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Fuldaer Mnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Str. 2531926

Fulda, Dienstag, 2. November

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Auf Einladung des Reichsfinanzministers Dr. Reinhold beginnt am Dienstag in Berlin eine Konferenz der Finanz­minister der Länder, die sich mit der schwierigen Frage des Finanzausgleichs beschäftigen wird.

* In der Urabstimmung bei der Berliner Omnibusgesell­schaft wurde nicht die erforderliche Mehrhe-t für den geplanten Streik erreicht. Die streitlustigen Hochbahnangestellten stehen allein. Vermittlungsversuche sind im Gange.

* Die Landtagswahlen im Freistaat Sachsen am letzten Sonntag gingen uyter großer Partcizersplitterung vor sich. Ge­wählt wurden nach den vorläufigen Feststellungen 47 Bürger­liche gegen 49 Sozialisten, während im alten Landtag 46 nicht­sozialistische Mandate vorhanden waren.

* Aus Mussolini, den italienischen Ministerpräsidenten, wurde in Bologna von einem 15jährigen Burschen ein Attentat verübt. Mussolini blieb unverletzt. Der Attentäter, der mehrere Revolverschüsse abgegeben hatte, wurde von der Menge getötet.

Das Zentrum in Erfurt.

Von unparteiischer Seite wird uns zu der großen Zentrumsversammluug in Erfurt geschrieben:

Als einzige von den größeren Parteien hat das Zen- irum in diesem Jahre keinen ordentlichen Parteitag erb- gehalten, sondern sich mit der Tagung seines Reichs- Parteiausschusses begnügt, zu der allerdings sämtliche in der Partei tätigen Persönlichkeiten hinzugezogen waren und die am Sonntag in Erfurt stattfand. Überraschun­gen größerer Art hat diese Tagung nicht gebracht, schon deswegen nicht, weil der derzeitige Leiter der deutschen Politik ja der Vorsitzende der Zentrumspartei ist, dem­gemäß ohne weiteres auf die Zustimmung seiner Partei für seine A u ß c n - und I n n e n p 0 l t i k rechnen kann.

Das Interesse außerhalb des Zentrums war hier wesentlich darauf gerichtet, welches die innenpolitischen Ausführungen des Reichskanzlers sein würden, zumal Ivir ja unmittelbar vor dem Zusammentritt des Rèichs- lagcö und vor neuen innerpolitischen Auseinandersetzun­gen sieben. Wie wurde sich das Zentrum entscheiden? Räch rechts oder nach links? Eine bestimmte Antwort darauf hat Dr. Marx nicht gegeben, wenngleich es nicht zu verkennen ist, daß ihm viel daran gelegen ist, im Reich die Große Koalition herzustellcu. Dazu gehört die fozialdemokratische Unterstützung für sein Kabinett. Den Deutschnationalen machte Dr. Marx den Vorwurf, daß ihre Anerkennung des heutigen Staates und der heutigen Staatsverfassung eine lediglich äußere sei, aber von einem inneren Bekenntnis zu ihr sie sich entfernt halte. Ein inneres Bekenntnis betrachtet Dr. Marx aber als wesent- iiche Voraussetzung zur Arbeit im Staat. Marx glaubt, die Sozialdemokratie habe sich den praktischen Not­wendigkeiten längst angepaßt, außerdem billige sie die Außenpolitik des jetzigen Kabinetts. Sollte sich aber auch nu Zusammengehen mit ihr nicht ermöglichen, so scheint Dr. Marx nach seinen Ausführungen auch weiterhin ver­suchen zu wollen, sich nur aus die bisherige Koalition zu stützen und sich gegebenenfalls die Hilfe von rechts oder von links zu holen, wo er sie findet.

