Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monat­lich 2 Mark. Bei Lkeferungsbehinüerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Lahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Zriedrich Ehrenklau, Zulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: §rankftrrt a. M. nr.16009

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a- un- Haunetal *Zrü-aer Kreisblatt Re-aktion un- Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-Rnsthluß He. 989 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »Zulâaer Anzeiger'gestattet.

Mzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 !HL, für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Hagen zu erfol­gen Hag- und Platzvorschriften unverbindlich. .

Nr. 126 1927

Fulda, Mittwoch, 1. Juni

4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* An einer in Flensburg gehaltenen Rede erklärte Ler Reichspräsident, daß das Reich und Preußen der Nordmark gnch fürderhin tatkräftige Hilfe leisten würden.

* Die Börsen verzeichnen erneut starke Kursrückgänge von 10% und darüber.

* Zwischen England und Ägypten ist ein neuer schwerer Konflikt wegen der Stellung des englischen Oberbefehls­habers in Ägypten ausgebrochen.

* Lindbergh wird von England direkt nach Amerika fahren und nicht nach Deutschland kommen.

Min-echeitsrechte.

Bor Alexandrien liegen vier englische Panzerschiffe; renn es kriselt schon wieder einmal in Ägypten. Die dortige Bevölkerung, längst schon zum politischen Leben und zum Bewußtsein ihres Volkstums und ihrer rausend­jährigen Kultur erwacht, rüttelt an den Ketten, an die sie Englands Macht legte. Man erinnere sich an die schweren Unruhen, die vor ein paar Jahren gegen die englische Herrschaft ausbrachen und denen ja auch der Sirdar, also der eigentliche Beherrscher Ägyptens, ein hoher englischer Offizier, damals erlag. Nur mit äußerster Strenge, mit nackter Gewalt verlnag England dort feine Stellung zu behaupten und daran ändert nichts, daß ein Parlament sein Scheindasein führen darf. Denn seine Beschlüsse sind papierne Wälle, die von Englands Schiffs­kanonen rasch und rücksichtslos zusammengeschossen werden können. Nie wird England, solange noch Kraft in ihm ist, Ägypten aufgeben, weil es die Lebensader des englischen Handels, den Suezkanal, fest in der Hand behalten will. Irgendwelche Sentimentalitäten kennt man dann nicht und hat sie nie gekannt, auch solche völkerrechtlicher Art nicht, wenn es sich um ein englisches Lebensinteresse handelte oder was man dafür ausgab.

Und gleichzeitig tagt in Berlin der i n t e r n a t i 0 - nale Verband der Völkerbundgesellschaf- ten, beschäftigt sich gerade jetzt mit dem Problem der ugtionLlen^ MUlderlMten, MerMht allzu intensiv, um Uwe Verstimmungen zu erregen. Fast so, wie es in Genf der Völkerbund selbst zu tun Pflegt, der sich ja damals auch weigerte, eine ägyptische Delegation, die sich be- schwcrdeführend an ihn wandte, auch nur vorzulassen. Man faßte eine Resolution, die es sorgfältig vermeidet, die brennenden Fragen internationaler Entfremdung fest an den Kopf zu packen, und äußert darin nur den Wunsch, daßdie Arbeit des Völkerbundes durch eine schnelle Lösung aller schwebenden Fragen erleichtert" werde, die jetzt den Grund zur Mißstimmung bilden, und zwar so, daß deren Ergebnis sich "für jede daran interessierte Nation befriedigend gestalten möge". Völlige Gleich­berechtigung und völliges Vertrauen zueinander sollen die Grundlage abgeben für eine friedliche Zusammenarbeit der Völker.

Der laute Beifall, der diese Entschließung begrüßte, täuscht Nicht darüber hinweg, daß sie vorläufig Papier bleibt, täuscht um so weniger hinweg, wenn man auf die nun folgende Debatte über die Lage der deutsch- fprech enden Minderheiten in Südtirol blickt. Mussolini hatte den Vertretern dieses Landes die Pässe verweigert, hatte vor wenigen Tagen erst noch die völlige Jtaliènisierung dieses Gebiets als unverrückbar fesigehaltenes Ziel bezeichnet. Und die italienische Dele­gation aus dieser Versammlung nimmt den Standpunkt ein, daß weder der Völkerbund noch dieser Weltverband der Völkerbundligen für die Frage des Deutschtums in Südtirol zuständig sei. übel wäre es vermutlich den Mit­gliedern der Delegation nach ihrer Rückkehr in die Heimat ergangen, wenn sie in ihrer Ablehnung nicht standhaft geblieben wären. Vielleicht verdenkt man es ihnen in Rom schon, daß sie damit sich einverstanden erklärten, aus Opportunitätsgründen die Besprechung der Frage über- i Haupt zuzulassen. Aber schroff lehnten sie den aus der Versammlung heraus geäußerten Wunsch ab, dahin zu wirken, daß wenigstens das Verbot des deutschen Sprach­unterrichts in Südtirol aufgehoben werde; das sei, wie ne erklärten, nur einezeitweilige administrative Ver­fügung".

