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Zul-aer Anzeiger

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Trschrmt jeden Werktag. Bezugspreis: monat­lich 2 Mark. Bei Lieferungsbehinöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Dahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Krieörich Threnklau, §ulda, Mitglied des Vereins Deutscher Feitungsver- legec. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Htaâocp

Nr. 133 - 1927

Tageblatt für Rhöa unS Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Julöaer Kreisblatt Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-stuschluß Nr. 9SH Nachâruck der mit * versehenen firiike! nur mit Quellenangabe$uldoer stnzeiger"geslaüct.

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^ulda, Freitag, 10. Juni

4. Z^hrgang

Rußland klagt England an

r Men des WaWurer Meniais.

-Polen lehnt die Verantwortung ab.

Ganz Rußland befindet sich in großer Erregung in­folge der Ermordung des russischen Gesandten Wojkow in Warschau. Aus Charkow, Leningrad, Minsk, Swerdlowsk und Kiew werden zahlreiche Protestversammtungen und Kundgebungen gemeldet. In Moskau nahmen an den Demonstrationen mehrere 100 000 Personen teil. Beson­ders groß waren die Kundgebungen vor dem Gebäude des AHenksmmissariaLs. Die Worowskistratze, in der sich die polnische Mission befindet, war durch verstärkte Miliz- aufgebote abgesperrt. Die angenommenen Entschließungen heben hervor, daß die Ermordung Wojkows in engem Zu­sammenhang mit der sowjetfeindlichen Politik Eng­lands stehe, und weisen darauf hin, daß die polnische Regierung die Verantwortung für den Mord trage. Sie ver äugen strenge Bestrafung des Mörders und Aufhebung der weißgardistischen Organisationen in Polen.

Das gesamte diplomatische Korps in Moskau stattete Besuche im Außenkommissariat ab und sprach der russi­schen Regierung ihr Beileid aus. Der auf Urlaub wei­lende deutsche Gesandte Graf Brockdorff sandte ein Beileidstelegramm.

Organisation aus die Spur gerommen. yn anoeren Qrr- schaften des Wilnagebietes wurden bisher 15 Personen verhaftet. Bei den Haussuchungen wurden große Dollar- beträge und monarchistisches Propagandamaterial, das für das Ausland bestimmt war, gesunden.

Die Leiche des ermordeten Wojkow

^ im Audienzsaal der Warschauer Sowjetgesandtschaft aufgebahrt. Ununterbrochen finden Beileidsbesuche in der Gesandtschaft statt. Es erschienen u. a. der polnische Mi­nister des Äußern, Zaleski, und andere Regierungsmit­glieder, die Mitglieder des diplomatischen Korps, Ver­treter der Behörden, der Industrie und Personen aus allen Kreisen der Bevölkerung Warschaus. Die Leiche wird am Freitag morgen nach dem Hauptbahnhof gebracht und von dort mit einem Sonderzug nach Moskau über­geführt.

Kleine Zeitung Mr eilige Leser.

1 * Die Ozeanflieger Chamberlin und Levine treten Sonntag

morgen den Flug nach Wien mit einer Zwischenlandung in München an.

* Zwischen dem ehemaligen regierenden Königshaus in Württemberg und der jetzigen Regierung ist ein Abfindungs- Vertrag zustande gekommen.

* Infolge des Mordes an dem russischen Gesandten Wojkow richtet die Sowjetregierung in einer Veröffentlichung die schärfsten Angriffe gegen England als angeblichen Veranlasser aller rußlandfeindlichen Vorkommnisse.

* In Portugal sollen wieder revolutionäre Unruhen aus­gebrochen sein, die die jetzige Regierung schnell unterdrückt haben will.

