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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt fie Rhön und Vogelsberg §ulös- und Haunetal Iul-aer KreisblaS

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WTwriiTriw iniiMiiiii n Mini'wiimi 11 im immonai

S!r. 88 1927

Fulda, Donnerstag, 14. April

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Von den Reichsbehörden ist eine Gesetzesvorlage über die Scrufsausbildung der Lehrlinge ausgearbeitet worden.

* Bei den Abrüstungsverhandlungen in Genf setzte sich Graf Bernstorff für die volle Entwicklungsfreiheit der Zivil- aviatik ein.

* Im englischen Parlament ist ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der ben Frauen das Wahlrecht vom 21. Lebensjahr ab zubilligt statt vom 30.

* Durch einen Wirbelsturm in Texas sind über 200 Menschen getötet und große Zerstörungen angerichtet worden.

* In N e w Y 0 r k geriet ein im Bau befindlicher Wolken­kratzer in Brand. Die^e Feuersbrunst wird als die größte in der Geschichte Newhorks -.zeichnet.

Kreuziget ihn!

Ernste Gedanken zum Karfreitag. ^

Seit fast neunzehnhundert Jahren richten sich am Kar­freitag die Gedanken und Gebete der Völker nach jener Schädelstätte", jenem Golgatha, wo durch Leid und Sterben die Auferstehung vorbereitet wurde. Seit vielen Jahrhunderten hat gerade die deutsche Kunst den Weg hin­auf zu Golgatha sich als Lieblingsstoff künstlerischer Dar­stellung erkoren, hat vor allem ein Dürer Unsterbliches ge­schaffen. Doch neben seinem leidumflossenen Christus steht der Einzug in Jerusalem, wenige Tage zuvor. Neben dem Karfreitag steht der Palmsonntag. Neben demKreuziget ihn!" steht dasHosianna!"

Auch des deutschen Volkes Schicksal ist es immer ge­wesen in diesen neunzehn Jahrhunderten, daß ihm einHo­sianna!" beschieden ward, doch gar bald darauf ein Kreuziget, kreuziget!" Nicht aus selbstischen Gründen, son­dern aus hohem christlichen Idealismus zogen die deutschen Heere nach Süden, nach Italien, um ihren Königen die Kaiserkrone zu verschaffen, den Kaiser zum Streiter zu machen im Dienste des Herrn. Und sie verbluteten daran, bis des letzten Hohenstaufen Haupt fiel unter dem Beil des. Henkers, dem der Franzose die Hand führte. Mit des Reiches Einigkeit und Macht war es vorbei, aber doch mW® .des^Auänder klagen über denunerträglichen nationalen Stolz der Deutschen", die in der Hansa aus eigener Kraft schufen, was des Reiches Oberhaupt nicht vermochte. Deutschland erlebte wieder sein Golgatha im Dreißigjährigen Kriege, wurde Schauplatz der Kriege des ganzen Erdteils. Ein Schicksal, das sich dann wiederholte, als Napoleon für Europa wieder ein anderes Antlitz schuf. Wieder, nachdem Deutschland der Welt einen Kant, einen Goethe geschenkt hatte, ging es den Weg furchtbarer Leiden.

Das Schicksal schien sich geändert zu haben; in der Halle des Versailler Schlosses erklang 1871 die stolze iiitnbe, daß Deutschland einig sei und frei. Erklang das Hosianna!". Jahrzehnte hindurch ging es vorwärts, auf­wärts. Bis achtundvierzig Jahre später, nach einem uner­hört schweren fünfjährigen Leidensweg, im gleichen Saal basKreuziget, kreuziget ihn!" ausgesprochen wurde durch den Mund von dreiundzwanzig Staaten. Wie einst Pon- mts Pilatus, so opferte Wilson jetzt das deutsche Volk dem drohenden Toben der Menge. Er wußte, daß er sich von der Schuld durch ein Händewaschen nicht frei machte. Aber er schwieg, als die deutschen Vertreter unter dem Zwang der Bajonette ihren Namen setzen mutzten unter ein Schriftstück, das deutsches Land, deutsche Volksgenossen den Fremden überantwortet, das über diese Glieder unseres Volkskörpers den dunklen Leidensweg verhängte, -eiitsches Schicksal ist es stets gewesen, sich nicht einhellig K« zu können in einem Reich, in geschlossener Einheit, âmwnen derer, die unseres Blutes, unserer Sprache, unseres Fühlens sind, müssen den Leidensweg der Not und ^"^edrängnis, der Unterdrückung und der Verfolgung