. Zwei Berichte von englischer Seite lagen vor, die, auf Eigene persönliche Prüfung der dortigen Verhältnisse ge­nutzt, tiefen Eindruck machten. Aber das Resultat, das wirklich praktische Resultat? Das blieb aus. Man hntte in der betreffenden Kommission, die diese Dinge vor- veraten hatte, lediglich den Beschluß gefaßt, der Frage bei her nächsten Tagung der Ligen im Oktober noch einmal Me Aufmerksamkeit zuzuwenden. Was also wirklich nicht viel bedeutet, vor allem an der Wirklichkeit nichts ändern wird.

Wertvoller für uns Deutsche und für diesen Welt­verband der Völkerbundligen wäre es, wenn er sich hier­her zu einem wirklichenSprachrohr einer An- ^auuug machen würde, die sich erfreulicherweise schon weit über die deutschen Grenzen hin verbreitet hat. Das wäre besser gewesen als etwa der Beschluß, in Genf zum Gedächtnis der G e f a l l e n e N d e s W e l t k r i e g e s ein Denkmal z u errichten als feierliche Mahnung für Völker, nicht mehr die Waffen gegeneinander zu er- ^ven. Und vor Ägypten liegen die englischen Panzer!

Neue polnische Terrorâ.

Ausschreitungen der Aufständischen in Bielitz und Goczalkowitz.

Am Sonntag veranstalteten die Aufständischen-Ber­nde in Bielitz ein großes Fest und benutzten diese "eieaenbeit. um ihr Mütchen an den deutschen Mltbüraern

Neue englisch-ägyptische Spannung.

Am dm Oberkommandierenden in Aegypten.

Scharfe englische Protestnote.

Die englisch-ägyptischen Beziehungen haben wieder eine beträchtliche Verschärfung erfahren. Der Grund zu diesem Zerwürfnis liegt in einem Beschluß der Heeres­kommission der Ägyptischen Kammer, d"" Gehalt des englischen Oberkommandierenden der ägy ,chen Armee, des Sirdars, zu streichen. Mit diesem Schritt scheint die Ägyptische Kammer zum Ausdruck bringen zu wollen, die Stelle des britischen Oberkommandierenden der ägyp­tischen Armee vollständig zu streichen. Es ist in Ägypten wieder eine mächtige Los-von-England-Bewc- g u n g im Gange, die vor allem zum Ziel hat, die ägyp­tische Armee vollkommen von Englands Vormundschaft zu befreien.

England hat auf diese Beschlüsse der Ägyptischen Kam­mer hin mit der Entsendung der drei stärksten Schlacht­schiffe der englischen Mittelmeerflotte nach Ägypten geant­wortet. Diese Maßnahme beweist, daß die englische Re­gierung fest entschlossen ist, keines der vier bei der Unab­

zu kühlen. U. a. drangen sie in ein Lokal und verlangten die Beseitigung der deutschen Aufschrift. Da dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wurde, holten sie Verstärkungen heran und rissen das große Firmenschild gewaltsam herunter. Dann drangen sic in das Lokal ein, zerrissen sämtliche deutschen Zeitungen und mißhandelten die Gäste. In der Schießstätte mußten zwangsweise 750 Mittagessen geliefert werden, die bis heute nicht bezahlt sind. In dem Tanzsaal des Lokals wurde das in Gips an der Wand befindliche schlesische Wappen heruntergerissen, ebenso ein großes schlesisches Wappen. Säulen, die das BildWtwècn" trugen, wurden mit Hämmern zerschlagen.

