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Fulda, Montag, 14. März

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* In der nächsten Zeit wird mit der Schleifung der rechts­rheinischen Festungswerke Koblenz begonnen werden.

* Die Leipziger Frühjahrsmesse hatte einen Rekordbesuch von über 155 000 Personen zu verzeichnen.

* Im Preußischen Landtag ist eine deutschnationale An­frage an die Regierung wegen der überhandnehmenden Schädigung des Druckerei- und Papiergewerbes durch Be­trauung öffentlicher Stellen mit Aufträgen eingegangen.

* Der wegen schlechten Gesundheitszustandes im Januar aus der Haft entlassene Iwan Kutisker wurde neuerdings verhaftet und in die Berliner Charitè gebracht.

Mologa.

Don besonderer volkswirtschaftlicher Seite wird uns geschrieben:

Was ist Mologa? Eine Aktiengesellschaft Zur Ver­wertung von Holz. Und dieseMologa, Holzverwer- tungs-Ä.-G." hat sich mit der Bitte um eine Subvention in Höhe von 2025 Millionen Mark an das Reich ge­wandt. Es soll, wie von verschiedenen Seiten behauptet ivirb, ein befürwortendes Gesuch des Auswärtigen Amtes beim Reichskabrnett vorgelegt worden sein und auch der deutsche Botschafter in Moskau soll sich für die Unter- fh'Uning der Gesellschaft eingesetzt haben. Bon anderer Seite wurden schwere wirtschaftliche Bedenken geltend gemacht. Bei dieser Gelegenheit erinnert man sich wohl noch daran, ioeldje scharfen Auseinandersetzungen entstanden, als das Reich an die Junkers-Werke eine größere Subvention gegeben hat, weil diese Werke bekanntlich im A u s l a n d größere Unternehmungen aufgebaut haben. DieMologa" beruht auf einer großen Waldkonzrssion, die vom Russischen Staate im Jahre 1922 hergegeben worden ist.

Nordwestlich von Moskau liegen die viele Hektar großen Wälder, die von derMologa A.-G." ausgebeutet ârhLu sollen. Ursprünglich hatte umu nur eiru^. reine Holzausfuhr ins Auge gefaßt, hatte außerdem gehofft, das Holz vor allem für die Herstellung von Zellulose, also für die Papierindustrie, verwerten zu können. Leider ist aber aus diesen großzügigen Plänen so gut wie gar nichts ge­worden, weil diese Konzession mit Verpflichtungen belastet war, die nicht bloß den Gesamtaufbau des Unternehmens behinderten, sondern auch die Durchführung weitaus­schauender Pläne unmöglich machten. Zum Beispiel hatte die Gesellschaft die Verpflichtung übernehmen müssen, vor­bildliche Arbeiterwolmungen zu bauen, ferner den Bau einer Eisenbahn; zudem stellte es sich heraus, daß das ge­wonnene Holz auf dem Weltmarkt kaum verwertbar war. Vor allem aber war das Kapital, mit den: die Gesellschaft gegründet war, sehr gering; bei der Umstellung auf Gold ergab es sich, daß sie nur über ein Aktienkapital von 300 000 Mark verfügt. Beteiligt daran waren vor allem Stinnes, genauer gesagt dieGelsenkirchener Veiawerks-A.-G.", die jetzt in der Rhein-Elbe-Union bzw. den Vereinigten Stahlwerken aufgegangen ist, und eine süddeutsche Firma, d'.e in den letzten Jahren schwere Verluste erlitten hat, so daß sie sich fast ganz aus dem russigen Geschäft zurückziehen wußte. Es wirkt erstaunlich, wenn jenen 300 000 Mk. Aktien­kapital aus dem Jahre 1925 Gläubiger in einer Höhe von 29 Millionen Mark gegenüberstehen, eine Summe, die sich bis heute noch beträchtlich vermehrt haben mag. Einer der Hauptgläubiger dabei ist nun der R u s s i s ch e S t a a t. Er hat direkte Vorschüsse gemacht, außerdem hat aber auch die Russische Staatsbank 12 Mil­lionen Reichsmark geliehen, und dieser Kredit in Höhe von zusammen 16 Millionen Reichsmark ist im Laufe dieses Jahres hinfällig. Der russische Volkskommissar für das Konzessionswesen, Joffe, hat denn auch betont, daß dieMologa" zur Wetterführung ihres Betriebes nicht bloß neuen Kapitals benötige, sondern auch jenen ^wdit abdecken müsse, hat aber verlangt, daß die übrigen Gläubiger, also vor allem die Rhein-Elbe-Union, auf ^wh Teil ihrer Forderung verzichten müssen oder zum Mindesten in Zinsftundungen einwilligen sollen.

