ul-arr Anzeiger
Erscheint seöen Werktag. Bezugspreis: monatlich 2 Mark. Bei ^ leferungsbehinürrungen üurch „höhere GeWaiLrn'", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperrr usw. erwachsen öem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich EhrenNau, Aulâa, Mitglied des Vereins Brutscher Zeitungsver- leger. postscheckrsntv: Frankfurt a. M. Re. 16009
Tagebla« für Rhön und Vogelsberg
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Rrösktion unö Hefchästsstelle: Mühlenstraße 1 ❖ Zernsprsch-flnsthluß Nr. 989
Nachdruck der mit * versehenen flrttk»! nur mit ttzuellenangade.Zuldaer flnzeis»r'gesto«*t>
Nr. 382 — 1926
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3. Iahrgan
^ulba, Freitag, 31. Dezember
Wünsche.
Sollen Wünsche sich erfüllen, Hege sie mit festem Willen. Last' von deines Herzens Gluten Sie durchpulsen und durchfluten.
Mußt sie pflegen und beleben, Ihnen Form und Inhalt geben.
Mußt Erfüllung heiß ersehnen, Darfst nicht zweifeln, planlos wähnen! —
Wünschst du so von ganzem Herzen, Trägst du leichter ird'sche Schmerzen, Fesselst alle guten Geister, Wirft des Schicksals Herr und Meister.
Jahreswende 1926-'27.
L. Decke.
Die Zeit und wir.
Die Nacht des Jahreswechsels ist, solange sich die Geschichte der Menschheit zurückverfolgen läßt, eine gern ergriffene Gelegenheit zu mehr oder weniger aus- gclasiener Fröhlichkeit gewesen. Die schweren Jahre, die wir hinter uns haben, scheinen insbesondere für uns Deutsche ein ausgiebiges Ausatmen zu rechtfertigen, und viele von uns werden dies zum Anlatz nehmen, sich dem anheimelnden Trubel des Silvestertreibens hemmungslos hinzugeben. Es sei ferne, ein Wort wider die Silvesterfreude zu sagen, wenn es sich um wirkliche Freude handelt. Jene frohe Stimmung, die uns den Uebertritt ins neue Jahr so leicht macht, ist aber keineswegs das Erzeugnis seichter Vergnügungssucht allein; frohe Silvefterstimmung geht vielmehr, wenn sie echt und wertvoll ist, gepaart mit einer stillen Stunde der Einkehr, die der frohen Laune keinen Abbruch tut. lifÄ|äibM
und Vorschau zu halten, die sich bemüht, in einer Stunde des Nachdenkens sich klar zu werden über die Stelle, wo in dieser Neujahrsnacht 1927 das Lebensschiff des Einzelnen und seines Volkes sich befindet? Ist wirklich die Selbsterkenntnis ein weitverbreitetes, kostbares Gut unseres Volkes? Wir wollen es hoffen, weil wir sonst verzweifeln müßten an dem Erfolg unserer Arbeit an diesem unserem Volke. Wie dem aber auch sei, — Allgemeingut des Volkes, das höchste Gut jedes Einzelnen ist die alte Wahrheit „Erkenne Dich selbst; erkenne Dich und den Ort in Raum und Zeit, wo Du Dich befindest!" bis heute nicht geworden. Und viele von denen, die diese Erkenntnis sich zwar zu eigen zu machen versucht haben, wissen nicht daraus die Konsequenzen zu ziehen und ihre Pflicht gegen sich selbst und ihr Volk zu erkennen.
Wer zuni Volke reden will, mutz des Volkes Sprache gebrauchen. Denn letzten Endes finden sich die Erkenntnisse des Philosophen in der verschleierten Lebensweisheit des Volkes wieder; was jener in klarer Dialektik zu ergründen trachtet, sucht das dumpf ahnende Volk mit dem Gefühl zu erfassen. Nur die Plattform, auf der beide stehen, ist nicht dieselbe. Die klare Ruhe mit der Heraklit sein „Alles fließt" aussprach, fehlt dem Mann aus dem Volke, der ähnliches ahnt und hilflos formuliert; „Es läuft in der Welt doch alles, wie es laufen soll," — ein Ausspruch, der heute nur zu oft in dumpfer Tatscheu an unser Ohr klingt.