Dieses Aufständischenfest wirkte sich auch in den nahe­liegenden Kurort Goczalkowitz aus. Eine dort tagende Sitzung der Vertreter polnischer Vereine, die über eine Veranstaltung zugunsten der Lustliga beriet, wurde durch einen überfall gestört. Dann drangen die Burschen in das Restaurant Burek ein, stürzten sich auf die anwesenden Gäste, unter denen sich der Schulleiter von Goczalkowitz, Bryla, und der Schulinspektor Holek aus Pleß befanden, und mißhandelten sie. Schließlich wandte sich die Bande zum Kurhotel, wo die Kapelle des 73. Infanterieregiments konzertierte. Sie verlangte von der Kapelle, daß sie dieErste Brigade" spiele. Im Ver­laufe der dadurch entstandenen Auseinandersetzung kam es zu größeren Ausschreitungen, in deren Verlaufe die Soldaten von der Waffe Gebrauch machen mußten.

*

Die Ausgaben der Kattowitzer Zeitung vom Sonntag und vom Dienstag wurden wegen zweier Artikel, die sich mit dem überfall auf deutsche Lehrer in Radzionkau und auf deutsche Vertreter in Eichenau befaßten, beschlagnahmt. Damit sind von den letzten zehn erschienenen Nummern der Zeitung nicht weniger als fünf beschlagnahmt worden.

Polen tm$W msLiquidationsbefngniffe

Deutsche Gegengabe.

Die polnische Regierung hat der deutschen Regierung mitgeteilt, daß sie auf gewisse Befugnisse, die ihr aus Grund des Versailler Vertrages zustehen, zu verzichten gedenke. Es handelt sich um eine Freigabe von der Liquidation, und zwar betrifft sie alle reichsdeutschcn Forderungsrechte, verbriefte und ««verbriefte Wert­papiere, Beteiligungsrechte, Eigentumsrechte, soweit sie nicht unbewegliches Gut betreffen, sowie Pfandrechte in Polen.

Ausgenommen sind Forderungen, die bis zum 31. März 1927 bereits unter Liquidation gestellt waren, Forderungen, die am 10. Januar 1920 Eigentum juristi­scher Personen des öffentlichen Rechts gewesen sind, und Forderungen aus Anleihen, die zur Unterstützung von Kriegshinterbliebenen und von Kommunalverbänden aus­genommen wurden. Alle Forderungen sollen demnächst Gegen st and besonderer Verhandlungen bilden.

Die deutsche Regierung hat der polnischen Regierung einige Gegenstände von künstlerischem und historischem Werte überlassen, die sich bisher in deutschem Besitz bc= fandenftmd für die polnische Regierung von Interesse fino.

Amerikanische Anii-Gowjeö-Reden.

Coolidge über A b r ü st u n g.

Eine besonders scharfe Rede gegen die Methoden der russischen Außenpolitik hielt der amerikanische Geschäfts­träger in Paris, Herrick, anläßlich der Feier des ame­rikanischen Erinnerungstages auf dem Militärscredhof in Suresnes. Alle Regierungen, so führte er aus, dre noch Macht in ihrem Lande hätten, verwahrten sich energisch gegen die außenpolitischen Maßnahmen der Sowjets. Die französische Presse faßt Herricks Rede als einen Aufruf zu einem internationalen Vorgehen gegen den Kommunis- mus auf. Nicht ganz so scharf sprach der P r ä s r d e n t der Vereinigten Staaten, Coolidge, in New-

bängigkeitserklärung Ägyptens reservierten englischen Rechte aufzugeben, und zwar 1. Kontrolle des Sudans, 2. Schutz des Suezkanals, 3. Schutz Ägyptens gegen jeden Angriff und 4. Schutz der englischen und ausländischen Interessen in Ägypten.

Die englische Regierung hat gegen den Beschluß der Ägyptischen Kammer in einer scharfen Note pro­testiert, die in Kairo sogar als ein Ultimatum auf- gefaßt wird. In der Note wird erklärt, daß England unter allen Umständen daraus bestehen müsse, daß der Poften des Sirdars auch weiterhin von einem hohen eng­lischen Offizier besetzt bleibt. Sollte Ägypten dieser eng­lischen Forderung nicht nachkommen, so würde England die im Jahre 1922 anerkannte volle Souveränität wieder aufheben und das Protektorat wieder Erstellen.

In der ägyptischen Presse findet die Note Englands starken Widerstand. Es wird darauf hingewiesen, daß eine Regierungskrise in Ägypten unvermeidlich ist und die Auflösung der Ägyptischen Kammer unmittelbar bevorzustehen scheint. Man sieht also, daß Ägypten Eng­land von neuem große Sorge macht. Wie in letzter Zeit schon öfter, sprechen die ägyptischen Nationalisten eine auf­geregte Sprache und versuchen, die Leidenschaften der Ägypter von neuem gegen England zu entflammen.

