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M-aer Anzeiger

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zir. 113 1927

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg MSa- und Haunetal >§ulöaer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-flnschluß Nr. 989

Nachüruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »ZulSaer flnzeiger"geslaüet.

^sttlda, Montag, 16. Mai

Anzeigenpreis: §ür VehSröen, Genossenschaf­ten,Banken usw. betragt öieKleinzekle 0.Z0M., für auswärtige Bustraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle «nöeren 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Fühlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Platzvorfchristen unverbinülich.

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichsernährungsminister Schiele teilte im Reichstage mit, te vorläufig keine Einsuhrscheine zur Getreideeinfuhr erteilt - «rden.

I * Finanzminister Höpker-Aschoff äußerte sich im Preußischen hiiMafl über die Börsenkrise und betonte, die ergriffenen «^nahmen würden hoffentlich das Geld mehr von der Börsenspekulation ab- und zu festverzinslichen langfristigen Änlèihen hinlenken. ,

* In Magdeburg wurde die Deutsche Theaterausstellung mit größeren Feierlichkeiten eröffnet, wobei Staatsminister a. D. Witz und preußischer Kultusminister Dr. Becker beackitens- wcNe Reden hielten.

* An der Berliner Börse trat nach den enormen Kursstürzen der letzten Tage eine leichte Erholung auf fast allen Markt­gebieten ein.

* Die Londoner Polizei hat verschiedene Safes der russischen Handelsgesellschaft gewaltsam sprengen lassen.

Seiten desschwarzen Vörsentages"

Von einem namhaften Börsenkenner wird uns aus Berlin geschrieben: Auch wer bereits Jahrzehnte hindurch die Börse besucht, wer den Tag des Zusammen- Mchs der Leipziger Bank erlebt hat, den Ausbruch des Äalkankrieges, die deutsche Kriegserklärung An- Mg August 1914, das furchtbare Ende des Weltkrieges und ähnliche Ereignisse an der Börse, wird sich nicht er­innern, jemals auch nur einen entfernt ähnlichen Kurs- ,iurz und eine derartige Panik in den Staunten der Börse gesehen zu haben, wie sie sich am 13. Mai 1927, einem in der Tatschwarzen Freitag", zugetragen haben. Er­klärlich sind diese Vorgänge freilich nur, wenn man die ganzen Z u s a m m e n h ä n g e kennt. Man muß sich der Tatsache entsinnen, daß die Börse sich seit geraumer Zeit schon in aufsteigender Linie bewegte, und zwar mit kurzen Unterbrechungen seit mehr als Jahresfrist; eigentlich seit dem Beginn des Jahres 1926. Immer größer war all­mählich die Zahl derer geworden, die an dem Goldsegen und Goldregen der Börse teilnehmen wollten. Aus hiesigen Großbankkreisen wurde schon vor Monaten auf die Gefahr hingewiesen, die darin bestehe, daß immer weitere Kreise nu,^lw an der Börse erzielen wollten und daß uuch zahlreiche Personen sich dort beteiligten, die weder Er­fahrung noch Kenntnisse auf diesem Gebiete besaßen, die aber außerdem, was das Bedenklichste war, an der Be­wegung teilnehmen wollten, obwohl ihnen auch die g e - äugenden Mittel zum Kauf von nennenswerten Effektenmengen fehl t e n.

Die Banken und Bankfirmen gewährten indessen bereitwillig K r e d i t, und zwar in bestimmten Grenzen, die durch die verschiedenen Bankvereinigungen genau fest- gelegt waren und in denen man kein übermäßiges Risiko erblickte. Je höher aber die Kurse stiegen, um so größer wurde die Gefahr, und außerdem wurde das Publikum verlockt, nachdem ihm ein Geschäft geglückt war, ein zweites einzugehen, alsdann ein drittes und so weiter, aber die Beträge auch nach Möglichkeit zu erhöhen.

Dadurch dehnte sich die Beteiligung am Börsengeschäft immer weiter aus und die Börse wurde für zahlreiche Leute der Mittelpunkt ihrer Interessen, weil sie hofften, dort zu großen Reichtümern zu gelangen, die sie auf andere Weise niemals hätten erwerben können. Zwar wußte jedermann, daß einmal ein gewisses Ende der Be­wegung kommen müsse und werde. Aber das konnte âch noch lange, lange Zeit hinausziehen, wie die meisten Leute hofften.