Oie GswjeirsgiemKg gegen GRglanh

Die Sowjetregierung hat eine Veröffentlichung er­lassen, in der sie scharfe Angriffe gegen England erhebt und sagt:

Die Ermordung Woskows ist ein Glied in einer ganzen Kette von Ereignissen, die in ihrer Gesamtheit eine immer stärkere Bedrohung des Friedens bedeuten. Diese Bedrohung wird immer greifbarer, ungeachtet der außer- ordenilichen Bemühungen der Sowjetregierung, den Frieden zu erhalten. Bei bem frevelhaften Mord an

Wojkow, der auf eine ganze Reihe direkter und indirekter

aW^ e-H IH^» auf SsMjâsti- D^rutrsuet! M Auslande und auf den Abbruch der diploma- tischen Beziehungen durch Großbritannien folgte, hält es die Sowjetregierung für notwendig, eine Reihe anderer Tatsachen bekannLzugeben, welche die Arbeit der englischen

Regierung und ihrer Organe auf dem russischen Boden

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kennzeichnen."

Es teerten nun eine Menge von Einzelheiten aufge- sühri, so die Verhaftung eines Angestellten des englischen Geheimdienstes bei der Überschreitung der russischen Grenze und seine Geständnisse, daß ihm von der englischen Negierung Instruktionen zur Organisierung von Atten­taten usw. erteilt seien, ferner die Vereitelung von Atten­taten auf verschiedene hohe Sowjetbeamte. deren Urheber in unmittelbarer Verbindung mit dem Leiter der Kon­sulaisabteilung der englischen Mission in Moskau gestan­den haben sollen. Daraus wird der Schluß gezogen, daß England in allen Fällen die treibende Kraft ist. Auch habe bei dem Morde Wojkows die englische ministerielle Presse den Mörder direkt gerechtfertigt. Ebenso seien Brandstiftungen in Fabriken, Werken und Militärmaga­zinen Rußlands, ebenfalls durch England angestiftet, auf- gedeckt worden. Demnach, sagt die Veröffentlichung weiter, sei es klar, daß die englische Regierung bestrebt sei, die friedliche Arbeit der Völker der Sowjetunion zu stören. Die Sowjetregierung verteidige ihre Position friedlicher Arbeit und Aufbaus.

Sie halte es für ihre heilige Pflicht, vor der ganzen Menschheit und in erster Reihe vor den Völkern ihres eigenen Landes die sowjetfeindliche Politik des britischen Kabinetts und seiner Agenten aufzudecken.

An die werktätige Bevölkerung richte die Regierung den Aufruf, die Fabriken, Werke, Niederlagen, Stationen usw. vor ausländischen Spionen, Brandstiftern und Mör­dern nebst deren monarchistischen und Weißgardistischen Verbündeten zu schützen.

KuhLge Aniwori Polens

Das polnische Außenministerium hat die Antwort auf die russische Note, die wegen der Ermordung des Gesandten Wojkow an Polen gerichtet worden ist, aus- Searbeitet Die polnische Note wird sofort durch den polnischen Gesandten in Moskau übergeben werden. Wie die Warschauer Presse erfährt, ist die Note in ruhigem Ton gehalten. Sic weist die Vorwürfe zurück, die in der russischen Note enthalten sind. Insbesondere wird der Passus widerlegt, in dem die russische Note von einer Ver­antwortung der polnischen Negierung für den an Woj­kow verübten Anschlag spricht.

Die polnische Presse weist ebenfalls die in der rus- mcheu Note vorgebrachte Anschuldigung zurück. Das Blatt der Anhänger Marschall Pilsudskis tut das in sehr entschiedenem Ton und spricht von einem Versuch, aus den: Unglück politische Argumente zu schmieden.Glos Vrawdy" betont mit allem Nachdruck, daß sämtliche russischen Vorwürfe auch nicht den Schatten der Berech- Ugung hätten. Dem Vorwurf, daß die polnische Negie- i£ng die Tätigkeit der Gegenrevolutionäre, der russi- Terroristen nicht gehörig unterbunden habe, be= »egnetKurjer Poranny" mit der Bemerkung, daß die in aanz Europa und auch in Polen lebenden Emigranten "n Ergebnis der Sowjetpolitik darstellten.

Im Zusammenhang mit der Ermordung Wojkows ^"^en in Warschau sechs und in Wilna 24 russische ^ V^stttten verhaftet. In Wilna ist man unter den ufflschen. Emigranten einer monarchistischen Gebeim-

Md. Jusbesondere wird der

Der ermordete russische' Gesandte W-ftow.

Aus Moskau ist eine Delegation des Außenkommiffa- riats mit dem Mitglied des Kollegiums Aralow an der Spitze der Leiche Wojkows entgegengereist.

