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Fulda, Donnerstag, 21. April

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4. Jahrgang

Meins Zeitung für eilige Leser.

* In Hildesheim wurde die Hauptversammlung des Evangc- Mn Reichseltcrittages eröffnet.

- An der Weltwirtschastskonferenz in Genf soll auch eine gische Vertretung teilnehmcn, geführt von dem Volkskom- Mar Litwinow.

* In Nordamerika richtete ein Wirbelsturm einen Millionen- ^aden an, auch zahlreiche Personen wurden dabei getötet bzw. verletzt.__ j

Wi

Luropas wirtschaftliche Zukunft.

Man sieht der kommenden Weltwirtschafts- lonferenz in Genf, die am 4. Mai im Völkerbund-, zebäude zusammentritt, jetzt mit etwas größerem Ver- iraum entgegen, als man bisher dafür aufbringen konnte- Zst es doch gelungen, den russischen Widerstand gegen eine Teilnahme an dieser Konferenz zu überwinden. Die plötzliche Nachgiebigkeit der Sowjetregierung versteht sich fast von selbst aus der ganzen wirtschaftlichen Kursände­rung, die Rußland in der letzten Zeit vorgenommen hat und die natürlich von größter Bedeutung für die gesamte svirtschaftliche Entwicklung Europas geworden ist.

Die allmähliche Wiederkehr Rußlands in das euro- läische und damit in das Weltwirtschaftsleben hinein füllt richt nur nach und nach den leeren Raum aus, der mit iem großen russischen Zusammenbruch entstanden ist und das isO-Millionen-Reich als Absatzgebiet für die Welt- crzeugung ausschaltete. Es war ein Irrtum, anzunehmen, daß Rußland trotz seiner gewaltigen Naturschätze sich unter dem bolschewistischen Regime wirtschaftlich werde selbst genügen können. Das war auf die Dauer nicht durch- 1 Zufuhren, wollte man nicht in längst überwundene wirt- chaftliche Urzustände zurückkehren. Wie innerlich ge­schwächt die russische Volkswirtschaft im Augenblick ist, geht aus den fabelhaft hohen Krediten hervor, mit denen alle russische wirtschaftliche Betätigunng jetzt erst angekurbelt I verden muß. Allein die sogenannte;. Ausfallkredite, die )om Deutschen Reich garantier, wurden, betragen Wie Summe von über 360 Millione. Mark und sie sind 1 aas den Letzten Pfennig au^esch^it.

Man soll Weltkonferenzen ür ihrer Wirkung und über­haupt in ihrer Wirkungsmöglichkeit nicht überschätzen; «haben wir doch schon genug derartiger Wirtschaftskonferen- pen erlebt, ohne daß nun daraus besondere Vereinbarungen jand Ausgleichsmöglichkeiten sich ergeben. Wieweit die verschiedenen wirtschaftlichen Auffassungen der Russen auf per einen Seile und der westlichen Mächte auf der anderen »hemmend einwirken werden, läßt sich noch nicht sagen, kweil es sich erst herausstellen muß, inwieweit die Russen küberhaupt einen Verständiguugswillen nach Genf mit- è bringen. Denn es ist eine völlig lose und lockere Ver­sammlung, die dort im Völkerbundgebäude zusammeu- treten wird; es sind nicht Vertreter ihrer Regierung, nicht Regierungsbeauftragte. Ohne jede Bindung für ihre Stimmabgabe sind sie delegiert. Darum muß sich der Kon­greß auch darauf beschränken, daß er nur wirtschaftliche »Empfehlungen" mehr oder weniger einstimmiger Art be- Wießen, aber keine bindenden Beschlüsse fassen kann. Im Vordergründe steht natürlich dabei die Frage der gegen» fettigen Zollpolitik, bei der man bisher ein Ent­gegenkommen überhaupt nirgends verspürte. Beispiels- lveise treibt Amerika eine sich fortwährend schroffer gebärdende Zollpolitik gegenüber dem europäischen Erdteil.

