ulöaer Mzeiger
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TagMM Mr Rhön und Vogelsberg
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Nr. 300 — 1826
Zui-a- und Haunetal »Zulöser Kreisblatt
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^uldK, Mittwoch, 29. Dezember mtEHUSMTC^raraiMmffl^^
3. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichsminister Haslinde empfahl in einer Rede für das neue Jahr, eine bessere Jnieressenverbmdung zwischen Stad: und Land anzubahnen.
'" Das Ncichspostministcrium lehnt die Aufwertung des in der Inflationszeit zwangsweise cingezogencn Fernsprech- beitrages ab.
* Durch ein Erdbeben wurde die albanische Hauptstadt Durazzo teilweise zerstört.
* In Nikaragua haben heftige Kämpfe zwischen Liberalen und Konservativen statigesunden.
Mgechlock oder Reichstag-auflösung.
Die Frage der Regierungsbildung.
In der Öffentlichkeit hat man sich in den letzten Tagen wieder mehrfach mit der Frage der Regierungsbildung beschäftigt, wobei natürlich allerlei Kombinationen aufgetaucht sind. Gegenüber einer Darstellung des Demokratischen Zeitungsdienstes, wonach die Bestrebungen rechtsgerichteter Kreise darauf gerichtet seien, mit Hilfe der Deutschen Volkspartei ein B c a m t e n k a b i ° nett der verschleierten Rechtsregierung oder aber ein rechtsgerichtetes Minderheitskabinett zu bilden, schreibt die Tägliche Rundschau, der gute Beziehungen zum Reichsaußenminister Dr. Stresemann nachgesagt werden: Tatsächlich liegen die Dinge so, daß voraussichtlich ein Mann der Rechten mit der Regierungsbildung beauftragt wird und daß man versuchen werde, ein Kabinett sämtlicher bürgerlichen Parteien zu bilden. Sollte dieser Versuch und der Versuch, gegebenenfalls ohne Demokraten ein Kabinett zu bilden, mißlingen, so werde wahrscheinlich wieder die Mitte mit der Neubildung der Regierung betraut werden müssen. Scheitere ein Kabinett aus dieser Grundlage im Reichstag abermals, bliebe wohl päâs« weiter Mrist â -^ AuMmrg des Reichstags.
Interessant ist noch, daß Dr. Luther als die Persönlichkeit genannt wird, die die Leitung des viclum- strittenen Reichswehrministeriums erhalten soll.
Heeresverstärikung um 135 Manu!
Der Heereshaushalt für 1927.
Der Heereshaushalt für das Rechnungsjahr 1927 hat die Zustimmung des Reichsrates gefunden und gebt nun an den Reichstag. Er übertrifft den Haushalt von 1926 um 7,2 Millionen Mark. Ein sehr großer Teil der Mehrausgaben ist bedingt durch die feit dem 1. Juli 1925 (dem Ausstellungstage des Haushaltes 1926) eingetretene Erhöhung der Löhne und durch Preissteigerungen, so daß der Haushalt 1927, an der realen Kaufkraft gemessen, hinter seinem Vorgänger zurückbleibt. Von den 7,2 Millionen Mark Mehrkosten entfallen allein 6,2 Millionen Mark auf Unterkunft, Bekleidung, Sanitäts- und Vete- rinârwesen, so daß für alle übrigen Zweige des Heereswesens nur ein Mehr von einer Million Mark zur Ver- sügung steht. Infolgedessen müssen sich viele Titel nicht nur mit denselben Zahlen wie für 1226, sondern teilweise sogar mit geringeren Mitteln abfinden. Mit Zustimmung der Interalliierten Militärkontrollkommission ist eine Heeresverstärkung von 135 Mann vorgeschlagen worden. Bei der Musik ist eine Vermehrung der Unter- offiziersstellen, im übrigen Heere eine Vermehrung der Obergefreiten aus Kosten der Gefreiten vorgesehen. Schließlich ist eine neue Oberleutnantsstelle geschaffen worden: die Mittel hierfür sollen durch den Verzicht auf den Staatèselrctärposteu gewonnen werden.