Dr. Wir t h sprach über die Absichten der von ihm gegründeten Republikanischen Union, die das unbedingte Zusammenarbeiten mit den Parteien links vom Zentrum will. Es gab da eine nicht uninteressante Auseinander- setzung zwischen ihm und dem so anders eingestellten Landtagsabgeordneten von Papen, der es für nicht minder notwendig erklärte, die politischen Kräfte der Rechten zu nutzen. Er habe sich niemals gegen eine Zu­rückweisung der in der Sozialdemokratie zusämmengeball- ien Teile der deutschen Arbeiterschaft gewandt. Nur will der Teil des Zentrums, der hinter Herrn von Papen und seinen Freunden steht, von dem unbedingten Zu- iammenarbeiten mit der Linken wenig wissen. Doch weicht man hier einer Entscheidung aus, anscheinend auch in !mer anderen Frage, deren Beratung aus der Tagesord­nung stand, das war das Verhältnis z» demReichs- oailncr Schwarz-Rot-Gold". Man hat sich damit be­gnügt, eine Entschließung anznnehmen, in der als Ziel oezeichnet wird, daß die Wahrung der Staatsautorttät dnd die Verteidigung der Staatsform lediglich Ausgabe der Staatsgewalt selbst ist.Der Staat ist nun einmal an wesentlichen das Volk selbst. Alles, was vom Volke an Forderungen an den Staat erhoben wird, muß auch wieder vom Volk selbst ersetzt und getragen werden,' äußerte Marx in seiner großen Rede. Dieser Gedanke ehrt auch in der Schlußentschließung wieder, zu der sich die Tagung einmütig bekannte.

Ebenso einmütig, wie man in der Frage der U u ß c n p 0 l i t i k war, fand man einen gemeinsamen «öden auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik, doch begnügte man sich in der Hauptsache damit, die der deutschen Wirtschaftspolitik zu behandeln. Bemerkenswert war dabei, daß sich die M i t t c l st a n d s- "teressen sehr stark in den Vordergrund schoben und langen Debatte führten. Aber noch stärker bc- uuftlgtc man sich mit den Nöten des besetzten Ge- es, wo ja das Zentrum seine stärksten Wurzeln man "»ch das Wirken Dr. B e l l s, des Mi- d!> iw. - lue besetzten Gebiete, anerkannte, so fand doch beutige^^^ 11111 gegenwärtigen Lage unzwei-

in der Tagung wird wohl das sein, daß sich üb»>-m-^"^Politik vermutlich gar nichts ändern wird. OürnLcJ mau aber die Tagungen der drei größten Parteien, die jetzt im Herbst vor sich ge- uud, so muß man jetzt zum dritten Male fest- daß sich die in allen diesen drei Parteien vor- ' LCI,cn inneren Widerstände nach außen hin nach der

Das mißglückte Attentat ans Mussolini

Kevolvekschiß eines Mzchn- jährigen aus den Dm.

Der Attentäter gelyncht.

Auf Mussolini ist bei der Rückfahrt von der Gross nung des Kongresses für wissenschaftlichen Fortschritt in Bologna nach dem Bahnhof ein Attentat verübt worden. Ein junger Mann gab am Anfang d^.r Via Jndipen- denza einen R c v 0 l v e r s ch u tz aus Mussolini ab, der unverletzt blieb. Der Urheber des Anschlags wurde un­mittelbar nach dem Schuß von der Menge gelyncht Mussolini setzte seine Fahrt nach dem Bahnhof fort, von

KMW

wo er nach einer Rede vor den versammelten Offizieren in einem Sonderzug nach Forli abreifte. Auf dein Bahn­hof und während der Reise nach Forli war Müssolini Gegenstand enthusiastischer Sympathiekundgebungen drr

Das auf Mussolini abgefeuerte Geschoß z e r r i ß das Band des Großkordvus des Mauritiusordens und die Uniform in Höhe der Brust, dann durchschlug es den einen Rockärmel des Bürgermeisters von Bologna, der Mussolini begleitete. Mussolini bewahrte seine Rube vollkommen, ließ einige Augenblicke sein Auto halten und setzte dann feinen Weg dem Bahnhof zu fort. Auf bem Bahnhofsplatz nahm et noch die Parade eines Alatrosen- bataillons und zahlreicher Milizosfiziere ab. Der Täter hat unmittelbar, nachdem es ihm gelungen war. die Ab­sperrungskette zu erreichen, den Revolverschuß aus Musso­lini abgegeben. Ein Sfarabiniere und mehrere Faschisten stürzten sich aus den Täter, der dadurch daran verhindert wurde, einen zweiten Schuß abzugeben. In dem Kraft­wagen Mussolinis wurde die Kugel gefunden, Ivclchc aus ihn abgefeuert worden war. Der Leichnam des Täters wurde zum Polizeipräsidium gebracht.