Die Rentabilität derMologa" ist aber nach einem Gericht einer Treuhandgesellschaft an eine Unzahl von Voraussetzungen geknüpft, deren Erfüllung keineswegs sicher ist. Infolgedessen ist das Subventionsgesuch auf sehr energischen Widerstand gestoßen, besonders, da das Unternehmen fast nur russische Angestellte und Arbeiter deschäftigt. Vor allem aber wurde auf die Tatsache hin- ^wiesen, daß die große landwirtschaftliche Konzession in 'slußland, die die K r u p p - A.G. erworben hat, gleich- auf sehr große finanzielle Schwierigkeiten gestoßen 9h daß außerdem ein anderes derartiges Unternehmen, das deutscherseits im Verein mit der Bank für Wolga­deutsche ausgebaut ist, im ersten Jahre seines Bestehens knien Verlust erlitten hat, der die Hälfte des Gcsamt- ultienkavitals ausmachte. Hier hat man einen energischen Strich unter die ganze Geschichte gemacht und auf die Konzession verzichtet. Bei einem Entgegenkommen gegen dieMologa" durch die Reichsregierung werden sofort eine ganze Reihe rein d cutscher Unternehmungen mit der Klage kommen, daß ihren Kreditgesuchen kern Gehör geschenkt worden ist. Ist doch z. B. auch der flrupp-A.-G. ein Reichskredit verweigert worden, ob­wohl er für die Rationalisierung eines in Deutschland seltenen Betriebes verwandt werden sollte. Ob mit eurer Rentabilität derMologa" in absehbarer Zeit zu ^muen ist, bleibt fraglich. Echwird in Deutschland Stim- M genug geben, die darauf verweisen, daß wir bet uns °"artige Millionenbeträge viel besser verwenden können M.1ur den Aufbau einer Gesellschaft im Ausland, drc der Volkswirtschaft kaum von Vorteil ist.

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Die Entscheidungen in Genf.

Mßèlmg der oberschleslschen SchuÄage.

Der Kampf um das Saargebiet.

Der Völkerbundrat hat am Sonnabend die ober- 'chlesische Schulfrage erledigt. Es handelt sich dabei, wie aus dem Bericht des kolumdischen Ratsmitgliedes Urrutia Aervorgeht, um eine Lösung, die lediglich eine einverständ- uche Regelung für die gegenwärtig umstrittene Frage der Schulzugehörigkeit bringen will und soll. Im Interesse der zurzeit des Unterrichts beraubten Kinder und der durch Zwangsmaßnahmen betroffenen Eltern soll dadurch ein Weg geschaffen werden, um die sofortige Ein­schulung der Kinder herbeizuführen. Eine schnell funktionierende oberste Entscheidungsstelle soll für alle etwa noch vorliegenden Streitfälle geschaffen werden. Daß bereits im wesentlichen bekannte Verfahren läuft daraus hinaus, Kinder mit deutscher wie auch solche mit doppelter Sprache, soweit die Eltern das wünschen und die Möglichkeit zur Verfolgung des Unterricht gegeben ist, Minderheitsschulen zuzuführen. Die letzte Entscheidung liegt beim Präsidenten Calonder, der auf Kosten Polens durch einen schweizerischen Pädagogen bei der Behandlung dieser Frage unterstützt wird. Im Schlußsatz betont der vom Rat genehmigte Bericht, daß es sich lediglich um eine Sondermaßnahme zur Regelung eines durch das Genfer Abkommen vom 15. Mai 1922 nicht vorgesehenen Falles handelt, daß aber das vorgeschlagene Verfahrenin keiner Weise dahin ausgelegt werden dürfe, als umfasse es eine Abänderung der Bestimmungen dieser Konvention". Auf diese Tatsache wies Reichsminister Dr. Stresemann in einer von ihm abgegebenen Erklärung hin.

Alsdann begann der Rat mit der Frage der

WWW des âNMlchèS^nr Emargebiek.

Zunächst trug Scialoja den Bericht der Saarregierung vor, die mit vier gegen eine Stimme folgendes bean­tragt hat:

1. Einführung einer Eifenbahnlimenkommission von 100 Personen und eines internationalen militärischen Eisenbahnschutzes von 800 Personen, über die die Saar­regierung im Einvernehmen mit den zivilen und mili­tärischen Rheinlandbehörden zu verfügen hat.