Ganz urplötzlich ist jedoch der Aufwärtsbewegung ein Ende bereitet worden, und zwar durch ein Machtwort des Aeichsbankpräsidenten. Offenbar glaubte Reichsbank- dmsident Dr.' S ch a ch 1 die deutsche Währung bedroht und w einer Versammlung sämtlicher Berliner Großbanken sÄärte er, die Kredite bei Aktienkäufen an der Börse lowie die Beleihung von Aktien müßten um 25 % zunächst i ^»geschränkt werden, später um einen weiteren Betrag. I ^s mußte ohne weiteres den Anstoß zu einem vollkomme-

l Zusammenbruch an der Börse geben; denn die ganze Nenlage war im wesentlichen auf Kredit aufgebaut, und N also keine Möglichkeit hatte, feine gekauften Effekten

«zahlen, mußte an den Verkauf denken, weil die Bank M nicht mehr den bisher gewährten Kredit geben konnte.

Es wurde gewissermaßen die Parole ausgegeben: Mtte sich, wer kann!" Verkaufen um jeden £r e i 8 war die Losung, verkaufen, um nicht später zu .Reicht noch schlechteren Kursen verkaufen zu müssen. So «tn es denn zu Kursrückgängen von 50, von 80, von M ^ und darüber. Ungeheure Verluste sind entstanden, üturlich nicht etwa für die Börse allein, sondern für Atteste Kreise, die sich haben verleiten lassen, den Lockun- N der Börse zu folgen und dort ihr Glück zu versuchen.

ungeheuer groß die Gefahren sind, die jedermann â besonders dem Unkundigen beim Börsenge- Mst drohen, hatte kein Mensch vorher recht Mcht; alle Welt wollte nur verdienen und reich werden. Anstatt dessen sind die meisten viel ärmer geworden, wenn

rechtzeitig verkauft hatten, und die Börse hat sich Mer einmal als ein trügerischer Boden, als eine Gefahr IM Neueste Kreise erwiesen, die ihren Lockungen gefolgt und nun anstatt der erträumten Gewinne schwere "usst erlitten haben.

Lehren desschwarzen Freitags" werden aber bFKnge nachwirken und es dürfte geraume Zeit dauern,

Millionen von Leidtragenden diesen Tag und Verluste verschmerzt und vergessen haben werden.

Dm?^^dentlich verbreitete Meldungen, wonach der bet Reichsbank auf die Banken zur Ein^rankung Wntrebite auf einem zustimmenden Kabmetw-

Die Londoner Sowjeifafes gesprengi

Die maskierten Tapetentüren.

Die Londoner Polizei hält die Bureauräume der russischen HandelsgesellschaftArcos" weiterhin besetzt, zumal sich die Russen weigern, die Schlüssel zu mehreren Geldschränken auszuliefern, auf deren Durchsuchung die Polizei besteht. Sie hat drei Panzerschränke in den Wän­den entdeckt, die durch Tapetentüren maskiert waren. Die Weigerung der Arcos-Gesellschaft auf Auf­lieferung der Schlüssel hat die englische Polizei zu einem Schritt veranlaßt, wie er dramatischer auch in Kriminal­romanen nicht geschildert werden kann. Sie geht nämlich mit modern stenEinbrecherwerkzeugengegen die russischen Panzerschränke vor, wobei sie pneumatische Bohrer und einen Azetylengasapparat verwendet. Das rasselnde Geräusch dieser Bohrer lockte große Mengen Neugieriger herbei, die sich vor den russischen Gebäuden angesammelt haben.

Den Bemühungen der Londoner Polizei ist es, wie Daily News" meldet, gelungen, bisher drei Geldschränke zu sprengen. Die darin vorgefundenen Dokumente wur­den einer besonderen Abteilung zur Bearbeitung über­geben.Daily Telegraph" meldet, daß sich in einem Safe Tische und Stühle gefunden hätten, woraus geschlossen wäre, daß diese zu geheimen Versammlungen benutzt wor­den seien. Über den Grund der Durchsuchung wird noch immer von den Londoner Behörden strengstes Still­schweigen bewahrt. Selbst die Neugierde einiger eng­lischer Abgeordneter, die im Unterhaus die Regierung mit Fragen über die Durchschuung in den russischen Bureau­räumest bestürmten, wurde nicht befriedigt. Sie wurden vielmehr auf den Beginn dieser Woche vertröstet, wo dem Unterhaus dann das Ergebnis der Durchsuchung und der Grund für das Vorgehen der englischen Polizei be­kanntgegeben werden sollen.

Empörung in Moskau.