Alle anderen Nationen fanden den Weg zur Einigung, Selbständigkeit, weil sie zuerst an sich dachten, kaum "die anderen. Der Geist des deutschen Volkes war

Er hörte dasHosianna!", das ihm die Welt zu- mnA8en de* Schätze, die es der Welt schenkte. Aber still den abseits, nutzte nicht die Gelegenheit, Herr zu wer- -Darum schrien dieselben, die ihn verherrlichten, so M^r '-auf dasKreuziget ihn!". Und sie hatten die B es zu verwirklichen.

ßi..?oer nicht lange hat es gedauert, daß sie den Leib im ^bergen konnten. Aus eigener Kraft schuf sich ciii Nr ^aud die Stunde der Auferstehung. Auch das ist leiclu Ä schwerer Mühen und äußerster Anstrengung; nicht es, den Stein fortzuwälzen. Aber wir wissen und !vi^^ e5 daß für uns als Volk nach dem Karfreitag auch die Sonne des O st e r t a g e s emporsteigen wird.

e.

^Deuischland und öèe Lustrüstung. "'^Entwicklungsfreiheit der Z i v i l a v i a 1 i k. ^ $n Genf wurde noch vor Schluß der Abrüstungsverhand-

V erster Lesung eine Entscheidung in der Frage zwi- Wei âl-und Militärlnftschiffahrt herbeigeführt. Angenom- !M'"urde ein rumänisch-amerikanischer Antrag, der zur Er- ^MNg der Sicherheit eine jährliche Ausstellung aller in einem ' .""^führten oder dort hergestellten Zivilslugzcuge und - fordert.

l&H» deutsche Vertreter Gras Bernstorff lehnte in einer Er- iebes T^en die Zivilaviatik vor allem den Gedanken ab, daß Ai^^d'lflugzeug und jeder Zivilflieger alâ Reserve an tote« ft und Material für die Militüraviatit in Kriegs- in s^°"g^ehen werden müsse. Der Zivilaviatak könne nud ; "^" -ändern ein aewiffer militärischer Wert beigcmesicn

MsH-MW HsndelsbèziehuWn.

Der griechische Gesandte über

die Beziehungen zu Deutschrand.

^ E. Canellopoulos, der griechische Ge­sandte und bevollmächtigte Minister in Berlin, i machte einem Mitglied unserer Berliner Schrift- i Teilung die nachstehenden interessanten Ausführun- s gen über die griechische Wirtschaftslage am Anfang : des Jahres 19'27 und über die Beziehungen Grie­chenlands zu Deutschland.

Der Gegenstand, über welchen Sie meine Ansicht hören möchten, ist sehr umfangreich; und es ist nicht möglich, daß ich in einem engen Rahmen Ihnen ein bis ins einzelne gehendes Bild der Wirtschaftslage in Griechenland geben kann. Wenn aber dennoch die gegen­wärtige Lage meines Landes eine kurze und knappe Be­zeichnung erhalten sollte, dann könnte die gegenwärtige Periode als die der Wiedergesunduug bezeichnet werden. Griechenland hat eine wirtschaftliche Krists hinter sich. Die , Heilung kann nicht auf einmal erfolgen. Aber die Ursachen,

E. Canellopoulos, der griechische Gesandte in Berlin.

die die Krisis bewirkt haben, sind erkannt worden, und dies ist das Wesentliche und dies bildet auch schon die Hälfte des Weges nach dem Ziele der völligen Wiedergenesung. Griechenland geht vom Jahre 1926 in das Jahr 1927 über unter dem Zeichen sehr günstiger Aussichten. Wie be­kannt, hat Griechenland nach einer Epoche von Kriegen, die elf Jahre gedauert haben, auch eine Zeit innerer Krisis durchgemacht. Die Unbeständigkeit im politischen Sieben hat selbstverständlich ungünstig auch auf die wirtschaftliche Lage zurückgewirkt. Und unter der Einwirkung dieses Faktors haben auch der Staatshaushalt, der Handelsctat und der Stand des Geldwertes gestanden. Nachdem Griechenland jetzt in das normale parlamentarische Leben zurückgekehrt ist, ist einer der wichtigsten Gründe, die den

