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M-aer /lnzeiger

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74 1927

Fulda, Dienstag, 29. März

4. Jahrgang

EisW-smzWt Reibereien in Chins

Mnlreichs Niederlassung

f in Schanghai gefährdet.

England soll helfen. j

In Schanghai soll es zu starken Unstimmigkeiten fischen Franzosen und Engländern gekommen sein. Die stanzosen, die sich in Schanghai sehr schwach fühlen, ollen an die Engländer herangetreten sein, ihnen Truppen iir die Verteidigung der französischen Konzession in -changhai zur Verfügung zu stellen. Die Engländer sollen dies jedoch nur unter der Bedingung tun, daß sie lie Oberleitung übernähmen, was die Franzosen bisher gelehnt hätten.

Über die pessimistische Stimmung in der fran- ofifmer Konzessionszone bringen die Pariser Blätter aus- ihrliche Nachrichten. Danach hatte man in französischen kreisen Schanghais geglaubt, daß die Chinesen einen jnierschied zwischen den französischen Interessen und den (Reressen der Nachbarn machen würden. Als die Er-

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ignisse sich verschlimmerten, habe man diese Meinung icht aufrechterhalten können. DasJournal" glaubt, Äauptcn zu können, daß die französische Kon- èssionszone schwer zu verteidigen fei; ? um während die internationale Kolonie von Schanghai

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In Schanghai hat sich die Lage dadurch verschärft, als jetzt auch die französische Niederlasiung stark gefährdet ist

ton ungefähr 15 000 Mann, die hinter seit langem errich­tn Verschanzungen lägen, verteidigt werde, sei die fran- pe Konzession nur durch etwa 4000 Bajonette ge-

Die französischen Untertanen hätten sich deshalb !W und den Konsul angerufen. Dieser habe sich um t Beistand der kleinen englischen Armee bemüht. Das »ârnal" ist der Ansicht, daß die französische Konzessions- tone in Schanghai geräumt werden müsse. Zwei be-

ernste Tatsachen ergäben sich aus den letzten Schanghaier Nachrichten. Die erste beweise, daß die ^crteidigungsmittel der französischen Konzessionszone ungenügend seien. Die zweite zeige, daß zwischen der uanzösischcn Konzessionszone und der internationalen anne Mißverständnisse bestünden.

*

. Nach einer Agenturmeldung aus Schanghai hat der Kommandant der Kantontruppen. General Tschangkaischek, M Vertretern der Mächte ein Memorandum überreicht, dem er die Abschaffung der Sonderrechte und der un- inedjten Verträge fordert.

*

Diegelbe Gefahr".

Sie chinesischen Wirren, vor allem die Ereignisse in Affing, wo angeblich eine große Anzahl von Euro- yn und Amerikanern ihr Leben eingebüßt hat, veran- e i * namentlich England, Japan und Frank- ZjN zu einem noch schärferen Vorgehen in China. Aber lei) Amerika hat sich dieser Verschärfung des Vor-

anschließen müssen, weil bei den Unruhen in ins anscheinend viele Amerikaner ermordet worden jg«: Man hatte ja dem amerikanischen Flottenführer iÄi e Hand gelassen und der Admiral ist denn auch wm, slas vorgegangen. Damit hat sich Amerika nun 'yungsioâ der Politik der anderen Mächte ange- 8er»1 Ed angeblich soll die ganze pazifische Flotte der an? l^en Staaten nach China gesandt werden, um dort .. große Kundgebung an der nord- und südchinesischen

veranstalten. I

ja selbstverständlich, daß die kantonesischen alles daransetzen, vorläufig mit den frem- Duniten in keine militärischen Konflikte zu geraten, sn °°^ das Ziel der Südchinesen, zunächst einmal Ä^Wna in irgendeiner Form zu erobern oder zu BÄrt« « Die Rolle des nordchinesischen Generals hm»'Oiiolin ist nach wie vor eine sehr unbestimmte und Har ^Et auf feiten der kantonesischen Führer sehr Min« mtt »u rechnen, daß es mit der Regierung in komm? 'Sd mit Tschangtsolin zu irgendeiner Einigung diesen «Kodein kann es nicht ausbleiben, daß es bei kenn â^n zu Überfällen auf die Fremden kommt, «n dw Mächte schleunigst ihre Staatsangehörigen önnen, Este heranzuholen, also aus dem bedrohten

