Zulöaer Anzeiger
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^”9-1927
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg §ulöa- unö Haunetal »Juiüaer Kreisbla«
ReöakLion unö Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ❖ Zernsprech-Rnschluß Nr. 989 Nachüruck der mit * versehenen Artikel nur mit (vueUenangode »ZulSaer Fnzeiger"gesia«et. «■■HmeHÄCSMeaeeKÄweaeeeeeeBMMBeeeeaeeeÄMBtseeeaBaeoneaeemMeeBMsnnKBWBmnroQaeeeemeaBeeaeeeBeeMeHe Fulda, Mittwoch, 16. Februar
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4. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die deutsch-polnischen Handelsvertragsvcrhandlungen sind nunmehr abgebrochen worden, nachdem Polen Deutschlands Vorschlag, zunächst über das Niederlassungsreckt zu verhandeln, vbgelehnt hat
* Der Preußische Landtag nahm nach mehrwöchiger Pause seine Vollsitzungen wieder auf.
* In dem Meinungsstreit zwischen dem preußischen Kultus- im Nister und den Studentenvereinigunger» ist eine Einigung zwischen dem Kultusministerium und der preußischen Studen- tènschaft erzielt worden.
* x'it den in Paris geführten Handclsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland uub Fra,Ure ich haben sich Schwierig- leiten wegen der Behandlung der französischen Weine ergeben.
* Frankreich wird die Abrüstungsvorschläge des amerikanischen Präsidenten Coolidge ablehnend beantworten.
* Das Erdbeben in Jugoslawien hat etwa 600 Todesopfer gefordert; mehrere tausend Häuser wurden vollkommen zerstört.
Frankreichs ä
Nordamerika hatte vor dem Weltkriege bekanntlich nur ein verhältnismäßig kleines Heer und die Flotte war auch nicht sehr erheblich. Man betrachtet die Kosten der militärischen Rüstung als zwar notwendige, aber lästige Ausgaben, die sich aber nur herabsetzen lassen, wenn wirklich die allgemeine A b r ü st u n g auf der ganzen Welt erfolgen würde. Daher die fortdauernder« Versuche, die in Washington gemacht werden, um die Frage der Seeabrüstung nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen, die ja schon 1921 auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz behandelt worden war und nicht ganz ohne Erfolg, da doch eine gewisse Rüstungseinschräntüng bei Neubauten bestimmt und vereinbart wurde. Nun kam — Ziemlich überraschend — jetzt die neue Denkschrift des nordamerikanischen Präsidenten Coolidge über eine zweite Sceabrüstungskonferenz, kommt aber auch — gar nicht überraschend — sehr rasch die f r a n z ö - wenn auch in etwas diplomatische Watte gewickelt. Und mit einem dichten Blumenkranz eifrigster Friedens- und Abrüstungswünsche rings umgebens Im Ziel sei man sich ja natürlich völlig einig; aber die Methode n, diese Methoden, die zu jenem Ziel hinführen — die seien doch sehr,. sehr umstritten und infolgedessen . . .
Die französische Negierung verweist in ihrer Ant-^ Wortnote vor allem darauf, daß das Problem der Welt- abrüstung doch ureigenstes Gebiet der Völkerbund- arbeit ist und der Genfer Versammlung dürfe man daher die Prüfung und Lösung dieser Frage nicht ab- Nehmen. Außerdem sei man ja in Genf außerordentlich eifrig gerade mit dieser Beratung beschäftigt usw. usw. Die Gründe zur Ablehnung sind ja billig genug, nur wird Coolidge aus allem eben nur das Nein! hören. Und dieses Nein erhält in Rom ein ebenso deutliches Echo; auch dort lehnt man jede Rüstungsbeschränkung, jede Konferenz ab.
