Zul-aer /lnzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulba- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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M. 139 — 1927
M
Fulda, Freitag, 17. Zuni
4. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser,
»Der französische Außenminister Briand reiste wegen Er- IiWküng aus Genf ab Die Ministerbesprechungen werden icSholo mcgt wettergefuhrt.
* Die Auflösung des Sächsischen Landtages wurde durch Mhnuilg der darauf abzielenden Anträge der Soztaldemo- [raten und Kommunisten vermieden.
* Käthe Hagedorn, die Kindermörderin von Duisburg, er- hielt eine Strafe von acht Jahren Gefängnis. U
. "Kowerda, der Mörder des russischen Gesandten Wojkow in Rarschau, wurde zu lebenslänglichem Kerker verurteilt.
Locanro in Hufen.
Die Genfer Konferenz ist eigentlich zu Ende;' Vriand ist derart erkrankt, daß weitere Mirüster- bcsprechunaen nicht meyr stattsiuden können und er stach Paris zuruckreifen will. An seiner Stoffe bleibt der be; kannte Sozialist und Parlamentarier Paul-Bancsur zurück, der aber wohl nur noch eine jklrt aufräumender oder registrierender Tätigkeit ausüben wird. t
Das Charakteristische der Genfer Zusammenkunft liegt nach der einen Seite lediglich darin, daß sie zu einer Besprechung der Außenminister Englands, Frankreichs, Deutschlands und der drei kleinen Mächte geführt hat. Zu mehr nicht, wenn man von der Vorbereitung einer Einigung in einer Nebenfrage, nämlich best B e s ch w erden des Memellandes über die bisherige litauische Unterdrückungspolitik, absieht. Man hat über die Mitt- tvochsverhandlunaen, deren Einzelheiten auch jetzt noch durch tiefstes Stillschweigen verhüllt sind, eine offiziöse Mitteilung ergehen lassen, in der gesagt wird, daß „die Mitglieder der Konferenz die in der Schwebe gehlietzenest Fragen geprüft und festgestellt hätten, bis zu welchem Punkte die Erfüllung einiger dieser Fragen gelangt sei; für die übrigen habe man sich über die Mittel und Wege geeinigt, nm'ihre Verwirklichung innerhalb einer möglichst kurzen Frist sick^erzustellen". Besonders wird dann noch hervorgehoben, daß neuerdings „der einmütige Wille fest- gestellt sei, d i e L 0 c a r n 0 p 0 l i t i k f o r t z u s e tz e n,
ben habe und weiter ergeben werde".
Niemand wird behaupten, daß dieses Kommuniguä
zugehen. Man der allgemeine«
Kerade sehr inhaltsreich ist; vieltnehr vermeidet es sorgfältig, auf jede genauere Mitteilung einzugehen. Mau kann es höMtens also als einen Ausdruck der allgemeine« Stimmung betrachten, als eine Vorbereitung für weitere Besprechungen außerhalb Genfs zwischen den einzelnen Kabinetten. Dazu gehört alles, was nun die speziell im deutschen Interesse liegenden Fragen angeht. . Vorläufig weiß also die größere Öffentlichkeit noch nicht, wie besonders die F r a g.e der Ost e n t f e st i - g u n g Deutschlands weitergeführt werden soll, weiß auch nichts davon, was nun aus der Rheinland-- räumung oder aus der von uns zum mindesten ge-
Ivünschten Herabsetzung der Besatzungsstärke wird. Das an Gerüchten reiche Genf will allerdings wissen, daß Frankreich unter gewissen Umständen bereit fei. eine Besatzungsverminderung von 15 000 Mann zuzugestehen, um seinen guten Willen zu beweisen. Das mag sein; doch weiß man nun wieder nicht, was unter diesen „gewissen Umständen" zu verstehen ist. Zweifellos doch Bedingungen, während die Note der Locarnomächtc. an Deutschland aus dem November 1925 diese Herab setzung der Besatzung bedingungslos und lediglich als einen Ausfluß aus dem Locarnoverlrage selbst hin. gestellt hat. Das gleiche gilt hinsichtlich der Gerüchte, du von einem weiten Entgegenkommen Deutschlands in bei Frage sprechen, wie die Feststellung der Ostentfestiguntz nun von feiten der Botschafterkonferenz kontrollier- werden soll. Daß noch einige andere Differenzpunkte hin- sichtlich der bis ins letzte gehenden Entwaffnung Deutschlands behandelt worden sind, ergibt sich ohne weiteres aus der Tatsache, daß der Staatssekretär Weismann nach -enf gereist ist, um mit der Gegenseite diese Restsragen tte Polizei und die Jnstrukti 0 n è bücher bei H ^verbände, zu besprechen.