" au entfernen versuchen. Nach wie vor ist ia in

der kantonesischen Armee der innere Zwiespalt nicht über­wunden, der sich daraus ergibt, daß zu dieser an und für sich rein nationalistischen Bewegung starke bolschewistische Elemente hinzugetreten sind. Dieser Bolschewismus wird nun hauptsächlich getragen durch die junge Intelligenz der chinesischen Studentenschaft. Man will aber auch hierbei von einem russischen Einfluß nicht viel wissen, obwohl sich die Sowjetregierung nach wie vor aufs eifrigste bemüht, die Hände im chinesischen Spiel zu behalten.

Durch eine etwaige Einigung zwischen dem Süden und dem Norden Chinas werden nun die japanischen und die nordamerikanischen Interessen stärker berührt als die englischen, die sich in der Hauptsache im reichsten Gebiet Chinas, im Becken des Jangtsekiangs, befinden. Man rechnet in Kanton damit, daß in der Mandschurei, also im Stammland Tschangtsolins, und im Rücken der Pekin­ger Regierung gleichfalls ein nationalistischer Aufstand ausbrechen und das Vordringen der Kantonefen auf Peking erleichtern wird. Gelingt es dann wirklich, China wieder zu einigen, den mit dem Sturze der Mandschu- Dynastie herbeigeführten Zwiespalt zwischen dem Süden und dem Norden zu beseitigen, so ist auch für die fremden Mächte in China eine ganz neue und nicht gerade sehr erfreuliche Situation geschaffen. Der Oberkommandierende der Kantonarmee ist ja recht deutlich geworden in einer Erklärung, die er unmittelbar nach feinem Eintreffen in Schanghai erlassen hat: Solange ungleiche Ver­träge zwischen China und den Großmächten beständen, würden die gegenseitigen Beziehungen unbefriedigend bleiben, und solange das chinesische Volk nicht sein volles Recht erhalte, werde es den Kampf fortsetzen. Das heißt nichts anderes, als daß China irgendwelche Sonder­rechte der Fremdmächte nicht mehr dulden wird, damit also denselben Weg gehen will, den die Türkei mit Erfolg eingeschlagen hat. Wir Deutsche sind daran nicht mehr interessiert, weil wir für unsere Staatsangehörigen in China solche Sonderrechte seit Jahren nicht mehr in An­spruch nehmen.

Die Kantonregierung scheint aber doch nicht so ganz Herr jener bolschewistischen Unterströmungen zu sein. Die Waffe dieser Bewegung ist der Generalstreik, ein Mittel, das ja schon verschiedentlich mit vollstem Erfolg in An­wendung gebracht worden ist. Angeblich sollen aber die chinesischen Kommunisten sehr bald zu wirklichen An­griffen auf die Konzessionsgebiete der fremden Mächte in Schanghai überzugehen beabsichtigen, kurz, die in China machtpolitisch interessierten Länder sehen sich einer Frage gegenüber, der sie mit Schiffskanonen und Lan­dungskorps nicht restlos beikommen können. Der mili­tärische Spaziergang des Jahres 1900 anläßlich des Boxcraufstandes ist heute nicht mehr möglich und die gelbe Gefahr ist keine Phantasie mehr, sondern Tatsache. China hat aufgehört, Kolonialland zu sein.

Demonstraiion in Nanking.

Rückgabe der Konzessionen gefordert.

7 In Nanking hat eine Demonstration stattgefunden, an welcher ungefähr 30 009 Personen teilnahmen. Es wurden Resolutionen angenommen, in welchen die sofor­tige Übergabe der ausländischen Niederlassungen unter Androhung eines Generalstreiks verlangt wird.

Die infolge der Unruhen und Feuergefechte aus Nanking geflüchteten Fremden sind in Schanghai ange­kommen. Sie befanden sich in einem bedauernswerten Zustande und waren zum Teil nur notdürftig bekleidet. Manche haben buchstäblich nur das nackte Leben gerettet. Die Flüchtlinge gaben herzzerreißende Schil­derungen von ihren Erlebnissen in den Händen der Kantontruppen.

