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ulöaer Anzeiger

hShere Gewalten", Streiks, Tlussperenngen, xHafperre usw. erwachsen öem Bezieher keine Msprüche. Verlag Keieörich Ehrenklao, §ulüa, MglieS öes Vereins Deutscher Zeitungsoer- leger. Postscheckkonto: Zrcmksuvt a. M. Nr.4-oo-

Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Zulöa- unö Haunetal »Julöaer KreisblaN Reüaküon « HefthLstsstelte: MLHlenstraße 1 Zernfprsch-MMtsK Nr.WH Nachöruck -«r mit * versehenen Krtike! trat mit GssüsomMsbe .LâerF«M»r"a«aât.

für auswaetige Mstraggeber 0.25 ML, Pir Sie

D. 71 - 1927

Fulda, Freitag, 25. März

4. Jahrgang

Meine Zeitung für eilige Leser

* Reichsfinanzminister Dr. Köbler erklärte im Steueraus-

W des Reichstages, die augenblickliche Etatslage des Reiches affe eine Senkung der Zuckersteuer mcht zu.

»Die Länder Preußen, St hoben im Reichstag Protest gegen die Sir sur den Weiterbau des Mittellandkanals.

* Jm Wilms-Prozeß zu Berlin beantragte der Staatsanwalt die Angeklagten Fuhrmann, Klapproth, Umhoser und

Sachsen, Anhalt und Braunschweig est gegen die Streichung von Mitteln

Besten I

Echulz die Todesstrafe.

* Die Holländische Erste Kammer lehnte den von der Ne- «ierung vorgeschlagenen Scheldevertrag mit Belgien ab. Eine siabinettskrisis wird für wahrscheinlich erachtet

' * Jm Newyorker Scchs-Meisier-Schachturnier wurde Capa- bianca mit 14 Punkten erster Preisträger. Zweiter wurde Aijechin, dritter Nimzowitsch.

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Kanäle.

Bou sachverständiger Seite wird uns geschrieben:

Zwischen der Eisenbahn und den Kanälen in Deutsch- aud hat ja immer ein heftiger Wettbewerb stattgefunden; ickanntlrch ist der Transport zu Wasser beträchtlich listiger als der auf der Achse. Verschärft ist die Lage aber |c$t dadurch, daß die Reichsbahn zu einer Art Privat- Mesellschaft geworden und der Verwaltung des Reiches Mzogeu ist, außerdem aber auf Grund des DaweL- Mane^ gewaltige Lasten zu tragen hat. Aus der anderen Weite ist der Bau von Kanälen gegenüber der Vorkriegs- Miè zu einer weit kostspieligeren Sache geworden, weil bis Wodenpreise ebenso gestiegen sind wie die Herstellungs- Msien, obwohl hierbei die Errungenschaften dèr modernen Michnik weitgehend eingesetzt werden konnten. Dazu Mvmmt aber, daß abgesehen von sonstigen wirtsch- M- Mchtischen Erwägungen der Kanalbau ein beso: ws Begünstigter Gegenstand der produktiven Erwerbsw sen- Mrsorge geworden ist. Die Eisenbahn erblickt darin eine mere .Konkurrenz, die geeignet ist, den dringend gc= mudften erhöhten Ertrag des Eisenbahnbetriebes zu

Außerdem aber muß die deutsche Wasserstraßenpolitik |M ganz entgegengesetzten wirtschaftspolitischen An- iMauungen rechnen. Um nur ein Beispiel anzuführen:

Mittellandkanal, der ja seit Jahrzehnten R^genstand des schärfsten Für und Wider ist, würde zwar lfmerseits den Transport der rheinisch-westfälischen Kohle M!» weit nach dem Osten Deutschlands hinein stark ver- Mllrgen, andererseits aber dazu führen, daß die ober» Mlesifche Kohle dort geringeren Absatz fände. Ebenso Wurde durch diesen Kanal die Einfuhr ausländischen Ge­heckes in das Herz Deutschlands hinein sehr erleichtert Werden. Aus diesen Umständen erklärt es sich, daß sich Wette Kreise des deutschen Ostens, ohne Rücksicht auf Mcirieistellung, gegen deu Bau des Mittellandkanals Mehren, weil sie übermächtigen Wettbewerb aus dem Westen befürchten. Ein anderer Kanalplan, der fo= Benannte Hansa-Kanal, der aus dem rheinisch-west- Mazchcn Kohlenrevier in die sogenanntenumstrittenen Briete", also an die deutsche Nordseeküste führen soll, hat das Ziel im Auge, dort den Vorspung wettzumachen, MN die englische Kohle infolge des billigen Seetrans­portes genießt. Schließlich ist noch ein drittes Projekt zu erwähnen, ein Kanal nämlich, der vom Aachener I n - Wustri e r e v i e r zum Rhein hinüberführen und damit Mews Gebiet wirtschaftlich enger an den industriellen Westen anschließen soll.