Nordamerika wird sich aber auch durch den französischen Hinweis nicht abspeisen lassen, daß die 'vorgeschlagene Seeabrüstungskonferenz mit ihren fünf Großmächten als Teilnehmer doch eine Brüskierung der kleineren Mächte bedeute. Auch dieser „Grund" ist nicht durchschlagender als die anderen, weil eben die Kräfteverteilung in der Welt doch letzten Endes von ben paar Großen abhängt, die. Kleinen notgedrungen aber parieren müssen. Frankreich spielt mit seiner Ablehnung aber ein wenig mit dem Feuer, ebenso Italien. Hier wie dort ist die Währung nur mit Mühe stabilisiert und sie kann bei einem entsprechenden Vorgehen des geldmächtigsten Staates des Erdballs sehr leicht wieder ins Wanken kom- wen. Zwar hat Italien mit Nordamerika einen recht günstigen Schuldentilgungsvertrag abgeschlossen, aber immer noch nicht ratifiziert ist das Abkommen, das Poin- carës Vorgänger in Washington abschließen ließ, das auzunehmen sich aber der jetzige Präsident Frankreichs ebenso weigert wie die Pariser Deputicrtenkammer. Und auf die „Arbeit" der Abrüstungskommissiou in Genf kann sich Frankreich wirklich nicht sö ganz ernsthaft berufen, weil die Redereien in der Kommission ebensowenig c«n prattlfches Resultat aufweisen wie ihre Beschlüsse, um die Nch Frankreich den Teufel kümmert.
Es gibt aber ein französisches Sprichwort: „Qui trop embrasse, mal etromt" — das heißt auf deutsch: Allzuviel ist ungesuno . Nun ist aber Frankreich der militärisch destgerustete Staat der Welt, vermag diese Rüstung aber nur zu erhalten, weck es-feine S ch u ldenni ch t b c - za b l t. E'-> <ann auv diesem Herrschaftstraum eines
ctP ^?lroyes Erwachen geben, wenn nämljch die Wallstreet, al,0 d-e Newyorker Börse, jene» Spiel Frankreichs «richt mehr dulden Will.
Einwendungen gegen die Abrüstung.
Die im französischen Ministerrat von dem Außenminister Briand vorgelegte Antwort an E 0 0 l i d g e »nt- hält folgende Einwendungc«: gegen den amerikanischen Abrüstungsvorschlag:
1. Der Völkerbund behandele bereits die Abrüstungsfrage uub prüfe sie nach seiner eigenen Methode. Frankreich könne nicht dafür eintreten, daß dem Völkerbünde die Behandlung dieser Frage wieder abgenommen werde. 2. Eine Sonderkonferenz der fünf Mächte, die das Washingtoner Abkommen von 1922 unterzeichneten, habe w schweren Nachteil, daß die anderen Nationen, die das Probiern der Abrüstung zur See ebenfalls interessiere, von ausgeschlossen würden. 3. Die französische bereits zur AbrüstunMrage Stellung ge- rrommen, rüdem sie in der vorbereitenden Abrüstunas-
Die EÄèbeimhtèMW in WIMen.
600 Opfer der Erdbe-evkaiastrophe.
Nach den vorliegenden Erdbebenmeldungen wurden in Bosnien und Dalmatien mehrere tausend Häuser v 0 l l k 0 m m c n zerstört. Die Zahl der Menschenopfer wird aus 600 geschätzt. Bei Mostar wurde ein großes Zeltlager errichtet, in dem Tausende Obdachlose Unterkunft fanden. In Ragusa sind beim Einsturz des „Hotel de Ville" mehrere Personen getötet »vorder«. Der Gefamtschndcn ist noch nicht feststellbar, »vird aber auf über 100 Millionen Dinar geschätzt.
Der Herd des Bebens.
Düs Erdbeben und seine Folgeerscheinungen haben die ganze Herzegowina imb auch die angrenzenden Landesteile des Königreichs Südslawien in große Aufregung versetzt. In: Herdzentrum Waat sich die ver-
Das Erdbebengelsiet.
ängstigte Bevölkerung nicht wieder in die Häuser zurück, um so mehr, als sich die Erdstöße, wenn auch mit ver- minderter Stärke wiederholtem
konferenz das Prinzip der engen Verbindung der Abrüstung zu Lande, zur See und in der Luft verteidigt und durchgedrückt habe. Frankreich habe also jetzt keinen Grund, seinen Standpunkt aufzugeben. 4. Auf Vorschlag Frankreichs sei außerdem die Notwendigkeit anerfunnf morben, daß die Sicherheit der Verbindungen zur See garantiert werde und daß die Flottenssärke der geographischen Lage jeder interessierten Rechnung trage. Frankreich könne sich demnach m .m rein mathematischen Kriterium der Abrüstung zur See nicht einverstanden erklären.
Abdroch der eoallM-chmeMM Verh«mdlmgen.
Als Antwort auf die Truppenlandungen in Schanghai.