Wie derTimes"-Korrespondent aus Peking berichtet, bezeichnete Tschangtsolin in einem Presse-Interview die Nankinger Tragödie als einen vonSowjetrußland inspirierten Akt. Er erklärte, daß er die aus­ländischen Gesandten schon vor einiger Zeit gewarnt habe, daß ernste anti-ausländische Entwicklungen zu erwarten seien, da Sowjetrußland das Geld für die revolutionäre und antirevolutionäre Bewegung in China kompensiert habe. Die fremden Mächte seien größtenteils für die Lage selbst verantwortlich zu machen, und zwar erstens wegen ihrer schwankenden Politik China gegenüber im allge­meinen: zweitens wegen ihrer gescheiterten Bemühungen, irgendwelche Schritte zu unternehmen, dem Bolschewismus entgegenzutreten, und drittens wegen ihrer Bereitwillig­keit, angesichts all dieser Drohungen und Angriffe mit dem Süden zu verhandeln.

Japanische Flowndemonsiralionen an der chinesischen Küste.

Wie aus Tokio gemeldet wird, hat die japanische Re­gierung beschlossen, mehrere Kreuzer nach Tsingtau zu ent­senden und ferner acht weitere Zerstörer nach Schanghai. Des weiteren wird ein japanisches Geschwader, bestehend aus vier Schlachtkreuzern, 17 Kreuzern, 19 Zerstörern und 7 Unterseebooten, eine Fahrt entlang der Küste nördlich von der Mündung des Aangtse unternehmen. Zwei Schlachtkreuzer, acht Kreuzer, 23 Zerstörer und 12 Unter­seeboote werden die Häsen zwischen Amoy und Macao angeblich für Manöver besuchen.

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werden jederzeit entgegengenommen.

Kleine Zeitung für erMe Leser.

* Nach Übereinkunft der Großmächte soll vorläufig keine Untersuchungskommisfton nach dem Balkan entsandt werden.

* Bei der Beratung des Reichswehretals brachten die Sozialdemokraten einen Mißtrauensantrag gegen den Reicks- Wehrminister Dr. Geßler ein.

* Ein Antrag der preußischen Zentrumsfraktion ersucht das Staatsministerium, sich für Neueinführung von Titeln in be­stimmten Fällen einzusetzen.

* Die Lage der französischen Konzession in Schanghai hat sich derart verschlechtert, daß die dortige englische Armee um Unterstützung gebeten werden mutzte.

Keine Llntersuchungskommission für Albanien.

Politischer Bombenanschlag in Jugoslawien.

Die Mächte setzen ihre Bemühungen fort, zwischen Italien und Jugoslawien eine Verständigung herbeizu­führen. Wie es scheint, ist nunmehr doch der Gedanke, eine Untersuchungskommission nach dem Balkan zu ent­senden, vorläufig fallengelassen worden. Die jugo­slawische Regierung sträubt sich nämlich dagegen, daß die Untersuchung ausschließlich an der südslawischen Grenze Albaniens angestellt werden soll. Andererseits will Italien es nicht zulassen, daß auch die angeblich gegen Südslawien gerichteten militärischen Vorbereitungen in Albanien sest- nestellt werden. Dir jüngsten Vorschläge an die" beiden streitenden Mächte gehen nun dahin, daß Italien und Jugoslawien indirekteVcrhandlungen über den Streitfall eintreten, um in diplomatischen Besprechungen untereinander eine gütliche Verständigung zu erreichen zu suchen.

___ In Neusatz in Jugoslawien versuchten unbekannte Däter, das ungarische Kasino durch eine Ekrasitbombe in die Luft zu sprengen. Infolge der Erplofion sind zwei Zwischenmauern eingestürzt, sämtliche Fensterscheiben des Gebäudes und der Häuser der Umgebung zertrümmert. Die Polizei hat zwei Mitglieder der Orjuna-Organisation, unter ihnen den Journalisten Raffaitsch Bogoljub, vcr- bastet. Die Angelegenheit hat in der Stadt gr 0 ßcEr - regung hervorgerufen.

Deutscher Neichstag

(298. Sitzung.)