2. Zulässigkeit der Berufung der beiden in Forbach und Saargemünd sehenden französischen Bataillone.

3. Hoffnung, daß nach Durchführung dieser Vor­schläge die französische Negierung die derzeit im Saar- gebiet stehenden Truppen abberufen werde.

Der Kanadier Stephens, der noch Präsident der Saar- regicrung ist, empfahl auch seinerseits die Annahme dieses Vorschlages.

Nach den Ausführungen von Stephens verlas Dr. Stresemann eine sorgfältig formulierte Erklärung, die darin gipfelte, dem Völkerbund verschiedene Zusätze zu den vorliegenden, von Scialoja begründeten und von Stephens erörterten Vorschlägen nahezulegen. Es handel: sich um folgende vier Punkte:

1. Abzug der Truppen zu einem festen in Genf be­stimmter. Termin.

2. Herabsetzung der Zahl der Bahnschutztruppen auf ein vernünftiges Maß von einigen hundert Mann.

3. Festlegung des interrmtionalen Charakters der zu schaffenden Sonderformation.

4. Festlegung der Bestimmung, daß die Bahnschutz­truppen nur unter außerordentlichen Umständen Be­fugnisse gegenüber der Bevölkerung erhalten.

Der Reichsminister begründete diese Erfordernisse da­mit, daß die Schaffung einer besonderen Bahnschutztruppe int Versailler Vertrag nicht vorgesehen fei und deshalb gegenüber ihrer Schaffung ein Rc ch t s v 0 r b e h a l t zu machen sei. Die deutsche Regierung würde jedoch diese Frage nicht zum Anlaß nehmen, um prinzipielle Grund sätze zum Austrag bringen zu lassen, und sich mit dem Kompromiß abfinden, wenn den vorerwähnten Forderun­gen Rechnung getragen werden könnte.

Der Reichsminister, der sich gegen jede Vertagung der Frage ausgesprochen hatte, richtete in seinem Expose, das den deutschen Standpunkt zu den einzelnen Fragen des näheren begründete, an den Völkerbund rat d i e Bitte, den Bericht und seine Einwände vielleicht im Einvernehmen mit dem Präsidenten der Regierung* fommiffion zu prüfen und festzustellen, ob alle diese Fragen hinreichend geklärt sind, ob nicht vielmehr ein M i ft Ver­hältnis smifdjcn der vorgesehenen Zahl der Schutz- truppe und dem von Scialoja selbst unterstrichenen Be­dürfnis nach Erleichterung der Wohnungsfrage bestehe.

Dr. Stresemann wies dann weiter auf die scharfe Unters ch eidung hin, die der Versailler Vertrag selbst für besetztes Gebiet, das einer interalliierten Behörde unterstehe, und für das Saargebiet, das dem Völkerbund mit seinen 56 Mitgliedern untersteht, macht:Der Völker bund besteht aus Nationen, die nicht nur unsere ehe maligen Kriegsgegner umfassen." Er wolle jedoch keinen fixierten Antrag stellen, wie auch der Bericht Scialojas das nicht getan habe, während der Präsident der Regic- ruugskommission lediglich die Prüfung des Vorschlags empfohlen habe. Er schlug deshalb als DiSkussionSbasis die obenerwähnten vier Punkte vor, die er diesmal im Gegensatz zu seinen übrigen in deutscher Sprache gemachten Ausführungen in französischer Sprache formuliert verlas, "hd schloß mit dem Hinweis darauf, daß er sich auch bei oceseul Vorschlag in einer schwierigen Situation befinde and keinen Instruktionen seiner Regierung, sondern n u r

seinem Gewissen folge, ebenso, wie das in ver oberschlesischen Schulfrage geschehen sei.

Denn ihm seien praktische Lösungen wichtiger als theoretische Bedenken, wie er sie im gegenwärtigen Fall gegenüber der Schaffung des Bahnschutzes selbst, für den ser Versailler Vertrag keine Rechtsbasis abgibt, zurüâ- zestellt habe. Er appellierte dann an das allseitige Inter­esse, das für die Schaffung einer Grundlage zu einer em- nütigen Erklärung des Rats bestehe. Die Fortsetzrmtz rer Verhandlung wurde nach der KberseHung der AuG- ^ihrungen des Reichsaußenministers in die engNfche «â iranzöstsche Sprache unterbrochen.

Regelung der Gaarfrage.

