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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 255 1926

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal-Zulöaer Kreisblatt

Redaktion und Gefthästsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-flnschluß Nr.---

Nachdruck der mit »ersrhenra Artikel nur mit d^tütnongabt »Zuldatt fing tiger'grftefttL

Fulda, Donnerstag, 4. November

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3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

^ Der Reichsminister des Innern Hai die Arbeiten zur Wahl- gcsctzrcsorm abgeschlossen und den Gcsctzcnlwurs dem Rcichs- kabinett zur Beschlußfassung zugeleiict.

* Tcr Deutsche Rcichslag hat seine Sitzungen wieder ausge­nommen. Ebenso trat der Preußische Landtag zusammen.

* In Hildesheim begann der Prozeß gegen die Eisenbahn- attentäter von Leiferde.

* An der französisch-italienischen Grenze kam cs mehrfach zu faschistischen Angriffen auf französische Beamte infolge des Attentats auf Mussolini.

Italien im Fieber.

Man hat immer geglaubt, daß die Energie, mit der der Faschismus sich gegen seine inneritalienischen Geg­ner wandte, kaum noch zu überbieten wäre. Das Parla­ment hat man durch Wahlrechtsanordnungen zu einem bedingungslos gehorchenden Instrument gemacht; Vie gegnerischen Parteien sind zerschmettert und zahllos sind die Gesetze, die jeden Andersdenkenden wirtschaftlich zu vernichten die beste Handhabe abgeben. Diese Diktatur, hinter der nach den amtlichen Angaben und auch nach dem äußeren Anschein die Mehrheit des Volkes stehen soll, übersteigert sich aber immer weiter und selbst jenen, die den Faschismus begrüßt haben und ihn grundsätzlich billigen, steigen nun doch allmählich Bedenken auf. Der Faschismus setzt sich gleich mit dem Staat; wer gegen den Faschismus ist, ist gegen den Staat. Unter solcher Begründung hat man in letzter Zeit den Italienern, die sich antifaschistisch einstellten, ins Ausland flohen aus Besorgnis vor gewalttätiger Behandlung und dort ihre Propaganda fortsetzen, das Staatsbürgerrecht aberkannt, weil nämlich Faschismus und Staat dasselbe sei. Höher rast jetzt der See und will mehr Opfer, nachdem wieder ein Attentat auf Mussolini scheiterte wobei übrigens nicht verschwiegen werden darf, daß in die Tatsächlichkeit des Attentats einige Zweifel gesetzt werden. Sofort wurden sämtliche Oppositionsblätter in Rom ganz ver-

VK Won, obwohl sie an sich schon überaus zahm sind. Anti­faschistisch gesinnte Professoren in Padua werden zum Rücktritt gezwungen; man predigt die Lynchjustiz und die Zahl der Verhaftungen geht in die Tausende. Gewalt- taten gegen unschuldige Andersdenkende häufen sich. Mit besonderer Wut aber wendet man sich gegen die Fran­zosen.

Die Liebe zu der lateinischen Schwester jenseits der Alpen ist in dem faschistischen Italien nie groß gewesen und dies Verhältnis hat sich weiter zugespitzt, als sich die iandflüchtigen Faschistengegner nach Frankreich wandten und von hier aus einen sich nur literarisch betätigenden Widerstand gegen den Faschismus erhoben. In Italien behauptete man anläßlich des vorletzten Attentats, daß in Frankreich die Mordpläne gegen Mussolini ersonnen und vorbereitet würden. Das hat zu recht scharfen Ausein­andersetzungen zwischen den beiden Regierungen geführt, weil Frankreich sich weigerte, gegen die Flüchtlinge vor- zugehen, solange nicht der Beweis für die italienischen Be­hauptungen erbracht sei. Es war bezeichnend, daß das Gerücht in einer Zusammenkunft zwischen Mussolini und Briand sehr bald eifrigst bestritten wurde. Nun hat der italienisch-französische Gegensatz zu schweren Zwischenfällen aus der italienischen Bahnstation Venti­miglia geführt, wo die Menge nicht bloß gegen fran­zösische Eisenbahubeamte vorging, sondern in das fran­zösische Konsulat eindrang. Ein besonderer Fanatiker hielt dann vom Balkon herunter eine wenig franzosenfreundliche Rede. Auch die französischen Zoll­beamten fühlen sich schwer bedroht und sogar in dem fran­zösischen Nizza ist es zu schweren Prügeleien zwischen Franzosen und Italienern gekommen.

