Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 279 — 1926
Fulda, Freitag, 3. Dezember
3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichspräsident von Hindenburg empfing den Rcichskom missar für die besetzten Gebiete, Freiherrn Langwerth von Sim mein. Die Erleichterungen der EnteMevcrfüguugcn für di besetzten Gebiete bildeten den Besprechungsstofs.
* Freitag abend reist Außenminister Dr. Stresemann mir Staatssekretär Dr. von Schubert und Ministerialdirektor Dr Gaus zu den Verhandlungen des Völkcrbundratcs nad Gens ab.
* Der russische, in Berlin weilende Volkskommissar für au^ wartige Angelegenheiten, Tschitscherin, frühstückte Donnerstac bei dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann, auch Reichs kanzler Dr. Marx war anwesend. Vorher waren zwischen der Staatsmännern deutsch-russische Angelegenheiten besprochen worden.
* Die Rcichsrcgicrnng hat den von der Firma Krupp i» Essen erbetenen Kredit von 20 Millionen Mark aus grunbfäfy llchcn Erwägungen abgelehnt.
Krupp in Nöten.
Einen Reichskredit von 20 Millionen Mark hatte die Firma Krupp beantragt, um ihr berühmtes Gußstahlwerk Essen in Betrieb halten halten zu können, um nicht gezwungen zu werden, die dort beschäftigten rund 20 000 Arbeiter teilweise oder ganz zu entlassen, also das Werk stillzulegen. Das Ersuchen der Firma ist aber bei der Reichsregierung nicht auf Gegenliebe gestoßen, sondern man hat es aus grundsätzlichen Erwägungen heraus aögelchnt, den gewünschten Kredit herzugeben. Die Stadt Essen soll Anspringen, um durch Zuschüsse die Weiterführung des Betriebes zu ermöglichen.
Die Firma Krupp — sic bedeutet ein großes, geniales Kapitel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Es klang ivic Kanonengebrüll in diesem Namen, im Namen des „.Kanonenkönigs", des Verfertigers der Panzerplatten und Mr riesenhaftesten Geschütze. Und doch beschäftigte Krupp -oor dem Kriege nur den zwanzigsten Teil seines Riesenbetriebes, mit der Herstellung von Kriegsmaterial, obwohl ex nicht etwa nur an Deutschland lieferte. War doch der alte Alfred Krupp vor allem bekanntgeworden durch die Ausstellung seines riesigen 5000 Kilogramm schweren Edelstahlblocks auf der Pariser Weltausstellung.
Die Nachkriegszeit schlug nun dieser Firma, deren Ruf über die ganze Welt hin gedrungen war, tiefe Wunden. Auf sic vor allem stützen sich die Kontrollkommis- ioncn und ließen ihren Zerstörungsabsichten hemmungslos die Zügel fchießen. Immer und immer wieder kamen neue Kommissionen mit neuen Forderungen. Auf rund 100 Millionen Goldmark beziffert die Firma die Verluste, die sie dadurch erlitten hat. Der Ruhreinbruch der Franzosen legte das Werk für ein halbes Jahr ganz still und noch im vergangenen Jahr erfolgten weitere Zerstörungen auf englisches Verlangen. War doch Krupp die einzige Firma n Europa, die imstande war, nahtlose Kessel für Industrie- zwecke An allergrößtem Maßstab herznstcttcn, nur die englische Firma Ä r m st r 0 n g vermochte hierin zu konkurrieren.
