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Nr. 10 1927

Fulda, Donnerstag, 13. Januar

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* In der Besprechung der deutschen Gewerkschaften mit Dr. Curtius, der den Auftrag zur Bildung eines Reichskabinctts erhalten hat, stellten die Gewerkschaftsvertreter als ihre sozial­politischen Forderungen u. a. Arbeilerschutzgesetz, Arbeits­losenversicherung, Arbeitszeitgesetz aus.

* General a. D. Heinrich von Goßler, früherer preußischer Kriegsminister von 1896 bis 1903, ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

* Infolge der Regenfälle in den letzten Tagen herrscht in ganz Deutschland Hochwassergefahr.

* Die zwei französischen Soldaten, die den neuerlichen Zwischenfall in Mainz verursachten, sind verhaftet worden und kommen vor das Kriegsgericht.

Ermähègter Zinsfuß.

Die weitere Herabsetzung des Neichsbankdiskonts uür 1 %, also von 6 auf 5 %, kommt keineswegs überraschend, obwohl eine Herabsetzung erst vor nicht allzulanger Zeit erfolgt war. Der breite Strom ausländischer Gelder, der sich nach Deutschland ergoß, die Steigerung der Aktien­kurse und die bei Glattstellung dadurch erzielten Gewinne hatten eine derartige Flüssigkeit auf dem Geldmarkt her- beigeführt, daß die Reichsbank tatsächlich jede Beherr- schungsmöglichkeit auf dem .Kapitalmarkt so gut wie ver­loren hatte. Selbst größere Aktienausgaben konnten sehr leicht untergebracht werden und das Ausland drängte sich geradezu danach, der deutschen Wirtschaft sein Geld zur Verfügung zu stellen. Der ganze Reichsbankdiskont war für kurzfristige Gelder überhaupt nicht mehr maßgebend, vielmehr längst unterboten worden, und das machte sich geltend auch auf dem Markt der langfristigen Kredite, wo eine ständige Herabsetzung des Zinsfußes vor sich ging. Vor ein paar Tagen ist eine Reichsgerichtsenficheidung bekanntgeworden, wonach eine Zinsnahme von 1 % pro Tag für kurzfristige Gelder im Jahre 1924 nicht als Aucher zu bezeichnen sei erfreulich, daß diese Zeiten vorbei, hoffentlich für immer vorbei sind.

Die Reichsbank hod ihren Diskont heruntergesetzt, ohne darauf zu warten, was die für uns ja sehr maß­gebende Bank von England in dieser Hinsicht tun würde, von der man annehmen darf, daß sie in kürzester Frist nun gleichfalls zu einer Diskontherabsetzung schreiten wird. Derartige Maßnahmen haben den Zweck, die allzu große Geldflüssigkeit auf dem Kapitalmarkt etwas zu hemmen, sollen für uns in Deutschland aber noch das besondere Ziel haben, den Anreiz für das auslän­dische K a p i t a l zu vermindern, bei uns Verwendung 8n suchen, weil es im eigenen Lande nur schwer und nur zu geringem Zinsfuß Anlage findet. Es ist ja bekannt, daß der Reichsbankpräsident Dr. Schacht sich zu einem immer heftigeren Gegner einer übermäßigen Kredithereinnahme vom Auslande her entwickelt hat. Wenn uns auch das Vertrauen, das das Ausland auf die Zukunft unserer Wirtschaft setzt, ge­wissermaßen ehren mag, so hat doch diese Hereinnahme auch ihre bedenklichen Seiten, namentlich dann, wenn sie allzu leicht gemacht wird. Es besteht dann der Anreiz, Betriebe zu erweitern oder neu zu gründen, deren Lebens­fähigkeit nicht ohne weiteres auf der Hand liegt. Die Überfremdung der deutschen Wirtschaft hat in sehr bedenklichem Maße Fortschritte gemacht und um dagegen einschreiten zu können, hat der Reichsbankpräsident als ein freilich nicht immer durchschlagend wirkendes Mittel die Herabsetzung des Reichsbankdiskonts gewählt. Wich­tiger als die Hereinnahme fremden Kredites ist die För­derung der K a p i t a l n e u b i l d u n g in Deutschland, die gewiß schon einige Fortschritte gemacht hat, aber leider durch die Einschrumpfung der Spanne zwischen Erzen- gungskostcn und Unternehmergewinn, zwischen Lebens­haltungskosten und Löhnen noch lange nicht die Höhe der Vorkriegszeit erreicht hat.

