Kul-aer /Anzeiger
Erscheint se-ea we-ttag. VeMgspeâ: «wa-t- sich 2 Mark. Bei Lieferung-behinderungen durch höhere Gewalten», Streiks, Tlussperrungen, Bahosperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Krankstirt a. M. Nr. 5585
Nr. 252 — 1926
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
Re-aktt»n na- Gesthäfisstelle: Mühlenstraße 1 ♦ Zernfprech-flnsthluK Nr. -84
NachSrnck 6er mit * «ersehenen staffel nur mit <6yeatnattgabt,$ul»a« No,^gtt'-^>â.
Fulda, Montag, 1. November
ten,Banken usw. beträgt die Kleiazetle S^SM^ für auswärtige Auftraggeber 0.S5 NL, für Me Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle «rd«r» 0.15 ML, Reklamezelle 0.60 Mark ♦ Bei Rechnung-stellung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen ♦ Tag- und Plahvvefcheisten mwerbludllch.
3. Jahrgang
KlelneVeitung für eilige Leser.
* Generalsekretär Drummond vom Völkerbund hat den freigewordenen Posten des Unlergeneralsekretärs des Völker- bundes dem Londoner deutschen Botschaftsrat Dufour angeboten.
* Nach amtlichen Berechnungen hatten im letzten Monat die Ausgaben in der Erwerbslosenfürsorge 92,4 Millionen Mark (im Vormonat 98 Millionen Mark) betragen.
* Die bayerische Regierung hat eine Verordnung erlassen zum besseren Ehrenschutz öffentlicher Persönlichkeiten.
* In Angora ist ein deutsch-türkischer Handels- und Niederlassungsvertrag vorläufig unterzeichnet worden.
Die Kosten der Erwerbslosenfürsorge.
Ein neues Arbeitsschutzgesetz.
Nach amtlichen Berechnungen hatten im letzten Monat die Ausgaben in der Erwerbsloscnfürsorgc 92,4 Millionen Mark (im Vormonat 98 Millionen Mark) betragen. Davon entfielen auf die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge je 22 Millionen Mark, auf die Gemeinden etwa 10 Millionen Mark, auf das Reich und die Länder je 19 Millionen Mark.
Der Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes ist am Sonnabend dem Reichstag zugeleitet worden.
Die Krise der deutschen Landwirtschaft.
Äußerungen des Reichsernährungsministers.
Dr. Haslinde führte in einer Rede in Crostwitz ans, daß die Agrarkrise noch keineswegs vorüber, aber doch wesentlich gemildert sei. Das Bild würde heute noch freundlicher sein, ivenn der Erntcaussall noch günstiger gewesen iväre. In Zukunft wird man eine Steigerung der Produktion erstreben müssen, nicht zuletzt durch Intensivierung der Produktionsmethoden. Wie dem Bauerntum, so bringe die Reichsregierung auch der Landwirtschaft reges Interesse entgegen, wie aus den Maßnahmen im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms zu erkennen sei. Das Siedlungsproblem werde dauernd gefördert. Aber mit regierungsseitiger Hilfe allein sei es nicht getan. Die Landwirtschaft müsse sich aus eigener Kraft aus der Krise herausarbeiten.
Diese Einsicht greife auch in den Reihen der Landwirtschaft immer mehr Platz. Freilich müsse dem durch Milderung der Reparationslasten entgegengekommen werden. Erst dann könne auch der Weg der internationalen Wirtschaftsverständigung erfolgreich weiterbeschritten werden, der mit Genf und Thoiry begonnen worden sei. Die Auswirkungen des Wirtschaftsmani- festes ließen sich noch nicht klar beurteilen, doch gebe zu denken, daß manche Länder sich diesem gegenüber ablehnend verhielten. Auf keinen Fall dürfe die inter- nätionäte Verständigung, so wünschenswert sie auch sei, aus Saften der nationalen wirtschaftlichen Selbständigkeit geschehen.
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Niemals freundschaftlicher als jetzt.
Die „Sun" meldet aus Washington, daß die Beziehungen Deutschlands zu Amerika seit dem Kriege niemals freundschaftlicher gewesen seien als jetzt. Bei Differenzen sei Deutschland stets zu einem Entgegenkommen bereit gewesen. Es lasse sich natürlich nicht vermeiden, daß unter großen Nationen zeitweise Streitfragen auftauchten. Deutschland sei aber in allen Fällen, das müsse betont werden, stets bestrebt gewesen, etwaige Differenzen aus der Welt zu schaffen.