~ Dabei hatte sich die Firma Krupp gründlich aus Friedensprodnttiön nmgesteüt, sah sie sich doch belauert von tausend Augen. Aber in der Firma Krupp wollte die Entente mehr zerschmettern als bloß eine, wenn auch große deutsche Fabrik oder einen gefährlichen Wettbewerb. Ein Zeichen früherer deutscher Macht galt es zu zerstören — unb das gelang schließlich auch. Während des Krieges beschäftigte das Gußstahlwerk, also der Kern der Firma, nicht weniger als 130 000 Arbeiter: jetzt sind es saunt noch 20 000. Einen großen Teil des Besitzes von Kohlengruben, Hüttenwerken, Wersten und Maschinenfabriken, die stille, zähe Arbeit dein Hauptwerk angegliedert hatte oder die ganz neu aufgebaut wurden, hat man abstoßen müssen, weil sie mit starken Verlusten arbeiteten. Hatte nran früher mit ängstlicher Sorgfalt darüber gewacht, daß die Aktien der Firma bis auf einen ganz verschwindenden -rcil im Besitz der Familie Krupp blieben, so hat man mm »längst durch Ausgabe neuer Aktien die Unterstützung ver Börse und der Banken suchen müssen. Die Kapitalszusammenlegung bei Aufstellung der Goldbilanz ergab, vaß von den 150 Millionen der Vorkriegszeit in den Zähren nach dem Zusammenbruch rund zwei Drittel durch otc Inflation aufgezehrt wurden, daß der ganze Betrieb ungeheuer an Wert verlor, weil das Geld fehlte, ihn modern umzugestalün. Schwer belastet ist die Firma aber außerdem durch die Kosten des gewaltigen sozialpolitischen Unterstützungswerkes, das sic seit vielen Jahrzehnten auf- "nd ausbaute; sic beziffert allein die Pensionssummen, Ve sie an ihre früheren Arbeiter und Angestellten zahlte, 10 Millionen. Um ihres Namens willen ist sie nicht w den Rheinmontantrust eingetreten, ein Entschluß, der ^0^ 'etzt an der Härte der Widerstände scheitern csn übrigens auch verständlicher Entschluß, weil bei ^ Zwgehen in den Trust große Teile der Erzeugung ".„Hlliereffe weitgehender Betriebszusammenicgung aus " gcven werden müßten. Und das wollte man nicht.
Üür, daß die Firma doch noch einen Weg I ■ bloß den Betrieb, sondern auch den Ramen " cein deutschen Wirtschaftsleben zu erhalten.
^^lenänbische Verbände und Reichswehr.
leilung crkl«»^^"^ ^"" G'"âl von der Goltz gezeichneten Mit- tarifcaen «jn., ” ^w Vaterländischen Verbände, daß sie mit mili- tiud in isirr» su v^ utit der Reichswehr nichts zu tun haben '^'lehnen 5°'^« jede militärische Betätigung von ihren „ '.^ durch eine solche die Verbandsangehörige,' scheu Bolke?'n.^" Aufgaben, nämlich die Erstarkung des dcm - Obgelenk! iiirrt '‘junger, sittlicher und körvcrlick'cr Beziehung, " den wurden, ohne dem Vaterland zu nützen.
Abreise nach Genf.
Die deutsche Delegation
für die Ratstagung.
Tschitscherin bei Stresemann.
Die deutsche Delegation für die Genfer Ratstagung wird am Freitag mit Dr. Stresemann an der Spitze Berlin verlassen. Der Delegation gehören unter bem ReichS- außcnminrster an: Staatssekretär von Schubert, Ministerialdirektor Gaus, LegationSrat von Bülow, Gcsandt- schaftSrat Dr. Boltze und als Vertreter der Reichspresse- stellc Legationsrat Dr. von Twardowski. Die Reise erfolgt im fahrplanmäßigen D-Zuge, an den zwei Sonder- wagcu angehängt werden-
Zu Ehren des in Berlin anwesenden Volkskommissars für^auswartige Angelegenheiten, Tschitscherin, hat bei Dr. Stresemann ein Frühstück ftattgefunben, an dem auch Reichskanzler.Dr. Marx tcilgcnommen hat. Voraus- gegaugen ist eine längere Unterhaltung zwischen dem Reichsaußenminister und dein russischen Volkskommissar, in der die zwischen Deutschland und Rußland schwebenden Fragen behandelt worden sind. In Paris sand eine Vorbesprechung zwischen Briand und Chambcr - la i n statt, die der kommenden Ratstagung galt. Auch der polnische Außenminister Zaleski wird in Paris zu einer Vorbesprechung erwartet. Die Meldungen der Pariser Blätter über den Umfang des bereits erreichten Einverständnisses zwischen Chamberlain und Briand widersprechen einander. Es hat den Anschein, daß jetzt in Paris oder gar erst in Gens die gcmcinsa m c Formel gc funden werden soll für die Verhandlungen mit Deutschland.
