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Zul-aer Anzeiger
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Ecschr-nt jeden Werktag. Bezugspreis: mouat- H s Mark. Bei Lieferungsbehmüerungen üuöch ^here Gewalten"/ Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Krieörkch Ehrenklau, $ulda, Mglieö des Vereins Deutscher Feitungsver- leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. fie. 16000
^J 101 — 1927
Meine Zeitung für eilige Leser.
I - Im Leipziger Wiking-Olympia-Prozeß wurde dahin ent- ■Miicbeu, daß der Wikingbund verboten bleibt, während die I Aushebung des Verbotes gegen den Verein Olympia bestätigt Wird.
* Für Thüringen wurde eine Regierung aus Landbund, k Deutscher Volkspartei, Wirtschaftspartei und Demokraten gebildet.
r * Die Sowjetregierung in Moskau entsendet eine Kommis- zu den Weltwirtschaftsverhandlungen nach Genf.
i * In Norfolk (Virginia) traf ein Blitzschlag ein Flugzeug. MDic vier Insassen wurden getötet, das Flugzeug vernichtet.
: KchlÄnö geht nach Gens
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Eine ziemlich überraschende Kunde für die politische Welt kam aus Moskau. Die Sowjetregierung hat sich Mntschlossen, an der am 4. Mai beginnenden Weltwirt- Wchaftskonferenz in Genf teilzunehmen, und hat iercits die Mitglieder der nach der Schweiz zu entfenden- jen Kommission ernannt. Als Vorsitzender wird Ossinski fungieren, Mitglieder sind Sokolnikow, Chintschuk und -epfe. Der Kommission werden als Sachverständige fünf Personen beigegeben, unter ihnen der Professor Verga, die Herren Greben, Kauffmann und Stein, der gleichzeitig die Lekretärgeschäfte wahrnehmen wird.
Bedeutet das eine grundsätzliche Schwenkung der bis- ierigen russischen Politik? Etwa eine Umstellung der Sowjetunion in ihrem bisherigen Verhalten zum Völker- mnd? Darüber läßt sich noch keine Klarheit gewinnen. Nährend man in Paris wissen will, in Moskau bestehe die Absicht, auch zu der Vorbereitenden Abrüstungs- Ikonferenz, die im Herbst ihre Beratungen wieder aufnehmen soll, einen Vertreter zu entsenden und überhaupt beim Völkerbund einen ständigen Beobachter zu halten, wird von anderer Seite, und zwar aus M o s k a u selbst, gemeldet, der jetzige Entschluß sei keineswegs als Annäherung an den Völkerbund zu betrachten, die Sowjet- ^ewaltigm dächten gar nicht daran, die Frage des Eintritts in deck Völkerbund auch nur zu erörtern. Trotzdem kann man derartigen Behauptungen mit einigen Zweifeln gegenüberstehen. Die bisherige Linie Moskaus hat in der Weltpolitik doch derartige Widerstände gefunden, daß man wohl an gewisse Bedenken glauben kann, die in Rußland , Uaufgestiegen sind und dringend an eine Berichtigung der , fruchtlosen Idee der Vereinzelung gemahnen.
, Wahrscheinlich ist es jedenfalls, daß die kürzliche Eini- ' Aung mit der Schweiz wegen des alten Streites um den Worowski-Zwischenfall von Rußland eingeleitet wurde, und zwar zu dem durchsichtigen Zweck, nunmehr in Genf aktiv werden zu können. Ob es also jetzt bei den Wirtschaftsfragen sein Bewenden haben oder ob schließlich das Bestreben auch in der Richtung des Völkerbundes sich betätigen wird, kann immerhin in Betracht gezogen werden. Die Moskauer Regierung hat stets ziemlich kluge diplomatische Instinkte gezeigt und wie ihr teilweiser Friedensschluß mit den Kapitalmächten beweist, erkennen lassen, daß sie keineswegs um jeden Preis und für alle Zeiten utopischen Zielen nachjagen will. Mit dem Beitritt Rußlands zur Weltwirtschaftskonferenz, einstweilen losgelöst von allen politischen Forderungen, wird ein Ausblick dahin gegeben, das in Genf vorgesehene Programm durchführen zu können. Die Auseinandersetzungen über cme Verständigung können sich nicht mehr festfahren an “ - ' ' ■ —t Denn
int Mm Umstande, daß einer der Hauptbeteiligten fehlt.
