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M-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 247 1926

Fulda, Dienstag, 26. Oktober

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichspräsident von Hindenburg hat im Rahmen des Amnestiegesetzes die gegen den Schwiegersohn des verstorbe­nen Reichspräsidenten Ebert, Jänicke, wegen Beleidigung Hindenburgs verhängte Geldstrafe erlassen.

* In Landsberg a. d. W. begann der Fememoivprozeß gegen die Angeklagten Thom, Rathsmann und Buchholz.

* Einem Wirbelsturm fiel in der Nähe der Bemudainseln das britische KriegsschissValerian" zum Cpjcr. Bier Ossi­ziere und 80 Mann gingen mit zugrunde.

* Bei einem Kampf zwischen mexikanischen Regierungs- truppcn und Indianern verloren die Regierungssoldatcn 140 Tote.

PolnischeSachlichkeit".

Auf das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen trifft einigermaßen das Bismarck-Wort zu, daß die Völker die Fensterscheiben zu bezahlen haben, die von ihrer Presse eingeworscn werden. Ohne pharisäisch zu sein, können wir Deutschen aber sagen, daß das Fenster­einwerfen wirklich nur von der polnischen Presse besorgt wird, und der polnische Minister des Auswär­tigen, Zaleski, hatte in seinen Ausführungen vor der Warschauer Presse wirklich nicht das geringste Recht, feststellen zu wollen, daß man in Deutschland endlich das Verhältnis zu Polen sachlich zu behandeln beginne. Was wir Deutschen an Unrecht und Gewalttat durch die Polen erlitten haben, steht in den Büchern der Geschichte, aber Polen hat auch in allerletzter Zeit an zahlreichen Bei­spielen seine hartnäckige Deutschenfeindlichkeit bewiesen. Gemeint sind natürlich nur die gewichtigeren Fälle; die zahllosen Nadelstiche untergeordneter Behörden werden ja nur selten bekannt.

Die ständige Verfolgung des Deutschen Volksbundes, die jetzt wieder in K a t t 0 w i H zu den ungeheuerlichsten Verurteilungen geführt hat, paart sich mit dem rück­sichtslosen Vorgehen gegen die deutschschreibenden Zei­tungen in Polen. Hunderte von Minderheitsanträgen aux Besuch deutscher Schulen allein schon in Oberschle.

sind abgelehnt worden, so daß die deutschen Eltern sich wieder einmal an die gemischte Kommission unter des Präsidenten Calonder Vorsitz wenden mußte; mit allen Mitteln versucht man die letzten deutschen Be­amten und Angestellten aus den polnisch gewordenen Hüttenwerken Oberschlesiens zu verdrängen; Arbeiter laßt man ja schon längst nicht mehr über die Grenze. Selbst über den Schiedsspruch des Internat. Gerichtshofes im Haag wegen des Chorzower Stick st off- und Elektrizitätswerks das einzige moderne Werk seiner Art in ganz Oberschlesien, das an Deutsch­land zurückfallen soll, setzt man sich einfach hinweg, lehnt sogar jede Verhandlung darüber ab, tut so, als ob es völlig gleichgültig sei, was da im Haag entschieden ist. Und was die Ententemächte in den früheren deutschen Kolonien und sonst allüberall taten, muß doch auch Polen nachmachen: man geht den deutschen Wohlfahrts- einrichtungen zu Leibe. Zwölf Anstalten dieser Art wurden den deutschen Besitzern und Leitern einfach liquidiert", die Deutschen hinausgejagt und Polen ein­gesetzt. Und wie es selbst den deutschen Katholiken in Polen geht, die mit größerem Haß verfolgt werden als die Protestanten, das erhellt wohl am besten daraus, daß jene sich in einer direkten Eingabe an den Papst gewandt haben, um vor ihm ihre Beschwerden anzu- bllngen.

