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Zul-aer /lnzeiger

erscheint jeden Werktag. Sezugsprets: monat. lich 2 Mark. Bei Lieferungsbehinderungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Lahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Einsprüche. Verlag Zrieörich Ehrenklau, Zulüa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Frankfurt o. M. Nr. 5585

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zulüa- unü Haunetal -Zulüaer Kreisblatt

Nr. 269 1926

Redaktion unü Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zemsprech-flnschluß Nr.-S-

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit chuelleaangade .ZulSaer slnzeiger'geflattrt.

Fulda, Montag, 22. November

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3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Das Reichsarbeitsministerium weist die Landcsregieruu- acn angesichts der großen Arbeitslosigkeit aus die möglichst! Vermeidung der Überstundenarbeit hin.

* Reichsanßenministcr Dr. Stresemann hielt dem Reichs- chräsideuten über den Stand der Militärtontrollfrage einer Vortrag.

* Im Monat Oktober überstieg im deutschen Außenhandel die Einfuhr wieder um 266 Millionen Mart die Ausfuhr.

* Nach den endgültigen Feststellungen über die Gemeinde- Wahlen in Ostoberschlesien ist der deutsche Sieg im Industrie- gebiet unbestritten. Auf dem Platten Lande sind nur in der Kreisen Rybnik und Pleß polnische Mehrheiten zustande ge­kommen.

* An den Börsenplätzen trat ein wesentliches Steigen des französischen Franken ein, so etwa um 78 %.

Oel statt Kohle.

Von den Volks-, vor allem aber den weltwirtschaft­lichen Folgen der deutschen Erfindung, aus Kohle, und zwar aus St e i n k 0 h l e, aber besser noch aus Braun­kohle, jetzt erstklassige Brenn-, Schmier. und Heizöle herzustellen, kann man sich vorläufig nur in großen Strichen ein Bild machen.

Setzt man den Kohlentonnenpreis mit 15 Mark an, so hat das Ql, das aus dieser Tonne Kohle gewonnen werden kann, gerade den dreifachen Wert. Welches Verfahren es gibt deren zwei bei der Verflüssigung der Kohle das rentablere sein wird, läßt sich im Augen- blick noch nicht sagen. Das eine aber steht fest: bei der reinen Steinkohlenfeuerung war es bisher nur möglich, die Heizkraft dieses Brennkörpers zu etwa einem Viertel nutzbar zu machen; der Rest gingzum Schornstein hin- aus". Das kann jetzt anders werden, derBrennwert" steigt bei Verflüssigung in Ql und entsprechender Um­wandlung der Feuerungsanlage auf das Dreifache.

Unterschiede derSorten" sind bei der Verflüssigung der Kohle nicht von großer Bedeutung; gerade die billigsten und schlechtesten Sorten, nämlich die Feinkohle M L?-Mgrus eiglreu sich âM«,. weil sie.sich am leichtesten vermahlen lassen. Daß die Braunkohle sich so­gar noch besser eignet, hat gleichfalls allererste volkswirt­schaftliche Bedeutung, da das Vorkommen dieses Roh­stoffes besonders in die Norddeutsche Tiefebene fällt; während z. B. England darin sehr benachteiligt ist. Aus allem ergibt sich eine gewaltige Wertsteigerung der deut­schen Gesamtkohlenschätzc, wenn die Arbeit, die mit ihnen geleistet wird, auf das Dreifache gesteigert wird.

B i n n e n w i r 1 s ch a f t l i ch hat aber die neue Ent­deckung auch sehr erhebliche Folgewirkungen nach der Transportseite hin. Die Kohle ist einsperriger" Rohstoff, d. h. die Transportkosten stehen in keinem guten, also billigen Verhältnis zum Wert der Wagenladung. Bekanntlich konnte der deutschen Kohle die englische Kohle eine so erfolgreiche Konkurrenz machen, weil der See­transport von England nach Hamburg weit billiger ist als aus dem deutschen Kohlenrevier. Tritt nun das QI an die Stelle diesessperrigen" Transportgutes, so ver­schiebt sich die Kostenfrage radikal, weil sie dann überhaupt kaum noch eine Rolle spielt angesichts der Hochwertigkeit des transportierten Gutes; bei geschickter Anlage der neuen Fabriken für Qlherstellung werden sie sich noch weiter herunterdrücken lassen. A u ß e n w i r t s ch a s t l i ch ist daran zu denken, daß die Kohle neben dem Kali