. Eine große Auseinandersetzung wird es sicher werden w Genf. Mehr wird es nicht und soll es auch nicht sein. M^enn nicht wie sonst versammeln sich ja die Staatslenker Mn Genf, sondern nur deren wirtschaftliche Sachverständige. WEine solche Aussprache, wie sie geplant ist, ohne Zwang Mn- ohne Bindung, mag aber trotzdem ihr Gutes haben. Wund das Entscheidende dabei ist, daß sich nun auch Ruß- wieder den anderen europäischen Staaten wirtschast- nähert. Solange es noch in Europa irgendeine störende I^lomung gibt, wird es auch nicht gelingen, eine weitere drängende Frage der Lösung entgegenzuführen:

, 'ft eine endliche, nicht durch äußere Hilfsmittel er» sondern auf innerer volkswirtschaftlicher Vroduk- L Erhöhung beruhende Festlegung aller Währun- . Dabei wird gleich wieder die Frage der Kriegs- *Schädigungen eine sehr gewichtige Rolle spielen L ® es ist für uns Deutsche sehr zu begrüßen, daß ein erbitterter Gegner des Dawes-Vertrages, wie es der Dwedische Professor Gustaf Cassel ist, auch als Dele- "rter in Genf weilen wird.

Teilnehmer an der Genfer Konferenz, rz^tn der Versammlung in Genf zur Besprechung Wirt- ' asiucher Fragen werden u. a. aus Deutschland sehnten : Staatssekretär Trendelenburg, Abg. «Nlmers, C. F. von Siemens, Generalsekretär ^bâers, Dr. Hermes, Dr. Marie Elisabeth -Uders. '

«. Serner sind angesagt aus England: Sir Artur rSir MacMurprat, Sir A. H. Hill; aus Frank- A w '. Loucherrr, Jouhaux, Serruys, Gantier; aus n f : Robinsou, M. H. Davis, O'Leary, Professor I- Klein; aus Italien: Graf Bonin Lon- auä '^elli, Rossoni, Belloui; aus Belgien: Theums; S ch >vd e it; Professor Gustaf Cassel usw.

Vestellungen aus diese Zeitung

werden jederzeit entgegengenommen.

Die Frage der RhemlandrSumung

Rheinlandschritt Deutschlands im Gommer?

Ein vielbeachteter Stresemann-Artikel.

In politischen Kreisen Frankreichs steht gegenwärtig im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses ein Artikel, den Dr. Stresemann vor einigen Tagen in einem rheinischen Blatte veröffentlicht hat. In diesem Artikel, der sich mit der Frage der Rheinlandräumung beschäftigte, hatte Dr. Stresemann den Gedanken ausgesprochen, daß es für die Entwicklung der Verhältnisse in der Welt am besten wäre, wenn in der Frage der Rheinlandräumung die Initiative freiwillig von der anderen Seite ergriffen und durchgeführt würde. Ein Pariser Blatt hat an Berliner autorisierter Stelle Erkundigungen darüber eingezogen, ob diese Ausführungen des Reichsaußenministers das Vor­spiel zu einer diplomatischen Aktion der Reichsregierung seien. Das Blatt glaubt Mitteilen zu können, daß dies nicht der Fall sei.

Diese Nachricht scheint auch richtig zu sein, denn wäh­rend der letzten Ratstagung in Genf hat Reichsaußen-

Der Schulfachmann für Oberschlesien.

Der ober schlesische S ch u l st r e i t.

Der Schulinspektor des Kantons Luzern, Maurer, hat die Ernennung zum sachverständigen Vera r für di« Regelung oberfchlesischer Sch l- fragen beim Präsidenten der Gemischten Kommi !N für Oberschlesien, Calonder, angenommen. Die Schaf, ng des neuen Postens war kürzlich vom Völkerbundrat be­schlossen worden.

Inzwischen ist zwischen dem Woiwoden in Kattowitz und dem Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes ver­einbart worden, daß die polizeilichen Strafbefehle gegen Eltern, die ihre Kinder für die deutsche Minderheitsschnle augemeldet und sie nicht der polnischen Schule zugeführt habest, eingestellt werden. Die Schulleiter haben An­weisung erhalten, neue Anträge auf Verhängung von Säurlstrafen nicht mehr zu stellen. Die Polizeibehörden sind ana-miesen worden, noch bei ihnen schwebende Schul- streikjachen einzustellen. Der Woiwode hat die Aufstellung neuer Listen derjenigen Kinder angeordnet, welche sich im Schul ft reik befinden. Diese Kinder sollen baldmöglichst den Minderheitsschulen zugeführt werden. Die etwaige spätere Sprachprüfung durch den schweizerischen Schulsach- manu wird dadurch nicht berührt.

GugZand Md Chma.