In einer eingehenden Beira chümg über Hw Haus­suchung der englischen Polizei in den Räumen der Arcos schreibenJswestija", der durch das Pekinger Beispiel angeregte Londoner Überfall sei der Beginn einer Ver­wirklichung der in der Chamberlain-Note enthaltenen Androhungen eines Abbruchs der Be­ziehungen. Der Londoner Überfall, so führt das Blatt weiter aus, versetze auch der Weltwirtschaftskonfe-

Leschluß beruhe, trifft, wie verlautet, nicht zu. Ins­besondere hat das Kabinett keinen Beschluß tn der Richtung gefaßt, gegebenenfalls auf dem Wege des gesetz­lichen Zwanges gegen die Banken vorzugehen. Das Kabinett hat lediglich einen Vortrag des Reichsbank­präsidenten über die Angelegenheit zur Kenntnis genom­men. Auch die Behauptung, daß bei dieser Gelegenheit Übereinstimmung der zuständigen Resiortminister mit dem Reichsbankpräsidenten festgestellt wurde, ist nicht richtig.

Die BsrLL'ngerZmg

des AepUhlikschutzAssetzss.

Einigung der Regierungsparteien.

Nachdem sich die Regierungsparteien in langwierigen Besprechungen über die Verlängerung des Republik schutzgesetzes geeinigt haben, haben sie im Reichstag jetzt einen Initiativantrag eingebracht. Dieser Antrag hat folgenden Wortlaut:

§ 1. Die Geltungsdauer deS Gesetzes zum Schutze der Republik vom 31. Juli 1923 in der Fassung des Abände- rungsgesetzes vom 31. März 1926 und 8 Juli 1926 wird um zwei Jahre verlängert. Die noch bestehenden Zu­ständigkeiten des Staatsgerichtshofcs zum Schutze der Republik gehen aus das Reichsverwaltungsgericht und bis zu dessen Errichtung auf einen Senat des Reichs- gerichts über, der durch den Geschäftsverteilungsplan be- ftimmt wird.

Z 2. Dieses Gesetz tritt am 23. Juli 1927 in Kraft. Ferner beantragen die Regierungsparteien die Ent- schliesmug, die Reichsregierung zu ersuchen, in Erwägrm- gcn darüber einzutreten, für welche Vorschriften des Ge­setzes zum Schutze der Republik ein Bedürfnis der Bei­behaltung besteht.

Der Initiativantrag ist unterzeichnet von Graf Westarp (Dtn.) und Fraktion, von Guorard (Ztr.) und Fraktion, Scholz (D. VP.) und Fraktion, Leicht (Bayerische Volkspartei) und Fraktion.

Kegsy öie MWrechLliche Besatzung.

Eine Entschließung des Rheinischen Städtetages.

Auf dem in Godesberg zusammengetretenen Rheini­schen Städtetag wurde folgende Entschließung zur Rhein- landfrage a^iische Städtetag gibt seiner lebhaften Ent­täuschung und Entrüstung darüber Ausdruck, daß trotz aller» redlichen und opferwilligen Entgegenkommen des Reiches die fremde Besatzung noch immer auf rheinischem Boden steht und eine große Zahl rheinischer Städte weiter lähmt und bedrückt. Nach Artikel 431 des Friedensver­trages hat Deutschland einen Rechtsanspruch auf so­fortige Zurückziehung der Besatzungstruppen. Entgegen dieser klaren Rechtslage madben die Besatzunasmackte

i

gegen die Arc«.

renz einen schweren Schlag, zu der aus Betreiben der Großmächte, einschließlich Englands, die Sowjetunion zu- nezogen wurde, weil ohne ihre Teilnahme der Wiederauf­bau des europäischen Wirtschaftslebens unmöglich sei. Die englischen Handels- und Finanzkreise müßten er kennen, daß sie durch den Wegfall des russischen Marktes, der im Zusammenhang mit der beginnenden Durchführung des Jndustrialisierungsplanes besondere Bedeutung ge­winne, viel größere Einbuße erleiden werden als die Sowjetunion, denn dieser stünden zahlreiche Konkurrenten Englands zur Verfügung.

Mffischs AepreffalieK gsgen England.

