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Nr. 1 — 1927
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Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der Reichspräsident, der Rcichswchrmimstcr, der CHZ der Heeresleitung, General Heye, und der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, richteten Neujahrserlasse an di» Wehrmacht.
* Die Ausweisungen der deutschen Redakteure aus dem Memelland sind bau der litauischen Negierung vorläufig aus- geictzt worden.
* Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Freiherr Langwerth von Rimmern, hat mit der Interalliierten Rheittlandkomniission Besprechungen über Verhütung weiterer Zwischenfälle abgehälten.
* Die letzte Berliner Börse im alten Jahr zeigte für Effek- ten auf der ganzen Linie eine erhebliche Aufwärtsbewegung.
An die Arbeit!
Weihnachtsfest und Jahreswende gaben mehr oder weniger berechtigten Grund, laut und eifrig zu feiern oder sich ein wenig auszuruhen — aber die Zeit rollt unaufhaltsam weiter, der Alltag tritt heute wieder in feine Rechte und damit das, was des Menschen Bestimmung auf Erden ist: die Arbeit. Ein neues Jahr bringt ja immer neue Hoffnungen, aber auch neue Schwierigkeiten und stellt da- mit wachsende Anforderungen an uns. Leichter wird es für den Menschen nicht auf diesem Erdenrund.
In den Augen der ganzen Welt haben wir Deutschen wieder einmal so eine Art Wunder vollbracht. Lius dein schweren wirtschaftlichen Druck, der in den ersten Monaten des vergangenen Jahres die Scharen der Arbeitslosen auf zwei Millionen anschwellen ließ, aus dieser Krise allerschwerster Art haben wir uns sozusagen aus eigener Straft herausgezogen. Freilich begünstigte uns dabei manch glücklicher Zufall und wir wollen weder allzu stolz darauf sein noch etwa glauben, daß wir aus dem Sumpf ganz heraus sind. Wir verspüren gewiß schon etwas festeren Boden unter den Füßen, aber noch liegt ein langes Stück eines Weges vor uns, an dessen Rand Gefahren genug lauern. Was w i r zum 'großen Teil schon über- wundett habe::, hat F i Wi he ich eG noch vor sich. So schwer wie bei uns wird dort das Herauswinden aus der Inflation ja nicht werden, nachdem der Frank einigermaßen festgelegt ist. Bei uns äußerte sich dieser Übergang in einem immer furchtbarer werdenden Emporschnellen der Arbeitslosenziffer, während in Frankreich diese Last in der Hauptsache wohl auf die Schultern der A u.s l ä n d e r gelegt wird, von denen dort an die anderthalb Millionen Arbeit fanden, solange das Sinken des Franken eine wirtschaftliche Scheinblüte hervorbrachte. Nicht bloß die Valutahyänen verlassen das Land, sondern schon ergießen sich in breiten Scharen^ arbeitslos gewordene Ausländer in ihre Heimat zurück;'rechnet man doch damit, daß beispielsweise an 140 000 polnische Berg- und Hüttenarbeiter wieder nach Ostoberschlesien zurückwandern werden. Daß die französische Wirtschaftskrise auch unsere Handelsbeziehungen mit Frankreich ungünstig beeinflussen wird, ist schon jetzt spürbar geworden in gutem wie in schlechtem Sinne. Beseitigte sie auch die für uns fast unerträglich gewordene französische Valutaunterbietung, so wird doch auf der anderen Seite der deutsche Warenabsatz in Frankreich eine weitgehende Einschränkung erfahren.
Wenn man den Erfolg deutscher Arbeit im Ausland anerkannte, vielfach überschätzte, so liegt darin eine besondere Gefahr für uns, die immer wieder störend in den wirtschaftlichen Ablauf der Dinge eingreist. Wir arbeiten ja nicht bloß für uns, sondern unter dem Druck des Dawes- A b k 0 m m ens auch für alle Völker, denen Reparationsleistungen zugesprochen wurden. Es ist aber draußen ganz unangenehm still geworden von irgend- welchen Hinweisen auf das wirtschaftlich Widersprechende in der Grundidee dieses Planes. Man glaubt uns draußen einfach gar nicht, daß die auf unseren Schultern laftenben Verpflichtungen eines Tages untragbar wer- den und zu neuen schweren Störungen im .Kreislauf der Weltwirtschaft führen können. Im neuen Jahr werden ja diese Lasten weit größere sein als im vergangenen; trotzdem traut man uns im Ausland ohne weiteres zu, daß wir auch diese Neubelastung werden übernehmen können, bei „gutem Willen" nämlich. Rasch aber nähern mir uns dem kritischen Punkt, an dem die Vollbelastung einsetzt, und diese noch auf eine vorläufig ganz unabsehbare Zeit. Gerade aber die Tatsache, daß es den bedeutsamsten Zweigen unserer Wirtschaft gelang, internatio- nale Vereinbarungen zu treffen, macht die einseitige Belastung Deutschlands noch widersinniger, noch störender.