Also ein diplomatischer Zwischenfall, der ein amt- liches Einschreiten des französischen Botschafters bei der italienischen Regierung im Gefolge haben muß. Maß­loser denn je ist die Sprache der faschistischen Zeitungen gegen Frankreich. Aber alles ist nur ein Ausdruck dafür, daß die Slluft zwischen Italien und Frankreich sich immer mehr verbreitert; auch politisch hat sich ja Italien von Frankreich abgewandt, hat engsten Anschluß an jene Mächte gesucht und gefunden, die sich als Gegner der französischen Vorherrschaft im Mittelmeer gezeigt haben. Mit England ist man befreundet, mit Spanien ist man eng verbündet und die Angriffspläne gegen die ü r k e i hat man noch längst nicht aufgegeben. Dem Frieden der Welt ist diese Einstellung wirklich nicht forderlich.

Wir in Deutschland können daran nicht vorbeisehen. Nicht etwa, daß wir uns für die eine oder die andere '^eite entscheiden; denn mit beiden Seiten haben wir Neibungspuukte genug. Mit beiden Seiten verbinden uns auch Beziehungen, die mir nicht aufgeben wollen, sind in der glücklichen Lage, vorläufig Beobachter "'tlben $1 können

Das Attentat auf Mussolini.

. Paris. Eine ganz neue Darstellung des Herganges bci wn Attentat ans Mussolini gib! derParis Midi", wonach ^cr Attentäter gegen Mussolini. Der junge Zamboni, nickn am den Duce geschoßen habc und irrtümlicherweise der sürchter- LScn Erregung seiner Umgebung zum Opfer gefallen wäre, ^cr Attentäter habe, als das Automobil des Präsidenten an ihnen vorbeigesahren sei, neben ihm gestanden Dm nnbefaimte Anarchist habe einen Schuß tu der Richtung des Präsiden,cn- auios abgegeben, der wohl sein Ziel verfehlte, aber den jungen Zamboni derart entsetzt habe, daß dicscr zu flüchten versucht». An der Verwirrung des Augenblicks habe man durch diese Geste des Entsetzens tu Zamboni den Attentäter vermutet. Während Zamboni geluncht würbe, habe sich der wirkliche Ver­brecher in aller Seelenruhe aus dein Staube gemacht und im

Parlamentsbeginn.

Deutscher Reichstag.

Nach fünfmonatiger Pause ist jetzt der Reichstag wieder zusammengetreten, um die Winterarbeit zu be­ginnen. Die erste Sitzung brachte noch keinen besonderen Anlaß zu größeren Auseinandersetzungen, verlief viel­mehr ziemlich kurz und sachlich. Doch dürfte schon in den nächsten Tagen erhöhte Lebhaftigkeit einsetzen, überaus wichtiger politischer Stoff harrt der Erledigung. Die E r - werbslosenfrage steht im Vordergründe, das Wahlreformgesetz kommt und vor allen Dingen soll in der nächsten Woche die A u ß e n p 0 l i t i k der Betrachtung unterzogen werden. Daran reihen sich viele andere Not­wendigkeiten, so daß man sich auf starke Anspannung ge­faßt machen darf.

Sitzungsbericht.

(225. Sitzung.) CB. Berlin, 3. November.

