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Nr. 11 1927

Fulda, Freitag, 14. Januar

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Dr. Curtius verhandelte im weiteren Verlauf seiner Be­mühungen um die Regierungsbildung mit den Vertretern von Industrie, Handel und Landwirtschaft.

* In Angora wurde der deutsch-türkische Handels- und Niederlassungsvertrag von den beiderseitigen Vertretern nnter- zeichnet.

* Die Streitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko haben sich derart zugespitzt, daß man eine Kriegs­erklärung erwartet.

* In Schanghai ist cs in zwei Baumwollspinnereien zu Ausschreitungen gekommen, zu deren Bekämpfung Polizei und Feuerwehr alarmiert werden mußten.

Amerikas Peiroleumfireit.

Von einem Kenner der amerikanischen Verhältniss« wird zu der drohenden Kriegsgefahr geschrieben:

Daß es in Mittelamerika, und zwar diesmal in Nikaragua wieder einmal eine Revolution gegeben hat, darüber regt sich in der ganzen Welt kein Mensch auf. Denn Revolutionen in Mittel- und Südamerika entbehren infolge ihrer Häufigkeit jeden Reizes der Originalität. Etwas auffallender war allerdings schon, daß die Ver- einigten Staaten Truppen landen ließen, um den von ihnen anerkannten konservativen Präsidenten Diaz gegen seinen liberalen Gegner S a c a s a zu unter­stützen, der den Anspruch erhebt, legitimer Präsident zu fein. Die berühmteMonroe"doktrin Nordamerikas wird dort jetzt nämlich dahin aufgefaßt, daß sich europäische Mächte nicht in amerikanische Streitigkeiten zu mischen haben, daß aber darüber hinaus die Vereinigten Staaten für sich das Recht in Anspruch nehmen, darüber zu wachen und gegebenenfalls einzugreifen, damit staatliche Umwäl­zungen nur mit ihrem Einverständnis erfolgen. Nament- * lich natürlich in Mittelamerika, wo die unbedingte Beherr­schung des Panamakanals erweitert worden ist zu einer Kontrolle über diè Verhältnisse der Nachbarstaaten. Ge­rade in Nikaragua ist die Einmischung Nordamerikas so oft erfolgt, daß das neueste Geschehnis dieser Art nichts da-derâäfidMtt -Lia- srch schon seit 12 Jahren amerikanischer Gunst erfreut.

Verwickelter wurde die Sache erst dadurch, daß Mexiko, also vor allem der liberale Präsident Calles, angeblich den Gegner des Präsidenten Diaz in seinem Kampf durch Waffenlieferung unterstützte, so daß der amerikanische Admiral Latimer, der in Nikaragua ge­landet war, heftig protestierte und die Vereinigten Staaten immer schroffere Töne gegen Mexiko anschlugen, das den Dr. Sacasa als Präsidenten anerkannt hatte. Aber das ist alles nicht das Entscheidende bei der Zu­spitzung des Verhältnisses zwischen Nordamerika und Mexiko, die schon dazu geführt hat, daß nach den neuesten Meldungen aus Washington an der mexikanischen Grenze 15 000 Mann unterhalten werden, die marschbereit sind. Man rechnet in Mexiko mit einem sehr baldigen Abbruch der Beziehungen.

