Zul-aer /lnzeiger
Erscheint -e-ea Werktag. ve-ng«prâ: *•** Üch 2 Mark. Bei Lieferung»-ehm»r«»U«> èw| „höhere Gewalten’, Streik«, Jtaafpetauigai, Vahnsper« usw. erwachsen tem Ve-keher Mw Mnsprilche. Verlag Zrie-etch Ehrenkiau, ZM«, Mitglke- öe« Verein« deutscher Aeituag««er» leger. postschrctt»«t»: Zrankfurt a. DL De. 5565
Tageblatt für Rhön and Vogelsberg Zul-a- und Haunetal »Zul-aer Kreisbla« Re-aktto« nn- SefthSsts-rAr: Mühieuftraß« 1 ♦ Zerusprech-Hnschtn- Nr.--- «MHemr •*■*♦ »ersetze««, ftâl «w mH «6<eewiige»e .Zoi-«« ^h*HiM.
â . »------/ eÄ- »» -*- ■-* - - Ju^^mMJL
ta^Baatai uh», beträgt Nt wriu-eS» »JO SÄ, fit uwtt^t ftuftraggelxe a m g^pk â Xetlame-eSe 0.90 M.«. «üe uHiw 0.15 SM« Äeflemegtfle 0.60 Mark ♦ Sai Rechmmgaste^ fang hat Zahtang innerhalb I T««« jm «0* gen ♦ Tag. mW Platzvaeschefiten «»«»btntllch
Vir. 268 — 1926
Fulda, Samstag, 20. November
3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der Ncichsstädlebund forderte die Ausstellung cincè Rcichswohnungsbauprogtamms, durch das 250 000 Wohnungen jährlich gebaut werden sollen.
* Nach Mitteilung französischer Blätter aus offiziöser Quelle scheint Frankreich nicht geneigt zu sein, die Frage der Militärkontrolle aus der im Dezember stattfindendcn Tagung des Völkerbundrats zur Erörterung zu stellen.
* Eine militärische Rebellion brach in dem brasilianischen Staate Rio Grande do Sul aus. Die Aufständischen nahmen mehrere Orte sowie die Stadt Santa Maria ein.
In der Provinz Madras in Indien ertränken von einer Hochzeitsgesellschaft 55 Personen, infolge Kentern eines Dampfbootes.
Wahlrâtfel.
Ein Teil der deutschen Wähler findet es jetzt für ttigeiiiessen, sich mit dèn ihnen jn Verfassungen und Gesetzen zugewiesenen Aufgaben in mehr oder weniger lch c r z h a f 1 e r Form äuseinanderzusetzen. Eigen- ^rötelei und Neigung zur Kirchturmspolitik sind uns mmer schon auf Grund dèr vielen bitteren Erfahrungen mserer leidvollen Geschichte zum Vorwurf gemacht wor. )en. Aber die wahre Übersteigerung dieser Charakter- veranlagung scheint uns doch erst noch bevorzustehen. Wir haben in diesen Tagen in verschiedenen deutschrn Ländern politische Wahlen gehabt. In Lübeck, in Dachsen, in Baden. Bei den Schwaben im Süden war die Beteiligung am Wahlkampf und an der Wahlhandlung so gering, daß man sich in die Zeiten ausgeprägter Klassenwahlrechte zurückversetzt glauben könnte.
Anders die Sachsen. Übermäßig haben auch sie sich zwar um die ihnen gestellte Schicksalsfrage nicht aufgeregt, aber mit einem gewissen Prozentsatz von Lustlosigkeit und Wahlmüdigkeit wird ja immer desto sicherer zu rechnen sein, je häufiger die Wähler für alle möglichen Zwecke zu Entscheidungen aufgerufen werden. Dafür war aber hier biè Parteien- und Juteressenzersplitteruug um so größer. Dezz, Vogel abgeschossen hatte dabei eilte Gemeinde, wo ore gewiß sehr nützliche „Frei w t I I kW F e U e r w e h r" mit einer eigenen Liste am Wahlkampf teilnahm. Es lohnt sich fast, einen findigen Mann zu efttsenden, um hlNter die Geheimnisse dieser gewiß amüsanten Wahlerscheinung zu kommen. Hatte der Gemeinderat etwa die Anschaffungskosten für eine neue Feuerspritze abgèlehnt, oder die Auswechselung der alten, schon von den Vätern ererbten Schläuche durch eine neue Garnitur? Run, der. Freistaat Sachsen hat wohl schon Schlimmeres überstanden als dieses, aber wie er bei dèm Gesamtergebnis der Landtagswahlen, zu einer leistungsfähigen Regierung kommen soll, das ist allerdings ein Rätsel, dessen Lösung allen Beteiligten noch recht viel Kopfschmerzen verursachen wird. Nicht anders in Lübeck, nicht anders auch sonst in deutschen Landen, wo man nach den Voraussetzungen sucht, unter denen allein eine Besserung der Zustände erreicht werden könnte.
