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Kulöaer /lnZeiger

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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a- un- Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 119 1927

Fulda, Montag, 23. Mai

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Gemäß einem Kabinettsbeschluß hat der Reichskanzler an den preußischen Ministerpräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem Vorstellungen wegen der bekannten Rede des Ober- präsidenten Hörsing bei der Reichsbannertagung in Königsberg erhoben werden.

* Der Hansabund schloß seine Tagung mit einer Kundgebung für europäische Wirtschastsverständigung.

* In Dresden fand Lie Vertretertagung des Reichsland- bundes statt.

* Die Beisetzung der Opfer des Kaffeler Straßenbabn- unglücks fand unter großer Teilnahme der Behörden und der Bevölkerung statt.

Europäischer Handel.

über diese in Genf sowohl wie in den verschiedenen europäischen Ländern, nicht zuletzt in Deutschland, augenblicklich im Vordergründe stehende Frage wird uns von einem Sachverständigen geschrieben:

Die internationale Wirtschaftskonferenz in Genf neigt sich ihrem Ende zu und sie bemüht sich, zu festen Er­gebnissen zu kommen. Ob das in allen Punkten gelingen wird, ist freilich noch etwas fraglich, weil die Russen die Gelegenheit benutzen, um das von ihnen eingerichtete sozialistische Wirtschaftssystem vor der Welt auch formell zur Anerkennung zu bringen. Im übrigen waren ja besonders in den letzten Tagen die Geister gerade in der Hauptfrage, die den Kongreß zu beschäftigen hatte, sehr scharf aufeinandergeplatzt und diese Frage ist einer wirk­lichen Lösung trotzdem nicht nähergekommen, weil die Konferenz nur Vorschläge machen, nicht Beschlüsse fassen kann. Es handelt sich dabei um die Wirtschafts­Pol i t i s ch e n S ch u H m a u e r n , also den Streit darum, ob die Höhe der Zölle, die dazu bestimmt sind, die Eigen­wirtschaft eines Landes zu schützen, nicht letzten Endes ver­hängnisvoll wirken auf die europäische Gesamtwirtschaft und damit auch auf die Eigenwirtschaft aller Länder. Hierbei standen sich besonders die englische und die französische Meinung gegenüber und der stark frei­händlerische Standpunkt der Engländer dürfte bei den bevorstehenden Beschlußfassungen der Konferenz den Sieg erringen. Ob man sich allerdings davon eine praktische Wirkung versprechen kann, gerade jetzt, da in Frankreich der Kampf um den Zolltarif tobt, ist sehr fraglich. Viel wichtiger ist, daß in Genf beschlossen wurde, die H a n - delsminister aller an der Weltwirtschaftskonferenz beteiligten Staaten sollten zusammenkommen, um den Be­schlüssen und Anregungen erst einmal einen praktischen Hintergrund zu geben. Der englische Delegierte hatte nämlich den Antrag eingebracht, daß in den verschiedenen Ländern Regierungsmaßnahmen getroffen werden sollen, um den Entschließungen der Weltwirtschaftskonferenz überhaupt eine Wirkung zu verschaffen. So will denn auch, was man vielleicht als Folge der Konferenz be­trachten mag, der französische Hauptdelegierte von Genf nach Berlin reisen, um die d e u t s ch - s r a n z ö s i - schen Wirtschaftsverhandlungen wieder in Gang zu bringen. Er hat ausdrücklich erklärt, daß er die Absicht habe, einen Handelsvertrag wenigstens auf fünf Jahre zustande zu bringen, und zwar auf Grund eines festen Tarifes, und er hofft, daß eine Einigung in Berlin eher zu erzielen sein wird als bei den schon jahrelang währenden Verhandlungen, die in der Hauptsache in Paris vor sich gingen.

