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M. 90 1927

Fulda, Dienstag, 19. April

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

| * Anläßlich der Wiederkehr des fünften Jahrestages des WOschlusses des Rapallovertrages fand ein herzlicher Tele- MauMwechsel zwischen Deutschland und Rußland statt, in Mem auf die günstige Entwicklung der deutsch-russischen Be« Izjchungen hingewiesen wurde.

I * Im Oderstromgebiet mußte infolge Hochwassers die Früh- Ijahrsbestcllung ausgesetzt werden.

r * Durch eine schwere Schlagwetterkatastrophe in der Nähe Won Mons in Belgien wurden 21 Bergleute getötet und p verletzt.

i * Der seit langem bestehende russisch-schweizerische Konflikt, her wegen der Ermordung des russischen Gesandten Worowski j in Lausanne ausgebrochen war, ist jetzt durch eine Erklärung ! der Schweizer Regierung beigelegt worden.

: * Die Antwort Kantons auf die Protestnote der Mächte ktvegen der blutigen Vorgänge in Nanking wird von den k Mächten als unzureichend angesehen. In London schweben k Erwägungen über die Ergreifung von Sanktionen.

Gefahren für die Landwirtschaft.

über die deutschen Handelsvertragsbesprechungen ktnit Polen wird uns aus landwirtschaftlichen Kreisen ge- f schrieben:

Der Reichsaußenminister Dr. Stresemann und her polnische Minister Zaleski hatten sich in Genf aus­gesprochen und beschlossen, die deutsch-polnischen f Handelsvertragsverhandlungen wieder auszunehmen. iDas ist auch geschehen, allerdings nur insofern, als die svielumstrittene Frage des Niederlassungsrechts ! Gegenstand mehrfacher Verhandlungen zwischen dem deutschen Gesandten in Warschau und der polnischen f Regierung gewesen ist. Diese Frage gewinnt aber nun j plötzlich ein ganz besonderes Gesicht dadurch, daß aus Idolen gemeldet wird, die polnische Regierung trage sich I mit der Absicht, dem Innenminister gesetzlich die Be- lsugnis zusprechen zu lassen, im Falle einer schweren Wirt- ischaftlichen Krise das gesamte vereinbarte Niederlassungs- trecht für Ausländer auszuheben. Ein solcher Be- ffschluß würde natürlich jede Vereinbarung praktisch un­wirksam machen.

über die gegenseitigen zolltarifarischen Zugeständnisse hat man sich aber bisher noch nicht unterhalten. Hier liegen aber nicht minder große Schwierigkeiten vor, weil Polen seine gesamte Einfuhr derartig vermindert hat durch Beschränkung und glatte Einfuhrverbote, daß sie um säst k 50 Prozent zurückgegangen ist. In Polen hat man die allergrößte Angst vor einer neuen Erschütterung der ein­geführten Zlotywährung, gründete außerdem namentlich ; in den letzten Jahren neue Industrien, um sich von der ausländischen Erzeugung von Halb- und Fertigfabrikatcn i möglichst unabhängig zu machen. Die Dinge liegen jetzt s so, daß Polen sich gegen die deutsche Einfuhr von Jn- i dustriewaren sträubt, selbst aber größtes Gewicht auf eine l möglichst weitgehende A u s f u h r - landwirtschaftlicher : Produkte, vor allem von Getreide, Kartoffeln und k.Schweinen legt. Bemerkt werden muß noch, daß dieser ganze Zollkrieg deutscherseits keineswegs rücksichtslos geführt worden ist, so daß Polen, abgesehen von Kohlen, entweder direkt oder auf Umwegen nach Deutschland in I großen Massen ausführen konnte.

