Einzelbild herunterladen
 

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monat­lich L Mark. Bei LieferungsbehinSerungen Surch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen Sem Bezieher keine Ansprüche. Verlag ArreSrich Ehrenklau, ZulSa, Mitglied Ses Vereins Deutscher Zeitungsser- legcr. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. He. 16009

TageblaS Mr Rhön unö v-gelsber-^ Zul-a- unö Haunetal* Möser kreisblsü

Redaktion und Geschäftsstelle: Nühlenstraße 1 Zernsprech-Rnsthluß Re. 989

Nachdruck Ser mit * versehenen Artikel nur mit ttzueilenangabe .ZulSaer flnzeiger"gesta««.

Tlnzeigenpreir: Für BehSeSen, Genoffenschaß­ten,Banken usw. beträgt Sie Kleinzeile OSKV für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk.,für Sie Reklamezeile S.90 Mk. u. alle anderen 0.15 M., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel- lung hat Zahlung innerhalb 8 Hagen zu erfol­gen Tag- und Platzvarschristen unverbindlich.

Nr. 5 1927

Fulda, Freitag, 7. Januar

4. Jahrgang

Lineare fordert

AerKampfumdieHmlandräMllng

Poincarâ gegen Briand.

Echo de Paris" hat angesichts der nicht zur Ruhe kommenden Gerüchte über Uneinigkeiten im M i- «4 ft er ium P 0 i n c 0 r ö und besonders über einen Konflikt zwischen Poincarë und Briarid wegen der Frage der Politik von Locarno es für angebracht gehalten, sich an zuständiger Stelle selbst über diese Gerüchte zu infor­mieren. Der Mitarbeiter des Blattes, Hutin, der gute Beziehungen zu Pomcars unterhält, erklärt zunächst, Poincaro habe die Gerüchte über angebliche Uneinigkeit hi seinem Kabinett dementieren lassen.

WaS die Absicht betrifft, sofort nach Wiederzusammen- tritt des Parlaments eine Interpellation über die aus- würirge Politik und besonders die Politik der An­näherung an Deutschland und die Frage einer eventuellen vorzeitigen Räumung des linken Rheinufers hervorzurufen, so bin ich in der Lage, mitzuteilen,. daß PoiNcarë persönlich der Erörterung dieser In­terpellation sich widersetzen und nötigenfalls die Gründe bekanntgeben wird, wegen deren es ihm, 06= wohl er durchaus Anhänger einer Politik der Beruhigung nnd des Friedens ist, unmöglich erscheint, bei der gegen­wärtigen Lage die Frage der Räumung der Rheinland- zone, die wir besetzt halten, aufwerfen zu lassen, solange Deutschland nicht alle Bürgschaften gegeben hat sowohl für unsere Sicherheit als auch für die Ausführung des Lawes-Planes. Briand hat übrigens im Mèmsterrat ^klärt, daß diese Frage bei seinen Besprechungen mit Stresemann nicht erörtert worden ist. Sie wird auch unter den gegenwärtigen Umständen nicht weiter behandelt werden. Es scheint mir, daß aus diesem Gebiet wie auf den anderen Poincars sicher ist, wenn er die Vertagung beantragt, die Zustimmung der großen Mehrheit der Kammer zu erhalten. ,

Hn ferner Artikelrcihe gegen die vorzeitige Rhein- landräumung läßt dasEcho de Paris" auch Millerand zu Worte kommen, der sich im Prinzip zwar für eine deutsch-französische Annäherung erklärt, aber unter der Bedingung, daß sie die französische Außenpolitik nicht be­herrsche. Locarno sei ein großer Fehler gc» esen , da man nicht die deutsch-polnische Grenze garantiert habe.

~'cr Vorsitzende des Heeresausschusses der Fran- zosischen Kammer, General Girod, erklärt in einem Schrei­ben an den Chefredakteur desMatin". dak der Heeres-

®Z3BSéO$^S!$EaEISra33g£gtK^ÄSS®SS2^

China gegen England.