Mas weite Rußland mit seinem gewaltigen Bestand an M Mohstoffen ist selbstverständlich bei einer weltwirtschast- Verständigung nicht auszuschließen. Das russische IWrrjschaftsproblèm muß unbedingt in den Erörterungen inne wichtige Rolle spielen und kein Staat, mag er auch I W dem Bolschewismus und seinen Vertretern noch so Mmdlich gegenüberstehen, kann sich dieser Erkenntnis ent- RNcn. Rußland nähert sich wieder der europäischen Sßirt» und damit der Weltwirtschaft, ein Schritt, der, nicht w weiter ist als die Anerkennung der Notwendigkeit der r®‘jtifdjen Bestrebungen des Völkerbundes.
, Wieweit dieser Vorgang die Interessen des deut- 7/n Volkes und seiner nach Genf entsandten Ver- l^ng berührt, läßt sich natürlich im Augenblick kaum Ersehen. Deutschland steht ja in bezug auf w i r t - Östliche Dinge nicht in so scharfem Gegensatz zu großen Ostrepublik wie etwa die beiden angelsächsischen Maten diesseits und jenseits des Atlantischen Ozeans, g" Napallovertrag, die Russenkredite usw. sind dessen ^ugen. Daß wir als fast unmittelbarer Nachbar der lebhaft an einem besseren Warenaustausch ^rhr interessiert sind, muß ohne Frage bleiben. Aber anderer Beziehung sind, wie unsere leitenden ^cinner es oft genug erklärt haben, keinerlei An- vorhanden, uns etwa als Degenführer für die Angel- Äen gegen Rußland anzusehen. Im Britischen Reiche Heroen unverhüllt schon jetzt Stimmen laut, die vor Genf weil Deu 1 schlarld den Anlaß benutzen könnte, eine Bereinigung der von allen deutschen Par- unerträglich empfundenen Dawes-Ver- Zungen hinzuarbeiten. Es ist nicht anzunehmen, deutsche Vertretung in dieser Beziehung irgend- W ernsthaften Pläne hat, aber das ändert nichts an M oneren Berechtigung, die solchen Betrachtungen zu- liegt. Wir können also die russische Beteiligung UÄ Verhgndlungen uns getrost gefallen lassen Sie De urA"' lvas w i r erstreben, wieder ein lebensfahlges in Wirtschaft und Weltbedeiitung zu schaffen,, ^nstg nicht entgegenstehen. 'v-
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TagMM für Rhön unö Vogelsberg Möa- unö Haunetal * Zulöaer Kreisbla« Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ❖ Zernfprech-Mschluß Nr. 989 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Guellenangade „Zul-aer Anzeiger"gestottet.
Fulda, Montag, 2. Mai
Das Urteil im Wiking-Aympia-Prozetz
Ming verboten, StzM-iaverboi aufgehoben.
In Sachen Wiking-Olympia wurde der Beschluß des Staatsgerichtshofes wie folgt verkündet. Unter Aufhebung des Beschlusses des Kleinen Staatsgerichtshofes vom 13.-Oktober 1926 wird die Verfügung des preußischen Ministers des Innern vom 12. Mai 1926, durch die das Verbot des Bundes Wiking ausgesprochen wird, bestätigt, dagegen wird der das Verbot aushebende Beschluß des Staatsgerichtshofes vom 13. Oktober 1926 in bezug aus den Bund Olympia bestätigt. Die Kosten des Verfahrens werden für Wiking dem Bund, für Olympia der preußischen Staatskasse auserlegt.
In der Schlußsitzung gibt der Vorsitzende des Staats- gerichlshofes, Senatspräsident Niedner, nach der Verkündung des Beschlusses vor der Urteilsbegründung eine Erklärung ab, in der er sich zunächst gegen die Äußerungen, der Staatsgerichtshof habe ein politisches Urteil zu füllen, wendet und u. a. weiter sagt: Nur Recht und Gerechtigkeit sind die Grundlage unserer Urteile. Daran ändert auch nichts, daß dem Gerichtshof dem politischen Leben entnommene Beisitzer angehören. Dies ist erforderlich, um die den Richtern oft mangelnde oder nicht genügende Kenntnis der Verhältnisse zu ersetzen und zu ergänzen. Recht und Gerechtigkeit bleiben aber trotzdem bestehen. Die Entscheidung ist streng nach den Grundsätzen der Strafprozeßordnung erfolgt. Zu der
Urteilsbegründung übergehend, führte der Vorsitzende u. a. aus: Zunächst wird durch die Verhandlung vollständig geklärt, daß der Bund Wiking nichts weiter ist als die Fortsetzung der
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Englisch-italienische Geheimabkommen?
