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Nr. 2ü8 — 1926 ”
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Fulda, Montag, 27. Dezember
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3. Jahrgang
Begnadigung der Landauer Verurteilten
Aus der Haft entlassen.
Der Präsident der Französischen Republik, Dou- tiierguc, hat ein Dekret unterzeichnet, durch das sämtliche vom Kriegsgericht Landau verurteilten Deutschen begnadigt werden. Die nach dem Landauer Kriegsgerichtsurteil in Hast behaltenen Deutschen Kegel und Fechter sind noch am Heiligen Abend aus dem Gefängnis entlassen worden. Der Begnadigung gingen umfangreiche Ver- Handlungen in Paris voraus, bei denen sowohl der französische Oberkommandierende der Rheinarmee, General Guillaumat, wie auch Kriegsminister Painlsvè dem fran- Zösischen Ministerrat die Begnadigung empfahlen.
Der Antrag des Kriegsministers Painlevè auf Begnadigung sämtlicher vom Kriegsgericht in Landau verurteilten Deutschen ist wie folgt begründet: Am Interesse der Entspann» n g und der ö f f e n t l i ch e ist R v h c hat der Kriegsminister im Einverständnis mit dem Justizminister und dem Minister für auswärtige Angelegenheiten auf Grund der von General Guillaumat gemachten Vorschläge sich dahin ausgesprochen, daß Begnadigungs- rnaßnahmcn hinsichtlich der in Landau Verurteilten erfolgen können. Der Kriegsminister hat deshalb dem Präsidenten der Republik ein Dekret zur Unterzeichnung vor- gelegt, durch das bedingungslos sämtlichen vom Kriegsgericht Landau Verurteilten Straferlaß bewilligt wird.
Die Pariser Presse bespricht die Begnadigung der durch das französische Kriegsgericht in Landau verurteilten Deutschen. Wenn man von dem Urteil einiger rechtsstehender Blätter absieht, kann man erkennen, daß der Gnadenakt gut ausgenommen wurde. — In der deutschen Öffentlichkeit wird, bei aller Würdigung des französischen Gnadenaktes, darauf hingewiesen, daß dem Recht damit noch nicht Genüge getan worden ist.
arÄFS»™Ä»Ä Bevölkerung einen Weihnachtsgruß gerichtet, in dem dem Wunsche Ausdruck gegeben wird, daß bald der T a g der Freiheit und des Friedens auch für die Pfalz kommen möge. Dafür in Wort und Tat zu wirken, werde vornehmste Aufgabe der bayerischen Regierung fein.
Soziale pflichten für da- dsÄschs Zoll
Äußerungen des Reichskanzlers.
Der geschäftsführend- Reichskanzler, Dr. Marx, bezeichnet in einem .WeihnachtSwunsch für daS deutsche Volk als dringendstes Problem unserer Gegenwart und nächsten Zukunft die Frage der große» Arbeitslosigkeit. Hier alle öffentlichen und privaten Möglichkeiten einer Milderung auszufchövsen, gebieten StaatSklugheit und soziales Verantwortungsgefühl. Darüber hinaus findet sich ferner gerade für die Betätigung der öffentlichen und privaten B 0 l k s w 0 h b sahrispflcge im Sinne sozialer Pflicht und christlicher Nächstenliebe ein unabsehbares und fruchtbares Arbeitsfeld. Mutterschub, Säuglingspflege, Schutz der Kranken und Schwachen, Erhaltung und Ertüchtigung der Gesunden — riesengroß und erdrückend stehen die Probleme vor uns! Sie der Lösung nahezubringe», ist nicht nur eine Frage geldlicher Mittel. Soziales Ber stäudnis, tiefinnerstes sittliches Pflichtbewußtsein, nie »er zagende Menschenliebe müssen sich die Hand reichest, das Werk zu vollbringen.
Der „New York Herald" bringt als Weihnachts- botschaft Dr. Stresemanns Ausführungen des Reichsaußcnmmisters, in denen er sich für eine Politik gegenseitiger Verständigung einsetzt. Briand erklärt in seiner Botschaft nach einem Hinweis aus das Zustandekommen der Locarnopolitik: Einen sehr glücklichen Umstand erblicke ich in der Tatsache, daß ich in Dr. Stresemann einen Staatsmann gefunden habe, der vott- rominen die Lage verstand.