Die deutsche Landwirtschaft führt nun heftige Klagen i darüber, daß sie bei dem jedesmaligen Abschluß von s Handelsverträgen Deutschlands mit ausländischen j Staaten die Kosten zahlen müsse. Würden den Polen I "tttgeheude Zugeständnisse gemacht, so geschehe das I gleichfalls wieder auf Kosten der Landwirtschaft, und »zwar ebenso der großen wie der mittleren und der kleinen i landwirtschaftlichen Betriebe. Denn die Anbaufläche für I Getreide und Kartoffeln ist in dem heutigen Polen größer I in Deutschland. Die. klimatischen Verhältnisse sind in I ^iden Ländern ungefähr die gleichen, daher muß der k mnteertrag diesseits und jenseits der deutsch-polnischen »Grenze ungefähr der gleiche sein. Die Erzeugungskosten her polnischen Seite sind namentlich infolge der Mhrungsschwäche nicht unerheblich geringer als die I Mischen. Gibt es in Deutschland eine gute Gctreide- I M Kartoffelernte, so ist das auf der anderen Seite der I Aenze ebenfalls der Fall. Und das heißt nicht anderes, I M daß in Zeiten zurückgehender Preise, die bei uns durch I r gute Ernte veranlaßt werden, durch eine massen- I Mo polnische Ausfuhr nach Deutschland dort die Preise I weiter heruntergedrückt werden. Ebenso, wie das für I Getreide und die Kartoffeln gilt, ist auch bei der I ^üveinehaltung mit einem starken Wettbewerb zu Mnen, wenn wir den Polen in der Frage der Einfuhr I r M^gegenkommen, wie Wa rsch au das wünscht. Die [ Teutsche Landwirtschaft sieht den kommenden Haudelsver- LMverhandlungen mit Besorgnis entgegen. Wenn ein Mschluß zustande kommt, treten an die Stelle der bis- ?ngen Kampfzölle auf landwirtschaftliche Produkte die W niedrigen autonomen Zölle. Dazu kommt, daß bei- wieisweise bei den künftigen Handelsvertragsvcrhand- ?ch.gen mit Rumänien oder anderen Agrarländern nicht versagt werden kann, was man Polen cin- Gerade aber bei Vereinbarungen mit Polen, die Weitgehenden Zugeständnissen verknüpft sind, würde deutsche Osten besonders getroffen werden. Sind die Vertragsverhandlungen mit den anderen ?ten nur unter Überwindung großer Schwierigkeiten so zeigen sich bei den Verhandlungen mit Polen besondere Bedenken.

mit»; »M 11 hie Siimitttiitt.

Zu Entschädigungen bereit.

Der Außenminister der Kantonregeirung, Tschen, hat jetzt den Vertretern der fünf Mächte: England, Frank­reich, Italien, Japan und Amerika die Antwort auf deren gleichlautende Noten überreichen lassen, die die Sühne­forderungen für die blutigen Vorgänge in Nanking ent­hielten. Um besonders England jeden Vorwand zu Kriegsmaßnahmen zu nehmen, ist die chinesische Note in freundlich entgegenkommendem Tone verfaßt.

Die Note betont, die Kantonregierung sei bereit, jede notwendige Entschädigung in vernünftigen Grenzen zu leisten, falls nicht erwiesen werde, daß der Schaden durch das englische oder amerikanische Bombar­dement, durch Rebellen oder dirrch Agenten der Nord­armee hervorgerufen worden ist. Um das festzustcllen, schlägt Tschen die Ei nsetz un g einer neutralen Unter­suchungskommission vor. Diese Kommission soll gleichzeitig untersuchen, unter welchen Umständen die Be­schießung von Nanking durch amerikanische und englische Marinekräfte vor sich gegangen ist, da Nanking eine un­befestigte Stadt sei und das internationale Recht die Be­schießung solcher Städte verbiete. Die geforderte Ent­schuldigung will die Kantonregierung nur leisten, wenn erwiesen ist. daß sie an den Zwischenfällen von Nanking schuldig ist.

Schließlich betont die Note, die beste Garantie für den wirksamen Schutz aller Fremden in China sei die Ent­fernung der Grundursache für alle Unruhen, nämlich die Aufhebung der ungleichen Verträge, die für China demütigend seien. Die Kantonregierung sei daher bereit. Delegierte zu ernennen, die mit Vertretern der Großmächte über eine befriedigende Regelung aller Fragen bei Aufrechterhaltung voller Gleichberechtigung auf beiden Seiten verhandeln sollen.

Tfchens Miè uKaNKehMhar.

Die Frage der Sank tio ncn.

Wie der Quai d'Orsay mitteilt, bezeichnen die Ver­treter der fünf Großmächte in China die Antwortnote des Außenministers der Kantonregierung, Tschen, als u n an­nehmbar. Sie sehen in ihr lediglich ein dilatorisches Manöver, das Uneinigkeiten zwischen den Mächteregierun- gen schaffen wolle. Für den Schutz des Lebens und Eigen­tums der Ausländer biete die Antwort nicht die geringste Garantie. Da es gefährlich sei, sich den kommunistisch be­herrschten Behörden anzuvertrauen, schlagen die Ge­sandten ihren Regierungen die Absendung einer neuen, mit der ersten identischen Note an die chinesische Re-

Fünf Zchre Rapallovertrag.

