Zulöaer findiger
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9ir. 123 — 1927
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulüaer Kreisblatt Re-aktion und Geschäftsstelle: Nühlenstraße 1 ❖ Zernspeech-Anschluß Nr. 989 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit (Quellenangabe „ZulSaer ^njeiger'gepatfet.
Fulda, «Samstag, 28. Mai
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4. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
» Deutschland wird nach Abbruch der englisch-russischen Beziehungen die Vertretung russischer Interessen in England übernehmen.
* Der erste Gc-reralquartiermeister im Weltkrieg, General von Stein, ist im 73. Lebensjahre gestorben.
* Masaryk ist zum Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik mit 274 Stimmen gegen 158 Stimmen wiedergewählt worden.
* Nach japanischen Blättermeldungen soll Rußland gegen Großbritannien mobilisieren.
nuffisches Spiel.
Eitelkeiten. — Preisend mit viel schönen Reden. — Der englische Donnerschlag. — Tschitscherins Parade. — Verlorenes Spiel. — Deutschland bleibt fest.
Wenn man recht gezählt hat, waren diesmal nicht weniger als zweitausend Menschen in der Völkerbundstadt am Genfer See zusammengeströmt, um den Verhandlungen der W e l t w i r t s ch a f t s k o n f e r e n z aus nächster Nähe zu folgen. Die Anziehungskraft dieser internationalen Veranstaltungen hat also immer noch nicht wesentlich nachgelassen — oder man muß annehmen, daß sie für viele Leute nur den Vorwand für die Befriedigung von Eitelkeiten abgab.
Daß dieser Aufwand an Menschen, an Arbeitskräften und an Kosten sich diesmal sonderlich bezahlt gemacht hätte, wird man allerdings schwerlich behaupten können. Mit Ach und Krach ist nur gerade ein völlig negativer Ausgang der wochenlangen Verhandlungen verhütet worden. Es ist so gekommen, wie man es vorher gesagt hat: die Herren gehen nach vielen schönen Reden, mit denen sie sich gegenseitig unterhalten oder auch nicht unterhalten haben, unter schriftlicher Festlegung von Entschließungen auseinander, deren Hauptzweck darin besteht, möglichst n i e - m a n d c m wehe z u t u n , die aber natürlich an den wirtschaftlichen Gegensätzen in der Welt wie an der Notwendigkeit, bei ihrer Austragung den eigenen Vorteil
1 «ach.Äräftzr^zurGettMg..zu bringen, nicht das geringste ändern können. Die Russen, die nach vielem Sperren und Zieren schließlich doch auch den Weg nach Genf gefunden hatten, wollten sich dort als ganz umgängliche Leute erweisen und waren heilfroh, als man ihrem antikapitalisti- schen Standpunkt in einer grundsätzlichen Erklärung eine wenn auch kleine, so doch immerhin ganz höfliche Verbeugung machte.
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Da trafen sie die Nachrichten aus der englischen Hauptstadt wie ein Donnerschlag. Diesmal haben ihnen alle schlauen Schach- und Winkelzüge nichts genützt, ebensowenig wie die großspurigen Noten, mit denen sie das kommende Unheil noch im letzten Augenblick abzuwenden suchten. England will nicht mehr länger mit sich Schind lud er spielen lassen. Es hat genug und übergenug von den bolschewistischen Teufeleien, die die festen Grundmauern des Britischen Reiches mehr und mehr untergruben und das Mutterland sowohl wie gerade seine wichtigsten Außenposten mit einem Netz von Agenten und Wühlern umzogen, deren unheimliche Tätigkeit die Zentralregierung je länger desto empfindlicher zu spüren bekam. Mit dem Abbruch der Handelsbeziehungen geht der Verzicht auf jeden diplomatischen Verkehr mit der Sowjetrepublik Hand in Hand — ein Zustand, der eigentlich die Einleitung entsprechender militärischer Maßnahmen zur unmittelbaren Folge haben müßte. Darauf wird, darauf kann aber wohl auch die russische Regierung es vorläufig nicht ankommen lassen. Schon bemüht sich der vielgewandte Herr Tschitscherin, den Schlag in Paris noch nach Möglichkeit zu parieren — zu „lokalisieren", wie man sich im Sommer 1914, beim Herannahen der großen Weltkatastrophe, auf allen Seiten !v geflissentlich bemüht zeigte. Und die Entscheidung, vor Üe sich plötzlich Herr Briand und die Seinen, kaum, daß ^ie schönen Ententereden gelegentlich des Besuches des mnzösischen Staatspräsidenten am englischen Königs- ?ie verklungen sind, gestellt sehen, werden gewiß erst nach Mr ernster Überlegung aller sich aus ihr möglicherweise "gebenden Folgerungen gefaßt werden. Wären die Russen dem Völkerbünde beigetreten, England hätte jetzt schwerlich so kurzen Prozeß mit ihnen machen können. So »wer wird ihnen der Stuhl mit einer Rücksichtslosigkeit Mr die Tür gesetzt, die in der Geschichte europäischer Vtaatenbeziehungen noch niemals erhört worden ist.