SieWrjhnachtsseitr-t-ReWpräfi-enten
B l um en ange bindc für Hindenbur g.
Reichspräsident von Hindenburg verlebte das Weihnachtsfest in Berlin im engsten Familienkreise. Am Heiligen Abend vereinten sich um den brennenden Lichter- bauvl der Präsident mit seinem Sohne und dessen Gemahlin und den beiden Enkelkindern, der fünfjährigen Gertrud und der um zwei Jahre jüngeren Helga. Gemeinsamer Gesang von Weihnachtsliedern leitete die <,eicr ein. Die Hindenburg entgegengebrachte Verehrung äußerte sich in mannigfach abgegebenen Blumenangebin- cn.^Ein Newhorker Blatt weiß sogar Zu melden, daß vo^ "n Festtagen täglich im Palais des deutschen Reichsprä- üoenten als Weihnachtsgaben für Hindenburg Hühner, Villen, Gänse, Truthähne, Schinken und Würste in großen ugcn aus dem ganzen Reiche cintrafen.
^Marwâr in Amerika.
* ^?? c 11 f„Coolidges Weihnachtsfeier.
... S.^dent Coolidge beteiligte sich, wie aus Washingq wird, mit seiner Familie- wieder an dep Weihnachtsfeier, die, wie stets am Heilige» " ui» in einer Parkanlage in der Räbe des Weißem
Hauses unter freiern Himmel abgehalten wurde. Lwü Riefe ntanne, die dort vor einigen Jahren gepflanzt! wurde, war mit ungezählten elektrischen Kerzen geschmückt. Der Präsident schaltete den Kontakt ein und gab! damit das Zeichen für die Marinekapelle, die „Stille N a chil, h e i l i g e Nach t" spielte. Später wurde Lurch Zusammenschluß mehrerer Sendestationen das größte! Radiogesangskonzert veranstaltet, das jemals stattge-r funden hat. Die Chöre in den verschiedenen Städten mit! insgesamt 20000 Sängern und Sängerin^ neu sangen Weihnachtslieder. Ähnliche öffentliche geiena fanden in vielen Städten des ganzen Landes statt. In Newyork war inmitten des Times Square eine Riesen- ianne mit 3500 farbigen Kerzen errichtet worden. Das richtige Weihnachtswetter ist allerdings auch in diesem Jahre ausgeblieben; es fehlt der Schnee, und es ist fast fo warm wie im Mai.
Ser Kaiser von Man t.
D e u t s ch e ,B ei! e r^> s k u n d g e b u n g e n.
Der Kaiser von Japan ist in seiner» Palast Hayama gestorben. Der Tod des schwer leidenden Monarchen war schon mehrere Male gemeldet worden, ohne daß sich diese Nachrichten allerdings bestätigt hatten. Beim Hinscheiden des Kaisers befanden sich, wie Tokioter Telegramme besagen, die Kaiserin, der Kronprinz Hirohito und der Ministerpräsident am Sterbelager. Im Kaiserpalast wurde eine besondere Halle hergerichtet, in der der Leichnam des Kaisers in vollem Ornat aufgebahrt wurde. Die Begräbnisfeierlichlciten werden wahrscheinlich im Februar und März stattfinden. Man befürchtet, daß der Tod des Kaisers infolge der Aufhebung der GeschLftÄ- tätigkeit die japanische Geschäfts- und Finanzwelt schwer treffen wird, da am Jahresende das Geschäft immer sehr l^^^^l^ «H APD» *' ~T —-----r --— - ^ ' -^ ^- , - -^ " , r^^DW
Anläßlich Les Ablebens des Kaisers von Japan Hallen die Reichsregierung und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dem japanischen Botschafter in Berlin ihr Beileid ausgètzrüLt. Zum Zeichen der Trauer haben das Palais des Reichspräsidenten und das des Reichskanzlers sowie
Japans neuer Herrscher
Hirohito steht im 26. Lcüensjabre. Er ist auf der Adelsschulo in Tokio erzogen und hat im Mai 1921 eine Europareise gemacht, auf der er England, Frankreich, Belgien, Holland und Italien besuchte.
das Aushtzärtige Ault a u f H a l b mast g c f l a g g t. Der Reichspräsident hat an den neuen Kaiser von Japan das folgende Telegramm gerichtet: „Schmerzlich bewegt von der'Nachricht des Hinscheidens Seiner Majestät des Kaisers Uoshihito bitte ich Euere Majestät, die Versicherung meines aufrichtigsten und ticfempfu?M.ULS Beileids entgegennehmen zu wollen."