Von wohltätiger Wirkung wird die Herabsetzung des Neichsbankdiskonts auch auf dein Markte der langfristigen Gelder sein. Das konnte man deutlich beobachten, als der Reichsbankdiskout von 7 auf 6 % ermäßigt wurde. Seit­dem ist auch der Zinsfuß, den die deutschen Kreditnehmer jeder Art für Geldaufnahmen im Ausland zu zahlen hatten, ständig zurückgegangen. Ältere deutsche Anleihen, die zu einem höheren Zinsfuß begeben worden sind, wie Z. B. die 200-Millionen-Dollaranleihe von 1924, die rest­los im Ausland aufgelegt wurde, schlossen sich dieser Ent- wicklung dadurch an, daß ihr Kurs entsprechend in die Höhe gesetzt wurde. So steht jene Dollaranleihe jetzt in ^on und Rewhork beträchtlich über Pari, also über

/o, weil sie zu einem Zinsfuß von etwa 8% % be­geben worden war.

. Dieses Abdrängen des Geldübersufses in die sestvcr- zinsliche Anlage hinein ist recht deutlich geworden auch an den dmltschen Borien, sobald man Wind davon bekam, daß eine Diskontherabsetzung tu. Aussicht genommen würde, ^'"..^â'resse unserer Wirtschaft ist diese Entwicklung uaturlill) als recht erfreulich zu betrachten, besonders des­wegen auch, weil nun gewisse Wirtschaftszweige, die bis­her wegen ihrer geringeren Rentabilität, wie z B die "and- tvirtschaft, auf kreditpolitische Schwierigkeiten stießen? nun wohl stärkere Berucksichttgung finden werden.

Lateinamerika und die Intervention in Nikaragua.

Buenos Aires. «La Naeion" erklärt, die Presse Mittel­und Südamerikas betrachte die Politik der Vereinigten Staaten in Nikaragua mit Mißtrauen. Das Blatt ver­öffentlicht eine Meldung au 6 Santiago, wonach in der chileni- ijen Abgeordnetenkammer ein Antrag auf Anerkennung des Grundsatzes «Lateinamerika den Lateinameri, sauern" eingebrächt worden ist.

Der Kampf um die Messungen.

Mt Stimmungsmache gegen Deutschland.

Eine deutsche offiziöse Warnung.

Anläßlich der in Paris stattfindenden Besprechungen über die sogenannte Entwaffnung der deutschen Ostsestun- geu hat in einem Teil der französischen Rechtspresse ein Kesseltreiben gegen Deutschland eingesetzt. Einer der Haupirufer in diesem Streit ist der Marschall Foch, der sich entschieden gegen die Abschaffung der Militärkontrolle und gegen die Räumung des Rhein­landes wendet. Diese Haltung Fochs erschwert auch die schwebenden Verhandlungen über die Frage der Ost- fcftungen außerordentlich. Darüber hinaus ist auch Polen in Paris eifrig tätig, um diese Verhandlungen zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Zu den französischen Presse­treibereien wird nunmehr von deutscher Seite in einer Erklärung offiziös Stellung genommen, in der es heißt:

Ein Teil der französischen Preffe, soEcho de Paris",Temps" und andere Blätter, bemüht sich seit mehreren Tagen, den seit zwei Tagen im Gange befind­lichen Verhandlungen zwischen den deutschen Vertretern und der Botschafterkonferenz die politische Bedeutung eines Kernproblems für die deutsch-französischen Be­ziehungen beizulegen und gegen eine Bereinigung der beiden sogenannten Restfragen Stimmung zu machen. Diese Kampagne erweckt in Berlin steigendes Be­fremden. Man erblickt darin im Zusammenhang mit anderen bereits vor Beginn der Besprechungen ver­öffentlichten tendenziösen Artikeln zu den schwebenden

Zur Regierungskrise.

