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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg' Iulöa- unö Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 138 — 1927
Fulda, Donnerstag, 16. Juni
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4. ZÄhrgang
Mme 3e«&m$ für Mae Leser?
» Aus der Völkerbundratstagung in Genf gab Neichsaußen- mtiktM Dr. Stresemann dem Bedauern Deutschlands über das Ergebnis der bisherigen Abrüstungsverhandlungen Ausdruck.
* Reichspräsident von Hindenburg ist von seiner Reise aus Dessau nach Berlin zurückgekehrt.
* Tas Saargebiet ist bis auf 800 Mann Bahnschutz von teil Franzosen geräumt worden.
* In Warschau begann der Prozeß gegen den Mörder des isisischen Gesandten Wojkow.
Giièle AbweriMg.
Kaswirdausderfrühere »Kriegsanleihe?
Leider ist nach dem „schwarzen Freitag" und der darauffolgenden weiteren Baisse an der Börse viel zu wenig beachtet worden, daß zu den Hauptleidtragenden dabei die deutsche Ablösungsanleihe gehört, die bekanntlich an die Stelle aller früheren Anleihen des Reiches,. vor allem der Kriegsanleihen, getreten ist. Seitdem dieses Papier an der Börse eingeführt ist, befindet sich der Kurs in ständigem, wenn auch täglich nur zu kleinen Verlusten führendem Rückgang. Und dies geschah in einer Zeit, da alle anderen Papiere flott in die Höhe kletterten.
Der Rückgang traf besonders den Kurs jenes Teiles der Ablösungsschuld, der nicht mit dem Auslosungsrecht ausgestattet ist, also den N e u b e si tz von früherer Kriegsanleihe darstellt. Schon der EinführungSkurs dieses Papieres, das unverzinslich ist und keine Aussicht auf höhere Aufwertung aufweist, war eben aus diesen beiden Gründen mit 34 v. H. sehr niedrig, besonders wenn man er- wägt, daß die früheren Neuanleihebesitzer ja nur mit A5 v. H. aufgewertet worden sind. Nun ist aber dieser Kurs mittlerweile auf 17 v. H. heruntergegangen, d. h. die ' Besitzer dieser Schuldverschreibungen verlieren gegenüber dem Einführungskurs noch die Hälfte ihres damaligen Vermögens, wenn sie genötigt sind, an der Börse zu verkaufen. In diesem Falle werden sie nicht etwa auf 2,5 sondern auf ganze 0,37 v. H.! Beim Ichwar- "Vn-Wm^gE^iank der Kurs um 3 v. H., was gering aussieht, es aber nicht ist, weil ja der Kurs schon damals auf 20 v. H. stand. Leider ist seitens der Reichsbank gegen diese „st i l l e Abwertung" nicht das geringste geschehen und doch trifft es gerade weniger Bemittelte, die das allgemeine Börsenrennen nicht mitmachen konnten und nun wieder so viel verloren haben!
Nicht ganz so schlimm, aber immer noch schlimm genug sieht es mit dem Kurs der Stücke jener Ablösungsanleihe, die mit dem Auslosungsrecht versehen ist, also den eigentlichen Altbesitz darstellt. Seit der Emission dieser Anleihe, die ja mit 4,5 v. H. verzinslich ist, deren Zinsen allerdings dem Kapital zugeschlagen werden, die außerdem bei Auszahlung auf 12,5 höhergewertet werden, sind zwei Jahre vergangen; auch hier sank der Kurs vyn 380 auf jetzt 300; eine sehr respektable Leistung! Hier liegt die Notwendigkeit, verkaufen zu müssen, womöglich noch viel öfter vor, weil sie ja zum größten Teil im Besitz von Kleinrentnern usw. ist, die nicht die Zeit abwarten können, bis ihre Stücke ausgelost werden. Denn das kann ja 25 Jahre und noch länger dauern! SÄld diese Leute also ezwungen, ihren Besitz an der Börse verkaufen zu lassen, >o erhalten sie bei dem jetzigen Kursstand von rund 300 nicht etwa die im Aufwertungsgesetz vorgesehenen 12,5
ffen, ist um nichts besser, weil sich natürlich Beleihung gleichfalls nach dem Kursstand
b. H. ihres früheren Altanleihebesitzes, sondern überhaupt nicht einmal 9 v. H., das heißt also auch hier nichts anderes, als daß ein beträchtlicher Teil ihnen e e r l 0 r e n g e h t, daß auch hier eine „stille Abwertung" erfolgt. Einen derartigen Besitz etwa nun bei einer Bank beleihen zu lassen, ist um nichts besser, weil sich natürlich oie Höhe der Beleihung gleichfalls nach dem Kursstand richtet, den das Papier an der Börse hat. Und das trifft aoch wirklich die Ärmsten der Armen!