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Moskau wird die Antwort auf diese Herausforderung Uaittrlich nicht schuldig bleiben-. Es wird sich aber in der -^ahl seiner Kampfmethoden nicht von überlieferten Vorstellungen der alten, der „kapitalistischen" Völker bestim- Men lassen, sondern seine eigenen Wege gehen, wobei man Man auf einige Überraschungen gefaßt sein kann. Jeden- salls ist inmitten der weltumfassenden Verständigungs- ^mühungen im Genfer Friedenspalast urplötzlich vor «uferen Augen wieder einmal ein Wirtschaftskrieg kutbrannt, dessen unheilschwangere Bedeutung auch dem schlichtesten Menschenverstand nicht erst weiter klargemacht »U werden braucht. Die Russen verstehen es ja nach wie ganz ausgezeichnet, den wahren Zustand ihrer Wirtschaft vor unberufenen Augen so gut wie völlig verborgn zu halten. Trotzdem besteht in einigermaßen urteils- A'gen Kreisen kaum noch ein Zweifel darüber, daß sie Ane baldige Hilfe von außen das Spielrn abse h - Seit b er Toren geben müssen. Sie werden sich a gen England mit Hörnern und Klauen zur Wehr setzen, «Me weil sie wissen, daß dieser Gegner keinen Spaß CH wenn er sich erst einmal dazu entschlossen hat, > j wiederholten Drohungen und Ankündigungen zu ug^zugehen.
Deutschland vertritt Moskau in London
Aer enßlisch-mffische VwK Mögen
D e u t s ch l a n d ü b e r n i m m t R u ß l a n d s V e r 1 r e t u n g Nachdem der englischen Regierung mit 357 gegen 111 Stimmen vom Unterhaus die Erlaubnis zum Abbruch der Beziehungen zur Sowjetregierung ausgesprochen worden ist, ist dem russischen Geschäftsträger in London die englische Note überreicht worden, in der England den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und die Aufhebung des Handelsabkommens ankündigt. Die Note stellt den amtlichen russischen Vertretern eine zehntägige Frist bis zu ihrer Abreise. Auch England will innerhalb dieser Zeit seine amtlichen Vertreter aus Rußland abberusen Bis zur Wiederherstellung der diplomatischen Be Ziehungen zwischen England und Rußland soll Deutschland die russischen Interessen in England vertreten. Der russische Botschafter in Berlin hat zu diesem Zweck im Berliner Auswärtigen Amt Vorgesprächen, um den Wunsch seiner Regierung zu übermitteln, daß die Reichsregierung angesichts des Abbruchs der Beziehungen zwischen Großbritannien und Rußland die deutsche Botschaft in London
Die Franzosen werden ja nun zeigen können, wie die „solidarischen Interessen" und die „gemeinsamen Ideale" in der Praxis beschaffen sind, von denen ihr Staatschef soeben in London als den besten Garantien des Friedens in Europa gesprochen hat. Deutschland ist in dieses neu bekräftigte Bundesverhältnis nicht einbezogen worden. Es iann sogar den Verdacht nicht ab- Wtzisen, daß die Herren Chamberlain und Briand sich auf seine Kosten zu neuer Freundschaftsverständigung zusammengefunden haben. So mögen sie auch nun unter sich die Entscheidungen vorbereiten und durchführen, mit denen sie i h r e n Frieden in Europa, unbekümmert um die Abmachungen von Locarno und Thoiry, auf neue Grundlagen stellen wollen. Wir haben unsere Beziehungen zu Rußland nach Maßgabe unserer Interessen und unserer Friedensbedürfnisse geregelt. Es wird wohl unter allen deutschen Parteien volles Einverständnis darüber bestehen, daß wir an dieser unserer Ordnung der Dinge f e st halten müssen, unbeirrt durch Zerwürfnisse, in die andere Staaten, mit oder ohne eigene Schuld, der russi- feben SReaieruna aeaenüber ^üineinaeschlittert" sind.
Masaryk wiârgewä'HSi.
M i t 274 von 432 gültigen S t i m m e n.
Dr. Thomas Garriguc Masaryk ist, wie nach den letzten Meldungen aus Prag nicht anders zu erwarten war, bei der Präsidentenwahl in der Tschechoslowakei schon ersten Wahlgang von neuem für sieben Jahre zum Präsidenten des Tschechoslowakischen Staates gewählt worden. An der Wahl nahmen 434 Abaeordnete und
Präsident Masaryk.
Senatoren teil; es wurden aber nur 432 gültige Stimmen abgegeben. 104 Stimmzettel waren leer, 54 Stimmzettel lauteten auf den Namen des kommunistischen Senators Sburc, des einzigen Gegenkandidaten Masaryks. Masaryk erhielt 274 Stimmen, 21 über die erforderliche Dreifünftel- mehrheit. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses begab sich Ministerpräsident Svehla im Automobil aus den Hradschin, die historische Prager Burg, zur Einholung des wiedergewähltcu Präsidenten, der dann, während 21 Kanonenschüsse der Bevölkerung die vollzogene Wahl verkündeten uns auf dem Parlamentsgebäude die Standarte des Präsidenten gehißt wurde, unter stürmischen! Beifall den Eid auf die Verfassung leistete.