Präsident Löbe eröffnete die erste Sitzung nach den Ferien Mit dem Nachruf für die während der Ferien verstorbenen Abgg. Richard Fischer <Soz.), Gras von M e e r v e l d t (Dtn.) und Robert Dißmann lSoz.j. Der Präsident teilte weiter mit, daß Abg. Dr. Bell (Zir.) wegen seiner Ernen­nung zum Ncichsjuftizminister das Anu des Vizercichstags- präsidenten niedergeleg, hat

Vor (Eintritt in die Tagesordnung beantragte Abg. Stöcker (Komm.), die kommunistischen Anträge und Inter­pellationen zur Frage der Fürstenabfindung auf die Tages­ordnung zu setzen. Der Antrag scheiterte jedoch an dem Widerspruch der Recluen. Ohne . c.che wurden dann der deutsch-niederländische und oer dculsch-dämsche Schieds­gerichts- und Verglcichsvcrlrag. der deutsch-polnische Vertrag zur Regelung der Grenzverhäl. Nisse, das Abkommen über den gegenseitigen Eisenbahnverkehr zwischen Dcuischlanb einer­seits, Polen und der Freien Stabt Danzig andererseits und schließlich das deutsch-französische und vas dcuisch-bclgische Luftverkehrsabkomlnen dem ilnswârtigen Ausschuß über­wiesen. Die Novelle zur Gewerbeordnung und zu Den Gewichtsvorschristcu in Brolbäckcic-cn wurden oebaitelos dem Ausschuß überwiesen. Der Gclctzculwi'-i über die Sammlung des Reichsrcchis ging an den RccbiSausschuß.

Daraus vertagte sich das Haus aus Donnerstag, um die Wahl des Vizepräsidenten vorzunchmen und kleinere Vorlagen zu beraten. Ein sozialdemokratischer und kommu­nistischer Antrag, die Er werbslosenfrage morgen mit- zubcraicn, und ein kommunistischer Antrag, die Fürstenab­findung auf die Tagesordnung zu setzen, wurden abgelehnt.

preußischer Landtag.

(212. Sitzung.) tt. Berlin, 3. November.

Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Grube lKommü, den Antrag seiner Partei betr. Aussetzung der Ver­kündung des Hohenzollern-Abfindungsgesetzes heute zu be­raten. Da Dem Antrag widersprochen wird, ist er erledigt. Aus der Tagesordnung steht die Beratung über die

Telegraphenbureau an seine Frau die Depesche:Ich bin gt fund und unverletzt" ausgegcbeu, welche die Ausmciksamkcil der Polizei auf ihn lenkte. Die Verhaftung der Mitglieder der Familie Zambonis sei vollkommen unbegründet gewesen, da keines derselben einer antifaschistischen Gesinnung beschuldigt werden könne.

NemvttatisKe Wahlersoige in Amerika.

Siege d e r P r 0 h i b i 1 i 0 n sg e g n er.

Unter außerordentlich starker Beteiligung haben in Amerika Ersatzwahlen zum amerikanischen Kongreß statt­gefunden. Nach den bisherigen Meldungen haben die Demokraten einen einwandfreien Sieg er­rungen. Man rechnet damit, daß sie sicher die Mehrheit im Senat, wahrscheinlich auch im Repräsentantenhaus er­halten haben, die bisher die Republikaner inne hatten. Von besonderer Bedeutung bei den Wahlen ist der Sieg des bisherigen Gouverneurs von Newyork, Smith, über den republikanischen Gegenkandidaten. Smith gilt damit als anssichtsreicher Präsidentschaftskandidat für die im Jahre 1928 in Amerika stattfindenden Präsidentenwahlen.

Neben den Wahlen zum Kongreß fand in acht Staaten eine Volksabstimmung über d i c Prohibi­tion statt. In allen Staaten haben die Gegner der Trockenlegung einen außerordentlichen Sieg errungen. Im Staate Newvork wurden für Abänderung des Pro­hibitionsgesetzes über eine Million Stimmen abgegeben. Diese Abstimmungen haben zunächst allerdings keine prak­tische Bedeutung, da die Prohibition in der Verfassung verankert ist; immerhin beweisen sic mit aller Klarheit, daß die Beivegilng gegen die Trockenlcaung Llmcrikas außerordentlich angcwachsen ist.

