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Nr. 57 1927

Fulda, Mittwoch, 9. März

4. Zahrgan

Kleine Zeitung für eilige £efer.

* Im 31t Berlin verhandelten Jürgens-Prozeß wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Das Urteil wird Donnerstag oder Freitag erwartet.

* Die Französische Kammer nahm sämtliche Vorlagen über die Vorbereitung der gesamten Ration für den Kriegsfall an.

* Italien hat den Vertrag zwischen Frankreich, England, Italien, Japan und Rumänien über die Zugehörigkeit Bessarabiens zu Rumänien ratifiziert.

* Das Erdbeben in Japan hat über 2000 Todesopfer, ge­fordert und große Verheerungen angcrichtct. Mehrere Orte stehen in Flammen.

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Frankreichs Militarisierung.

Die Französische. Kammer hat die gesamten Gesetzentwürfe über die Mobilisation der Nation im Kriegsfalle unter Ablehnung aller Gegenan­träge angenommen. Die Vorlage fand Annahme mit "00 ' Ernten gegen 31 Stimmen der äußer­sten Linien.

Es hat wohl noch nie ein Volk in der Welt gegeben, das nach einem so wohl durchdachten Plane sich daraus vorbereitet, im Falle eines Krieges alle seine menschlichen und wirtschaftlichen Kräfte restlos für den Zweck des Krieges zu mobilisieren, wie das jetzt in Frankreich geschieht. Gewiß ist während des Weltkrieges min­destens in Deutschland alles, was an Männern für den Kampf, was an Maschinen für die Kriegsmaterralerzeu- gung und was an Frauen als Ersatz für die Männer tauglich war, für die Zwecke des Krieges verwendet wor­den. Doch vielfach geschah das freiwillig, während es setzt in Frankreich ohne Unterschied des Geschlechts und ocs Alters zum gesetzlichen Zwang wird, zu einer Verpflichtung, der sich niemand entziehen kann, gleich­gültig, ob er an der Front steht oder im Hinterland für die Herstellung von Kriegsmaterial verwendet wird. Es ist die gewaltigst, aber auch großartigste Rüstung, die je ein Volk sich angelegt hat setzt, da dieser Mobilisie­rungsplan durch die Französische Deputiertenkammer ge-

Es würde in Deutschland manches ' Mal nach dem Kriege als ein Teil der Gründe für unsere Niederlage be­zeichnet, daß wir ans finanziellen Rücksichten vor dem Kriege die Volkskraft für militärische Zwecke nicht ans­geschöpft hätten, wie das in Frankreich schon damals ge­schah. Als ein schlimmerer Fehler wurde es angesehen, daß wir wirtschaftlich in keiner Weife auf den Kriegs­fall vorbereitet waren. Ansätze dazu, wie sie 3. B. in den Getreidemonopolplänen vorhanden waren, wurden nicht verwirklicht und so ist die wirtschaftliche Rüstung nicht bloß bei uns erst während des Krieges allmählich im­provisiert worden und die Resultate dabei sind häufig recht unerfreulich gewesen. Wirklich Ernst damit machte eigentlich erst das sogenannte Hindenburg-Programm im Fahre 1917. Beiden angedeuteten Fehlern wird nun im französischen Mobilisierungsplan entgegengearbeitet, auf Der einen Seite durch die Gesetze der Heeresreform selbst uni) "uf der anderen durch die Vorschriften über die Vor­bereitungen. Die Gesetze über die Heeresreform, drei an Der Zahl, haben zum Inhalt eine weitgehende Nutzbar­machung aller Lehren des Krieges, um die Schlagfertig­keit der Armee möglichst groß zu machen. Daran arbeitet Frankreich bereits seit längerer Zeit und die Gesetzent­würfe umfassen daher nicht nur die Stärke, die Bewaff- imng, die Vorschriften über die Führung der Armee, über Die militärische Vorbildung der Jugend und die Mobili- sierungspläne, sondern auch alles, was die Gesamtheit der sonstigen menschlichen und materiellen Kräfte der Nation, ihre Verwendung im Dienste der Landesverteidigung und vas reibungslose Funktionieren der großen Umstellung auf die Kriegsbedürfnisse betrifft. Die Negierung erhält Darin ein unbeschränktes Verfügungsrecht über das Leben and den Besitz sowie die geistigen und körperlichen Fähig­keiten.