England hat schwere Sorgen. Durch seine geschickte Politik hatte es vor zwanzig Jahren durch den russisch- japanischen Krieg erreicht, daß dem Vordringen 'Rußlands in Ostasien, damit der allmählichen Umklammerung Chinas, ein Ende gesetzt und die russischen Aus­dehnungsbestrebungen auch irn Südosten Europas zurück­gedreht wurden. Im Weltkrieg hat dann England es ver­standen, auch den allmählich wachsenden deutschen Einfluß in China zu zerschmettern: der Zusammenbruch der Man- dschu-Dynastie hatte dann China wegen der sehr bald ausbrechenden Revolutionen und inneren Kämpfe zum Spielball der interessierten Mächte England, Nord­amerika, Japan und Frankreich gemacht. Rußland schien ganz ausgeschaltet zu sein und die Mächte konnten China sogar zwingen, Deutschland den Krieg zu erklären. Aber auch hier verging bald die Frucht des Sieges, China er­wachte zu immer stärkerem Bewußtsein eigener Daseins­berechtigung eines geschlossenen Volkes von mehr als 400 Millionen und die Schwierigkeiten für England wuchsen von Tag zu Tag. Als der offene Aufstand gegen die Herr­schaft der Fremden ausbrach, ivat zwar noch ein gemein­sames Vorgehen jener Mächte zu erzielen, aber auch damit ist es jetzt vorbei.

Das vor einigen Tagen von England an die anderen Mächte gerichtete Memorandum, worin ein gemein­sames Vorgehen in China empfohlen wurde, stieß auf allgemeine Ablehnung. Da versuchte England nun eine Aktion von sich aus, die aber mit einem völligen Mitz- crF°{0 geendet hat. Denn cs ist nicht nur in seinem Vor­gehen isoliert, hat des ferneren dhrnit auch den gesamten Haß der Chinesen, den es bisher wem stens noch mit den Japanern teilen konnte, nun einzig auf sich gezogen, sondern sah sich überdies genötigt, seine Laudungs- expedltron zurückzuziehen und Han kau wieder zu'räumen. Ganz bezeichnend ist, daß dort weder die französischen noch die japanischen noch die armrikanischen Niederlassungen von der Menge angegriffen worden sind. Denn eine Volksbewegung ist es, die sich hier auswirkt, hinter den Kulissen geleitet von den straff organisierten chinesischen Gewerkschaften, über deren Macht der englische Handel durch deu überaus scharfen, schon seit langem andauernden Boykott die trübsten Erfahrungen gemacht hat. Das chinesische Militär, so kabeln englische Sonderbericht­erstatter aus Peking, sieht ruhig zu, wie die Gewerkschaf­ten gegen den englischen Generalkonsul in Hankau Vor­gehen.

Aber für England stehen gewaltige Interessen auf dem Spiel und man geht mit der notwendigen Energie daran, sie zu schützen. Alle in den östlichen Gewässern Asiens be­findlichen Kriegsschiffe sind in die Gefahrenzone beordert worden, besonders, weil man fürchtet, daß der Funke allzu leicht wieder nach S ch a n g h a i hiunbcrsprtngcn könnte;

' lÄoWen!

ausschuß sich für die schleunige Verabschiedung des Ge­setzes über die Heeresreform einfetzen und keine ver­schleppenden Maßnahmen dulden werde, da das Lan!> und das Heer selbst dieses Gesetz forderten. Die Arme-, brauche eine neue gesetzliche Grundlage und man müsse sie ihr unverzüglich geben.

Die Berhanötungen

über die E^iwaffnungsfrage.

' Vier strittige Punkte.

Tas Neichskabinett trat am Donnerstag unter dem osr| des Reichskanzlers zu einer Sitzung zusammen, in welcher in Anwesenheit des Chefs der Heeresleitung, Generals H cyc, und des Generals v 0 n P a w e l s z die noch ausstehenden Punkte in der Entwaffnungsfrage er­örtert wurden. Die Beratungen werden am Freitag fort­gesetzt.

