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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulüa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 276 1926

Fulda, Dienstag, 30. November

3. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser ,

* Generalleutnant a. T. von Walter erläßt eine Erklärung, in der er sich gegen die Angaben des Rcichswehrministers Dr. Geßler über ihn verwahrt.

* Eine Bande überfiel das Gleiwitzer Gerichtsgesängnis und befreite daraus zehn politische Gefangene aus Polnisch- Oberschlesien. Der Wachthabende Justizwachtmeister wurde s dabei erschossen.

* Chamberlain hat den Regierungen in Paris, Rom und Brüssel ein Memorandum zugeheu lassen, in dem er die Forde­rungen aufstellt, deren Erfüllung Bedingung für die Zurück­ziehung der Militärkontrollkommission aus Deutschland sei.

Anzeichen zur Besserung.

Man hat nicht mit Unrecht von einemwirtschaftlichen Locarno" gesprochen, von dem Bestreben also, an die Stelle eines wilden Konkurrenzkampfes Vereinbarungen zu setzen, die eine Aufteilung und eine gegenseitige Garantie der Absatzgebiete darstellt. Maßgebende Wirt- schaftsführer des Reichsverbandes der Deutschen Industrie waren vor einiger Zeit nach England gereist, um der­artige Vereinbarungen anzubahnen; jetzt sind wieder Delegierte im Begriffe, mit dem gleichnamigen englischen Verbände Zusammenzukommen, um die deutsch-englischen Handelsbeziehungen in ihrer Gesamtheit einer Be­sprechung zu unterziehen. Die Lage ist ja inzwischen etwas Zanders geworden. Mag auch nach außen hin der englische Bergarbeiterstreik noch nicht abgebrochen sein, trotzdem ist dieser Streik tatsächlich zu Ende. Daß man aus einer solchen Situation heraus nun eine Verteilung der Absatz­gebiete in die Wege leiten will, sieht man für eine Not- wendigkeit an, weil wir ja doch schließlich bei dem Kampf um den Kohlenabsatz von der Natur längst nicht so be­günstigt sind, wie das bei England der Fall ist. Daß iDie Kurve unseres Wirtschaftslebens sich zum Besseren wendet, wird nicht einmal mehr von den vorsichtigen »Schwarzsehern bestritten, und der Anstoß, den wir in Hiilcp ex-. S^ir tRfiuxt ppii p£X (^ißH|d^ M^IIqB^t eibulteu

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leicht inaßgebcilste Mann in Deutschland, Dr. Vögler näm­lich, der Generaldirektor des neuen Rhein-Montan- Trustes, zugesteht, die Verhältnisse in der deutschen Wirt­schaft ließen eine ruhige und gefestigte Entwicklung vor­aussehen, vorausgesetzt allerdings, daß keine inneren und äußeren Krisenerscheinungen eintreten. Dr. Vogler be­streitet freilich, daß man von einer augenfälligen Besse­rung sprechen könne; er will aber nicht leugnen, gewisse Anzeichen ließen darauf schließen, daß wir in absehbarer Zeit doch einen erfreulichen wirtschaftlichen Aufschwung erleben. Vor allem sei der Hintergrund für diese Entwick­lung endlich vorhanden, die Erkenntnis nämlich, daß in Europa der wirtschaftliche Krieg aller gegen alle ebensowenig einem einzelnen Volk einen Gewinn verschafft hat, wie es im Weltkrieg einen Sieger gegeben habe, weil die militärischen Sieger wirtschaftlich fast ebenso schwer zu leiden haben wie die militärisch Besiegten.

Die Wirtschaftsführer der verschiedenen Länder haben »sich darum zu der Erkenntnis durchgerungen, eine rück sichtslose Erzwingung alleiniger Interessen nicht für das jA und das O ihrer Politik zu betrachten, sondern an einen internationalen Interessenausgleich heranzugehen. In schärfster Form betonte Dr. Vogler aber, daß sich die deutsche Wirtschaft einer Voraussetzung durchaus be­wußt ist: der feste Grund, auf dem sie steht, die Linie, die ihr Handeln bestimmt, ist vor allem die Wahrnehmung der nationalen Interessen und um ein besonders ein­leuchtendes Beispiel zu wählen die internationalen wirtschaftlichen Verabredungen wie die Rohstahlgemein­schaft würden niemals Wirklichkeit geworden sein, wenn dadurch wesentliche nationale Lebensinteressen geschädigt werden würden.Man kann an den Abmachungen gern kritisieren; aber in einem Punkt muß die Großindustrie jede Belehrung ablehneu, nämlich dariiber, wie sie natio- ual zu denken und zu empfinden hat."