Die Schuld am Weltkriege.

London. Bci einem von ber Völkerbundvercinigung ge» gebenen Essen hielt Sir Edward Gren, der bei Ausbruch ocs Weltkrieges Slaatssckrclär des Äußern roar, eine sehr bedeut­same Rede. Gren vertrat ben Standpunkt, daß Gee Propa- oanda, die Schuld am Kriege auf irgendeine einzelne Nation zu schieben, den wirklichen Ursprung und die Ursache »cs Krieges nicht enthülle, sondern verhülle. Der krieg fetburA Umstände bedingt gewesen, die Generationen Hliwurch au-- mählich in Europa entftanbeu feien, nämlich die Tc Hu 11 g Europa s in Mächtegruppen, die alle wcltrusteien. Wenn dieser Zustand roicberfeftrte, so würden die Folgen wieder dieselben sein. Zunächst fei cs die Hauptaufgabe dcs Völkerbundes, die Neubildung von cwzelncn und einander entgcaèngesetzten Gruppen unter den europäischen Nationen

Typhuöepzdemie in Hannövrr.

SS liegen dazu Große Anfragen der Sozialdemokraten, der JentfchnationalcH und des Zentrums vor, in denen um Aus- hmft ersucht wird, ab das Siaalsmimstcrium bereit ist, die Ursache der Epidemie restlos zu klären nun die Wasserver­sorgung der Stadt dauernd zu kontrollieren. Ein louimuiiisti- icher Antrag verlang! Die Amtsenthebung der Der Fahrlässig­en überführten Scannen und Stellung unter Anklage. Die »urch Die Epidemie Geschädigten bzw Hinterbliebenen sollen nttfehäbigt werden. In Verbindung Damit wird ein Urantrag des Zentrums über Die Reinigung Der Wupper und eine Große Anfrage ber Deutschen Volkspartci bzgl. der Wasser- »crsorguilgs- und Abwässerbescitigungsverhältnisse in Bcc- ii y beraten

Abg. Müller-Hannover (Soy) erflärt, in Hannover hätten 116 Personen durch Die Epidemie ihr Leben eingebüßt. Dort ici zur Bekämpsung des Tnphns viel versäumt worden. Der Redner greift das Verhalten einiger Hannoverscher Tages- âlätier scharf an.

Abg. Quât-Faslcm (Din ) fordert zunächst, daß die In- sctlionsglielle genau sestgestelli werde.

Abg. Blank (Ztr.) begründet Die Große Anfrage des Zentrums. Allen. Die geholfen haben, Die Epidemie zu be- .'ämpfen, müssen wir unseren Dank anssprcchen. Die Gefahr Der Ansteckung ist ia auf ein normales Verhältnis zurückge- sührl. Der Redner verlangt scharfe Untersuchung Der Schuld- fragc und kritisiert Die geringe Hilslsbcrcilschaft in Hannover für Die Betroffenen.

Abg. BartclS «Komm.) begründet Den Antrag feiner Partei. Er sieht Die Ursache Der Krankheit in der Unter­ernährung eines großen Teiles der Bevölkerung in Hannover.

Minister für Bolkswohlsahri Hirtsicser

spricht die Teilnahme Der StaatSrcgicrung für Die von ber Epidemie Betroffenen aus. Der Minister erklärt sich bereit, nicht nur Die zur Verfügung stehenden Mittel zu verwenden. ioubeiH auch mit bCTTi |5iM(in5iniiiiftcr 1 ^ tn ^5etynuMwßtßcii rinzutreten, wie weiter gesorgt werden soll. Der sofort ein­gesetzte Gnwctuerausschuß sei, soweit Die vom ^iaate eilige« letzwn Mitglieder in Frage kommen. Der Angchl. Daß mit größter WahrschcinlichkeU eine Wasserepidemle horUegl. Diesem Gutachten haben sich auch Drei Der von Dem städtischen Ausschuß eingesetzten Guiachier aiigeschlossen. Die Vorgänge in Hannover, faat Der Minister, haben mich veranlaßt, eine sofortige Nachprüfung aller größeren Wassergcwimilingsan- lagen in Preußen anzuordncn. In Den nächsten Soeben ich habe beim Finanzminister Einstellung weiterer Kralle be­antragt findet Diese Nachprüfung statt. -