Geradezu unzählig aber sind die Beispiele dafür, wie die polnische Presse schwerste Beschimpfungen alles dessen, was deutsch ist, immer wieder veröffentlicht. Gerade also "st seine Zuhörer Hütte der polnische Außenminister die Mahnung richten sollen, sachlich zu sein bei der Be­handlung des Verhältnisses zu Deutschland. Bisher hat der Handelskampf mit Deutschland noch nicht die gefährlichen Wirkungen gezeitigt, die eingetreten wären, hatte nicht der englische Vergarbeiterstreik Polen mancher­lei Aussuhrmöglichkeiten verschafft, die aber doch eines ,^es aufhören werden. Daher auch die Hartnäckigkeit ^""^Nerseits, in der Frage des Niederlassungsrechts âuycher in Polen das geringste Entgegenkommen zu be- n eisen. Herr Zaleski sollte vor allem an die eigene Brepe die dringende Bitte richten,mit der unfreundlichen Äeft < aufzuhören, die eine politische Zusammen- arbeit der beiden.Staaten unmöglich mache".

Mellich geschehen wird, ist ebenso zweifelhaft wie ent Erfolg, selbst wenn es geschähe.

Deutsche amtliche Aeußerung.

hiirs'^s o?"^gu ritzen des polnischen Außenministers

^.m^..^; ^- folgende Bemerkung veröffentlicht:

mochten hierzu nur bemerken, daß Deutschland einimmer um vieles sachlicher und ruhiger nihr 5 '^tzr u"d ist als umgekehrt. Zum Beweise ge- uischen''«""! ? c deutschfeindliche Betätigung aller pol- ' wir es .verweisen. Im übrigen begrüßen

zwischen k Zâskl eine günstige Lösung zahlreicher Denn wi?r^«" '^"^nt schwebender Fragen ankündigt. geqenkomvâ?^"' ^10$ diese Ankündigung in eine ent­bieten Haltung der polnischen Regierung auf

Polnischen^« ^" "Nisetzt. Die gegenwärtigen Taten der loffui a«Der^ âc Haltung bei den Nieder- 5o> L Kattowitzer Prozeß, die Chor-

reichsdeu«^^ 610 drohende Ausweisung einiger dieser Ä Direktoren aus Polnisch-Oberschlesien, die Wohsfabrâ»»»^^ Liquidierung von zwölf deutschen freuliebe-i cn hüben einstweilen einen wenig er« MLeiimsttiUA"^"^"' Zu den Worten des polnischen

Deutscher Tag in Newyork.

Das Deutschtum in Amerika.

Die deutschen Tugenden w erden gefeiert.

Professor Barnes vom Smith College hielt bei der Feier des Deutschen Tages in Newyork einen ausführ­lichen Vortrag über das Kriegsschuldproblem, das er aus Grund von Dokumenten und Tatsachenmaterial analy­sierte. Er bezeichnete den Friedensvertrag von Versailles als ungerecht und wirtschaftlich unausführbar und verlangte Rückkehr zu den Vierzehn Punkten Wilsons und einen im Ein- klang mit ihnen stehenden Wiederaufbau Europas. Der unter Auspizien der Vereinigten deutschen Gesellschaften und der Steuben Society und unter sehr großer Teil­nahme der Bevölkerung im Meccatempel stattfindenden Feier wohnten zum erstenmal Vertreter der Bundes- marine und des Bundrsheeres bei: Admiral Plunkett, Kommandeur des III. Marinedistrikts, vertrat die Marine, Major Johnson vom Stäbe des Generals Summeral vom Newyorker KorpSbezirk die Bundesarmee.