Dr. Vögler erklärte dies unter besonderem Hin­weis darauf, daß von der sich günstiger entwickelnden Konjunktur ein Wirtschaftszweig nicht berührt wird, dessen wirtschaftliche Kraft und Stärke aber von geradezu entscheidender Wichtigkeit ist für das nationale Wirtschafts- leben: das ist die Landwirtschaft. Letzten Endes ist der Warenabsatz auf dem Binnenmarkt, die Kaufkraft der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung weit wichtiger als der Außenmarkt und man ist längst von der An­schauung zurückgekommen, eine Blüte der deutschen Pro­duktion zu erzielen lediglich dadurch, daß man das Schwergewicht des Absatzes auf die Ausfuhr legte. Ame­rika ist das beste Beispiel dafür, wie entscheidend die Kauf­kraft des Binnenmarktes sich auf die Gesamtlage auswirkt. ~cr Reichsernährungsminister Dr. Haslinde hat aus dem Bauerutag in Württemberg daher mit starker Be­tonung einen WiedeKlusbau unserer Wirtschaft nur dann erklärt, wenn unsere Landwirtschaft nicht bloß aurcy Selbsthilfe, sondern auch durch Unterstützung seitens "es Relches und der Länder wieder gesundet. Richt hohe, ^"«stamle Preise für Agrarprodukte sind hierfür die und vor allem könne noch sehr viel ge-

1 bcr Produktion landwirtschaftlicher Fertig- liegt eben viel Wahres darin, daß das Auf und * Wcltwirtschaftslage auss engste verknüpft ist bat der Landwirtschaft, und auch jetzt noch

Baue Ä Spruch sehr viel Bedeutung in sich: .Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt!"

Das neue Arbeitsschutzgesetz.

Schuß aller Arbeitnehmer.

Regelung der Arbeitszeit.

Das Reichskabineti hat kürzlich dem ihm vorgelegte» Entwurf eines Arüeitsschutzgcsetzes zugestimmt, über den Gesetzentwurf wird mitgeteilt, daß durch die Neuregelung insbesondere die Frage der Arbeitszeit gelöst und die Ratifizierung des Washingt 0 ner Abk 0 m - mens vorbereitet werden soll. Hinsichtlich der einzelnen Bestimmungen des Gesetzentwurfes, der den Schutz aller Arbeit ne hm e r mit Ausnahme von Arbeitern der Land- und Forstwirtschaft, der Tierzucht, Fischerei, See- und Binnenschiffahrt sowie Flößerei zum Gegenstand hat, wird insbesondere hervorgehoben, daß die bisher nur als Richtlinien 31t betrachtenden Borschristen über den Schutz gegen die Betriebsgefahren durch den Entwurf Gesetzeskraft erhalten sollen.

Die rumänischen Thronpräiendenten.

In Rumänien erwartet man jetzt täglich das Ableben des an Darmkrebs erkrankten Königs. Man rechnet als dann mit schweren inneren Kämpfen, da nicht weniger als drei Thronprätendenten vorhanden sind. Nämlich zu-

Prinz Michael. Kronprinz Carol

nächst Kronprinz Carol, der zwar vor wenigen Monate« freiwillig auf den Thron verzichtete, aber neuerdings wieder Ansprüche geltend macht. Von anderer Seite wird sein Sohn, der kleine Prinz Michael, als rechtmäßige:

Prinz Nikolaus.

Thronfolger bezeichnet, während eine Dritte Partei den Bruder dès Kronprinzen Carol, den Prinzen Nikolaus zum König von Rumänien ausrufen will. Unser Bilk zeigt die drei genannten Thronkandidaten.