Der Bruch in der Kommunistischen Partei Chinas.

Der diplomatische Korrespondent derWestminster Gazette" schreibt u. a., es sei nicht ausgcsü sien, daß im Zusammenhang mit der Forderung nach Wiedergut­machung der Nankinger Verbrechen die b r i t i s ch e K o n - Zession in Hankau wieder zurückgenom- m e n werden wird. Die britische Regierung ist nach wie vor willens, mit einer chinesischen nationalistischen Be­wegung, die von dem ausländischen Element aus Moskau gereinigt ist, zu verhandeln. In Ergänzung hierzu meldet derDaily Herald": Die britische Regierung wünscht dringend, daß S t r a f m a ß n a h m e n sich lediglich gegen die H a n k a u e r Regierung richten sollen und nicht gegen Tschangkaischek oder irgendein unter seiner Kontrolle befindliches Gebiet. Deshalb wird der vor Tschangkai- scheks Staatsstreich erwogene Gedanke, Nanking zu be­setzen, aufgegeben werden. Dagegen wird der Plan einer gewaltsamen Wiederbesetzung der Han­kauer Konzession mit der Begründung, daß die Bedingungen des Abkommens nicht erfüllt mürben, sehr ernstlich erwogen. Die Entsendung zweier Kriegsschiffe und eines Flugzeugmutterschiffes nach Hankau ist mög­licherweise die Vorbereitung für einen solchen Schritt.

Nach einer Meldung aus englischer Quelle soll der vollkommene Bruch zwischen den radikalen Ele­menten der Kantonregierung in Hankau und der von Tschangkaischek eingesetzten neuen Regierung in Nanking durch die Initiative der Radikalen n Hankau vollzogen worden sein. Hankau habe in drei amtlichen Erlassen Tschangkaischek seines Postens enthoben, zu seinem Nach­folger dem Vernehmen nach den bekannten Christen­general Feng bestellt und alle Verbindungen zwischen Hankau unb Nanking als gelö st erklärt. Tschangkaischek soll aufgcfordcrt worden sein, sich einem Tribunal der Extremisten in Hankau zu stellen.

Das Hauptquartier Tschaugtsolins gibt bekannt, daß sich unter den in den russischen Botschaftsgebäuden am 6. April beschlagnahmten Schriftstücken An- weisungen Moskaus au die Sowjetbotschaft befänden. Darin heißt es, die chinesischen Volksmassen müßten mit allen Mitteln zu G e w a l t t ä t i g k e i t e n gegen Europäer im allgemeinen und Engländer im beson­deren aufgereizt werden. Um eine internationale Inter­vention in China zu provozieren, seien auch Plünderun­gen und die Ermordung von Ausländern gerechtfertigt.

Die Anordnungen der neuen Nationalistischen Negierung.

Schanghai, 20. April. (W. B.) Wie aus Nanking ge­meldet wird, soll Tschangkaischeck nach Bildung seines Kabinetts beabsichtigen, den Kampf gegen die Nordarmee

minister Dr. Stresemann ausdrücklich erklärt, daß diè deutsche Reichsregierung sich den Zeitpunkt Vorbehalte, einen offiziellen Schritt zur Räumung des Rheinlandes bei den Besatzungsmächten zu unternehmen. Als Zeit­punkt für diese diplomatische Demarche Deutschlands ist damals die Beendigung der Entwaffnung der Ostbefesti­gungen Deutschlands genannt worden. Die Frage der Ost­befestigungen dürfte etwa im Juni erledigt sein, so daß also dann mit einer Aktion Deutschlands zur Räumung der Rheinlande gerechnet werden kann.

Über die Frage der Rheinlandräumung hat auch der Reichstagsabgeordnete B reilscheid auf dem Kongreß der französischen Sozialisten in Lyon längere Ausführun­gen gemacht. Breitscheid bezeichnete die Räumung des Rheinlandes und des Saargebietes als unbedingt not­wendig, wenn man den Frieden endgültig wiederher­stellen wolle. Nach Eintritt Deutschlands in den Völker­bund und nach Abschluß der Verträge von Locarno sowie nach Inkraftsetzung des Dawes-Planes sei die weitere Besetzung widersinnig. Der französische Sozialistenführer Blum erklärte hierauf, daß er bezüglich der Räumung des Saargebietes und des Rheinlandes die gleiche Ansicht habe wie der Abgeordnete Breitscheid.

fortzusetzen. Da Tschangkaischeck über mehr als 300 000 Mann verfügt, rechnet man mit einem Nachgeben von feiten Hankaus. Die neue Nationalistische Regierung wünscht, wie es heißt, die Freundschaft aller Länder, jedoch auf der Grundlage der Abschaffung aller ungleichen Ver­träge. In Schanghai wird mit allen Mitteln gegen die Kommunisten vorgegangen. Etwa 100 Extremisten sind bereits hingerichtet worden.