Es ist kein Zweifel, — weite Schichten unseres Volkes haben sich von den kulturellen Aufgaben der Volksgesamtheit wie des Einzelnen in Hoffnungslosigkeit und vielfach in Bitterkeit abgewandt. Die Wahrheit, die sie erkannt zu haben glauben, lautet: „Wir mit unseren schwachen Menschenkräften ändern doch nichts am Lauf der Welt; das Geschehen auf Erden regelt sich nicht minder nach ewigem Gesetz wie der Bau der Welt oder der Lauf der Sterne. Wozu also die Mühe täglicher Kleinarbeit im Dienste eines Volkes, das werden und vergehen wird wie jedes andere." Das sind dann freilich trübe Neujahrsgedanken. Zum Glück aber stimmt die Rechnung nicht. Gewiß ändern wirnichts an den von einem Höheren vorgezeichneten großen Linien der Menschheitsentwicklung. Es ist aber doch noch ein Unterschied, ob die Weltgeschichte ein in sich gefestigtes, entschlossenes Volk, das sich selbst und seinen Platz im Wettstreit der Menschheit erkennt, vonindet oder nicht. Es ist noch ein Unterschied, ob dieses Volk seine Rolle — die es spielen m u tz, so oder so — aktiv oder passiv zu spielen gedenkt, ob cs den Platz erringen will, der ihm zukommt, und die Geltung unter den Völkern verteidigen will, die seine Arbeit ihm errungen hat. Es ist also ein sur die Zukunft entscheidender Unterschied, ob wir die Hände rühren oder sic müde in den Schoß legen. Ein Volk, das sich um seiner Selbstachtung willen von anderen geachtet wissen will, besitzt, wenn cs gesund an Leib und Seele ist, auch die Kraft, von sich aus in Die Entwicklung des Weltgeschehens ein zugreifen. Trotz
Amerika gegen das Wettrüsten.
Lsslidges FnedenspsW.
Amerikanische Abrüstu ng?
Präsident Coolidge hat in New Jersey bei der offi- iteilen 150-Jahrseier der Schlacht bei Trenton, die auf den berühmten Übergang Washingtons über den Dela- warefluß folgte, eine Rede gehalten, in der er von neuem »en amerikanischen Abrüstungswunsch betonte. Die Rede wirb als Hinweis aufgefaßt, daß Präsident Coolidge fest tntschlosten ist, unabhängig von Europa sein Abrüstungsprogramm durchzuführen.
Nach einem historischen Rückblick betonte Präsident Lvolidge, das? Amerika fest entschlossen sei, Herr seines •igelten Schicksals und Richter über sein eigenes Handeln 411 feilt. Er glaube nicht, daß Amerika die Friedenspolitik durch eine Rückkehr zum Wettrüsten fördern könne. Obgleich er für ein starkes Heer und eine starke Flotte eintrete, sei er gegen jeden Versuch, die amerikanische Nation zu militarisieren. Wo diese Methode vurchgeführt worden sei, habe sie sich stets als ein völliger Fehlschlag erwiesen. Amerika könne der Menschheit keinen besseren Dienst erweisen, als seinen ganzen Einfluß dahin aufzubieten, die Welt vor einem Rückfall in dieses System zu bewahren. Vollzöge sich in der ganzen Welt rin völliger Herzenswandel, hätten wir die moralische Abrüstung und völliges gegenseitiges Verstehen, dann brauchten wir keine Rüstungen und keine internationalen Verträge für ihre Beschränkung. Dern neuen Prinzip könne nicht Geltung verschafft werden, wenn man nicht ;» Opfern bereit sei und den Mut habe, sich zu feiner Überzeugung zu bekennen.
Er glaube, so betonte Präsident Coolidge zum Schluß, die Vereinigten Staaten seien stark und tapfer genug, um sich durch eigenes unabhängiges Vorgehen einer abermaligen Beherrschung der Welt durch •oen-militärischen Geist zu toiberfe^en.
MMS von 1 Million an Antwerpen.
Spruch des deutsch-belgischen Schiedsgerichts.