*
Zugenommen haben bei den Wahlen verschiedentlich die Anhänger der Aufwertungs- oder Wirtschaftsparteien. Das erwähnte sogar der Reichskanzler in eigener Person. Marx fürchtet wohl nicht so sehr das übergreifen dieser Wirt-schaftsbcwegung auch in die Reihen seiner eigenen Partei, des Zentrums, als das Fortschreiten der Zersplitterung in der deutschen Gcsamt- Wählerschaft und damit steigende Verwirrung der Regierungsfäden, deren sorgsame Knüpfung schon jetzt zumeist sehr große Schwierigkeiten bereitet. Immerhin ist es be- merkenswert, wenn große Teile der Wählerschaft ihr Heil einzig und allein in der Abwendung von den großen politischen Gesichtspunkten und in der Zuwendung zu ausgesprochenen Interessenvertretungen erblicken. Der 11 telstand insbesondere weiß ja ein Liedchen davon M Hallen, wie man gerade aus seiner Haut Riemen ge« ‘ m$ot für alle möglichen Bedürfnisse, wie man sich letner Note nur höchst selten erinnert, wie er kaum zur ^tuye und zur Sammlung neuer Kräfte kommen kann.
*
Ein Gutes hat allerdings auch dieses Verhängnis, in das unsere Politik verstrickt worden ist: es dämpft die .ceigung zur Auflösung des Reichstages. Die Kreise, die
. ?n Koalition drängen, weil zwischen den Schwierigkeiten auf der Linken und aus der Rechten bald kein gangbarer Ausweg mehr sichtbar ist, müssen sehen, slum bter zwischen Wünschen und Können ein erheb- licher .ibstand bleibt, der sich nicht überklettern läßt. Sie durch die Wahlerfolge der überwiegend un- ^. ^^ etngeitcuten Parteien einigermaßen gehemmt und nnmuügt Die Kosten eines Wahlkampfes fallen heute m °n Zu stark ins Gewicht, als daß man sie ohne äußerste sichert«, könnte, tob tuet sich nicht im Besitze ganz r Wahlaussichten suhlt, der neigt zu ungemein vor- Ä^’Ä Eschen ragc. Schließlich
Verschleppung der Kontrollfrage.
>! nh a i t b „re f r a n z ö s i s ch e A u s s a s s u n g e n
I» -lbbrrnfung der Interalliierten Militärkommls- " k u c Schwierigkeiten g c st o ß e n. inrn^ auch von französischer Seite anerkannt daß Deutschland aus dem Gebiete der Ab- ^? '-"ß Vcwcise seines guten Willens gegeben habe, und .^.,''"iSedcssrn die Regelung bei letzten von der Bot- ,->?I..^ - irrevz gestellten Forderungen als unmittelbar ci oi stehend angesehen werden könne, stellen der „Malin"
Die Aufgaben
Empfang beim Deutschen Landkreistag.
Die Urzelle der Selb st Verwaltung.
Bei einem Empfang des deutschen Landkreistages in Berlin, dem eine große Anzahl bekannter Persönlichkeiten des kommunalen Lebens beiwohnte, wies Landrat a. D. Constantin aus die Bedeutung der Landkreise als Selbstverwaltungskörper hin, zumal in den Landkreisen 30 Millionen Menschen wohnen.
Die mit reichem statistischen Material belegten Ausführungen ließen erkennen, wie vielseitig die Aufgaben der Kreiskommunalverwaltung sind und wie wichtig es für das deutsche Wirtschaftsleben ist, wie diese Ausgaben gelöst werden. Es sei nur hierbei die Frage der Landstraßen hervorgehoben, ein Gebiet, das auch den Großstädter unmittelbar angeht. Hängt doch von dem Zustand der Straßen die G c st a l t u n g der Produktion und damit das Preisniveau der Nahrungsmittel im hohen Maße ab. Das Landstrasrenproblem ist ein Schmerzenskind der Landkreise, denn 70 % der Landstraßen des Reiches müssen sie unterhalten. So zeigte man sich denn auch wenig erbaut von dem Projekt der großen. Fernstratzen, da man das hierfür nötige Geld lieber slir den Bau von Straßen, die der Allgemeinheit zugute kommen, verwandt sehen möchte.