werden, wo sie sich auf Milièärnviatik stützen könne. In ör !g auf die jährliche Veröffentlichung des Standes der Zivils,...ük sagte Graf Bernstorff, er müsse befürchten, dass dadurch die wirtschaftlichen Interessen eines Landes und die freie Entwicklung der Zivilaviatik bedroht werden. Er müsse seine Stellungnahme zu dem rumänischen Antrag sich solange Vorbehalten, als nicht vollkommene Aufklärung über den militä­rischen Wert geschaffen sei, der der Zivilaviatik zugesprochen werde, und nicht entsprechend den beutfeben Anträgen die wich­tigsten militärischen Faktoren, nämlich die ausgebildeten Reser­ven und das Material im Depot erfaßt seien. Deutschland stimme dagegen nach wie vor den belgischen Vorschlägen zu, durch die der Zivilaviatik jeder militärische Wert genommen werde. Es müsse aber die volle Entwicklungsfreiheit der Zivilaviatik ver­langen.

Bei der dann folgenden Beratung über die Einrichtung einer Kontrolle für die Durchführung der Abmachungen er­klärte der Vertreter Amerikas, die Vereinigten Staaten könnten keinesfalls die Jurisdiktion des Völkerbundes anerkennen noch überhaupt eine Kontrolle für die Konvention annehmen.

Kantons Antwottans -ieFünsmüchtenote.

z Die Durchsicht der beschlagnahmten Papiere.

Der Minister des Äußeren der Kantonregierung, Tschen, wird die Forderungen der fünf Protokollniächte ans Anlaß der Vorfälle von Nanking in vier Einzelnoten beantworten. Die Mächte, deren Kriegsschiffe Nanking beschossen haben, werden eine Antwort erhalten, in welcher die Frage der Gewalttätigkeiten der nationalistischen Truppen umgangen und den Mächten der Borwurf gemacht wird, daß sie durch das Bombardement ohne jeden Grund Menschen getötet und die Häuser der Zivilbevölkerung zer­stört haben. Italien und Frankreich sollen Noten erhalten, in denen die Zahlung von Schadensersatz ju« gesichert wird. Auch die Note an Japan soll vërsSn-

obengenannten Mißstand verschuldet haben, beseitigt worden. Dadurch aber, daß die Ursachen des Übels er­kannt worden sind, ist auch die Möglichkeit geschaffen, die Mittel für die Wiedergenesung in Anwendung zu bringen. Auch der Stand der Wirts er; aftsverträge ist auf eine neue Basis gestellt worden. Griechenland hat die alten Handelsverträge gekündigt und neue geschlossen auf der Grundlage, des neuen Zollgefetzes, das unter den Zöllen Mâxima und Minima (Höchst- und Niedrigst- grcnzen) vorsieht, welche letzteren denjenigen vertraglich mit Griechenland verbundenen Staaten gewährt werden, die unter dem Vorzug der Meistbegünstigung stehen. Solcherart sind in kurzem die Wege, die die Regierung zur Erreichung ihres Zieles eingeschlagen hat und durch die auch endgültig der Valutastand des Landes geregelt werden wird.

Was die Handelsbeziehungen Griechen­lands zu Deutschland angeht, so kann man sagen, daß sie sich normal entwickeln; aber sie können, wenn man bedenkt, daß die beiden Länder sich auf wirtschaftsproduk­tivem Gebiet ergänzen, einen noch viel größeren Umfang erreichen. Zurzeit werden die deutsch-griechischen Handels­beziehungen noch durch das am 3. Juli 1924 unterzeichnete Handelsproviforium, das am 15. Mai 1926. durch einen Zusatzvertrag eine Ergänzung fand, geregelt. Die Ver­handlungen über den Abschluß eines endgültigen Handels­abkommens werden gegenwärtig zwischen dem deutschen Gesandten in Athen, Minister Renner, und der griechi­schen Regierung geführt. Die Verhandlungen sind nur sehr schwierig zum Abschluß zu bringen, weil sowohl von Deutschland als auch von Griechenland Forderungen ge­stellt werden, die möglichst berücksichtigt werden sollen. Es ist aber gewiß, daß das Zustandekommen eines endgültigen Handelsvertrages zur Erweiterung der Beziehungen beider Länder wesentlich beitragen und sowohl die deutsche als auch die griechische Wirtschaft günstig beeinflussen wird.