Die Gewerkschaften bei Dr. Curims.

Auch Verhandlungen mit den Wirtschaftsführern.

Dr. Curtius setzte am Mittwoch seine Bemühungen um die Bildung einer Regierung fort. Er empfing Ver­treter der Freien Gewerkschaften, der Christlichen und der Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften. Die Führer der Freien Gewerkschaften, Leipart und Grassmann, sind zur­zeit nicht in Berlin. Der Allgemeine Deutsche Gewerk- schastsbund entsandte deshalb andere Vertreter zu den

Dr. Curtius.

Verhandlungen. In den parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, dass Herr Dr. Curtius sich auch mit Führern der Industrie und der Wirtschaft besprechen wird. Mit Interesse sieht man in parlamentarischen Kreisen der Füh­

NoiieänzZnLraü'zm vor Schanghai.

Fortdauer der fremdenfeindlichen Unruhen.

Wie der Amtliche Britische Funkdienst meldet, ist der Oberkommandierende der englischen Kriegsschiffe in den chinesischen Gewässern, Sir Reginald Tyrwhitt, mit seinem FlaggschiffDeSpatch" in Schanghai eingetroff-n. Man erwartet, dass der amerikanische Admiral Williams dem­nächst mit dem KreuzerPittsburg" von den Philippinen kommend in Schanghai eintrifft Ausser England und den Vereinigten Staaten haben auch Frankreich, Italien und Japan Kriegsschiffe nach der Yangtsemündung entsandt Rach Berichten ans Schanghai werden dort schleunige Massnahmen für die Verteidigung der internationalen Niederlassungen ergriffen.

Die Lage im Inner,l verschlimmert sich stufen­weise. Fremdenftindliche Unruhen brachen in Tschung- ting aus, wo die Menge den Friedhof der Ausländer schändete. Der Vormarsch der mandschurischen Truppen in nordwestlicher Richtung gegen die Nationalisten des Nordens, der darauf abzielt, eine Verproviantierung Fengpuhsiangs von Rußland her zu verhindern, geht weiter..

Fragen eine planmässige Stimmungsmache derjenigen Kreise, die eine deutsch-französische Ver­ständigung verhindern wollen. Es wäre sehr bedauer­lich, wenn es diesem Preffeseldzug gelingen würde, die an sich nicht leichten Verhandlungen zu stören und da­mit dem Fortgang der Verständigung, die von deut­scher Seite aufrichtig gewünscht wird, Schwierigkeiten zu bereiten.

In Berliner politischen Kreisen glaubt man, daß trotz der Schwierigkeit der Pariser Verhandlungen diese keines­wegs als aussichtslos gelten. Etwas günstiger sollen die im wesentlichen in Berlin geführten Verhandlungen über die Frage des Kriegsmaterials verlausen, nachdem die Militärkontrollkommission neue Instruktionen aus Paris erhalten hat.

Polnische Treibereien in Paris.