. , Der neue Reichsverkehrsminister Koch nimmt nun in Mrsem Streit um die Frage: Kanal oder Eisenbahn? einen piüttelubcn Staudpunkt ein. Er hat in seiner Ein- Mchrungsrede zum Haushalt seines Ministeriums im Weichstag nur d i e Mittel angefordert, um die Bau- Murdigkeit der beiden zuletzt genannten Pläne zu unter» W^)en. Die Akten über den Mittellandkanal hin-

p« sind geschlossen; der Kanal wird gebaut, besonders W er auch für den Abtransport des deutschen Kalis von IWigfeit ist. Die Reichsbahn sieht nun demgegenüber poem Standpunkt, daß die Kanalkonkurrenz für sie nicht außerordentlich schädlich ist, fonbem ist auch der An- daß das für Kanalbauten aufgewendete Geld viel ^'Äinüßiger für den Ausbau entsprechender Eisenbahn- L » Ji verwendet werden sollte. Um jene Trausport- L^ücljleiten zu schaffen, die durch den Bau der Kanäle sind, brauche man, so wird gesagt, bei enti Mechender Vervollständigung des Eisenbahnnetzes weit Mittel als für den Kanalbau. Wesentlich für Wirtschaftlichkeit eines solchen Kanals sind nicht bloß ue Kosten des Baues an sich, sondern auch beispielsweise Lle Emlade- und Auslademöglich..... ^gesehenen Transport von M

L ^mlade- und Auslademöglichkeiten, die natürlich beim : orgesehenen Transport von Massengütern beträchtliche E5P1 müssen. Denn nicht Einzelgüter, sondern Massen- J D transportieren, ist die wirtschaftliche Aufgabe Kanals. Und dieser Transport darf sich auch nur ^" 6 e Strecken hinziehen, weil er sonst lvenig v»^el wäre. Der Neichsverkehrsmintster hat in seiner ^oe auch auf die zweite Konkurrenz hiugewtesen, die der t $ aus dem Kraftfahrwesen her erwächst, wieder den Transport für kurze Strecken wirtschaftlich ..^..^utaüel macht. Wägt man also diese Trausport- Enn^^iten wirtschaftlich gegeneinander ab, so wird die M ^^uug nach dieser oder jener Seite nicht so leicht. Rot»Ä ^^ch auch im Auge behalten, das; in der gesamten arnt. der Fortschritt der Technik eine besonders ^iväl spielt und häufig genug in kurzer Zeit um- pW wirken kann.

MH WM SPWWß ms des Mm

Miek Vèdsrfeßt sich der

LènierfichllzWkonMWon.

Keine Beteiligung Deutschlands.

Die Beilegung des Konfliktes zwischen Italien und Jugoslawien scheint doch nicht so glatt vonstatten zu gehen, wie man dies namentlich in Paris, London und Berlin erwartet hat. Die Kabinette dieser drei Länder waren bekanntlich mit Zustimmung der jugoslawischen Regierung dahin übereingekommen, durch eine aus breitester Grund­lage gebildete Kommission an der albanisch-serbischen Grenze eine Untersuchung vornehmen zu lassen. Gegen diese Entsendung der Nntersuchuttgskommission hat nun der italienische Botschafter in Paris Einspruch erhoben. Italien begründet diesen Widerstand gegen die Unter- suchungskommission damit, daß es nach Ansicht der italie­nischen Regierung unbestreitbar sei, daß die jugoslawische Regierung an der albanischen Grenze Militärvorbereitun- gen getroffen hat. Bis zum Eintreffen der Untersuchungs­kommission würde nach Ansicht der italienischen Ne­gierung Jugoslawien die Truppen von der albanischen Grenze zurückgezogen haben.

Lettischer Präsidentschaftskandidat Dr. Woit

Die größte Aussicht, der Nachfolger des kürzlich ver­storbenen Präsidenten des Freistaates Lettland, Zahnis

tätig bevoll-

gewesene letti

T s ch a k st e, zu werden, hat der in Berlin bisher - ifche außerordentliche Gesandte und mächtigte Minister Dr. Woit, dessen Bild wir oben

wiedergeben.