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General a O. v. Horn
wurde 311m 1. Vorsitzenden deS Deutschen Rcichstrlcgcr- bund es „Kyffhäuser" gcwäblt. Er ist ein bekannter Artilleriefachmann und war bis Januar dieses Jahres
aktiv. Der „Kyffhäuserbund" ist bcka:intlich die große Vereinigung von Kriegervereinen. General a. T. von Horn tritt somit an die Stelle des kürzlich verstorbenen Generalobersten von Heeringru.
Eine polnische proiestnoie.
Nachspiel zu den 0berschlesischcn Wahlen.
Der polnische Gesandte in Berlin hat eine Note überreicht, die einen P rote st der polnischen Regierung gegen; die Erklärung enthält, die am 23. November dieses Jahres in der Angelegenheit der letzten G e m c i n d c r a t s - wablcn âuf dem Gebiete der fchlcsischcn Wolwod,chaft im Plamen der Regierungsparteien im Deutschen Reichstag vom Abgeordneten Emminger abgegeben worden ist.
Die Note stellt fest, daß diese Deklaration von feiten der genannten Parteien eine Kritik der Wahl-n sowie ; des Vorgehens der polnischen Behörden gegenüber Burgern der Polnischen Republik enthält. Weiterhin stellt die Note fest, daß diese Erklärung sich mit dem Verhältnis der polnischen Regierung zu der deutschen Minderheit in Polen befaßt und daß sie eine Wendung enthalt, worin die genannten Parteien gegenüber den Wahlern, die für die deutsche Liste gestimmt haben, ihren Dank ausiprcchcn. 'Ne Note weist darauf hin, daß biete Kundgebung in Anwesenheit der Vertreter der ReichLregicrung ftattgefunben hat. Sie betrachtet sie als E i n m i s ch u n g ut die inneren Angelegenheiten eines fremden Staates, was den internationalen Gepflogenheiten zuwtderlaust und rn dcr öffentlichen Meinung beider Lander mternihnidüe zur kimacn Hervorruf die geeignet sind, den gegen
feitiaen Beziehungen Abbruch zu tun.
^cr Protest der polnischen Regierung ist, so wird von dcutscklcr Seite erklärt, insofern nicht gauz ve r - stäub lieb, als cs sich um eine ErUgrung politischer Parteien handelt, auf deren Forni und ^uhaltdlc.c. akrung keinen Einfluß hat. Den Parteien^ als solchen wird man nach der materiellen Seite hm das Recht nicht bestreiten können, zu dem Ergebnis einer Wahl in eurem ehemals deutschen Gebietsteil Stellung M nehmen, ^ die V e r b n u d c n b c j 1 d ' e 1 e § Geb 1 e te » mildes
Die Revision der Aheinlandvr-onnanzen.
B c v 0 r st c h e n d c V e r h a n d l u n g e n.
Die Vorberatungen über die von der Rheinlandkom- mission zugcsagtc Revision der Rheinlandordonnanzen sind nunmehr beendet. In den nächsten Tagen werden die offiziellen Verhandlungen zwischen dem Reichskommissar und der Rhelnlandkommission beginnen.
In unterrichteten deutschen Kreisen ist man der An- statt, daß der von der Rheinlandkommission aufgestellte erste Entwurf den berechtigten Erwartungen Deutschlands keineswegs Rechnung trägt. In drin neuen Entwurf sind alle die Bestimmungen der Rhrinlandkoui Mission enthalten, deren Beseitigung oder Milderung int Interesse der Bevölkerung des besetzten rheinischen Gebietes deutscherseits immer wieder verlangt worden ist. wobei nur äußerlich eine Zusammenziehung der bisherigen mehr als 300 Ordonnanzen in ungefähr 8 erfolgt ist. Es muß betont werden, daß nach dem neuen Entwurf sich die Rheinlandkommission auch weiterhin das A u s Weisungsrecht, das Recht der Beschränkung der Presse- und Bereinsfreihrit, das Bestätigungsrecht für die im besetzten Gebiet wirkenden deutschen Beamten sowie die Gerichtsbarkeit der alliierten Militärgerichte onrbehâri.