Wenn nur also mit bem neuen Jahre und mit neuen Kräften und Hoffnungen an die Arbeit gehen, so ist es dabei die besondere Aufgabe der Staatsmänner und WirtschaftSsühret, ihrerseits alles daranzusetzen, daß die Früchte dieser deutschen Arbeit baldmöglichst wieber einem freien Volk Miaute kommen.
Milderung des Disziplinarverfahrens in preuhen.
Berlin Einem Erlaß des preußischen Ministers des Innern an die staatlichen Polizeibehörden ist zu entnehmen: Bei Durchsicht der Personal- und Tisziplinarakieu fallt nur wiederholt die Tatsache aus, daß oft nur geringfügige dienst liche und außerdienstliche Perseblungm der PoUze.beaM eine scharfe Ahndung in Form immlidier èukn»d>a Disziplinarstrafen erfahren haben und bei ihrer -^estMli ,.Mten" entstanden sind die im umgekehrten ^erHM ein.' Größe der Tat stehen. In unzähligen kleinen «allen wird eiligehennde Aussprache, eine ernsiePelcl'luua Ziel der Besserung erreichen und weitere 'Mncohm^ hüten. Ich ersuche deshalb die betei.igten icitTif » weisen, in Zukunft hiernach 311 verfahren.
ReuWmOng beim Ms-rWeiltcii.
Zusammengehörigkeit der Nationen.
Um 12 Uhr mittags empfing Reichspräsident von Hindenburg die diplomatische Vertretung des Auslandes. Die Glückwünsche des Diplomatischen Korps brachte der Apostolische Nuntius Monsignore P a c e l l i als Doyen mit einer Ansprache zum Ausdruck. Er sagte u. a.:
In dem zu Ende gegangenen Jahre, welches seinen Stempel dadurch erhalten hat, daß der große Staat, dessen höchstes Amt Sie so weise verwalten, in den Völkerbund eingetreten ist, hat der Gedanke des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit trotz mancher Schwierigkeiten und Hindernisse einen neuen mächtigen Aufschwung genommen. Möge das neue Jahr die Menschheit vor allem durch immer engere Staube der Brüderschaft in bet hohen Idealen der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe vereinen, auf dem das Glück der Völker beruht.
Ansprache Hindenburgs.
Der Reichspräendent sprach feinen Dank für dir Glückwünsche aus und fuhr dann fort:
Sie haben darauf hingewiefen, daß das verflossen: Jahr durch ein politisches Ereignis, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, sein besonderes Gepräge erhielt, und dass während seines Verlaufes der Gedanke des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit trotz mancher Schwierigkeiten und Hindernisse einen starken Aufschwung genommen hat. Wenn sich auch, wie Sie hervorgehoben haben, noch nicht mit voller Sicherheit übersehen läßt, ob diese Bemühungen um eine gegenseitige Verständigung zwischen den Staaten und Völkern den gewünschten Erfolg haben werden, so bin ich doch mit Ihnen der Überzeugung, daß diese Bestrebungen mit allen Kräften fortgesetzt werden müssen, um den Gedanken der Zusammengehörigkeit der Nationen zur Verwirklichung zu bringen. Hieran mitzuarbeiten, hat sich das Deutsche Reich durch die von Ihnen erwähnten internationalen Der Präsident wies weiter darauf hin, daß jedes Volk in erster Linie das Recht und die Pflicht habe, feine politische Unabhängigkeit, seine Freiheit unb feine Eigenart aufrecht zu erhalten. Das dürfe aber nicht daran hindern, das allgemeine Wohl der Menschheit zu pflegen. Das deutsche Volk werde in diesem Sinne an der Völkerverständigung mit aller Kraft mitarbeiten. Dem Diplomatischen Korps sprach der Präsident in dieser Hoffnung zugleich für die Staatsoberhäupter. Regierungen und Völker im Namen des deutschen Volkes und im eigenen Namen die aufrichtigsten und herzlichsten Ncujahrs- wünsche aus.