Nach Meldungen aus Brüffel hat das deutsch-belgische Schiedsgericht Deutschland zur Zahlung von einer Million Frank nebst Zinsen an die Stadt Antwerpen verurteilt. Der Angelegenheit liegt folgender Tatbestand zugrunde:
Bei Ausbruch des Krieges hatten in Antwerpen Ausschreitungen stattgefunden, durch die deutschen Reichsan- gehürigeil schwere Schäden verursach! wurden. Für diese Schäden war nach belgischem Recht die Stadt Antwerpen haftbar. Nach der Eroberung der Siadt durch die deutschen Truppen wurde von der Besatzungsbeyörve ein (5 oh bergetLirt zur Entscheidung über die Ansprüche der Geschädigten eingesetzt. dieses ©ericht sollte aus zwei von den deutschen Behörden bestellten Mitgliedern und einem Mitglied bestehen, das von der belgischen Behörde zu ernennen war. Die belgische Behörde hat ihre Mitwirkung verweigert, so daß auch der dritte Richter von deutscher Seite bestellt werden mußte. Die Entschädigungen, die dann Durch Spruch des Sondergerichts ober im Vergleichsweae festgesetzt wurden, beliefen sich auf rund 2,4 Millionen Frank.
Die Stadt Antwerpen hat jetzt vor dem derrlsch-bclaischen gemischten Schiedsgericht Klage auf Ersatz der g e f_a in -- len Summe erhoben. Das Schiedsgericht hat sich aus den Standpunkt gestellt, daß die Einrichtung des SondergerichtS mit der Haager Landkricgsordnnng nick: t in Einklang gestanden habe, daß aber die Stadt Amwerpen auch aou den belgischen Gerichten zur Zahlung einer erheblichen Entschädigung verurteilt worden wäre, die von der Klagesumme In Abzug gebracht werden muffe. Es hat den Betrag, der Danach der Stadt Antwerpen zu ersetzen ist, in freier Schätzung auf eine Million Frank feffgefent.
Eine Zahlung außerhalb der Dawes-Amruitäteu kommt nicht in Frage. Die Zahlung wird sicher nicht in bar erfolgen, sondern aus dem Erlös des liquidierten Eigentums oder aus der Dawes-Annuität gedeckt werden.
Maßnahmen gegen VeuWe in Polen.
Kntt 0 wih. Auf Anordnung der Aatlowitzer StaatS- anwaltschaf! wurden die Polizciorgane mit der Prüfung bei polnischen Staatsangehörigkeit einer Reihe von Personen, bü der deutschen Minderheit angeboren und im Vordergrund des Deutschtums stehen, beauftragt. ES mirb vermutet, dm diese Maßnahme im Zusammenhang mit beit in der pov Nischen Presse wiederholt gebrachten Meldungen steht, naif denen in der nächsten Zeit größere Ausweisungen zu erwarten seien.
der vorbezeichneten, unverrückbaren Grundidee der Menschhèitsentwicklung bleiben einem lebenskräftigen Volke so gut wie dem Individuum Möglichkeiten genug, sich in zäher Beharrlichkeit durchzusetzen. Sein Glück schmiedet letzten Endes jeder sich selber.
Mehr denn je tut heute, wo der unmittelbare Druck der schweren hinter uns liegenden Jahre vermindert ist, hingebungsvolle Arbeit im Dienste des Volkes not. Wir müssen es ihm vertrauend und hoffend zurufen: „Erkennt euch selbst, erkennt die große Linie der Menfchheitsevolution; erkennt aber auch die Rolle des Volkes in diesen Entwicklungsstürmcn, die im flüch- tiaen Moment der Gegenwart die Vergangenheit mit dèr Zukunft verbinden!" Handeln wir alle so, dann wird" auch der Ausklang des alten und die Geburt des neuen Jahres ein Baustein sein für unseres Volkes und damit unsere Zukunft.
Kritische Lage der DLaz-Regierung.
Unterzeichnung in Paris.
Nach den letzten Meldungen aus Nikaragua ist di Lage der Diaz-Regierung äußerst kritisch. Angesichts bei lutfducbencH Widerspruchs, den die Intervention der amc rikanifchen Truppen nicht nur in Zentral- und Südame rika, sondern vor allem auch in der amerikanischen össcnt lieben Meinung selbst begegnet ist, hat cs das Staats bepartement für richtig befunden, jede weitere Aktivität ii bei umstrittenen Zone zu unterbinden und strikte Neutralst tät zu bewahren. Ohne bic amerikanische Hilfe Wirt Präsident Diaz sich schwer halten können. Die Erregunf in Südamerika über das Vorgehen der Vereinigten Staaten ist noch immer sehr stark.
Die mekikanisch-amerikanische Spannung.