Der Redner bezeichnete die Einzelgemeinden im Kreise als die U r z e l l e der S c l b st v e r w a l t u n g , deshalb kommt für die Kreisorganisation künftig nur eine Mischform in Frage, die als Eemeindeverband die Erhaltung der Selbstverwaltung der Gemeinden gewähr» leistet, für große Aufgaben aber, nie über die Grenzen und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Einzelgemeinde hinausgehen. aus dem Kreise eine geschlossene Einheitsge- meinde formt, dj» -durich einheitliche Arwaltuna und
Der griechische Diktator pangaios
ist in dem Gefängnis aus Kreta wahnsinnig geworden. Er führte äußerst lebhafte und wirre Reden, so daß die
Und der „Petit Paristen" die überraschende Brhanptiing auf, daß die Erfüllung der Deutschland gemachten Auslagen nur sehr langsam vor sich gehe und daß, da Deutschland keinerlei Eile zeige, sich mit den Forderungen bet Alliierten in Einklang zu setzen, dicLiguidationder Entwaffnungsfrage voraussichtlich noch Monate dauern werde, auch, daß es deshalb materiell ausgeschlossen sei, daß die Interalliierte Militär- kommission ihren Schlußbericht noch vor der Völkerbund- ratstagung im Dezember fcrtigftellcn und die Botschafter- konferenz noch in diesem Jahre eine Entscheidung treffen könne.
Im übrigen wird der Auffassung entgegengetreten, als ob ein Gegensatz zwischen dem deutschen und dem französischen Standpunkt, dem einer ständigen oder einer periodischen Kontrolle durch den Völker- bund, bestiinde. Im Artikel 213 des Versailler Vertrages stehe nichts von einer ständigen Kontrolle; es sei also unrichtig, zu behaupten, daß Deutschland sich weigere, einer ständigen Kontrolle unterworfen zu werden, da der Text des Vertrages diese nicht vorsähe. Eine ständige Kon- trolle sei nur für die entmilitarisierte Zone am Rhein vorgesehen. Hier versuche das deutsche Kabinett, einige Abänderungen und Erleichterungen durchzusetzen. Seri einem Jahre bereits sei General 2)cft<er, der General- stabsches des Marschalls Foch, vom Völkerbund beauf- tragt, den Vorsitz der Kontrollkommission des Völker- bundes zu übernehmen, deren Arbeiten automatisch an dem Tage beginnen werden, an dem die Botschasterkon- ferenz die völlige Entwaffnung Deutschlands erklärt haben wird.
der Landkreise. große Finanzkraft dasselbe zu leisten vermag wie die Großstadt.
Die Aoi der kleinen Giadie.
Sitzung des Gesamtvorstandes des Reichsstädtebundes.
Der Gesamtvorstand des ReichsstädtebnndrS hielt in Fulda eine mehrtägige Sitzung ab. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die Frage: Deckung der 1926 erheblich gestiegenen Gemeindeausgaben aus dem Gebiete der Erwerbslosenfürsorge und allgemeinen Fürsorge unter möglichst gerechter Verteilung der Steuerlasten. ES wurde feftgefteOt, daß für die meisten mittleren und kleinen Städte das Rechnungsjahr 1926 trotz der Beschränkung ans unbedingt notwendige Ausgaben ein D e s i z i t j a h r bleiben wird. Daher ist im künftigen Finanzausgleich eine Erhöhung ihres Anteils an der Einkommen- und Körpcrschaftsstcuer ober zum mindesten die Aufrechterhaltung der Reichsumsatzsteuergarantie unbedingt erforderlich. Nur die Erfüllung dieser Forderung gibt ihnen die Möglichkeit, die durch ihre Finanznot gebotene Überspannung der Realsteuern in Zuknnft zu mildern.
