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Zul-aer Anzeiger

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Tagebiatt für RHSn unö Vogelsberg

ZulLa- unö HsuneLal.ßul-aer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-flnschiuß Nr. 989

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit «hurUenangsbe .ZulLaer pnseiger'geftattrL

Nr. 301 1926

eeaKMBBÄMee

Anzeigenpreik: Zur Behörden, Senvffrnschas- ten,Banken usw. beträgt die Riemseile -.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstal­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen * Tag. und plahvorschnsten onverbinüUch.

3. Jahrgang

^ulda, Donnerstag, 30. Dezember

Kleine 3eihmg für eilige Leser.

* Der zwischen Italien und Deutschland abgeschlossene ^rcundichasls- und Schiedsvertrag ist in Rom durch den beut« K^W^tet Dr. d. Neurath und Mussolini unterzeichnet

* Aus den aus der Station Tchweilershain haltenden D-Zug BerlinChemnitz fuhr ein Güterzug auf. 22 Personen wur­den verletzt, darunter mehrere schwer.

* In Montreur starb im Alter von ."2 Jahren der bekannte deutsch-österreichische Dichter Rainer Maria Rilke.

* In Nikaragua hat eine dreitägige Schlacht mit der Nieder­lage der Regierungstruppen gegen sie Aufständischen ge­endet.

Neujahrshoffnuèigsn.

Mit allerhand überaus unerfreulichen Mißtöneu hat das alte Jahr geendet und mir hoffen nur, daß die poli­tische Musik, die im neuen Jahr erklingen wirds derartige Disharmoniert nicht mehr aufweist.

Sonst können wir eigentlich zufrieden sein mit dem, was das vergangene Jahr uns gebracht hat; freilich darf man bei dieser Zufriedenheit doch die Feststellung nicht vergessen, daß manches hätte besser sein können. Das gilt vor allem für die Wirt s ch a ft. Als Geschenk kam und der englische Streik, der ein starker Ansporn für große Zweige unserer Wirtschaft war; freilich haben auch hier andere Teile der deutschen Wirtschaft unter diesem Streik zu leiden gehabt. Andererseits darf man sich nicht ver­hehlen, daß die durch den Streik erzeugte Aufwürtsent- Wicklung der Wirtschaft doch eine treibhausartige ist und Mb sich im nächsten Jahre, im Kampf schärfsten Wett- bewerbes, erst erweisen muß, ob dieses Aufblühen be­ständig bleibt. Es muß sich auch erst noch erweisen, ob der weitere Anstoß, den namentlich das W e i h n a ch t s - geschäft dem Geschäftsleben gegeben hat, nicht durch einen Rückschlag wieder aufgehoben wird oder ob auch hierin der Ausdruck einer günstigen Entwicklung liegt.

Betrachten wir also das Wirtschaftsleben des ver- aanaenen Jahres mit einem heiteren und einem nassen * -auch

»oben unseres Volkes. Dabei ist freilich das heitere Auge auf die Außen-, das nasse Auge auf die Innenpolitik gerichtet. Denn über letztere kann man wirk­lich nur weinen. Es scheint nachgerade deutsches Schicksal Lu sein, jedesmal zu Neujahr in einer Regie rungs- I rise zu stehen. Das war im vergangenen Jahre so, war auch der Fall vor zwei Jahren. Nun geschah es zum drittenmal. Daß sich die innenpolitischen Gegensätze auch nur abgeschliffen hätten, kann man leider nicht sagen. Ge­wiß betrachten int grauen Einerlei des Alltags die aus­einanderstrebenden Deutschen den andersdenkenden Volks­genossen durchaus nicht als Schuft und Schurken, bloß, weil er eben politisch anders denkt; aber in dem, was man politisches Leben nennt, prallen die Gegensätze schärfer und rücksichtsloser denn je aufeinander. Die letzter; Tage, in denen der Reichstag noch zusammen war, brachten Diese Schärfe der Gegensätze in besonders unerfreulicher Form zum "Ausdruck, und sein Mensch weiß zurzeit, wie Die Brücke gebaut werden soll, aus der politisch-parlamen­tarisch der Weg in die Zukunft führt. Die Reunmalweisen raunen von R e i ch s t a g S a u s l ö s u n g; bm? wäre freilich eine unangenehme Gabe, die uns das neue ^ahr bescheren könnte. t. . _. ,. , .