Die Pariser Ausgabe desNew York Herald" glaubt zu wissen, daß die polnische Regierung bei der Botschafter­konferenz lebhafte Vorstellungen erhoben habe, um darauf hinzuweisen, daß die deutschen Ostfestungen die Sicher­heit Polens bedrohten. Im übrigen erklärt das Blatt, daß ein Stillstand in den Verhandlungen des deutschen Generals von Pawels; mit der Botschafterkonferenz vor» auszusehen sei und daß die Frage der Befestigungen? schiedsgerichtlich behandelt werden würde. Briand sei einem derartigen Verfahren nicht abgeneigt, aber Poin- caré und andere Minister seien dagegen. Der französische Delegierte in der Botschafterkonferenz, Jules Cambon, soll übrigens auch für ein schiedsgerichtliches Ver­fahren sein.

lungnahme des Zentrums mit den Sozialdemokraten und den Deutschnationalen entgegen. Dr. Curtius dürfte bis dahin kaum irgendwelche entscheidenden Schritte unter­nehmen.

Die Gewerkschaftsvertreter unterbreiteten in der Be­sprechung mit Dr. Curtius ihr Sozialprogramm, wobei sie vor allem zum Ausdruck brachten, daß sie als drin­gendste Aufguß der künftigen Regierung die sofortige Verabschiedung des Arbeitszeitnotgesetzes ansehen, und zwar müßte durch dieses Gesetz, das zudem endgültig die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens ermöglichen soll, der Achtstundentag grundsätzlich in Deutschland garantiert werden. Ferner wünschen die Gewerkschaften eine alsbaldige Verabschiedung des Arbeitsschutzgesetzes, das sich vor allem auf den Schutz der älteren Angestellten und den Schutz der Kinderarbeit bezieht. Sodann trugen die Gewerkschaftsvertreter ihre Wünsche hinsichtlich einer nachdrücklichen Vertretung der Arbeitnehmerschaft gegen­über der Reichsregierung vor. Dr. Curtius nahm diese Wünsche der Gewerkschaftsvertreter entgegen, konnte natür­lich positive Gegenvorschläge nicht machen, da solche erst möglich wären, wenn es einem Kanzler gelungen ist, ein Kabinett zustande zu bringen, und wenn er mit den Par­teien, die dieses Kabinett tragen, darüber eine Verständi­gung erzielt hat.

Die Entscheidung des Zentrums.

Berlin, 12. Jan. (W. B.) Die Zentrumsfraktion des Reichstages faßte am Mittwoch abend nach 2>4 stündiger Beratung einstimmig folgenden Beschluß:

Die Zentrumsfraktion des Reichstages teilt die schwe­ren außer- und innenpolitischen Bedenken des Fraktions­vorstandes hinsichtlich der von Dr. Curtius beabsichtigten Kabinettsbildung. Der Vorstand wird beauftragt, diese Bedenken Hern Dr. Curtius und dem Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, Herrn Dr. Stresemann, erneut dar« zulcgcn."

Die Lage in China.

Hanka«. Hier trafen die britischen ZerstörerWyvern" undVcrity* ein. Die Flagge auf dem britischen Konsulat, die seit Übernahme der Konirolle der britischen Konzession durch die Chinesen eingezogen war, wurde wieder gehißt. Im übrigen hat sich die Lage nicht verändert. Reuter meldet aus Schanghai, daß die Ausschreitungen der Soldaten in der Stabt Kiukiang fortbauern. Die Schiffer in Tschang- schäfü, der Hauptstadt der Provinz Hunan, sind am Montag in den Streik getreten. Aus Peking wird berichtet, daß in der Provinz Fukieu Truppen der Nationalisten amcrika» a ischcs Eigentum in Schauwufu und an anderen Orten »eschlagnahmt haben.

Verschärfter Konflikt Mexiko-Amerika

Massenverhaftungen von Geistlichen in Mexiko. ,

Die Beziehungen zwischen Amerika und Mexiko haben sich aufs neue zugespitzt. Diese Verschärfung der Lage ist auf eine Sonderbotschaft des Präsidenten Coolidge über Nikaragua zurückzusühren, in der er betont, dass Amerikas Politik sein und bleiben werde, die amerikanischen Bürger in den gefährdeten Teilen des Landes zu schützen. In der