Wie es heißt, bestehen zwischen Deutschland und der interalliierten Militärkontrollkommission in der Frage des Kriegsmaterials noch vier Streitpunkte: 1. Schiffs- kessel, hier verlangten die Alliierten, daß der deutsche Fabrikant sich überzeugen müsse, daß seine Lieferung nicht für Kr'.egsschiffbauten bestimmt fei; 2. Spezial- Maschinen irgendwelcher Art für Waffen- und Mu­nitionsfabrikation sollen in Deutschland nicht fabriziert werden; 3. H al b z e u gf a b r i kate sollen nicht expor­tiert werden, solange man nicht die Sicherheit habe, daß sie nicht für Rüstungszwecke dienen; 4. optische Appa - r a t e, die zu kriegerischen Zwecken Verwendung finden könnten, dürfen weder ganz noch in einzelnen Teilen exportiert werden.

In allen diesen Fragen stehe Deutschland auf dem Standpunkt, daß es ihm nicht obliege, die weitere Be­stimmung der gelieferten Waren, die unter keinen Um­ständen unter den TitelRüstung" fallen könnten, zu Prüfen, denn das laufe auf eine deutsche Wassen- kontrolle im Auslande hinaus. Deutschland sche sich also genötigt, in allen Fragen ein Schiedsgericht zu verlangen.

Nach demPetit Parisien" bestehen auch hinsichtlich der O st f e st u n g e n noch Meinungsverschiedenheiten. Deutschland weigere sich, die Festungswerke von Königs­berg abzubauen, weil Königsberg die einzige ernst zu nehmende deutsche Festung sei, und weil Berlingegen einen polnischen Überfall nach dem Verlust der Weicbscllinie nur noch durch KWrin aebedt sei.

Verstärkungen durch die anderwärts stationierten See- streitkräfte sind vorgesehen.

Man sieht nun vor allem aber in England, wie schon bei den ersten Unruhen in China, als den Hauptstören­fried niemanden anders als Sowjetrußland an. Zweifellos ist richtig, daß Moskau die alte zaristische Politik, die russische Einflußsphäre nach China hin auszu- dehuen, allzugern wieder aufnimmt und so ganz unbe­rechtigt werden die Klagen Englands, daß russische Agi­tatoren in China tätig seien, aewiß nicht fein. Auaeblich

Zu den Wirren in China.

soll es deswegen auch zu heftigen Auseinandersetzungen im englischen Kabinett selbst gekommen sein, weil ein Teil der Londoner Regierung ein Vorgehen gegen Sowjet- rußland verlangt, zum mindesten den Abbruch der bisher überhaupt noch nicht sehr eng geflochtenen diplomatischen Beziehungen. Die Entrüstung über die weitgehende Unterstützung der englischen Bergarbeiter während be^ Streiks spielt dabei natürlich auch eine erhebliche Roll^-. Aber diese Entrüstung wird kaum zu praktischen Folgen führen, denn der Verlust des wirtschaftlichen Absatzes Englands in Rußland wird gerade jetzt mehr gescheut als tc. Im übrigen ist cs seit langem englische-Politik,

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Tas Reichskabinett hat sich mit einem GesetzenttvÄEuÄ? die Wiedereinführung von Titeln und Orden in Deutschland beschäftigt und ihn gebilligt.

* Poincaro ließ erklären, daß die Frage der Rheinland- räumung nicht erörtert werden könnte, solange Deutschland nicht alle Bürgschaften für die Sicherheit Frankreichs geleistet hätte.

* Amerika hat weitere Truppenverstärkungen nach Nikaragua entsandt.

die Gründe für Aufstände und sonstige Regungen bei den asiatischen Völkern, soweit sie unter englischer Herrschaft oder englischem Einfluß stehen, immer wieder in angeb­lichen bolschewistischen Wühlereien zu suchen oder viel­mehr so zu tun, als ob diese der Grund sind. Sofort, als die ersten Meldungen über die Zwischenfälle in Hankau kamen, tauchten auch schon wieder Londoner Mel­dungen über das angebliche Auftreten russischer Agita­toren auf.

England sieht sich hier einer Entwicklung gegenüber, der es jetzt wohl kaum noch mit Gewalt wird Herr wer­den können. Obwohl die inneren Kämpfe in China noch längst nicht erloschen sind, ist dort eine Festigung ganz unbestreitbar im Entstehen. T s ch a n g ts 0 l i n, der von der Mandschurei her nach Süden vorgegangen ist, ist ein gewaltiger Machtfaktor und vielleicht wird es ihm gelingen, China wieder zu einigen und das Wort, das man über ihn gesprochen hat, er werde, wenn er die ( chinesische Mauer überschreite, ein gewaltiges Reich er­obern, doch schließlich zur Wirklichkeit zu machen.