Die neue Aröeriszeii.

Zustimmung des Reichskabinetts.

DaS RcichSkaüinetl beriet gestern erneut die Frage des Notgesetzes über die Regelung der Arbeitszeit. Es erklärte sich einstimmig mit den von den Regierungsparteien in der ursprünglichen Vorlage vorgenommenen Änderungen einver­standen, die eine Ergänzung im Sinne der ReichSregierung darstellen, und verfügte die sofortige. Weiterleitung der Be­schlüsse an den Neichsrat.

Die ausschlaggebenden Bestimmungen des Arbcitszeit- notgesetzes werden in der neuen Fassung folgenden Inhalt haben:

Erstens wird dem § 6 des Gesetzes eine Bestimmung an­gefügt, die besagt: Wird Mehrarbeit geleistet, so haben die Arbeitnehmer, mit Ausnahme der Lehrlinge, Anspruch auf eine angemessene Vergütung über den Lohn für die Arbeitszeit hinaus. Als angemessene Vergütung gilt ein Zuschlag von 25 %, sofern die Beteiligten nicht eine andere Regelung ver­einbaren. Im Streitfälle entscheidet bindend der Schlichter.

§ 10 lautet in der neuen Fassung: Die Beschränkungen der Arbeitszeit finden keine Anwendung auf Arbeiten in Notfällen und in anderen außerordentlichen Fällen, die unabhängig vom Willen der Beteiligten eintreten und nicht auf andere Weise zu beseitigen sind, besonders, wenn Rohstoffe oder Lebens­mittel zu verderben drohen oder wenn ein Arbeitserzeugnis zu mißlingen droht.

Das gleiche gilt, wenn eine geringe Anzahl von Arbeit- nehmern an einzelnen Sagen mit Arbeiten beschäftigt wird, deren Nichterledigung das Ergebnis der Arbeit gefährden oder einen unverhältnismäßig großen wirtschaftlichen Schaden zur Folge haben würde, und wenn dem Arbeitgeber andere Vor­kehrungen nicht zugemlttet werden können

Im übrigen wird in dem Gesetz bestimmt, daß eine Arbeitszeit von zehn Stunden nur überschritten werden darf aus dringenden Gründen des Gemeinwohls mit befristeter Genehmigung oder wenn cs sich um Vorbereitungs- und Er- gänzungsarbeiten handelt, bei denen eine Vertretung des Arbeitnehmers durch andere Arbeitnehmer des Betriebes nicht möglich ist und die Heranziehmrg betriebsfremder Arbeit­nehmer dem Arbeitgeber nicht zugemutet werden kann.

Rach einer Meldung desEcho de Paris" soll Eng­land übrigens darauf bestehen, daß an der etwa einzu­setzenden Untersuchungskommission auch deutsche Offiziere beteiligt sein sollen. Von amtlicher deutscher Seite wird hierzu mitgeteilt, daß eine dies­bezügliche Anfrage an die deutsche Regierung bisher noch nicht gestellt worden sei. In Berliner politischen Kreisen wird stark bezweifelt, daß Deutschland einem Ansuchen nach Mitbeteiligung an der Untersuchungskommission ent­sprechen würde. Mit der Übernahme einer solchen Pflicht würde Deutschland auch eine Verantwortung auf sich laden, die zu übernehmen cs keine Veranlassung habe.

Eine Protestnote Jugoslawiens.

Als Gegenschlag zu dem Vorgehen Italiens hat jetzt auch die Regierung Jugoslawiens Material für eine Zirkularnote zusammengestellt, die an alle befreundeten und verbündeten Regierungen geschickt werden und in dèr nähere Angaben über militärische Vorbereitun­gen Italiens unter der unmittelbaren Leitung Mussolinis enthalten sein sollen. In der Note werden diese Rüstungen als eine unmittelbare Gefahr für alle Nachbarstaaten bezeichnet und es wird eine Enqrwte un- Nachprüfung dieser Rüstungen verlangt.

Angriff aus die Ausländer von Rankins.

Geschützfeuer englischer und amerikanischer Kriegsschiffe.

Nach einer Radiomeldung aus Nanking wurde dos Hügel, auf den sich die Ausländer aus Nanking gefluchter hatten, beschossen. Man glaubt, daß das Feuer von Kantontruppen abgegeben wurde. Der brüische Konsul wurde verwundet und ein britischer Arzt getötet Hieraus bombardierten britische und amerikanische Kriegs­schiffe das Gelände in der Nähe des Hügels, um den Ausländern die Räumung des Hügels zu ermöglichen. Es wurden ferner zu Diesem Zweck auch Marinedetache- mrnts gelandet. Drei in Manila vor Anker liegende amerikanische Zerstörer haben vom amerikanischen Ad­miral Williams in Schanghai Beseh! erhalten, sofort nach Schanghai zu kommen.