Masaryk ist somit zum zweitenmal oder, wenn man will, zum drittenmal Präsident der Tschechoslowakischen Republik geworden. Das erstemal hatte ihm im November 1918, nach dem Zusammenbruch der Mittelmächte, der Prager Revolutiouskonvent der Tschechen und Slowaken die Präsideutenwurde übertragen. Die erste „offizielle" Präsidentenwahl erfolgte jedoch erst am 27. Mai 1920. also genau vor sieben Jahren. Damals standen die Deutschen und die Ungarn des tschechoslowakischen Parlaments in geschlossener Front gegen Masaryk, die Deutschen, weil et am 21. Dezember 1918, als er nach Tanger Abwesenheit Zum erstenmal wieder böhmischen Boden betrat, den Ausspruch getan hatte, daß die Deutschböhmen einst als Einwanderer und Kolonisten ins Land gekommen seien. In
mit der Wahrnehmung der russischen Interessen in England beauftragen möge. Die Reichsregierung hat diesem Wunsche auch entsprochen.
Der russische Kommissar für Auswärtige Politik, Tschitscherin, hat Paris verlassen und ist wieder in Frankfurt a. M. eingetroffen, wo er sich von neuem in ärztliche Behandlung begeben hat und die vor mehreren Monaten begonnene Kur fortfetzen wird. Von feiten des behandelnden Arztes wird völlige Rube zur Schonung und Wiederherstellung seiner Gesundheit für absolut notwendig erachtet.
Russische Mobilmachung?
Reuter meldet aus Tokio: Mehrere japanische Blätter bringen Telegramme aus Charbin (Mandschurei), wonach Befehle zur raschen Mobilmachung der Sowjettruppen ergangen seien. Die mobilgemachten Truppen wurden hauptsächlich nach der Grenze im äußersten Osten und nach Kronstadt gesandt werden. Die Maßnahme wird als VorspielvonFeindseligkeiten zwischen Grsß- vritannien und Sowjetrußland angesehen.
der Person des Prager Professors der Theologie Dr. Nägle, eines geborenen Württembergers, stellten sie damals einen Gegenkandidaten auf. Diesmal haben mit Ausnahme der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten auch die deutschen Mitglieder des.Parlaments und des Senats für Masaryk gestimmt. Der wiedergewählte Präsident wurde am 7. März 1850 als Sohn eines slowakischen Herrschaftskutschers und einer deutschen Mutter zu Göding in Mähren geboren und war Professor der Philosophie an der tschechischen Universität zu Prag.
General v. Siem. f.
Der erste Generalquartiermcister im Weltkrieg.
In feiner Villa in Lehnin i. d. Mark ist der erste Generalquartiermeister im Weltkrieg, General der Ar- riöerie Exzellenz Dr. von Stein, im 73. Lebensjahr
General v. Stein t.
gestorben. Der Tod ist infolge eines alten Herzleidens eingetreten. Als Herr von Stein morgens nicht zu gewohnter Stunde zum Frühstück erschien, wurde die von innen verriegelte Tür zum Schlafzimmer gewaltsam geöffnet. Man fand ihn im Bett friedlich entschlummert vor.
Hermann von Stein ist als Sohn eines Pastors im Jahre 1854 im Harz geboren worden. Seine militärische Laufbahn begann mit 19 Jahren bei einem Feldartillerie- regiment. Bekannt ist er in seiner Eigenschaft als General- quartiermeister geworden, als er zu Beginn des Weltkrieges die Siegesdepeschen der deutschen Armeen, die durch ihre klassische Stilisierung auffielen, unterzeichnete. Im Jahre 1916 wurde er als Nachfolger Falkeuhayns Kriegsminister. In dieser Stellung blieb er bis kurz vor dem Zusammenbruch im Oktober 1918. In seinem Werk „Erlebnisse und Betrachtungen" setzt er sich mit der deutschen Politik und Kriegführung auseinander. Der Verstorbene erfreute sich wegen seines aufrechten und wahrhaften Charakters allgemeiner Wertschätzung.
Bevorstehender Europaflug Lindberghs.
E i ne neue Spur Nungessers.
Um allen den ihm ^gegangenen Einladungen aus allen «mropäischen Ländern gerecht zu werden, wird K a p i r ä n Lindbergh einen großen Rundflug durch Europa veranstalten, der die Städte Brüssel, London, Kopenhagen, Stockholm, Berlin, Wien, Rom und Madrid berühren soll. Von Spanien will Lindbergh nach Paris zurückkehren, um die Rückreise nad; Amerika anzutrete^ Am Montag wird Lindbergh bereits in London sein und von zwei britischen Verkehrslustschiffen begrüßt werden.
Ein dänischer Schoner hat eine neücSp u r N u n > gessers gefunden. In der Nähe von Kap Pine (Neufundland) ist ein Flugzeug gesichtet, worden, das man wegen des Sturmes uicht habe auffifchen können. Eine Expedition ist bereits dorthin gesandt worden.