Die Lage in Hankau,

Schulung zum Generalstreik.

Wie jetzt bekannt wird, heißt der bei den letzten Aus­schreitungen in Hankau verletzte deutsche Staats­angehörige Burmeister. Er geriet, als er von einer Motorradfahrt heimkehrte, auf englischen Gebiet in eine demonstrierende^Volksmenge, ohne von der Demonstration etwas gewußt zu haben. Durch Messer­stiche erhielt er zahlreiche Wunden. Ter Außen­minister der Kanionregierung hat dem deutschen Konsul sofort sein Bedauern über den Zwischenfall ausge­sprochen und erklärt, daß die Regierung die Verantwor­tung für die Sicherheit der Teutschen übernehme und zu voller Genugtuung bereit sei.

Alle aus China eingetroffenen Meldungen deuten darauf hin, daß die Lage in Hankau noch immer außer­ordentlich ernst ist. Die Nationalisten versuchen, wie Reuter zu melden weiß, den Ausbrucheines Ge - neralstreiks Anfang Februar nach dem chinesischen Neujahr herbeizuführcn. In Hankau veranstalteten Sol­daten und Studenten unter Vorantragen von Fabnen singend und lärmend Umzüge durch die britische Kon­zession. Die chinesischen Redner benutzten als Tribüne das Denkmal zur Erinnerung an den großen Krieg, das mit Fahnen und werbenden Aufschriften der Nationalisten bedeckt war. WieMorning Post" zu melden weiß, ist auch das französische und das japanische Viertel von Hankau in unmittelbarer Gefahr. Über die früheren deutschen und russischen Viertel lägen keine Berichte vor, doch glaube man, daß sie von den Süd­truppen übernommen worden seien, ohne daß cs zu Plünderungen gekommen sei.

Forderungen der Hanlaner Vevötterung.

H a n k a u. Die Vertreter der chinesischen Arbeiter, Bauern, Kaufleute und Soldaten haben auf einer Versamm­lung am 4. Januar ihre Forderungen formuliert, die, falls sie von der Kantonregicrung gebilligt werden, dem britischen Konsul in ultimativer Form zur Erfüllung innerhalb 72 Stunden vorgclcgt werden sollen. Die Versammlung ver­langt eine Entschuldigung der britischen Regierung und Be­zahlung einer Entschädigung für die Tötung und Verwun­dung von Chinesen bei den Wirren am 3. Januar sowie Be­strafung der daran beteiligten Engländer, Auflösung aller Frciivittigcnkorps und Entfernung der Kriegsschiffe, Zulassung chinesischer Versammlungen und Umzüge im britischen Kon zcssionsgcbict und Bildung von antibritischcn Bohkvttkomitccs nnd chinesischen Abteilungen zur Auf­rechterhaltung der Ordnung in der britischen Konzession.

psliiik der rniiiteren Linie.

Dr. Külz über die innenpolitische Sage.

Auf der Landesversammlung der Deutschen Demo­kratischen Partei in Stuttgart hielt Rcichsinncnmrnister Dr. Külz eine politische Rede, in der er außen- nnd innen­politische Probleme der Gegenwart berührte.

Die Freiheit des Rheins sei uns eine Lebens- und Ehrenfrage. Ger m c r s h c i m fei im übrigen nicht nur für Deutschland, sondern auch für Frankreich eine ünèr trägliche Episode, die sich im Interesse beider Völker nicht lviederholcn dürfe. Bei der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Struktur des beutfdjcn Volkes sei eine Kon­solidierung des staatlichen Lebens nur durch eine Poli - tik der mittleren Linie zu erreichen. Auf einer solchen Linie müsse das Parlament die Regierung aber auch wirklich arbeiten lassen.

Die Konsolidierung unseres inneren staatlichen Ver­hältnisses verlangt ein Verbundensein auch der breiten Waffe des Volkes mit dem Staate. Deswegen würden Parolen" wie: Niemals mit der Sozialdemokratie! oder: Immer gegen die Sozialdemokratie! überaus verhängnis­voll wirken müssen. Daß die R c i ch s w e h r vom Stand-