UiUIUMM^*«««^ 1 'M" llMW»mi»<gBtBiax^t.4MMnM

york über die russische Politik. Aber auch er warnte die amerikanischen Kommunisten und hob hervor, daß die Re­gierung der U.S.A. ihre Verfassung ändern würde, ehe sie ihr Land zu einem Tummelplatz von Leuten werden ließe, die Verbrechen und Gewalttätigkeiten gegen die bestehende Ordnung begehen. Im übrigen trat Coolidge für Rüstungsbeschränkung,nicht aber für eine völlige Abrüstung ein. Amerika würde seinen Einfluß in der internatiormlen Politik in diesem Sinne in der Nächsten Zeit auch weiterhin geltend machen.

Der bekannte amerikanische Historiker und Politiker Professor Shotwc l l sprach sich in einem Vortrag, der von der ganzen Presse viel besprochen wird, für einen amerikanischen Locarnovertrag aus, der eine Friedenssicherung zwischen den Vereinigten Staaten einer­seits und England, Frankreich, Deutschland und Japan andererseits enthalten müsse. Auch er nahm selbstver­ständlich Rußland von einem solchen Vertrage aus.

Erregung im Naher Men Landtag.

Strafverfolgung zweier nationalsozialistischer Abgeordneten.

Im Plenum des Bayerischen Landtags kam die deutsch- nationale Interpellation wegen der Zusammenstöße von Nationalsozialisten mit Angehörigen anderer Parteien, wobei ein Nationalsozialist getötet wurde, zur Erörterung.

Der I n n e n m i n i ft e r Stützel gab eine ein­gehende Schilderung der Vorgänge nach den polizeilichen Feststellungen, betonte, daß das Verbot des Reichsbanner­tages und der sonstigen geplanten politischen Veranstal­tungen keine politische, sondern eine vorbeugende, zur Auf­rechterhaltung von Ruhe und Ordnung erforderliche Maß­nahme gewesen sei, und schloß mit der Erklärung, daß die amtliche Feststellung des Tatbestandes der Zusammenstöße dem gerichtlichen Verfahren vorbehalten bleiben müsse.

In der Interpellationsbesprechung kam es bei der Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Högner, der das Verhalten der Regierung kriti­sierte, zu erregten Auftritten mit lärmen­den Zwischenrufen der Nationalsozialisten, worauf mehrere Kommunisten sich mit drohend erhobenen Fäusten in der Nähe der Nationalsozialisten aufstellten. Schließlich konnte jedoch die Jnterpellationsbesprechung ohne weitere Zwischenfälle zu Ende geführt werden.

Am Schluß der Sitzung gab der Landtag seine Zu­stimmung zur S t r a f v e r f 0 l g u n g der nationalsozia­listischen Abgeordneten Streicher und Zipfel wegen mehrerer Fälle von Beleidigung; im Ausschuß war Vie Genehmigung zur Strafverfolgung abgelehnt worden.

T Verbandsumformverbot in München.

Die Polizeidirektion München hat durch vorüber­gehende ortspolizeiliche Vorschriften das Tragen einheit­licher Kleidung für Angehörige von Parteiorganisationen für öffentliche Wege, Straßen und Plätze verboten.

Wer wird der Lteber-Lmdbergh?

4 Ein Japaner will den Stillen Ozean überfliegen.

Während die Regierungen der Welt heute noch den Bezwinger des Atlantiks auf dem Luftwege, Charles Lind­bergh, feiern und ehren, tragen sich viele Flieger schon mit der Absicht, ein noch größeres Heldenstück zu vollbringen. Eine englische Luftflotte will einen ununterbrochenen Flug von Großbritannien über Afrika bis nach Australien vor­nehmen. Noch mehr interessiert der Plan des Japaners A n d 0 , der in einigen Wochen zum Fluge TokioSeattle starten wird. Der Versuch, den Stillen Ozean zwischen Japan und Amerika zu überqueren, würde einen ununter­brochenen Flug von 6871 Kilometer bedeuten. Damit würde der Rekord Lindberghs um etwa 1000 Kilometer übertroffen. Der Aktionsradius des japanischen Appa­rates soll über 7000 Kilometer betragen.

Lindbergh hatte ursprünglich die Absicht, von London aus nach der Heimat seiner Variablen. nach SLwederr.