nicht als besonders am »iri^n bezeichnen. Aber unter den vielen will fWofrafeH von ehedem wäre gewiß mancher zu

Untergang auch vom Standpunkt der heult, ju beklagen O^ellschaftsordnung aus einigermaßen iiem^n^ der Volksstimmung macht füf aKm ^ ^ '" Ländern bemerkbar, die jenseits der aen verwV^ uud Kiner tiefgreifenden Folgeerscheinung LS11?« sind. So hat sich in Norwegen bit ten ®rll2 ,t,Dr einigen Jahren das Land in bestimm i n : c n 3 u l e g e n für richtig befand, sey: liehe in «v !cit verwandelt und in eine recht erbeb. nuuacn9^» ^^ dort zu diesem Umschwung der Mei leicht ie»n^"""^" ist, läßt sich von außen her nicht sc ®? N'ird aber vermutlich nicht viel auderc lern als in Schweden, wo gleichfalls beschränkt«

Konferenzen Dr. Hoeschs in Paris.

Reue Aussprachen über Thoiry.

Versicherungen Dr. v. Hocschs über den Kaiser.

Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. v. H 0 e s ch, bei zur Herstellung seiner Gesundheit längere Zeit in Deutsch, land weilte, hat wieder die Amtsgcschäfte in der Pariser Botschaft übernommen. Sofort nach seiner Rückkehr hatte er eine längere Unterredung mit dem Generalsekretär im französischen Außenministerium, Berthelot, der in poli­tischen Kreisen große Bedeutung beigemessen wird. Aller­dings ist über die Aussprache zwischen den beiden Staats- männern keine amtliche Nachricht ausgegeben worden, so daß man auf die Meldungen einiger Pariser Blätter angewiesen ist, wenn man sich über den Inhalt der Be­sprechungen zwischen dem deutschen Botschafter und Ber­thelot informieren will.

Einen breiten Raum in der Unterhaltung hat, nach Pariser BläUermeldungen, die Aussprache über die deutsch-französische Verständigung und die Politik von Thoiry eingenommen. Nach demPetit Parisien" und demMatin" soll Berthelot dem Botschafter mitgeteilt haben, dass cs Frankreich bei der weiteren Verfolgung der in Thoiry ausgestellten politischen Ziele weniger eilig und den Wunsch habe, im einzelnen sowohl die technischen wie die wirtschaftlichen, militärischen und politischen Seiten des Problems prüfen zu lassen, bevor man sich in Verhandlungen weiter vorwoge. Es rei an sich schon viel, wenn der Gedanke einer Annäherung zwischen Frank­reich und Deutschland in Frankreich so ausgenommen sei, wie cs tatsächlich der Fall war sei wirklich nicht möglich, daß sich ein solcher Gedanke schon in wenigen Wochen zu konkreten Formen ausgestalten könne. Von Wichtigkeit ist noch die Mitteilung desPetit Parisien", daß bei der Unterredung zwischen Hoesch und Berthelot auch die Frage der Rückkehr K a i s e r W i l h e l m s nach Deutschland wieder angeschnitten sei. Das Blatt behauptet, daß von dem Berliner Kabinett offi­zielle Zusicherungen gegeben worden seien, wonach die Rückkehr des Kaisers nach Homburrg v. d. Höhe oder anderswohin auf keinen Fall geneh­migt oder geduldet werden würde.

Am Freitag ist Botschafter Dr. V. Hoesch vom fran­zösischen Außenminister, Briand, empfangen worden. Auch bei dieser Unterredung dürfte es sich vornehmlich um die weitere Behandlung der in Thoiry begonnenen Annäherungspolitik zwischen Deutschland und Frankreich gehandelt haben.

Mündliche Verhandlungen der Militärs.

Das unrichtige H a v a s - K 0 in m u n i q u s.

Das von der Havasagentur veröffentlichte Kommn- nigué über den Inhalt einer neuen Note, die nach Be­schluß der lebten Botickafterkonseren; der deutschen Re­

Alkoholverbote in Kraft sind unb sich nach ziemlich all­gemeiner Überzeugung nicht bewährt haben, aber gar ir den Vereinigten Staaten, wo eine Volksabstimmung beufx aller Wahrscheinlichkeit nach mit dieser gutgemeinten, aber ihren Wirkungen nach völlig verfehlten Gesetzgebunc gründlich aufräumen würde. Man kann den Kamps ttrr die Trinkunsitten für noch so berechtigt, für noch so not wendig halten, die An aber, wie er in diesen Fällen bis­her gehandhabt worden ist, hat nicht nur nicht zum 3ie geführt, sondern die Nbelstände, die man ausrotten wollte eher noch verschärft. Aus begangenen Fehlern sollte man lernen, wie es besser gemacht werden könnte; nur dann wird man einen abermaligen Umsturz der öffentlicher Meinung auf diesem Gebiete nicht zu fürchteu brauchen Die Zeiten und die Meinungen wandeln sich. Dr. Sy.

Gegen das Wèktschastsmanisest.

Amerika für Schutzzölle.

Gegen das vor kurzem erlassene internationale Wirt- schaftSmanifest, das zunächst mit Zurückhaltung ausgenom- men worden ist, machen sich jetzt allerlei Widerspruch- geltenb. Der Präsident von Nordamerika, C^o 0 l i d g c, hatte eine längere Unterredung mit bem SchaUickremi Mellon, als deren Ergebnis eine Kundgebung der ameri­kanischen Siegierung an die Presse Amerikas vorbereitet werden soll, in der betont wird, dass die dem Manifest zu­grunde liegende Jdec von Amerika zwar als gesund an- gesehen werde, jedoch nur soweit sie aus c u r o p ä 11 du Verhältnisse angewandt werde. Amerika mufft unbedingt weiter auf Schutzzölle« bestehen, vührend Schutz- löllc innerhalb europäischer Staaten nach Ansicht ameri­kanischer Regirrungskrcise für überflüssig gehalten werden.