Sine Sttlärung des Geneials Matter.

Die Geschichte des Rnhreinsalls.

General Walter nimmt nunmehr zu den in letzter Zeit gegen ihn in der Öffentlichkeit erhobenen Angriffen Stellung. Er läßt durch die deutschualionale Pressestelle erklären, daß er Die Ausführungen Dr. Geßlers, in denen er ihn alsVer­rückten" bezeichnet, als schwere Entgleisung ansteht.

Zur Sache selbst teilt General Walter mit:Ich habe meiner ganzen Einstellung entsprechend int vaterländi­schen Sinne selbsttätig mitgewirkt, als im Jahre 1923 der selbst vom englischen Krönanwalt als rechtswidrig anerkannte Einbruch der Franzose» in das Ruhrgebiet eine mächtige Volksbewegung entfesselte, die einen anderen Ausgang verdient hätte. Es ist eine merkwürdige Verkennung und Riedrigstellung dieser Bewegung, wenn man von Aufwiegelung spricht. Damals galt es, bei der prächtigen deutschen Jugend »iid auch bei der überwiegenden Mehrheit der Arbeiterschaft »eS Ruhrgcbictes nicht allfzuwiegeln, sondern nur z» zügeln.

Was die Ausführungen des Herrn Ministers über meine Lätigkeit im Jahre 1923 angeht, so beruhen sie in erster Lime utf der ungeprüften Wiedergabe von Mitteilungen einer un­verantwortlichen Persönlichkeit, in denen, agitatorisch wirkend, jie Wahrheit auf den stopf gestellt wird. Herr Keßler muß wissen, daß die Geschichte des Ruhreinsalls end lültig erst später geschrieben werden samt. Sein Verhalten im »icichstag wird mich nicht veranlassen, in Verletzung meimr mlerländischen Pflichten die Zusammenhänge des deutschen ilbwehrkampses jetzt schon klarzuleaen."

Die Arbeitszeit ist grundsätzlich gemäß dem Acht» st u u d e n t a g festgelegt. Bei kontinuierlicher Arbeit von 56 Stunden wöchentlich soll eine Mehrarbeit aus­geschlossen werden. Im übrigen wird für Mehr­arbeit ein besonderer Lohnzuschlag, dessen Höhe im allge­meinen auf 25 % bemessen ist, gezahlt werden. Zur Rege­lung der Frage der Arbeitsbereitschaft ist der Erlaß von entsprechenden, für die verschiedenen Industriezweige verschieden zu regelnden Verordnungen vorgesehen. Das S ch u tz a l t e r der Jugendliche n wird von 16 auf 118 Jahre erhöht. Bemerkenswert ist die in den Durch- ftihrungsbestimmungen getroffene Regelung, wonach im Falle eines Krieges oder anderer die Landessicherheit ge­fährdender Ereignisse die Bestimmungen über Arbeits­schutz außer Kraft gesetzt werden können. Zu den gefähr­denden Ereignissen gehören auch, wie besonders hervor­gehoben wird, Krisen, die die deutsche Volkswirtschaft so stark in Mitleidenschaft ziehen, daß die Lebensmöglich­keilen der Bevölkerung dadurch bedroht werden.

Eine Denkschrift Chamberlains.

Drummonds Aufenthalt in B e r l i n.

Wie dieTimes" melden, werden die Besprechuugei! über die deutsche Abrüstung zwischen der britischen, statt Mischen, italienischen, belgischen und deutschen Rrgiernn^ eifrig sortgeseüt, und bei der Zusammenkunft des Sölter bundrates in Der nächsten Woche werden die verschiedener Minister des Äußeren das Problem weiter erörtern, um eine endgültige Regelung zu erreichen. Tie Genfer Bc sprechung wird eine Fortsetzung der Erörterung sein, Die in Locarno zwischen Sir Austen Chamberlain, Briand Vanoervclde sowie Luther und Stresemann stattgefunde, hat. Tic Initiative für die jüngsten Besprechungen if vou britischer Seite ausgegangeu. Elue von britische« nlllitärischcii Sachverständigen vorbereitete Denk s ch r i f t, die dasM i ii d e st p r 0 g r a m m" enthält dessen Erfüllung durch Deutschland gefordert werden sollte, falls es wünscht, die Alliierte Kontrollkommissior aus Berlin zurückgezogen und durch ein Aufsichtskomitc« des Völkerbundes ersetzt zu sehen, wurde vou Sir Muston Chamberlain abgefaßt und ungefähr Mitte dieses Monate in Paris, Roni und Brüssel mitgeteilt. Die Punkte des Mindestprograiiims" waren:

1. Unterordnung des Oberbefehlshabers der Reichs­wehr unter Die Autorität des ReichSwchrministers;

2. Regelung der Frage der Rekrutierung und der militärischen Vereinigungen;

3. Kontrolle über die Ausfuhr von Waffen und Munition;

4. Zerstörung neuer Befestigungen an der deutschen Ostgrenze.

Ohne den Bericht der französischen Sachverständigen abzuwarten, hat Briand Chamberlain in dem Sinne ge antwortet, daß die versöhnlichste Haltung gegenüber Deutschland der leitende Grundsatz seiner auswärtigen Politik bleibe. Briand süßte hinzu, nichts sollte getan werden, um eine freundschaftliche und endgültige Rege­lung des Abrüstungsproblems zu verzögern. Die Frau zoseii wünschen eine ständige Kommission mit dem Recht Der jederzeitigen Beaufsichtigung. Die britische Auffassung ist, daß dies über die Bedingungen des Versailler Ver­trages hinausgehen würde und daß Die Kontrollbefugnisse des Völkerbundes nur anwendbar werden sollten in be­sonderen Fällen, wo eine bestimmte Beschwerde von einer interessierten Macht vorgebracht ist.

* .

Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric D r ii m m 0 ii d , der in Berlin eingetroffen ist, hat seine Besprechungen mit Dem Reichsaußenminister Dr. Strese­mann und dem Staatssekretär v. Schubert gehabt. Es handelt sich hierbei um eine Erörterung Der technischen Punkte der Genfer Ratstagung. In den Besprechungen wurden auch gewisse P e r s 0 n a l v e r ä n d e r n u g e n im Genfer Generalsekretariat gestreift, und ebenso wird Die Frage geklärt werden, ob auf Der Dezcmbertagung oder auf Der in Aussicht genommenen Berliner Märztagung des Völkerbundrates Deutschland Den Vorsitz erhält.

Deutscher Reichstag.

(241. Sitzung.) CB. Berlin, 29. November.

Die Einzelberatnng des Gesetzentwurfes zur Bewahrung der Jugend vor S ch u n d - u n d S ch m u tz s ch r i s l e n wurde fortgesetzt.

Abg. Tr. Runkel (D. Vp.) wandte sich gegen Angriffe gegen die Gesetzgebungsarbett des Reichstages in Verbindung mit dem vorliegenden Einwurf. Die Angabe der Zahl der Schmutz- und Schundschriften mit zwei Milliarden sei auf eine Auskunft des Reichsinncnminister inms zurückzuführen.

Der Bevollinächligle Bauerns im Reichsrat. Ministerialrat Freiherr von Imhoff, erklärte dann, daß Bayern iich Dein Standpunkt Preußens nicht »»schließen könne. Wenn die Landesstellen durch eine SicubeftcUe ersetzt wurden, mußte Bayern im Reichsrat Einspruch gegen das Ch-kD erbeben. Bauern verlange die Auwendmig Der allgemeine» G rundsätze der Reichsvcrfassung. , . ..

Abg. Hörnle (Komm.) rief:Bayern als später der Reichs Verfassung, das ist Heuchelei in höchster Potenz." Präsident Löbe rief Den Abg. Hörnle wegen seines Zurufes 5um v rdnnng.

«jjn ^r Heuß (Teilt.) erklärte, der Reichstag bade keinen Anlaß sich in Den Streit Der Länder einzumifchen. Der Redner beantragte an Stelle der LandesprüssteUen eine Reichs- Prüfstelle, Der außer dem beamteten Vorsitzenden vier Sach­verständige anaebören sollen.