Wenn man einen Wunsch an dieses neue ^ahr hat, dann ist es vor allem der eine, daß wir Deutsche uns doch parteipolitisch einander etwas nähern mögen, weck es unendlich besser ist, angesichts der wirtschaftlichen Sch.vrc- rigkeiten den Kampf um die politischen Weltaulchanungen einzuschränken. Allzusehr würde sich allerdings ras deutsche Volk auch über eine Rerchstagsauflosung mit darauffolgendem Wahlkampf nicht mehr ausregen.

Ein klein wenig erfreulicher ist dw außenpolr- tische Lage an der Jahreswende. Wir uberichatzen gewiß nicht die Tatsache, daß wir im vergangenen Jahre Mitglied des Völkerbundes geworden und, wenn wir daraus Hinweisen, daß wir praktische Früchte nur dadurch . geerntet haben, daß im Anfang des vergangenen Jahres ein geringer Teil des besetzten Gebietes geräumt worden ist. Gewiß ein Jahr zu spät, aber cs bedeutete doch immer­hin den Anfang, und wenn jener Germersheimer Burger, den ein französischer Offizier erschoß, mitseinem Blur die Besatzung in den noch f-twib^t Herrschaft unterliegenden Gebieten hinwegspült, so ist er tatsächlich für lern deut­sches Volk gestorben. Denn das muß das außenpolrinwe Ziel sein, an dem wir mit unablässiger Energie im neuen Jahre festhälten: Alles Land, auf dem noch fremde Truppen stehen, muß geräumt werden. ES muß wirk­licher Frieden in Europa herrschen, nicht ein durch ote Gewalt der Bajonette ausrechterhaircuer. .

Nicht wolkenlos ist der politische.Horizont: noch das Gewitter nicht vertrieben, das im O st e n aufge­zogen ist. Und im Westen mußte manchem deutschen G-it- gläubigen erst der ZwtschMM von Land au dw ringen öffnen. Wir sind noch nicht soweit, all das Bittere und Furchtbare, das wir Machtlosen nach beut Kriegsende haben hinuntcrschluücn müssen, nun einfach vergessen zu könnöu. Auf der anderen Seite luirb auch nicht vergeßen, immer noch die Siegerstettung anszunutzen. . .

Nur langsam arbeitet die Geschichte, erst aamahlKi mildert sie die Gegensätze. Ein Schritt auf dwiem Wege soll auch das neue Jahr sein. Ein Schritt nur, kein Sprung. Denn es strauchelt, wer Hindernisse öM,aÄ über- springen will. Man muß sie aus dein Wege räumen, m harter, mühseliger 'Arbeit. Das wird auch im neuen >>ayro das Ziel unserer Außenpolitik sein, HMut w'.r endlich wieder den Platz erreichen, den das deutsche Vork aus

Der deutsch-italienische Vertrag.

Schieds- md DremdschaMerirag mit Mien.

Unterzeichnung in Rom.

Der deutsch-italienische Schiedsgerichts- und Freund- schastSvertrag ist in Rom durch den deutschen Botschafter Dr. v. Neurath und Mussolini unterzeichnet worden. Mussolini hatte ursprünglich die Unterzeichnung deutscher­seits durch Dr. Stresemann selbst gewünscht, der bei seiner ärztlich verordneten Erholungsreise nach bem Süden eine Begegnung mit dein italienischen Ministerpräfidente» haben sollte. Da Dr. Stresemann diese Reise indessen vorläufig wegen der innenpolitischen Schwierigkeiten auf« gegeben hat, hat Botschafter v. Neurath die Unterzeichnung für Deutschland vorgenommen.

Der Vertrag ist gleichartig den Abkommen, die Deutschland bereits mit anderen Mächten nbgeschlossc» hat. Alle Streitigkeiten irgendwelcher Art müssen nach dem Vertrag, wenn sie nicht in angemessener Zeit auf diplo­matischem Wege geschlichtet werden können, dem Schiedâ- gcrichtsvrrfahrc!! oder dem Vergleichsverfahren uttier- worfen werden. Dem Schiedsverfahren sind insbesondere unterworfen Sèreitigkeitcu über Bestand, Auslegung und Anwendung bestehender Verträge, Fragen des internatio­nalen Rechts, Verletzungen zwischenstaatlicher Verpflich­tungen und deren Wicdergutlnachung. Das Schieds­gericht entscheidet nach den zwischen den beiden Mächten bestehenden Übereinkünften, nach dem internationalen hk« wohnheitsrecht und den von den Kulturstaaten anerkann­

Grund seiner Größe und feier Leistungen für sich ver­langen kann. Und der erste Schritt auf diesem Wege soll jener sein, bot allen Deutschen auf deutschem Boden die

Dreitägige Schlacht in Fikaragua.