Ministerialdircklor Dr. Krohne gibt einen genauen Be­richt über Den Verlaus Der Epidemie. Er kommt zu dem Schluß, daß Die Hannoversche Epidemie mit größter Wahr­scheinlichkeit aus die Wasserleitung zurückzusührcn ist.

Abg. Held (D. Vp.) begründet Die Große Anfrage seiner Partei über die Wasserversorgung von Beelitz.

Abg. Dr. Quaadi (Dw.) spricht allen Denen Dank aus, die sich um die Bekämpfung Der Epidemie verdient gemacht haben.

Nunmehr wird die Seiterberatung auf morgen, Donners­tag, vertagt.

zu verhindern, und ein großer Forischriti sei in dieser Hinsicht durch Den Eintritt Deutschlands in Den Völkerbund erzielt Worben. Ein weiterer wünschenswerter Schritt sei Der, daß Rußland, wenn es zu normalen Zuständen komme, ebenfalls .n den Völkerbund eintreten möchte. Wenn Völker ihre Rnstuugcn verstärkten und Den Völkerbundpakt brachen, so würden sic Die gante Welt gegen sich haben. Der Locarnopakt habe eines der gefährlichsten Hindernisse des Friedens, näm­lich die Rivalitäl zwischen Frankreich und Deutschland, entfernt.

DruMands Ssreben ra$ Kolonien

Newyork. In einemKolonien für Deutschland" über­schriebenen Leitartikel DerWorld" wird Deutschlands Wunsch nach Wiedererlangung einiger Kolonien als leicht verständlich bezeichnet. Der Versailler Vertrag habe Deutschland, das am stärksten industrialisierte Land ber Well, feiner kolomalcn Vor­teile beraubt. Die Nachrichten über von Dculjchcn begangene koloniale Greuel seien zumeist Kriegspropaganda gewesen; jedensalls sprächen die deutschen kolonialen Leistungen zu- gunsicn Deutschlands, wenn man sie mit denen Belgiens int Kongogcbict. Frankreichs in Swicn und Spaniens in Marokko vergleiche. Tas europäische Kolonialspstcm werde nicht uc' ' bessert durch Zuteilung der Kolonien cincs Landes an andere Oänber. Ein dauernder Ausschluß Deutschlands könnte den gegenwärtigen Zustand nur verschlimmern. Eine Änderung des Versailler Vertrages fei schwierig, aber die Staatsmänner, die jetzt den Frieden Europas zu festigen suchten, sollten vor einer solchen Aufgabe nicht znrnckschrcckcn.

politische Rundschau.

Deutsches IKeich.

Steuermilderungen für die Landwirtschaft gefordert.

Der Reichslandbund hat an den Rcichsfinanzministcr und an den preußischen Finanzministcr eine Eingabe ge­richtet, in der feftgefteüt wird, daß ihrer im Juli gegebe­nen Anregung, die Landwirtschaft durch eine großzügige Steuer- und Wcchselamortisatioii zu entlasten, nicht ent­sprochen worden ist, so daß im November hohe Wcchsel- rückzahlungen mit einer großen Reihe hoher Steuer­zahlungen (hauptsächlich eine Halbzahr2rate der Rclchs- vermöaenssteuer, Einkommeusteuervoraiiszahlungen und LandessteucW) zusammenfallen. Diesen Verpflichtungen wird der größte Teil der Landwirtschaft nicht Nachkomme^ können ^er Reichslandbund richtet daher an die Finanz- minister die dringende Bitte, falls diese Anregungen nicht bis zum 15. November verwirklicht werden können, eine Eutlastuna der Landwirtschaft zunächst durch linëloie