Selbstverständlich wird der französische Minister in Berlin auf ein weitgehendes Entgegenkommen rechnen können. Hat doch abgesehen von der Absicht der Re­gierung, gerade mit Frankreich endlich zu einem Abschluß der Handelsvertragsverhandlungen zu kommen bei­spielsweise der Deutsche Hansabund, also eine bedeutsame soeben tagende wirtschaftliche Organisation, sührende Wirtschaftler Englands und Frankreichs zu 6 Äußerungen veranlaßt, die für das allgemeine Streben f kach einer wirtschaftlichen Verständigung zwischen den feinen Ländern zeugen. Wenn der englische Sachver- x Mdige erklärt, daß man mehr und mehr einfe^e, ein I ."Wes Streiten um Obergewalt in der Weltindustrie > Mge eine gewaltige und nutzlose Verschwendung von : Mmögen und Energie mit sich, und der Franzose sich M anschließt mit dem Ausspruch, daß eine Senkung dec vEtarife m i t der internationalen Verständigung der Jn- Mrieu und mit der Rationalisierung allein ein wirkliches weltwirtschaftliches Vorwärtskommen ermöglichen könne, ° decken sich mit diesen Anschauungen auch die allgemeinen Märungen und Ansichten der Genfer Konferenz. Denn

hieß es:Das Problem, das wir zu lösen haben, ist W Selbstvernichtung durch besinnungslose Konkurrenz, Meern Verständigung über die besten Methoden, die an- ^Mndt werden können, um neue Märkte zu schaffen.

I M? scharfe Trennung der Rationen in wirtschaftlicher ^Kehung gibt cs nicht und kann es nicht geben." ., Die Absichten sind also klar und ganz nutzlos ist in- n ^dessen die Genfer Wirtschaftskonferenz nicht gewesen, I sie von diesen Strömungen in der Weltwirtschaft gegeben hat. Man darf sich freilich übertriebenen Innungen über ein sofortiges Auswirken dieser An- Muungen nicht hingeben, aber der Kampf um den Zoll­en V1 Frankreich beweist im übrigen, daß die Hochschutz- Strömungen in Europa nicht mehr so unbe-

I das Oberwasser haben.

" * .

Berliner Tagung des Hanfabmtdes. ba§ ^uf der Tagung des Hansabundes in Berlin verlangte I Prasidialmitalied M 0 sich unter dem Bestall ane I ferfc daß das Reich seine nicht un^hcbllchen Rc- I Suse "Eere, um dadurch dre Steuer last e^ I " nken. Ebenso forderte er eine Vereinfachung ocr

Lindberghs özeanflug geglückt.

über den Start Lindberghs zum Ozeanflug Newyorft * Paris werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die Entscheidung des jungen Fliegers Lindbergh, im Morgen­grauen zum direkten Fluge nach Paris zu starten, Der# breitete sich mit Windeseile vom Flugfeld und Tausende seiner Freunde rückten in Nacht und Nebel heran. Um 1 Uhr morgens ging ein heftiger Regenguß nieder, danach klärte sich das Wetter ständig auf. Lindbergh,The Kid Flyer", der Liebling des Newyorker Publikums, flog um

SZeanfllegec Lindbergh unb sein Flugzeug.

12.51 Uhr (Berliner Zeit) unter dem brausenden Jubel der Anwesenden ab. Der Start ging glatt vonstatten. Lindberghs Ryan-Eindecker wog startend 2140 Kilo­gramm. Die Startstrecke betrug fast 400 Meter, während

H er­hob. Die höchste EiKNgeschwlndlgkect, die oas Fcugzeug erreichen kann, beträgt 208 Stundenkilometer.

Eine starke Nebeldecke an der Küste von Neuengland verhinderte größtenteils die klare Sicht, jedoch wurde Lindbergh über Providence und später über Brockton (Massachusetts) gesichtet. Desgleichen überflog Lindbergh Metoghan in Neuschottland.

Skizze der Flugbahn.

