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Nr. 266 1926

Fulda, Donnerstag, 18. November

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* In der gestrigen Sitzung des englischen Oberhauses er­klärte Lord Cecil im Namen der Regierung, Deutschland habe seine vertraglichen Verpflichtungen zur Entwaffnung bis auf 3 oder 4 Fragen, die hoffentlich in angemessener Zeit erledigt werden, erfüllt.

* In Seitenberg in Schlesien sind wahrscheinlich infolge eines verseuchten Trinkbrunnens neue Typhuserkrankungen aufgetreten, von denen bisher eine tätlich verlief.

* Im Norden Berlins wurden mehrere von einer Versamm­lung kommenden Nationalsozialisten von etwa 50 Kommunisten überfallen und mißhandelt.

* Gestern fuhr in Erfurt ein Motorradfahrer in eine 30 Mann starke Kolonne der Turnerschaft, wobei er lebensgefähr­lich verletzt wurde. Außerdem wurden 4 Turner verletzt.

* In Lyon ist gestern ein neuer allgemeiner Verband revolu­tionärer gewerkschaftlicher Arbeiter gegründet worden, der sich aber jeder politischen Aktion enthalten und nur durch den Generalstreik zur sozialen Revolution gelangen will.

* Der englische Innenminister hofft, daß der Kohlenstreik in 48 Stunden beendet sein wird.

Der asiatische Block.

Wieder einmal ist die Welt durch einen diplomatischen Achachzug Sowjetrußlands überrascht worden, nachdem diese Diplomatie der Welt schon öfter derartige ftberraschungen bereitet hatte. Gewiß hat die Moskauer Regierung ihre Pläne einer Weltrevolutionierung prak­tisch längst zurückgestellt, ist vielmehr bestrebt, mit den Kapitalistischen" Regierungen Europas in erträgliche Beziehungen zu gelangen. Freilich mit recht geringem Erfolg, obwohl sich der russische Außenpolitiker Tschi­tscherin dabei die allergrößte Mühe gibt. Auf dem Balkan ist er nicht vorwärtsgekommen, weil sich Rumänien da- ftvischenschiebt, dem Rußland die Aneignung Beßarabiens nicht verzeihen kann. Die Ansätze eines engeren Vcr- üöltMes mit Polen haben sich schon wieder abgekühlt und von Frankreich trennt das Rußland von heute immer noch die Frage der Tilgung der alten Verpflichtungen aus der Vorkriegszeit.

Nun kommt diese Zusammenkunst mit dem türkischen Außenminister in Odessa, kommen sichere Nachrichten, oaß auch die beiden anderen vorderasiatischen Staaten, Persien und Afghani st an, unterrichtet waren über diese Zusammenkunft und den Inhalt der Be­sprechungen. Wenn sich wirklich um die Sowjetrepublik, die Türkei, Persien und Afghanistan ein engeres Band schlingen sollte, so wird wohl auch der tatsächliche Herr­scher Arabiens, Scheich Ibn Saud, nicht mehr lange draußen bleiben, sondern sich diesem Block anschlietzen, Der rein machtpolitisch ist, mit bolschewistischen Ideen aber wenig zu tun hat.

Gerade, daß Moskau versuchte, diese Ideen in das Reich des türkischen Machthabers Kemal Pascha hinein­zubringen, hat die Ursache für eine zeitweise Trübung Der beiderseitigen Beziehungen abgegeben. Außerdem ivar es ja für die wirtschaftspolitischen Absichten der Türkei etwas stark kompromittierend, in allzu enger Ver­bindung mit dem kommunistischen Rußland zu stehen: Die Anleihepläne konnten darunter leiden. Politische Entwicklungen der neuesten Zeit, namentlich gewisse italienische Hoffnungen und Wünsche auf Teile Klem- asiens was ja schon zu militärischen Gegenrüstungen Der Türkei führte zwangen Kemal Pascha dazu, Um­schau nach neuen Freunden zu halten, da die alten ver­sagten. Frankreich wird sich über platonische Liebeser­klärungen hinaus nicht weiter bemühen.

