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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 35 1927

Fulda, Freitag, 11. Februar

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der Verwciltungsrat bei Reichspost hat Donnerstag dem Entwurf einer neuen Fernsprechgebührenordnung zugestimmt.

* Am 7. März beginnt in Genf die 44. Ratstagung des Völkerbundes. Aus der Tagesordnung stehen u. a. Fragen betr. Saar, Danzig, Oberschlesien und deutsche Zivilflugzeuge.

* In Lissabon haben sich die Aufständischen den staatlichen Truppen ergeben. Wie die Regierung berichtet, soll im ganzen Lande Ruhe herrschen.

* Nach französischen übereinstimmenden Mitteilungen ist chic Zusammenkunft zwischen Dr. Stresemann und Briand an der Riviera nicht zu erwarten. Wy^@W^ffi^^^aSMiy^^

Reue Fernsprechordnung.

Der VertvaltungSrat der Deutschâ Neichspost be­schäftigte sich Doru^rstag mit der neuen Fernsprech- orduung, nach der die Ortsgesprächgebühr einheitlich aus 10 Pfennig festgesetzt wird. Für die Fernsprechteilnehmer wird die Grundgebühr zwischen drei und acht Mark liegen. Jeder Teilnehmer hat mindestens 2040 Ortsgespräche zu bezahlen. In den Ferngesprächen tritt eine Gebührenherabsetzung ein. In: Fernverkehr werden die Gebührensätze aus Entfernungen von 1575 Kilometer von 45, 90 und 120 Pf. auf 40, 70 und 90 Pf. herabgesetzt. Die weiteren vom Arbeitsausschuss gebilligten Gebühren- ermäsngungen (Berechnung aller Ferngespräche von mehr als 3 Min. Dauer nach Einzelminuten, Herabsetzung der Ferngesprächsgebtthren in der Zeit von 7 Uhr abends bis 8 Uhr vormittags ans zwei Drittel, Ermäßigung der Her- beirufungsgebühr auf 40 Pf. und der Gebühr für Be­nutzung der öffentlichen Sprechstellen von 15 aus 10 Pf. und eine Reihe anderer Gebührenermäßigungen) fanden auch die Zustimmung der Vollversammlung des Berwaltungsrats. Im Sprechverkehr der Großstädte mit den benachbarten Ortsnetzen sollen Gebührenerleichterun- gen geschaffen werden. Hierbei wurden Hamburg und Berlin hinsichtlich des Umfangs der Vergünstigung gleichgestellt. Die neuen Gebühren treten am 1. Mai in Kraft.

Die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches müssen zu diesen neuen Tarifvorschlägen ihre Zustimmung geben, bevor sie Gesetzeskraft erhalten.

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Ausgaben der post

Der neue Neichspostminister hat eine etwas zweifel­hafte Erbschaft angetreten, weil er nämlich sein Amt zu einer Zeit übernehmen mußte, da wir mitten in einer Neuordnung der Fernsprechgebühren stehen. Dar- über hinaus ist aber die Neichspost überhaupt in einem Stande der Entwicklung, wo finanzielle Fragen schwer­wiegendster Art überall auftauchen. Im Verwaltungsrat der Reichspost, der soeben zu einer Sitzung znsammcn- getreten war, entwickelte der neue Postminister Dr. Schätzel sein Programm und konnte darauf hinweisen, daß es seinem Amtsvorgänger, Herrn Dr. Stingl, ge­lungen sei, nicht bloß eine Gesundung der Verwaltung herbeizuführen, sondern vor allem die Neichspost wirt­schaftlich einzustellen als ein Instrument des Verkehrs. Der neue Minister will in diesen Bahnen weitergehen, ist sich aber darüber klar, daß nicht bloß die Wirtschafts-, sondern auch die Finanzlage des Reiches dabei gewisse Grenzen setzt.