.einzige Rohstoff ist, den wir in so nennenswerten Massen besitzen, daß wir ihn a u s f ü h r e n können. Vor dem Kriege haben wir darin ja auch England überholt, dem wir noch jetzt in der betriebstechnischen Ausgestaltung der Kohlenförderung weit überlegen sind. Jetzt ließe sich statt diesessperrigen" Ausfuhrgutes das leicht trans­portierbare, aber dreifach wertvollere Fertigsabrikat, das aus diesem Rohstoff gewonnen wird, ausführen. Welch" weltwirtschaftliche Folgen das haben kann, läßt sich nicht einmal andeutungsweise wiedergeben, namentlich, da wir ^'"^" gewaltigen Vorsprung gewonnen haben.

der anderen Seite sind wir Großabnehmer für alle Produkte, die aus dem ausländischen Erdöl gewonnen werden, also vor allem Petroleum, Benzin unb Schmieröle. . Diese lassen sich nun durch das neue Ver- fahren r m e i g e n e n L a n d e in gleicher Güte Gerstetten; 4srof. Ber g in s behauptet, daß das aus der Verflüssi- gung der Kohle gewonnene Gasolin besser sei als das bisher erzeugte, und das Klopfen des Motors verhindert. Und dem Motor, nicht der Dampfmaschine gehört die Zu- "^'H um das Ql" hat ja die Politik der großen Staaten in den letzten Jahrzehnten entscheidend Weltpolitik spielte sich ab aus diesem wclt- Hintergrund und wir hatten dabei nichts ""^". Borstoß mit der Bagdadbahn in das ÄTÄ ^11 W" --«>-- 6" rcdci?^! -c^1 PuWueden, sehr gewichtig nutzn- Geist unV^«-^ ^" Hilfe der Gewalt, sondern diirch und deutsches Entdeckergenie. Dr.

Die Miliiarkonirolle.

Dr. Strescmann bei Hindenburg, miniu^^räsident v. Hindenburg hat den Reichöaußen- uriH^ m^ Dr. Stresemann hielt dem Reichs- künftig'^Vortrag über die schwebenden Fragen bei ein/» llmgeftaltung der Militärkontrollc und gat nnh y^ Bericht über den Stand der Parise, «mb Berliner Besprechungen. r,, Regierung läßt offiziös erklären. daj c e "vrderuna auf Einrichtung einer ständigen Mili-

polmsch-gberschlesien stimmt deutsch.

Der deutsche Sieg in Oderschlesien.

Das Ergebnis der Gemeindewahlen.

über das Ergebnis der Gemeindewahlen in Polnisch- Obcrschlesien sind von polnischer und von deutscher Seite widersprechende Nachrichten verbreitet wor­den. Nachdem nunmehr aus den Landgemeinden Mel­dungen vorliegen, stellt sich das vorläufige G e - samtergebnis folgendermaßen dar: Unbestrit­ten ist der deutsche Sieg im gesamten Industrie- revier. In Kattowitz-Stadt beträgt die deutsche Mehr­heit 25 513 gegen 16 090 polnische Stimmen, in Königs Hütte 21 247 gegen 8744, in Bismarckhütte 6660 gegen 4348, in Laurahütte 9932 gegen 5485, in Chorzow 3172 gegen 1321. Im Landkreis Kattowitz stehen 42 717 deutsche 38 243 polnischen Stimmen, im Kreis Schwien- tochlowitz 41 493 deutsche 35 238 polnischen gegen­über. Polnische Mehrheiten sind auf dem platten Lande der Kreise Rybnik und Pleß zustande gekommen. Aller- dings ist hier zu beachten, daß polnischer Te r r 0 r hier nicht nur, wie im ganzen Abstimmungsgebiet, die deutsche Wahlagitation aufs äußerste erschwerte, sondern

târkontrolle durch die Jnvestigationskommission bei Völkerbundes niemals erhoben habe und auch nicht er- heben werde. Eine solche Forderung würde den Ver- trägen nicht entsprechen. Dagegen wünscht die französisch« Regierung, daß Mittel und Wege gefunden werden, um eine gewisse Stabilität der Militärkon. trolle auch nach ihrem Übergang an den Völkerbuni! zu gewährleisten. Was sie unterStabilität" versteht, wurde auch auf Anfrage nicht mitgetciü.