Alle Länder, die Türkei, Persien, Afghanistan und Arabien, haben einen gemeinsamen Gegner: England. Dieses Land steht vor den Toren des afghanischen Kabuls, steht als Gegner in Südpersien, hat im Irak festen Fuß gefaßt, wendet sich in Arabien gegen den Wahabitenfürsten und wird daher von allen diesen Ländern als der eigent­liche Feind betrachtet. Wenn sich jetzt vor den Toren Indiens, vor dein vorderasiatischen Glacis dieser Festung", ein derartiger Block von Moskau bis Teheran, von Angora bis nach Kabul bildet, zu dem dann Jnner- arabien in engen Beziehungen steht, so bedeutet das für England eine unmittelbare Gefahr. Und man wird in London die Kunde von der Besprechung in Odessa mit sehr ernsten Gesichtern ausgenommen haben.

Die Gegenaktion hat nur eine Linie, wo sie einsetzen kann: das ist die Weichsel. Von Westen, von Mar­sch a u her einen Druck auf Sowjetrußland auszuüben, die Nandstaaten mit Polen enger zu verknüpfen, dann das Band nach Südosten durch Rumänien zu vervollständigen, bis es mit Griechenland endigt und im Hintergrund Italien als Reserve steht. Dann ist dem vorderasiatischen Block ein Wall entgegengebaut, der stark genug sein kann, Englands Interessen zu schützen. Eine Zeitlang war England an Polens Schicksal ziemlich uninteressiert, das könnte jetzt anders werden. Polens Widerstand gegen Deutschlands Wünsche lvird damit eine neue Stär­kung erfahren: die Weichsellinie unter englischer Garantie bedeutet eine Hinausschiebung deutscher Grenzäuderungs- vorschläge. über ein kühl-höfliches Verhältnis zu Ruß­land sind wir trotz der Verträge von Rapallo und Berlin nicht hmausgekommen, sind wahrfcheinlich enger dem Westen als dem Osten verbunden. So muß abgewartet werden, welche Bedeutung die Zusammenkunft von Odessa für Deutschland gewinnen lvird.

Weliwirischastskonserenz im Mai?

Die Arbeiten der Vorbereitungskommission.

In Genfer politischen Kreisen rechnet man damit, daß die Weltwirtschaftskonserenz im Mai zusammen treten kann. Auf jeden Fall wird die vorbereitende Kom mission bis Ende dieser Woche ein Programm für die Konferenz ausftellen.

Die drei Unterkomitees, das für industrielle Pro­duktion und das für Handel, sowie der schweizerische Fi­nanzmann Leopold Dubois (Basel) als Finanzsachver­ständiger und der Amerikaner Gilbert als landwirtschaft­licher Sachverständiger haben der Vollkommission über ihre bisherigen Arbeiten Bericht erstattet. Es ergab sich daraus, daß man in den Finanzfragen und den indu­striellen Fragen bereits von einem gewissen Abschluß reden kann, während man in den Handelsfragen und den landwirtschaftlichen Problemen noch nicht so lveit gediehen ist.

Die Aussichten der Reichsbahn.

Eine Rede Dr. Dorpmüllers.

Der neue Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorp­müller, machte auf einem Empfangsabend program­matische Ausführungen über die Politik und die wirt­schaftlichen Aussichten der Reichsbahn. Die Neugestaltung »es R o r m a l g ü t e r t a r i f s, die eine größere Beweg­lichkeit für die Eingruppierung der einzelnen Güter und eine gewisse Entlastung der Wirtschaft bringen soll, ist soweit fertiggestellt, daß der Entwurf noch in diesem Monat an die ständige Tarifkommission und an den Ausschuß für Verkehrsinteressenten gelangt. In jedem Falle, erklärte der Reichsbahngeneraldirektor, werde er bemüht sein, den Wünschen der Wirtschaft entgegenzu- kommen. Sehr eingehend ließ er sich dann über die Finanzlage der Reichsbahn aus. Der englische Kohlen­streik habe der Reichsbahn M c h r e i » n a h m en in H L h eiv o n etwa 100 M illione n gebracht. Dennoch warnte Dorpmüller vor finanziellem Optimismus. Die Lasten der Reichsbahn, die sich aus Zinszahlungen für die Obligationen, aus Rückständen für die Ausgleichsrück­lage, aus der Dividende für die dem Reich übergebenen Vorzugsaktien ergeben, betragen im laufenden Jahre etwa 685 Mill., im nächsten 710 Mill, und im übernächsten 780 Millionen Mark. Hierzu kommt noch die V e r k e h r s- steuer in Höhe von 250 biö 290 Millionen. überdies sind die Ruhegehälter gegen die Vorkriegszeit von 114 auf 409 Millionen gestiegen. Auch sonst hat aber die Reichsbahn wesentlich höhere Ausgaben zu tragen, so für Kohle, für die 50 bis 60 % urehr aufzuwenden sind als vor dem Kriege.