Zenirumstagung in Ersuri. RcdcnvonMarx,StegerwaldundBrauns.
Erfurt, 31. Oktober.
In zwei öffentlichen Versammlungen anläßlich der Tagung des Parteiausschusses des Zentrums sprachen führende Politiker der Partei.
Der frühere preußische Ministerpräsident Stegerwald verwies auf die geistige Verwirrung und Unruhe in Deutschland nach einer Revolution, die eigentlich nicht eine Revolution, sondern nur der Zusammenbruch eines überlebten Regiernngssystems gewesen sei. Schwere Gefahren drohten unserem Wirtschaftsleben durch Kon- zcrnbildung. Eine steuerpolitische Forderung sei die nach Vereinfachung unseres komplizierten Verwaltungssystems.
Reichsernährungsminister Dr. Haslinde beleuchtete die gegen,värtige Außenhandelspolitik und stellte die -tgrarkrisc nnd das Arbeitslosenproblem in den Vorder- grund des Interesses. Starke Intensivierung und Ratio- umistcrung in der Landwirtschaft sei erforderlich.
Reichskanzler Dr. Marx
führte aus: Die sozialen Spannungen, die nach dem unter der Not der Zeit besonders stark auf der v ^eten, seien heute vielfach gegenseitigem sozialen gewichen. Die Zentrumspartei sei fest über- ? d" Wiederaufbau unseres Volkes nnd Reiches der Grundlage der W e i m a r e r V e r s as s u n g ^^' Der Bestand der Deutschen Republik sei staatlichen Machtmittel seien stark genug, âcs Umsturzes niederzuhalten, möge er U' ivoher er wolle. Die Zentrumspartei, die in Verfassung das im Gewissen verpflichtende
2 1 Omens des Staates sehe, lehne aufs schärfste jene
Der neue Generalsekretär in Gens.
Dufour deutscher ilntergeneral- sekretär beim Völkerbund.
Vom Kaufmann zum Diplomaten.
Das Bölkerbundsckretariat veröffentlicht ein Kommu- niquö, nach dein der Generalsekretär Drummond den freb gewordenen Posten des Untergeneralsekretärs des Völkerbundes dem Londoner deutschen Botschaftsrat Dufour angeboten habe. Die Ernennung bedarf noch der formalen Zustimmung des Völkerbundrates, es ist aber kaum an der Zustimmung zu zweifeln, da die Berufung sicher nicht bekanntgegeben worden wäre, wenn die dem Völkerbundrat angehörenden Mächte nicht schon ihre Zustimmung gegeben hätten.
Der neue deutsche Generalsekretär in Genf ist aus dem Kaufmannsstande hervorgegangen. Er war Groß- kaufmann in Leipzig, als er zum Geheimen Legationsrat bei der deutschen Botschaft in London ernannt wurde, um dem jetzigen Botschafter Sthamer zur Seite zu stehen, der nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen als Geschäftsträger nach der britischen Empire geschickt wurde. Auf dem Londoner Posten hat Dufour, der später zum Botschaftsrat aufrückte und dann dcu Titel eines Gesandten erhielt, während seiner sechsjährigen Tätigkeit dem Reiche ausgezeichnete Dienste geleistet. Als sein Nachfolger ist mehrfach der gegenwärtige Reichspressechef, Ministerialdirektor Dr. Kiep, genannt worden, der mit den englischen Verhältnissen besonders vertraut ist. da er in Glasgow ausgewachsen ist.
Verbände ab, die sich als K a m p s v e r b ä u d e gegen den Bestand der heutigen deutschen Republik wenden. Das Reichsbanner, dessen Tätigkeit in den Monaten der Umsturzgefahr von rechts eine Notwendigkeit geworden sei, werde dann die ihm gesetzte Aufgabe, den Schutz der Verfassung gegen jedwede Gefahr, auch gelöst haben.