Der Kaiser Poshihito von Japan wurde am 31. August 1849 in Tokio als Sohn des Kaisers Mutso- Hito und dessen Gemahlin Haruko aus dem Hause der Fürsten Jschiis geboren. Im November 1889 würd» et zum Kronprinzen ernannt und folgte seinem Vater nach dessen am 30. Juli 1912 erfolgten Tod auf ben Thron. Am 10. Mai 1900 heiratete er Sabato, eine Tochter des Fürsten Michitaka, bereit ältester, am 29. April 1001 geborener Sohn Hirohito der jetzige Thronfolger ist. Eine schwere geistige Erkrankung des Kaisers machte im November 1921 die Einsetzung des Kronprinzen als Regenten nötig.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die deutsche Reichsregicrung hat gegen die Ausweisung Deutscher aus dem Memelgehict bei der litauischen Regierung energischen Protest erhoben.
* Präsident Doumergue hat sämtliche vom franzopschen Kriegsgericht in Laiwau verurteilten Deutschen begnadigt.
* cr^r Kaiser von Japan ist, wie jetzt amtlich bestätigt wird, gestorben.
* -„ Amerika hat sich ein schweres Eisenbahnunglück er« eign«, bèi vem 12 Personen gelöst imb M verletzt wurden.
Keine Atempause.
In Neujahrsferien werden dieses Jahr namentlich die Leiter der deutschen Außenpolitik kaum gehen können: von einer politischen Atempause wird man diesmal nur wenig verspüren. Allzu drängend sind die Fragen, sie Konflikte, die sich gerade in der letzten Zeit entsponnen haben. Nicht bloß der Streit um das Urteil in L a n d a u wird unmittelbar nach Weihnachten das politisch-diplo- matifefje Getriebe schnellstens wieder in Gang bringen, sondern es ist auch im Osten eine drohende Wolke am politischen Himmel emporgezogen, die in ihrem Schoße unerwartete Ereignisse bergen kann. Das neue Regime in Li tauen, das sich vor allem wegen seines Gegensatzes gegen Polen zunächst sehr deutschfreundlick) gebärdete, ist zu D e uts ch enau s wei funge n a us dem M c m e I l a n d geschritten, denen noch weitere folgen sollen. Das alles verlangt gespannteste Aufmerksamkeit der Rcichsleitung, verlangt vielleicht aber auch schnellstes Handeln.
Das betrübenbfte dabei ist es aber, daß es sich hier um Dinge handelt, durch die unsere Volksgenossen im Ausland getroffen werden; denn vorläufig ist ja die Pfalz wie das besetzte Gebiet überhaupt noch eine Art Ausland für uns, da ja Deutschland dort nur ein sehr gemindertes Hoheitsrecht besitzt, Fremdmüchte dagegen fast selbstherr! ch herrschen. Gerade aber in den Tagen der so eigentlich recht deutschen Feste bei Ende des Jahres sind unsere Gedanken hinausgewandert zu den Deut scheu jenseits der Grenze. Im besetzten Gebiet, in Litauen, aber nicht minder auch in Südtirol und anders- ! wo, überall dort, wo Deutsche wohnen jenseits unserer Grenzen, mag es ein trübes Weihnachten gewesen sein Und wir dürfen uns vor der Erkenntnis nicht verschließen, daß der Ansturm fremden Volkstums aus bas deutsche . Vaterland nicht erfolglos geblieben ist, daß von dem Bor- • lande Stück um Stück durch die wild ausgepertschten ■ Wogen des fremden Nationalismus angesressen wird.