Dr. Dorpmüller dankte dem Person al für die aufopfernde Arbeit und betonte hierbei, daß keine Über- bürdung der Beamten eintreten dürfe. Von einer Ge­fährdung der Betriebssicherheit könne keine Rede sein. Dr. Dorpmüller wies hierbei auf die von der Reichsbahn ungeordnete erhöhte Sicherheitsüberwacbuna hin. Der Generaldirektor wandte sich dann energisch g e g e n d e n Bau von Kanälen, da die Eisenbahn Den Verkehr mit den vorhandenen Eisenbahnanlagen ebenso billig und wirtschaftlich bewältigen könne.

Wie sehr Die Reichsbahn die Wirtschaft be­fruchte, zeigten ihre jährlichen Aufträge: etwa 35 Mil­lionen für Bettungsstoffe, über 40 Millionen für Holz- schwellen, 50 Millionen für Ausstattungsgegenstänve, Druck-, Schreib- und Zeichenwaren, 100 Millionen für Fahrzeuge, 160 Millionen für eiserne Oberbaustoffe, 260 Millionen für Kohle, 250 Millionen für Werkstoffe und Ersakstücke, also Aufträge von rund einer Milliarde ohne die Bauten unb ohne weitere 150 Millionen, die künftig zur Ergänzung der Wagen und Lokomotiven notwendig sind.

Aus allen diesen Gründen müsse der Reichsbahn- generaldirektor Gewicht darauf legen, daß die Einnahme- quellen nicht verstopft werden. Für das Jahr 1927 hofft er durch weisen Sparsinn auf einen annehmbaren Ab­schluß. Darüber hinaus etwas zu sagen, fei nicht möglich. Die Deutsche Reichsbahn sei eben mit der deutschen Wirt­schaft auf Gedeih u nd Verderb verbunden.

Ende des englischen VergardeiiesitteNs.

R ü ck k e h r â u r Arbeit.

Wie der amtliche britische Funkdienst meldet, lassen bereits die bisher abgegebenen Stimmen in de» Berg- werksbezirlen keinen Zweifel mehr darüber zu, daß der Kphlenftreik Ende dieser Woche mit der Annahme des von der Regierung zur Regelung der Frage vorgeschla- genen Planes sein Ende finden wird. Dies komutt auch dadurch zum Ausdruck, daß schon jetzt eine außer­gewöhnlich große Zahl von Streikenden zur Arbeit zu­rückkehrt. In der vergangenen Woche wurden nahezu 1,5 Millionen Tonnen Kohle gefördert.

Im Unterhaus legte der Unterstaatssekretar im Ge­sundheitsministerium, Kingsleywood, einen Ergänzungs­kredit von 3 250 000 Pfund für außerordentliche Anleihen der Gemeindebehörden vor, die teilweise sich infolge der Dauer des Bergarbeiterstreiks in recht bedrängter finanzieller Lage befinden. In der Begründung führte der Unterstaatssekretär noch aus, am 13. August, einem Zeitpunkt, wo das durch den Streik verursachte Elend am größten gewesen sei, hätten 2 2,3 985 ^erfonen Geldunterstützungen erhalten. Zurzeit betrage die Zahl der Unterstützungsempfänger 2 038 606 Personen, jedpch

sei nach Mitteilungen der Gesundheitsbehörden der Ee- sundheits- und Ernährungszustand der Bergarbeiter- kinder besser als in der Zeit, wo die Väter noch arbeiteten.

Reichslandbund und Giaat.

Eine Rede des Ab g. Hepp. '

Im Rahmen einer Versammlung des Landbundes des Regierungsbezirks Magdeburg sprach der Präsident des Reichslandbundes, Abg. Hepp, über das ThemaDer Reichslandbund im Kampf um die Rechte und die Existenz des deutschen Landvolkes". Er beleuchtete eingehend die Stellung des Reichslandbundes zum gegenwärtigen Staat, forderte Entpolitisierung des Parteistaates und verlangte u. a. im Interesse der Landwirtschaft und des gesamten Volkes eine vernünftige Zoll- und Handelspolitik. Er schloß seine Ausführungen:Unsere Parole hat zu lauten: Hinein in den Staat! Die Landwirtschaft kann sich nicht mehr außerhalb des staatlichen Machtbereichs bewegen. Sie hat als bedeutendster Berufsstand und Wirtschaftssaktor, aber auch als größte Masse national- denkender deutscher Menschen ein Recht, verantwortlich an der Macht des Staates beteiligt zu sein."

politische Rundschau

Deutsches Neick

Öffentliche Hand und selbständige Gewerbetreibende.