Englische Truppenverschiffungen nach China.

Southampton, 20. April. (W. B.) Ein Fliegerge­schwader, eine Anzahl Feldgeschütze, verschiedene Fahrzeuge, ferner Truppen in Stärke von 1 000 Mann wurden heute nach China eingeschifft.

Evangelischer Keichselierniag.

Staatsautorität und Gewissensfreiheit.

In Hildesheim ist der Evangelische Rcichselternbund, die Spitzenorganisation der Elternbeweg'. in Deutschland, zu einer Tagung zusammengetreten, zu bc. über 200 Vertreter der Elternverbände, der Lehrerschaft sowie befreundeter Kultur­organisationen erschienen sind. Der Elterntag nimmt zu den aktuellen Fragen der Schulpolitik, insbesondere zu der Reichs­schulgesetzgebung, Stellung; man erwartet hierzu bedeutsame Beschlüsie. Auf dem Begrüßungsabend erstatteten Elternver- ircter aus den verschiedenen Reichsteilcn ku ." Arbeitsberichte. Der Tagung ging die alljährliche Religionspädagogische Kon­ferenz der Gesellschaft für Evangelische Pädagogik voraus, die sich in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der pädagogischen Arbeit in Schule, Universität und Kirche mit der Stellung der Religion in der philosophischen und pädagogischen Wertlehre beschäftigte.

Im Mittelpunkt der ersten großen Hauptversammlung des Reichsellerntages stand der Festvortrag des Professors des öffentlichen Rechts an der Universität Greifswald, Dr. Günter H o l st e i n, über

Staatsautorètät und Gewissensfreiheit in bezug auf Elternrecht und Schulproblem. Er führte hierbei u. a. aus: Die Weimarer Verfassung.Hat den elterlichen Willen erneut gesetzlich statuiert, insbesondere hinsichtlich der Frage oer Konfessionalität der Volksschule. Die deutsche Schule als Bildungsschule kann

die Religion nicht entbehren.

Das deutsche Wesen ist ohne religiösen Urgrund nicht denk­bar, und der deutschen Kultur würde ohne religiöse Maßstäbe chr Bestes fehlen. Die Frage der religiösen Erziehung des künftigen Bürgers kann nach protestantischer Auffasiung nicht gegen den Staat, sondern in und mit dem Staat gelöst wer­den, an den sich der Protestant gewisiensmäßig gebunden fühlt, womit freilich keine kritiklose Unterwerfung unter den Staat gemeint sein kann. Die Reichsverfassung legt ja die Grundrechte des Bürgers fest. Die so gesicherte Linie gilt es in Gesetzgebung und Verwaltungspraxis dem Sinne der Verfassung gemäß weiterzuerhalten. Noch mehr aber gilt es, alle Kräfte evangelischen Bewußtseins zu lebendiger Wirkung zu bringen, in der Überzeugung, daß nur die von den ewigen Mächten des Christentums bestimmte Deutschheit die höchste Vollendung unseres Volkstums bedeuten wird.

Politische Rundschau.

Deutsches Ireich.

Die Organisation des Arbeitsnachweises.

Der Deutsche Städteiag teilt zu der Arbeitsnachweis­tagung, die er am 22. April d. I. in München gemein­schaftlich mit dem Deutschen Laudkreistag veranstalten wird, mit, daß dort Vorschläge für den Neuaufbau des Arbeitsnachweises und der Arbeitslosenversicherung zur öffentlichen Erörterung gestellt werden sollen. Wenn nach dem Plan des Reichstages eine Reichsanstalt für das ganze Reich Träger der Arbeitsvermittlung und der Ar- beitslofenversicherung werde, so wäre es doch ein schwerer Fehler, zugleich Landes- und örtliche Arbeitsämter als neue Reichsbehörden bis in die unterste Instanz neu zu schaifen. Es fei uumöalick und widersvreche auch allen