Präsident Calles ha! daS Ersuchen der ameruamichen Llgesettschasten, die Frist zur Einreichung der KonzesswnS- zesuche zu verlängern, mit der Begründung abgclehnt, daß Die Souveränität der mexikanischen Nation das Recht gebe, Die Gesetze zu erlassen, die sie als richtig erachte. Den Nesellschaften bleiben somit nur noch 48 Stunden, um den Forderungen der inexikanischen Regierung nachzukommen. Die Antwort des Präsidenten Calles ist achtzehn Gesell schäfte» zugegangen.
Im amerikanischen Ttaatsdeparteinent und in Washingtoner politischen Kreisen betrachtet man die Situation als k r i t i s ch. Man rechnet mit der A bherufun g o^ s a m e r i l a n i f ch e n B 0 t fch a s t e r s in Mexiko, Sheffield, falls den amerikanischen Gesellschasten durch die Maßnahmen der mexikanischen Regierung Schaden zugefügt werden sollte. Weitere diplomatische Schritte sind von amerikanischer Seite nicht mehr geplant. Die Meldungen, wonach sich mehrere amèrikanifche Olgesellschaften dem neuen 'mexikanischen Gesetz gefügt hatten, haben bisher noch teilte Bestätigung gefunden.
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Dsuifch-franzöfisches Kalèabkommen.
Die Delegierten der deutschen und der elsässischen Kaligruben haben in Paris ein Abkommen unterzeichnet, das die Einzelheiten der praktischen Durchfübrung der im April d. I. in Lugano erzielten Verständigung zwischen dem Deutschen Kalisyndikat und der KalihandelsgescL- schaft des Elsaß fcftlegt Die in der ganzen Welt gefam. melten Bestellungen werden hiernach zu 70 % dem Kali- syndikat und zu 30 % der Kalihandclsgesellschaft des Elsaß zugestcllt werden. Der Anteil der Handelsgesellschaft soll auf 50 % steigen, sobald die Gesamtverkäufe 840 000 Tonnen reines Kali übersteigen, auf alle Fälle spätestens in fünf Jahren. Andererseits haben das Kalisyndikat und sie Handelsgesellschaft sich die ausschließliche Lieferung von Kalisalzen in Deutschland einerseits bzw. Frankr-ich, den .Kolonien, Protektorats- und Mandatsländern andererseits vorbehalten. Der französische Landwirtschaftsminister hat die Vertreter der beiden Jndustriegrupperk empfangen und zu dem Abkommen beglückwünscht.
Zwei sranMHe Soldaten vechastet.
Ein neuer Besatzungszwischenfall.
Bon zuständiger Stelle in Mainz wird gemeldet, daß nach Mitteilung des französischen Generals die beiden; französischen M i l i t ä r p e r s v n e n, die an beni - Zwischenfall in der Nacht zum 25. b. Mts. beteiligt gewesen sind, wegen Widersprüche in ihren Aussagen fe st - z c n 0 m m e n worden sind. Es handelt sich hierbei um Die beiden Soldaten, bic in ihrer Trunkenheit in Mainz handel mit Deutschen begannen, von diesen verprügelt würben und bei dieser Prügelei ihren Revolver verloren. Die Soldaten hatten dann ihrem Vorgesetzten die Mel- Mtng erstattet, daß sie überfallen worden seien, was von ben deutschen Stellen aber sofort richtiggcstellt werden ’ Sonnte.
Auf der Reueu Brücke Koblewz—Güls ereignete sich lin neuer B e s 0 tz u u g s z w i s che n f a l l. Französische Offiziere, die von der Jagd zurückkebrten, benutzten die Neue Brücke, für bereit Benutzung Brückengeld er- loben wird. Die Offiziere, die nicht die geringsten Anhalten trafen, den geringen Brückenzoll zu entrichten, wur* >en von dem Brückcnwäckfter auf ihre Zahlungspflicht rufmcrksam gemacht. Statt zu zahlen, bedrohten und : ch lugen sie den Wächter, der gegen die Gewalt- ■ätigfeiten nichts ausrichten konnte.
potiiische Run-schau.
Deutsches Iieich.
Keichskommissar und Besatzungsarmcc.
Die wiederholten Zusammenstöße zwischen Be- ’ 'atzungstruppen und Zivilbevölkerung tverbeu dem Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Freiherr» Laug- mertb v. Simmern, Gelegenheit geben, in seinen st an» D i g e u Besprechungen mit der Interalliierten Rheinlandkommission auf die Rotwendigkcii hinzuweisen, )urch entsprechende Instruktionen der Aèilitärbehörde» Die Möglichkeit solcher Zusammenstöße einzuschräuleu.