Seit einiger Zeit schweben zwischen dem britischen Unterhändler O'Malley und bem Minister des Äußeren der Kantonregierung Verhandlungen über eine Neuregelung des Niederlassungsrechtcs, wobei England grundsätzlich bereit »oar, auf die Forderung der chinc- fischèn Regierung nach Wiederherstellung ihrer vollen Souveränität einzugehen. Englischerseits, u. 0. auch von Chamberlain, ist schon öfter auf den bevorstehenden erfolgreiche«: Abschluß dieser Verhandlungen liingewieseu worder:, ohne daß dieser Optimismus sich bisher bewahrheitet.
Jetzt sind diese Verhandlungen sogar twi China abgebrochen worden als Antwort auf die trnter großem militärischen Gepränge stattgefundene Landung englischer Truppen in Schai-ghar. Die Lage wird ais sehr ernst betrachtet uub auch die „Times" weisen daraus hin, daß China noch für lange Zeit die ernste Ausmerk- sarnkeit Großbritanniens beanspruchet: wirb.
Unterdessen fährt England mit weiteren Tr u p - p e n s e r: d u n g e n nach S ch a n g h a r fort. So wird demnächst die erste indische Brigade in Schanghai gelandet werden, außerdem steht der Abtransport chnes Weiteren Bataillons britischer Truppen Men Hongkong »:ach Schanghai bevor.
Polen lehnt Jenischlands Vorschlag ab.
Schwierigkeiten auch in Paris.
Der Vorsitzende der polnischen Tckgation für die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen hat im Auswärtige:» A»nt eine Antlvortnote überreicht, die mue Ablehnung des deutschen Vorschlages enthält, die eigiRd* licher: Handclsvertragsverharrdlungen zu nnterbrcc^eu und zunächst in eine Erörterung der Frage des Nietirr- liissungsreihtes cinzutreten. Diè polnische Note kündegt die Abreise der polnischen Delegation an und bamit wn endgültigen Abb r u ch der HandelSvertragSver- handlungen. In der Note »vird betont, daß nach Auffassung der pvluischcr« Regierung die Unterbrechuirg der in Berlin geführten Verhandlnngc»» keineswegs geboten ivar, vrelurchr nach der Üüerzcugilng der polniftfjen Re gierung die wirtschaftliche Verständigung zwischei« den beibett Ländern nur erschweren und verzögern kann.
An zuständiger Stelle sind jetzt Berichte über die während der letzten Tage in Paris geführten HandLs-
''Da sich in Erdbebengebieten sehr schnell Banden bilden, die die verschüchterte Bevölkerung brandschatzen, und weil auch gewisse Bezirke als besonders gefährdet abgesperrt werden müssen, hat die Regierung in Belgrad sofort Militär auf allen verfügbaren Wege«: nach der Herzegowina entsandt. Tiefer Schnee, der über der heim- gefuchten Gegend liegt, erschwert das Herankommen an die betroffenen Ortschaften, deren telephonische und telegraphische Verbindung vollkommen abgerissen ist. Die Bewohner find' sonst leichtere Erdstöße durchaus gewöhn: ilnd erklärten, daß dieses Bebe»? das schwerste sei, das sic seit Menschengedenken heimsuchte. Da die oberirdischen Leitungen schlagartig abrissen, war cs unmöglich, sofort Hilfe herbeizurufen.
Weitere Einzelheiten.
Die Einzelmeldunger: liegen nur aus der: größeren Orten vor. Jr: Serajewo, der Hauptstadt des frühere«: Bosniens, bewirkte das Erdbeben einen Bergstur z. In der Stadt selbst brach eine Panik aus, da fast alle Häuser Risse bekamen und die Schornsteine und Dächer einstürzten. In der Küstenprovinz Dalmatien erlitten bisher den schwersten Schaden Sebenico, Makarska, Per kovic, Metkovic und Gabela. Mit den von dem Erdbeben betroffenen Gebiete«: ist vorläufig kein Eifenbahnverkehr möglich, weil die Strecken stark beschädigt find. In Belgrad ist sofort nach bem Eintreffen der Meldungen ein Ministerrät zusammengetreten und hat vorläufig 1 a 0 Millionen Dinar für Rettung s zwecke bc= willigt.