Bei der Kundgebung aller Wirtschaftsverbände, die am 10. November in der Berliner Singakademie unter großer Beteiligung namentlich auch des Handwerks und des Einzelhandels, des Bauernstandes und des Haus­besitzes sowie anderer mittelstündischer Gruppen gegen die sogenannte kalte Sozialisierung stattsand, wurde von einem Redner ein Wort geprägt, das starken Beifall fand: Der Kampf des freien selbständigen Unternehmers gegen die Bedrohung seiner Existenz durch Wettbewerbsunter- nehmungen von Staat und Gemeinden ist bei weitem wichtiger als alle Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern." Der Vorsitzende des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks, Klempnermeister D e r l i e n, richtete in der gleichen Versammlung an alle wirtschaft­lichen Berufskreise folgenden Appell:Wer die Eingriffe der öffentlichen Hand in die private Wirtschaft nicht billigt, der darf auch die öffentlichen Betriebe nicht un­nötig in Anspruch nehmen und ihnen seine Kundschaft zuführen."

Ernste Finanzlage Badens.

Der badische Finanzminister Dr. Köhler bezeichnete die badische Finanzlage als sehr ernst. Nur wenn man im provisorischen Finanzausgleich Baden entgegenkomme, fei zu hoffen, daß die Budgetperiode ohne Fehlbetrag ab­geschlossen werden könne. Der Minister bekannte sich zu einem gesunden Föderalismus und betonte zur Frage des Finanzausgleichs: Wir brauchen baldigst eine klare Verteilung der Zuständigkeiten und Aufgaben des Reiches, der Länder und der Gemeinden und danach auch eine entsprechende Verteilung der Steuerquellen. Wir brauchen Klarheit auch in staatspolitischer Beziehung: einheitsstaatliches oder bundesstaatliches System. Der Weg zu dieser Klarheit kann aber nur über die Weimarer Verfassung führen. Wenn man den Ein­heitsstaat auch in der Regierung erstrebt, dann möge man m i 1 o f f en e n K a r te n s p i e len. Der Minister schloß: Das Land Baden hat nie zu den Reichsverdrossenen ge­hört. Es ist auch jetzt bemüht, seine Pflichten zu erfüllen. Es kann und muß daher auch verlangen, daß die finanz- und staatspolitischen Fragen unter Rücksichtnahme auf seine besonderen Verhältnisse geregelt werden.

Kritik Lorfantis an der amtlichen Wahlstatistik.

wtb. Warschau, 18. Nov. (Eig. Funkm.) In der Rzecz- pospolita kritisiert Korfanty die amtliche Statistik über das Wahlergebnis in Ostoberschlesien. Korfanty macht dar­auf aufmerksam, daß die polnische Statistik den polnischen Listen hinzurechnet die Mieterliste und die Mittelstands­liste, obgleich die erstere rein deutsch und die andere ge­mischt war. Ferner sind in den polnischen Listen die Sepa­ratisten und die Kommunisten hinzugerechnet worden. Korfanty bezeichnet die polnische amtliche Wahlergebnisliste als gefälscht.

Die ostoberschlefifchen Wahlen.

wtb. Warschau, 18. Nov. (Eig. Funkm.) Zur Be­sprechung der Eemeindewahlen in Ostoberschlesien mit den zuständigen Stellen wird der oberschlesische Wojwode hier erwartet. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß der Wojwode nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren wird.

Vorgehen gegen antifaschistische Lehrer.

wtb. Rom, 18. Nov. (Erg. Funkm.) Popolo di Roma berichtet Einzelheiten über das Vorgehen gegen die anti­faschistischer Propaganda beschuldigten Elementar- und Mittelschullehrer. Darnach hat der Unterrichtsminister die Untersuchung der einzelnen Fälle selbst in die Hand genom­men. Bis jetzt sind 10 Mittelschullehrer und zahlreiche Elementarschullehrer ihrer Aemter enthoben worden,