SOjâhrigeS Chamberlain-Jubiläum.

Die Unionisten von ^West-Birmingham feierten dieser Tage das 50jährige Jubiläum der Repräsentation eines Ehâmberlain im englischen Parlament. 38 Jahre hin­

durch war Mr. Joseph Chamberlain führendes Mitglied der Fraktion und seit seinem Tode ist es jetzt Sir Austen Chamberlain, den unser Bild inmitten seiner Fraktions- frcimbc zeigt.

Wallraf Wer deuWnatjouale MM.

R e i ch s s ch n l g e s c tz und Wehrhaftigkeit.

Auf dem Landesparteitag der Deutschnationalen Volkspartei in Hessen-Nassau sprach der zweite Vor­sitzende der Deutschnationalen Volkspartei, Staats- m i n i st c r 0. D. Wallra f. Der Redner ging auf die Verhandlungen wegen einer Erweiterung der Regierung ein und bezweifelte cs, daß diese Verhandlungen bei Wiederzusammentritt des Reichstages schon einen Erfolg haben könnten. Er befaßte sich eingehend mit der Frage des konfessionellen Friedens in Deutschland und meinte, daß sich der Wettstreit der Konfessionen aus dic^ Ausbil­dung wichtiger Charaktere für das Leben beschränken sollte. Schon das R c i ch s s ch u lgesctz könne eine Be­lastungsprobe für die Konfessionen werden. Doch ivcrdc die Deutschnationale Volkspartei so verfahren, daß der Friede der Konfessionen gewahrt werde. Im Mittel­punkt der Betrachtungen über die Außenpolitik stand Th"oiry. Weiterhin setzte sich Wallraf mit der Rede Steyerwalds in Osterfeld auseinander. Wenn das Schulgesetz. wie Stegerwald gesagt hat, kein Eckstein der deutschen Politik sein solle, so kündige sich darin aufs cntscheidcnstc der Wandel in der Zcntrumspartci an. Wallraf kennzeichnete es als das größte Verbrechen, wenn versucht würde, dem deutschen Volke den Gedanken der Wehrhaftigkeit zu rauben.

sogar in vielen Orten die Ausstellung deutscher Listen unmöglich machte. Der amtliche Wahlzwang ist hier infolgedessen nur den polnischen Wählern zugute gekommen. In den ländlichen Kreisen Pleß und Rybnik stehen nach polnischen Quellen 90 000 polnische Stimmen 31 000 deutschen gegenüber. Selbst dieses Stimmverhält­nis bedeutet einen Rückgang der polnischen Mehrheit dieser Gebiete bei der Volksabstimmung von 1921.

Alles in allem kann das Gesamtergebnis der Abstim- mung, das in der polnischen Presse Bestürzung hervor­gerufen hat und das Korfanty ein Volksgericht nennt, nur als großer deutscher Erfolg bezeichnet wer- den. Es hat in überraschender Weise die Stärke der beut» schen Minderheit und den nach wie vor überwiegend deutschen Charakter des Industriegebietes bewiesen. Dieses Ergebnis ist doppelt hoch zu veranschlagen, wenn man bedenkt, daß bei der Volksabstimmung im Jahre 1121 noch die Auswärtigen mitstimmen durften, daß seit­her eine starke Verdrängung des deutschen Elements statt- gefunden hat und daß die jetzigen Gemeindewahlen unter einem st a r k c n polnischen Terror gestanden haben.

Großers Sichsiheit im Eisenbahnverkehr.

Reue Maßnahmen der Reichsbahn.