Schwere Niederlage der Negicrungslruppen.

Die Kämpfe, Die zwischen den Liberalen und den Kon­servativen in Nikaragua in Den letzten Tagen geführt worden sind, haben vorläufig mit einem vollen Erfolg der Revolutionäre gegen Die bis jetzt bestehende konservative Regierung des Generals Tiar, geendet. Den Anhängern der Liberalen ist es gelungert, die Zugänge zum Condidoftnß zu gewinnen und damit einen Bezirk in ihre Gewalt zu bringen, in Dem eine amerikanische Oüstverwcrtuugsgcsellschaft tätig ist. Nach

Admiral Latimer, Kommandant des amerikanischen Landungskorps in Nikaragua.

einer Ncutermcldung wurde beim Rückzug derRegierungs- truppen Die aus 400 Manu bestehende Nachhut ent­weder n i e d e r g e m a ch t oder g c f a n g e n. G00 Mann flüchteten in die neutrale Zone von El Bluff, wo sie durch die nordamerilanischen Marinesoldaten entwaffnet wur­den. Die Schlacht zwischen Den Liberalen und Den Regie- ruligstruppen, die mit einer Niederlage der letzteren endete, dauerte drei Tage. Die Negierungstruppen waren aller­dings weniger zahlreich als ihre Gegner und hatten nur Maschinengewehre zur Verfügung, während Die Liberalen sogar zwölf Gefchütze hatten.

Die Haltung Amerikas gegenüber den neuen Verhältnissen in Nikaragua ist noch nicht ganz durchsichtig Während Newyorker Meldungen davon zu berichten wis­sen, daß die amerikanische Regierung nach einer Konferenz im Weißen Hause eine Ä n d c r u n g ihrer N i k a r a . guaer Politik beschlossen habe, besagen Pariser Mel­dungen, daß Amerika weitere 6000 Mann in Nikaragua landen will.

Der Abschluß der Zeppelin-Läener-Spende.

Berlin. Im Laufe des Januars wird das Kuratorium der Zeppelin-Eckener-Spende das endgültige Ergeb­nis Der Sa in in lung c n scststellen. Die Sammlung ha^ bis jetzt 2,0 Millionen Mark ergeben. Einige große Bezirke, namentlich in Westdeutschland, haben noch nicht abgerechnet.

ten RechtSgrundsährn. Jede Ration ernennt einen Schiedsrichter, drei weitere werden von ihnen gemeinsam berufen. Die Entscheidungen erfolgen mit einfacher Stimnlennrchrheit.

Für das Vergleichsverfahren wird ein ständiger Bergleichsrat gebildet, dessen fünf Mitglieder, genau wie die Mitglieder des Schiedsgerichts, berufen werden. Auch er beschliesst mit einfacher Stimmenmehr­heit. Technisch ist seine Aufgabe dahin definiert, daß er einen Bericht erstatten soll, der den Sachverhalt fcftfleüt, und wenn die Umstände des Falles dazu Veranlassung geben. Vorschläge für die B e i l e g u n g d c r Streitigkeit enthält. Das Vergleichsverfahren ist also das politisch bedeutsanlere Verfahren, das in allen den Fälleu angewandt werden muß, die zu einer Kriegs­gefahr führen können.

Die italienische Presse beschäftig! sich in ausführlichen Kommentaren mit dem Vertrag, dem sie mehr juristische als politische Bedeutung beimißt. Die römischen Blätter weisen daraus hin, daß die Verhandlungen von sein Willen getragen gewesen seien, eine stabile und wiber- slaudssähige Einigung zu erreichen. Mussolini und Stresemann hätten schon während der Verhandlungen Gelegenheit gehabt, die Öffentlichkeit beider Länder auft zuklären und vor aller Welt auszusprechen, daß der Ver­trag nicht gegen eine dritte Macht gerichtet sei uns keine bestimmten politischen Zwecke verfolge. Die Blätter betonen weiter, daß durch den Vertrag die Be­ziehungen zwischen Rom und Berlin endgültig geklärt würden, was im Sinne der faschistischen Außenpolitik zur Festigung des Friedens beitragen müsse.