Hierauf begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter, Gesandten und Geschäftsführer.
Reichskanzler Dr. Marx
brachte die Glückwünsche der mit der Wetterführung bei Geschäfte beauftragten Neichsregierung bar. Dr. Mar; wies darauf hin, daß im Jahre 1926 im Zusammenwirken von Regierung, Parlament und Wirtschaft, von Reick; und Ländern beträchtliche Anstrengungen mit dem Ziel bei Arbeitsbeschaffung entfaltet worden sind, während es andererseits gelungen ist, trotz steigender Lasten den Reichshaushalt ohne tatsächliche Nnleiheaufnadme auszu- gleichen und den Haushalt des kommenden Jahres in den Grenzen der vorausgegangenen zu halten. Die Verständi- gung mit dem Ausland habe erhebliche Fortschritte gemacht. Unter des Reichspräsidenten weiser Führung wünsche und hoffe man, daß Deutschlands Bemühungen um die europäische Verständigung zum Wohl des deutschen Volkes und der internationalen Gemeinschaft crfolgreicf fortgeführt werden.
Hindenburgs Antwort an Marx.
Der Präsident dankte für die Wünsche und erkannte besonders an, daß das abgelaufene Jahr uns auf dem Gebiete der Außenpolitik wie im Innern gewisse Fortschritte gebracht hat. Aber noch harren wichtige Aufgaben der Lö' g. In erster Linie müsse gemeinsames Ziel sein, I) a Rä u m u n g der i m m e r n 0 ch b c ■ setzt, te zu errei ch e 11. Im Bereiche bei innen f ist am dringendsten die Behebung bei w i r - ch e n N 0 t, der immer noch so überaus 0! n .> rwerbslosigkeit. Daneben harren wichtige sozi 0 e Fragen, harrt die Neuregelung der finanziell »gen zwischen Reick; und Ländern bei Lö . Reichspräsident fuhr fort:
sollen am heutigen Tage hoffen und wünschen, daß im reuen Jahr gelingt, alle diese bedeutsamen ? ;ih,ab 1 dnschzuführen und damit eine Grundlage zu detchic weitere Gesundung und der Wicder- au unseres Volkes sich vollziehen kann. Hierzu iss ; c erst. Pqrausfetzmlg, daß in alldn Lebensfragen unserer S atin b r einige Will c und die z u s a m m c it g e = -ßt ü rast aller Teile und Schichten unseres Volkes werden können. Talfer richte ich auch an diesem je 1 ib imn dieser Stelle aus an unser Volk, an alle seien und alle Berufsstände den dringenden Appell, 11 us mmet bie Verschiedenheit der Weltanschauungen ie Gegensätze der Interessen in den VorderMund Ilvit, sondern sich in erster Linie von der Rücksicht ! ar aas Gesamtwuhi des Vaterlandes leiten zu lassem Hindenburg schloß- mit nochmaligem Hinweis bei Al . Schaltung der bisherigen Zwietracht und Zerrissenheit. Zu di^er Hoffnung begrüßt er alle Volksgenossen von xmrcn.; Später übermittelten der Reichstagspräside» 1 ' ö b c Hüb die Vizepräsidenten Dr. 31 i c ß e r unb G r a e f
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die Wünsche des Reichstages und der hessische Reichsrals- bevollmächtigte, Gesandter von Biegeleben, bei braunschweigische Reichsratsbevollmächtigte, Gesandter Baven, und Ministerialdirektor Nobis vom preußischen Staatsministerium die Glückwünsche des Reichsrats. Für die Wehrmacht erschienen Reichswehrminister Dr - G e ß l e r , der Ches der Marineleitung, Admiral Zenker- -und als Stellvertreter des Chess der Heeresleitung Gene- raltentnant Ritter von Haack. Der stellvertretende Generaldirektor Dr. Weyrauch brachte die Glückwünsche der Hauptverwaltung und des Personals der Reichsbahn und Reichsbänkpläsident Schacht die der Reichsbank dar.
Glückwünsche Hindenburg-Harnisch.