Soll es wirklich deutsches Schicksal sein, nicht bloß wie früher jenseits bei Ozeane fremden Völkern als Kultur- .Ätnarr zu.bieauy jpnbexn nun auch aLwählich in jenen Gevieteu untergepflügt zu werden, die vor vielen Hunderten von Jahren das Deutschtum sich und der Kultur mit ; Blut und Schweiß erobert hat?
Daher gibt es eigentlich gar keine Festpause für jene, : in deren Hand die Bewahrung unseres Reiches und Volkes gelegt worden ist. Erfteulich dabei ist nur, daß dabei wenigstens innenpolitische Streitereien nicht hemmend wirken können, weil ja die Äuseinandersetzungcn i hierüber um längere Zeft vertagt sind, und cs ist gut so. Mögen sich wegen jener außenpolitischon Streitpunkte : jetzt die parteipolitischen und innenpolitischen Auseinander ; setzungen nicht ganz zum Schweigen bringen lassen, so werden diese doch hoffentlich aus unser außenpolitisches ; Handeln ohne jede Wirkung bleiben. Gewiß ist es fein unberechtigter Verdacht, bei dem Korrflikt mit Frankreich wegen des Landauer Spruches anzunehmen, daß der französischen Regierung die Fcstparise gar nicht so unbequem ist; für uns wird sie nur ein Atemholen sei», ; um dann mit stärkerer Wucht und größerer Energie den ! Widerstreit einer uns befriedigenden Lösung entgegen zufiihren.
Wo alles haßt, da kann Polen allein nicht sein bleiben. Die Deutschenverfolgung in OsioÜcrschlesien überschlägt sich wieder einmal; man hat am Tage vor Weihnachten in Katt 0 witz acht Deutsche verhaftet, »veil sie angeblich Agenten des deutschen Mitgliedes der „Gemischten Kommission", Dr. L u k a s ch c k, gewesen : seien. Wie unsinnig das ist, geht schon aus bei einen Tatsache hervor, daß sich die angeblich vorgefundenen Schriftstücke nur auf Vorgänge des Jahres 1921 beziehen. Damals war Ostoberschlesien noch — deutsch. Freilich wird cs der polnischen Regierung sehr unangenehm sein, daß es diesen Leuten gelungen war. die engen Beziehungen zwischen ihr und den Aufständischen, dazu die Teilnahme von polnischen Truppen an jenem Aufstand fest gestellt zu haben.
Es ist überall baS gieiaic die Quälereien, denen das " Deutschtum jenseits unserer Grenzen unterliegt, werden fortgesetzt ohne jede Berücksichtigung der Gedanken des Minderheitenschutzes und des Bundes der Völker. Mau ' kann noch nicht sagen, daß hierin eine Besserung ein« getreten ist, und nur selten erfreut uns eine Kunde wie die, daß jene Gemischte Kommission unter dem Vorfitz' Calonders die Übergriffe Polens in der Schulfrage angewiesen hat, daß auch in Ostoberschlesien deutsche Eltern ihre Kinder deutschen Schulen Zuführe» und damit deutschem Volkstum erhalten können.
Ein Fest war uns bcschiedcu, eine Atempause aber nicht gestattet; das ist deutsches Schicksal in der Gegen wart und cs wird lange dauern, ehe wir einen Feiertag ohne Sorgen werden begehen können.
Eine nZue polmsche Asis.
Die ReichstagSerklärunfl und die Wahlen i u C ft a b e r f cö l c f i c n. Die polnische Gesandtschaft in Berlin hat dem Auswär tigen Amt in der Frage der Erklärung der Regierungsparteien des Reichstages zu den Gcmcindewahlcn in Polnisch-Qbcrschlcsien.eine weitere Note jugeben lassen. In dieser Note stellt die polnische Regierung fest, daß sie ben in der deutschen Rote vom 3. Dezember zum Ausdruck gebrauten Standpunkt durchaus teilt, daß in bezug auf Oberscklesien die genaue Innehaltung des Genfer Abkommens für die deutsch-polnischen BeZichmfi gen bestimmend sei. Die Erklärung der deutschen Regie - rungsparteien bedeute aber eine unzulässige Ein - m Hebung in die Angelegenheiten Polens. Die polnische Note verweist hierbei auf Artikel 72 des Genier