In ihren Ansprachen rühmten Plunkett die Ziele der Steuben Society, Johnson die deutsche Kunst undWissenschaft und die Kraft der deutschen R a s s e. Bürgermeister Waller feierte die Bürgertugen­den der Deutschamerikaner. Er wies aus die Gastsreund- schaft hin, die seine Frau in Deutschland genossen habe, und meinte unter scherzhafter Anspielung auf das Pro­hibitionsgesetz und aus die von Frau Walker in Hamburg vorgenommene Schiffstaufe:Meine Gattin ging nach Deutschland, um eine Flasche zu zerschellen. Hätte sie meinen Rat befolgt, so hätte sie die Flasche nicht zerschellt, sondern mitgebracht." Richter Oberwager wies in seiner in deutscher Sprache gehaltenen Festrede aus die neu- erwachte Begeisterung für die d e u t s ch a m e r i - konische Sache hin und sagte:Die Deutschameri- . Wi Mrtchn^ât â«m, .Visier für deutsche Kulturguter und treten aus der Defensive in Offensive." Er gedachte der erneuten Versuche von gewisser Seite, die germanischen Rassen zurückzudrängen, und schlug einen Protest gegen die geplante. Beschränkung der deutschen Einwanderung vor. Die Anwesenden billigten einstimmig seine Anregung.

Graf Luckner spricht

Nach einer ergänzenden Meldung aus Newyork über den dort abgehaltenen Deutschen Tag führte Prof.

polnische Chorzownote nach Berlin.

Die Chorzownote der polnischen Regierung ist nun­mehr in Berlin überreicht worden. Die zuständigen Res­sorts sind mit ihrer Prüfung beschäftigt. Soweit man erfährt, ist die Reichsregierung geneigt, dem polnischen Vorschlag entsprechend in direkte Verhandlungen zu einer Verständigung über die Zukunft des Stickstofswerkes ein­zutreten, obwohl bei der grundsätzlich entgegengesetzten Auffassung wenig Aussicht auf einen erfolgreichen Ver- lauf besteht.

Der Mittellandkanal,

mit dessen Bau nunmehr in der allernächsten Zeit be­gonnen werden soll und von dessen Fertigstellung sich

die Industrie der anliegenden Provinzen erhebliche Vorteile verivrickt.

Die Politik von Thoiry.

Wegfall des F i n a n z p l a n e s?

Der deutsche Botschafter in Paris, von Hoesch, ist erneut vom Generalsekretär im französischen Autzenmini- sterium, Berthelot, empfangen worden und hatte mit ihm wieder eine längere Unterredung über die in Thoiry von Briand und Stresemann angeschnittenen Probleme. Dem­nächst wird, wie in Paris verlautet, eine international« Konferenz von Delegierten der s 0 z i a l i st i s ch c n P a r - teien von Deutschland, Frankreich, Belgien und Groß­britannien stattfittdcn, aus der über eine Kuudgebung zu- qunsten der Politik von Thoiry beraten werden soll.

Barnes noch aus, daß gewisse Kreise in Rußland und Serbien um den Mordplan gegen Erzherzog Franz Fer­dinand gewußt haben. Rußland Habe den Krieg ge w 0 l l t und Frankreich habe es unterlassen, Rußland zurückzuhalten. Deutschland und England seien 1914 Die einzigen Länder gewesen, die den Krieg nicht gewollt hätten. Barnes äußerte sich dann über die ausweichende Haltung Greys und ermahnte die Deutschen und Deutsch­amerikaner, geduldig abznwarten und extreme Erklärun­gen zu vermeiden. Der Tatbestand verschaffe sich selbst schließlich Geltung.

Graf Luckner, Kommandant derVaterland", aufs herzlichste begrüßt, sprach dann über seine Mission. Er erklärte, daß er Amerika sehr genau kenne, denn er habe hier vor 26 Jahren Kuhställe ausgemistet und Türklinken geputzt. Großen Beifall erntete er, als er aussührte, daß er der Welt bewiesen habe, wie man Krieg führen könne, ohne dabei Menschen zu töten.

Amerika gegen das Wirtschastsmanifest.