In der Hauptsache dreht es sich um den Kampf zwi­schen den amerikanischen Besitzern der mexikanischen O l - selber und der Regierung Mexikos, deren Landgesetz­gebung angeblich frühere Rechte jener Amerikaner ver­letze. Gerade dieses Ölvorkommen in Nordmexiko, die Bedrohung der zum größten Teil amerikanischen Besitzer bei einer der auch nicht gerade seltenen Revolutionen hat ja schon mehrfach zum militärischen Eingreifen der Ver­einigten Staaten geführt, die sich durchaus nicht dagegen sträuben würden, wenn ihnen ein Zufall oder kriegerischer Zugriff diese Olfelder in die Hände liefern würden. Man hat es auch ein paarmal versucht; aber bisher mißlang es. Nun ist Calles, Mexikos Präsident, politisch links­radikal eingestellt, ist deswegen in heftigsten Konflikt mit der katholischen Kirche geraten, der nicht mehr einen Kulturkampf" darstellt, sondern schon zu einem mit zahl­reichen Todesopfern verknüpften Bürgerkrieg geworden ist. Maßgebend dabei sind die Arbeitergewerkschaften, auf die sich Calles vor allem stützt und das hat dem nord­amerikanischen Staatssekretär des Auswärtigen nun den Ausgangspunkt für die Ausführungen abgegeben, die er über den ganzen Konflikt soeben im Senat gemacht hat und die dahin gipfelten, daß Mittelamerika, vor allem Mexiko, angeblich die Basis für sozialistisch-kommunistische Angriffe auf Nordamerika abgebe. Er zitierte die Re­solution der Gewerkschaftsinternationale aus dem Jahre 1924, wo die Grundzüge des Kampfes gegen denameri­kanischen Imperialismus" niedergelegt sind. Und für diese Ansichten der Kommunisten bezüglich Mittelamerikas sei vor allem Calles, der Präsident von Mexiko, verantwortlich. Calles stattete bekanntlich vor einigen Jahren bei seiner Rundreise durch Europa auch der deutschen Negierung in Berlin einen Besuch ab. Bei der Einstellung der Nordamerikaner gegen Calles ist es also kein Wunder, daß die angekündigte Kriegserklärung Nordamerikas gegen Mexiko durchaus nicht ausgeschlossen erscheint, besonders, da sich Washing­ton weigert, die Entscheidung über die vorliegenden Streitfragen etwa dem Haager Schiedsgerichtshof zu unterbreiten. Diese Ablehnung der Vereinigten Staaten hatt nicht weiter überrascht, zumal man weiß, wie stark dort Erklärungen mit irgendwelchen politischen Ver- brämungcn wirken, wenn es sich im letzten Grunde auch nur um Petroleum handelt.

*

Aufruhr in Mexiko.

~ Nach einer Neutermeldung ouë Mexiko treffen in immer zunehmendem Umfange Berichte über Aufstande, Schießereien und Hinrichtungen in vcrscmedenerr ^eil eti ides Landes in der Hauptstadt ehr. Präsident Calles er-

Rheinland und Militärkontrolle.

Von Genf bis Thoèry.

Briand und die deutsch-französische Verständigung.

Der Abbau der Militärkontrolle in Deutschland und die Erwägungen über eine etwaigd frühere Räumung des besetzten Gebietes veranlassen die französischen Natio­nalisten zu immer neuen Vorstößen gegen Briand. So hat der rechtsstehende Abgeordnete Desjardin an den französischen Außenminister eine schriftliche Anfrage ge­richtet, ob Briand in Genf Verpflichtungen hinsichtlich einer früheren Räumung der besetzten Rheinlande eingegangen sei. Der Minister antwortete es sei nicht nur keine Verpflichtung eingegangen worden, vielmehr sei die Frage während der Verhand­lungen in Genf nicht einmal gestellt worden.

Auf eine zweite Anfrage des Abgeordneten über die Aufhebung der Militärkont.rolle und die Stellungnahme der Botschafterkonferenz, der Interalli­ierten Kontrollkommission, des französischen Obersten Kriegsrates und des Interalliierten Militärkomitees in Versailles zu dieser Frage antwortete Briand, eine nahe bevor stehende parlamentarische Debatte werde dem Minister des Äußern Gelegenheit geben, alle wünschenswerten Auskünfte zu erteilen. Auf eine dritte Anfrage über die Veröffentlichung des mit den verschie­denen Regierungen und der Botschafterkonferenz während der letzten Völkerbundtagung gepflogenen Meinungsaus­tausches, der sich auf die Aufhebung der Mitttürkontrolle in Deutschland bezog, antwortete Briand, ein Gelbbuch hierüber zu veröffentlichen, komme nicht in Frage, da ja die Verhandlungen über dir Entwaffnung Deutschlands noch nicht beendet seien.

Diese Antwort Briands veranlaßt einen Mitarbeiter desPetit Parifien" zu einer phantastischen Erzählung über

die Unterredung von Thoiry.