' Telegrammwechsel zwischen Litwinow und Stresemann.

Der stellvertretende Volkskommissar des Auswärtigen der Sowjetunion, Litwinow, hat an den Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Stresemann, das nachstehende Tele­gramm gerichtet:

Am fünften Jahrestage der Unterzeichnung des Na- pallovertrages, welcher die Grundlage der freund­schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Union festgelcgt hat, betrachte ich es als meine an­genehme Pflicht, Sie, Herr Reichsminister, sowie die Reichsregierung zu begrüßen. Unsere beiden Regierungen haben stets an den Prinzipien des Rapallovertrages fest- gehalten, was besonders auch beim Abschluß des Vertrages vom 12. Oktober 1925 und des Berliner Vertrages vom 24. April 1926 zum Ausdruck gekommen ist. Die Regie­rung der Union ist der vollen Überzeugung, daß die Be­se st i g u n g und der Ausbau der freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Union vollkommen den Interessen beider Länder entsprechen. Ich bin fest überzeugt, daß die im Laufe der fünf Jahre sich so gut bewährten Grundsätze des Rapallovertrages auch im weiteren die Voraussetzung für die g ü u st i g e E n t w i ck- luug der sowjet-deutschen Beziehungen bleiben und für die Wahrung des Friedens, der für die Völker der ganzen Welt so nötig ist, dienen werden."

Der Reichsaußenminister hat Herrn Litwinow darauf mit folgendem Telegramm geantwortet:

Für die freundschaftlichen Worte, die Sie, Herr Volkskommissar, aus Anlaß des fünften Jahrestages des Vertrages von Rapallo an mich gerichtet haben, danke ich Ihnen verbindlichst. Sie können überzeugt fein, daß die Gedanken, die Sie in Ihrem Telegramm zum Ausdruck bringen, nicht nur bei mir persönlich, sondern auch bei der Reichsregierung lebhaften Widerhall finden. Ich teile Ihre Überzeugung, daß die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und Deutschland den Interessen der beiden Länder dient, unb hege den aufrichtigen Wunsch, daß die in jenen Verträgen festgelegten Grundsätze sich auch in Zukunft bewähren und zur Erhaltung des allge- metnen Friedens beitragen mögen."

In diesem Zusammenhang sind die Ausführungen von Interesse, die der Handclskommissar der Sowjetunion Mikoyan über die deutsch-russischen H a n d e l s b e z i e - h u n g e n kürzlich in Moskau gemacht hat. In einer von ihm hcrausgegcbenen offiziellen Mitteilung heißt es dar­über:

Ungeachtet aller Schwierigkeiten und Erklärungen unserer Gegner. die Europa glauben machen wollen: daß

gicrung vor. Die beteiligten Mächte verhandeln über die Frage einer gemeinsamen Antwort an die Adresse der Kantonregierung sowie über die Frage, ob Sank­tionen zu ergreifen sind.

Preß Association" meldet, anscheinend inspiriert, daß in der letzten Kabinettssitzung in London gewisse Be­schlüsse über die schwierige Frage der Sanktionen gegen­über den Kantonesen im Benehmen mit dem Ersten See­lord, Beatty, und Luftmarschall Trenchard gefaßt wur­den. Dieses sei einer der Punkte gewesen, bezüglich derer die fünf Mächte eine Übereinstimmung unmöglich fanden und die infolgedessen aus den Nankingnoten herausge­lassen wurden. In manchen Kreisen Englands sei die Enttäuschung über die Schwäche des von den fünf Mächten erhobenen Protestes ausgedrückt worden. Aber es fei bekannt, daß der Wortlaut der identischen Noten das größte gemeinsame Maß von Übereinstimmung dar­stellte, das erzielt werden konnte. Es werde von Leuten, die in enger Fühlung mit dem Kabinett stehen, erklärt, daß keinerlei Absicht bestehe, die Frage fallen zu lassen. Die britische Regierung sei entschlossen, selbst wenn dies eine unabhängige Aktion bedeute, die Forderung nach Reparation, Bestrafung und Entschuldi­gung zu erzwingen. In maßgebenden Kreisen werde erklärt, daß, sollte eine Wiederholung der Nanking­angelegenheit erfolgen,d r a st i s ch e Schritte" unter­nommen würden.