Der -IZjahrige ALientaier.

Nach langwierigen Forschungen ist cs der Polizei ge­lungen, die Persönlichkeit des Attentäters fefüustellen.

Richtung hin entwickelt haben, bqß die Führer dieser Parteien eine große, fast unbedingte Autorität in die Hände gelegt erhielten.

*

Entschließung zur Zentrumspolitit.

Unter großem Beifall wurde folgende Entschließung in Erfurt einstimmig angenommen: Die ZcntrumSpartci braucht nicht erneut zu versichern, daß sie zur Weimarer Verfassung steht und in der Deutschen Republik die Staatsform erblickt, auf deren Grundlage allein die Einheit und Unversehrtheit des Deutschen Reiches und der Wiederaufstieg des deutschen Volkes erreicht werden könne. Deshalb hält sic sich und ihre Angehörigen für verpflichtet, die Deutsche Republik innerlich zu stärken und zu festigen. Das unentbehrliche Kundament der Deutschen Republik wie eines jeden Staates ist und bleibt christliche Sitte und Ordnung, gesundes Familienleben, Soli­darität in Familien, Stand und Volk und strengste soziale Ge­rechtigkeit. Dieses in Wahrheit konservativen Geistes bedarf "uch die Deutsche Republik. Diese und keine materialistisch vbcr individualistisch eingestellte Republik ist das Ziel des Zentrums. Die Partei erwartet von allen, denen diese Ideale heilig sind, eifriges Mitarbeiten am Aufbau der Deutschen Republik in diesem Geiste.

Arbeiter und Angestellte.

Berlin. (Z n m d r 0 h c n d e n B e r k c h r § ft r c i t.) Die Abstimmung bat ergeben, baß bei der Hoch- und Untergrund­bahn eine Mehrheit für den Streik vorhanden ist, bei der Abhag dagegen schien etwa 200 Stimmen an der Streikmehr- Heit. Ob es angesichts dieser gespannten Lage möglich sein wird, den drohenden Vcrkehrsstrcik in letzter Stunde zu ver­hüten, ist noch nicht zu übersehen.

Es handelt sich um den 15jährigen Anteo Zamboni, der der Sohn eines bekannten Typographen in Bologna ist. Nach den amtlichen Erhebungen weist die Leiche des Attentäters zahlreiche tiefe Dolchstiche und Spuren von Erdrosselung auf. Die rasche Identifizierung des Atten­täters ist einem Zufall zu verdanken. Der Vater Anteo Zambonis hatte dem Fünfzehnjährigen nur bis 5 Uhr abends erlaubt, auszugehen. Das lange Ausbleiben bei Knaben beunruhigte die Familienangehörigen, die ibu am Sonntag bei seinen Freunden unb den Orten, wo er sich sonst aufzuhalten pflegte, zu suchen begannen. Da -"lle Nachsorschungen umsonst waren, begab sich der Vater -.-uf die Polizei, wo er die Leiche seines Sohnes ersannst Bei Mussolini sind zahlreiche Glückwünsche, darunter auch einer der Königsfamilie unb des deutschen Botschafters, anläßlich der Errettung aus Todesgefahr eingegangen.

wtb. Bologna, 2. Nov. (eigene Funkmeldung.) Die Prä­fektur teilte weitere Einzelheiten über den Serüber des An­schlags aus Mussolini mit. Der Täter Anteo Zamboni ist un- er 16 Jahre alt. Sein Vater ist Buchdrucker und wohnt in gna. Anteo, der seit längerem einer saschistischen Jugend- Organisation ««gehörte, war in der letzten Zeit dieser Orga­nisation fern geblieben. Sein Vater war früher Anarchist gewesen; seit mehreren Jahren aber entwickelte er anscheinend keine umstürzlerische Tätigkeit mehr. Die eingeleitete Unter­suchung soll eventuelle weitere Zusammenhänge ausdecken.

Ein Telegramm Mussolinis an Arpinati.