Zur Beseitigung der Wohnungsnot fordert der Gesamtvorstand des Reichsstädtebundes: Aufstellung eines Reichswohnungsbauprogramms auf mindestens fünf Jahre und Sicherung seiner Finanzierung für etwa 250 000 Wohnungen im Jahr im Werte von zwei bis zweieinhalb Milliarden. Gegen eine mäßige Erhöhung der gesetzlichen Miete und der Hauszinssteuer am 1. April 1927 werden Bedenken nicht erhoben, falls den Gemeinden aus der erhöhten Hauszinssteuer ausreichende Mittel zur Deckung von Gehalts- und Lohnerhöhungen "ewährleistet werden. Über die baldige Umwandlung ', Hauszinssteuer soll von den kommunalen Spitzenverb„... .n ein einheitlicher
Vorschlag ausgear-eitet werden. . --
■■um....................... .................
England und die Kolonialmandate.
Eine englische Note an den Völkerbund.
Eine an das Gencralsckretariat des Völkerbundes gc- richieie Note des englischen Auswärtigen Amtes über die oom Mandatsausschutz des Völkerbundes vor einiger Zeit vorgefchlageue Ausstellung eines rund 230 Punkte enthaltenden Fragebogens, nach dcni künftig die Jahresberichte der Mandalsmächte abgefaßt werden sollen, lehnt im Namen der englischen Negierung und der Regierungen der englischen Dominions diesen Vorschlag und den Fragebogen vollkommen ab Desgleichen verwirft die Note im Rainen dieser Regierungen entschieden das vom Mandatsausschuß gleichzeitig in Anspruch genommene Recht, die Verfasser von Bittschriften und BeiÄwerdeii aus den Mandatsgebieten zur mündlichen Aussprache vorzulaveir. Die. Note entwickelt die englische Auffassung über die Mandatstheorie und die Kompetenzen des Mandaisausschusscs und erklärt unter Berufung auf Artikel 22 des Völkerbund- Paktes und auf frühere Beschlüsse des Völkcrbnndratcs, man könne vom Rat nicht verlangen, daß er selbst oder durch Vermittlung des Mandaisausschnsses alle Einzelheiten der Verwaltung der unter Mandal stehenden Gebiete prüft und kontrolliere.
Die englische Regierung ist der Meinung, daß der Fragebogen, der alle Einzelheiten Der Regicrungs- und administrativen Tätigkeit berührt, sehr weit über das hinaus- ge b l, was Der Mandatsausschutz braucht, bzw., was mit den Absichten des Völkcrbundpalies und mit Den vom Völkerbund- rat genehmiglcu Regeln vereinbar ist.
Keiterffreil der englischen Bergarbeiter,
überraschendes Abstimmungsergebnis.
Die Bergarbeiter in England haben sich entgegen den »ptinnstischcn offiziösen Berichten der letzten Tage für die weitere Fortdauer des Streiks erklärt. Wie das Arbeiterblatt „Daily Herald" meldet, sind die Vermittlungsvorschläge der Regierung mit einer Mehrheit von ungefähr 140 000 Stimmen verworfen. Alle großen Bezirke außer Norkshire, das eine kleine Mehrheit für die Annahme anf- weist, haben nachdrücklich gegen die Bedingungen gestimmt. Der stärkste Widerstand kommt aus den Exporlgebieten.
Mit diesem Ergebnis vor Augen werden die Dele- gierten aus den Kohlengebieten wieder in London zu. sammentreffen, um über ihre weitere Politik zu beschließen. Die Konserenz wird erwägen, ob irgendein weiteres Iperantreten an die Regierung erfolgen soll. Ein Vorschlag geht dahin, den Bezirken zu raten, die örtlichen Verhandlungen fortzusetzen und über das Ergebnis baldigst einer neuen Konferenz zu berichten.
Revolution in Brasilien.
B l u t i g e K ä m p f e.
Einem Reutertelegramm aus Buenos Aires zufolge ist in Rio Grande do Sul die offene Reoolu t i o « ausgebrochen. Meuternde Truppen sind, wie berichtet wird, in San Gabriele, Santa Maria und Vage mit Bundestruppen zusammcngestoßcn. Die Stadt ^anta Maria ist von Flugzeugen der Aufständischen b v in b „ r • diert worden, wobei ein großes Hotel zerstört wurde.
Nach einer Meldung der „Central RcwS" aus Buenos Aires haben sich die Bundestrüppen in Bage den Revolutionären angeschlossen. Die vereinigten Truppen nahmen dann nach sckwererBeschießung Santa Maria ein. Die Verluste an Toten und Ver, mundeten sollen sich auf 400 belaufen.