Auch dorr, süMiLtter, sei UM obenhW von der vorzeitigen Rheinlandräumung gesprochen worden. Stresemann habe dem Sinne nach gesagt:Ein großes Hindernis für die deutsch-französische Annäherung bilde die Rheinlandbe- setzung." Briand habe hierauf geantwortet:Es hängt von Deutschland ab, sie zu beenden. Nach 1870 hatten auch wir Eile, der Besetzung ein Ende zu bereiten. Wir haben deshalb 1873 das Nötige getan und der letzte deutsche Soldat hat den sranzösifchen Boden verlassen. Handeln Sie wie wir und die alliierten Truppen werden nicht eine Stunde länger als nötig im Rheinland bleiben." Stresemann habe gefragt:Was verstehen Sie unter dem Worttun Sie das Nötige?", worauf Briand etwa dem Sinne nach geantwortet habe:Es ist nicht meine Auf­gabe, Ihnen das zu sagen. Sie wissen, warum wir hier in Thoiry sind. Sie müssen nachdenken. Sie müssen Vor­schläge machen. Wir werden sie im Geiste größten Ent­gegenkommens und in dem aufrichtigen Wunsch einer

ließ eine Erklärung, in der er dem katholischen Episkopat die Verantwortung für die Erhebungen aufbürdet. Die Bundesregierung sei davon überzeugt, daß die Aufstän­dischen auf Grund genauer Anweisungen seitens des Episkopats handelten. Auf die Propaganda der Priester seien sie Aufstände in sechs verschiedenen Staaten zurückzuführen, bei denen 24 Soldaten der Bundestruppen und 75 katholische Aufständische den Tod, gefunden Rättern

Die Bârckm des Zentrums.

Weitere Verhandlungen mit Wirtschaftsvertretern.

Dr. Curtius hat seine Aussprache über die Möglich­keiten einer durch ihn vorzunehmenden Regierungsbil­dung fortgesetzt. Er empfing sowohl Vertreter des R e i ch s l a n d b u n d e s , die ihn über die Auffassungen der Landwirtschaft unterrichteten, als auch eine Abord­nung aus Industrie und H a n d e l, die ihm ihre An­schauungen zu den aktuellen Problemen der Wirtschafts- und Sozialpolitik darlegte.

Am Nachmittag fanden die angefünbigten Besprechun­gen zwischen den Beauftragten der Zentrumsfraktion des Reichstages, den Abgg. v. Euèrard und Stegerwald, und Dr. Curtius und Reichsaußenminister Dr. Stresemann im Reichswirtschaftsministerium statt. Die Vertreter der Zen­trumsfraktion trugen die schweren innen- und außenpoli­tischen Bedenken vor, die die Zentrumsfraktion gegen die Bildung der von Dr. Curtius in Aussicht genommenen Re­gierung habe. Daran schloß sich eine eingehende Aussprache. Dr. Curtius hat in Ausstasi genommen, am morgigen Vor­mittag über die Ergebnisse dieser Besprechung mit den Vertretern der Deutschnationalen Volkspartei zu verhan­deln. Die Vertreter der Zentrumsfraktion haben in Aus­sicht genommen, am morgigen Nachmittag eine grundle­gende Stellungnahme der Fraktion der Zentrumspartei herbeizuführen.

Nach Bekanntwerden des Beschlusses der Zentrums- fraktion meldeten sich sofort wieder die Sozialdemokraten, derenSozialdemokratischer P.essedienst" betont, daß'- Sozialdemokratie jederzeit zu Verhandlungen bereit sei. Sie sei entschlossen, die Mitverantwortung für die künftige Regierungspolitik zu tragen.

Nach dem augenblicklichen Stand der politischen Lage wird, wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zei- tungsverleger hört, Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius

Verständigung prüfen." Das sei alles gewesen, also könne von einer Verpflichtung des Vertreters Frankreichs nicht die Rede sein.

Das Blatt spricht alsdann von einem Angebot der Mobilisierung der Reichsbahnobliga­tionen und fährt fort, die Besetzung sei eine dreifache Garantie, eine politische, eine militärische und eine Re­parationsgaranlie. Sie müsse also durch drei Gegen­leistungen ersetzt werden. Das zu fordern sei berechtigt, und sei es auch nur im Hinblick auf die Reparationen, denn das Reich habe im Verlauf der letzten Jahre nicht weniger als 3200 Millionen Goldmark in den Vereinigten Staaten geliehen. Gehe das so weiter, dann würden der Dawes-Plan und die Reparationen Gefahr laufen, rasch kompromittiert zu werden.

Die deutsch-französischen Verhandlungen.

