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Zulöaer Anzeiger
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§r. 102 — 1927 Fulda, Dienstag, 3. Vkai 4. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
I# Die diesjährigen Maifeiern sind im ganzen Reiche ohne iihcbliche Ruhestörungen verlaufen.
: * General der Artillerie von Scholtz, Führer der 8. Armee N Weltkriege, ist in Ballenstedt im Alter von 75 Jahren ge- jtorlicn.
* Beim Endkampf um die Deutsche Schwergewichtsmeister- Majt im Boxen wurde Breitensträter von Rudi Wagener durch Zerschlag besiegt. Wagener wurde als deutscher Meister Mnufen.
i * Las Kohlenbergwerk Everettsville in Westvirginia wurde Wirch eine Explosion betroffen, die 90 Bergleute verschüttete. ; Mn hält sie für verloren.
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st Die Ostmark.
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Von einem Teilnehmer an der soeben beendeten Ost- markentagung der Deutschnationalen Volkspartei in Benthen (O.-S.) wird uns geschrieben:
In der Ostmark liegen die Wurzeln der Deutschnationalen Volkspartei und darum finden die Tagungen ihres Ostmarkenausschusses weit über den Kreis der Partei hinaus Beachtung. Seit die Führer dieser Partei auch in der Reichsregierung sitzen, gewinnt eine Tagung, wie sie dieser Ostmarkenausschuß jetzt in Beuth en in Ober- schlesieu veranstaltete, noch mehr an Bedeutung, besonders dann, wenn der Reichsjustizminister Hergt, der ja zugleich auch Vizekanzler ist, auf dieser Tagung wichtige Ausführungen macht. Er betonte dabei nachdrücklich, daß er nicht etwa im Auftrage des Kabinetts spräche, aber es ist wohl selbstverständlich, daß er die Auffassungen der beseitigen Regierung über das Grenzmarkenproblem im Osten wiedergibt.
Ebenso wie in seinen Worten, so treten in den Aus- suhrungen wohl aller anderen Redner und Rednerinnen - auch derer, die aus Danzig und von jenseits der Grenze her nach Beuthen gekommen sind — immer wieder brei Gesichtspunkte heraus. Zunächst ist diese Grenze — um ein Wort des Vorsitzenden des Ostmarkenausschusses, Exzellenz von Kries, zu gebrauchen — eine „inter- aoponale Sehenswürdigkeit". Einen allzu bitteten Bei- Ugeschmacl freilich hat dieses humoristische Wort, wenn man festskllen muß, mit welcher Raffiniertheit der chinesische forschende beri Völkerbundkommission vor fünf Jahren i Grenze zog. Freilich legt man trotzdem in Ober- wi ien die Hände nun keineswegs in den Schoß, ob» wohl man an allen Ecken und Kantèn durch jene „inter- knationale Sehenswürdigkeit" behindert wird. Reichs- liumznunister Hergt legte in seinen Ausführungen des l wetteren das entscheidende Gewicht darauf, zu erklären, faß Oberschlesien, überhaupt die ganze östliche Grenzmark, den Bemühungen um den Wiederaufbau nicht allein »gelaßen werden darf. Vor ihm hatte der frühere Ober- |Bürgermeister von Köln, Staatsminister a. D. SB all» Im™ d" jetzt Zweiter Vorsitzender der Deutschnationalen k^olkspartei ist, einen Gesichtspunkt herausgearbeitet, den Minister Hergt noch weiter entwickelte: Gewiß I ""ben die Ereignisse am Rhein, an der Ruhr und der Saar die Blicke des deutschen Volkes nach dem Westen gedreht, mußte solange der Osten als »weniger wichtig im Kampf um die Erhaltung unseres DVolkstums erscheinen. Im Westen ist aber jetzt eine ge» Ne Beruhigung der Verhältnisse eingetreten und darum l wendet sich, müßte sich wenigstens das Augenmerk des k deutschen Volkes wenden auf den Osten. Mit befon» I derer Schärfe betonte Hergt, daß die neue Regierungs- I walition an ein „Ostlocarno", also an eine freiwillige beut» I W Anerkennung der verrückten Grenzziehung im I deutschen Osten nicht denke. In dieser Ansicht treffen sich I dw Deutschnationalen unbedingt mit den Anschauungen »Luch der