Die einzelnen Zweige der Neichspostverwaltung diese ist ja in der erfreulichen Lage, ein Monopol zu sein, also von einem Wettbewerb nicht bedrückt zu werden sind natürlich von verschiedener Ergiebigkeit. Des weiteren aber sind diese verschiedenen Zweige hinsichtlich ihres Ertrages auch voneinander abhängig. Man denke z. B. daran, daß der schriftliche Verkehr des Publikums untereinander wesentlich beeinflußt wird von der Möglich­keit mündlicher Verständigung, also durch den Fern­sprecher. Das eine drückt auf das andere. Ist die telephonische Verständigung im Ortsverkehr billiger und schneller als der schriftliche Verkehr, so wird sich das in einem starken Zurückgehen des letzteren äußern. Diese Möglichkeit ergibt sich aber ohne weiteres aus der stän­digen Steigerung des Fernsprechverkehrs, die andererseits der finanziellen Ergiebigkeit eines schriftlichen Verkehrs schwere Wunden schlägt, diesen vielleicht sogar soweit her­abfetzt, daß sich eine Unterbilanz dabei herausstellt. Daher das Bemühen des jetzigen und des früheren Reichspost­ministers, ein Gleichgewicht herzustellen, bei dem die Post keinen Schaden leidet.

Vielleicht aber wird es Aufgabe des neuen Neichs- Postministers sein, seine Aufgaben in ihrer Gesamt­heit zu beurteilen und zu behandeln. Das würde be­deuten, daß er auf diesem oder jenem Sondergebiet einen Verlust hinnimmt, weil er auf einem anderen Gebiet durch Mehreinnahmen gedeckt wird. Die deutsche Wirtschaft sträubt sich vor allein dagegen, daß der Monopolcharakter der Neichspost ausgenützt wird zur Erreichung großer Einnahmen, also übermäßig auf Ausnutzung eingestellt wird. Die Post hat in vielen Betätigungszweigen d e m Verkehr zu dienen, aber ihn nicht als milchende Kuh zu betrachten. Modernisierung und schnellste Be- achumg aller technischen Neuerungen und Erfindungen wird es verhindern können, daß hierbei eine Verlnstwirt- schaft einreißt. Die Neichspost selbst hat bewiesen, daß sic gewillt ist, auf diesem Wege vorwärtszugehen, aus einigen Zweigen ihres Betriebes das herauszuholen, was sie aus anderen verliert. Es mag hierbei erinnert werden an die gewaltige Ausdehnung, die der P 0 st - k r a s t w a g e n b c t r i c b in den letzten Jahren erhalten hat und noch ständig erfährt. F u n k v e r k c h r und R u n d funk geben weitere Ausdehnungsmöglichkeiten und bei einer ansteigenden Linie des deutschen Wirf-

Die deutsch-polnische Spannung.

Kaömettsberaillng über die dmisch-polRischeK SchwieriMen.

Verbot deutscher Zeitungen in Ostoberschlesien.

Der zwischen Deutschland und Polen bestehende Kon­flikt tritt nunmehr in ein a k u t e s Stadium. Am Freitag wird sich die Reichsregierung mit der Frage beschäftigen, ob angesichts der dauernden Ausweisungen ans Polen, die noch immer anhalten, überhaupt einen Zweck hat, über die Frage des Niederlassungsrechts weiter zu ver­handeln. Wenn nicht noch im letzten Augenblick Polen seine Taktik Deutschland gegenüber ändert und vor allem die von Deutschland verlangte Aufenthaltsgenehmigung für die vier ausgewiesenen deutschen Beamten aus Ost­oberschlesien verlängert, wird sowohl in Berlin als auch in Warschau den zuständigen polnischen Stellen die Zwecklosigkeit weiterer Verhandlungen mitgeteilt werden.

In Berliner politischen Kreisen berührt es eigen­artig, daß die Polen ihre unverständlichen Ausweifungs- dekrete erst erlassen haben, nachdem die Verhandlungen über die deutschen Ostbefcstigungeu zum Abschluß gekom­men waren. Mit welch schlechtem Gewissen Polen der jetzt eingetretenen Sage gegenübersteht, kann man daraus er­sehen, daß die drei deutschen Zeitungen Oftoberschlesiens, dieKattowitzer Zeitung", derOberschlesische Kurier" undDer Volkswille" ans Anordnung der Polizeidirektion Kattowitz verboten worden sind, da diese drei Blätter über den Stand der deutsch-polnischen Handelsvertrags- Verhandlungen berichtet haben, wobei in Übereinstimmung mit den in Deutschland erscheinenden Zeitungen daraus hingewiesen wurde, daß die Ausweisung Deutscher aus Ostoberschlesien die deutsch polnischen Verhandlungen un­günstig beeinflußt hätten.

Die polnische Regierung will durch ein längeres amt­liches . Kommunique namentlich im Auslande den Ein­druck erwecken, daß dem Vorgehen der deutschen Regierung eine besondere politische Tendenz zugrunde liege. In diesem Kommunique behauptet sie, daß den ausgewiesenen

Unterredung zwischen Soesch und Irland.