Man wird deutschcrscils bei den bcvorstcbendcn Verhandlungen sehr deutlich unterstreichen müssen, daß auch die Rheinlandkommission sich an die von den alliierten Regierungen verfolgten Bestrebungen, zu einer du rch die Etappen Locarno und Thoiry eingcleiteten Verständigung 311 gelangen, richten sollte, und daß man vor allem im Interesse der Bevölkerung des besetzten rheinischen Gebietes die Auswirkungen dieses Verständigungswillens bei der Neuordnung der Nb"i.'andordonnanzen fordern müsse.
deutschen Kulturge me in sch a ft zum Ausdruck bringt, und in diesem Sinne die Sicherung der Erhaltung dieser Gemeinschaft zu fordern.
Die letzten Betricbsratswahlcn im obcrschlesischcn Bergbaurevier hatten bereits einen st a r k c n R ü ck g a n g der polnischen Stimme n gebracht. Bei den vor einigen Tagen abgchaltenen Betricbsratswahlcn auf der Hohenzollern-Grubc verlor die Polnische Beriifsvcreini- gung nicht weniger als vier Mandate, die sämtlich der Deutsche Bcrgarbeitervcrbaud gewann. Die Mandate verteilen sich jetzt wie folgt: Deutscher Bergarbeiterverband 11 Sitze, Polnische Bcrufsvereinigung 4 Sitze (gegenüber
8 Sitzen), Christlich: Gewerkschaften 2 Sitze.
Sie Rückgabe des deutschen Eigentums.
B c s p r c ch. u n g e 11 i m Weißen Haus c.
„Associated Preß" meldet aus Washington: In eiltet Konferenz im Weißen House empfahl Senator Borah bett Präsidenten Coolidge die sofortige R ü ck g a b c d c s deutschen Eigentums. Nach feinem Besuch in Weißen Haufc erklärte Borah: Wenn das fremde Euxcu turn nicht ohne Einschränkung zuruckgegeden ivird, io wu- bic Regierung der Bereinigten Staaten das Vbium au sich nehmen müssen, Privateigentum 3 u t 0 n f 15 zieren und den Grundsatz, auf dem chic Regierung uv ruht, zu verletzen. , .
Einer Funkmeldung aus Washiugtcul zufolge itellti bei einem Besuch im Weißen Hause der Sprecher des Re präsentautcnhauscs, Longworth, eine sch n c l l c C r I c b i g it n g der Vorlage über die Rückgabc des bc,chwg nabmten deutschen Eigentums in Amerika in ütitdfidit Nach seinen Äußerungen siebt er die Möglichkeit vornegen daß die Frage W : i h n 0 ch t c n b : r c i 1 s c r l t b i g t ist
Vesptechung Königin Ranas mit Carol
R c g l c r u it g s u m b i l d u n g i 11 Rumänic n.
Vor ihrer Abreise von Paris nach Bukarest hatte bit Königin von Rumänien eine Besprechung init dem Prin zrn Carol. Diese Zusammenkunft soll nach einem Gerücht das der „New Kork Herold" roicbcrgibt, auf Verlanget König Ferdinands erfolgt fein, der sowohl an die Apnigir als auch an den Prinzen Carol ein Schreiben gerichte habe. Der „New Kork Herald" spricht in einer Meldün, aus Bukarest von einer wachsenden Bcwcgu n > sugnnften einer Übertragung der Regc«tschaf an die K ö n i g i n M a r i a und die Prinzessin Ileana Bratianu sei in dieser Hinsicht nicht unbeteiligt an dc Abfassung der vom König Ferdinand ausgegebenen AuS lassiingcn.
Tse Abrcisc ber Königin Maria von Paris verzögern sich übrigens um etwa J5 Minuten, da die Mönigin kur vor der Abfahrt des Zuges da:- c b i c n c t ne 1 P e r l c u a g r a f f c eines Halsbandes bcinerkte. ~ t< Agraffe wurde jedoch bald nuedcrgcfunden.
Havas berichtet aus Bukarest, man glaube, dag du Bildung einer Konzcnirationsregierung unnuttelbar bc «orftefic General Averescu werde die MtNlstcrpra,ident- schaft beibchaltcn. Bratianu selbst werde nicht rn dak Kabinett cintreten, jedoch einige seiner politischen Freunde.