anderen Parteien und das gab der ganzen IAthener Ostmarkentagung das überparteiliche »Gepräge. Ebenso ist man sich darüber einig, daß die Iyeutmarfenfrage im Osten wie im Westen eben keine INelegen^eit der Grenzmarken allein ist, sondern Sache 115 gesamten deutschen Volkes. Gegenüber dem Abwebr- I As im Westen, aber ganz besonders im Osten müssen ■ "Argen auch die parteipolitischen und nicht zuletzt auch s lvnfessionellen Verschiedenheiten zurücktreten hinter I "bersten Pflicht der Wahrung unseres Volkstums. I Charakteristisch für die Tagung war noch ein Weiteres. I A 8 rauen spielten auf ihr eine nicht bloß rednerisch I Ahge Rolle und — auch hier kommt die in Grenzmark- I Men so überaus notwendige Überparteilichkeit ; A zum Ausdruck — der Kamps in der Ostmark wird I wit lautem Getöse geführt, sondern er ist ein stiller, I Mr Kampf, in dem nun gerade die deutsche Frau als I ^wtln und Mutter eine bedeutsame, vielleicht entschei- I Rolle spielt. Immer wieder klang es durch die t ^fUhrunqen aller Redner, daß die Erhaltung des Deutschtums diesseits und jenseits der Grenze aufs engste oerkuüpft ist gerade mit der stillen Arbeit der deutschen ! wu, die den kommenden Geschlechtern die deutsche Kul- Ntfdje Sprache und Sitte zu übermitteln hat.
I Wir können die Arme jetzt wieder regen im Osten wie testen. Dort ist man sich dessen bewußt, was Grenz- [ M^Politk heißt; aber die Kenntnis der Notwendigkeit ^Kampfes auch in den Norden, in die Mitte und in M Suden des Reiches hineinzutragen, ist eine Aufgabe Me der politischen Parteien, und das ist erfreulicher.
1 liC eine gemeinsame Aufgabe.
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Angenommene Entschließungen.
An^M Schluß der Tagung fanden zwei Entschließungen
Die eine drückt'den Memelländern die .der Deutschnationalen Volkspartei aus und ' dei der Regierung mit allen Mitteln dahin zu daß noch nachträglich den Memelländern das
As Jemilldemz Ser NsMWtrM».
Deuffcher Schritt in der Vesaßungssrage?
„Der geeignetste Zeitpunkt."
Ein Berliner Blatt will aus gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen erfahren haben, daß Deutschland in allernächster Zeit Schritte zur Aufnahme von Verhandlungen über die Verminderung der Besatzungstruppen unternehmen wird. An den zuständigen Berliner Stellen war eine Bestätigung dieser Nachricht, die immerhin einiges Aufsehen erregen dürfte, noch nicht zu erlangen.
Sollte sich die Nachricht bewahrheiten, so würde Deutschland diesen Schritt früher unternehmen, als es bei den zuständigen Behörden ursprünglich geplant war. Die dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann nahe- itehende Diplomatisch-politische Korrespondenz hat erst vor kurzem darauf hingewiesen, daß Deutschland sich bei der letzten Völkerbundtagung in Genf ausdrücklich den ihm geeignetsten Zeitpunkt vorbehalten habe, um die Verhandlungen über diese Frage einzuleiten. Als dieser Zeitpunkt war von der gleichen offiziösen Nachrichtenstelle die Beendigung der von der Interalliierten Militärkontrollkommission geforderten und von Deutschland nach langwierigen Verhandlungen zugestandenen Schleifung zahlreicher Anlagen der deutschen Ostbefestigungen ange» angegeben, was etwa im Hochsommer der Fall sein dürfte.
Wie dem auch sei, eines steht fest, daß die Forderung nach Verminderung der Besatzungstruppen, in der sich alle Parteien Deutschlands einig sind, nicht verschwinden wird, bis Frankreich endlich seinem bereits gegebenen
Selbstbestimmungsrecht verliehen wird. Die zweite gibt der Überzeugung Ausdruck, daß keine deutsche Regierung jemals Bindungen eingehen werde, die als Anerkennung des dem deutschen Osten angetanen schweren Unrechts ausgelegt werden könnten.
Die Lage der deutschen Landivirffchafi.
Eine Rede Dr. Haslindes.