Diese Mobilisierungsgesetze und Heeresreformpläne werden dadurch ergänzt, daß eine Reihe administrativer Vorbereitungen hierfür gesetzlich festgelegt sind. Dies ge­schieht dadurch, daß jedes Ministerium eine mit Spezia- üften besetzte Abteilung für die Zwecke der Laudesvcrreidi- Ltztg erhält. Da sind Abteilungen für die eigentliche Mobilisierung der Streitkräfte, dann für die Bereitstellung vor Transportmittel, für die Umstellung der Wirtschaft Ulf die Kriegsbedürfnisse, für sozialpolitische Zwecke, für bie Mobilisierung der Wissenschaft und schließlich für die »Aufrechterhaltung der Moral im Lande". Es soll also llichts vom Augenblick erwartet, sondern alles, wenn auch »atürlich nur in allgemeinen Richtlinien, festgelegt und ^gegrenzt werden, während die wechselnden Einzelheiten vvrch besondere lüu^üürungäbeftimmüngen zu regeln sind. Besonders eingehend beschäftigt sich dieser große Plan mit der Sicherstellung des gesamten Bedarfs der Armee und der Zivilbevölkerung auf dem Gebiete der Rohstoffe und Fabrikate, sie weist jede Pcrsouenvcreim- [Umg, jede Unternehmung oder Körperschaft an, was sie W Falle der Mobilmachung zu leisten hat. Wenn für niemanden eine Kriegslieferung dabei mit G c w i n n ver­knüpft sein soll, so bleibt das wahrscheinlich nur ein frommer Wunsch.

Schließlich ist auch die Frage der obersten Leitung bei ^er Kriegführung geregelt: sie liegt in der Hand der Regierung, welche die zu erreichenden Ziele sestzulegen W. Wenn man nun noch daran denkt, daß diese perso­nelle und wirtschaftliche Rüstung Frankreichs im groß- nrtigsten Maßstabe noch durch eine materielle, außerdem aber auch durch ein gewaltiges F c st u n g s s h st e m er­gänzt werden soll, so kann man sich eines gewissen Lächelns Darüber nicht erwehren, daß noch immer von der Möglich- leit einer nahen Abrüstung gesprochen wird.

Mragen vor dem Bölkerbundrat.

Efe ober MßWSHÄftM in Genf

Der deutsch-polnische Gegensatz.

Der Völkerbundrat beschäftigte sich in weiteren öffent­lichen Sitzungen mit einem Streit zwischen Ungarn und Rumänien über den Besitz der ungarischen Optanten, denen Rumänien ihre Güter konfisziert hat. Die Frage wurde nach ausführlichen Vorträgen der Vertreter der beiden Länder einer Prüfungskommission unter Vorsitz Chamber­lains übertragen. Von den dann noch behände icn An­gelegenheiten bot einiges Interesse die Frage des P r e s s e k 0 m i t e c s des Völkerbundes, bezüglich der entsprechend dem Anträge Vanderveldes beschlossen wurde, am 24. August d. J. eine Konserenz von etwa vierzig Bressesachverstündigen nach Genf einzuberufen.

In der Frage der 0 ft oberschlesischen Schulen wurde ohne Diskussion die Bildung eines Unterkomihees von drei Rstsmitgliedern, bestehend aus Urrutia-Kolum? bien, von Troestewifk-Holland und Scialoja-Jtalien be­schlossen. daß noch im Verlaufe dieser Tagung über bis beiden Punkte, nämlich Beschwerde des Deutschen Volks- buubeS und Petitionen von 7941 polnisch sprechenden Oberfchlesèern, deren Kindern der Besuch deutscher Schulen untersagt worden war, berichtet werden soll. Man darf annehmen, daß die Schnlsrage in einer der nächsten Sitzungen den Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzun­gen bilden wird.

