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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und vsgelsber^ Zul-a- unö Haunetal »Jui-aer Kreisblatt

Re-aktion unS -eschästsstelle: Mühlenstraffe 1 * Zernfprech-Rnsttzluff Nr.-r»

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Nr. 4 1927

Fulda, Donnerstag, 6. Januar

4. Jahrgang

Meine Zeitung für eilige Leser.

* Alts einem französischen Schulschiff ereignete sich eine Explosion, bei der sechs Personen umkamen. Tas Schiff ging brennend unter.

* Eine verheerende Grippeepidemie herrscht in Spanien, in Frankreich und in der Schweiz; neuerdings greift sie auch auf Südbaden über.

* General Diaz hat eine Zwangsrekrutierung sämtlicher in- und ausländlscheu Landarbeiter in Nikaragua ungeordnet.

* In Hankau ist es zu ernsten englandscindlichen Aus­schreitungen gekommen.

* Bei der indischen Hochwasscrkatastrophc sind zahlreiche Dörfer sortgespült und Tausende von Menschen ertrunken.

Barmat und Genoffen".

Es gibt wohl kaum eineAffäre" in Deutschland, die so gewaltigen Staub aufwirbelte wie die B a r m a t-A n - g < l e g e u h e i 1, die in einigen Tagen vor dem Schöffen­gericht Berlin-Mitte verhandelt werden wird. Ein Riescnprozeß und zu beneiden sind weder Richter noch Schöffen noch Staatsanwälte. Mehr als 100 Zeugen sind schon jetzt geladen, elf Angeklagte stehen vor ihren Richtern. Hinzu kommt noch, daß gegen einen Verstor­benen, den Reichspostminister Höfle, sozusagen auch verhandelt wird.

Die Anklageschrift ein dickes Buch von 648 Seiten in Folioformat, eine voraussichtliche Verhandlungsdauer von wohl wenigstens sechs Monaten ein Kolossal- nemälde ebenso größten wie unerfreulichsten Ausmaßes wird hier gezeichnet werden. Da sitzt neben den beiden ältesten Brüdern B a r m a t, die als kleine Schieber in Deutschland einwanderten und sich zu ebenso politisch wie finanziell bedeutenden Persönlichkeiten entwickelten, der Oberfinanzrat Hellwig von der Preußischen Staats­bank, beschuldigt der Untreue und schwerer Bestechung, Oben Bank- und Versicherungsdirektoren, Rechtsanwalt uild Kaufmann, Oberzollinspektor und Geschäftsführer. Sitzt auch der Reichstagsabgeordnete Langc-Hegermann,

-beschuldigt. Beslecynug uno Betrug, Untreue und Tepotunterschlagung, Kapitalflucht und Bilanzverschleierung das sind die Anklagepunkte. Ein wüster Knäuel von Vergeben und Verbrechen und doch ist das nicht das Letzte, was tiefe Erregung

. bie Barmat-Affäre in so weite Kreise hineinbrachte. Das »st vielmehr die überall sich hindurchziehende V er - b l n d u n g v o n Politik und Geschäft, was noch erschwert wird dadurch, daß sich auf der einen Seite ein­flußreiche Beamte befinden, auf der anderen Geschäfts- leute besonders unerfreulicher Art, die den Zusammen- bruch der deutsckien Währung bis aufs Letzte ausnutzten in selbstischem Interesse.

~e.r utisker-Prozeß mit seinen Fortsetzun­gen hat schon einen Ausschnitt aus dem Kolossalgemälde abgegeben: Parlamentsausschüsse haben sich abgemüht, ^icht in die Dunkelheit zu bringen. Man wird sehr zu­frieden sein, daß man dort die mühsame Arbeit endlich aufgab, obwohl sicl^schon genug des Ungeheuerlichen Her- uu^gejicllt hatte. ^>ctz1 kommt die ganze Sache vor die' nüchternen, von keiner Parteilichkeit getrübten Augen des Berliner Schöffengerichts. Denn in jenen Ausschüssen hatte sich die Parteipolitik der Untersuchung bemächtigt und Gezänk druckte die eigentliche Behandlung immer mehr in den Hintergrund. In fast einjähriger Arbeit hat sich die gerichtliche Untersuchungsbehörde mit der Ent­hüllung und Entwirrung des Knäuels abmühen müssen aber bisher drang kein Wort über das Ergebnis in die Öffentlichkeit. Erfreulicherweise. Denn nun kann sich jeder Zuhörer, jeder Leser des Prozesses selbst sein Ur­teil bilden.