Es ist also schwer, schon jetzt, ehe man Genaueres weiß, über die Genfer Zusammenkunft ein Urteil z»
3U vntscheiden, ob nun wirklich und endlich bei ^-^.•^ "wichtige Resultate" ergibt, bzw. aus s^ ergeben hat. Deutschland wußt« tpfnu^ Fragen der allgemeinen Weltpolitik -^ .„^ russifch-englischett, bzw. -polnische« ^"" alles andere überragenden Weise im Hierum haben sich in der Haupt- fache die Mmrsterbesprewungen gedreht, aber wir wisse« auch hier nicht, .me sich Deutschlands Vertreter eingestelli hat, ob er vor allem nach jeder Richtung hin se nc« Standpunkt hat wahren können, der in einer absolute« Zentralität nach beiden Seiten hin besteht An Versuchen, ihn davon abzubringen, hat ès zweifellos nickt liefehlt; hoffentlich sind diese Versuche nach jeder Richtuna hm vergeblich geblieben, obwohl es die Sowjetreg,wruno uns durch ihre innenpolitischen Maßnahmen nich^geraÄ lercht macht, auf diesem Standpunkt zu verharren
Der Kampf um »k ponogepWeu.
Der P 0 stminister bleibt dabei.
- . Der Reichstag hat in seiner Mittwochschung eine« Z Zaldemokratischen Antrag auf Zurückziehung bei ^S^’Wßéibörlstfle über die vielbestrittene Portoerhöhunz
Hegen 171 Stimmen angenommen. Rrichspo,» t Schätzel soll aber entschlossen fein, die An- Portoerhöhung ausrechtzuerhalten.
im , f Regierungsparteien sind dem Vernehmen nach 14 . "-"srntlichen geneigt, das Verlangen Schätzels zu^
Für internationalen Zollabbau
Ein Wettwirischastsberichi
- Dr. Stresemanns.
Dte Bedeutung der Weltwirtschaftskonferenz.
In der Donnerstagsitzung der Völkerbundratstagung gab Dr. Stresemann als Berichterstatter über die Arbeiten der Weltwirtschaftskonferenz einen Überblick und betonte, daß die Ergebnisse der Beratungen die bemerkenswertesten und erfolgreichsten waren, die jemals vom Völkerbund veranstaltet worden seien. Der Minister zitierte weiter die Aufgaben, vor die die Konferenz sich gestellt sah, hob die geradezu überraschende Leistung hervor, die in der Zusammenziehung der vielfältigen Probleme auf einige entscheidende Punkte liege, und ging dann auf die drei Hauptgebiete Hand el,Industrie und Landwirtschaft ein.
Bezüglich des Handels habe die Konferenz das Prinzip proklamiert, den internationalen Handel von allen künstlichen Schranken, insbesondere von zu hohen Zöllen zu befreien. Gr forderte in Verbindung hiermit Vereinfachung und Vereinheitlichung der Tarife sowie stufenweisen Abbau der Zollasten.
Aus dem Aufgabengebiet der Industrie hob der Minister die Bedeutung internationaler Jndustrieab- kommen zur Förderung bestimmter Industrien hervor, für die in dem Bericht der Weltwirtschaftskonferenz die Bedingungen und Sicherungen klar herausgearbeitet seien. Ebenso stellte er fest, daß für die Erfordernisse bet Landwirtschaft wichtige Empfehlungen gemacht worden sind.
Dr. Stresemann erinnerte weiter an die diplomatische Konferenz, die für den 17. Oktober d. I. in Genf vorgesehen ist und die die Aufgabe habe; Vereinbarungen zur Beseitigung von Ein- und Ausfuhrhindernissen auszuarbeiten.
Die WeUwirtschaftskonferenz hat, so sagte Dr. Stresemann, in einer ihrer Resolrttionen ein sehr kühnes Wort ausgesprochen, das Wort, daß die Weltwirtschaftskonfe- renz den Anbruch ein er neuen Ära des internationalen Handels bedeute. Es ist jetzt unsere Sache, unseren guten Willen und unsere Energie dafür einzusetzen, um vor dieser kühnen Hoffnung bestehen zu können, wenn später einmal die Versprechungen und die Erfüllung der Weltwirtschaftskonferenz miteinander verglichen werden.