Der Mörder Kowerda war Mitglied einer monar­chistischen Geheimorganisation und hat allem Anschein nach in ihrem Auftrage gehandelt. Kowerda hält sein ur­sprüngliches Geständnis, daß er das Attentat aus ideellen Gründen begangen habe, aufrecht; doch w. i er keine näheren Angaben über seine ideellen Gründe machen.

*

Russische Feststellungen zu dem Gespräch StresemannTschitscherin.

Zu den in mehreren Blättern aufgetauchten Mittei­lungen, der Volkskommissar für Äußeres, Tschitsche­rin, habe in seiner Unterredung mit dem Außenminister Stresemann sich dahin geäußert, der Warschauer Mord werde keinesfalls zu einer Trübung der Verhältnisse zwischen Polen und der Sowjetunion beitragen, wurde von rmlßgebender russischer Seile in Berlin bekannt­gegeben, daß der Volkskommissar Tschitscherin keinerlei Äußerungen bezüglich der möglichen Ergebnisse der Unter­suchung und der Folgen des Warschauer Mordes getan

*

Neue Attentate in Rußland.

Nus Minsk wurde nach Moskau gemeldet, daß zwischen den Stationen Schdanowitschi und Minsk eine Dräsine verunglückte, auf welcher der stellvertretende Beauftragte des weißrussischen Militärbezirks, Opanski, einen der Spionage verdächtigen Offizier des polnischen Geheimdienstes, namens Jani, abtransportierte. Opanski und der Führer der Dräsine wurden getötet, zwei Be­gleiter Opanskis schwer verwundet.

In später Abendstunde betrat ein Unbekannter den Saal des Geschüftsklubs, in dem eine Sektion des Lenin­grader Diskussionsklubs der Kommunistischen Partei eine Mitgliederversammlung abhielt, und warf eine Bombe. Gleich darauf wurde von einem anderen Unbekannten eine zweite Bombe geworfen. Durch die Explosion wurde der Raum zerstört und 26 Teilnehmer von der Versammlung erheblich verwundet, so daß sie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Die beiden Täter entkamen.

Die Nachforschungen nach Nungesser und Coli.

Paris. Havas berichtet ans Ottawa, die Regierung der Provinz Quebec habe die Nachforschungen nach dem Verbleib der beiden Vermißten französischen Flieger Nungesser und Cott ausgegeben. Trotzdem zwei Wasserflugzeuge sorgialüg die Nordküste des Golfs von St. Lorenz und die Küste von Labrador abgesucht hätten, hatten sie feine Anzeichen feststcllcn können, die die Annahme erlaubten, daß die beiden französi­schen Flieger diese Gegend erreicht hatten. Die Mutter Nungessers hat übrigens an die «Rutter Colis einen Brief gt richtet, in dem sie erklärt, daß ihr Glaube, daß Nungege'' und Coli zurückkehren, noch immer so stark ist wie bisher, denn so schreibt sie, mein.Herz wurde ausgehort haben, zu Wagen wenn das meines Sohnes für immer ausgehort hatte, zu schlagen.

AG Punkte.