Die Wushâhrung ö§§ Mkaöss.
Beisetzung Mitte Februar.
Die Leiche des Kaisers von Japan wurde in feierlichem Zuge ans dem Schlosse Haymna nach dem Palast in Tokio übergcführt. Eine unübersehbare M c n s ch c n m e n g c erwartete in der Hauptstadt entblößten Hauptes, zum Teil kniend, den Trauerzug. Die Leiche wird bis zur Beisetzung Mitte Februar im kaiserlichen Palast bleiben Durch kaiserlichen Erlass sind sechs Tage lang in ganz Japan alle Musikveraustaltungen verboten. Sämtliche Läden in Tokio sind geschlossen.
Aus Anlaß des Ablebens des japanischen Kaisers hat der italienische König ein lötägigc Hoftrauer an- Leordnet.
Die Entwicklung des AeiHsjusiizmimsteriMS.
Berlin. Am 1. Januar 1927 befiehl du: Reichsjustizbe- borde 50 Jahre. Sie wurde als Rciwöjustizaml Duren mv Haushaltsgesetz vom 23. Dezember 1876 mit dem 1. Januar 1877 errichtet und durch das Gesetz über die vorläufige taeichs- gewalt vom 10. Februar 1919 in ein ReichSminisieriiim tun« gewandelt. Der etatmäßige . Personalbestand außer den Chefs betrug am 1. Januar 1877 einen Direktor, vier Vortragende Räte, zwei ständige Hilfsarbeiter, vier Bureau- beamte; ]. Januar 1900 einen Direktor, sieben vorlragcude Rate, zwei ständige Hilfsarbeiter, 13 Burcaubcanue: 1. Januar 1924 einen Direktor. 10 Vortragende Ritte und 20 Bureau- veämte; i. Januar 1927 einen Staatssekretär, zwei Winisteria.- bircftoren, elf Ministerialräte, Drei Dberregierungsrare, zwei Rogierungsräte, 26 Bnreaubcamlc, dazu eine Reihe lammn- Lutsch beschäftigter Hilfsarbeiter. Zum Geschäftsbereich des ^uürzministeriuuls gehören das Reichsgericht und die Rerchs- ünwaltschaft, seit 1917 auch das Reichspalemauu.
Amerikas Jnterventionin Mexiko
Große Erregung in
Schwere K ämp fè in Nikaragua.
Berichte aus verschiedenen Teilen Südamerikas besagen, daß das Elngreisen nordamerikanischer Truppen in Nikaragua große Erregung gegen die Vereinigten Staaten ausgelöst habe. Das Staatsdepartement betont demgegenüber erneut, daß die amerikanischen Truppen lediglich auf den Schutz von Leib und Leben der in Nikaragua ansässigen amerikanischen Bürger (etwa 1000) bedacht seien.
AmcrilamjHe Truppenlandung u. juiutuguu.
Die amerikanische Negierung ergreife weder für die eine noch für die andere der sich bekriegenden Gruppen Partei. Der Washingtoner Betichterstatter der „Times" meldet, alle zentral- und südamerikanischen Vertreter in Washington, mit denen er über die Landung amerikanischer Seestreitkräfte in Nikaragua gesprochen habe, hätten den Schritt der Vereinigten Staaten als „einen Fehler ersten Ranges" bezeichnet, Der alles Gute, was za den letzten vier Jahren unter Staatssekretär Hughes erreicht worden sei, vernichte, die Angst und das Mißtrauen gegenüber den Vereinigten Staaten wieder anwachsen lasse und den merikani'chen Einfluß in gewissen, am Karaibi-
Keine Auswrttnng des Zernsprechörittags
Stellungnahme des Neichspostministeriums.