800 M a n n französischer B a h n s ch u tz.

Im weiteren Verlaus der Verhandlung wurde schlrètz' lich der folgende Vorschlag der Regierungskommission des Saargebiets einstimmig angenommen:

Der Rat nimmt Kenntnis von dem Bericht der Regie­rungskommission vom 18. Februar bezüglich der Frage der Transport- und Tansitfreiheit auf den Eisenbahnen des Saargebiets. Die von der Regierungskommission vorgeschlagene Organisation wird innerhalb einer Höchst­frist von drei Monaten verwirklicht, und infolgedessen wird die im Saargebiet stationierte Truppe innerhalb der gleichen Frist zurückgezogen. Der Bahnausschuß eben­so wie die Bahnschutztruppe werden unter den Besehl der Regierungskommission gestellt und ihr verantwortlich sein. Die Bahnschutztruppe wird ihre Befugnisse gegen» über der Bevölkerung nur bei außergewöhnlichen Um­ständen ausüben dürfen. Der Bestand von 800 Mann, der für diese Truppe angegeben ist, stellt die Höchftzrff«: dar. Sollte die Regierunqskommission zur Auffassung gelangen, daß eine Verminderung dieser Zahl mSgirw ffr, wird sie die zu diesem Zwecke notwendige Maßnahmen treffen können, ohne sich vorher mit dem Rat in Ler- binbung zu setzen.

Verlängerte Amtsdauer der Saarregierung.

Der Völkerbund hat ferner in einer nicht offentfrdfan Sitzung die Amtsdauer der jetzigen Mitglieder der Saar­regierung, mit Ausnahme des Präsidenten Stephens, um ein weiteres Jahr verlängert. Gleichzeitig wurde der der­zeitige Präsident Stephens mit der vorläufigen Weiter- führüng der Präsidentschaft beauftragt. Reichsminrfter Dr. Stresemann sprach bei dieser Gelegenheit den Wunsch aus, daß eine neutrale Mehrheit der Regierungskom- mission geschaffen werden möge. Dieken Wunsch bat der Rat zur Kentnis genommen. Schließlich wurde beschlossen, daß künftig kein Mitglied der Saarregierung länger als fünf Jahre amtieren foll.

Diesen Entschließungen gingen längere^Reden von Briand, Scialoja, Vandervelde, Stephens und Chamberlain voraus. Nach einer längeren Rede machte Dr. Stresemann folgende Vorschläge:

1. Festsetzung einer Höchstfrist von drei Monaten für den endgültigen Abzug der französischen Truppen aus dem 'Saargebiet.

2. Jnauspruchnahme der neuen Organisation unter alleiniger Autorität der Regierungskommission und nur in besonderen Fällen.

3. Belassung der Entscheidung über die notwendige Ziffer des Bahnschutzes bei der Regierungskommission mit einer Begrenzung auf 800 Mann als Höcvstzahl, wo bei sich der Völkerbündrat mit der endgültigen Ziffer, die nach den Darlegungen Stephens innerhalb der Regie- rungskommisston im Sinne einer möglichen Herabsetzung um einige hundert Mann gefunden werden dürste, nicht mehr zu besassen haben wird.

Dr. Stresemann erklärte hierzu, falls diese drei Ge­sichtspunkte vom Völkerbund anerkannt wurden, werde es ibm möglich sein, dem Bericht zuzustimmen. Entscheidend für ihn sei, daß er nicht unter der ersten Präsidentschaft des Vertreters des Deutschen Reiches die erste Abstimmung im Völkerbundrat habe stattfinden lassen wollen.

Der Rat nahm hierauf einstimmig die oben genannten Vorschläge an. Damit war die Tagesordnung etledigt.

*

Wie aus Kreisen der deutschen Delegatiou verlaust, ist in den Verhandlungen der letzten Tage auch die Frage erörtert worden, ob die nächste Tagung des Völkerbund- rates, die am 13. Juni beginnt, in Berlin stattfindcn solle. Die Entscheidung hierüber dürfte in den Verhandlungen zwischen den Regierungen nicht vor Anfang Mai zu er­warten sein. Eine offizielle Aufforderung ist bisher a« die deutsche Regierung noch nicht gerichtet worden.

Das Urteil gegen Ming und Hosmaan.'

Ein Verweis und Sirasversetzung. |

In dem Disziplinarverfahren gegen Landgerichtsrat Kd- littg und Landgerichtsdirektor Hofniann hat, wie der Smtlidxi Preußische Pressedienst mitteilt, der Dlsziplinarsenat in Naum­burg nach mehrtägiger Verhandlung gegen Kölling aus einati Verweis erkannt und gegen Hofmann auf Versetzung in ettt. anderes Richteramt vom gleichen Range, sowie eine ©crbftraw von 200 Mark. Die Amtssnspension gegen Hofmann ist rcchterbattcn worden.