Die Neichsbank hat bewiesen, wie sehr sie Herr der Börse ist; sie müßte und sollte es als selbstverständliche Ehrenpflicht betrachten, diese Herrschaft auch einmal auf dem Nenteumark-t zu beweisen. Denn bisher ist nichts dergleichen geschehen, sondern die Neichsbank sieht unt verschränkten Armen zu, wie der Kurs der Ablösungs- ickuld tiefer und tiefer sinkt. Namentlich der frühere Alt- anleihebeptz ist doch fast restlos in Deutschland verblieben
'ur?ic le^tc geringe Hoffnung fast unbemittelter Kreise dar. Hiergegen muß endlich etwas geschehen, besonders weil wohl die meisten Besitzer erst m dem .lugeublick zum Bewußtsein des neuen Ver- ustes gelangen, wenn höchste Not sie drängt, das ihnen verbliebene kleine Vermögen in Anspruch zu nehmen. Hier liegt also eine höchste soziale und menschliche Ehrenpflicht derer vor, die eine Besserung herbeizusühren vermögen
rrauerkmibgedmigen für Dr. MusneL
Die Beisetzungsfeierlichkeiten.
Der durch einen Unglücksfall aus dem Leben gerissene bäuerische Staatsminister Dr. K r a u s n e ck wurde in München unter gewaltiger Beteiligung beigefebf. Unter £c” Trauergästen befanden sich Ministerpräsident Dr. Held mit dem bayerischen Gesamtministerium. Reicks- bostminister Dr. Schätzel als Vertreter des Reickspräsi- benten und der Reichsregierllna. Ministerialdirektor Dr. Garden als Vertreter des Reichsfinanzministeriums, er badische Staatspräsident Trunk, der preussische ^wanzminister H ö p k e r-A s ch 0 f f, der württembergische ^minister Dehlinger. das Präsidium des Land- der päpstliche Nuntius Testa und der Kardinal-
Deutschlands Standpunkt zur Abrüstung
Abrüstungsdebatte in Genf.
Forderungen Dr. Stresemanns.
' Während die bisherigen öffentlichen Ratssitzungen /uf der jetzigen Tagung der Völkerbundratstagung in Genf ziemlich eintönig verliefen, kamen am Mittwoch dort Fragen von großem politischen Interesse zur Sprache. Eine dieser Fragen betraf die Arbeiten des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses, über dessen bisherige Tätigkeit der tschechische Außenminister berichtete. Nachdem der französische Vertreter Paul-Boncour sich ziemlich zuversichtlich über die bisherige Tätigkeit des Abrüstungsausschusses ausgesprochen hatte, ergriff Neichsaußenminister Dr. Stresemann das Wort zu folgender Erwiderung:
„Wir alle haben mit gewissen Bedenken die Arbeit verfolgt, die der Vorbereitende Abrüstungsausschuß bisher vollbracht hat. Ohne diese bis jetzt geleistete Arbeit zu unterschützen, müssen wir sagen, daß der Vorbereitend« Ausschuß nicht imstande gewesen ist, die Lösung dieses Problems sehr weit zu fördern. Ich glaube, es ist notwendig, daß eine grundlegende Änderung durchgeführt werden muß, wenn die zweite Lesung nicht mit einem Fehlschlag enden soll, der dem Ansehen des Völkerbundes abträglich wäre. Das Abrüstungsproblem ist eine der wichtigsten Aufgaben des Völkerbundes und aus seiner Lösung beruht in weitgehendem Maße die ganze Wirksamkeit des Völkerbundes. Die Lösung, die noch vor wenigen Jahren einfach aussah, scheint auf einen fernliegenden Zeitpunkt vertagt. Nach dem Pakt haben alle Völkerbundmitglieder die Verpflichtung, ihre R üstungen zu vermindern und eine Aufgabe durchzuführen, die sofort hätte ausgenommen werden- müssen, auch wenn sie nicht in der Völkerbundverfassung sestgelegt wäre, weil sowohl die Existenz wie die Tätigkeit des Völkerbundes von der allgemeinen Abrüstung «5= hängen. Ich möchte die Hoffnung aussprechen, daß die Erörterungen der Völkerbundversammlung im «September hierdurch der ehrliche Wille zur Abrüstung und zur Durchführung von Artikel 8 des Völkerbundpaktes gestärkt werde." *
Um die Rechts des MemeLlMöes.