CB. Berlin, 28. März

Ein Haftbefehl gegen den Abg. Thabor (Soz.) wurde dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Das Haus trat dann in die zweite Lesung des

Haushalts des Michswehrministeriums ein. Abg. Stücklen (Soz.) gab einen Überblick über die Aus- fchußverhandlungen. Die Reichswehr allein erfordere in diesem Jahre einen Zuschuß von 475, die Marine einen von 223 Millionen Mark. Der Minister hätte im Ausschuß er­klärt, er brauche keinen Staatssekretär. Seine Vertreter seien der Chef der Heeresleitung und der Chef der Marineleitung. Die Mehrheit des Ausschußes habe sich damit einverstanden erklärt und sowohl die Heeresleitung als auch die Mehrheit des Ausschusses sei der Ansicht gewesen, daß die Republik sich auf die Reichswehr verlassen könne.

Abg. Schöpflin (Soz.) meinte, man könne vom Hccres- etat ohne jede Mühe 50 bis 60 Millionen streichen. Die So­zialdemokratie müsse die allgemeine Abrüstung fordern. Die- Art, wie die Liga für Menschenrechte gegen die Reichswehr arbeite, schade ihren idealen Bestrebungen und schädige manch­mal auch das deutsche Ansehen. Es ginge andererseits aber auch nicht an, daß die Reichswehr der Deutschen Republik ein Offizierkorps habe, dessen Mitglieder zum größten Teil Freunde der Monarchie seien. Die völlige Lösung der Reichs­wehr von rechtsradikalen Verbänden müsse durchgeführt wer­den. Mit dem General Heye sei die Sozialdemokratie der Meinung, daß die Reichswehr, wenn überhaupt, nur mit dem Volke Verteidigungsmaßnahmen ergreifen könne. Der Redner besprach dann den Rekruten- und Offiziersersatz. Offiziere dürften nicht aus Traditionsfamilien genommen werden.

(ir Mißtrauensantrag gegen Geßler.

Die Sozialdemokratie führe nicht einen Kampf gegen die Reichswehr, sondern um die Reichswehr. Sic könne dem Minister nicht das nötige Vertrauen cntgcgcnbringcn und habe deshalb ein Mißtrauensvotum gegen ihn eingebracht.

Abg. Graf v. d. Schulenburg (Dtn.) erklärt, ganz Frank­reich, das ganze Volk und die ganze Wirtschaft stelle sich im den Dienst der Landesverteidigung und billige die Errichtung von Befestigungswetkcn von Dünkirchen bis nach Mülhausen. Nur von Deutschlands Sicherheit dürfe niemals die Rede sein. Deutschland sei das in Ketten gelegte Volk, das über die Art und das Maß seiner Rüstung nicht selbst bestimmen dürfe. Aber gerade, weil dem so fei, hätte man Veranlassung, wenig­stens das 100 000-Maun-Heer auf die höchste Stufe der Leistungskraft zu bringen. Der Redner gedachte des General­obersten von Sccckt, der aus einem Chaos die Reichswehr auf- gebaut und sie zu dem gemacht habe, was sic heute sei. Alle Vorwürfe gegen die Reichswehr und ihr Offizierkorps fielen in ein Nichts zusammen gegenüber der Tatsache, daß die Reichswehr in kritischen Zeiten der feste Hort für Ordnung und Autorität gewesen sei. Allen Schichten und Ständen stehe im Werbeverfahren der Eintritt in die Reichswehr offen, unerläßlich sei es aber, daß der Angeworbene den Anforde­rungen genüge, die im militärischen und im vaterländischen Interesse gestellt werden müßten.

Abg. Ersing (Ztr.) erklärte ein pazifistisch erzogenes Heer für undenkbar. Das offene Bekenntnis des Generals Heve, daß die Offiziere der Reichswehr - der Deutschen Republik dienen wollten, hätte im Lande gute Aufnahme gefunden. Infolge seiner vollständigen Abrüstung sei Deutschland nun­mehr berechtigt, die Frage zu erheben, Wann die andern ab­zu rüsten gedächten. Gegenüber den Beschwerden über die hohen Kosten für die Reichswehr wies Abg. Ersing darauf hin, daß auch die Ausgaben für die anderen Ministerien in demselben Maße, teilweise sogar in einem crhöhteren Maße^ gestiegen seien. Zur

Frage der Rekrutierung '