Auch aus Polen, Italien und Frankreich weraen Widersprüche gegen das Freihandclsmaniscst laut. u< srainösischcu Unterzeichner des Mauisestes haben dem Handelsministerium in Paris gegenüber crüarcn taffen, daß sic nicht das Manifest selbst, sondern nur oa; irr­tümlich als Anhang dazu bezeichnete Dokument mit ihren Namen gedeckt hätten, was eine unz werde 111 0 e Desavouierung des Haupttextev bedeutet. .lus Wasbiuatou und London kommt die Nachrrcht, daß aurt mehrere der englischen und amerikanischen Untcrzetchnei unter dem Vorgehen, daß ihre Namen nur durch sm Mltz. Verständnis daruntergekommen seien, ihre Unicrschrtftev zurückzuziehcn beabsichtigen.

gierung in der Abriistungssrage übergeben werden sollle, ist, wie die D. A. Z. von unterrichteter Seite erfährt, so­weit der tatsächliche Inhalt der Note wicdergegebeu wrw, falsch. Eine Note der Botschafjerkonferenz ist anë ' "-n der deutschen Regierung nicht übermittelt worden Tie Ausstellungen, die die Botschafterkonserenz in dm .'!.e rüftungsfrage noch machen zu müssen glaubt, werden mündlich dem deutschen Botschafter in Paris über mittelt werden.

Aus Quellen, die Fühlung zu intcraNiicr'eu FFli An­kreisen haben, wird bem Nachrich 1 enburcau b. 3 - r i Deutscher Zeitungsverleger mitgeteilt, es sei bumit i rechnen, daß das Versailler Militärkr-mitec, an befielt Spitze bekanntlich Marschall F">ch steht, die Führer Dec llderwachnngskommifsion zur mündlichen Oerinuersmt- twog nach Paris beordern wird, bevor weitere 2 iw der Frage der Militürloi-tralie untetnemmen werden. Ferner erwäge man, ob sich nicht in einer mündlichen?!:^> spräche zwischen den leitenden militärischen Stellen Der Alliierten und ben maßgebenden deutschen Stelle« ein-- schnellere, sichere Beilrgung her schwebenden Differenz» punkte erreichen liesse, als dirs durch eine Fortsetzung des Notenwechsels möglich wäre.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" ist in der Lage, Einzelheiten über die neuen Forde­rungen der Botschafterkonserenz an Deutschland mitzu- teilen. Danach sehen die Forderungen folgende Punkte vor: 1. Die ungenügende Reduzierung der höheren Kom­mandos unb Stäbe, 2. die ungesetzliche zeitweilige An­stellung von Militär, 3. ber Mißbrauch der früheren mili­tärischen Einrichtungen, 4. ungesetzliche Fabrikation und Export von Kriegsniatcrinl, 5 die Konstruktion aller Ge­bäude, die Infanterie- und beweglichen Fahrzeuge für die Festungègeschütze innerhalb der Festung Königsberg, 6. die übergroße Anzahl der Sicherheitspolizei in den Kasernen, 7. die militärischen Übungen und Propaganda arbeiten der geheimen .nationalistischen Organisationen Im Punkt 8 habe die Botschafterkonserenz ihrer Befriedi- gung über den Rucklrit! des Generalobersten von Seeckt Ausdruck gegeben, aber nichtsdestoweniger beschlossen, auch unter seinem Nachfolger auf ben ver bleibenden Forderungen zu bestehen.

Dre Lntkrredvnq SoesÄ-Vriand.

Paris. Über den Empfang v. HoeschS bei Briand Wirt folgende Nachricht ausgegeben: Der deuische Botschaster u. Hoesch, hatte Freitag mittag eine Unterredung mit bett französischen Minister des Äußern, Briand. Die Unterredunx bebrütete die erste Fühlungnahme des Botschafters mit bem Minister des Äußern nach seiner Rückkehr. Es wurden dabei in grossen Zügen die durch die Unlcercviing in Thoiry auf­geworfenen Probleme berührt. Briand reift für drei bis vier Tage aufs Land. Nach seiner Nücktrhr, d h. in der zweiten Hälflr der nächsten Woche, soll eine erneute Unter­redung des Bolschaflers mit Briand stattfinden.

Hindenburg im denischen Herzen.

Abreise des Reichspräsidenten aus Bremen.

Den Abschluß des Bremer Besuchs des Rcick'spräsiden ten bildete ein Festmahl im Rathaus, zu dem etwa hundert Einladungen ergangen waren. Der Präsident des Senats, Bürgermeister Dr. Donandt, wies in seiner Begrüßung- »»spräche aus die jubelnde Bcgeistcruug hin, mit bet Hindenburg in Bremen empfangen worden sei.Ter Name Hindenburg," so sagte Dr. Donandt weiter, lebt in den Herzen und wird darin lebendig bleiben, so lange noch deutsche Herzen schlagen." Dr. Donandt ver­sicherte darauf dem Reichspräsidenicn, daß Bremen sich mit allen Fasern mit dem Deuts» en Reich verbunden fühle.

Nach einem Hoch auf Hindenburg dankte der Reichs­präsident für ben ihm bereiteten herzlichen Empfang. Er stellte in seiner Erwidcrungsrcdc fest, dass der alte han­seatische Geist trotz allein in Brenicn weiterbbe. Hin den

Hindenburg auf der Fahrt durch die Häfen.

In der Mitte der Reichspräsident, rcchts ber ©eneral bi rett ar S t i IN m i N a vom Norddeutschen L I d. unt v>l Präsident des Bremer Senats, nr. e ouann;.