Der Dienstagnachmittag wurde zu einer Reihe von privaten B e s p t c dj u ii g e n zwischen den Delegierten benutzt. So hat Reichsaußenminister Dr. Stresemann Besuche bei Vandervelde, Briand und Chamberlain ge= macht, wobpi es sich um die Fortsetzung der am Sonntag aufgenommenen umfassenden politischen Besprechungen zwischen Dr. Stresemann und ben Außenministern Eng­lands und Frankreichs, ferner um die Fortfetzung einer zwischen Staatssekretär v. Schubert und Vandervelvc.gns- genommcueu Ur.tcrljaHungHn^

Eine deutsch-polnische Aussprache, für Die bereits Anregungen gegeben wurden, steht noch nicht auf dem Programm. Es scheinen da zunächst R a n g - und Etikette streitigkeiten eine Rolle zu spielen. Der polnische Außenminister Zaleski hat bisher nicht den Wunsch geäußert nach einem Termin für eine Zusammen­kunft mit Dr. Stresemann. Der deutsche Außenminister aber hat keine Veranlassung, die Initiative zu ergreifen. Es ist nicht das erstemal, daß solche Etikettefragen zwischen Deutschland und Polen aufgeworfen werden. Vermut­lich werden sie dadurch umgangen werden, daß Briand in zwangloser Form zwischen dem deutschen und dem pol­nischen Außenminister eine Aussprache herbeiführen wird.

AÄsches Kemor«d«l

zur okrchhlefischeri Achulftage.

Die deutsche Delegation hat in längeren Beratungen den deutschen Standpunkt zum. oberschlesischen Schul- konslikt, mit dem sich der Völkerbundrat Ende der Woche befassen wird, in einem Memorandum festgelegt. Das Memorandum betont, daß nach Artikel 131 der deutsch- polnischen Minderheiteukonvention die Entscheidung über die zu besuchende Schule ausschließlich den Erziehungs­berechtigten züsteht. Die deutschen Minderheiten in Ober­schlesien litten außerordentlich unter den gegen­wärtigen Zuständen, die zurzeit viele tausend Schulkinder behindere, überhaupt eine Schule zu besuchen, weil die polnische" Regierung sie zur Minderheitsschule nicht zu-

FrarrzSsische .T'efesttgurrgen gegen Osten.

Gleichzeitig mit den Gesetzen über die Volksnwüili- sierung und die yorSerertendes Maßnahmen dazu wird in Frankreich die Nsuanlüge von riesigen Befestigungen betrieben, welche die östliche Grenze abriegelu sollen. Diese Befestigungen werden das Gesicht gegen den deutschen Nachbarn wenden und als Vorfeld gleich­

sam Belgien und die entmilitarisierte RheiKZone haben. Wie aus unserer Abbildung ersichtlich ist, würdön die Anlagen einen gewaltigen Panzer, ebenso leicht zum An­

lage oder die Eltern zwingen wolle, ihre Kinder in die polnische Schule zu schicken. Das Memorandum weist zum Schluß darauf hin, daß der Völkerbundrat den Schutz ^ e r Minderheiten übernommen habe. Er stehe jetzt zum erstenmal vor der Aufgabe, seine Autorität in Ober- fchlesien zur Anwendung zu bringen.

Gens und die deutsch-polnischen Fragen.