Schließlich sprach Dr. Stresemann den Mitgliedern der Weltwirtschaftskonferenz den Dank des Völkerbundrats aus. In einer Resolution lädt der Völkerbundrat alle Länder und Regierungen ein, den Grundsätzen und Empfehlungen der Wirtschaftskonferenz größte Aufmerksamkeit und Unterstützung zu gewähre«, da diese Grundsätze dazu geeignet seien, die Wirtschaftslage der Welt, besonders aber diejenige Europas, zu verbessern, womit zugleich die friedlichen Beziehungen zwischen den Nations- gestärkt werden.
Auch die anderen sind zufrieden.
Die Ausführungen Dr. Strefemanns als Berichterstatter über die Weltwirtschaftskonserenz gaben im Völkerbundrat Anlaß zu einer ganzen Anzahl von Erklärungen ähnlicher Tendenz. Für Donnerstag nachmittag war eine besondere Sitzung zur Weiterberatung dieses Gegenstandes anberaumt.
unterstützen.. Das Reichskabinett soll alsbald durch einen Beschluß' die Absichten des Reichspostministeriums decken Dann hätte der Verwaltungsrat der Reichspost zu enr- »scheiden. Der Verwaltungsrat hat bisher noch auseinandergehende Meinungen über den Plan. Findet die ^rhöhungsvorlage eine Mehrheit im Verwaltungsrat, so röäre die Erhöhung der Portogebühren unumftogliA Weder Reichsrat noch Reichstag haben das formale Recht, einen Beschluß des Verwaltungsrates umzustoßen.
Deutsch-russische Iesprechung in Berlin.
Freundschaftlicher Geist.
Während der Genfer Verhandlungen über das Rußlandproblem haben zwischen dem deutschen Botschafter Graf Brockdorff-Rantzau und dem gleichfalls in Berlin weilenden sowjetrussischen Außenkommissar. Tschitscherin, ferner zwischen dem Berliner Sowjetbotschafter Krestinski und einer höheren Persönlichkeit des Berliner Auswärtigen Amts freundschaftliche Be- sprechungen stattgefunden, in denen von Seiten Deutschlands auf den Eindruck hingewiesen worden ist, den die fortgesetzten Erschießungen politischer Gefangener in Sowjelrußland und die Meldungen über etwaige sowzet- russische ultimative Forderungen an Polen in der übrigen Welt gemacht haben. Gegenüber anderen Darstellungen kann darauf hingewiesen werden, daß es sich hierbc- lediglich um eine von Deutschland freiwillig ubernam- -mene Informierung der Sowjetrcgierung handelt, nicht aber um einen Auftrag der Westmächte. Von sowwt- russifcher Seite ist der freundschaftliche Geist bte|er Informierung auch anerkannt worden.
Vermeidet UngWcksfalle! Fahrt rechts — überholt links'.
Frankreich war bei dieser Beratung durch Loucheur vertreten. Zunächst wurden die Ausführungen des Berichterstatters von dem holländischen Außenminister van Blokland warm unterstützt. Der Italiener Scialoja empfahl den Bericht gleichfalls >:ur Annahme. Vandervelde unterstrich die Bedeutung der Schlußfolgerungen von Dr. Stresemann und bezeichnete die Ergebnisse der Weltwirtschaftskonferenz als ein „Plebiszit für Vertreter der gaiizen Welt, aller Klassen- und Berufsstände", das die bisher protektionistische Strömung in eine frcihändlerischc umgekehrt habe.
Eine deutsche Erklärung.
Dr. Stresemann gab nunmehr als Vertreter Deutschlands und in deutscher Sprache eine Erklärung ab, in der es heißt: Die Weltwirtschaftskonferenz hat eine sehr verdienstvolle Arbeit geleistet. Es ist jetzt unsere Aufgabe, die Beschlüsse zu verwirklichen, dafür zu sorgen, daß die Beschlüsse der Wclt- wirtschaftskonferenz nicht eine „platonische Geste" bleiben, um einen Ausdruck der Weltwirtschaftskonferenz zu gebrauchen, sondern daß sie Leben bekommen. Ich bin in der glücklichen Lage, zu erklären, daß die deutsche Regierung die Beschlüsse der Weltwirtschaftskonferenz voll und vorbehaltsloS akzeptiert.
Der Minister brachte daraufhin den Beschluß des Reichskabinetts zu den Ergebnissen der Weltwirtschaftskonferenz zur Verlesung und drückte nochmals die Hoffnung aus, daß dem Vorbild der belgischen Regierung noch viele Regierungen folgen werden.