500 Meilen vor Irland.

. Ein Funkspruch des Dampfers Empreß of Scotland" meldet, daß Lindbergh 5 0 0 Meilen von der iri­schen Küste entfernt gesichtet worden ist. Das Flugzeug hatte große Geschwindigkeit. Es könne um 8 Uhr Newyorker Zeit auf der Höhe von Irland erwartet wer­den. Auch von anderen Schiffen liefen Nachrichten,über

Haushaltsgestaltung bei Ländern und Gemeinden und die Einschränkung des Gesetzgebungsapparates. Von den Steuern ist in erster Linie die Gewerbesteuer abzubauen.

Zum Schluß der Tagung fand gemeinsam mit dem Anßenhandelsverband eine Versammlung statt, in der auch englische und französische Wirtschaftsführer sich für einen Abbau der Zollschranken cinsctzten. Die Völkerverständi­gung, so wurde betont, wäre zwecklos, wenn nicht die Staaten miteinander arbeiteten und so Frieden und Fortschritt der Menschheit erleichterten.

BeeihoveK-Feier èrr B'mZu.

Rede des Kultusministers Dr. Becker.

Zum deutschen Beethoven-Fest in Bonn am Sonntag, waren Reichskanzler Dr. M a r x, der preußische Kultus­minister Dr. B e ck e r, der griechische und der österreichische Gesandte in Belin sowie weitere hervorragende Persön­lichkeiten eingetroffen. Der französische Unterrichts- minister Herriot und als Vertreter der Stadt Lyon Beigeordneter Rambaux waren ebenfalls erschienen.

Der preußische Kultusminister Dr. Becker hielt die Festrede, in der er die überragende Erscheinung Beet­hovens charakterisierte, sein außergewöhnliches Lebens- Werk umriß und seinen künstlerischen Drang nach Freiheit und Wahrheit feierte. Der Minister schloß mit den Worten: Ein Jahrhundert ist vergangen, seitdem er den ewigen Frieden gefunden hat. Sein Leben ist vollendet, fein Wirken hât erst begonnen. Er hat uns den Frieden ge­bracht, aber auch den Krieg, heilige Unruhe, aber auch ein heiliges Ja. Ziehe deine Schuhe aus; denn hier ist heiliaes Land."

Beobachtung des in schneller Fayrr vezmoncyen yiuy zeuges ein. -

Byrd macht sich fertig.

Der Nordpolflieger Byrd will jetzt ebenfalls von Newyork nach Paris abfliegen. Er will nur noch dre Nachrichten über Lindbergh abwarten. Byrd -hat einen Funksender an Bord und will außer einem Ersatzpiloten auch noch einen Funkoffizier mitnehmen. Dann erhebt sich allerdings wieder die Frage der Belastung des Apparates.

Lindbergh in Pa is gelandet.

In 33 Stunden über den Ozean.

Im Beisein einer Menschenmenge von mehr als 100 060 Zuschauern landete der amerikanische Flieger Lindbergh in der Nacht auf Sonntag um 10.20 Uhr west- eurosäischer Zeit auf dem Pariser Fluavlatz Le Bouraet. ttberwättègenver Juoer empfing ryn. Er verliest an­scheinend körperlich frisch das Flugzeug. Starke Polizei- kräfte mussten ihn und das Flugzeug vor dem Andrang schützen. Das Flugzeug wurde sofort in der Flugzeughalle untergebracht. Lindbergh ist nicht genau auf dem übliche»- Landungsterrain niedergegangen, sondern etwa 100 Meter entfernt. Man hatte Mühe, dem amerikanischen B^"- schafter, der Wert darauf legte, Lindbergh als erster z, i begrüßen, einen Weg bis zu dem Flieger zu bahnen. Es wurde ein kurzer Empfang in einer der Flugzeughallen veranstaltet. Dann begab sich Lindbergh zur Erholung in ein Hotel, da sich bald herausstellte, daß er stark er- schöpft war.