Die Reichsbahn hat die Vorarbeiten für die Ein­richtungen zur Beciiiflussiing fahrender Züge derart ge­fördert, daß die Lösung des Problems der Übertragung der Signalstellung auf den fahrenden Zug unter auto­matischer Einwirkung auf die Bremse der Verwirklichung nnherückt. Mit den Übertragungsmitteln, die den Magne­tismus zur Übertragung benutzen, wurden gute Erfah­rungen gemacht. Nach eingehenden Vorversuchen, ver­bunden mit Probefahrten zwischen Zehlendorf und Neubabelsberg, läßt die Reichsbahn längere, be­sonders aber ncbelreiche Strecken, wie z. B. Ham m Oberhausen sEmschrrtalbahn) mit derartigen Ein- richtungen ausrüsten. Sollten diese Versuche einen günstigen Verlauf nehmen, so ist damit zu rechnen, daß Ende nächsten Jahres die planmäßige Ausrüstung aller Reichsbahnstrecken mit Vorrichtungen gegen das über­fahren der Haltesignale in Angriff genommen wird.

Stoltes Mnahmegesch angenommen.

Mussolini s p r i ch t.

Ter Senat in Rom hat das neue Staatssichrrheits- gcsctr mit 183 gegen 49 Stimmen angenommen. Das Gc- scu bestimmt dir Wiedercinführung der Todesstrafe für Attentate gegen den König, Mitglieder her königlichen Familie, ben Ministerpräsidenten und schwere Zuchthaus- strafen für alle Anschläge auf ben Staal.

Grundsätzliche Bedenken gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe sind nickt erhoben worden, auch die Rot- weiidigkèit eines Ausnahmegesetzes wurde in Anbetracht der .wiederholten Attentate gegen Mussolini anerkannt. Dagegen wurden schwere Bedenken erhoben gegen den Paragraphen 4, der für diejenigen Zuchthausstrascu vor­sieht, die in irgendeiner Form die aufgelösten Parteien, Vereinigungen und Organisationen wieder ins Leben zu rufen suchen, für deren Theorien Weiter Propaganda trei ben und sich damit in einen Widerspruch zu den geltenden Gesetzen setzen. Ebenso wurden gegen dieZusanunensetznng der Kriegsgerichte, die bekanntlich nur aus Mitgliedern der nationalen Miliz bestehen sollen, Bedenken erhoben. Justtzminiper Rocco erklärte, das Gesetz sei und bleive ein Ausnahmegesetz. Diesen Charakter verdanke es aber der Ilnvollkommenheit der bestehenden Gesetze. Die Mittel des neuen Gesetzes seien Mittel des Kampfes und der Ver- leidigung. Sein Ziel aber sei die Wiederausrichtking her Ordnung und der Befriedung des Landes.

Mussolini sagte dann, das außerordentliche Tribunal solle nur mit Personen besetzt werden, die von ihm, Mussolini, persönlich ausgewählt werden würden. Das Tribunal werde über jeden Verdacht erhaben sein. Es ivcrdc keine Rache üben, aber strenge Justiz walten lassen.

Englischer Kohlensirerk im Abbau.

Nur noch Disiriktsverhandlungen.

Die Delegiertenkonferenz d-r Bergarbeiter hat den Antrag abgelehnt, den Kamp, im Bergbau fortzusetzen. Die Konferenz der Bcrgarbei^rrdrlegierten nahm mit 502 000 gegen 286 000 Stimmen eine Entschließung an, worin allen Bezirken aucmpfohicn wird, unverzüglich mit den Grubenbesitzern in ihren Bezirken die Verhandlungen wegen des Abschluffcs neuer Lohnverträge zu eröffnen, doch soll kein Bezirk eine endgültige Regelung annehmen, bevor nicht eine nationale Konfcrcnz abgehalten worden ist. Damit ist der Streik als geschloffene natio­nale Kampfhandlung wohl zu Ende.

Immerhin ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß in dem einen oder anderen Bezirk der Streik noch etwas an­dauern wird. Ain nächsten Freitag wird die Delegierten­konferenz erneut zusammentreten, um die Berichte der einzelnen Distrikte über die Vcrhandlungscrgcbnisse ent- qcqenzunehmen. Von dem von der Regierung vorgeschla- genen Schiedsgericht ist im Augenblick keine Rede mehr, 'tie Frage wird Anfang nächster Woche vom Kabinett er-