Aussprache über wichtige schwebende Fragen.

Der deutsche Botschafter von Hoesch, der von Berlin nach Paris zurüâgekehrt ist, hatte eine einstündige Unter­redung mit dem französischen Außenminister Briand. Auf Grund der Unterredung, die der Botschafter in Berlin mit dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann gehabt hat, be­sprach er mit Briand die verschiedenen Fragen, die Deutschland und Frankreich beschäftigen. Dabei wurden u. a. der Abschluß der Verhandlungen über die Entwaff­nung Deutschlands und die weitere Gestaltung der deutsch­französischen Handelsbeziehungen berührt.

Wie weiter über die Unterredung bekannt wird, hat diese allen Problemen gegolten, die zwischen Frankreich und Deutschland in den nächsten Wochen behandelt werden sollen. Man geht kaum fehl, wenn man annimmt, daß neben den in dem deutschen Kommunique erwähnten Fragen auch das Problem der Rheinlandräumung ein­gehend erörtert unb die Möglichkeit einer Zusammenkunft zwischen Briand und Stresemann in Betracht ge­zogen worden ist. Auch die bevorstehende Genfer Rats­tagung und die auf ihr zur Behandlung stehenden Gegen­stände sind allem Anschein nach gestreift worden. So kommt denn dieser ersten politischen Aussprache Hoeschs mit Briand nach Bildung der neuen Reichsregierung be­sondere Bedeutung zu, in den deutsch-französischen Be­ziehungen seit Abschluß der Entwaffnungsverhandlungen der Weg für die Lösung der weiteren Deutschland so sehr am Herzen liegenden Probleme eröffnet ist.

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Reise Hoeschs zu Stresemann?

In Pariser politischen Kreisen verbreitet man das Gerücht, daß der deutsche Botschafter von Hoesch sich nach San Remo begeben wolle. Man legt diesen Reiseplan dahin aus, daß Dr. Stresemann eine Zusammenkunft mit Briand herbeiführen wolle.

schaftslebens, die wir ja alle erhoffen, gilt auch für die Neichspost der kaufmännische Grundsatz, daß große finan­zielle Erfolge nicht von großem Umsatz unter großem Nutzen erzielt werden, sondern, daß der kleine Nutzen es hier ist, der den großen Umsatz und damit den große» finanziellen Erfolg verursacht.

Der Monopolcharakter der Reichspost schließt also »richt bloß Rechte, sondern auch Pflichten in sich. Der Grün­der der deutschen Reichspost, Staatssekretär Stephan, war tief von dem Grundgedanken durchdrungen, daß eine größtmögliche Ausdehnung des Postbetriebes in allen seinen Zweigen verbunden sein müßte mit einer größt­möglichen Verbilligung der Prostvcrkchrsmittel, weil dar­aus erst der finanzielle Erfolg erwachse. Manche seiner Nachfolger sind von diesen: Grundgedanken abgewichen, das geschah niemals zum Vorteil der Post. Nach den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit ist man aber von neuem daran gegangen, diesen Gedanken zu verwirklichen, nnd cs ist zu begrüßen, daß der neue Neichspostminister auf diesem Weac fortschrciteu miß.

deutschen Beamten nur eine befristete Ausenthaltsbewilli- gung zugestanden worden sei und daß die deutsche Reichs­regierung auch bei der Rückkehr der polnischen Arbeiter aus Deutschland die gleichen Grundsätze wie die polnische Regierung befolgt. Demgegenüber wird von deutscher offizöser Seite festgestellt, daß die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilttgung der deutschen Beamten satzungs- widrig durchgeführt worden sei und daß der Vergleich mit dèn Wanderarbeiten, denen im Prinzip die Möglich­keit de? Wiedereinreise nach Deutschland offensteht, völlig abwegig sei.

Sollten die deutsch - polnischen Verhandlungen jetzt wieder abgebrochen werden, so würde gegenüber dem jetzigen Zustand kein neuer Fall eintreten, da der Zoll­krieg zwischen beiden Ländern an sich schon besteht und dann eben weitergehen würde.

Die Michsregierung klagt in der Chorzowangeleßenheit.

Schadenersatzleistung von 75 Millionen Goldmark.