Re Deutfchenausweifmgen aus Kemel.

Ungenügende Erklärungen des litauischen Dtinister-

Der nenernnnnte litauische Ministerpräsident, Wolde- inaraS, stattete dem Memelgebiet einen Besuch ab. Er empfing bei dieser Gelegenheit.Abordnungen des Land- Ingeâ sowie der Presse, mit denen die Frage der Aus­weisung Reichsdeutscher ans dem Memelgebiet besprochen wurde. Der Ministerpräsident äußerte dabei, daß die Frage noch offen fei und daß er vorläufig noch leine Auskunft geben könne. Die Frage, ob diese Angelegen­heit Einflußausdiedeutsch-litauischcnVer- Handlungen haben würde, verneinte der Minister­präsident, denn eS handele sich um eine rein lokale Maß­nahme, über sie noch entschieden werden würde. Es be­stehe zurzeit in Litauen K r i e g S z u st a n d, und Die Kriegskommandanten hätten Die Verpflichtung, für die Sicherheit des Staates zu sorgen.

Nach Auffassung Berliner politischer Kreise müssen die Erklärungen deS litauischen Ministerpräsidenten, Woldemaras, über die deutschen Ausweisungen als völlig unbefriedigend bezeichnet werden. Nach deutscher Ansicht Dürfe kein Unterschied zwischen Der litauischen Regierung und der Militärgewalt gem ht werden. Wie es heißt, ist Die Reichsregierung entschlossen, mit allen Mitteln die Interessen der Reichsdeutschen zu vertreten und würde bei einer ungenügenden Regelung der Angelegenheit auch vor entsprechenden Konsequenzen nicht zurückscheuen.

Dem litauischen Gesandten in Berlin ist im Auswär­tigen Amt erklärt worden, daß die Durchführung Der Aus­weisungen die Einleitung bzw. Durchführung Der deutsch- litauischen Verhandlungen unmöglich mache.

Protest deS NeichsverbandeS der Deutschen Presse.

Der Rcichsvcrband Der Deutschen Presse erhebt vor aller Welt schärfsten Protest gegen die Be- d r ii ck u ii g der d c u t s cki c n Zeitungen in Memel und insbesondere gegen Die Ausweisung von Drei Deut« schen Redakteuren aus dem Memelgebiet. Diese Aus­weisung stellt einen durch nichts begründeten brutalen Willkürakt dar, Der nicht nur gegen jede Gerechtigkeit und Gesetzlichkeit verstößt, sondern auch eine schwere Ver- lctzung der internationalen Verpflichtungen Litauens bc = deutet. Der Rcichsvcrband Der Dcutschcn Presse spricht Die bestimmte Erwartung aus, daß die deutsche Regierung in ihren nachdrücklichen Vorstellungen nicht Nachlasse, bis die Ausweisungen deutscher Redakteure rückgängig gemacht sind, die Fre.hcit der deutschen Presse im Memelgebiet iviederhcrgestelll und der Schaden. Der den deutschen Zeitungen und Redakteuren aus den Unterdrückungsmaß- habmen der litauischen Behörden erwachsen ist, volle Wiedergutmachung gefunden hat.

Katastrophale LleberschVemmungen

auf der Istalakkahalbrnsel.

Sing apo re. Infolge DeS anhaltenden Regenö wâh- rcnd der Weihnaciitsfeicriagc führen die Flüsse der iiialayischcii Staaten Hochwasser. Die dadurch verursachten Übcrschwcm Ittlingen sind Vic schlimmsten, die seit langen Jahren beobachten wurden. Der Eisenbahnverkehr ist untc Jtochen, der Postvcr» kehr hat schwer zu leiden, der Schaden ist überall groß. Einige Städte sind vollkommen abgeschnit» t e n. Das Geschäft stockt. Man vermutet zahlreiche Tote. In ganz Perak haben Die Ausbeutung der Giimmibâumc unD die Arbeit in Den Bergwerken aufgehörl.