In Saarbrücken sprach der ehemalige Reichsernährungsminister Haslinde über „Lage und Zukunft der deutschen Landwirtschaft". Er führte u. a. aus: Die deutsche Agrarwirtschaft besitze die große Bedeutung als Tragfläche für die Industrie und für die Beschäftigung der industriellen Arbeiterschaft. Das Gesamtbild der deutschen Landwirtschaft erscheine heute nicht mehr so drohend wie noch bei Beginn des Vorjahres. Es würde noch weit besser sein, wenn uns nicht die U n g u n st d e r Witterung im letzten Herbst eine leider nur recht mäßige Ernte gebracht hätte. In der Entwicklung eines starken leistungsfähigen Landwirtschaftsrates liege eine wesentliche Zukunftsaufgabe unserer Landwirtschaft. Weiter sei ein dringendes Problem der nächsten Zukunft die Siedlung. Eine großzügige Siedlung, besonders an den östlichen Randgebieten, sei dringend ge» boten. Zum Schluß wies er auf die Notwendigkeit der Schaffung internationaler Organisationen der Landwirtschaft hin.
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Beendigung der Internationalen Getreidekonferenz.
Die in Rom tagende Internationale Getreidekonferenz hat ihre Arbeiten beendet. Eine zweite Internationale Getreidekonferenz soll im Jahre 1930 wieder in Rom stattfinden. Der deutsche Vertreter Baur hob in der Schlußsitzung hervor, daß der Kampf um das Ge - treibe im wesentlichen einen Kampf um den Weltfrieden darstelle.
Der 1. Mai.
Ruhiger Verlauf im In- und Ausland.
Der 1. Mai ist von den Anhängern des Sozialismus im In- uttb Auslande durch die seit Jahren bekannten Maifeiern begangen worden. Im großen und ganzen verliefen die Feiern ohne Störungen. In Berlin demonstrierten nach einer polizeilichen Schätzung etwa 50 000 Personen vor dem Schloß, wo der Vorsitzende des Holzarbeiterverbandes, Tarnow, in seiner Ansprache betonte, daß der 1. Mai heute mehr denn je das Symbol eines Friedensfeiertages sei. Bemerkenswert war noch die Veranstaltung der Berliner Gruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. In einer stark besuchten geschlossenen Versammlung sprach Adolf Hitler über die Ziele des Nationalsozialismus, nämlich zu einen und Deutschland wieder zur Freiheit zu führen. In den Abendstunden kam es zu kleineren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei, die aber ohne ernste Folgen blieben.
Auch im Ausland hatten die Maifeiern eine starke Beteiligung zu verzeichnen. Bei einer Feier in London kündigte der Sekretär des Englischen Bergarbeiterverbandes, Cook, als Kampfmittel gegen die neue Gewerkschaftsvorlage, die bekanntlich die Bewegungsfreiheit der Gewerkschaften in England stark einengt, einen neuen General streik an. In Moskau trug die Maifeier den Charakter eines großen Volksfestes. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand eine Demonstration, an der etwa eine Million Menschen teilnahnt. Der Demonstration ging eine Truppenparade voraus.
Versprechen nachkommen wird, daß die Besatzungstruppen höchstens die Stärke aufweisen dürfen, die der Stärke der deutschen Garnisonen in früherer Zeit entspreche.
VesaHungszwischensall in Düren.
Ein bemerkenswerter Besatzungszwischenfall hat sich in der Wilhelmstraße in Düren in nächster Nähe der Polizeihauptwache abgespielt. Zwei Knaben, ein Deutscher und ein Franzose, hatten eine kleine Auseinandersetzung, ohne daß es zu Tätlichkeiten gekommen wäre. Zwei zufällig vorübergehende Zivilpersonen griffen ein. Der deutsche Junge lief davon, worauf eine der Zivilpersonen ihn einzuholen versuchte und schließlich mit dem Stock nach ihm warf. Der Stock zerbrach an einer Mauer und die Splitter verursachten bei einer vorübergehenden Frau eine leichte Hautabschürfung. Ihr Mann, der Schlosser Heinrich Inden, ging aus den Stockwerser zu, um ihn zur Rede zu stellen. Dieser legitimierte sich als ein französischer Kriminalbeamter, erklärte Inden für verhaftet und fesselte ihn mit einem Strick am linken Arm. Als Inden erklärte, freiwillig folgen zu wollen, wurde die Fessel gelöst. Inzwischen war der Pflasterer Joseph Schmitz hinzugekommen, um Inden beizustehen; er wurde ebenfas verhaftet und beide alsdann abgeführt.