Das Reichspostministerium nimmt zu der Frage des im Jahre 1920 den Fernsprechteilnehmern auferlegten einmaligen Fernsprechbeitrages, der für den Hauptanschluß 1000 Mark und für den Nebenanschluß 200 Mark betrug, Stellung. Nach den Ausführungen des Ministeriums kommt eine nachträgliche Auswertung dieses Beitrages nicht in Frage, da sich — nach Ansicht des Reichspostministeriums — der Fernsprechbettrag als eine Art Zwangsanleihe, die von der Aufwertung ausgeschlossen i sei oder jedenfalls als eine Art Abgabe oder Ergänzungs- ) gebühr öffentlich-rechtlichen Charakters, keinesfalls aber I als Vermögensanlage im Sinne des Aufwertungsgc- setzes darstelle. Den dem Standpunkte des Reichspost- ministeriums ungünstigen Entscheidungen des Landgerichtes Kiel und des Oberlandesgerichtes Hamm stünden zahlreiche für die Reichspost günstige Entscheidungen anderer Gerichte gegenüber. Eine Entscheidung des Reichsgerichts sei bisher noch nickst ergangen.
Potikische Aundschüu.
Deutsches Jieich.
Für Weiterzahlung der Sond-rzulage.
Die Weihnachtsbeihilfe für die Beamten ist nicht in allen Ländern den Beamten des Landes und der Gemeinden in der gleicher: Höhe gezahlt worden wie den Reichs- beamten. Hessen. Bader: und Mecklenburg Haber: eine Sonderregelung trotgenommen, bei der die Beamten schlechter tvegfamen, als nach den Rcichstagsbeschlüsscn ihnen zustand. Hessen hat nur die Beamten bis zr:r Grupvc 6 berücksichtigt. Baden hat allen Beamten glewr- mäßig nur die Mirrdestsätze der ReichsbeihUse gezahlt. Mecklenburg hat die Sätze des Reiches bis zur Gruppe 6 gegeben und bei den höheren Gruppen Abstriche gemacht. Die Gemeinden sind größtenteils für ihre Beamter: dem Beispiel der Länder gefolgt. — Beim Wiederzusammentritt des Reichshanshaltsausschusses »voller: die Bcamtenorga- nisationen daraus binwirkcn, daß bis zur grundsätzlichen Neuregelung der Besoldungsordnung die als Wcckrnachis- beihUfe bewilligte Sonde r zutage wertergc- zahl: lvird.
Neue Besprechungen General von Pawclsz'.
General von Pawels; wird in den ersten Januar- tagen in Paris eintreffen und die Verhandlungen m:t ben militärischen SachverMrüngen und mit der Tot schasterkonserenz über die noch strittigen Fragen der öst
schen Meere liegenden Ländern nicht nur nicht vermindern, sondern noch vergrößern werde. Auch der Berichterstatter der „Morning Post" meldet, daß die Gesandten der zentralamerikanischen Republiken in Washington besorgt seien und die Ansicht verträten, daß die Vereinigten Staaten sich anschickten, wenn nicht dem Ramen nach, so doch tatsächlich ein Protektorat über ganz Zentral am erika zu erlangen. Sie sähen darin eine flagrante Verletzung des Washingtoner Vertrages von 1923 mit den zcntralamcrikanischcu Staaten.
Infolge strenger Zensurmaßnahmen ist cs schwierig, genaue Nachrichten über die Lage in Nikaragua zu er« hatten. Nach einer Reutermeldung finden zwischen den Streitkräften der Liberalen und der Konservativen seit mehreren Tagen Kämpfe statt, in denen beide Seiten starke Verluste erlitten haben. Den Truppen der Liberalen soll cs gelungen sein, mit Unterstützung mexikanischer Freiwilliger die konservativen Streitkräfte zum Rückzug auf Blursiclds zu zwingen. Der Kommandant der Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten, Admiral Lattimcr, hat die Bezirke von Puerto CabczaS, Rio Grande, El Bluff und Bluefields zu neutralen Zonen erklärt. Innerhalb der Grenzen diescr Bezirke sind die Streitkräfte der beiden kämpfenden Parteien zu entwaffnen. Admiral Lattimcr hat ferner vorgeschlagen, weitere neutrale Zonen einzurichten, um den Frieden in den Küstenstädtcn sicherzustcücn. „Associated Preß" weist zu berichten, Präsident Diaz habe mitgetcilt, er wünsche nicht, daß noch mehr Landsleute getötet würden. Um weiteres Blutvergießen zu verhindern, ziehe die konservative Regierung ihre Streitkräfte vom Pearl Lagoon zurück, wo seit mehreren Tagen ein heftiger Stampf im Gange war.