Durch die Verhandlungen der Weltwirtschaftskonferenz ist die Aufmerksamkeit und der Wille der öffentlichen Meinung auf diese Wirtschaftsprobleme gelenkt worden. Nutzen wir diese Aufgabe mit bestem Willen, indem wir uns alsbald, se schnell wie möglich — am besten morgen schon — an die Prak, tische Arbeit machen. Jeder Tag, der arbeitslos vergeht, ist ein Verlust, denn mit jedem solchen Tag gelangen die Beschlüsse der Weltwirtschaftskonferenz wieder in den Hintergrund des öffentlichen Interesses und die Einmütigkeit und der Wille zur Zusammenarbeit und Verständigung verfluch- ..JtißSn sich wieder.
Frankreich und Rußland.
Dem diplomatischen Korrespondenten des „Daily Lelegraph" zufolge besteht guter Grund zu der Annahme, daß, obgleich Briand gegen eine völlige Lösung der diplomatischen Beziehungen mit Moskau sei, der gegenwärtig in Frankreich weilende französische Botschafter in Moskau, . Herbette, nicht nach Moskau zurückkehren wird, wo in Zukunft nur noch ein Geschäftsträger verbleiben werde. Infolgedessen werde erwartet, daß Rakowski, einer bcT „bittersten Feinde Englands", nicht mehr lange in Paris bleiben werde
MMuß der Ini^naffonaren ArSeNsronserenz.
Die Internarkonccke ArSeMskonsVrenz in Genf ist naA dreiwöchiger 2) anet abgeschlossen worden. Der Direktor- des Arbeitsamtes betonte dabei, daß es nach den auf der diesjährigen Arbeitskonserenz entstandenen Schwierigkeiten nunmehr dem Arbeitsamte obliegen werde, deren eigentliche tieferliegende Gründe zu erforschen, für die die Ablehnung des Fragebogens yir gewerkschaftlichen Frei- tMt nur als Symptom aufgefaßt werden könne, da dieses negative Ergebnis die eigentlichen Gründe der entstandr- nen Schwierigkeiten nur verschleiere.
M Kowerva levensianglicher Kecker.
Die Tat eines einzelnen.
Das außerordentliche Gericht in Warschau verkündete «ach eintägiger Verhandlung gegen den Mörder deS Sowjetgesandten Wojkow das Urteil. Er wurde zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteilt. Das Gericht faßte gleichzeitig einen Beschluß, auf Grund dessen der Staatspräsident ersucht werden soll, die Strafe in eine 15jährige schwere Kerkerstrafe umzuwandeln.
In der Verhandlung wurde festgestellt, daß der Vater Kowerdas früher Offizier im Heere des Zaren war. Dann diente er als Offizier im bolschewistischen Heer, hielt aber die Verhältnisse nicht, aus und floh nach Polen. Hier trat er vor kurzer Zeit mit der antibolschewistischen Gruppe Sawinkow in Verbindung. Die Mutter Kowerdas bezeichnete ihxen Sohn als seit langem nervös und kränklich. Er habe mit seinem kleinen Einkommen bei dem weißrussischen Monarchistenblatt in Wilna zeitweise die ganze Familie ernähren müssen. Kürzlich habe er sich sehr aufgeregt, als die unbestätigte Nachricht kam, daß zwei seiner Schulfreunde von den Bolschewisten ums Leben gebracht worden seien. Kowèrdo erschien während der ganzen Verhandlung ziemlich gleichgültig. Seine angeblichen Beziehungen zu russischen Monarchisten wurden kaum gestreift. Irgendwelches belastendes Material in dieser Beziehung lag nicht vor. Der frühere sowjetrussische Geschäftsträger Rosengolz schilderte als Zeuge den Verlauf des Attentats. Der Staatsanwalt vertrat den Standpunkt, daß der Mord als die Tat eines einzelnen zu betrachten sei, der sich weder von irgendwelchen Organisationen noch von sonstigen Begleittrmständen leiten ließ.
K 0 w e r d a selbst sagte, als der bolschewistische Umsturz erfolgte, sei er Schüler des Realgymnasiums in Samara gewesen. Dort war er Augenzeuge des Chaos und der Terrorakte. Im Jahre 1919 kam er nach Polen. In dieser Zeit entstand in ihm die Absicht, den Kampj gegen den Bolschewismus zu beginnen. Er beschloß, den Gesandten Woikam sh täten, Er osdsirsr^ teht. Steil