Litauen sagt Abhilfe zu.
Ein anderer wichtiger Punkt der Sitzuna betraf die Memelfrage. Deutschland hatte bekanntlich beim
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Erzbischof Dr. Faulhaber, dos aesamte Diplomatische Korps, die Konsuln der fremden Mächte in München und andere hervorragende Persönlichkeiten. Während der -Trauerfeier-kreiste ein Geschwader der Süddeutschen Luft - vanfa über dem Friedhof. Nach der Trauerrede des Stadt- vfarrers von St. Ludwig widmete Ministerpräsident Dr. Held dem verstorbenen Ministerkollegen Worte des Gedenkens, in denen er die Verdienste des Toten um das Land Bayern und das deutsche Vaterland würdigte, ein Bild seines Ringens um die finanzielle Gelturig des bayerischen Staates zeichnete und gelobte, dem Vorbild des Verstorbenen nachzueifern. Reichspostminister Dr. Schätzel widmete eine Kranzspende namens des Reichspräsidenten und im Auftrage der Reicksregierung. Der preußische Finanzminister Höpker-Aschoff rief dem Toten namens des Reichsrats und der Finanzminister der deutschen Länder den letzten Abschiedsgruß zu.
Im Bayerischen Landtag fand eine Trauersitzung statt. Mit dem Ministerpräsidenten Dr. Held hatten sich die gesamten Ressortminister an den Regieruugstischen eingefunden. Am Platze des verstorbenen Ministers lag ein mit einem weißblauen Band und Trauerflor umwundenes Blumengebinde. Präsident Königbauer würdigte in einer von den Abgeordneten stehend angeüörten Ansprache das Leben des Verstorbenen, dessen Wirken für Staat, Volk und Vaterland unvergeßlich in Erinnerung fortleben werde
Rückkehr Hindenburgs nach Sedin
Der Besuch des Reichspräsidenten in Anhalt.
Reichspräsident von Hindenburg ist von seiner Reise nach Anhalt wieder in Berlin eingetrosfen.
Vor seiner Abfahrt besichtigte der Reichspräsident Schloß und Orangerie von Oranienbaum. Der RecckS- vräsident sprach zahlreiche vor dem Palais wartende Per- wnen an. Veteranen und andere, nack deren Befinden er sich ausführlich erkundigte. Auf der Fahrt nach Li-alnen- baum erwarteten stürmische Kundgebungen den Retws- präsidenten, der nicht müde wurde, immer uns immer
wieder zu danken. o m
Der Präsident des Landeskirchentages von Anhalt, Ministerpräsident a. D. Dr. Knorr, sandte an den Reichspräsidenten namens des anhaltischeu Landevlrrchentage^
™ NL« Seina IM*> Festtafel gab Ministerpräsident D e i st der druck, daß dem Lande Anhalt ane Sewattfrew. s^ Entwicklung belieben fern möge. Seins Ausführungen klangen in ein Hoch auf Hindcnourg "»^ H-ndenbmg betonte in seiner Erwiderung daß er flciuiflt sei, bte Eigenart der kleinen deutsme n San d er »u erhalten und zu bewahren. Freilich durft^dles i nicht z« Eiacubrötelei uiib Absvuderuna führen. Das Re,Ä m.me
Völkerbund gegen die Unterdrückung des Memellandes durch die litauische Regierung Protest erhoben. Zu Beginn der Völkerbundratstagüng hieß es, daß Litaue— ver Beratung der Memelbeschwerde vor dem Tribunal des Völkerbundrats Schwierigkeiten machen würde. Diese Annahme hat sich indes nicht bestätigt. Der litauische Ministerpräsident Woldemaras gab vielmehr eine Erklärung ab, in der er betonte, daß die litauische Regierung keinesfalls die Absicht habe, das Memelgebiet ohne Volksvertretung zu lassen. Die Wahlen für den Landtag sollen spätestens im September 1927 stattfinden. Die Autonomie des Memelgebiets soll sich nach Zusage des litauischen Ministerpräsidenten weiter auf demokratischer Grundlage entwickeln. Weiterhin sagte Woldemaras zu. daß die politischen und sonstigen Rechte des Memelgebietes in vollem Maße gewährleistet werden sollen.