Eens, 8. März. (V.D.Z.) Sowohl in dem Programm der Ratstagung wie in den politischen Besprechungen der führenden Staatsmänner nehmen die deutsch-polnischen Fragen in Genf den ersten Platz ein. Diese Tatsache wird, wie der Sonderbericherstatter des V. D. Z. erfährt, auch nicht verwischt dadurch, daß Chamberlain in einer Be­sprechung mit Pressevertretern den rumänisch-ungarischen Konflikt als den einzigen ernsten Punkt der Tagesordnung bezeichnet hat. Mit der heutigen Ankunft des deutschen Gesandten in Warschau, Ulrich Rauscher, dem die des Lei­ters der Abteilung für die Fragen der Wanderarbeiter im preußischen Ministerium des Innern, Ministerialrat Rathe­nau, vörangegangen war, und mit der ersten Behandlung der oberschlesischen Schulfrage in der heutigen Ratssitzung ist der Auftakt für die Erörterung dieser Angelegenheiten gegeben. Seit gestern weiß man von Bemühungen/ die deutschen und polnischen Vertreter an einen separaten Ver­handlungstisch zu bringen, und man darf vielleicht prophe­zeien, daß diese Bemühungen sicherlich von Erfolg gekrönt sein werden. Ob es darüber hinaus zu einem sachlichen Ergebnis kommt, steht bei der bisher beobachteten In­transigenz Polens keineswegs fest. Abschließendes darf mit Rücksicht auf die Vielheit und Kompliziertheit des Prob­lems für Genf nicht erwartet werden, wo höchstens die Wiederaufnahme unterbrochener Verhandlungen verein­bart und vielleicht gewiße Richtlinien abgesprochen werden konnten. In der Angelegenheit des Handelsvertrags und des Niederlassungsrechts, die beide nicht als politisch ange­sehen werden dürfen, würde eine etwaige Verständigung bei einsichtsvollem Verhalten Polens allenfalls denkbar fein. Dagegen ist in der Schulfrage ein reiner Rechtsfall zu entscheiden, dessen Regelung dem Rat auch dann obliegt, wenn die übrigen deuftch-polnischen Angelegenheiten aus dem Genfer Jnteressenkreis, dem sie offiziell nicht ange­hören, wieder auf das Gebiet direkter Verhandlungen ge­tragen werden sollten.

*

Stotel ratifiziert dm SeffarabieMrirag

Der Vertreter Italiens in Genf, Ecialsja, gab be­kannt, daß Italien den Vertrag zwischen Frankreich, Errg- land, Italien und Japan einerseits und Rumänien andererseits nem 20. Oktober 1920 bezüglich der Zu­gehörigkeit Bessarabiens zu Runränien ratifiziert habe. Italien habe nie drrrar: gedacht, sich der Ratifikation gänzlich zu entzichen, aber es habe dank seinen guten Be­ziehungen zu Sowjetrußlaud vermitteln und eine Ver­ständigung herbeiM-ren wollen. Wenn es jetzt ratifiziere, geschehe dieser Schritt nicht in seindlichem Sinne gegen Rußland.

In Senser Kreisen wird diesem Schritt Italiens eine gewisse Bedeutung in dem Sinne beigemesfen, als er nicht stur die italierüsch-rumänischen Beziehungen betont, son­dern auch auf der Linie der jüngsten englischen Politik gegen Rußland liegt. Dian wird mit Spannung darauf warten, welche Haltung Sowjetrußland einnehmen wird.

griff wie zu der behaupteten Verteidigung geeignet, um das Gebiet der Französischen Republik legen. Wie die un­geheuren Kosten des Unternehmens in dem finanziell so stark leidenden Frankreich aufgebracht werden sollen, er­scheint einstweilen unerfindlich.

Politische Rundschau.

Bauernbund unb Sanbbunb.

Der Gesamtvorstand des Deutschen VauernüuudeS erläßt eine Erklärung, in der betont wird, daß der Bauernbund nicht daran denke, die Linie seiner bisherigen Politik zu verlassen und sich Lem Landbunde unterzu- ordnen. Das bisherige .mdsmitglied Hackbarth, das nach einer Mitteilung bes Bauernbundes mit Hilfe von Landbundgeldern Den Übertritt des Bauernbundes vor- bereiten wollte, ist sofort aus der Organisation ausge­schlossen worden.

Das Schankstâttengesetz vor dem Reichsrat.

Die Verhandlungen des Reichsrats über das Sckank- siättengèsetz, Die nach mehrmaliger Vertagung am Mott­tag beginnen sollten, sind abermals vertagt worden. Die Ausschüsse des Reichsrats wollen in 14 Tagen die Be­ratung des Gegenstandes beginnen.

Aus Zn- und Ausland

Berlin Der zum Tode Verurteilte deutsche Fremden- legionär Klems hat durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes ein G n a d e ngcsu cb einaereicht.

Washington. Der amerikanische Gesandte in Managua, Eberhardt, ist ermächtigt worden, mit dem Führer der libe­ralen Armee, Moncada, über Fricdcnsvorschläae zu ver­handeln.

Washington. Wie in politischen Kreisen verlautet, wer­den England und Japan demnächst ihre Zustimmung zu dem Gedanken einer D r e i m ü ch 1 ck 0 n f e r e n z mitteilen.