MirèiZrische Maßnahmen Japans und Amerikas.

Gewaltsame Landaufteilung in Hunan.

In Anbetracht der gegenwärtigen Lage in China ist vom japanischen Generalstab beschlossen worden, den StabdesHauptquartiers und die zehnte Infan­teriedivision in der Mandschurei auch nach Ankunft der Er­satzeinheiten am 28. April beizubehalten. Ähnlich sind drei Kompagnien in Tientsin zurückgehalten worden, ebenso die Ersatztruppen zuzüglich zweier Kompagnien, die .wäh-^ rend der letzten Sitzung des Japanischen Landtages be/ willigt wurden. Der amerikanische Flottenbefehlshaber in den chinesischen Gewässern, Admiral Williams, hat das amerikanische Marineministerium davon benachrichtigt, daß er in anbetracht der Verschärfung der Lage in Hankau eine Zusammenziehung von Marinestreitkräften in Hankau angeordnet habe

Center meldet aus Hankau: Die kommunistisch ge­richtete Bauernunion hat die gewaltsame Durchführung der Landaufteilung in der Provinz Hunan in Angriff genommen. Verschiedene der jetzigen Grundeigentümer wurden getötet. Die Bewegung hat in allen Städten der Provinz die Oberhand erlangt unb schwere A u s - schreitungeit verursacht.

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die Sowjetunion außerstande sei, alle ihr von Deutschland zur Verfügung gestellten Kredite voll auszunutzen, haben wir es verstanden, nicht nur die Kredite voll auszunutzen, sondern darüber hinaus noch eine beträchtliche Menge von Bestellungen zu vergeben, so daß die deutsche Regie­rung den Rahmen der d e u t s ch e n K r c d i t e c r w ei - t c r i e. Die deutsche Industrie schreitet auf breiter Front zu Lieferungen für eine Reihe neuer russischer Unterneh­men. Die wirtschaftliche Wirkung der Durchführung dieser Lieferungen wird für die Beziehungen unserer Industrie zu den deutschen Lieferanten von bestimmendem Einfluß sein. Die Handelsvertretung muß daher während der Lie­ferfrist mit der d e u t s ch e n I n d u st r i c in engster Verbindung stehe». Die pünktliche Einhaltung der Lieferfristen ist von allergrößter Wichtigkeit.

' Der Volkskommissar wies ferner darauf hin, daß ent­sprechend der Steigerung der sowjetrussischen Produktion unbedingt eine Erhöhung der Vergebung von Aufträgen ins Ausland eintreten werde.

Die Beilegung des nissisch-Wweizerischen KonWs.

Unterzeichnung eines Protokolls in Berlin.

Das Volkskommissariat für Auswärtiges in Moskau veröffentlicht ein von dem Sowjetbotschafter in Berlin, Krestinski, und dem Schweizer Gesandten in Berlin, Dr. Rüfenacht, unterzeichnetes Protokoll über die Beilegung des Konfliktes zwischen der Sowjetunion und der Schweiz. Diese Verhandlungen haben zum Austausch der nach­folgenden Erklärung geführt:

Im Hinblick auf das Bestreben der russischen und schweizerischen Regierungen, den zwischen den beiden Staaten bestehenden Konflikt beizulegen, der infolge der Ermordung des Herrn Worowski während der Konferenz in Lausanne und infolge des Attentats auf die Herren Arens und Diwilkowski entstanden ist, erklärt der schweizerische Bundesrat erneut, daß er diese verbreche­rischen Handlungen durchaus verurteilt und sehr bedauert. Er wird überdies im Geiste der Versöhn­lichkeit bereit sein, wenn einmal Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen über die Gesamtheit der noch zu erledigenden Fragen cingcleitet werden, der Tochter des Herrn Worowski eine materielle Beihilfe zu gewähren, bereit Art und Weise gleichzeitig mit diesen Fragen wird diskutiert werden können. Damit erklären die beiden Regierungen den zwischen ihren Ländern be­stehenden Konflikt als b e i g e l e g t und die gegenseitigen S p e r r m a ß nach m c n als aufnebobe n."