Reichsminister Dr. Brauns ließ sich über die Wirt- schafts- und Sozialpolitik der deutschen Zentrumspartei aus. Wir treiben auch in wirtschaftlichen Dingen keine Klassen- und Slandespolitik. Ausgleich der Interessen ist uns kein Schlagwort, sondern das politische Ergebnis der vielgestaltigen deutschen Wirtschaft und der Pflicht der Eingliederung der Einzelinteressen unter das jeweilige Gesamtinteresse. Darum zum Beispiel heute erst recht Erhaltung und Förderung der Landwirtschaft! Darum aber auch angesichts der Not unserer Tage heute erst recht Sozialpolitik! über Sozialversicherung und Arbeiter- schutz der Vorkriegszeit hinausgreifend, tritt heute das Arbeitsrecht ir den Vordergrund. Sein Leitgedanke ist Anerkennung bC Persönlichkeit des Arbeiters in Gesetzgebung, Vcrwm. mg und Rechtsprechung.
Girsikgefahr in Berlin.
Berlin, 31. Oktober.
Die in den Betrieben der Hochbahngcscllschaft durch- geführte Urabstimmung hat folgendes Ergebnis gehabt: Es wurden 3115 Stimmen für Streik. 815 Stimmen für Annahme des Schiedsspruchs, d. H., Weiterarbeit, abgegeben, während 109 Stimmen ungültig waren. Die zur Durchführung des Streiks notwendige Drcivicrtclmajori- tät ist damit erreicht worden. Der Beginn des Ausstandes soll von den Funktionären am Montag festgesetzt werden. Man zweifelt nicht daran, daß sich die soeben durchgeführte Urabstimmung der Omnibusführer ebenfalls für den Streik aussprechen wird. Der Schlichter Wissell wird Dienstag noch einen Vermittlungsversuch unternehmen.
Keine »eSr Ferdinands nach Bulgarien
Reine Erst n d u n g e n.
Die Presseabteilung der Berliner bulgarischen Gesandtschaft erklärt zu den Zeitungsmeldungen über eine angebliche Rückkehr des früheren bulgarischen Königs Ferdinand nach Bulgarien:
Die Enthüllungen sind reine Erfindung. Die Frage der Rückkehr drs früheren Königs besteht für die bulgarische Politik in seiner Form. Wenn jetzt gewisse bul- garrischc Emigrantcnkrcisc sich gezwungen fühlen, solche Phantasien der jugoslawischen Öffentlichkeit zuzumuten, so ist durchaus zu ersehen, daß die schnelle Wiedergenesung Bulgariens diese Kreise in eine hoffnungslose Lage versetzt.
Von Coburg aus, wo der frühere Zar wohnt, wird berichtet, König Ferdinand denke nicht daran, sich je wie- der politisch zu betätigen.
politische Rundschau.
Deutsches Reich
Verstärkung des staatlichen Ehrenschutzes in Bayern.
Nach einer Verordnung der bayerischen Staatsministerien der Justiz und des Innern wird in Zukunft im Interesse der Verstärkung des staatlichen Ehrenschutzes die Staatsanwaltschaft öffentliche Klaae erbeben, wenn einwandfreie Persönlichkeiten, die im
Der entscheidende Punkt.
Schwierigkeiten der Thoirypolitik.
Pertinax befaßt sich im „Echo de Paris" mit der Unterredung Briand—Hoesch, die seiner Ansicht nach nicht ohne Bedeutung sei, da Briand zum erstenmal seit dem Tage von Thoiry in die Lage versetzt worden sei, zur Annäherungspolitik Stellung zu nehmen. Man dürfe nicht darüber erstaunt sein, daß die Deutschen zwischen Briand und den Dienststellen des Quai d'Orsay einen Unterschied machten. Der Grund dafür liege in der pathetischen und unklugen Rede des Außenministers vom 10. September. Es sei zu begrüßen, daß Briand endlich seine Rede verleugnet habe. Es sei Sache der Deutschen, die Garantien anzugeben, die an die S t e l l e d e r f r a n- zösischen Sicherungen im Rheinlands treten sollten. Die militärische Besetzung des Rheinlandes, die im Ernstfälle die Störung der deutschen Mobilisieryng erlauben würde, gebe den Staaten Mitteleuropas zur endgültigen Konstituierung eine Frist von zehn Jahren. In guter Logik könne Frankreich seine Soldaten erst dann zurückrufen, ivenn Deutschland alle Befürchtungen über eine Revanche im Osten zerschlage. Dies sei der entscheidende Punkt der Politik von Thoiry. Man erwarte mit Neugier die Erklärungen, die Berlin in dieser Frage geben werde, vor allem über seine österreichische Politik. Frankreich müsse in dieser Hinsicht um so sorgfältiger vorgehen, weil der Völkerbundrat niemals einstimmig den Anschluß bekämpfen werde, wenn man plötzlich vor vollzogenen Tatsachen stehe.