Besonders schwer waren die Zerstörungen, die durch die Felsbrocken angerichtet wurden, die sich überall in dem gebirgigen Lande von den Bergen lösten und zu Tal donnerten. In das Donnern der Erde mischte sich ein regenloses Gewitter, das bei sternklarem Himmel beobachtet wurde. Die Feststellungen der Erd- beoenfoMM in den .Moslawischerr Stationen, die iiorigenâ sehr schnell außer Betrieb geletzt wurden, gehen dahin, daß der Erdstoß die imgesähre Richtung Ljubinje— Ragusa hatte.
vertragsveryandlungen eingegangen. Eine Unterbrechung in dem Vertragsverhältnis zwischen Deutschland und Frankreich erscheint fast unvermeidlich; das augenblicklich gültige Provisorium läuft zwar noch bis zum 21. Februar. Selbst bei Inkraftsetzung aus dem Verordnungswege wäre, nach dem Gesetz über die provisorische Inkraftsetzung non Verträgen, immerhin erst noch der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages zu hören. Streitobjekt sind nach wie vor die W e i'. - zölle und die Verlängerungsfrist für das Pro- vrforium. Die deutsche Regierung hat alles versuüst, um einen vertragslosen Zustand zu vermeiden; auf der anderer: Seite kann aber schon jetzt gesagt werden, daß die deutsche Regierung keineswegs geneigt ist, die Einfuhr französische:: Weines nach Deutschland, eines ihrer größ. ten Kompensationsobjekte im Provisorium, jetzt schon zu regeln. Sie wird daraus bestehen, daß diese Frage erst in: endgültigen Handelsverträge geklärt tvirb. Dagegen verstärkt sich der Widerstand der sranzösischen Weinbauern und Weinhandl 'r gegen eine Verlängerung des veutsch- fra«:zösischen Handelsprovisoriums unter Ausschluß der sranzösischen Weine.
Die Lockerung der Wohnungszwüngs- wirlschafi.
11111 b i c gewerblich benutzten N ä u nt c.
Der Ausschuß für Wohnungs- und Siedlungswescn beë Preußischen Landtages hatte «sich mit den Anträgen auf Zurückziehung bzw. Änderung der mtm'ieriellcu Verordnung auf Aufhebung der Zwangsbcwirlschajtung gewerblich benutzter Räume zu besessen.
Zu Beginn der Verhandlungen sprach der Wohlsahrts- mtr.ifter Hirtsies c r. Er stellte sich unbedingt auf den Boden seiner Bcrvrdniing und erklärte aus Grund des ihm vorliegenden Zahrcmnatcrials, daß von fümttidjen Rcgierungö- prnsidcntcu nun Preußen drei Vierte« den« Ministcriinn zugestimmt hätten, wona«h die Vcrordnurig unverändert bleiben solle.
Aus allen Unterhandlungen gehe für ihn klar hervor, bep wcdar Änderung noch Aufhebung der Verordnung in Frage kommen könne. Anch eine Fristverlängerung sei abzulchnen.
Nach längerer Aussprache lvurden in der Abstinunung fast sämtliche Abälcherungsanträge abgclehnl. Annaoine fanden nur der deutschnationale Vorschlag auf Einrichtung amtlicher Schiedsstelleu sowie der bemonattfdie Antrag auf Herauslassung der Ateliers von den gewerblichen Staunten. Am Donnerstag wird sich das Plenum deS Landtages mit der «rage beschäftigen.
Marx, Kapp und von Keudell.
Berlin. Bei der Besprechung der Jntcrpellatiou, betreff send den neuen Reichsminister des Innern von Keudell int Reichstag, scheinen die Ausführungei: des Kanzlers über die rechtliche Beurteilung des Vorgehens des Herrn von Keudell in der Zeit des Kapp-Putsches von verschiedenen Seiten miß- berftanben »vorden zu fein. Man scheint aus seinen Aus- sührniigen zum Teil einen Tadel gegenüber den Verwaltungs- beamten ««eransgelesen zu haben, die während der Kapp-Tage den verfassungswidrigen Anordnuirgcn ihrer vorgesetzten Behörden oder auch Der Militärbefehlshaber nicht Folge geleistet, sonder«: Widerstand entgegengesetzt haben. Um alle«« Mißdeutungen entgegenzutrctcn, «vies der Kanzler einen Jute» Viewer der Germania darauf hin, daß in juristischen Kreisen darüber «vobl gar kein Hwei sei besteben kann, Van Anwciiungetl