Das Ganze ist die wohl größte, aber auch die viel­leicht am unangenehmsten duftende Blüte aus dem In­flationssumpf. Diese verschiedenen G. m. b. H. s und Aktiengesellschaften, diese Banken mit dem ganz gering­fügigen Stammkapital, aber desto wilderen Börsen- und Transaktionsmanövern, die Millionen- und Milliardeu- emissionen, die man dann alsSicherheit" hinterlegte, um Kredit zu erhalten wer kennt die Männer, nennt die Ramen! Dann diese weitgehenden Kreditgewährun­gen zu einer Zeit, in der fürchterlich hohe Zinsen bezahlt werden mußten von allen außer von ben Barmats. ... Dahinter die politischen Beziehungen zu Männern

Stellung, Bevorzugungen eigentümlichster reichende»' ^c "ach Holland, der Schweiz und Österreich

Alles das wird sich nun monatelang vor den prüfen­den Augen des Gerichts enthüllen. Auch durch diese Welle von Schmutz muß das deutsche Volk noch hindurch und ivird erft dann wohl die ganze Tiefe des Abgrundes er- meiien können, vor dem es im letzten Augenblick sich aus eigener Kraft errettete. 1

Die Reichspost im November 1926.

Starke Zunahme des Post scheckverke h rs.

Ans dem soeben veröffentlichten Monatsbericht der Nelchspost für November 1926 geht u. a. hervor, daß bei Postscheckverkehr mit 890 049 Konten und einem Guthaben von 569 Millionen Reichsmark einen bisher nicht er­reichten Umfang angenommen hat. Im Telephonverkehr sind la 525 neue Sprcchstcllen eingerichtet worden. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer ist um 51 000 gestiegen und betrug Ende des Monats 1 337 122. Die Einnahmen der Reichspop sind mit 142 Millionen Reichsmark gegenüber dem Vormonat um 8,5 % zurückgeblieben. Die Ausgaben vetrugen 137 Millionen Reichsmark gegen 110 Millionen Reichsmark im Oktober.

Kritische Lage in Hankau.

Chinesische Vorstöße gegen England.

Entsendung britischer Kriegsschiffe nach Hankau.

Trotzdem England in seinem Chinamemorandum den Chinesen in Aussicht gestellt hat, in Verhandlungen über einen stückweise» Abbau der Bcvormundungspolitik China gegenüber einzmreien, ist cs neuerdings in Han- kau wieder zu englandfeindlichen Ausschreitungen ge­kommen. Diese Ausschreitungen wurden eingeleitet durch eine Massenversammlung, in derRache für die den Chinesen von den Engländern zugefügten Beleidigungen" gefordert wurde. Es wurden Beschlüsse gefaßt, nach denen die englischen Landnugsabteilungen und Kanonen­boote entwaffnet und die Fremdenviertel erobert werden sollten. An der Massenversammlung haben auch Ver­treter der Regierung und sämtlicher Gewerkschaften teil­genommen.

Den Chinesen ist es dann gelungen, in die britische Konzession in Hanlau einzudringen. Nach noch unbe­stätigten Meldungen sollen sie das Gebäude der Gemeinde­verwaltung der .Konzession besetzt und die Briten aus der Konzession vertrieben haben. In der Konzession wird die Ordnung jetzt von chinesischer. Polizei aufrechterhalten. Nach weiteren Meldungen haben die Chinesen verschie­dene englische Geschäftsunternehrncn geschloffen und die Inhaber vertrieben. Ausländer, die sich in den Straßen zeigten, waren vor Steinwürsen nicht sicher, die von dem RufeTötet den fremden Hund!" be­gleitet waren.

Die englische offiziöse Nachrichtenagentur Reuter stellt die aus japanischer Quelle stammende Meldung in Ab­rede, daß die Engländer aus der britischen Konzession in Hankau vertrieben worden seien, gibt aber im übrigen das chinesische Vorgehen gegen die englische Konzession zu. Die englischen Behörden befürchten, daß jeden Augenblick wieder eine gefährliche Lage ein treten könne, die die An-

Jie EnliMluug der parimnentatj^enjjmfe.