Die Lage aus dem Balkan ist nach wie vor gespannt. Serbische Blätter wissen von großen Rüstungen Italiens zu melden, während die italienische Pres-e umgekehrt behauptet, daß Jugoslawiens Rüstungen gegen Albanien über alle Maßen stark seien. Der Versuch der Großmächte, zwischen beiden Streitenden zu vermitteln, hat bisher zu keinem Ergebnis geführt. In Jugoslawien erregt die
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1 Haltung, die England in diesem Konflikt einnimmt, bittere i Enttäuschung. Die offiziöse Belgrader Zeitung „Wreme" spricht die Vermutung aus, daß England Italien gegenüber die Hände gebunden zu sein scheinen, so daß es also in diesem Konflikt nicht so auftreten kann, wie Jugoslawien es für richtig halten würde. Zur Bekräftigung dieses Verdachts bringt das Blatt die Nachricht, daß zwischen England und Italien ein Abkommen besteht, nach dem England die italienischen Ansprüche auf dem Balkan anerkennt, überdies sei ein Flottenabkommen zwischen England und Italien geschlossen worden, in dem ein gemeinsames Vorgehen im Mittelmeer geregelt ist. Man sicht, daß die Verhältnisse auf dem Balkan immer verwickelter und gefährdeter werden.
DZEchlaNA NN^ China.
Dr. Stresemann für einen friedlichen Ausgleich.
Neichsaußennrinister Dr. Stresemann gab dem ameri- ranlschen Journalisten Kuh ein Interview über Deutschlands Stellung zu China. Darin führte er aus, daß Deutschland, da es auf die sogenannten ungleichen Verträge verzichtet habe, von den jetzigen Ereignissen in China unmittelbar nicht berührt werde. Die deutsche öffentliche Meinung stehe den legitimen nationalen Forderungen der Chinesen freundlich gegenüber, könne aber andererseits auch die wirtschaftlichen Sorgen der fremden Kaufleute in China verstehen. Man sollte das Streben der Chinesen nach einem Übergang zu modernen Lebensformen unterstützen; so würde am besten der gesamten Menschheit gedient.
Dj e u t s ch l a n d sei vollkommen neutral sowohl den kämpfenden chinesischen Parteien gegenüber wie den Mächten, die sich , mit dem chinesischen Problem beschäftigen, und werde dabei von der deutschen öffentlichen Meinung unterstützt, wie der freiwillige Verzicht auf Waffenverschiffungen nach China seitens unserer Kaufmannschaft und Reeder gezeigt habe. Im übrigen stehe man in Deutschland auf dem Standpunkt, daß ein friedlicher Ausgleich im Interesse aller an China irlteressierteu Nationen gelegen wäre.
Anzeigenpreis: Kür Behörden, Genostenschaf, ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile O.Z0M., für auswärtige Kustraggeber 0.25 Mk.,für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark ❖ Bei Rechnungsstel- 7 lung hat Zahlung innerhalb 8 tragen zu erfolgen ❖ Tag- und Piahvorschristen unverbindlich.
4. Zahrgang
Organisation Consul; daß aber die O. C. ein Geheimbund im Sinne des Strafgesetzbuches ist, ist durch das Urteil im Prozeß gegen Hoffmann und Genossen festgestellt. Das Ziel des Wiking beschränkt sich nicht, wie dies bei der O. C. sestgestellt ist, ganz allgemein auf einen Kampf gegen die Verfassung. Es ist vielmehr nachgewiesen, daß der Bund Wiking die Errichtung der völkischen Diktatur erstrebtè: einmal auf dem Wege einer Propaganda, andererseits auf dem Wege der Beeinflussung des Reichspräsidenten. Diese Beeinflussung war etwa in der Weise gedacht, daß man an den Reichspräsidenten herantreten sollte, um ihn zu bewegen, den Artikel 4S der Reichsverfassung anzuwenden und einen Ausnahmezustand zu errichten, sowie den Reichstag, falls dieser nicht damit einverstanden sein sollte, aufzulösen und immer wieder aufzulösen, bis er mit der Ernennung des Diktators und den dadurch geschaffenen Verhältnissen einverstanden sei. Ob dieses Ziel ein widerrechtliches oder ein ungesetzliches war, kann hier bei der Beurteilung der Frage, ob es sich um einen Geheimbund handelt, unerörtert bleiben; denn ein Geheimbund liegt auch.dann vor, wenn lediglich legale Ziele verfolgt, diese aber der Regierung verschwiegen und so einer Kontrolle entzogen werden.