Berlin. Aus Anlaß des Jahreswechsels beglückwünschte der österreichische Bundespräsideni H a i n i s ch den Reichs- präsidemen mit der Hoffnung, daß das deutsche Brudervolk im Jahre 1927 den schon bisher so erfolgreich beschrittenen Weg der Kräftigung iortfeben und einer glücklichen Zukunft cntgegengehcn möge. Der Reichspräsident sagte in seiner Antwort, er wünsche und hoffe, daß dem österreichischen Polke auch im Jahre 1927 weitere Kräftigung und weiterer Ausstieg be- schieden sein mögen.
Neujahrseurpfang in Wiem
rotb. Wien, 3. Jan. (Eig. Funkm.) Bundeskanzler Dr. Seipel überbrachte gestern dem Bundespräsidenten 5>ainisch namens der Bundesregierung die Glückwunsch zum Jahreswechsel. Der Bundespräsident gab in seiner Erwiderung der Freude darüber Ausdruck, daß das Land der Schwierigkeiten Herr geworden sei.
Internationale Kundgebungen zum Jahreswechsel.
Berlin, 31. De^. (W. B.) Anläßlich des Jahreswechsels haben führende Persönlichkeiten des internationalen politischen und geistigen Lebens dem „Berliner Tageblatt“ Aeußerungen über ihre Erwartungen und Wünsche für die nächste fernere Zukunft zur Verfügung gestellt.
Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses des Senats der Vereinigten Staaten, William Borah, gibt seiner Bewunderung für die unberechenbare Kraftreseroe des deutschen Volkes, von der die acht Jahre seit dem Kriege ein Zeugnis abgelegt haben, in seinem und seiner Freunde Namen Ausdruck und tritt nachdrücklich' der Behauptung von der deutschen Alleinschuld am Weltkriege entgegen.
Der belgische Außenminister äußert sich in einer Unterredung mit dem Mitarbeiter des Blattes in Brüssel, es sei zu hoffen, daß, wenn die bisherige deutsche Politik fortgesetzt werde, in nicht allzuferner Zeit eine Liquidation erfolgen werde, die zugleich das Problem der Schulden, der Reparationen und der militärischen Besetzung regeln werde.___ _
Der ehemalige französische Ministerpräsident Caillaux behandelt den Gedanken der internationalen Annäherung, ebenso der ehemalige dänische Ministerpräsident Stauning. Weiterhin ist noch hervorzuheben ber Beitrag des spanischen Gelehrten und Dichters Miguel de Unamuno, der den Gedanken vertritt, daß ein in der Richtung auf ein allgemeineres Menschentum und auf den Frieden orientierter Völkerbund ein Interesse daran haben müsse, auch im internen Regime jeder ihm etwa beitretenden Nation zu intervenieren. __
Neujahrkundgebungen englischer Politiker.
London, 31. Dez. (W. B.) Baldwin richtete folgende Neujahrskundgebung an das englische Volk:
Wir haben ein Jahr _voll unerfreulicher Zwietracht und wirtschaftlicher Depression hinter uns gelassen. Wir wollen ins Jahr 1927 mit dem Entschluß eintreten, im Geiste der Kameradschaft und des gegenseitigen Entgegenkommens den Sckfaden wiedergutzumachen und den nationalen Wohlstand wiëderherzustellen.
In der Neujahrskundgebung des Führers der Opposition, Macdonald, heißt es: Die Meisten werden froh fein, das Jahr 1926 hinter sich zu wissen. Wir alle hoffen, daß fick im Jahre 1927 in der Führung der nationalen Angelegenheiten Englands ein gesünderer Geist und ein bischen mehr Geschäftsgcwandtheit zeigen wird.
Dank und Anerkennung für die Reichswehr.
N e u j a h r S iv ü n f ch e für die R c i ch s m a r i n e.
An die Wehrmacht sind zum Neujahrstage folgende Erlasse ergangen:
„An die Wehrmacht!
Der deutschen Wehrnracht spreche ich wiederum meine herzlichsten Wünsche zum Jahreswechsel aus. Ich weiß, daß sie wie bisher auch künftig in selbstloser, treuer Arbeit ihre Schuldigkeit tun wird.
Der Reichspräsident.
v. Hindenburg."
*
„An die Wehrmacht!
Im neuen Jahr mit neuer Kraft das alte Ziel! Glückauf!
Der Reichswehrministcr.
Dr. Geßler."