Berlin, 5. Jan. (W. B.) Wie das Wolffbüro aus parlamentarifchenKreisen erfährt, wird nun mit Sicher­heit damit gerechnet, daß Dr. Curtius gleich nach feiner Rückkehr von feinem Wiesbadener Erholungsurlaub vom Reichspräsidenten mit der Regierungsbildung beauftragt werden wird. Seine Bemühungen dürften sich in der Richtung der Bildung einer möglichst breiten Koalition mit festen Bindungen bewegen. In diesem Zusammen­hänge wird auch den Beratungen des Reichsparteivor­standes des Zentrums, der in der nächsten Woche zusam­mentritt, natürlich große Bedeutung beigemessen. Die Informationen, die in der Berliner Presse zur Frage der Regierungsbildung bisher erschienen sind, werden von gut unterrichteter parlamentarischer Seite zum größten Teil als Kombinationen bezeichnet, so namentlich auch die Nachrichten über die voraussichtliche Besetzung einiger Ministerien mit bestimmten Persönlichkeiten. Richtig ist vielmehr, daß die Entwicklung der Krise sich noch in ih­rem allerersten Stadium befindet und eigentliche Ver­handlungen erst in der nächsten Woche beginnen werden.

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Gegen die MeinSandräumung.

Ein französischer Vorstoß.

Das in Paris erscheinendeEcho de Paris" beginnt in verschärfter Form die Propaganda geg^n die Räumung des Rheinlandes aufzunehmcn, indem es in einem langen Artikel die Bedeutung der Rheinlandbefetzung für Frank­reich darzulcgen versucht. Das Blatt beginnt mit der Feststellung, daß bei Gelegenheit einer kürzlichen Sitzung des Oberstcn Kriegsratc2 Poincarö gefragt worden sei, ob etwa Verhandlungen über eine vorzeitige Räumung des Rheinlandes im Gange seien. Der Ministerpräsident habe darauf geantwortet, daß,so­viel er wisse", Besprechungen über diesen Punkt nicht stattgefunden hätten. Er habe jedoch bei den Mitgliedern des Kriegsrates darauf gedrängt, daß der Rat seine Arbeiten für eine Reorganisation einesstarken Heeres" beschleunigen solle.

Pflichtbewusst habe der Kriegsrat der Regierung gegenüber seine Äuffassuilg mit Bezug aus die französische Politik gegenüber Deutschland zum Ausdruck gebracht. Noch in der Sitzung des Obersten Verteidigungsrates vom 2. Dezember habe Marschall Foch eine ernste Mahnung über die Folgen dieser Politik ausgesprochen. Tas Blatt behandelt dann in allen Ausführungen die strategische Be­deutung der Rheingrenze bis in die kleinsten Einzelheiten. Ein Aufgeben der Besetzung des Rheinlandes, die für die französische Rückendeckung unerläßlich sei, würde dem französischen System der Kriegsvorbereitun- gen einen tödlichen Schlag versetzen.

Weiter wird ausgeführt, daß Deutschland niemals einen Krieg beginnen werde, der einen Teil der wert­vollsten Strecken seines Gebietes der Vernichtung aus- setze und bei dem seine Fabriken dilrch Fliegerangriffe ge­fährdet werden könnten. Zum Schluß wendet sich das Blatt gegen die Annahme anderer Garantien als Gegen­leistung für die Aufhebung bet Besetzung. Jedes andere Mittel des Schutzes sei illusorisch.

Wendung von Gewalt zur Räumung der Kon­zession notwendig machen würde. Die englische Marine­leitung hat sofort vier Kriegsschiffe nach Han - kan zur Unterstützung der dortigen englischen Streit­kräfte entsandt. Wie weiter bekannt wird, ist der ameri­kanische Gesandte in Peking, Murrah, zu Besprechungen mit Coolidge und Staatssekretär Kellogg über die neue Lage in China nach Washington berufen worden.

*

Nach den in Schanghai eingetroffenen letzten Berich­ten sind in Hankan alle Frauen unb Kinder ange­wiesen worden, sich auf die Schiffe zu begeben, um er­forderlichenfalls die Stadt verlaffen zn können. Seitens der zuständigen britischen Behörden ist diese Nachricht bisher nicht bestätigt worden.

Kampf um den Besitz von Schanghai.