Olympia bleibt ebenfalls verboten.
Trotz dieses Urteils bleibt der Olympiabund weiter verboten, denn außer dem Verbot wegen Staatsfeindlichkeit und Geheimbündelei, gegen das sich die Beschwerde der Verbände allein richtet, besteht ein zweites Verbot wegen des militärischen Charakters der Verbände. Dieses Verbot hat der preußische Innenminister mit Zustimmung der Reichsregierung erlassen, und dieses zweite Verbot s ist nicht angefochten, kann auch nicht angefochten werden. , Die Olympia bleibt also genau so verboten wie der Wikina.
ThürmKmrs Neue BZrgsn'Kgiemng.
Unterstützung durch Deutschnationale und Nationalsozialisten.
Der Landtag von Thüringen hat die vorgeschlagene bürgerliche Regierungsliste mit 29 gegen 25 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Danach übernimmt Dr. Leutheußer (Deutsche Volkspartei) Vorsitz, Volksbildung und Justiz, Dr. Paulsen (Demokrat) Inneres und Wirtschaft und Dr. Toelle (Deutsche Volkspartei) die Finanzen. Außerdem sind dem Landbund, der Wirtschaftspartei und den Demokraten Staatsratsposten zugebèlligt worden. Die Regierungskrise ist also nach einer Dauer von drei Monaten vorläufig überwunden.
Die Deutschnationalen erklärten, dieses Kabinett nur mit gemischten Gefühlen unterstützen zu können. Die Nationalsozialisten ließen sich dazu erst in letzter Stunde auf eine Erklärung der Demokraten hin bestimmen, die die verfassungsmäßige politische Bewegungsfreiheit zusichert. Die Sozialdemokraten lehnten dies ab und beanstandeten die in Rücksicht auf Ansprüche einer Regierungspartei vorgenommene Erweiterung des Kabinetts um einen Sitz. Der kommunistische Antrag auf Auflösung des Landtags wurde gegen die Stimmen der Kommunisten bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten abgelehnt. Darauf vertagte sich das Haus auf 14 Tage.
Sie AeberMemmung in Amerika.
Dammsprengungen bei New Orleans.
Oberhalb New Orleans wurde zur Rettung der Stadt der Podyrasdamm gesprengt. Durch diese Maßnahme wurden 5000 Leute von ihren Besitztümern vertrieben. Bei der Räumung spielten sich ergreifende Szenen ab. Infolge der Sprengung des Dammes wurde ein Gebiet von 450 000 Acres neu überschwemmt, wodurch Sachwerte im Betrage von zwei Millionen Dollar vernichtet wurden.
Die Sprengung des Mississippidammes scheint nach Meldungen aus New Orleans die Erwartungen der Ingenieure nicht erfüllt zu haben, da nur ein kleiner Teil der Dynamitladungen explodierte. Der Damm ist nur an drei Stellen durchbrochen, so daß die riesige Wassermenge nicht den notwendigen Abfluß hat. Die Bedrohung New Orleans' besteht unter diesen Umständen weiter fort. Der Fluß steht bei der Stadt fast auf gleicher Höhe mit dem Damm. 10 000 Mann arbeiten Tag und Nacht an der Verstärkung des Dammes durch Sandsäcke. Eineinhalb Millionen Sandfäcke sind bereits aufgebaut und drei Millionen Sandsäcke stehen noch zur Verstärkung bereit. Der Gesundheitszustand ist sehr schlecht. In Mount City (Illinois) sind die Blattern ausgebrochen. Die schlechte Trinkwasserversorgung begünstigt im ganzen Überschwemmungsgebiet den Ausbruch ansteckender Krankheiten.
Das Hochwasser in Arkansas bat zu einem D a m m - bruch am Süd u fe r des Arkansasflusses geführt, durch den fast der ganze Südosten des Staates unter Wasser gesetzt wurde. Seit mehreren Tagen war ein Heer von Menschen damit beschäftigt, den Damm zu verstärken, jedoch erfolgte der Bruch unvermutet einige hundert Meter vor der Stelle, die am meisten gefährdet erschien. Die tiefergelegenen Landesteile sollen bis zu zehn Metern unter Wasser stehen. Die Ortschaftön, über die sich die ausströmenden Wassermassen ergossen, wurden rechtzeitig geräumt, da die Bevölkerung sofort nach dem Dammbruch durch Flugzeuge von der drohenden Gefahr benachrichtigt wurde.