Forli. Mussolini faniw an den Abgeordneten Arpinali, Führer der Faschisten Bolognas, ein Telegramm, in dem er u. a sagte: Der bolognc gebe Faschismus Hal sich auf der Höbc seiner ruhmreichen Überlieferung gezeigt. Ich werde mentale den Anblick vergessen tönnen, der sich mir dort bot. Niemals gab es in der italienischen Geschichie eine vollständigere Über­einstimmung zwischen Volk unb Regime. Ter verbrecherische Zwischcnjall tu der letzten Minute hat den Glanz dieses Wiin- berbaren Tages nicht verdunkelt. Ich will ein Wort von abso­luter Gewißheit ben Kameraden ganz Italiens zirrusen: »Nichts taun .mir gefchchcn, bevor ich nicht meine Ausgabe erfüllt babc."

Der Papst an Mussolini.

Rom. Der Papst hat sofort, nachdem er die Nachricht von dem Anschlag auf Mussolini erhalten hatte, diesem sein Be­dauern über das Attentat und feine Glückwünsche für die Er­rettung aus der Gefahr übermitteln lassen.

Das neue FaschistenaHzeichen

In ganz Italien ist der Tag der vierten Wiederkehr des siegreichen Marsches der Faschisten auf Rom und damit der Einführung des faschisti­schen Regiments feierlich begangen worden. In zahlreichen Reden hat Mussolini die Verdienste des Faschis­mus um Italien gefeiert und bei der dieser Tage stattgesundenen Ein­weihung einer Eisenbahn von Reggio Emilia nach dem Po be­tonte der Duce besonders, daß das faschistische Regime dank seiner greif­baren Leistungen in die Geschichte übergehen werde. Die Faschisten haben sich am vierten Gedenktage ihrer Revolution ein neues Abzeichen zugelegt, das das altrömische Lik- wrenbttndcl (ein Rutenbündel mit nem Beil) darstellt, an dessen Außen­seite das Bildnis ihres Führers Mus- solini der Außenwelt gezeigt wird.

LaudiagSisa-len in SMen.

Ruhiger Verlauf der Wahl.

In Sachsen haben am Sonntag die Neuwahlen zum Landtag stattgefunden, die im großen und ganzen ruhig verlaufen sind. Nach dem von der Sächsischen Staats- kanzlei ermittelten amtlichen Wahlergebnis wurden im ganzen 2 357 699 gültige Stimmen abgegeben. Von den einzelnen Parteien haben erhalten die Alte Sozialdemoi kratische Partei Sachsens 98 026, Tcutfchnaüonalc 341 065, Deutsche Volkspartei 292 079, Sozialdemokratische Partei 758 142, Kommunisten 342112, Demokraten 111 351, Wirt­schaftspartei 237 462, Völkischfozia'e Arbeitsgemeinschaft 10 382, Zentrum 24 059, Nationalsozialistische Arbeiter­partei (Hitler) 37 736, Neichspartei für Volksrecki und Aufwertung 98 258. Reichsverband der Haus- und Gruud- besitzervereine 7027 Stimmen.

Die Mandate verteilen sich wie folgt: Alte Soziali- stische Partei Sachsens 4, Tcutschnaüonalc 11. Deutsche Volkspartei 12, S. P. D. 31, Kommunisten 14, Demo­kraten 5, Wirtschaftspakt» 10, Na wmrüWzmlm-sHe.Ar­beiterpartei 2, BufwertungSpartri 4. Im bi Zcrgzen Landtag, der 1922 gewählt wurde, waren d e Parieren folgendermaßen vertreten: 19 £eu!;d nationale. 1 Deutsche Volksparteiicr. 8 Drmokraien, 47 Lo.zmldrmo- kraten und 10 Kommunisten. Schllâmc-krairn und Kommunisten hatten also eine Stimme über die c.-w^ Mehrheit, die bei 96 Stimmen 49 beträgt

Auch bei der letzten Wahl haben die p- e wiw :n Parteien mit zusammen 49 Stimmen den bürgerlichen Parteien gegenüber, die 47 Stimmen erhielt 'n, die w olute Mehrheit erhalten. Es ist aber sehr fraglich, ob bieie Mehrheit praktisch in (zrfdxinuna treten wird, da -ich nicht