Abschluß eines Waffenstillstandes.
Die Heiden in Nikaragua um die Herrschaft impfenden Parteien haben einen Waffenstillstand abgeschlossen, um die während der letzten viertägigen Kampfe Gefallenen beerdigen zu können.
Amerikanische Militärflieger in Mexiko.
Reuter meldet aus Mexiko: Der Befehlshaber der fünf amerikanischen Heeresflugzeuge, die auf ihrer Kreuzfahrt nach Südamerika hier eingetroffen sind, übergab dem Präsidenten Calles einen Brief von Präsident Coolidge. Der mexikanische Präsident wünschte den Fliegern Erfolg für ihr Unternehmen und sprach die Hoffnung aus, daß die freundlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen fortdauern möchten.
lichen Befestigungen und des Kriegsmaterials fortsetzen. In französischen beteiligten Streifen nimmt man an, daß eine Einigung über diese beiden Punkte mit der Botschafterkonferenz bis zu dem festgesetzten Termin, dem 31. Januar, erfolgen kann, so daß der Völkerbundrat jedenfalls keine Veranlassung Haber: wird, sich hiermit zu beschäftigen.
Aus In- und Ausland.
Berlin. Zwischen der deutschen Regierung und dem Generalagenten für die Reparationszahlungen sind, wie der Generalagent in seinem Bericht an die Reparationâkommisßm: mittelst*, Vereinbarungen über die Verteilung Der drit-> ten Jahresrate getroffen worden, Die einen für die deutsche Wirtschaft erträglichen Licierungs und Zahlungâ- inodus sichern sollen.
Berlin. Die Reichsregierung hat dem Internationalen Arbeitsamt in Gens mittcilen lassen, daß sie in Der Frage des A r b c i l s z e i t a b k o m m e u s bereit sei. Die Washingtoner Vereinbarungen sofort nach der Verabschiedung des deutschen ArbcitsschuygesctzeS, das inhaltlich Den Besttnimun- gen des Abkommens entspreche, zu ratifizieren.
Berlin. Der sozialdemokratische Reichstaqsabgeordnetc Friedrich Zubeil ist den Folgen eines Schlagaufalls erlege n, den er vor ungefähr vierzehn Tagen erlitten hatte. Zubcil stand im 79. Lebensjahr. Dem Reichstag gehörte er ununterbrochen seit 33 Jahren an.
Amsterdam. Der Minister des Innern Dr. Kau stattete auf Haus Doorn einen Besuch ab, wo, er mit dem früheren Deutsche n K â i se r und Dessen Gemahlin eine Unter- r e d u n g hatte.
Kampf um die Inderiwsmarke.
Zurückweisung der damit franfierten Briefe.
Die Fridericusmarke bat in Hannover Anlaß zn cincnr interessanten Zwischenfall gegeben. Das sozial- dcnwkratische Organ, der Hannoversche Volkswillc, hat die Annahme von mit Fridericusmarken frankierten Briefen verweigert und dabei Aufklebczettcl folgenden Inhalts auf den Briefen angebracht: „Annahme vor »veigcrt, da mit der Fridericusmarke frankiert, als Protest gegen die monarchistisch-Militaristische Propaganda der Deutschen Rcichspost." Die Oberpostdirektton bat Darauf hin die Firma davon in Kenntnis gesetzt, daß Die Art der Zurückweisung jener Briefe den Gesetzen »viderspreche und daß in Der erwähnten Begründung eine Beleidigung des Relchspostministers zu erblicket: sei. Ferner lvird in dem- Schreiben angckündigt, daß in der angegebenen Weise zu- rückgewiesenc Postsendungen in Zukunft dem Absender nicht wieder zugcstcllt tverden, sondern bei der Post lagern sollen. Wie verlautet, sollen die von dem sozialdcuwkrati- schcu Blatt verwandten Aufklebczettcl auch von zahlreiche» anderen Firmen und Privatpersonen benutzt werden.