Beim Ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag ist eine neue Klage der deutschen Regierung gegen die polnische Regierung eingegangen. Diese Klage beruht auf der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes vom 25. Mai 1926 in der Angelegenheit der Stickstoff- werke von Chorzow. Da in dieser Entscheidung seinerzeit ausgesprochen worden war, daß die Haltung der polnischen Regierung gegenüber den Eigentümern der Fabriken von Chorzow im Widerspruch mit den Be­stimmungen der Genfer Konvention stehe, und da ferner die von Deutschland eingeleiteten diplomatischen Verhand­lungen mit Polen infolge der ablehnenden Haltung der polnischen Regierung zu keinem Ergebnis geführt haben, ersucht nunmehr die deutsche Regierung in ihrer neuen Klageschrift den Internationalen Gerichtshof, eine Ent­scheidung zu erlassen, daß die polnische Regierung den betroffenen deutschen Unternehmungen (den Aktiengesell­schaften Oberschlesische Stickstoffwerke und Bayerische Stickstoffwerke) Schadenersatz-lei stungen bezahlen soll, deren Gesamthöhe etwa 75 Millionen Gold­mark betragen müsse.

Reichsimremninifler Kendel, bleibt.

Was Reichskanzler Marr sagen wird.

Reichskanzler Dr. Marx wird am Freitag, wie in Aussicht genommen war, das Ergebnis seines Akten­studiums über den Reichsinncnministcr Dr. von Keudell im Reichstag bekanntgeben. Die Erklärung wird im wesentlichen daraus hinauslaufen, daß für ihn und für die Regierungsparteien keine Veranlassung vorliegt, daß Herr von Keudell den Posten des Reichsinnenministers nieder­legt. Er wird hierbei ferner betonen, daß auch die preußische Staatsrcgicrung Herrn von Keudell nach dem Kapp-Putsch als Regierungsrat nach Arnswalde berufen wollte. In politischen Kreisen nimmt man an, daß der Reichskanzler auch darauf hinweisen wird, daß Herr von Keudell vor dem Reichskabinett die unzweideutige Er­klärung abgegeben habe, daß er den Eid auf die Reichs­verfassung geleistet habe und ans dieser Eidesleistung die entsprechenden Konsequenzen ziehen, das heißt, die Reichs­verfassung schützen werde.

Die Erklärung des Reichskanzlers soll vor dem Ein­tritt in die Tagesordnung erfolgen, so daß eine Debatte nach der bestehenden Geschäftsordnung nicht stattsindcn kann, es sei denn, daß der Reichstag eine Eröffnung der Aussprache beschließen würde, was aber sehr zweifelhaft erscheint. Die Beantwortung der kommunistischen Inter­pellation über die Beziehungen zwischen dem Reichsinnen­minister von Keudell und dem SportverbandOlympia" dürfte vom Kanzler noch nicht vorgenommen werden, viel­mehr soll diese Interpellation bis zur Etatsberatung des Reichsministeriums des Innern zurückgestellt werden.

DerAufstand in Portugal niedergeschlagen

Wie Reuter aus Lissabon meldet, haben sich die Auf­ständischen, die das Marinearsenal und das Zentralpostamt besetzt hatten, nach einer heftigen Beschicßung er­gebe::. Im ganzen Lande soll Ruhe herrschen. Die Auf­standsbewegung hat zahlreiche Todesopfer ge­fordert. Auch die Zahl der Verwundeten ist groß und der Sachschaden sehr erheblich.

Wie nachträglich bekannt wird, sind allein in OP 0 rt 0 bei dem Bombardement 100 Personen ums Leben gekommen, während etwa 300 Personen verletzt wurden. In der Stadt herrscht jetzt nach einer bei der englischen Admiralität eingegangenen Mitteilung des englischen Konsuls in Oporto völlige Ruhe. König M a u u e l sprach in London sein Bedauern über das Blutvergießen aus und erklärte, er habe keine Absicht, England zu verlassen.

Paris. Nach Meldungen, die d-:öJournal" über Madrid erhalten bat, besagen Nachrichten von der portugiesischen Grenze, daß zwischen Braga und Porto die Kämpfe zwischen den Anhängern der Revolutionüre und den Regicrungstruppe^ andauern. Die Eisenbahner im Süden und Süd- osten sollen sich der Sireikbcwegung, die die Eisen­bahner des Nordens nnd des Ostens ausgerufen hatten, an» geschlossen haben.

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