I öffentlichen. Leben stehen und das Vertrauen ihrer Mitbürger genießen, grundlos beschimpft oder wenn gegen sie unbegründete Vorwürje erhoben werden, die ge- eignet sind, ihre Vertrauensstellung zu erschüttern oder ihnen das weitere öffentliche Wirken zu verleiden oder unmöglich zu machen.
Lippisch-brcmischc Verhandlungen.
Im Schaumburg-Lippischen Landtag bezeichnete es die Regierung als eine ihrer Hauptaufgaben, die staatliche Selbständigkeit des Landes zu erhalten. Es werde die Bildung einer gewissen Arbeitsgemeinschaft mit einend anderen Staate augestrebt, weshalb die Regierung mit dem Senat der Stadt Bremen Fühlung genommen habe. Der vom Bremer Senat gemachte Vorschlag könne eine Lösung bringen, die bei völliger Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Selbständigkeit des Landes diesem eine wesentliche Erleichterung in seinen Staatsaufgaben bringen würde. Die jetzt eingeschlagene Politik bedeute aber keine Abkehr von der Politik der vorigen Regierung, der Politik zur Erhaltung des besten Einvernehmens mtt, Dem Nachbarstaats Preußen.
Freistaat Danzig.
X Aufgaben der neuen Danziger Regierung. Im Danziger Volkstag gab Senatspräsident Dr. Sahm im Namen des neuen Senats eine Regierungserklärung ab. Als Hauptaufgaben der neuen Regierung bezeichnete er die Herbeiführung einer Gesundung der Staatsfinanzen, die Selbständigkeit und die Freiheit Danzigs und ihren deutschen Charakter zu wahren, die Beziehungen zum Völkerbund und verständnisvolle Zusammenarbeit mit Polen auf wirtschaftlichem Gebiete zu pflegen. Schließlich kündigte Dr. Sahm noch eine Verkleinerung des Beamten- körpers an. ,
Aus Zu- und Ausland
Koblenz. Die Interalliierte Rheinlandkommissiou in Koblenz hat den in München erscheinenden „SimplizissimuS" vom 25. Oktober 1926 aus die Dauer eines Monats vom besetzten Gebiet ausgeschlossen.
Prag. Bei der ersten, von dem kommunistischen Volks- bildungsverein Prolctkult im Bio Kapitol veranstalteten Ausführung des Filmes „P 0 t c m k l n“ kam cs zu wüsten- Lärmszenen seitens faschistischer Elemente, so daß sich der anwesende Regicrungsvertrel,. Veranlaßt sah, die weitere Vorführung des Filmes zu verboten.
Madrid. Wie ans Tanger gemeldet wird, ist dort der Generalstreik ausgebrochen, der seinen Grund in der allgemeinen Unzufriedenheit mit der politischen und bet wirtschaftlichen Lage hat.
Angora. In Angora sind ein deutsch-türkischer Handelsund ein Nicdcrlassungsvcrtrag paraphiert worden. Die Verträge sind das Ergebnis sehr schwier, gcr Verhandlungen, bis sich über ein Jahr hingezogen haben. .. ,
Vermischte Nachrichten.
Wegen Kindenbnrg'Veleipègvvg eerurrefit
Berlin. Die erste AnNagc wegen öffentlicher Beeidigung des Reichspräsidenten beschäftigte das Große «chöfsen- geeicht Berlin-Mitte. Sie richtete sich gegen den früheren verantwortlichen Redakteur der R0ten,Fahne, Hauswirth, und lautete auf Vergehen gegen § 8 Abs. 1 des Gesetzes zum Schube der Republik. Ihre Grundlage bildete das im Juli in der Roten Fahne veröffentlichte Gedicht „Achtung Hunde", „Eine Ticrfabcl aus beut Hunderrich". Den Versen ging ein Bild voran, daS einen Hund darsteNtc, der die rentierten Züge drs Reichspräsidenten darstellte und im Maule einen Knochen mit der Aufschrift „Berfaffnng" trug. Das Gericht erkannte auf neun Monate Gcränanis und Publikation deS Urteils in