140 Zentner Dokumente beschlagnahmt. .

Gegen das Vorgehen der Londoner Polizei gegen die russische Handelsgesellschaft Arcos wird Rußland wirt­schaftliche Repressalien ergreifen. Es heißt, daß alle ge­planten Aufträge für England fallengelaffen und die dies­bezüglichen Verhandlungen sofort abgebrochen werden sollen. Weiter verlautet, daß diese geplanten Bestellungen größtenteils nach Deutschland geleitet werden sollen. Als Protest gegen die Vorgänge im Gebäude der Arcos in London finden überall in der Sowjetunion Versamm­lungen und Demonstrationen statt. In Moskau wurden nach Arbeitsschluß in den Betrieben Versamm­lungen abgehalten, in denen von der Sowjetregierung ent­schiedene Maßnahmen verlangt werden. Die Gebäude der englischen Botschaft werden durch verstärkte Milizauf­gebote bewacht, die die Demonstranten, die ins Gebäude cinzudringen versuchten, zurückdrängten. Die Demon­strationen verliefen bisher ruhig. Die Teilnehmer be­schränkten sich auf gelegentliche Katzenmusik und Pfiffe. Es wurden in den Zügen Plakate getragen, die sich hauptsächlich gegen Chamberlain richten.

Wie dieEvening News" zu melden weiß, ist von der Londoner Polizei unter den beschlagnahmten Papieren ein überaus wichtiges englisches Staatsdokument gefunden worden, das man seit mehreren Monaten vergeblich ge­sucht habe. Die meisten Dokumente liegen aber in Chiffren vor und müssen erst mühsam von Sachverstän­digen und Sprachwissenschaftlern entziffert werden. Wahr­scheinlich werden sie mit den anderen beschlagnahmten Pa­pieren, die ein Gewicht von etwa 140 Zentnern Haben, nach dem Hauptquartier der Londoner Kriminalpolizei gebracht werden, wo sie dann bearbeitet werden können.

keinerlei Anstalten, das besetzte Gebiet militärisch zu räumen. Vielmehr deutet alles darauf hin, daß diese widerrechtliche Besetzung von ihnen noch lange Zeit fort­gesetzt werden soll. Nicht einmal die von den Mächten Zugesicherte sofortige Herabsetzung der Besatzungszahl aus die deutsche FrirdLusgarnisonstärke ist erfolgt.

Der Rheinische Städtetag verlangt mit dem ganze« Meinlande endlich die Erfüllung des deutschen Rechts­anspruchs. Er bittet die Reichsregierung, mit allem Nach- druck bei den Besatzungsmächten darauf zu dringen, daß dem Nheinlande endlich und ohne weitere deutsche G e g e n l e i st u n g e n die Freiheit werde, die ihm nach den internationalen Abmachungen völkerrechtlich zusteht.*

Zierliche SeWigung des Tiranapakèes.

Eine italienisch-albanische Erklärung.

Durch einen Notenwechsel zwischen Mussolini und dem albanischen Gesandten in Rom, Gemil Dino, haben die italienische und die albanische Regierung tn dem Wunsche, per zwischen ihnen in allen Fragen, die sich aus dem am 27 November 1926 in Tirana abgeschlossenen Freund- schafts- und Sicherheitspatt ergeben, bestehenden Solidari­tät und vollständigen Übereinstimmung sowie den von beiden Teilen begrüßten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Regierungen eine feierliche Be­stätigung zu geben, folgende Erklärung vereinbart:

Die italienische und die albanische Regierung erklären, daß für den Fall, wo eine fremde Macht oder mehrere fremde Mächte einzeln oder zusammen Verhandlungen einzuleiten wünschen, die die Auslegung oder Anwendung des Tiranapaktes oder die Beteiligung dritter Staaten an diesem Pakt oder schließlich die gesamten gemeinsamen Be­ziehungen zwischen Italien und Albanien betreffen, weder die italienische noch die albanische Regierung sich auf solche Verhandlungen einlassen wird, ohne daß vorher zwischen Italien und Albanien eine vorbereitende Fühlungnahme stattgefuttden hat, um die vollständige Übereinstimmung und die gemeinsame Teilnahme der beiden Vertragsmächte an solchen Verhandlungen sicherzltstellen.

SDeptto^malN m Kolsn.

Haussuchung bei einer Deutschen in Tarnowitz.

Oüerschlesischen Blättern zufolge zog eine Bande von sechs bis acht Aufständischen durch Chwallowitz im Kreise Rybnik. Sie drangen in die Wohnungen der neu- gewählten deutschen Oerneindevertreter ein und mißhandelten sie. Besonders schlimm er­ging es der Familie Walloschek, deren Wohnungstür m i t Gewalt gesprengt wurde. Die Bande schleppte Walloschek und seine Frau in den Hausflur und miß­handelte beide in der furchtbarsten Weise. Der Mann wurde am aamten Körper, besonders am Kovfe. schwer