Am Montag tritt der Völkerbundrat wieder einmal zu einer Tagung in Genf zusammen und er wird sich nicht darüber beklagen können, allzu wenig Be- ratungsstoff zu haben. Zweifellos wird aber auch jetzt wieder das Schwergewicht der Besprechungen gar nicht im Völkerbundrat liegen, sondern in den Zusammen­künften der drei Außenminister Chamberlain, Briand und Stresemann. Allerdings haben wir Deutsche auch an mehreren Punkten von den sechsund­dreißig, die zur Beratung stehen,, ein besonderes Inter­esse, vor allem natürlich daran, was aus der Frage der deutschen Ostentfestigung werden soll. Paris drängt darauf, daß nach dem Muster von früher her die Kontrolle durch eine Kommission von Ententeoffizieren erfolgen soll, und droht damit, Polen zu veranlassen, daß dieses an der deutschen Ostentfestigung ganz besonders interessierte Land in Genf den Antrag stellt, die be­rüchtigte Juvestigattonskommission des Völkerbundes, an deren Spitze èin französischer General steht, für die Kontrolle in Bewegung zu setzen. Ob der deutsche Vor­schlag, eine neutrale Macht mit der Prüfung zu beauftragen, durchgehen wird, ist sehr fraglich; außerdem macht Paris die ganze Angelegenheit zu einem Handelsgeschäft, indem man ein deutsches Nach­geben in dieser Frage durch eine Verminderung der Be­satzungsstärke im Rheinland beantworten will. Davon kann natürlich feine Rede sein, weil anläßlich des Abschluffes des Vertrages von Locarno die Besatzungs- Mächte ausdrücklich zugesagt haben, die Besatzungstruppen auf die Stärke zurückzuführen, die der Stärke der deutschen Garnisonen vor dem Kriege entspricht. Diese einzige Konzession aus dem Jahre 1925 ist aber nicht erfüllt worden, soll jedoch zum zweitenmal von Deutschland erkauft werden. Wir haben das Zu­trauen verloren, daß auf der Gegenseite Versprechungen, die man gegeben bat, auch eingelöst werden.

In Berlin rechnet man schon damit, daß auch eine zweite Frage, an der wir Deutsche besonders interessiiert sind, nicht zur Verhandlung kommen wird. Das ist die große Denkschrift, die deutscherseits dem Völkerbund über die zahllosen Verletzungen des Memel­stat u 1 s durch Litauen überreicht worden ist. Bekannt­lich hat dieses Ländchen gegen eine Verhandlung über diese Denkschrift protestiert, weil es angeblich nicht in der Lage sei, das notwendige Gegenmaterial seinerseits zusammenzubringen. Nach den Erfahrungen, die Deutschland bisher in Genf gemacht bat, werden wir damit rechnen müssen, daß diesem Proteste Litauens seitens des Völkerbundrates nachgegeben wird.

Aber das Schwergewicht liegt doch wieder außerhalb der offiziellen Besprechungen, und da gibt es Fragen genug, die von den drei Außenministern erörtert werden können. Freilich fragt es sich, ob diese Erörterungen überhaupt stattfinden werden. Mit kaltem Hohn hat man es in Paris abgelehnt, die Frage der Rheinlandräumung oder auch nur die Frage einer Verminderung der Be­satzungstruppen zum Gegenstand solcher Beratungen in Genf zu machen: die Zeit dazu sei noch nicht gekommen. Gewiß hat sich das Schwergewicht der europäischen Po­litik jetzt vom Rhein nach der Weichsel ver­legt und Polen ist nur allzu gern bereit, das Spiel Frankreichs zu treiben. Unser deutscher Vertreter in Genf hat nicht das geringste Interesse daran, sich der Politik Frankreichs zu unterwerfen, die deutlich darauf abzielt, für eine Rheinlandräumung nicht bloß Konzessionen in Form der Erhaltung einer irgendwie ge­arteten Kontrolle in jenem Gebiete zu erzielen, sondern die Frage der Räumung grundsätzlich zu verknüpfen mit einem O st l o c a r n o, also der Erhaltung des Zustandes, wie ihn der Versailler Vertrag an unserer Ostgrcnze Her- beigeführt hat.

DerTcmps" hat vor einigen Tagen geschrieben, es' müsse im Hinblick auf die Teilnahme der Deutschnatio­nalen an der Reichsregierung verhindert werden, daß Dr. Stresemann mit einem Erfolg in der Tasche aus Genf zurückkehre. Die französische Zeitung ist im Irrtum: die Politik, die der deutsche Außenminister verfolgt, die For­derungen, die er erhebt, sind nicht parteipolitisch einseitig, sondern sind Allgemeingut des ganzen Deutschland.

Ile AtWvuug des Hauses Württemberg.

Vertrag mit der Württembergischen Regierung.

Die württembergische Regierung hat zur endgültigen Abfindung des Hauses Württemberg mit dem General­feldmarschall Herzog Albrecht von Württemberg einen Vertrag abgeschlossen, der dem herzoglichen Hause aus dem im Gewahrsam des Staates befindlichen Privateigentum des herzoglichen Hauses und aus solchem Privateigentum, das dem Staate übertragen wurde, eine Rente von

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