Londoner Blättermeldungen aus Schanghai zusolge hat bei Fujang, etwa 100 Meilen westlich von Schanghai, der Hampf um den Besitz von Schanghai begonnen. General Suntschuansang hatte den Angriff auf die Kan­ton-Armee eröffnet und seine Truppen gegen ihre Stel­lungen jenseits des Tschientangfluffes vorgeschickt, um dem erwarteten Angriff aus Schanghai zuvorzukommen. Der Kampf dauerte einen ganzen Tag. Die ersten Ver­wundeten sind in Hangtschan eingetroffen Man glaubt, daß die Schlacht sich bald auch auf die anderen Teile der Front ausdehnen wird.

Ein Deutscher in Hankau schwer verletzt.

Peking, 8. Jan. (W. B.) Nach amtlichen Meldungen aus Hankau wird dort die Lage immer bedrohlicher. Am Montag wurde ein deutscher Staatsangehöriger in der britischen Konzession von einem chinesischen Agitator durch Dolchstiche schwer verletzt.

Das Oeuischium in Südamerika.

Wachsendes Ansehen Deutschlands im Auslande.

Reichskanzler a D. Dr. Luther hielt im Baier ländischen Frauenverein in Essen einen Vortrag über seine Südameritareise. Einen breiten Raum in seinem Bortrag nahmen seine Ausführungen über das Deutschtum in Süd­amerika ein. Die südamerikanischen Staaten, so hob er hervor, würden in der nächsten Zeit ihre Ansied­lu n g s p o l i t i k stark ausdehnen, woraus sich die Not­wendigkeit großer Menschenzuführungen ergeben werde. Heute seien bereits allein in Brasilien eine halbe Million deutscher SS lonisie« ansässig. In den übrigen Staaten habe er nur kleine deutsche Kolonien ge­funden. Stark entwickelt habe sich in sämtlichen Staaten ber Zustand, daß die Deutschen mit dem Herzen an ihrem neuen Vaterland hingen, aber mit ihrem kulturellen Wollen doch Deutsche geblieben seien.

Dr. Luther ging dann auf die Kultur der b e u t = scben Schule in Südamerika ein und schilderte den Kamps, der von den Ausländsdeutschen für Erhal­tung und den Ausbau derselben geführt werde. Dr. Luther gedachte der katholischen und evangelischen Geist­lichkeit, die ständig auf die Weiterentwicklung des deut­schen Wesens bedacht sei. Alljährlich würden von diesen große Opfer für die Schulen gebracht. Das fei der beste Beweis dafür, daß auch jenseits des Meeres treue Anhänger desVaterlandes wohnten. Unbe­dingt müßte man die in den südamerikanischen Staaten ansässigen Deutschen als Werber für die deutsche Wirt­schaft und Kultur bezeichnen. Aus dieser Tatsache ergebe sich die Pflicht für das gesamte Volk, diese im Interesse des Deutschen Reiches liegenden Werte mit allen Mitteln zu pflegen. Überall hätten ihm warme Herzen entgegen- geschlagen; er habe niemals mehr als in den Tagen seiner Reise erkannt, wie notwendig es wäre, das Band zwi­schen den Teutschen im In- und Auslande enger zu knüpfen.

Anschließend sprach der Redner dann über die liebens­würdige Aufnahme, die ihm von allen städtischen nnv staatlichen Behörden wie auch von allen Teilen der Be­völkerung zuteil geworden sei. Er bezeichnete alle ihm entgegengebrachten Aufmerksamkeiten als einen großen Erfolg für das deutsche Ansehen i m Auslande, das nach seinen Eindrücken von Tag zu Tag wachse und dem deutschen Volke^ auch in den Staaten Südamerikas Wege zu neuen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehun­gen bahne. Nichts sei erstrebenswerter für uns, als für eine weitere Klärung der internationalen Beziehungen unb für ein gemeinsames zweckmäßiges Schaffen ber Völker einzutreten.

Blutige Ltnruhen in Mexiko.

Das neue Petroleumgesetz.

Nach Meldungen aus Mexiko sind in den letzten Tagen in verschiedenen Teilen des Landes Unruhen ausge- brochen. Durch Regierungstruppen wurden Revolten in Leon und Concepcion niedergeschlagen, dagegen sollen etwa 2000 Ausrührer die Hauptstadt des mexi­kanischen Silberdistriktes, Zacatecas, eingenommen haben. In Puebla ist es nach diesen Meldungen ebenfalls zu Zusammenstößen zwischen Aufrührer« und Regierungs truppen gekommen. Anscheinend handelt es sich bei aller diesen Unruhen um bewaffnete Gegenwehr katholisch.