Reuter meldet aus Schanghai, daß Weisung tur Ein­stellung des Generalstreiks ergangen ist. Der Pekinger Korrespondent desDaily Telegraph" meldet: über die hier eintreffeuden Nachrichten wird eine strenge Ze n» f u r ausgeübt. Unter dem Verdacht der Ag'w^^n für die Kantonesen wurden 40 Studenten von den hiesigen Polizei- und Militrbehörden verhaftet.

Schanghai, 24. März. (WD.) Reuter. Zahlreiche Ameri­kaner, die sich in Nanking auf das Eruickstück der Stanbarb Oil Company geflüchtet hatten, wurden Henre infolge einer Beschießung durch Kantontruppen getötet. Die Nachrichten ans Banting gehen infolge Zerstörung der Telegraphenlinien nur sehr spärlich ein. Ein bririscher Dampfer traf hier mit ameri­kanischen und britischen Flüchtlingen aus Nanking ein, die vsy Allem entblößt waren.

Befreiung der Ausländer in Nanking.

Schanghai, 24. März. (WD.) Drahtlose Meldungen be­sagen, daß ein britischer Kreuzer und zwei amerikanisch« Zer­störer in Nanking Mannschaften landeten, denen es gelungen ist, die auf den Hügel geflüchteten Fremden zu befreien. Da­bei wurden mehrere Matrosen, darunter auch Amerikaner, ge­tötet oder verwundet.

Deutscher Reichstag.

(295. Sitzung.) 08. Berlin, 24. März.

Die zweite Lesung des Haushalts des Retchsvertehrs- Nlinisteriums wurde fortgesetzt. Abg. Quaatz (Dtn.) berichtete über die Verhandlungen des Ausschusses und teilte dabei mit, daß in den Etat neu eingestellt worden seien zum Betriebe einer weiteren Luftvcrkcbrslinie BerlinDanzigKönigsberg 405 000 Mark, für die Linie DanzigMarienburgElbing Allenstcitt 110 000 Mark, zur Förderung des Luftverkehrs mit Südamerika 18G0 000 Mark. Ter Redner behandelte das Kanalproblem. Früher hätte man eine Kanalsckwärmerei fest- ftcöcn können, jetzt sei man nüchterner geworden.

Die umstrittenen Kanalöautcn.

Prcußiscker Staatssekretär Dr. Weisman« gab im Namen der am Mittellandkanal interessierten Länder Preußen, Sachsen, Braunschweig lind Anhalt die Erklärung ab. vas Reick hätte sich durch Staatsvertrag verpflichtet, den Mittel- laudkanal ciuschließlick des Südflügels zu bauen. Diese Ver­pflichtung sei die Voraussetzung für die Überlassung der Wasserstraßen an das Reich gewesen. Finanzielle Einwände könne das Reich bezüglich des Südflügels nicht erheben, da für andere Wasserbauten, bereit Bedeutung sich mit der des Mittellandkanals nickt vergleichen lasse, erhebliche Mittel vor­handen seien. In der beantragten Streichung des Südflügels und der für den Wasserbedarf des Mittellandkanals not­wendigen Kanalisierung liege eine schwere Gefährdung des Mittellandkanals. Gegen den Verstoß des Reiches gegen den Staatsvertrag erhöben die vier Länder energische» Einspruch.

Abg. Schumann-Frankfurt a. M. (Toz.) meinte, von der künftigen Tarifpolitik der Reichsbahn werde cs abhängen, in welchem Umfange Kanäle zu bauen seien. Der Redner trat für den Ausbau der Wasserstraßen, besonders der Oder, ein. Leider würde durch den Abstrich des Südflügels beim Mittel­landkanal die Vollendung des Gesamtwertes auf Jahre hin- ausgeschobcn.

Abg. Lejeune-Jung (Dtn.) erklärte, die Streichungen bei den Kanalpositionen seien nicht aus irgendwelcher gründ sätzlichen Kanalfeindlichkeit der Rogicruugsparteieu erfolgt sondern unter dem harten Zwang der finanziellen Lage des Reiches. Der Redner verwies dann auf die schlesischen Be­denken gegen den Mittellandkanal. Mit wachselwer Sorge sähe vor allem Ober- und Niederschlesien der Vollendung der