Paris, 13. Jan. (W. B.) Seit Rückkehr des Generals v. Pawelsz und des Geheimrats Forster nach Paris wird die öffentliche Meinung in Frankreich täglich mit Berich­ten überschüttet, die offenbar von einer Stelle insspiriert werden, die alle Veranlassung hat, die Dinge so darzustellen, als machten die eingeleiteten Verhandlungen keine Fort­schritte. Während einerseits behauptet wird, die deutschen Delegierten hätten überhaupt keine neuen Vorschläge un­terbreitet, wird andererseits wieder, und zwar in einer angeblich aus London stammenden Havasmeldung, die sich auf Informationen aus englischer Quelle in Paris stützt, erklärt, deutscherseits versuche man, die Diskussion nach Berlin zu verlegen. Demgegenüber muß, um jede Zwei­deutigkeit zu vermeiden, festgestellt werden, daß General v. Pawelsz überhaupt nur über die Festungen an der deut­schen Ostgrenze verhandelt, während die Begriffsbestim­mungen für das Kriegsmaterial nach wie vor in Berlin zwischen deutschen und alliierten Sachverständigen geführt werden. Der Quat d'Orsay har offenbar nach der alar­mierenden Berichterstattung der französischen fresse aus London die Ueberzeugung gewonnen, daß Tendenzmeldun­gen entgegengetreten werden müsse, denn derTemps", der gewiß in der Frage der Entwaffnung nicht als unpar­teiisch bezeichnet werden kann, muß erklären, daß das fran­zösische Außenministerium ausdrücklich festgestellt hat, daß die Verhandlungen im Gegensatz zu den pessimistischen Auffassungen, die gestern und heute festzustellen waren, sich in einer eher günstigeren Atmosphäre vollziehen sowohl in Berlin wie auch in Paris.

DerParis Soir" kann sogar derTemps"-Meldung noch hinzufügen, daß sich in den letzten Tagen eine über­einstimmende Auffassung über das Gelingen der jetzt im Gange befindlichen Verhandlungen zeige.

Jedenfalls nehmen diese Verhandlungen einen norma­len Verlauf.

morgen abend nach der Fraktionssitzung des Zentrums dem Herrn Reichspräsidenten seinen abschließenden Bericht erstatten.

Die Lage in China.

Ausschreitungen in Schanghaier Barunwollspinnereien.

Die Spannung in Hankau hat nach einer Reutermel­dung nachgelassen. Die englischen Staatsangehörigen können sich im Konzessionsgebiet frei bewegen. Die Ab­wanderung der Ausländer aus dem Innern gestaltet sich wegen des Boykotts und des Mangels an Schiffen schwierig. Dem englischen Konsul in Kiukiang gelang es. die Archive des Konsulats zu retten. Er wohnt jetzt in einemkleinenBoot, das die Konsulatsflagge führt, auf dem Fluß. Auch der französische Zollkommissar übt feine Tätigkeit auf einem kleinen Boot aus.

In Schanghai kam es in zwei Baumwollspinnereien zu Ruhestörungen. Die Polizei mußte die Hilfe der Feuerwehr in Anspruch nehmen, um die Arbeiter zu vertreiben. Unter den letzteren befanden sich zahlreiche F r a u c n, die die Hauptrolle bei den Beschädigungen des Eigentums der Spinnereien spielten. Die Ruhestörer, deren Zahl aus taufend geschätzt wurde, benutzten Spulen und andere Maschinenteile der Spinnereien als Wurf­geschosse gegen die Polizei. Sie zerstreuten sich aber, als ein Wasserstrahl der Feuerspritze aus sie gerichtet wurde. Der Befehlshaber der Feuerwehr und mehrere Polizisten wurden leicht verletzt.

Eine Sitzung des englischen Kabinetts befaßte sich mit der Lage in China. Wie verlautet, ist keineein­schneidende Entscheidung" über die zu befolgende Politik getroffen worden. Die Regierung beschloß, den Bericht des britischen Gesandtschaftsrates O'Malley, der sich in Hankau befindet, abzuwarten, bevor sie einen Be­schluß faßt.

Peking verlangt Rückgabe der ausländischen Konzessionen.

Peking, 13. Jan. (W. B.) Vertreter der Pekinger Regierung sprachen gestern bei verschiedenen Gesandtschaf­ten vor und brachten den Wunsch zum Ausdruck, daß die fremden Niederlassungen den Chinesen zurückgegeben wer­den möchten.

Japanischer Protest in Peking.

Tokio, 13. Jan. (W. V.) Der Minister für auswär­tige Angelegenheiten beauftragte den japanischen Gesand­ten in Peking, gegen den Beschluß der chinesischen Regie-