In der Vorkriegszeit beherrschte die d e u t sche A u s- f u.h £ den griechischen Marit. Und. wenn sich auch mährend, des Weltkrieges die Lage gänzlich veränderte, so zeigt ein Blick auf die Handelsstatistikcn der Nachkriegszeit in über­raschender Weise, wie schnell und in wie hohem Maße-sich in den letzten Jahren die deutsch-griechischen Hastdels- beziehungen wieder ständig verbessert haben. Griechenland führt an erster Stelle nach Deutschland Tabak aus, an zweiter Stelle steht für den deutschen Import aus Griechen­land Süßwein; dann folgen Korinthen und Rosinen. Griechenland seinerseits bezieht von Deutschland insbesondere bearbeitete Metalle (Halbfertigfabrikate), Eisenmaschinen, Zeitungspapier, Soda und chemische Roh­produkte.

Der deutsche Handel hat in Griechenland bereits wieder festen Fuß gefaßt und die Griechische Handels­kammer für Deutschland hat als wertvolle Hilfe dazu bei­getragen, daß er von Tag zir Tag große? zu werden ver­spricht. Der durch sie vermittelte Schiedsgerichtsvertrag wird den Handel beider Völker in der Folgezeit noch günstigst beeinflussen. Die Hauptsache jedoch wird der per­sönliche Unternehmungsgeist bleiben. Es ist notwendig, daß die Handelswelt Deutschlands mit der griechischen Handelswelt näher bekannt wird. Eine Gelegenheit bietet sich dazu in der Internationalen Messe zu Saloniki. Es wäre zu wünschen, daß sich auch die deutsche Produktion, für die Griechenland einen sehr günstigen Aufnahmeboden bietet, an dieser Messe in breitem Umfang beteiligt."

- Der griechische Gesandte: gez. E. Canellopoulos,

üm gehalten sein, um zu versuchen, Japan von England und den Vereinigten Staaten zu trennen.

Die nordchlnesischen Polizeibehörden geben bekannt, daß die genaue Prüfung der kürzlich bei der Durchsuchung der Nebengebäude der Sowjetbotschaft beschlagnahmten Schriftstücke eine Anzahl von Tagen in Anspruch nehmen wird. Dies ist, wie erklärt wird, zum Teil darauf zurück­zuführen, daß eine große Anzahl von Papieren zwar sichergestellt wurde, aber in der Hauptsache kaumleser- lich ist, weil die Sowjetbeamteu sie in Petroleum getaucht hatten, um sie zu verbrennen.

Zurzeit befinden sich 171 f r e m d e K r i e g s f ch i ffe- mit acht Admiralen in den chinesischen Gewässern. Von diesen Schiffen entfallen auf England 76, auf Japan 48, auf Amerika 30» auf Frankreich zehn, auf Italien vier, auf Spanien, Portugal und Holland je eins. Dieses Flotten- aufgebot ist das stärkste, das je in China versmnmelt war.

Die militärische Lage in China. s

Paris 13. April. (W.B.) Havas berichtet aus Peking, die militärische Lage der Rordtruppeu bessere sich. Gene­ral Tschan-Tjchang' ha.be an der Eisenbahnstrecke Tientsin- Pukau die Offensive wieder ausgenommen und stehe gegenwärtig vor Pukau. Weiter östlich sei es General Suu-Tschuan-Fang gelungen,'das Nordufer des Jangt­sekiang gegenüber Tsing-Kiang zu besetzen. In der Pro­vinz Hon an hatten auf der Strecke Peking-Hankau die Mukdentruppen die früheren Divisionen Wu-Pei-Fus, die gegen Tschang-Tso-Lin Partei ergriffen hätten, geschlagen und vertrieben. Tschang-Tso-Lin habe die notwendigen Maßnahmen gegen die Auswirkungen der in Peking und Tientsin betriebenen Agitationen getroffen. In der Nordmandschurei werde demnächst der Belagerungszustand wieder verhängt werden. Aus Eharlin eintreffende Mel- Hungen berichten von einer Spannung mit den Sowjets.