In seiner Erklärung über das Wirtschaftsmanifest führte Staatssekretär Mellon aus, obwohl das Manifest europäische und nicht amerikanische Verhältnisse betreffe, habe seine Veröffentlichung zu Angriffen aus die ameri­kanische Zollpolitik geführt, weil das amerikanische Zoll­system angeblich die Rückkehr der Weltwirtschaft zur Pro­sperität behindere. In Wirklichkeit sei die amerikanische Zollpolitik nicht schädlich, sie spiele im Gegenteil eine füh­rende Rolle bei der Erholung der Welt von den Kriegs­verlusten. Solange wir die Lebenshaltung in Amerika nicht auf das europäische Niveau Herobsetzen wollen, so erklärte Mellon, können wir eine Tarisänderung ntch1inErwägungziehen,so wünschenswert das auch in Europa erscheinen mag. Im Falle der Aufhe­bung des amerikanischen Zollschutzes würd« ein größerer Teil der Produktion ins Ausland verlegt werden, wo die Kosten geringer sind. Als Beispiel führte Mellon die Alluminium Company an, die beim Wegfall des Zollschuycs vorteilhafter aus ihren ausländischen An­lagen liefern könnte. Diejenigen, welche glaubten, das Ausland könne gegenwärtig nicht nach Amerika verkaufen, dürfte, so sagt Mellon weiter, die Feststellung überraschen, daß 65,2 Prozent der Einfuhr des Jahres 1926 zollfrei eingingen, d. h. 60 Prozent mehr als die Gesamteinfuhr des Jahres 1914.

Der diplomatische Korrespondent derWestminster Gazette" meldet, daß entgegenAbbruch"gerüchten nur jene Vorschläge im Thoiryplan, nach welchen Deutschland Frankreich finanziell unterstützen sollte, indem es deutsche Eisenbahnsicherheiten unter den Dawes-Reparations­zahlungen auf verschiedenen Märkten unterbringe, als Gegenleistung für französische politische und militärische Konzessionen am Rhein, zusammengebrochen seien. Statt­dessen wolle nun die französische Regierung einen Plan gegenseitiger französisch-deutscher politischer Konzessionen setzen, worin Frankreich sich bereit erklärt, Deutschland auf halbem Wege bezüglich der Fragen der Rheinland­besetzung und der zukünftigen Verwaltung des Saar- gebiets entgegenzukommen als Gegenleistung für andere deutsche Garantien.

Aeues Kohlenablommen mit Frankreich.

Behebung aller Schwierigkeiten.

Tas Rheinisch-Westfälische KohEnsyndilat hat ein Abkommen getroffen, nach welchem die Reparationsliefe­rungen nach Frankreich grundsätzlich nicht mehr als Zwangslieferungen, sondern im Wege freien Ver­trages bewirkt werden. Tie Verrechnung erfolgt über den Generalagenten. TaS Verfahren steht in feinen Grundsätzen und seiner praktischen Durchführung mit dem Abkommen von London und den Bestimmungen der Re- parationökommission in Einklang. Neben den Repara­tionslieferungen bleibt die Einfuhr weiterer Mengen nach Frankreich unbeschränkt.

Alle zwischen der deutschen Regierung und dem Koh­lensyndikat einerseits und der französischen Regierung an­dererseits schwebenden Meinungsverschiedenheiten find durch das Abkommen aus dem Wege geräumt. Um den Boden für ein derartiges Abkommen sreizumachen, hat das Kohlensyndikat sowohl der deutschen als auch der fran­zösischen Regierung gegenüber auf einen Teil der ihm zu- stehenden Preisansprüche verzichtet. Es hofft, einen Aus­gleich für diesen Verzicht darin zu finden, daß nach Besei­tigung aller Reibungen sein Ausfuhrhandel nach Frank­reich sich günstig entwickeln wird. Das Abkommen liegt der deutschen und der französischen Regierung zur Geneh­migung vor.

6 Monate SergarSeiferffreif in England.

Verbotene B e r g a r b c i t e r v e r s a m m l u n g e n.

Das offiziöse Reuterburcau stellt fest, daß gegen, wârtig im Gegensatz zu anderen Meldungen ein SI. t r ',. men zur Beilegung der nun schon sechs Monate haue; t- ben Krise in Aussicht steht, daß jedoch etwa eine Bierich Million Bergarbeiter in den Gruben arbeiten und zui zeit etwa eine Million Tonnen wöchentlich fördern. Das en v lischt Parlament wird sich erneut mit dem Verstarb stutz'