Aus diese Ausführungen hin gab der deutsche Außen- ininiffer Dr. 'S tzr esemaun die Erklärung ab, daß er daraus verzichte, auf der jetzigen Ratstagung die Memel- frage weiter zu behandeln. Er hoffe aber, daß durch die in Aussicht gestellten Maßnahmen der litauischen Regierung mit größter Beschleunigung im Memelgebiet derjenige Zustand sichergestellt wird, der dem Memelstatut entspricht.
Der Ratsvorsitzende Chamberlain gab seiner Freude über die Erklärung des litauischen Ministerpräsidenten Ausdruck und sprach die Hoffnung aus, daß die Herstellung normaler Verhältnisse im Memelgebiet für alle Zukunft die Behandlung dieses Problems im Völkerbund- mf erübriat.
Emè Sechs-Machie-Bssprechung.
Die Ministerüesprcchungen in Genf werden dauernd fortgesetzt. An der Konferenz, die am Dienstag stattfand, nahmen, wie mitgeteilt wird, Befreier von England, Frankreich, Italien, Japan, Belgien und Deutschland teil. Die Unterhaltung dauerte etwa zwei Stunden und galt einem Gedankenaustausch über die politische Lage. Auch am Mittwoch wurde der Gedankenaustausch der Minister fortgesetzt. In dieser Konferenz wüten Fragen zur Sprache kommen, die die Botschafter- konferenz in Deutschland betreffen.
Auf Wunsch des Reichsaußenministers ist Staatssekretär Weismann nach Genf beordert worden. Man nimmt an, daß die Anwesenheit des Staatssekretärs in Gens erforderlich ist, um den preußischen Standpunkt in chutzpolizeilicheu Fragen gegenüber den Franzosen zu. vertreten.
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nur bestehen, wenn Negrerungungen und Burger aller Lander sich zusammenschließen.
Mit einem dreifachenHurra aus Anhalt und Deutschland schloß der Reichspräsident seine Ausführungeir.
Reichspräsident von Hindenburg vor dem Grabmal des deutschen Kampffliegers Boelcke aus dem Ehren- friebüüf in Dessau.
Die „Schwarze Reichswehr"
Aus dem FemcuntersuchungSausschuß des Reichstages.
Im Fenreuntersullvingsausschuß des Reichstages, der nach längerer Pause am Mittwoch wieder zusammentrat, erstattete Dr. Schaffer (Dtn.) das Korreferat zum Kapitel „Schwarze Reichswehr". Er erklärte, daß keine allzu ausgedehnte Beweisaufnahme nötig sei, und erwähnte dann einige Einzelfälle mit der Betonung, daß er die Ansichi des ersten Referenten, Dr. Levi, nicht teilen könne, daß cs sich bei den Kameradschaftsgerichtcn um eine Feme im Sinne des Aus- schuftbeschluffes handele.
Berichterstatter Dr. Levi (Soz.) hat als Zeugen zu biefer Frage u. a. vorgeschlagen: v. Secckt, Roßbach, General vön Owen, Major Stephani, Major a. D. Buchrucker, Ludendorff, Minister a. D. Hamm, Reichskanzler a. D. Cuno. Dr. Levi erklärte, dem Ausschuß müßten alle Akten zugänglich gemacht werdeit und wenn es auch einen Kamps m 11 d e m M i n i - st e r i u m gebe. Daß die „Schwarze Reichswehr" eine Feme-