Vor der Ankunft hatten dre von Zeit zu Zeit bekannt- gegebenen Meldungen von Stationen, die der Flieger passiert hatte, die Erregung der erwartenden Menge bis zur Siedehitze gesteigert. Lindbergh ist 25 Jahre alt und hat für die 6000 Kilometer weite Strecke 33% Stunden ge­braucht. Der Engländer Alcock brauchte im Juni 1919 bei der ersten Ozeanüberquerung im Flugzeug ohne Zwischen­landung 16 Stunden und 12 Minuten für den Flug von Neufundland nach Irland bei 3400 Kilometer Entfernung. Der ZeppelinkreuzerZ. R. Hl", der in Friedrichshafen am 12. Oktober 1924 startete, landete am 16. Oktober in Lakehurst nach 80 Stunden und 40 Minuten Flugdauer. Das Luftschiff hatte die längste Strecke zurückzulegen und bewältigte 10118,8 Kilometer ohne Halt. Das englische MilitärluftschiffR. 34" hat einen Ozeanflug nach Neu­fundland und weiter zur Newyorker Küste durchg'eführt, und zwar in rund 3% Tagen.

Lindbergh ist für seinen Ozeanflug keine Versicherung eingegangen. Er hat sich auch nicht für den Orteig-Preis eingeschrieben, der ihm 25 000 Dollar eingebrackst hätte. Seine Mutter lebt in St. Louis als Lehrerin für Chemie. Der Apparat Lindberghs hat einen 250-Pferdestärkcn- Motor und eine vollkommen geschlossene Führergondel, von wo aus Lindbergh nur mit Hilfe eines Periskops nach vorne sehen konnte. Das Gewicht des Flugzeugs im Augenblick des Startes, das heißt, also mit voller Benzin­ladung, war 2500 Kilogramm. Die Durchschnittsgeschwin­digkeit betrug 200 Kilometer in der Stunde. Er führte keinen Radioapparat mit sich.

x? Jubel in Newyork.

Ganz Newyork geriet in ungeheure Begeisterung beim Eintreffen der Nachricht von Lindberghs Erfolg. Die Sirenen der Schiffe im Hafen stimmten ein Freudengeheul an und überall ertönten Hochrufe auf den stark vom Publikum gefüllten Straßen. Lindberghs Namen war in aller Munde, die Zeitungen veranstalteten Extraausgaben, auf öffentlichen Blästen konvertierten Muükkavellen.

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preußischer Zenirumsparieiiag.

^ Eine Rede Köhlers.

Der dritte Parteitag der Preußischen Zentrumspartei, der im preußischen Landtagsgebäude zu Berlin stattfand, begann unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Porsch mit einer Vorstandssitzung, die sich lediglich mit internen Fragen be­schäftigte, und den nächsten Parteitag in einer Frist von zwei Jahren festsetzte. Erschienen waren Reichsfinanz­minister Dr. Köhler und die preußischen Minister Dr. Schmidt, Dr. Steiger und Hirtsiefcr.

Die Rede des Zentrumsführers H e ß, der nach der offiziellen Eröffnung des Parteitages sprach, betonte, daß Preußen seit 1918 erheblich den Bestand und die Sicher­heit des Reiches gesördert habe. Reichsfinanzminister Dr. Köhler verteidigte die Zentrumsminister im Reiche gegen die Vorwürfe, sie förderten rückschrittliche Ten­denzen. Dr. Köhler betonte, daß er nicht nach Berlin gegangen sei, um der Reaktion die Steigbügel zu halten. Im Reichskabinett fühle er sich als linker Flügelmann. Die Arbeit der neuen Regierung habe sich in den bis­herigen vier Monaten als nicht so schlecht erwiesen, wie man es zuerst vorausgesagt habe. Der Minister ging dann auf die einzelnen innerpolitischen Aufgaben ein. Nicht jeder, der jeden Tag Republik rufe, sei ein richtiger Republikaner. Das Zentrum im Reichstag wie in der Reichsregierung arbeite Tag für Tag für das Vaterland in seiner heutigen Gestalt. Das Zentrum im Reich und in Preußen müsse sich nicht nur im Ziel, sondern auch im Weg einig sein.

Nach Köhler sprachen noch die Abgg. Joos, Dr. Linneborn, Prälat Schreiber und Rheinländer, die sich über Konkordat und Schulfragen verbreiteten.