Während Inden auf die Vorstellung der deutschen Polizeiverwaltung hin entlassen wurde, ist Schmitz ins Gefängnis eingeliefert und bisher auch nicht wieder entlassen worden. Von deutscher Seite sind alle Schritte unternommen worden, um auch Schmitz aus der Haft zu befreien.
General v. Gchsltz f.
Heimgang eines bekannten Heerführers.
In Ballenstedt, wo er als Ehrenbürger der Stadt lebte, istGeneral der Artillerie v. Scholtz gestorben. Er hat ein Alter von 76 Jahren erreicht.
General v. Scholtz war in Flensburg geboren. Er nahm an dem deutsch-französischen Krieg 1870-71 teil und avancierte als Offizier schnell bis zum General. Im Weltkriege führte er ein Armeekorps in Ostpreußen, nahm 1915 an der Eroberung der russischen Festungen und an dem Vormarsch im Baltenlande teil, 1917 kam er zur Saloniki- und zur rumänischen Front, wo er bis zum Ende des Krieges verblieb. Für die Erstürmung der russischen Festung Grodno hatte er den Pour le mérite erhalten.
politische Rurwschâ Deutsches Reich.
Einheit von Reich und Nation.
Auf der Landesversammlung der Deutschen Volks- Partei Badens, die in Konstanz stattfand, sprach Reichs- Wirtschaftsminister Dr. Curtius über politische und wirtschaftliche Gegenwartsfragen. Sei auch, so sagte der Minister, die Zurückhaltung der öffentlichen Meinung in Deutschland gegenüber der Weltwirtschaftskon- f e r e n z verständlich, so müsse sich die deutsche Delegation doch aktiv einstellen, um die Solidarität der Völker zu fördern, jeden Protektionismus zu beschneiden und zur Erreichung praktischer Ziele beizutragen. Weiter betonte Dr. Curtius, daß die Arbeitsgemeinschaft der gegenwärtigen Regierungskoalition durch die Erledigung so wichtiger gesetzgeberischer Arbeiten in den Etatsgesetzen, des vorläufigen Finanzausgleichs und des Notgesetzes über die Arbeitszeit eine Befestigung erfahren habe. Große Probleme harrten jedoch noch der Lösung. Ferner forderte der Redner die baldige Erledigung des Neichsschulgesetzes. Wenn um die Lösung dieser das ganze Volk bewegenden Frage gerungen würde, schloß Dr. Curtius, so dürfe sich das Ringen nur unter dem obersten Gesetz unseres gesamten politischen Handelns vollziehen: der Erhaltung der Einheit von Reich und Nation.
Die Reform der öffentlichen Verwaltung.
Auf der Tagung des Westsälisch-Lippischen Wirtschaftsbundes in Bad Eilsen sprach der Reichstagsabgeordnete Most über eine notwendige Verwaltungsreform. Er wies darauf hin, daß unsere öffentliche Verwaltung heute an einem Übermaß von Vergeudung wertvoller Kräfte, einer Vergeudung von Mitteln und Menschen, einem Leerlauf, leide. Das Hauptübel liege in unserer heutigen Gesetzgebung, die dringend einer Reform bedürfe. Denn mehr als man allgemeinhin glaube, greife diese Frage auch in das Problem der öffentlichen Verwaltung hinein. In Deutschland bestehe ein Übermaß von gesetzgeberischen Zielen, die in den feinen Organismus der öffentlichen Verwaltung schädigend eiugriffen. Änderung sei hier notwendig. Diese sei aber ohne eine Änderung der Verfassung nicht durchzuführen. Landtagsabgeordneter Dr. Jacobs-Hagen warnte vor der allgemein verbreiteten Meinung, daß es der deutschen Wirtschaft in allen Zweigen bereits ivieder gut gehe. Die Tagung fand ihren Niederschlag in einer Entschließung, die eine Arbeit der Regierung und der Parlamente im Sinne der oben angedeuteten Reform der öffentlichen Verwaltung forderte.